Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 53 (5.7.1927)
- Date
- 1927-07-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 380 « JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 53, 5.VÜ, 1927 Kongreß Vorsüiläfie lOr elnKonSreipProarairtiti Von Dr, Hugo Htrrman n. Wir haben in Nr. 47 der ״J. R.“ die ersten zwei Artikel von Dr. Herrmann über die von ihm vorgeschlagene Politik des ״linke» Zentrums“ veröffentlicht. Wir geben nachstehend in gekürzter Fassung zwei weitere Abschnitte seines Vorschlages wieder. Red. III. Organisation und Propaganda. ...Wir erkennen mit voller Deutlichkeit, daß der Weg, den wir gehen wollen, nur gangbar ist, wenn die Zionistische Organisation stark und mächtig ist. Wir begrüßen die Er- Weiterung der Jewish Agency, aber wir würden eine solche Erweiterung für ein verhängnisvolles Unglück halten, wenn der zionistische Partner in der Agency schwach und bcdeutungslos wäre. Weil wir eine starke Organisation als die unumgänglichste Voraussetzung für die Möglichkeit anscheu, unser Programm zu verwirklichen, so verlangen wir, daß endlich mit der Reorganisation ernst gemacht werde, von der man bei uns seit Jahren redet, ohne daß man doch den Mut aufbrächte, wirklich ernsthaft die Orund- Voraussetzungen wahrer Reorganisation zu prüfen. Die Re- Organisation muß mit einer Reform des Kongresses beginnen. (In der Frage der Kongreßreform vertritt Dr. Herrmann ungefähr den Standpunkt, der in der ״J. R.“ wiederholt, u. a. von Felix Rosenblüth, entwickelt wurde. Wir haben darum diesen Abschnitt gestrichen. Amn. d. Red.) Die Aufgaben, die dem Kongreß abgenommen werden sollen, müssen naturgemäß dem Aktions־ Comitö zufallen. Wir glauben nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht? daß eine Zahl von rund fünfzig Mitgliedern des Aktions- Comitfe zu groß ist, und gerade wenn das Aktions-Comite so wichtige Aufgaben wie die Festsetzung des Budgets vom Kongreß, den es ja in seiner Zusammensetzung abspiegelt, übertragen erhält, muß es eine gut ausgestattete Körperschaft sein. Das Aktions-Comite sollte einige Tage vor dem Kongreß zusammentreten, um die Kongreßdiskussion vorzubereiten, insbesondere aber die Wahl der Exekutive; der Vorschlag für die Neuwahl der Exekutive muß in der Eröffnungsstunde des Kongresses bereits fertig vorliegen. Unmittelbar nach dem Kongreß, der sich in der Zeit einer Woche ohne Schwierigkeit wird abwickeln lassen, wenn er von allen Detaifcutfgaben befreit ist, soll das neugebildete Aktions-Comite sogleich für 14 Tage zusammentreten und das Budget beschließen sowie alle nötigen Maßnahmen zur Durchführung der Kongreßbeschlüsse treffen. Sodann kam! — wenn nicht Ereignisse seinen Zusammentritt nötig machen — in den Beratungen des Aktions-Comites eine Pause von einem vollen Jahre eintreten, bis zu der Sitzung in dem kongreßlosen Jahre, die wiederum das Budget festzusetzen hat. Was die Exekutive anlangt, so haben wir bereits den Vorschlag gemacht, sie von nun an in zwei weitgehend voneinander unabhängige Teile zu teilen: die politische Exekiitive und die Wirtschaftsexekutive. Von all den Programm- Vorschlägen, die ich zunächst nur im eigenen Namen veröffentlich! habe, hat, soweit ich sehen kann, dieser Vorschlag der Zweiteilung der Exekutive bisher am meisten Widerspruch gefunden. Der eine Einwand war allgemeiner Natur: es sei falsch, Politik und Wirtschaft voneinander zu scheiden, vielmehr müßten beide im Zionismus eine untrennbare Einheit bilden. Der andere Einwand war praktischer Natur: eine vom Kongreß gewählte Wirtschaftsexekutive sei naturgemäß in ihrer Zusammensetzung wieder von politischen Gesichtspunkten bcstimmt und könne nicht rein wirtschaftlich arbeiten, ich glaube, daß beide Einwände nicht ganz stichhaltig sind. Gewiß kann Wirtschaft und Politik nicht voneinander getrennt werden, aber es ist gar kein Zweifel, daß verschiedene Organe da sein können, ja da sein müssen, die die konkrete Arbeit auf beiden Gebieten leisten. Natürlich muß die Sicherheit dafür geschaffen werden, daß die Wirtschaftsexekutive ihre Maßnahmen so trifft, daß sie der politischen Linie entsprechen, die die Organisation einsclilagen will. Ich könnte mir denken, daß der Kongreß imstande ist, auch unter Berücksichtigung seiner politischen Einstellung eine Wirtschaftsexekutive zu wählen, die doch aus wirklich hervorragenden Wirtschaftsfachleuten bestünde. Sie hätten, wenn sie vom Kongreß gewählt sind, mehr Autorität als wenn sie von der Exekutive ernannt werden; aber ich möchte aus dieser Frage, ob die Wirtschaftsexekutive vom Kongreß gewählt oder von der politischen Exckutive ernannt werden soll, kein Schiboleth machen. Von weit größerer Bedeutung als im allgemeinen anerkannt wird, ist die richtige Ausgestaltung des Organisations-Departements der Exekutive. Das, was bisher seine Aufgabe gebildet hat, die rein formelle Aufrechterhaltung der . Organisation, ist in Wirklichkeit nur seine dritte Aufgabe. rvi 01 0« ־Tribüne Die erste muß in einer wirklichen Führung unserer gesamten Propaganda bestehen. Diese Propaganda kann und soll in sehr hohem Maße mit der Propaganda der Finanzinstitutionen verbunden werden und es soll eine richtige, gut durchfcbildcte Propagandazentrale geschaffen werden, der große litte! zur Verfügung stehen können, wenn die Finanzinstitutionen auch nur einen Teil jener Beträge zur Verfügung stellen, die sie bisher zentral, aber für jede Institution gesondert ausgeben müssen. Wenn schon von einem prmzipicllen Gesichtspunkt aus das Nebeneinanderbestehen verschiedener von zionistischem Geist erfüllter und der Zionistischen Organisation beigeordneter Finanzinstitutionen kaum zu rechtfertigen ist, so muß doch wenigstens der Versuch gemacht werden, diejenigen ihrer Aufgaben zusammenzufassen, die eine gemeinsame Bearbeitung ermöglichen und deren gesonderte Durchführung nicht nur eine Erhöhung der Unkosten bedeutet, sondern auch in sehr vielen Fällen Reibungen, Kollisionen und Störungen. Das zweite •wichtige Dezernat im Organisations-Departement müßte ein ständiges Sekretariat für Kongresse und A. - C. -Sitzungen sein. Die zionistische (.)Öffentlichkeit weiß sehr wenig davon, welche Schwierigkeiten es mit sich bringt, beispielsweise für jede dieser Tagungen den richtigen Ort und den passenden Zeitpunkt ausfindig zu machen, die nötigen Vorlagen rechtzeitig fertig- /!!stellen und der Tagung das der Besenlußfassung zugrunde liegende Material in zweckmäßig geordneter Form vorzubereiten. Alle diese Reformen, die unsere Organisation wirklich auf die Höhe der Zeit bringen, sie ihrer heutigen Größe gerecht werden lassen und dabei doch die unvergleichlichen Schöphingen fferzls voll bewahren würden, sind doch nur dann wirklich realisierbar, wenn wir uns entschließen, jene dornige Frage unerschrocken zu beantworten, die in den letzten Jahren so manche unerquickliche Erscheinung hervorgebracht hat; die Beamtenfrage. Ich glaube, daß jeder Kenner der Verhältnissc zugeben wird, daß die Zionistische Organisation und ihre Institutionen ein Beamtenmaterial besitzen, wie kein Staat und kaum irgendeine politische Organisation. Dieses Maß von Sachlichkeit und Hingabe an die Arbeit bei diesem Grade materieller Unsicherheit, wie wir es in der zionistischen Beamtenschaft finden, und nicht nur in Palästina, ist ein außerordentlich starker Beweis für die sittliche Kraft des der Zionistischen Organisation zugrunde liegenden Gedankens. Aber was wir heute haben, ist uns damit noch nicht für alle Zeiten gesichert und die Entwicklung der letzten Jahre innerhalb der Organisation hat schon merklich auf die Zerstörung dieses starken Aktivufns hingearbeitet. Seit Jahren werden Vorschlage gemacht für die Schaffung einer Dienstpragmatik für die zionistische Beamtenschaft, einer Dienstordnung und einer Besoldungsskala, für die Ermöglichung einer Alters- und Invaliditätsversicherung. Diese Fragen müssen gelöst werden und wir werden von diesem Kongreß verlangen, daß er ein Ende macht mit dem ewigen Verschieben und Vertagen dieses wichtigen Problems, von dessen Lösung auch die moralische Stellung der Beamten in der Organisation abhängig ist. IV. Palästinaarbeit. Es kann nicht meine Aufgabe sein, ein detailliertes Programm für die Palästinaarbeit zu entwerfen; ich muß das solchen überlassen, die sachverständiger und mit den Verhältnissen in Palästina weit vertrauter, sind als ich. Ich glaube,; daß die Gruppe des linken Zentrums auf dem Kongreß solche Männer zählen wird. Was ich hier tun kann und will, ist nur, die allgemeinen Grundlinien für ein derartiges Palästinaprogramm zu ziehen. Wir unterscheiden zwei große Aufgaben dieses Kongresses in bezug auf die Palästinaarbeit und wir wollen uns nicht der Pflicht entziehen, beide, so gut wie das eben möglich ist, itirer Lösung näherzubringen. Die eine Aufgabe ist die Liquidierung der augenblicklichen Wirtschaftskrise In Palästina, die andere die Vorbereitung der Pläne für die künftige Expansion unserer Arbeit. Wir glauben nicht, daß es sehr fruchtbar wäre, die Ur- Sachen der augenblicklichen Krise etwa in der Art zu untersuchen, daß man Schuldige herausfinden wollte. Weder die Arbeiterwirtschaft noch die vierte Alijah, weder das unrichtige System der Exekutive noch die zögernde Haltung der Mandatarmacht ist, wie wir glautfcn, an der Krise ״Schuld“. Wir glauben vielmehr, daß es im Laufe einer solchen schwierigen und umfangreichen Arbeit, wie es der Aufbau eines jüdischen nationalen Heimes in Palästina ist, notwendigerweise Zeiten des Fortschrittes und Zeiten des Stillstandes, Zeiten des Vorwärtsdrängens und Zeiten der Krise geben muß. Wir unterschätzen die Bedeutung der Krisetficht, droht sie ja all«, was wir bisher geschaffen haben, hinwegzuspülen; wir fürchten, daß die meisten Gruppen innerhalb des Zionismus diese, ungeheure Gefahr, die uns im Laufe des nächsten Jahres in Palästina droht, gar nicht genügend einschitzen. Aber wir! wollen die Bedeutung der Krise auch nicht übertreiben, wir, wollen nicht aus augenblicklichen Schwierigkeiten sogleich1 auf ein Scheitern des ganzen Werkes und auf die völlige Ver- kchrtheit der Wege, die wir bisher gegangen sind, schließen. Wir glauben, die Krise kann nur dadurch überwunden werden, daß wir jetzt eine Periode der Konsolidierung eintreten lassen, in der wir uns von jeder Erweiterung der Wsherigen Position zurüekhalten. ...In dieser Zeit der Konsolidiemng wird naturgemäß die neue Einwanderung auf ein ganz geringes Maß heruntergedrückt werden müssen. Wir sind uns vollkommen dessen bewußt, daß dies sehr große Gefahren mit sich bringt, insbesondere was die Aufrechterhaltung der Chaluzorganisationen und der Chaluzbewegung im ganzen anlangt. Wir glauben aber, daß gerade die chaluzisch eingestellte Jugend verstehen wird, daß sie ihre Interessen für eine gewisse Zeit zurücksteüen muß gegenüber dem gebieterischen Zwang, das Werk in Palästina zu sichern und es einer weiteren starken Entwicklung entgegenzuführen. Wenn so die Einwanderung sehr gering sein wird, so wird es möglich sein, im laufe der Konsolidierungsperiode die derzeit bestehende Arbeitslosigkeit schrittweise abzubauen, bis sie vollständig verschwindet. Es wird notwendig Sein, diesbezüglich einen ganz genauen Plan auszuarbeiten und nur im Zusammenhang mit einem solchen Plan hat unsere Parole einen Sinn, welche verlangt, daß von einem bestimmten Zeitpunkt ab keine Arbeitslosenunterstützungen mehr von seiten des Keren Hajessod bezahlt werden. Es ist das nicht, wie Herr Lichtheim in einem Artikel der ״Jüdischen Rundschau“ meint, eine ״diktatorische Geste“, sondern es ist die Haltung, zu der uns das Interesse der Arbeit in Palästina lind zugleich das Interesse der Keren Hajessod-Arbeit zwingt. Die Zeit der Konsolidierung muß auch dazu #benutzt werden, um für die weitere Expansion unserer Arbeit umfassende und sorgfältig durchdachte Pläne aufzustelle». Wenn die ersten zehn Jahre des Aufbaus nach dem Kriege mit einem Zuwachs von 100000 Juden in Palästina geendet haben werden, so wird es notwendig sein, dafür zu sorgen, daß das zweite Jahrzehnt uns einen Zuwachs von 200 000 Ws 300000 Juden bringe. Wenn uns das gelingt — und wir sind überzeugt, daß cs möglich ist — dann sind wir nicht mehr sehr ferne von dem Ziel, das wir anstreben, nämlich die jüdische Mehrheit in Palästina zu erreichen. Die Ausarbeitung dieser Pläne wird naturgemäß im engen Zusammenwirken mit der sogenannten Expertenkommission der Jewish Agency vor sich gehen müssen. Es wird von größter Bedeutung sein, daß dieser Plan in seinem wesentlichen Teil auf jüdischer Land- Wirtschaft und Selbstarbeit beruht. Wir können uns nicht ohne Bedenken darauf cinlassen, einen völlig neue« Kurs einzuschlagen, selbst wenn das Postulat der Land- Wirtschaft als der Hauptgnmdlage des Aufbaus gewahrt bleibt. Gewiß kann Pflanzungsbau oder intensiver Gemüsebau eine raschere Rentabilität erzielen lassen und die Rentabilität wird auch jedenfalls höher sein, als sie bei der Form der gemischten Wirtschaft, die wir bislier gepflegt haben, jemals werden kann, aber wir dürfen doch nicht aus dem Auge lassen, daß der Aufbau unserer Wirtschaft in Palästina doch nicht rein wirtschaftliche Ziele verfolgt. Wir müssen doch verstehen, daß es sich darum handelt, eine jüdische Heimstätte ־/u schaffen, daß es sich darum handelt, einen neuen Juden zu schaffen, und daß dieser neue Jude nur geschaffen werde!» kann, wenn wir die Möglichkeit haben, neue Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu schaffen. Wie rasch haben wir doch vergessen, wie begeistert wir alie darüber waren, daß sich in den .Kwnzoth und in den anderen Siedlungen , ׳der, Chafuzim ein neues׳ Gemeinschafttgefühf, ein neaei Soziales Ethos entwickelt! Jetzt kommt man mit dem Schlagwort der ״Rentabilität“ und all das wird vergessen, all das wird über Bord geworfen, als wäre es bloß unnützer Ballast. Das soll nicht heißen, daß wir die Rentabilität geringschätzen. Die Rentabilität ist der Prüfstein eines gesunden Wirtschaftliehen Aufbaues und wir müssen unbedingt verlangen, daß alle Wirtschaften, die wir im Lande gründen, in einer gewissen Periode selbständig werden und sich ohne Zuschüsse vom außen erhalten können. Das heißt aber doch nicht, daß wir von vornherein mir solche Wirtschaftsformen und solche Wirtschaftszweige in unsere Arbeit einbeziehen sollen, die eine möglichst hohe Rentabilität und in einer möglichst kurze« Periode erreichen lassen. Der wirtschaftlichen Bedeutung des Aufbaus geht die nationale unter allen Umständen voran. Und wir sind der Ansicht, daß die nationale Bedeutung des Aufbaus in erster Linie auf seinen sozialen Grundlagen beruht. Wir sind überzeugt, daß die Finanzierung des Palästinaverkes auch für die nächste Arbeitsperiode, die wir auf etwa zehn Jahre schätzen, noch durchaus durch das nationale Kapital ermöglicht «׳erden muß. Wir glauben, daß der Keren Kajcmeth und der Keren Hajessod auch für diese ganze Periode noch, wenn nicht das einzige Mittel der Finanzierung, so doch das wichtigste und vornehmste sei« Tripolitanischf Joden in Berlin Seit den Schewuoth-Feiertagen, an denen sie dort zum ersten Male erschienen, sieht die Gemeinde einer westlichen Berliner Synagoge eigenartige Gäste bei sich. Etwa 20 dunkelhäutige Nordafrikaner mit * weißen Hemden über den hellen Beinkleidern, farbigen Westen und roten Fe,mutzen wohnen jeden Sonnabend dem Gottesdienste bei. Es sind dies der jüdische Teil einer zurzeit im Berliner Zoologischen Garten gezeigten Völkerschau ״Tripolis in Berlin“’. Von dieser, 78 Teilnehmer umfassenden, Schau sind ungefähr ein Drittel Juden, ln der eigens für sie errichteten Miniaturstadt bilden sie eine besondere Abteilung, die ״Hara“. Da kann man sich denn beim Wandern durch die Bazarstraßen, beim Erstehen der Probeleistungen der dort arbeitenden Handwerker, was mit Hilfe eines hebräischen Dolmetschers vor sich geht, ins nordafrikanische Italien versetzt fühlen. Da bieten drei Elfenbeinarbeiter, einige Perlensticker und ein Limonaden Verkäufer ihre Waren an. Es gibt ferner einen Schneider, einen Maler für Tonkrüge mit Frau und Kindern, und Musikanten, Sänger und Tänzer, die zu eigentümlich-monotoner Musik — unter ihren Gesängen bemerkt man die ״Hatikwah“ — ihre Kunst zeigen. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie sich in der Heimat durch Darbietungen bei Festen, wo sie von den Gästen sehr hoch bezahlt werden. Eine prominente Bewohnerin der Stadt ist ״Camilla“, eine tripolitanische Schönheit, die allen Moderegeln der Aesthetik zum Trotz siegreich ihre runde Linie durchs Leben trägt. Die tripolitanischen Juden haben das jüdische Volkselement rein erhalten. Mit den ihnen eigentümlichen Sitten und Trachten sind sie in den nordafrikanischen Städten ein besonderes Element. Viele von ihnen sprechen außer der arabischen und italienischen Sprache hebräisch. An den religiösen und rituellen Vorschriften halten sie streng fest. Auch hier beobachten sie den Sabbat, an dem sie sich nicht produzieren. Ein besonders dazu mit herübergebrachter ״schochct“ sorgt für die Innehaltung der Speisegesetze. Außerdem steht die Gruppe unter der rituellen Fürsorge der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Indem die Veranstaltung als charakteristischste Vertreter der jüdischen Bevölkerung von Tripolis Handwerker zeigt, erweist sie jüdische Arbeitsamkeit und Geschicklichkeit entgegen allen antisemitischen Fälschungen. Ein weiterer positiver Eindruck ist die Echtheit und Einfachheit, mit der die tripolitanischen Juden uns ihre Eigenart nahebringen. Diese lassen auch den üblen zirkushaften Beigeschmack und die Wild-West-Romantik, wie ihn das Paradieren mit Zauber-, Reit- und Schießkünsten einer solchen Schau hervorrufen, nicht so sehr fühlbar werden. Rahe! Lipschütz. Biicherschau Dr. Michael Müller-Claudius: Deutsche Rassenangst. Verlag Schwctschke & Co., Berlin. Das blutrünstige Gespenst des Antisemitismus endlich einmal stellig gemacht von den hellen, scharffixierenden Augen eines Nichtjuden, An Freud geschult, durchdringt er mühelos die dunkeln Seelenkammern, aus denen seinem Volk die neurotische Haltung in bezug auf die Juden erwachsen ist. Er sieht es als das Opfer der unheilvollen Zwangsvorstellung, daß das ganze jüdische Volk ein verfluchtcs Geschlecht von Gottesmördern sei, von dem nur Unheil kommen kann. Dieser jüdische Komplex hat das klare, unbefangene Urteil der Denkernation, seine affektlose Betrachtung der Wirklichkeit hoffnungslos getrübt. Dabei stammt der ganze Komplex durchaus nicht aus der R a s s e n Sphäre. Eine religiöse Symbolik ist es, die nur in Zeiten nationaler Not und Niederlage auf das völkische Gebiet übertragen wurde. Das gesunde Deutschtum wie es im alten Frankenreich zu finden ist, kannte keine Rassenfeindschaft gegen die Juden. Im Gegenteil seine weltlichen Gewalten waren die Verbündeten und Schützer des tätigen, wagenden, ihren eigenen Glanz erhöhenden Judentums. Ntir die Kirche bekämpfte es in jener Zeit, aber ohne irgendwelche Verklausulierung, einfach aus machtpolitischen Gründen, um einen immer noch imponierenden Gegner unschädlieh zu machen. Erst der Fanatismus der Kreuzzüge schuf die religiöse Haßsymbolik gegen die Ungläubigen im eigenen Lande, deren Verstocktheit um so schuldbarer erschien als ja ihrer Bekehrung keine Rassenantipathie etwas in den Weg legte. Diese religiöse Symbolik, die niedrige Raubgelüste und aufstrebende wirtschaftliche Konkurrenz üppiger wuchern ließen, hat den deutschen Geist so Verhängnisvoll umnebelt, daß er den haarsträubendsten Widersinn über die Juden zu glauben bereit ist. Ganz im Ernste schlottert das deutsche Volk aus Angst davor, daß die Juden, von denen einer auf hundert Deutsche komme, sie zur Strecke zu bringen vermag. ״Gericht über uns selber und nicht über die Juden ist eine solche Annahme. Der Antisemitismus und nicht der Jude ist unter solchen Umständen zu einer deutschen Gefahr geworden“, ruft Müller-Claudius aus. Und als nachahmenswertes Beispiel weist er es auf das •— Jüdische Volk hin, das mit seiner ntessianischen Rassensymbofik seine Art kraftvoll erhalten und sein Wesen vervielfältigt hat, weil es int Geiste von dem Reichtum aller Völker zu ernten sich nicht scheute! . . . Kann man hoffen, daß die deutschen Rassenfanatiker den Appell ihres Volksgenossen beherzigen und den Kampf zu ihrer Befreiung aus geistiger Umnachtung aufnehmen werden? Dr. Nadja Stein. Emst Toller, Justiz. Erlebnisse. E. Laubsche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1927. Ueber dieses Buch kann man nicht referieren: man muß es lesen. Denn hier ist nicht Literatur, wenn auch der feine künstlerische Gestaltungssinn den Schreiber nicht verläßt; hier ist ein Stück wirklichen Lebens, dessen Zeugen wir waren und sind, an dem wir achtlos vorübergellen. Toller eifert für Gerechtigkeit und Menschlichkeit, und er klagt an, ohne Pathos und darum um so eindringlicher, wenn diese beiden obersten sittlichen Forderungen mißachtet werde», Hier leiden hunderte Menschen, durch menschliches Ver״ schulden; es ist also, im Sinne Max Brods nicht ״edles“, sondern durchaus ״unedles“ Unglück, das uns hier gegen- Übertritt. Gerade darum aber ist Tollers Buch ein Weckruf an das Gewissen. Für uns Juden ist das Buch von speziellem Interesse, nicht nur weil ein Jude es geschrieben, sonder« weil in dieser Zeit des völkisch verseuchten Volksempfindens auch Juden häufig Opfer einer vorurteilsbeherrschten ״Justiz“ geworden sind. Aber darüber hinaus darum, weil wir Juden stolz darauf sind, das Volk zu sein, dem Gerechtigkeit höchstes Lebensideal ist. W. Die Briefe und Manuskripte Achad Haams wurdet laut Vermächtnis der Hebräischen Nationalbibliothek eiwa»|_ leibt l Nr, 53 müssen, noch nicl die Qrun solchen / seiner Au können v Palästina Wir durchaus n e n s i s herige Le einen her tig bereit einzuräur glauben wendigkc der Rev methodei Mitte. \ Bewegun gegneris« wollte. י menten 1 Prüfung zu erwäl nomie d! übertriet Nachteil solchen pflichtig! der allg organisa wird da wo die i werden wendig nicht gi stimmen schicken Wir demselb ganzen lichkeit den Tai keit un! glauben zu den solchen bloßen zu voH Jugend man sii Begeist daß di« Volkes daß ge von ur uns se hafte ( gerade Paläsfli Li der br in Lon proble H. E. Palästi Gore Lande! wesen gange digen schon wandt zur > zur B geniet Beis dem f Die 1 syrisc Verm verw! für c sehne Bahn׳ des f Wadi I unga rats fond! giert Wort dem erkli hatte und dis rung feiei eine '1 'Pro! ftrfM diej! »tt< weit י Zes bioi ,׳Es ' *wi!