Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1927-07-05 · Heft 53 (5.7.1927) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 53 (5.7.1927)
Date
1927-07-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2652877-2652926--19229-2677081
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nr. 53, 5. Vit 1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 381 müssen. Die große Palästinaanleihe wird in dieser Periode noch nicht durchführbar sein, vielmehr wird diese Periode die Grundlagen schaffen müssen, die die Aufnahme einer solchen Anleihe ermöglichen. Das nationale Kapital wird in seiner Aufgabe in immer steigendem Maß unterstützt werden können von Privatkapital, das in Form von Investitionen für Palästina herangezogen werden wird. Wir wollen unsere Vorschläge für die Palästinaarbeit durchaus im Einvernehmen mit der organisierten palistinensischen Arbeiterschaft machen. Da wir die bishörige Leitung der Arbeiterschaft als ein großes Werk und als einen hervorragenden Erfolg werten, so sind wir auch aufrichtig bereit, der Arbeiterschaft einen sehr großen Einfluß darauf einzuräumen, wie die Arbeit weitergeführt werden soll. Wir glauben übrigens, daß in der Arbeiterschaft selbst die Not- Wendigkeit der Konsolidierung der bisherigen Positionen und der Revision so mancher bisher verwendeten Wirtschaftsmethoden ebenso deutlich eingesehen wird wie in unserer Mitte. Wir glauben, daß cs unheilvoll für die zionistische Bewegung wäre, wenn die Mehrheit des Kongresses einen gegnerischen Kurs gegenüber der Arbeiterschaft einschlagen wollte. Wir glauben, daß sehr wenig von dem, was an Argumenten für diesen Kurs jetzt herangebracht wird, einer ernsten Prüfung standhält. So scheint uns zum Beispiel, um nur eines zu erwähnen, das Schlagwort von der zu weitgehenden Autonomie der Arbeiterorganisation in manchen Beziehungen ganz übertrieben zu sein. Wir können gar nicht einsehen, welchen Nachteil es für die Arbeit in Palästina haben soll, daß an solchen Orten, wo ohnedies gemäß der Zahl der schufpflichtigen Kinder mehrere Schulen bestehen müssen, neben der allgemeinen Schule auch noch eine Schule der Arbeiter- Organisation und eine solche des Mrsrachi besteht. Natürlich wird das Nebeneinanderbestehen mehrerer Schulen an Orten, wo die Schüleranzahl nur für eine Schule ausreicht, vermieden werden müssen. Aber dort, wo ein Mehraufwand nicht notwendig Ist, sehen wir gar nicht, warum der liberale Grundsatz nicht gelten soll, daß die Eltern das Recht haben, zu bestimmen, wie die Schule aussehen soll, in die sie ihre Kinder schicken. Wir wollen also unsere Pläne für die Palästinaarbeit aus demselben Geiste heraus aufstellen, der uns in unserer ganzen zionistischen Betätigung leitet. Wir wollen die Wirklichkeit sehen, wir wollen die Augen nicht verschließen vor den Tatsachen, wir wollen nichts von dem, was die Wirklichkeit uns zeigt, geringschätzen und nichts überschätzen. Wir glauben, daß es der zionistischen Bewegung würdiger ist, zu den Fragen des aktuellen Aufbaus Palästinas in einer solchen realistischen Weise Stellung zu nehmen, als mit bloßen Schlagworten über die Nöte des Augenblicks hinüber zu voltigieren. Wir glauben auch nicht, daß die jüdische Jugend dem Zionismus nur gewonnen werden kann, wenn man sie mit großen Worten füttert und ihr eine etwas hohle Begeisterung beizubringen versucht. Wir glauben vielmehr, daß die Aufgabe des Zionismus die Erziehung des jüdischen Volkes zu staatsmäßigem Denken ist, und wir glauben, daß gerade die Jugend verstehen wird, daß diese Erziehung von uns nicht Worte, nicht ״Begeisterung“, nicht eine auf uns selbst gerichtete Propaganda verlangt, sondern ernsthafte Opfer, die wir zu bringen haben und die wir wohl gerade von der Jugend am ehesten erwarten dürfen. Palästina aal der britischen Reichs * Unterrichts Konferenz London, 29. Juni. (J. T. A.) ln der gestrigen Sitzung der britischen Refchs-Unierochts-Konferenz, die gegenwärtig in London tagt, sprach im Rahmen der Vorträge ״Erziehungs- Probleme der tropischen und subtropischen Länder“, Herr H. E. Bowman, der Direktor des Erziehungswesens in Palästina. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Ortnsby Gore, führte in seinem Resumde aus, man könne die Landes- und Muttersprachen gegenwärtig im Erziehungswesen mehr zur Geltung bringen als dies in der Vergangenheit geschah. Dort ist diese Sprache zu einer lebendigen geworden. In Palästina werden die Muttersprachen schon in den Elementarschulen als Unterrichtssprache angewandt. Das Englische wird gepflegt, aber nient als Mittel zur Verdrängung der Heimatsprachen, sondern als Mittel zur Bereicherung des Heimatlebens. Der geplante Balmban Haifa — Bagdad Wie der ״Haarez“ berichtet, nehmen jetzt englische Ingemeure Vermessungen im Jordantale auf dem Wege von Beisan nach Wadi Sarka vor, die in Verbindung mit dem geplanten Bahnbau von Haifa nach Bagdad stehen. Die Trasse soll durch das Jordantal, Transjordanien und die syrische Wüste gehen. Die Aufgabe der Ingenieure, die die Vermessungen im Aufträge der palästinensischen Eisenbähn- Verwaltung vornehmen, ist die genaue Feststellung der Route für diese Bahn, die nur britisches Mandatsgebiet durchschneiden soll. Transjordanien wird so eine direkte Bahnverbindung mit Palästina erhalten, ohne Berührung des französischen Mandatsgebietes. Die Bahnstrecke Beisan- Wadi Sarka soll dann bis zum Toten Meer verlängert werden. Der Pro-Palästina •Band ln Ungarn Budapest, 28. Juni. (J.T. A.) Der Pro-Palästina-Bund ungarischer Juden hielt gestern unter dem Vorsitz des Hofrats Karl Baracs seine Generalversammlung ab. Auf Antrag des Vorsitzenden wurde Oberregierungsrat Alexander Fleißig einstimmig zum Präsidenten des Palästina-Aufbaufernds gewählt. Dr. A. Friede mann begrüßte als Delegierter der Londoner Zentrale die neue Gründung mit warmen Worten, Sodann ergriff Alexander Fleißig das Wort. Nachdem er namens der ungarischen Judenheit eine Loyalitätserklärung gegenüber dem ungarischen Vaterlande abgegeben hatte, skizzierte er die Aufgaben des Keren Hajessod und forderte zu intensiver Unterstützung derjüdischen Arbeit in Palästina auf. Seine Ausführongen wurden mit Begeisterung aufgenommen. Palästinensische Altertümer in London London, 1. Juli. (J.T. A.) Aus Anlaß der.Jahrhundertfeier der University College wurde im Gebäude des College eine Ausstellung von Altertümern eröffnet, die Sir F lin- ,efers Petrie, der berühmte Aegyptologe, am Stadtwall #®n Gerer, neun Meilen südlich von Gaza, ausgegraben hat. Prof. Sir Flinders Petrie sagte in der Ansprache bei der fertiffnung, daß Gerar die Stadt sei, die in der Bibel als diejenige bezeichnet ist, in der die Ahnen Israels, I s a a c and Rebekka, gelebt haben. Sir Flinders Petrie führte weiter aus, Gerer war im Altertum ein wirtschaftlicher י Zenfralpunkt, man habe dje Lage ungeheuerer Kornspeicher bloßgelegt, auch große Waffenarsenale befanden sich dort. Es handelt sich um einen wichtigen strategischen Punkt zwischen Aegypten und Palästina. Wie man den Abwehrkampf führt Ein interessanter Briefwechsel Der ״Jüd. Zeitung“ in Breslau wird von einem der bekanntesten Breslauer Anwälte folgender Briefwechsel zur Verfügung gestellt: I. Berlin, den 27. Mai 1927. Herrn Rechtsanwalt Dr. L. Breslau. Sehr geehrter Herr! Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltet am Sonnabend, den 18. Juni (nachmittags), und Sonntag, den 19. Juni d. in Berlin, Logenhaus (Kleiststr. 10), eine Tagung, auf der vor jüdischen Juristen aus ganz Deutschland der gesamte Kreis der Rechtsfragen in ihren Beziehungen zum deutschen Judentum zur Behandlung kommen soll. Es sind folgende Referate vorgesehen: Der Entwurf eines Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuches. Die Stellung der Rechtspflege zu Juden und Judentum. Methoden politischer Prozeßführung. Eingeleitet wird die Tagung durch ein allgemeines Referat über: Völkische Rechts- und Staatsphilosophie. Angesichts der Bedeutung dieser Tagung für das deutsche Judentum haben wir eine große Zahl namhafter Juristen jüdischen Glaubens, die uns gesinnungsgemäß nahestehen, eingeladen. Wir hoffen, auch Sie, sehr geehrter Herr, aus diesem Anlaß bei uns begrüßen zu können und bitten, auf anliegender Karte uns postwendend mitzuteilen, ob Sie an der Tagung teilzunehmen beabsichtigen. Im Falle einer Zusage, auf die wir zuversichtlich hoffen, wird Ihnen sofort eine endgültige Einladung mit genauer Tagesordnung und Angäbe der Referenten zugehen. In vorzüglicher Hochachtung Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V׳. 1. A.: Dr. Alfred Wiener. Dr. L. Rechtsanwalt. fl. Breslau, den 1. Juni 1927. An den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Ich erhielt Ihre Einladung zu der Tagung jüdischer Juristen am 18. und 19. Juni er. Ich darf wohl annehmen, daß diese Einladung, abgesehen von meiner literarischen Tätigkeit darauf zurückzuführen ist, daß ich die s. Zt. durch die Agitation des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes hervorgerufenen Zivil- und Strafprozesse gegen die Firma X. in Breslau und deren Inhaber geführt nabe. An der Tagung würde ich sehr gern teilnehmen, möchte jedoch im Hinblick darauf, daß die Einladung von Juristen spricht, ״die uns gesinnungsmäßig nahe stehen“, nicht verfehlen, Sie darauf hinzuweisen, dal ich Zionist bin• ׳Nach meiner persönlichen Anschauung können Weltanschauungsfragen in dem Kampfe um die Recht Stellung der Juden keine Rolle spielen, doch muß ich nach den angeführten Worten immerhin damit rechnen, daß von Ihrer Seite bei der beabsichtigten Tagung die Mitwirkung zionistischer Juristen und die Verwertung der von ihnen gesammelten Erfahrungen nicht gewünscht wird, in welchem Falle meine Teilnahme natürlich nicht in Frage käme. Darnach bitte ich Sie, mir freundlichst mitzuteilen, ob die Einladung aufrecht erhalten wird und sehe gegebenenfalls der in Aussicht gestellten endgültigen Einladung entgegen. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Rechtsanwalt Breslau, den 1. Juni 1927. L. HI. J.-Nr. Hi 8281 641/28 c. Berlin, den 5. Juni 1927. Herrn Rechtsanwalt Dr. L. Breslau. Sehr geehrter Herr Doktor! Wir danken verbindlichst für Ihr gefl. Schreiben vom 1. d. M. Ihre Mitteilung, daß Sje Zionist sind, veranlaßt uns, Sie um Entschuldigung zu bitten, daß wir unter diesen Umständen unsere Einladung nicht aufrecht erhalten können. Mit vorzüglicher Hochachtung Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E.V.!. A.: Dr. Wiener. * Der Abwehrkampf des C.-V. verzichtet also auf die Erfahrung und die Tüchtigkeit jüdischer Rechtsanwälte — weil diese Zionisten sind. So sieht das sachliche Interesse dieser Herren ausl Die (idisehe Rechtsselratzkonferenz New York, 15. Juni. (J.T.A.) Wie schon mitgeteilt, hielt der Orden Brith Abraham, der größte jüdische Orden in Amerika, am 13. Juni in Saratoga Springs eine Konferenz ab, der 821 Delegierte als Vertreter von 456 Logen beiwohnten Präsident Coolidge und Gouverneur Smith sandten Begrüßung* telegramme. Die erste Sitzung war der Frage des Schutzes der jüdischen Rechte in Osteuropa und der Lage in Palästina gewidmet. Dr. Stephen S. W i s e polemisierte gegen diejenigen amerikanisch-jüdischen Führer, die sich einem offenen Kampf gegen die Verletzung der Rechte der jüdischen Bevölkerung widersetzen. Würde es nach dem Sinne dieser Führer gehen, so würde die Lage der Juden in Rumänien nicht jene Besserung erlangt haben, die nur unsere scharfen öffentliehen Proteste bewirkt haben. Der Orden Brith Abraham stand in vorderster Reihe der Protestbewegung gegen die rumänischen Greuel. Einer Abordnung dieses Ordens versprach der Staats- Sekretär Kellogg, daß das Staatsdepartement alles tun werde, um den Juden in Rumänien zu helfen. Dr. Wise sprach dann ausführlich über die Aufgaben der geplanten Konferenz zum Schutze der jüdischen Rechte und versuchte di« Besorgnisse zu zerstreuen, daß man in dieser Konferenz eine ״Verschwörung des internationalen Judentums“ sehen würde. Dr. Wise teilte mit, daß die jüdische Rechtschutzkonferenz nicht, wie früher feplant, in Genf, sondern In Zürich abgehalten werden wird. r kam dann noch auf Palästina zu sprechen und wandte sich scharf gegen jene zionistischen Kritiker, die die Schwere der Situation übertreiben. Diejenigen, die wirklich an dem Wohle Palästinas interessiert sind, sehen der Zukunft mit Zuversicht entgegen. Wir glauben an die Idee der Jewish Agency, die alle Kreise der amerikanischen Judenheit zur Unterstützung des Aufbaus Palästinas vereinigen wird. Palästinensische Treuhandstelle Von Dr. Ernst Wöllstein , Haifa. Der Verfasser, Leiter der ״Haomcn Treuhandstelle Haifa“, befindet sich zurzeit in Berlin. Unter diesem Titel hat der Schreiber dieser Zeilen vor zwei Jahren in einem Artikel (״Jüdische Rundschau“ Nr. 62 vom׳ 7. August 1925) versucht, die Notwendigkeit der Schaffung von Treuhandstellen in Palästina nachzuweisen. Hier soll untersucht werden, ob der Gedanke der Treuhandstelle durch die inzwischen veränderte Situation in Palästina sich verändert hat und ob die damals aufgestellte These der Notwendigkeit solcher Stellen heute überhaupt noch aktuell ist. Lind zwar müssen bei der Untersuchung zwei Gesichtspunkte berücksichtigt werden: der der zionistischen Notwendigkeit — oder Nichtnotwendigkeit, und der Realisierbarkeit. Was zunächst den zionistischen Gesichtspunkt angeht, so scheint es, als ob heute ein erheblich größeres Zionistisches Interesse bestehen müsse, daß Leute, die nicht selbst im Lande wohnen, in immer steigendem Maße Kapital in Palästina investieren. Es war zweifellos ein Grund für den Umschwung, daß Leute mit beschränkten Kapitalien in das Land kamen und dort Fiasko erlitten haben, weil sie gar nicht dazu gekommen sind, diese Kapitalien zur Gänze produktiven Zwecken zuzu• führen, sondern gezwungen waren, vom Kapital zu leben. Es muß aus Gründen des Aufbaus dafür gesorgt werden, daß nicht wiederum eine Welle von sogenannten Kleinkapitalisten, die keine sce/.iellen Fähigkeiten haben, das Land überschwemmen und sich das traurige Spiel nochmals wiederholt. Daraus folgt aber, daß wir, abgesehen von zwei Zweigen der Investition, nämlieh der großen Investition auf der einen Seite und der Festsetzung des absoluten Fachmannes auf der andern, versuchen müssen, privates Kapital ins Land zu ziehen, ohne daß die Menschen gleichzeitig ins Land kommen. Ke Heranziehung dieser Kapitalien ist aber nur möglich, wenn für eine gesunde Verwaltung Sorge getragen wird: und dies ist die Absicht der Treuhandstelle. Wir kommen zur zweiten Frage, der Frage der Realisierbarkeit der Treuhsndstellen. Welche Objekte kommen zur Vertretur.g durch Treuhandstellen in Frage? Es mag hier noch einmal rekapituliert werden, daß das allgemeine Programm der Treuhandstellen unabhängig von irgendeiner speziellen Zeitlage sein muß, um dann zur Frage der augenblicklichen Aktualität dieses Programmes überzugehen. Als Programm war vorgeschlagen worden: A. auf industriellem Gebiete 1. vollständige Vertretung und Ausübung aller zur Interessenwahrnehmung notwendigen Funktionen wie Vertretungen in Generalversammlungen, Ausübung von Aufsichtsrat- oder Direktorenposten, Vornahme von Re- Visionen und Vermittlung von Spezialgutachten und Kentroll gutachten; 2. Ausübung von Spezialaufträgen, Vornahme von Spezialrevisionen; B. Interessenvertretung bei Geldanlagen und Kreditvergebung; C. Verwaltung von Bodenstücken und Beratung bei Ankäufen: 1. Besichtigung und Beurteilung angebotener Bodenstücke* 2. Durchführung von Kaufaufträgen; 3. Wahrnehmung der allgemeinen Interessen des Boden* Besitzers gegenüber Behänden, Gemeinden usw.; 4. Entwicklung des Bodenstückes (Zäune, Gärten, Pflan• zungen); D. Hausbau (Nachweis und Kontrolle von Architekten und Bauunternehmer und Uebemahme der finanziellen Abwick* lung) und Hausverwaltung. Wie mir scheint, besteht für jede!t_ einzelnen der damals aufgestellten Programmpunkte ein Bedürfnis; wenn auch zugegeben werden muß, daß für Neuinvestitionen zurzeit nur gewisse Objekte bzw. Kategorien vorgeschlagen werden können, so gibt es doch Interessen aller genannten Arten von früheren Zeiten her und wird es zweifellos bei normaleren Verhältnissen wieder Interessen aller Arten geben. . Die Beweggründe für die Investierenden mögen zweierlei sein. Für die einen die Vorbereitung der Ueberskdlung für einen späteren Zeitpunkt (z. B. durch Anlage einer Pflanzung), für die anderen das normale Gefühl, daß man ebenso wie man an der Börse sein Geld verlieren kann, es vielleicht noch besser ist. es in Palästina nicht zu verlieren, sondern nur zu riskieren. Selbstverständlich muß es das Bestreben sein, daß diese letztere Kategorie in die Lage gesetzt wird, dieses Risiko auf ein mögliches Minimum zu reduzieren. Hierfür zu sorgen soll Aufgabe der Treuhandstelle sein, die so bei der Investierung, Verwaltung und Beobachtung auf das Kapital aufpassen und für es sorgen soll, wie ein Kapitalist, der selbst im Lande ist, für seine eigenen Interessen sorgen würde. Welche Interessen kommen zurzeit für treuhänderische Fürsorge in Frage? 1 Bei bereits vorhandenen Investitionen in Palästina der allgemeine Schutz der Interessen und die Nutzbarmachung solcher Kapitalien (gedacht ist speziell an Boden für die Besitzer durch Hausbau oder Pflanzung). 2. Die Neuinvestition. Hier kommt zurzeit als rentable Anlage nur in Frage: a) die Pflanzung (Orangen oder Bananen), b) die Geldverleihung auf gesicherter Basis _ (Häuser bringen zurzeit nur recht geringe Renten, spez. in Tel-Awiw, wo die Mieten sehr niedrig sind). 3. Ke Luxusinvestition (Eigenhausbau und Zierpflanzung). Ke Treuhandstellen können hierbei noch als besonderen Vorteil bieten: die Verbilligung der Verwaltung durch Kon* zentration mehrerer Objekte. Bei Pflanzungen wird sogar erst durch die Zusammenfassung überhaupt die Möglichkeit gegeben, auch ganz kleine Pflanzungen zu machen, welche der Betreffende für sich selbst, auch wenn er in Palästina leben würde, gar nicht vorteilhaft an legen könnte. Investitionen, wie die oben aufgeführten, kommen auch heute noch in Frage bzw. ist es im Interesse des Landes außerordentlich wünschenswert, daß solche Investitionen gemacht werden. Voraussetzung für den wünschenswerten Charakter der Investition ist aber nach wie vor, daß dafür gesorgt wird, daß die Gelder, die investiert werden, aufs peinlichste gegen Ausbeutung oder Leichtsinn geschützt werden. Es ist zu hoffen, daß, wenn einmal derartige Investitionen sorgsam durchgeführt sein werden, das allgemeine Mißtrauen gegen Palästina und palästinensische Psychologie, das sich leider — teilweise auf Grund schlechter Erfahrungen — bei vielen unserer Freunde eingestellt hat, abnehmen wird. Hier muß man versuchen, in den circulus vitiosus — keine Kapitalinvestition wegen der Krisis, Krisis, weil keine Kapitalinvestition — nach Möglichkeit einzugreifen. Eine Abordnung des Amerikanisch-jüdischen Kongresses begab sich in diesen Tagen auf die Reise nach Europa, um an der am 17. August in Zürich (nicht, wie früher geplant, in Genf) beginnenden Konferenz zum Schutze der jüdischen Rechte tcilzunehmen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.