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Jüdische Rundschau · 1927-07-08 · Heft 54 (8.7.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 54 (8.7.1927)
Date
1927-07-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 388 Nr. 54, 8. VH. 1927 ^ךmmmmwיmf^3mrtסK1s Die Wahl Palästinas hat nicht das mindeste mit ״füdjseher Weltanschauung“ zu tun. Wenn Herz! nach Jahren übermenschlicher Arbeit für die Erlangung des palästinensischen Charters die provisorische Besiedelung• eines anderen Landes vorschlug, und zwar m i t Unterstützung weitester traditionell gesinnter Kreise, sogar hervorragender Führer des Misrachi (man lese das Protokoll des VI. Kongresses), so soll man sich hüten, aus diesem Akt momentaner politischer Verzweiflung einen ideologischen Gegensatz zwischen ihm und uns zu konstruieren (der liegt ganz wo anders). Die Wahl Palästinas hat nichts zu tun mit einem Bekenntnis zur jüdischen Tradition im Sinne der orthodoxen Weltanschauung. Die Tatsache, daß dem gesetzestreuen Juden das Land Palästina untrennbar mit seiner jüdischen Vorstellung verbunden ist, berechtigt nicht zu dem Schluß, daß nun auch umgekehrt jeder zionstreue Jude das Gesetz anerkennen muß. Land und Lebensform sind inkongruente Begriffe. V. Die Forderung des ״Lernens“, die Ernst Simon (außer in dem von ihm zitierten Artikel im ,,Juden“) hier wieder erhebt, zwingt zu eindeutiger Erklärung. Das an uns gerichtete Verbot, über etwas eine Meinung zu äußern, das wir gar nicht hinreichend kennen, setzt zuerst in Verlegenheit. Bald jedoch erkennt man, daß es unberechtigt ist. Keinem von uns würde es einfallen, über das jüdische Gesetz auch nur einen Satz zu schreiben, wenn wir nicht ständig in Abwehr stünden. Dem Judentum wird das Gesetz als einzig legitime Lebensform imputiert. Wer dies schon deshalb zu Bestreiten wagt, weil er selbst trotz seines warmen Nationalgefühls gar kein Bedürfnis spürt, sich religiösen Ordnungen zu unterwerfen, dem wird bedeutet, daß er erst ablehnen dürfe, wenn er mit Ernst geprüft habe. Wir sollen erst berechtigt sein, unsere These von dem Galuthcharakter des Gesetzes zu vertreten, wenn wir in jahrelangem Studium zu den Quellen gestiegen sind. Man vergegenwärtige sich, was dieses Ansinnen bedeutet. Um die Legitimation zu besitzen, für das jüdische Gemeinwesen Glaubens- und Gewissensfreiheit fordern zu dürfen, verlangt man ein ״Lernen“, das ohne innere Bereitschaft sich zur profanen Handlung degradiert. Jedes Studium setzt zweierlei voraus: Veranlagung und spezifisches Interesse. Hier jedoch wird auch von dem ungeistigsten Menschen schwerste intellektuelle Leistung als angebliche jüdische Verpflichtung verlangt. Eine widernatürliehe Forderung! Aber auch wem seine Begabung es ermögliehen würde, zu ״lernen“, der muß doch das bißchen freie Zeit, das der Beruf im besten Falle übrig läßt, für die Disziplinen reklamieren dürfen, die sein besonderes Interesse aiismachcn. Der Entschluß, alles andere hintanzustellen, setzt doch den Glauben voraus, im jüdischen Schrifttum nicht nur kulturhistorisch interessante Dokumente und eine Fülle heute noch gültiger Weisheiten, sondern entscheidende Lebensbereicherung zu finden. Diesen Glauben haben wir nun einmal nicht. Ernst Simon und seine Freunde sind so fest davon überzeugt, die jüdisch-traditionelle Lebensform gehöre zum jüdischen Menschen, daß sie eine Art ״gesetzliehe Vermutung“ aufstellen. Der Gegenbeweis im Einzelfall wird zugelassen. Das nach sorgfältigstem Talmudstudium ausgesprochene ״Nein“ erklärt Simon als ״legitimiert“. Wir aber wehren uns gegen die ״Legitimation“ der an uns gerichteten Forderung. VL Der Schluß des Simonsehen Aufsatzes bringt ein sehlimmes Mißverständnis. Simon glaubt aus meiner Wendung vom ״religiös-metaphysischen Nationalcharakter des Judentums“ mein Bekenntnis zum Auserwähitheitsgedanken herauslesen zu können. Hätte er den Abschnitt II meines einleitenden, Aufsatzes noch in Erinnerung gehabt, so wäre ihm dieser’ Irrtum erspart geblieben. Nein, ich bin weit entfernt davon, an eine ״Metaphysik der jüdischen Nation“ zu glauben (unter der ich mir, nebenbei bemerkt, kaum etwas vorstelien kann). Meine Ablehnung des jüdischen Gesetzes gilt nicht zum wenigsten seiner Absonderungstendenz, die von der Vor- Stellung ausgeht, daß Gott die Juden auserwählt habe vor allen anderen Völkern und in einem besonderen Bunde mit ihnen stehe. Wir sind zwar sehr entgegengesetzt den Griechen, aber ein genau so ״natürliches Volk“ wie sie. Auch ״wir wissen, daß wir einmal untergehen müssen, aber jetzt wollen wir noch kämpfen“. Wofür? Für die Ueberwindung jener Beziehungslosigkeit, die der Feind alles Lebens ist. Für neue, sinnvollere Formen menschlicher Sozialität.^ Das ist der Sinn unserer jüdischen Nationalidee: den Nationalismus zu überwinden. Oder, um mit Arnold Zweigs ״Caliban“ zu reden: ״Die Seins-Unterschiede zwischen den Völkern wert- und affektfrei zu machen.“ Der Auszug der Kinder Israel aus zweitausendjähriger Zerstreuung ist ein geschichtliches Wunder. Er kann nicht den Sinn haben, zu den zahllosen existenten eine neue Nation zu etablieren. Ein Volk, das eine solche Schmerzensgeschichte erlitten hat wie wir Juden, lebendigstes Beispiel für Wahn und Unvernunft und Liebesmangel der Menschen — eine so seltsame, geheimnisvolle Menschengruppe kann nicht leben, ohne eine Mission in sich zu fühlen. Wenn dieses Volk in seine Heimat zieht, uneingedenk seiner Geschichte, wenn es seines Wesens sich entkleidet, um das billige Glück der Staatlichkeit zu genießen, wenn es der Nachahmung dessen verfällt, was es in Jahrhunderten der Qual als feindliche Macht am eigenen Körper verspürt hat, — dann wäre Zionismus Untreue an der unwandelbaren Aufgabe des Judentums. in diesem ״metanationalen“ Ideal werden viele Zionisten sich finden, die sonst getrennte Wege wandeln. Die russische Zionisten -Konferenz 1917 Am 23. Juni fand in Tel-Awiw eine feierliche Versammlung zum Gedenken der großen russischen Zionistenkonferenz, die vor zeh n J ähren, im Jahre 1917, in Petrograd getagt hatte, statt. Viele Hunderte von Menschen hatten sich eingefunden. Herr J. Ros o f f eröffnete die Versammlung. Herr L. Jaffe, der zum Vorsitzenden gewählt wurde, hielt die Eröffnungsrede und sprach von dem Geist, der den russischen Zionismus vor zehn Jahren beseelt hat. Die Zionisten haben damals das jüdisehe Leben Rußlands beherrscht. Sie haben in jener Konferenz die Grundlagen für die Arbeit in Palästina nach dem Kriege und für die Organisierung des russischen Judentums gelegt. Heute verblutet das russische Judentum. In diesen Tagen der Bedrückung müssen wir jener Tage gedenken und den Geist der Traditionen des russischer! Zionismus neu erstehen lassen, den unzerstörbaren, unerschütterlichen Glauben und die brüderliehe Zusammenarbeit ungeachtet aller Meinungsverschiedenheiten. Col. Kisch im Namen der zionistischen Exekutive, Ussischkin (von seiner Reise nach Kanada)v Griinbaum, M. Kleinmann, Dr. Klausner u. a. sandten Begrüßungsschreiben. Rabbi Meir, Berlin, begrüßte im Namen des Misrachi. Ein junger Zionist, der vor wenigen Wochen aus der sibirischen Verbannung gekommen ist, begrüßte die Versammlung im Namen der Verbannten. ״Außer der Jewsektie gibt es in Rußland noch eine große zionistische Jugend, die treu zu unserem Ideal steht.“ — Es wurde beschlossen, Begrüßungstelegramme an Chaim Weizmann und Nah um Sokolow zu senden, sowie an die bedeutenden Teilnehmer der russischen Konferenz von 1917, darunter Ussischkin, der damals der zweite Vorsitzende gewesen war. Der abgewieseoe Wahlprotest Mit der in den letzten Tagen erfolgten Bestfflgmtg des Resultates der Berliner jüdischen Reprisentanten-Wahlen hat eine Aktion ihr Ende genommen, die eine traurige Illustration zu dem Streben der deutschen Judenheit nach Verwirklichung der Gemeinde-Autonomie darstellt. Während die Juden aller deutschen Länder bestrebt sind, sich auf Grund der Bestimmungen der Reichsverfassung von der nach alten Judengesetzen geltenden Staatsaufsicht nach Möglichkeit zu emanzipieren, erhob hier die größte Partei der größten deutschen Gemeinde, die ihre Niederlage nicht verschmerzen konnte, gegen die Rechtmäßigkeit der Wahlen bei den Staatsbehörden Einspruch. Dieses Vorgehen wurde immer wieder durch moralische Argumente gestützt, die aber in der Öffentlichkeit nicht verfinge», als man hörte, daß dieselben Liberalen die Wahlen zum Preußischen Verbandstag nicht beanstandet hatten, bei denen die schwer• sten Verstöße gegen die Verfassung des Landesverbandes nachzuweisen waren, bei denen aber die Liberalen mit dem Wahlresultat zufrieden waren. Die behördliche Entscheidung wurde mehrfach durch die schleppende Behandlung des Gegenstandes beim Gemeindevorstand, der sich zu den Protesten zu äußern hatte, über Gebühr verzögert Schließlich ergaben die genauesten Nachforschungen, daß die Zahl der nachfraglich zu kassierenden Stimmen im Verhältnis zur gewaltigen Wählerzahl ganz minimal war. Die Frage, ob der 8. Mann der Liste der Volkspartei oder Dr. Oskar Cohn als gewählt zu gelten habe, wurde zwar, da es bei dieser Ent- Scheidung um eine einzige Stimme ging, zugunsten Dr. Cohns abgeändert, aber auf diese Veränderung kam es den Liberalen wohl nicht an und im übrigen ergaben die Fest- Stellungen, daß die Wahlakte mit geradezu erstaunlicher Exaktheit durchgeführt waren. Ungenauigkeiten bei Aufstellung der Listen und Durchführung der Wahlen müssen bekanntlich bei allen politischen Wahlen Vorkommen; sie müssen, wie jeder versteht, in weit erheblicherem Umfange bei jüdischen Gemeindewahlen Vorkommen. Wenn trotzdem die exakte Nach- Prüfung zu nichts weiter als der Kassierung von einigen Dutzend Stimmen geführt hat, so ist das Urteil über die Männer, die die Gemeindeverwaltung ein Jahr lang durch ihre grundlosen Proteste lahmgeiegt haben, gesprochen. Nach diesem System könnte jede Partei, wenn sie bei den Wahlen unterliegt, durch Einlegung des Einspruchs — denn niemals wird man um die Auffindung von 10 oder 12 Einspruchspunkten in Verlegenheit zu sein brauchen — auch fernerhin den gesamten Verwaltimgsbetrieb der Gemeinde lahmlegen, wenn sie dem schlechten Beispiel der Liberalen Partei in Zukunft folgen wollte. Ausgaben in Höhe der Hälfte des 7 Millionen-Etats der Berliner Gemeinde mußten vom Gemeindevorstand beschlossen werden, ein großer Teil dieser Summe mußte ausgezahlt werden, ohne daß ein rechtmäßiger Gemeindebeschluß über die Verwendung dieser Gelder zustandekommen konnte. Die Ansichten der Mehrheit aller Wähler konnten über ein Jahr lang bei der Verwaltung der Gemeindeinteressen nicht zum Ausdruck kommen, die Session der Repräsentanten-Versammlung ist um ein Jahr verkürzt worden. Das Faktum dieses Protestes mit all seinen Einzelheiten stellt Jtein Ruhmesblatt in der Geschichte unserer Gemeinde dar. Wir verzichten jedoch heute, auf jede weitere Erörfemm. der Schuldfragesgpte, ®fvrteilu1>g der Handlungsweise. Wir richten den Blick in die Zukunft. Fortan sollen die wirklichen gewählten Vertreter der Berliner Juden zu Worte kommen. Während der Ferien wird die nunmehr zu erwartende Auseinandersetzung zwischen den Parteien über die bei der Konstituierung zu entscheidenden Personenfragen nicht einsetzen können. Wir werden daher erst in einigen Wochen auf die Fragen der Konstituierung der Repräscntanten-Ver- Sammlung und der Neuwahl des Gemeinde-Vorstandes zurückkommen. s. * Die neue Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde besteht, nachdem die Wahlen vom 16. Mai nunmehr endgültig bestätigt wurden, aus folgenden Parteien: 10 Liberale, 7 Jüdische Volkspartei, 2 Mittelpartei, 1 Konservativer, 1 Poale Zion. Vom ungarischen Pro •Palästina-Bund Budapest, 3. Juli. (J.T.A.J Der vor kurzem begründete Hochschul-Ausschuß des Bundes Ungarischer Juden ״Pro Palästina“ hielt heute unter dm Vorsitz des Universitätsprofessors Bernhard Alexander seine konstituierende Sitzung ab. Prof. Alexander erklärte, die Unterstützung des jüdischen Aufbaus in Palästina und der Hebräischen Universität in Jerusalem sei eine rein kulturelle Aufgabe, der jegliche politische Tendenz fernliege. Es handle sich um die Rettung einer fünftausendjährigen Kultur, ohne daß darum ein Jota von den Beziehungen zur ungarischen Kultur aufgegeben werden müßte. Nach einer Ansprache des Keren Hajessod-Delegierten Dr. Adolf Friedemann, Amsterdam, wies Dr. Josef Patai, der Präsident des Kulturkomitees, darauf hin, daß an der Spitze der chemischen und biologischen Anstalt der Jerusalemer Universität ein gebürtiger Ungar, Prof. Dr. Fodor, stehe. Direktor Dr. Bernhard Heller, der Vorsitzende des Bibliothek-Ausschusses, teilte mit, daß die Ungarische Akademie der Wissenschaften alle ihre Veröffentlichungen der Bibliothek der Jerusalemer Universität zum Geschenk gemacht habe. Dr. Julius Donath und Dr. Kahan wiesen auf die in diesen Tagen stattgefundene Versammlung des deutschen Pro-Palästina-Komitees hin. In Bensdbemen, Hulda, Mcrdiawie, Kinercth, | Daganiah, Nahalal, Beertuwiah, Kiriath־Anawim und auf dem Nuris-Block liehen lumderttansende von Bäumen die der Keren Keiemeth aus den Baumspenden gepflanzt hat. ZaMreU&e Gärten and Haine sind anöeiegl• IIIIIIIHI1mmfllM1mHMIMm1l<l«l<1m1lll'llll>IIMII*MMlll»IIUI'IMMIIIII"llTl|l||«||llTMI 8 Zionisten! Fördert die nationale Aufforstung unseres I -. Landes, die gleichzeitig der Sanierung dtent. I Stiftet Baume zum 20. Tamus, I Theodor HerzTs Todestag! j 111!1'׳itt!1t11i11!1ji<(1itt1fuf111!11n11111t111!1111t1it1f1111iüi1i1u1(u1i(1Hi111dm«11i1ujiitJu1u11J1uj1i1D111u1nii1i1i11111111m1i1i111M׳ Die Konferenz zun Schütze der jüdischen Rechte Wie bereits gemeldet, ist in Amerika zwischen Louis Mars ha II und Dr. Stephen S. Wise eine scharfe Polemik über die Kompetenz der für die zweite August-Hälfte nach Zürich einberufenen Konferenz für den Schutz der jüdischen Rechte entbrannt. Diese Polemik fand ihre Fortsetzung in Europa durch eine Kontroverse zwischen dem Oberrabbiner Frankreichs, Israel Levi, und dem Präsidenten des Komitees der jüdischen Delegationen, Leon Motz k in, die beide in JTA.-Interviews ihre Ansichten zum Ausdruck brachten. Louis Marshall, Grand Rabbin Levi und ihre Kreise vertreten den Standpunkt, daß die Einberufer der Konferenz, das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris, und der Amerikanisch-Jüdische Kongreß, nur zu dem Zwecke begründet wurden, um zur Zeit der Friedens ver- Handlungen mit anderen bestehenden Organisationen für jüdische Interessen einzustehen; mit Abschluß der Friedensvertrage waren ihre Funktionen zu Ende. Die Abhaltung einer Konferenz für Schutz der jüdischen Rechte in der gegenwärtigen Zeit berge Gefahren in sich und könne auch im Judentum selbst zu schweren Konflikten führen, wenn etwa von der Konferenz die Forderung nach nationalen Rechten für die jüdischen Minderheiten erhoben werden sollte. Dr. Stephen S. Wise und Leo M o t z k i n verteidigten die Existenzberechtigung ihrer Organisationen und wiesen daraufhin, daß die Methoden des ״American Jewish Committee“ und der ihm verwandten Organisationen in Europa nicht immer glücklich waren. In derselben Frage richtete Prof. S. Dubnow ein Schreiben an die JTA., dem wir folgende Absätze entnehmen: ״Das Problem steht so: Nachdem die Friedensverträge die osteuropäischen jüdischen Gemeinschaften als Volksminderheiten, deren Rechte unter dem Schutz des Völkerbundes stehen, formell anerkannt haben, muß eine interterritoriale jüdische Organisation geschaffen werden, die alle Aktionen zum Schutze dieser Rechte in den verschiedenen Ländern, wie Polen, Rumänien, Ungarn, Litauen, Lettland, vereinheitlichen soll. Eine deutsche Minderheit in Polen, Italien oder der Tschechoslowakei kann durch Deutschlands Vertreter im Völkerbund gegen ein ihr angetanes Unrecht appellieren; das jüdische Volk hat nicht seine Vertreter im Völkerbund, deshalb muß ein Kollcktivum geschaffen werden, das in Fällen, wo die international garantierten jüdischen Minderheitsrechte verletzt werden, als die jüdische Mittlerstelle zu fungieren hat. . . . Man befindet sich in einem großen Irrtum, wenn man glaubt, daß ״Minderheitsrecht“ nur national-kuiturelle Autonomie bedeuten kann; nein, gemeint sind allerlei Rechte für Minderheiten: Bürgerechte, politische Rechte und kulturelle Rechte. Haben doch gegenwärtig Juden in Rumänien oder Polen dafür zu kämpfen, daß man sic nicht in den Straßen mißhandelt, daß man ihre Studenten nicht aus den Schulen hinauswirft, daß der Numerus clausus abgeschafft werde, daß Juden zu Staatsanstellungen, öffentlichen Arbeiten usw. zugelassen werden. Wenn aber Staatssubventionen für jüdische Schulen gefordert werden, soll diese Forderung ungesetzlich sein? Dies fordern ja alle Minderheiten. Man sagt, es sei gefährlich, eine interterritoriale jüdische Organisation für Rechtsschutz der jüdischen Minderheiten zu schaffen. Aber diejenigen, die dies zum Ausdruck bringen, treten doch selbst im Namen des Judentuips durch Organ;־ satioaen wie ״Alliance Isredlite“ (das große Wort ״universeile“ vergessen sie oft) in Paris, Joint roreign Committee in London, American Jewish Committee und andere Interterritoriale jüdische Organisationen hervor. Wäre es nicht gegenüber der Außenwelt taktisch richtiger, wenn fm Namen des jüdischen Volkes eine einzige bevollmächtigte alljfldikhe-Organisation hervortrlte, statt daß fünf oder,sechs Alliancen und Koinitees, die sich oft miteinander nicht •verständigen können, Aktionen unternehmen? Die Konferenz zum Schutze der Rechte der jüdischen Minderheiten hätte die Aufgabe, ein auf demokratischer Basis gewähltes Komitee zu schaffen, welches unsere Kräfte vereinigen soll in dem schweren jüdischen Kampf ums Recht.“ Vor einem Lehrerstreik? Infolge der ungenügenden Einnahmen des Keren-Hajessod und der außerordentlichen Belastung des Budgets durch die Arbeitslosenfürsorge war die Palästina-Exekutive nicht in der Lage, ihren Verpflichtungen gegenüber den Lehrern und Beamten nachzukommen. Die Gehälter sind seit mehreren Mo* naten nicht bezahlt worden. In der letzten Zeit sind die Beamten und Lehrer mehrmals bei der Exekutive vorstellig geworden. Insbesondere die Lehrer wiesen darauf hin, daß eine Fortführung ihrer Tätigkeit fast unmöglich wird, wenn sie von so schweren wirtschaftlichen Sorgen helmgesucht sind. Die Presse hat in der letzten Zeit wiederholt Zuschriften aus Lehrerkreisen veröffentlicht, worin die unhaltbare Lage der Lehrer geschildert wird. Da die Forderung auf Bezahlung der rückständigen Gehälter nicht erfüllt werden konnte, erklärten die Lehrer, sic müßten ihre Arbeit einstellen. Die Schließung der Schulen war auf den 5. Juli festgesetzt worden. Es ist der Exekutive gelungen, die Lehrerschaft zu einer Verse hiebung zu veranlassen. Als letzter Termin wurde Freitag, der 8. Juli in Aussicht genommen. Bis Freitag sollen die Verhandlungen weiter geführt werden und man hofft, doch noch einen Modus zu finden, um die berechtigten Forderungen der Lehrer, wenigstens teilweise zu befriedigen. Sollte bis zum 8. Juli eine Einigung nicht zustande kommen, erklären die Lehrer, unwiderruflich ihre Arbeit einzustellen. Niemand wird leugnen können, daß die Lehrer im Rechte sind. Sic haben bisher mit größter Aufopferung und unter schweren Bedingungen ihre Arbeit geführt, aber man kann nicht verlangen, daß diese Menschen, die zum größten Teil Familie haben, Monate lang ohne Bezahlung arbeiten. Zugleich1 aber ergibt sich hier wieder eine Illustration der völlig unhaltbaren zionistischen Finanzpolitik. Die Art der Budgetierung durch den Kongreß und die Verantwortlichkeit der zionistischen Exekutive für Ausgaben ohne gesicherte Einnahmen müssen künftighin geändert werden. Darüber wird in anderem Zusammenhänge noch gesprochen werden. Pilicbowskis Gemälde aal der (jniversltätseröflnung London, 1. Juli. (J, T. A.) ln der Whitechapel-Kunstgalerie wurde heute das Kolossalgemälde Leopold Pilidiowskis ״Die Eröffnung der Hebräischen Universität zu Jerusalem durch Lord Balfour“ öffentlich ausgestellt Mit der Eröffnung war eine kleine Feier verbunden. Der Präsident der zionistischen Weitexekutive, Nahum Sokolow, richtete begrüßende Worte an den ebenfalls erschienenen Lord Balfour, auf welche Balfour erwiderte und dem anwesenden Künstler zu seinem Werk gratulierte. Wenn ich mir das Bild ansehe, sagte Balfour, wird in mir der historische Tag, den ich nie vergessen werde, lebendig. Es bringt mir den Augenblick in die Erinnerung, da die geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes in der Form der Grundsteinlegung zuriHebräischen Universität Gestalt annahm.

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