Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 54 (8.7.1927)
- Date
- 1927-07-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14, am 1027 JUBÖI1CH1 RUNDSCHAU Seite 387 Fahrt nach Pre$hvurg (Von unserem Wiener Korrespondenten.) Recht behielt diesmal besonders der Vertreter der Misrachi, der in seiner hebräischen Begrüßungsansprache an die SCO zionistischen Gäste aus Wien Prettburg als die Stätte der Thora und daher die Stätte des Zionismus feierte. Denn nichts ist bezeichnender für das jüdische Preflburg, das jetzt Bratislava heißt, als die Worte: Lehre, Thora, Studium. Auch dort, wo das Judentum des Buches in dieser eigenartigen Stadt scheinbar aufhört und das neue, moderne Judentum beginnt, gespenstert noch das abgezehrte Gesicht des slowakischen ״Mathmid“. Hier vollzieht sich — Paradoxon unseres Galuthlebens — die Regeneration des Volkes einerseits am schwierigsten, denn sie hat das Ghetto in seiner intensivsten Gestalt zu überwinden, andererseits am leichtesten, denn Zion und Jude-Sein entspringt hier dem Quell aller Quellen, der heiligen Lehre, die ins Blut überging. Diese Gloriole Bratislavas, der eigentlichen Geburtsstätte der Wiener Judengemeinde, verlieh dem Ausflug der Wiener Zionisten, die auf Einladung der Bratislaver Freunde in die Nachbarstadt kamen, einen tieferen Sinn und einen besonderen Reiz. Schon am Schiff hatte man das Gefühl: es ist mehr als eine Unterhaltungsfahrt zu Gesinnungsgenossen und Brüdern jenseits einer Staatsgrenze, aber diesseits einer gemeinsamen Idee, es ist überdies eine Pilgerfahrt zu einer Stätte rühm- und leidvoller Vergangenheit, wo jüdisches Wissen sich zu jüdischem Leben steigerte und jüdisches Leben sich in jüdischem Wissen erschöpfte. Die vielen Begrüßungsansprachen waren eine Manifestation nach außen. Diese Art von Propaganda ist keineswegs zu unterschätzen. Bezeichnend sind z, B. die Worte, mit denen der sozialdemokratische Vizebürgermeister der Stadt Bratislava, Dr. Frantisek Langer, die Wiener Gäste begrüßte. Er feierte das jüdische Volk als eines der tüchtigsten Völker der Welt und den Zionismus als eine der bedeutendsten Bewegungen der Gegenwart. Es sprachen noch u. a. der Präsident der jüdischen Religionsgemeinde, Herr Reiß, der Präsident des jüdischen Volksverbandes für die Slowakei, Herr Knöpfelmacher, der Präsident der jüdischen Partei, Dr. Sipos, und im Namen der Zionistischen Organisation für die Tschechoslowakei, Dr. Oskar Neumann. Alle Begrtißungsredner wiesen insbesondere auf die tiefe Verhundenheit Wiens und Preßburgs und auf die völkerversöhnende und Staatsgrenzen aufhebende Rolle des Zionismus hin. Für die Wiener dankten Präsident Dr. Goldhammer und Dr. Alfred Löwy. Dr. Goldhammer dankte dem Bürgermeister für seine begeisterten Worte über das jüdische Volk, die von dem hohen Geist des Europäertums Zeugnis ablegen, der das tschechische Volk und seinen Präsidenten M a s a r y k beseelt. Zum Schluß wurden Erinnerungsgeschenke ausgetauscht, und zwar übergab im Namen der Preßburger Herr Messinger dem österreichischen Landeskomitee einen gestickten blau-weißen Wimpel mit hebräischer Widmung und die Wiener revanchierten sich mit einer Herzl-Plakette. Ermüdet von dem Dutzend Eröffnungsansprachen, betrat die Reisegesellschaft, theoretisch in Gruppen eingeteilt, die Stadt. Anmutige, schön gelegene Provinz. Umhaucht vom Aroma der nahen Großstadt. Geräumige Plätze mit schönen Blockhäuser« und schmale, aber gepflegte Straße« mit ele«:# ־ ־ 'glnten Schaufenstern^ Plötzlich ent Sprung‘: eine andere Welt,“ ein anderes Bild; das Ghetto, die Judenstadt. Du betrittst das Preßburger Ghetto, als würdest du in einer Bibliothek moderner Bücher auf einen alten, vergilbten Folianten stoßen. Der Modergeruch erschlägt oder schwächt zumindest auch das stärkste Interesse. Manchmal fesselt wohl für einen Augenblick eine in Form oder Inhalt charakteristische Stelle dein Auge, bald aber steigt der Staub und Leichengeruch dir wieder in die Nasenflügel und macht dich müde. Entlang der Hauptstraße in der Judenstadt stehen alte, verfallene einstöckige Häuser. Die meisten Läden sind Wurst- Handlungen und Restaurants: die ״koschere“ Straße. Die anderen jüdischen Kaufhäuser sind schon in den modernen Teil verlegt worden. Das Ende der Ghetto - Hauptstraße mündet an Häusertrümmern, die noch von der großen Brandkatastrophe im Jahre 1914 dastehen, vorbei in eine aufsteigende Gasse, die zur alten Schloßruine führt und das Preßburger Ghettobild erst vervollständigt und verdeutlicht. Man fühlt sich in dieser Hochburg des Ghetto ln das Mittelalter, bzw. in den Orient versetzt. Die vergitterten Fenster, die dunklen Ginge in den Häusern, die Frauen mit Scheitel, alte und junge, mit leuchtenden melancholischen Augen, magere Ghettojungengesichter, verhärmte, bärtige Manner — alles das schafft die Atmosphäre orientalischer Patriarchalität und dumpfer Observanz. Aesthetisch und museal ist das Bild keineswegs reizlos: es übt im Gegenteil einen starken Eindruck aus, wie Bilder von Lilien oder Kaufmann. Hier verharrt ein großes Stück altjüdischer Kultur und die neue schält sich nur langsam aus ihr heraus. In der alten Jeschiwah wird noch immer fleißig Gemara studiert und nur ungern sehen Rabbi und Schüler die Invasion der ״Apikorsim“. Der Zionismus ist im allgemeinen hier mehr geistig als politisch. Die Erfolge der hebräischen Ortsschule werden allgemein gerühmt. Ein Gartenfest beschloß die eindrucksreiche Fahrt, um deren Arrangement sich Herr Paul Stein aus Wien sehr verdient gemacht hatte. Die 800 Menschen drängten sich wieder auf das Schiff und nahmen unter Klängen hebräischer Lieder, Horratanz, dazwischen aber auch Jazzmusik, Abschied vom Wilna des Westens. Leopold Thaler. Versuche von Traubenexport nach England Der ״Dawar“ vom 19. Juni meldet, daß da!s Regierungs- Departement für Landwirtschaft im Monat Juli Versuche unternehmen will, Erstlingstrauben aus de« judarischen Ko- I o n i e ת und arabischen Dörfern in Judäa nach England zu exportieren. Die Verpackung erfolgt in kleinen Holzkisten ähnlieh den Orangenkisten, und die einzelnen Traubenbündel werden in Seidenpapier gepackt; jede Kiste wird mit Herkunftsbezeichming versehen sein, und es wird über den Zustand bei der Ankunft genau berichtet werden. Der erste Transport wird 12 Tonnen betragen. Das ״Habimah“-Erasemble In Europa Cherbourg, 5. Juli. (J. TA.) An Bord der ״Berengaria“ ist heute das von seinen Gastspielen in Europa rühmlich bekannte Ensemble des Moskauer Hebräischen Künstlertheaters ״Habimah“ in Cherbourg eingetroffen. Das Ensemble, in dessen Mitte sich Fräulein Rovina und Herr Tschemerinski befinden, hat sich auf die Reise nach Berlin begeben, wo es eine Reihe Gastvorstellungen geben wird Kosten der Bauernsiedlung In Deutschland Nach dem instruktiven Aufsatz Dr. Ruppin’s über Englfsche Koionisationsmethoden in Nr. 53 der ״Jüdischen Rundschau“ dürfte es für den Leser dieser Zeitung von Interesse sein, die entsprechenden Daten aus Deutschland zu erfahren: Wir sind in der glücklichen Lage, jetzt ziemlich authentische Zahlen geben zu können. In der Tagung des Deutschen Landwirtschaftsrats in Stettin am 20. Juni hat der Preußische Landwirtschaftsminister Dr. Steiger in der Verhandlung über das Siedlungsproblem ausgeführt, daß sich die Kosten einer normalen Einspännerstelle von 15 Hektar für Grund und Boden und Gebäude auf 33 000 Mk. stellen, von denen 10 «,0׳ (mit Spesen etwa 4000 Mk.) der Siedler selbst aufbringen muß. Da dieser außerdem noch das Inventar usw. selbst zu bestreiten hat, muß er 10030 Mark (also 500 £) besitzen. Es werden demnach insgesamt für jede Stelle einschließlich der Spesen in Preußen etwa 2000 £ benötigt, gegen 1340 £ in England; freilich erhält er dafür 15 Hektar gegen 6 Hektar in England, da es sich um Ackerbau- Siedlungen handelt, während die Siedlungen in England hauptsächlich auf Gemüsezucht und Obstbau basieren, ln Kanada kostet die Siedlung auf 65 Hektar 1000—1500 £, in Australien auf der gleichen Fläche 1500 £, jedoch ist hierbei zu berücksichtigen, daß es sich um weit von den Städten abgelegene Gebiete handelt, so daß für gleiche Rentabilität unbedingt größere Flächen benötigt werden. Mit unseren Emeksiedlungen in Palästina ist jedenfalls die deutsche Ackerbaukolonisation am besten vergleichbar, bei der es sich ebenfalls um bestwertigen Boden unweit größerer Konsumzentren handelt; daß die dem Siedler zugeteilten Flächen um die Hälfte größer sind wie im Emek, beruht darauf, daß das Land in der Regel nur teilweise von guter Qualität ist und sich im Durchschnitt nicht mit dem Emekboden messen kann. Würden wir im Emek den Siedlern gleichfalls 15 Hektar geben, so würden wir unter Einrechnung der größeren Betriebskosten auf etwa 1350 £ kommen, also Immerhin nur auf % der Kosten der deutschen Siedlungen. O. W a r b u r g. Zum preußischen Judengesetz Am Sonntag, den 3. Juli, fand im Sitzungssaale der Kölner Synagogengemeinde eine Ausschußsitzung des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeiden statt. In eingehender Debatte nahm der Ausschuß Stellung zu dem Entwurf eines Gesetzes betr. die jüdische Religionsgemein- Schaft in Preußen. Herr Dr. Eliel, Köln, führte in einem Referate in die Probleme ein. Der Ausschuß befaßte sich eingehend mit der Frage des Austritts, deren Lösung, wie sie in dem von der Versammlung und dem Rate des Landesverbandes angenommenen Entwurf vorgesehen ist, als gänzlich verfehlt beurteilt wurde. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: Der Ausschuß des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden erblickt in dem Entwurf eines Gesetzes betr. die jüdische Religionsgemeinschaft in Preußen, soweit sich die Bestimmungen auf Austrittsmöglichkeiten beziehen, die größte Gefahr Wir die ExistenzmägliaSkeit und den Fortbestand der kleinen und mittleren Gemeinden. Mit dem Austritt aus der Gemeinde darf keine Steuerbefreiung verknüpft sein. Der § 12 des Verfassungseniwurfs vom 13. Februar ist wiederfcerasteuen. ׳Der Ausschuß eracMet «A'fariier {Ot tfctwendlg, ist® § 17 1. Abschnitt der leerten Vortage;,Jede Synagogengemeinde muß einem anerkannten Landesverband angehären“ wiederhergestellt wird. Kleine Nachrichten Wie soeben offiziell mitgeteilt wird, wurde der Beginn der Schwurgerichtsverhandlung gegen Schalom Schwarzbart für den 17. Oktobe r d. J. anberaumt. Aus Anlaß von Theodor Herzls Todestag fand in Wien unter massenhafter Beteiligung am 3. Juli ein Gang zum Grabe Herzls auf dem Döblinger Friedhof statt. Jerusalem, 5. Juli. (J. T. A.) Die Palästina-Regierung bereitet die Herausgabe eines Blaubuchsüberdi tw i r tschaftslage vor. Eine Expedition der Hebräischen Universität zu Jerusalem hat sich nach dem Sinai begeben, um das in der Bibel erwähnte Mannah-Phänomen zu erforschen. Die Palästinensische Arbeiterföderation ״Histadruth Haowdim“ beschloß die Entsendung von zwei Delegierten zu dem im August stattfindenden Internationalen Kongreß weiblicher Arbeiter. W. T. B. meldet aus Jerusalem: Vier Kommunisten griffen einen jüdischen Schüler in Tel-Awiw an und zwangen ihn, eine größere Menge von Rizinusöl zu schlucken als Repressalie dafür, daß er m der Presse die von den Kommunisten in den Schulen geführte Propaganda enthüllt hatte. Am 29. Juni fand in Bratislava die konstituierend« Versammlung des jüdischen Gemeindebundes für die Slowakei statt. DER XV. KONGRESS Wie bei den letzten Kongressen wird auch dieses Mal wieder ein vollständiger Verhandlungsbericht in der offiziellen (KHigreezeitwig erscheinen. Wir lege» den ״roßten "Wert darauf, daO niöjjlichst alle Leier der ״.Indischen Rundschau“ die Kongreßzeitung bestellen und dadurch, auch wenn sie nicht persönlich am Kongreß teilnehnien können, einsrehend über denVerlnuf der wichtig־«« Titgrubg informiert werden. Wir werden in den nächsten Tagen eine direkte Ahonnementsaufforderung an alle ansere Abonnenten richten und die Einziehung der Bezuffsgebühren in Höhe von RH.;1.2() für die vorgesehenen 12 Kongreß-Nummern durch Nachnähme ankündigen. Wir rechnen mit Bestimmtheit darauf, daß unserer Abonnententseinladung Folge geleistet werden wird und bitten unsere Leser, uns darüber hinaas in den ihnen nahestehenden Kreisen bei der Propagierung der KongreBceitung 111 unterstützen und uns Abonnements aufzageben. VERLAG ״JÜDISCHE RUNDSCHAU‘* BERLIN W10, Ncinakastr•■« 1» Mitteilung des KongreßbOros!. Dfe feierliche Eröffnung des XV. Zbnistenkongresses findet am Dienstag, den 30. August 1927, abends, 1m Roten Saale des Messegebäudes in Basel statt 2. Gastkarten. Wie anläßlich der vorhergegangenen Zionistenkongresse im Jahre 1921, 1923 bzw. 1925 findet auch zum bevorstehenden XV. Kongreß eine Verteilung der Gastkarten durch das Kongreßbüro an einzelne Personen nicht statt. Die Gastkarten werden vielmehr für jedes Land lediglich durch die Zentralen der Landesverbände bzw, durch die Landesbüros der Sonderverbände ausgegeben. Wer also Gastkarten bestellen will, hat sich unVerzuglieh mit der in Betracht kommenden Landesorganisation in Verbindung zu setzen. Das Kongreßbüro ersucht deshalb zur Vermeidung unnützer Arbeiten und vergeblichen Geld- und Zeitaufwandes, von Bestellungen und Anträgen betreffs Gastkarten direkt an das Kongreßbüro abzusehen und ausschließlich an die Zentralen der Landesverbände und die Sonderbüros der Sonderverbände heranzutreten. Das Kongreßbüro gibt an Gastkarten diesmal nur Permanenzkarten aus, die den Inhaber zur Teilnahme als Zuhörer bei sämtlichen öffentlichen Sitzungen des Kongresses berechtigen von der Eröffnung*- Sitzung bis Schlußsitzung. Die genauen Preise werden in unseren nächsten Mitteilungen bekannt gegeben. 3. Pressekarten. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Abgabe von Pressekarten im Hinblick auf die beschränkten räumlichen Verhältnisse des Kongreßsaales nur in begrenzter Anzahl und im Einvernehmen mit den Landes- und Sonderverbänden erfolgen kann. Jedenfalls können nur die wichtigsten jüdischen und nichtjüdischen Zeitungen berücksichtigt werden. Gesuche um Zuweisung von Journalistenkarten haben nur dann Aussicht auf Berücksichtigung, wenn ihnen eine Erklärung der Redaktion beigefügt ist, woraus hervorgeht, daß die Redaktion den betreffenden Herrn, und zwar ausschließlich diesen, mit der Berichterstattung über den Kongreß betraut 4. Reisebüro. Das offizielle Reisebüro des Kongresses hat folgende Adresse: Reisebüro des XV. Zionistenkongresses, llapag-Attenberger-Palestine-Lloyd, Basel, Messegebäude. Das Reisebüro steht für Auskünfte jeder Art über Bahn- und Schiffs- Verbindungen, Besorgung von Karten, Zusammenstellung von Touren durch die Schweiz usw. schon heute zur Verfügung. 5. Pässe und Visa. Besucher des Kongresses müssen wohl mit einem Passe ausgestattet sein, doch sind für die Angehörigen der folgenden Staaten Visa zur Einreise nach der Schweiz nicht nötig: Vereinigte Staaten von Nordamerika, Großbritannien, Belgien, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Deutschland, Danzig, Oesterreich, Italien, Tschecho- Slowakei, Schweden. In den übrigen Staaten erfolgt die Vidierung des Passes kostenlos gegen Vorweis einer Bescheinigung des Kongreßbüros. 6. Logis. Der Quartierdienst des Kongreßbüros ist in der Lage, Zimmer nachzuweisen. Anfragen sollen unverzüglich an das Büro des XV. Zionistenkongresses, Quartiendienst, gerichtet werden. Zimmer mit voller Pension in Hotels I. Ranges sind von ca. 16 Frcs aufwärts zu haben, in gut bürgerlichen Hotels von 11 Frcs. aufwärts. Zimmer ohne Pension in Hotels I. Ranges ab 6 Frcs. ln gut bürgerlichen Hotels ab 4 Frcs. (ohne Frühstück). Frühstück kostet iti Basel von 1 Fräs, aufwirt*, Mahl- Zeiten in Restaurants sind von 2,50 Frcs. an zu haben. Von ״Brüh Sektion" Wir haben vor einiger Zeit über die Gründung der Organjsation ,,Brith Schalom“ berichtet, die sich eine systematische Annäherung zwischen Juden und Arabern in Palästina zum Ziel gesetzt hat. Die Vereinigung geht davon aus, daß die Zukunft Palästinas und die Errichtung unserer nationalen Heimstätte nur auf Grund eines harmonischen Zusammenwirkens zwischen Juden und Arabern gesichert werden kann. Dazu gehört, um zunächst bei ganz unpolitischen Dingen zu beginnen, gegenseitiges Kennenlernen und entgegenkommende, nicht aggressive Gesinnung. Der Gedanke der Not- Wendigkeit der Verständigung und des Zusammenarbeitens muß in beiden Völkern Fuß fassen. Seine Propagierung betrachtet der ״Brith Schalom“ als eine seiner Hauptaufgaben. Diesem Zweck dient die erste Publikation der Vere i n i g u n g, die soeben unter der Ueberschrift ״Unsere Be- Strebungen“ in hebräischer Sprache in Jerusalem erschienen ist. Das Büchlein hat dokumentarische Bedeutung: Es weist nach, daß der Gedanke der Verständigung seit Anfang des Zionismus immer wieder proklamiert wurde und nicht etwa nur ein taktisches Manöver als Antwort auf einen momentanen Notstand ist. Das Büchlein ist eine Sammlung von Bruchstücken aus zionistischen Büchern und Aufsätzen, die diesen Gegenstand behandeln. Nach einem kurzen Zitat aus der Rede Lord Batfours in Benjamina im Jahre 1925 folgt ein Stück von Theodor Herzl (aus ״Altneuland“), von Ach ad Haam, dann Beiträge von Dr. Jizchak Epstein, Rabbi Benjamin, A. D. Gordon, Hugo Bergmann, Buber, Ru pp in, Schlomoh Schiller, Hans Kohn, Robert Weltsch, Dr. Gift c k s o h n, Leon Simon, Kalvarisky. Die Aeußerungen umfassen einen Zeitraum von 30 Jahren. Im Anhang ist das Statut der Vereinigung abgedruckt. Wie wir erfahren, ist auch eine englische und eine arabische Ausgabe beabsichtigt. Die hebräische Broschüre kann zum Preise von Mk. 0,50 (Porto Mk. 0,10) von der Verwaltung der ״Jüdischen Rundschau“ gegen Voreinsendung des Betrages bezogen werden. Der kleine Mara Spiegel im Scholem Alechem-Klub. Durch die vorangegangene Reklame war man etwas skeptisch gestimmt. Um so nachhaltiger war die beifallsfreudig hingenominelle Selbstrcchtfcrtigung des kleinen Filmstars vor dem Parkett jüdischer Künstler im Scholem Aleehcm-Klub. Der blonde Kleine mit dem Pagenkopf, der mit seinem Kinderfräulcin verspätet erschien, ist ein hübscher, fester Bursche, nicht klein für sein Alter — er ist noch nicht 10 —, lacht kindlich, ohne Star-Allüren bei der Begrüßung und zeig! nach den unkindlichen, ihm von seinen Beschützern wahrschein lieh in den Mund gelegten Worten der offiziellen Begrüßung, daß er wirklich, der geborene kleine Schauspieler ist. Das Naturtalent des echten Rühncnblutcs konnte man mit Freude in den natürlichen Gesten beim Vortrag dei Kindergedichte beobachten. Das Eingelcrntc gibt sich nicht so natürlich. Neben der Pflichtschule, cs ist die jüdische Schule in der Fasanenstraße, besucht der kleine Mara noch die Schule der Ufa, in der er aber nicht zu lernen braucht; denn, wie er mit Begeisterung erklärt, ״dort wird nur gefilmt.“ Dieser jüngste Filmstar, er ist in Tula geboren am 7. März 1919, hat schon ein Engagement nach Hollywood, Zunächst aber absolviert er eine Vortragsreisc in die Tschechoslowakei, nach Budapest und anderen großen und kleinen Städten. R. M. H