Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 55 (12.7.1927)
- Date
- 1927-07-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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- Amman 2× ep/1044017
- Haifa 1× ep/1047930
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Nr. 55, 12. VIL 1927 JUEDISCHE RÜFtoSCHAO Seite 393 In Transjordanien Von Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem. Ich will im Folgenden einige Eindrücke von einem zweitägigen Aufenthalt in Transjordanien, bei dem Es Salt, Amman, Gerasa berührt wurden, nicderlegen. Wir wissen noch so wenig von diesem Lande, das ein Teil Erez Israels ist, daß auch der flüchtige Reisende berechtigt, ja verpflichtet ist, über seine Eindrücke zu berichten. Die größte Ucberraschung dieser Reise war für mich, daß Transjordanien, weit davon entfernt, eine Wüste zu sein, vielmehr an Fruchtbarkeit und natürlichem Reichtum des Bodens Westjordanien weit hinter sich läßt. Wenn man von Jerusalem aus die völlig wüsten Berge Judäas verlassen hat, wenn man, Jericho durchquerend, nach weiteren 10 km an die Allenby-Bridge kommt, den Jordan überschreitet (ohne Paßkontrolle!), so mutet die Landschaft zunächst noch sehr vertraut an. Der östliche Teil der Jordansenke unterscheidet sich kaum von dem westlichen. Aber das wird anders, so bald die Straße zu steigen beginnt. Der ganze Weg bis Es-Salt herauf, das schon wieder fast so hoch liegt wie Jerasalem, führt an einem Flüßchen entlang, das auch jetzt im iuni reichlich Wasser führt und auf beiden Seiten von hohen, lühenden Oleanderbüschen eingefaßt ist, die der Landschaft einen in Palästina ganz ungewohnten, lieblichen Eindruck verleiht. Es-Salt selbst, ein im übrigen nicht besonders interessantes Städtchen, liegt inmitten herrlicher Gärten, in denen besonders wahrhaft riesige Feigenbäume auffallen, Bäume im europäischen Sinne des Wortes, die Schatten geben, sowie zahllose Granatäpfelbäuine, die offenbar dort besonders viel gepflanzt werden. Die Lage erinnert einigermaßen an Djennin. Wasserreichtum bleibt aber auch sonst charakteristisch für das Land. Amman liegt an einem Quellarm des Jabbok, der als ein richtiger, auf beiden Ufern von Bäumen eingefaßter Fluß die Stadt durchzieht, zahlreiche Gärten bewässert und der Gegend einen überaus fruchtbaren Charakter verleiht. Ganz ähnlich ist es auf der mehrstündigen Autofahrt von Amman nach Gerasa: Kleinere und größere Flußläufe, Baumwuchs, der zum Teil geradezu waldähnlichen Charakter annimmt, so daß unser Chauffeur sich — übertreibend — an die heimischen russischen Wälder erinnert glaubte, Quellen, gefaßte, teilweise aber auch ungenutzt von den Bergen rinnend und schließlich der Jabbok selbst, der auch im Juni eine starke Strömung hat, im letzten Kriege aber, zur Regenzeit, für die nachrückenden Engländer ein ernsthaftes Hindernis bot. Gerasa selbst liegt wiederum an einem Flüßchen, das das moderne Tscherkessendorf von der alten Griechensiedlung scheidet. Wo man Felder sieht, machen sie einen ausgezeichneten Eindruck. Die zweite auffallende Tatsache ist die Leere des Landes. Während man im westlichen Palästina doch den Eindruck hat, daß fruchtbarere Gegenden, vor allem solche mit fließendem Wasser im allgemeinen besiedelt sind, ist diese Gegend fast ganz leer. Man kann stundenlang fahren, ohne einen Menschen, ein bebautes Feld zu finden. Auf der etwa 80 km langen Strecke von der Jordanbrücke bis Amman gibt es zwei Dörfer, ein arabisches und ein tscherkessisches, sowie die Stadt Es-Salt; auf dem Wege zwischen diesem Tscherkessendorf und Gerasa, wiederum etwa 80 km, gibt es ein einziges Dorf. Ueber die Araber Transjordaniens soll nur das eine gesagt werden, daß bei ihnen das beduinische Element eine viel größere Rolle spielt als im Westlande. Es-Salt ist eine Siedlung früherer beduiniseher Familien, denen man die Seßhaftigkeit noch immer nicht ganz glaubt. Ammans Bedeutung liegt darin, daß sich dort der Haupthandelsplatz für den Verkehr mit den Beduinen befindet. Auffallender aber ist das andere wichtige Bevölkerungselement: die Tschcrkessen. Es gibt bekanntlich auch in Palästina tscherkessische Dörfer, so in Untergaliläa, aber sie verschwinden hier gegenüber der arabischen Mehrheit, ln Transjordanien spielen sie eine weit größere Rolle. Man weiß ja, wie dieses Kaukasusvolk nach Palästina verschlagen wurde: es sind sogenannte ״Muhadjirs“, Rückwanderer, die 1878 nach dem russisch-türkischen Kriege bei der Türkei bleiben wollten und von den Türken als ein reichstreues Element betrachtet, in unsichere Gegenden versetzt wurden. Man erkennt schon kilometerweit, ob ein Dorf arabisch oder tscherkessisch ist. Die arabischen Dörfer, wie wir sie aus dem Westlande kennen, aus Lehm gebaut, unscheinbar, aber in die Landschaft passend; die tscherkessitrugen die Suppe auf, als plötzlich ein peinlicher Zwischenfall ein trat. Eines der Mädchen stolperte nämlich und schüttete dem Präsidenten einen Teller Suppe über den Rock. Alles erschrak, doch der Präsident, liebenswürdig wie er ist, meinte beruhigend, es sei nichts. Und wahrlich: er war ein Prophet. Es war wirklieh nichts. Denn als nach einigen Minuten die heiße palästinensische Sonne die Flüssigkeit getrocknet hatte, trat ein Wunder ein. Staunend nahmen die Anwesenden wahr, daß kein Fettfleck zurückgeblieben war. Rein und weiß war des Präsidenten Anzug, als wäre nicht ein paar Minuten vorher ein Teller Suppe über ihn gegossen worden. Kein Fleck, kein Zeichen, das auf Fett hätte schließen lassen, verunzierte ihn. Das war das Wunder von Nahalal. Damit im Zusammenhang, das heißt mit dieser Reise des Präsidenten Masaryk im Zusammenhang, sei eines kleinen Intermezzos Erwähnung getan. Vorausgeschickt sei, daß eines der geflügelten Worte, besonders in dieser Zeit Palästinas, das selbst Jeder Fremde im Tag tausendmal hört, das schöne Wort״ ׳ma- Fisch massari“ ist, das wörtlich übersetzt bedeutet: ״Es ist kein Geld da." Im jüdischen Technikum in Haifa nun war gleichfalls der Besuch des Präsidenten angesagt. In erwartungsvoller Stimmung standen nun den ganzen Tag Lehrer und Schüler, bis gegen Abend die Vergeblichkeit der Erwartung Immer klarer wurde (die Reisedisposition des Präsidenten war!m letzten Augenblick geändert worden). Da löste plötzlich mit dröhnender Stimme der bekannte Berliner Architekt Baerwald die Stimmung müde werdender Erwartung in ein ebenso dröhnendes Gelächter, als er verzweifelt den Ruf ausstieß: ״mafisch Masaryk.“ _ Jüdische Literatur in PEN-Klub Brüssel, 6. Juli. (J.T.A.) Der Internationale Kongreß der P. E. N.-KIubs, der Ende Juni unter der Präsidentschaft von John Galsworthy in Brüssel getagt hat, nahm eine Resolution an, in welcher dem Wunsche nach baldiger Begründung eines hebräischen P.E.N. - Klubs in Palästina Ausdruck gegeben wird. Wie berichtet, beschloß der Kongreß, der Errichtung eines jiddischen P.E.N.-Klubs mit dem Hauptsitz in Polen als Teil des Internationalen P. E. N. - Klubs zuzustimmen. sehen dagegen blendend weiß gekalkt, sauber gehalten, mit Gärten umgeben. Die Tschcrkessen, hohe blonde, kräftige Gestalten, wirken höchst eigenartig in der semitischen Umgebung. Sie sprechen noch heute tscherkessisch, manche russisch, haben aber natürlich auch arabisch gelernt. Man sieht viele ethnographische Merkwürdigkeiten: der Baustil ihrer Moschee, die mit zwei Büffeln bespannten, aus Stroh geflochtenen ,Wagen, deren Räder, ohne Speichen, aus einer großen Holzscheibe, manchmal sogar aus Eisen gefertigt sind. Nun einiges über Amman und, im Zusammenhang damit über die politische Situation des Landes. Amman ist heute eine Stadt von etwa 10000 Einwohnern, die aber noch volkreicher wirkt, weil in ganz besonders auffallender Weise sich das Leben auf der Straße abspielt, auf der Straße, denn im Grunde gibt es nur eine. Das übliche Bild einer arabischen kleinen Stadt ist hier in Reinkultur vorhanden, wie man es in Palästina kaum noch findet, etwas anders geartet DER XV. KONGRESS Wie bei den letzten Konjjres«en wird auch dieses Mal wieder ein vollständiger Verhandlung* - Bericht in der offiziellen Kongreß-Zeitung erscheinen. Wir legren den grröflten Wert daranf, daß m»s• liehst alle Leser der ״•I&diaehen Rundschau“ die KongreBzeitnng: bestellen und dadurch, auch wenn sie nicht persönlich am Konjfreß teilnehmen können, eingehend über den Verlauf der wichtigen Tagung informiert werden. Wir werden in den nächsten Tagen eine direkte Alton״ nementsaufforderang an alle unsere Abonnenten richten nnd die Einziehung der Bezugsgebiihren in Höhe von RM. 3.30 für die vorgesehenen 12 KongrcB-Nnminern durch Nachnahme ankündigen. Wir rechnen mit Bestimmtheit darauf, daß unserer Abonnementseinladung Folge geleistet werden wird nnd Litten unsere Leser, uns darüber hinaus •n den ihnen nahestehenden Kreisen bei der Propagierung der Kongreßzeitnng zu unterstützen und uns Abonnements anfzugeben. VERLAG ״JÜDISCHE RUNDSCHAU“ BERLIN W 18, MalnekestraBe 10 nur durch die Häufigkeit der Beduinen und im gegenwärtigen Augenblick flüchtiger syrischer Drusen. Man erkennt die Drusen sofort an den lang herabwallenden Haaren und den wilden Gesichtern. Die Stadt hat einige schmutzige arabische Hotels, dazu ein leidlich europäisches, das in erster Linie auf die vorläufig noch spärlichen Touristen eingerichtet ist und für transjordanische Verhältnisse luxuriös, für unsere westjordanischen Begriffe ganz annehmbar ist. Das Essen ist ganz europäisch-englisch, freilich mit übermäßiger Berücksichtigung des Hammelfleischs. Was im Straßenbild von Amman besonders auffällt sind, die Uniformen: Schutzleute, darunter zahllose und sicher nicht übermäßig beschäftigte Verkehrsschutzleute, Mitglieder des transjordanischen Grenzkorps, britisches Militär. Denn Amman ist heute ein wichtiger Knotenpunkt für den unter britischem Schutz stehenden Teil des vorderen Orients. Verläßt man die arabische eigentliche Stadt, so kommt man nach etwa 2 km zu einem ganz anderen Stadtteil. Hier liegt der Bahnhof von Amman, eine Station der Hedschasbahn, von wo dreimal wöchentlich die Bahn über Deraa nach Damaskus oder Haifa und einmal wöchentlich nach Süden bis Maan geht. Der Bahnhof stammt noch aus türkischer Zeit. Man sieht die Eisenbahnwagen mit H. R. (Hedschas Railway) gezeichnet. Unmittelbar neben dem Bahnhof, befindet sich das Gefängnis, das Barackenlager des Grenzkorps und auf einem Hügel, das englische Truppenlager mit den Offiziersbaracken und dem Fliegerlager, während auf einem anderen Hügel, in einem villenartigen Gebäude, der Emir Abdallah wohnt. Das also ist das andere Amman, das militärische und politische. Ich hatte Gelegenheit, mich mit einem der 18 Juden zu unterhalten, die es in Amman gibt. Es handelt sich ausschließlich um ,;neuen Jischuw“, wenn man diese Bereichnung hier anwenden kann. Etwa ein Dutzend jüdischer Arbeiter, wirkliche Chaluztypen, sind in dem englischen Lager angestellt, wo sie technische Arbeiten machen, wie z. B. mein Gewährsmann dort Elektrizitätsarbeiter ist. Er erhält eine ziemlich hohe Bezahlung, nämlich 50 Piaster für den Arbeitstag, hat eine Baracke wohl kostenlos zur Verfügung und kann Geld sparen, zumal die Lebensmittel natürlich sehr billig sind. Freilich fühlt er sich trotzdetn sehr unglücklich. Er kann zwar so weit Arabisch und Englisch, um sich bei der Arbeit verständigen zu können, aber, sobald die Arbeit beendet ist, ist er ziemlich isoliert, liest viel und freut sich, gelegentlich nach Jerusalem zu fahren. Es gibt außerdem noch ein paar vereinzelte Juden, so einen Beamten bei der Ottomanbank. In den letzten Tagen freilich hat sich das etwas geändert, indem der Bau des Gebäudes für die englische Verwaltung einem jüdischen Unternehmer und jüdischen Arbeitern übertragen wurde und sich inzwischen 22 Arbeiter und 2 Arbeiterinnen dort hinbegeben haben. Aber es ist ja nur eine vorübergehende Zunahme der jüdischen Bevölkerung. Im Ganzen hat man den Eindruck, daß die englische Herrschaft sich in Transjordanien stärker bemerkbar macht als im Westjordanien. Man sieht mehr Uniformen. Die Sicherheitsverhiiltnisse sollen recht gute sein und das Chausseennetz ist in ausgezeichneter Ordnung wie stets, wenn britische Militärinteressen auf dem Spiele stehen. Da die Straßen weniger benutzt werden als im Westlandc, sind sie sogar in besserem Zustande. Und nun, last not least: das Archäologische. Amman, das auf Hebräisch Rabbath Ammon heißt und die alte Ammoniterhauptstadt war, gehörte in hellenistisch-römischer Zeit unter dem Namen Philadelphia zur sogenannten Dekapolis, dem Bunde von 10 griechischen Städten, zu denen auch Gerasa gehörte, neben anderen Orten, die hier nicht zu erwähnen sind. Von den im Bädecker genannten Sehens- Würdigkeiten Ammans kommt nur eine wirklich in Frage, die aber in ganz hervorragendem Maße: das Amphitheater. Es liegt inmitten der Stadt und ist so gut wie unversehrt erhalten. Es bot Platz für etwa 3000 Menschen und, wenn man von der obersten Reihe seinen Blick über den Platz schweifen läßt, wenn man die Reste der Säulenstraße und des Odeons sicht, so mag man mit etwas Phantasie ein Bild der damaligen Zeit vor die Augen zaubern. In Gerasa freilich bedarf es einer solchen Phantasie nicht. Was dort noch steht, ist weit mehr als vereinzelte Ueberbleibsel einer Stadt, es ist so überwältigend und reich, daß, wenn dieses Gerasa zufällig nicht in Transjordanien, sondern etwa in Italien läge, es eine archäologische Berühmtheit ersten Ranges wäre. Die alte Stadt ist von dem jetzt bewohnten Tscher* kessendorf durch das Flußtal völlig geschieden, so daß nichts den einheitlichen Eindruck zu zerstören vermag. Das Tscherkessendorf ist, wie nebenbei bemerkt sein mag, fast gänzlich aus den Trümmern des alten Gerasa erbaut. Aber was übrig geblieben ist, lohnt der Mühe. Vom Triumphtor im Süden bis zu dem Nordtor führt die etwa 3 km lange Straße, mit ihrem alten Pflaster, von Säulen eingefaßt, von denen noch etwa 100 stehen, am kleinen und großen Markt vorbei, links und rechts die Ueberbleibsel der wichtigsten Gebinde, Tempel, Theater, Basilika, Badeanstalten. Manche dieser Gebäude, so etwa der Tempel des Sonnengottes, sind 80 wohl erhalten, daß man eine vollständige Vorstellung des alten Gebäudes erhält. Die Mandatsregierung tut heute Einiges, zwar nicht um auszugraben, aber wenigstens um zu konservieren. Ein kleines Museum ist im Werden, daß vor allem die gefundenen Inschriften sammelt. Ich muß mich hier auf diese wenigen Andeutungen beschränken, will nur betonen, daß Gerasa allein einen Besuch von Transjordanien mehr als lohnend macht. Der Jordan, der ja Palästinas Fluß, nicht seine Grenze ist, trennt heute Transjordanien für das Gefühl des Palästinensers völlig vom eigentlichen Palästina. Keinerlei Paßzwang besteht, in derselben Zeit, in der man von Jerusalem ins Emek fährt, kann man in Amman sein. Die Autostraße ist gut, die Sicherheitsverhältnisse lassen nichts zu wünschen übrig. Landwirtschaftliche Schönheit, die selbst die schönsten Stellen des Westlandes übertrifft» reiche historische Erinnerungen, archäologische Kostbarkeiten sollten viel mehr Be• suchcr des Landes wie auch Palästinenser selbst veranlassen, diesem Gebiete ihren Besuch abzustatten. ״Massad“ Die unter dem Namen ״Studiah dramatit Massad (Fundament)“ in Jerusalem bestehende Schauspielerschule ist aus einer dramatischen Gruppe des ״Gdud Awodali al schem Josef Trumpeldor“ hervorgegangen. Diese entstand vor etwa drei Jahren aus einem stark empfundenen Bedürfnis nach Schaffung einer kulturellen Atmosphäre innerhalb der Jerusalemer Plugah (Abteilung) des Gdud, einem großen und in enger Gemeinschaft lebenden Verbände städtischer Arbeiter. Diese Gruppe wurde durch den günstigen Umstand, daß sie von Anfang an unter sachverständiger Leitung arbeiten konnte, davor bewahrt, im Dilettantischen stecken zu bleiben. Frau Arnon, die viele Jahre schauspielerisch an bedeutenden russischen Bühnen gearbeitet und sich schon immer für die Bestrebungen des jüdischen Arbeitertheaters eingesetzt hatte, übernahm die Führung des jungen Unternehmens. — Die Arbeitsbedingungen, besonders während des ersten Jahres, waren denkbar ungünstig. Davon abgesehen, daß unter dem in der Jerusalemer Gruppe des Gdud zur Verfügung stehenden Schülermaterial sich nur ein geringer Teil als befähigt erwies, war es naturgemäß sehr schwierig, hei den wechselnden Arbeitsbedingungen und nach der schweren, körperlichen Tätigkeit des Tages in den allein zur Verfügung stehenden Abendstunden noch einen geregelten Lehrbetrieb durchzuführen. Als ״Studienraum“ mußte eine defekte Baracke dienen, und der Merkas des Gdud konnte nur ein ganz kleines Budget zur Verfügung stellen. — Unter Berücksichtigung all dieser widrigen Umstände war die Einstudierung von Andrejew’s ״König Hunger“, dessen ״Premiere“ nach 8 monatlicher Vorbereitung im Versammlungsraum des Gdud stattfand, eine sehr beachtenswerte Leistung. — Eine primitive ״Gastspielreise“ auf Lastautos in die Siedlungen des Emek schloß sich an und wurde durch ihren erfolgreichen Verlauf zu einem Ansporn zu weiteren Anstrengungen. — Um neue Kräfte für den Ausbau des Kreises zu gewinnen, wurde die Arbeit auf kurze Zeit unterbrochen und Prüfungen in Tel-Josef und in allen anderen Gruppen des Gdud veranstaltet, als deren Ergebnis eine Reihe weiterer Schüler aufgenommen wurden. — Nun begann man, ein systematisches Lehrprogramm durchzuführen und für einige Fächer Speziallehrer zu verpflichten. Um einer weiteren Oeffentlichkeit Gelegenheit zu geben, einen Einblick in das Wesen und die Ergebnisse dieser Arbeit zu erlangen, wurden im vergangenen Jahre eine Reihe von ״Schiure l’dugma“ (Musterlektionen) gezeigt, die, in Form von kurzen Szenen, sehr glücklich ihrer Aufgabe gerecht wurden; einen Begriff von der Methodik des Unterrichts zu geben. Diese Demonstrationen wurden außerordentlich beifällig aufgenommen, und lenkten zum ersten Mal die Aufmerksamkeit dei Kreise, die an der Entwicklung der hebräischen Bühne im Lande interessiert sind, auf die hier geleistete, zähe und ernste Arbeit. Dieses Interesse fand seine tätige Auswirkung in der Gründung eines Jerusalemer Zweiges der Gesellschaft ״Tai“ (Thcatron Arzi-Jisraeli), deren Zentrale sich in Tel-Awiw befindet, und deren Aufgabe die Förderung des hebräischen Theaters ist. Diese Gesellschaft unternahm es jetzt, die finanziehen Grundlagen für eine gesicherte Arbeit des Unternehmens zu schaffen. Hiermit begann eine neue Periode in der Ent- Wicklung der Schule. Es wurde beschlossen, in der Aufnahme von Schülern nunmehr über den Rahmen des Gdud hinauszugehen, und die im September vorigen Jahres veranstalteten öffentlichen Prüfungen ergaben eine Verdoppelung der Schülerzahl. Eine außerordentlich wertvolle Bereicherung der Lehrkräfte bedeutete die Verpflichtung des Regisseurs Gnessin, des Leiters der Schule der ״Tai“ in Tel-Awiw, als Lehrer. Seit 9 Monaten arbeitet das ״Studio“ in dieser neuen Form unter dem Namen ״Massad“ (Fundament), der den Hinweis auf das Programm enthält, an der Schaffung der Grundlagen für den Aufbau des hebräischen Theaters im Lande mitzuarbeiten. Es werden gegenwärtig zwei Aufführungen vorbereitet: ״Mo sch i ach ben Josef“ von St ein man einem jüdischen Dichter, der während der Pogrome in Rußland, erst 23jährig, getötet wurde, und ״Der ewige Jude" von Pinski. Die Erstaufführung von ״Moschlach ben Josef“ wird in einigen Wochen stattfinden. Die Regie führt Frau Arnon, Musik schrieb Rosowsky, die Dekorationen entwarf Saposhnikow und die Tänze studiert Frau Orn stein ein. — ln diesen Tagen erscheint das Werk in der Ucbersetzung aus dem Jiddischen ins Hebräische von I. Jaari, im Buchhandel. Adolf Abraham, Lucien Wolf wurde, jetzt zum achten Male, 2am Präsidenten der Jewish Historical Society of England gewäMt.