Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 372 JDBOISCHE RUNDSCHAU Nr. 52,!.VH. 1*27 Brief aus Palästina Arabische Einigungsbestrebungen. — Kongreßvorbcreft irrigen. — Ein Zensur-Gesetz. Tei-Awiw, den 22. Juni 1927. Die Verhandlungen zwischen den beiden führenden palästinensiscli-arabjschen Familien, den Hussein! und Naschaschibi, werden fortgesetzt. Die arabische Presse bringt diesem ״Familienfrieden“ stärkstes Interesse entgegen. Je nach der Liaison der verschiedenen Zeitungen mit den einzelnen Familien wird für oder gegen das Bündnis Stellung genommen. Für die jüdischen Interessen im Lande hat dieser Einigungsversuch einen doppelten Aspekt. Erstens einmal kann selbstverständlich eine solche Bewegung, die zur Kristallisierung der politisch interessierten arabischen Kreise um einen gemeinsamen Kern führt, nicht ohne Auswirkung auf die allgemeine palästinensisclie Innenpolitik bleiben. Man soll freilich die Aktionskraft und die Horizontweite auch der verbundenen Familien nicht überschätzen. Dennoch wird die Lage und Stellung־ der Juden von solchen Umgruppierungen der mit ihnen lebenden Nation unmittelbar berührt, besonders nachdem durch die Frrichtung gewählter Munizipalitäten eit! Feld für gemeinsame Aktion — vorläufig noch auf beschränktem Gebiete — geschaffen ist. Und zweitens sind die Bedingungen, unter denen die Verständigung vor sich gehen soll, für uns von Bcdeutung. Es verlautet nämlich, daß die Naschaschibi sich den Forderungen der Hussein! auf dem Gebiete der Politik unterworfen hätten. Das heißt also, daß die Naschaschibi, die bisher den extrem antizionistischen Kurs der arabischen Exekutive bekämpft oder ihn zum mindesten nicht selbst befolgt haben, jetzt ins Fahrwasser der Husseini ü herzu gehen drohen. Und das ist der entscheidende Punkt für die Juden. Wie sich die vornehmen Familien der Araber in die vorhandenen Ehrenposten teilen, ob Husseini im ״moslemischen Rat“ und Naschaschibi in den Munizipalitäten die Oberhand hat, kann uns vielleicht gleichgültig bleiben. Aber ob die Gemäßigten sich den Extre-!nisten nähern, ist auch für uns wichtig. Freßich — und das kann nicht scharf genug betont werden — sind alle Nachrichten mit sehr viel Vorsicht aufzunehmen. Es ist gerade heute, nachdem die Extremisten in den Munizipalitätenwalilen schlecht abgeschnitten haben, unwahrscheinlich, daß die ״Opposition“ bei der Einigung ihren Kurs annehmen sollte. Und es scheint, daß außer politischen und familienhaften Motiven hier eine solche Mischung von Tradition, persönlichem Ehrgeiz, Teilinteressen aller Art vorliegt, daß wir, die wir in politisch-parteimäßigen Gleisen denken, sie nur schwer ganz übersehen können. * Die Kongreßvorbereitungen, die heute noch im Lande ein sehr schleppendes Tempo haben, bis auf die Aktionen, die innerhalb der einzelnen Fraktionen gemacht werden, also nicht bis an die Oberfläche der Oeffenilichkeit dringen, sind ein getreues Spiegelbild der allgemeinen Stimmung im Lande: ruckweise Versuche, gegen die allgemeine Apathie vorzugehen und dabei wieder ein Zurückfallen in die frühere Mattigkeit. Bisher ist nur die Fraktion der -Allgemeinen Zionisten“ mit einer ausfiihrlichen Kongreßplattform hervorgetreten, wenn man von den mehr allgemein-programmatischen Thesen der ״National-biirgerliehen Vereinigung“ absieht (die auch in der ״Jüdischen Rundschau“ erschienen sind). Der allgemeine und wirtschaftliche Teil der Plattform der Allgemeinen Zionisten, die bereits mit Versammlungen begonnen haben, bringt wenig Neues. Es ist der heute allen Lagern gemeinsame Reformwille zum Ausdruck gebracht, mit einer besonderen Betonung der ״Unparteilichkeit“. Diese geht soweit, daß die Forderung aufgestellt wird, daß Mttglfeaer der Parteien bei ihrer Wghl in leitende Instanzen ׳^airi dfefcf Pa'ffeifen'aastreteu1־ri!lSsen,־'efte־F'dW|e*rtm|>’ Ife'Woe‘r parlamentarischen Welt kaum Vorläufer hat. Es ist der Erwähnang wert, daß das Programm der ״Allgemeinen Zionisten“ einen besonderen Abschnitt der Wertung und Anerkennung der Arbeiterschaft und ihrer bisherigen Tätigkeit im Lande widmet, mit der ausdrücklichen Betonung und Hoffnung, daß die Zionistische Organisation auch in Zukunft dieses ihr größtes Kapital zu schützen wissen wird. Der politische Teil der Plattform ist charakterisiert durch eine recht scharfe Kritik des politischen Kurses der heutigen Leitung. Sie wird in allen ihren Gebieten — Erziehungsbudget, Regierungsböden,,Sanität, Beschaffung öffentlicher Arbeiten zur Erleichterung der Beschäftigungslosigkeit usw. — scharf angegriffen und die Forderung einer aktiveren Haltung gegenüber der Mandatsregierung aufgestellt. In diesem Zusammenliang ist die Reaktion des ״Haarez“ (dessen Redakteur sich aktiv an den Arbeiten der Allgemeinen Zionisten beteiligt) auf das Memorandum der Exekutive an die Mandatskommission und den Begleitbrief Weizmanns zu erwähnen*). In einem Leitartikel wird auf alle die Punkte bingewiesen, in denen die Re- ״ierung entweder nicht genug oder gar nichts getan hat, um der jüdischen Einwanderung die Wege zu ebnen, auf alle die Fälle, wo der Jischuw trotz aller seiner Anstrengungen nicht erreichen konnte, was er für die Entwicklung seiner Wirtschaft forderte. Die ״National-bürgerliche Vereinigung“ wird eine ahnliehe Stellung auf diesem Gebiete einnehmen, weil ein großer Teil ihrer Mitglieder an bestimmten Regierungsmaßnahmen, besonders was Zoll, Import usw. anbetrifft, interessiert ist. Die Stellung der Revisionisten ist klar. Und auch unter der Arbeiterschaft, die vielleicht in dieser Beziehung noch am gemäßigtesten ist, sind nicht alle Teile in der Verteidigung des bisherigen politischen Kurses der Exekutive gegenüber der Mandatsregie־ rung einig. *■ Vor einigen Tagen fand in Tel-Awiw eine Versammlung statt, die einen originellen Charakter trug: Es war eine Protestversamrnlung gegen das in Palästina drohende Gesetz einer ״Vorzensur“. Unter den Gesetzesvorschlägen und Verordnungen der Regierung, die in der letzten Woche erschienen sind und unter anderem auch die dG-Millionen-Änleihe betreffen, befindet sich ein Vorschlag, der sich auf die Zensur von allen Arten von öffentlichen Vorführungen bezieht. Und zwar wird dekretiert, daß jede Art von Aufführung — sowohl Theater wie Oper —, um eine Erlaubnis bei einer von der Regierung eingesetzten Kommission cinkommen muß, die ihre Zustimmung geben kann oder nicht. (Unter Umständen und wann diese Bestätigung erfolgen muß, wird nicht naher erörtert.) Darüber hinaus aber wird verlangt, daß jedes Matiuskript eine englische Uebersetzung haben müsse, sobald es der Kommission vorgelegt würde. Es gab also zwei Gründe zur Entrüstung: Erstens die sonderbare Tatsache der Vorzensur überhaupt und zweitens die Nichtachtung der in Palästina amtlich anerkannten hebräischen Sprache. Die!,resse wandte sich in Leitartikeln gegen diese ״Unterdrückung der künstlerischen Freiheit“, und die Genossenschaft hebräischer Schriftsteller hielt in Tel-Awiw eine Protest- Versammlung ab. Hier wurden scharfe Resolutionen gegen das Gesetz gefaßt und eine Delegation an die Regierung gewählt, die eine Aenderung des Erlasses beantragen soll. Diese Einsetzung der Zensur hat einen etwas komischen Anstrich. Die Regierung, die Palästina jahrelang auf lebenswichtige Gesetzesänderungen warten läßt, z. B. die Abänderung der Getreidesteuern usw., hat augenblicklich keine dringendere Arbeit als — in Palästina eine obrigkeitliche Zensur cinzu- *) Der Redakteur Dr. ültiekson gehörte auf den letzten Kongressen der ״radikalen“ Fraktion an. — A. d. R. führen. Die Verordnung wendet sich natürlich in der Hauptsache gegen die Juden und ihre bescheidenen künstlerischen Anfänge. Denn unter den Arabern kommen Aufführungen rößeren Stils kaum vor. Was zu dieser Verordnung geführt at, ist etwas unklar. Die jüdische Kunst ist durchaus zahm an durchschnittlichen europäischen Begriffen gemessen. Und die jüdische öffentliche Meinung übt selbst recht herbe Zensur, sowohl in dem was aufgeführt, als was geschrieben wird. Es mag sein, daß hier eine Wand gebaut werden soll, um einen Zusammenstoß der verschiedenen — arabischen und jüdischen — Auffassungen auf diesem Gebiete zu verhindern. Zwischen diesen Auffassungen wie zwischen allen europäischen und asiatischen Kulturbegriffen besteht selbstverständlich eine tiefe Kluft. Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß die Zensur ein Mittel zu ihrer Uebcrbriickung bieten könnte. v Und nun die Verordnung englischer Uebersetzung bei jeder einzelnen Eingabe! Es ist das erste Mal seit der englischen Administration im Lande, daß in einem Erlaß gegen die Anerkennung der Landessprachen verstoßen wird. Theoretisch handelt cs sich ja ebenso um das Arabische wie um das Hebräische. Wenn der englische Administrator erst einmal anfängt, sich die Sprache der Eingeborenen in seine Kulturspraclie übersetzen zu lassen, so ist jedem Auswuchs dieser Praxis Tür und Tor geöffnet. Der Jischuw wird gegen diese Maßnahme mit Recht einen heißen Kampf beginnen. Der Vorstoß gegen das Hebräische kann vielleicht auch eine gute Seite haben, und zwar für die Juden nach innen hin. Es ist leider nicht zu leugnen, daß rnan in den letzten Monaten, vor allem in Tel-Awiw, wieder erschreckend viel Fremdsprachen hören kann. Und das, obwohl augenblicklich keine große Einwanderung zu absorbieren ist, die das Hebräische erst zu lernen hat. Der Jischuw — von den Kämpfen der letzten Jahre müde — läßt sich auch in der Sprachenfragc gehen. Ein Teil hat noch immer nicht gelernt, und es fehlt jetzt die Athmosphäre, um ihn zum Lernen zu bewegen. Und auch Teile derjenigen, die die Sprache heute bereits gut beherrschen, fallen bei vielen Gelegenheiten in die Sprache ihrer Ursprungsländer zurück. Man weiß, daß man hebräisch kann, und das genügt.... Es ist natürlich die Mehrheit, die nach wie vor am Hebräischen festhält, aber sie empfindet man als selbstverständlich, und daher fällt sie nicht auf. Es ist eine Erfahrungstatsache, daß ein Angriff von außen auch den inneren Willen zum Hebräischen wieder stärkt, und das scheint heute nicht unnötig. Palästina vor der Mandatskommission Die ständige Mandatskommission des Völkerbundes, die in ihrer jetzigen Session mit der Prüfung der Berichte der Mandatarmächte über die Verwaltung der Mandatsgebiete im Jahre 1926 beschäftigt ist, nahm am 27. Juni den Bericht der britischen Regierung über das Mandat fiir Palästina und Transjordanien entgegen. Die mündlichen Erklärungen zu dein Bericht gab der Unterstaatssekretär im britischen Kolonialamt Sir John Shuckburgh. Er ging ausführlich auf die Schwierigkeiten ein, mit denen die Durchführung des Mandates zu kämpfen hat. Eines der Ziele des Palästina- Mandates ist die Verwirklichung der Deklaration Lord Baifours vom November 1917, nach welcher in Palästina eine nationale jüdische Heimstätte errichtet werde, wobei die bürgerlichen und religiösen Rechte der im Lande bereits ansässigen Bevölkerung gewahrt werden müssen. Im Jahre 1922 gab die britische Regierung in ihrem ״White Paper“ die Grundlinien der englischen Politik in Palästina bekannt; diese Grundlinien enthielten eine Interpretation der Balfour-öekJarätion und wurden von der Zionistischen Organlsation angenommen, dagegen nicht von den Arabern. Die arabische Exekutive widersetzte sich der Schaffung eines Legislative Council (Gesetzgebenden Körperschaft), so daß die Regierung beschloß, die Verwaltung wie bisher weiterzuführen. Die Lage in Palästina, fuhr Sir John Shuckburgh fort, hat sich trotz des Widerstandes dieses Teils der arabischen Bevölkerting in den letzten Jahren bedeutend gebessert, ungeachtet der außergewöhnlich starken Verflechtung der Rassen und religiösen Richtungen in Palästina, und ungeachtet dessen, daß Palästina in religiöser Hinsicht für die verschiedenen Völker und Religionen große Bedeutung hat. Diese Verflechtung bringt es mit sich, daß unbedeutende Zwischenfälle, über die in anderen Ländern schnell zur Tages- Ordnung übergegangen wird, in Palästina zu umfangreichen Diskussionen und übertriebenen Kommentaren in der Presse führen. Aber auch in dieser Beziehung sind beachtenswerte Fortschritte erzielt worden, und besonders die Hauptbeteiligten, Juden und Araber, kommen einander in gegenseitiger Toleranz näher. Sir John Shuckburgh ging dann zur Schilderung der Verhältnisse in Transjordanien über und stellte fest, daß auf diesem Territorium die Bestimmungen über das Jüdische Nationalheim keine Anwendung■ finden, obwohl Transjordanien zu dem Palästina-Mandat gehört. Dort ist das besondere Abkommen zu berücksichtigen, das England im Kriege mit den Arabern getroffen hat. Auch in diesem Teil des Mandatsterritoriums entwickelt sich die Lage in einer befriedigenden Weise. Die Mandatsmacht verfährt hier nach denselben Grundlinien wie im Irak. Die Mitglieder der Mandatskommission richteten an Sir John Shuckburgh verschiedene Fragen, die sich insbesondere auf die jüdische Gemeindeordnung in Palästina, auf die Frage der Zuteilung von Staats- und Brach- 1 a n d für die Zwecke der jüdischen Kolonisation, auf die fmmigrationsbeiüngungen und die gegenwärtig in Palästina herrschende Wirtschaftskrise, die eine Verringerung der Einwanderung und eine Vermehrung der Aus- Wanderung zur Folge hat, bezogen. Sir John Shuckburgh beantwortete die Fragen. Am 29. Juni wurde die Prüfung des Mandatsberichtes betreffend Palästina fortgesetzt. Das Memorandum der Zionistischen Weltorganisation, die Petition der arabischen Exekutive und das kurze Memorandum cDr Agudah kamen zur Verhandlung. Y'erhaitunfl von Streikenden in Palästina Jerusalem, 27, Juni. (J.T. A.) 22 streikende Arbeiter der Zündholzfabrik ״N u r“ wurden verhaftet, als sie versuchten, arabische Streikbrecher an der Fortführung der Arbeit zu hindem. Bei einem Zusammenstoß mit der Polizei machte diese von ihren Knütteln Gebrauch. In Haifa wurden 39 K o m in 11n i s t c n , die an einer Kundgebung teilnahmen, bei der arabische und jiddische Ansprachen gehalten wurden, verhaftet. Am 23. Juni begann in London die für neuntägige Dauer berechnete Feier des hundertjährigen Jubiläums des University College in Anwesenheit des Königspaares. Universitäten der ganzen Welt sind vertreten. Die Universität Jerusalem war durch Dr. Chaim Weizmann repräsentiert. Die Conventton der amerikanischen Zionisten Atlant je City, 27. Juni. (J. T.A.) Am 26. Juni wurde in Atlantic City die 31. Jahrdskonferenz der Zionistischen Organisation Amerikas in feierlicher Weise eröffnet. Etwa 700 Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten hatten sich eilige fanden. Herr Louis Lipsky, der Präsident der amerikamschen Zionistischen Organisation und Mitglied der zionistisehen Weltexekutive, hielt die Eröffnungsrede, in der er eingehend auf die Zukunftsarbeit in Palästina einging und feststellte, daß je weiter das Werk des Jüdischen Nationalhehns fortschreite, um so höher die Verantwortung der organisierten amerikanischen Zionisten für dieses Werk steige. Er forderte die amerikanischen Zionisten dazu auf, ihre Stellung zu den Problemen, die den bevorstehenden XV. Zionistenkongreß in Basel beschäftigen werden, zu formulieren. Es wird erwartet, daß die amerikanische Delegation auf dem zionistischen Weltkongreß 40 bis 50 Mann stark sein wird. — Die zweite Rede hielt der hier weilende Leiter des Jüdischen Nationalfonds in Palästina, M. M. U s s i s c h k i 11. Auf der Tagesordnung dieser Konferenz steht vor allem die innere Reorganisierung der Zionistischen Organisation in Amerika; eine speziell hierzu eingesetzte Kommission wird die diesbezüglichen Vorschläge unterbreiten. Es handelt sich uin die Vereinheitlichung der Tätigkeit der verschiedenen zionistischen Büros und Agenturen in Amerika. Hauptdiskussionspunkt wird sein die neue Wirtschaftspolitik der Zionistischen Weltorganisation. Am 23. Juni begann in Atlantic City die Tagung der amerikanisch-jüdischen Frauenorganisation ״Hadassah“. Ungefähr 500 Delegierte, die 264 Hadassah-Ortsgruppen in ganz Amerika vertreten, waren erschienen. Den Vorsitz führt die Ehrenpräsidentin der Hadassah, Miß Henrietta Szold, Es wurde ein Bericht über das Abkommen zwischen Hadassah und der zionistischen Exekutive betreffend die Reorganisation der Hadassah-Verwaltung gegeben. Konferenz der English Zionist Federation London, 28. Juli (J. T. A.) Am 27. Juni wurde im Hotel Rüssel zu London die Jahreskonferenz der English Zionist Federation eröffnet. Etwa 200 Delegierte aus ganz England, die die zionistischen Ortsgruppen, die Keren Hajessod-Komitees, die Frauenorganisationen, die Zentralkommission des Jüdischen Nationalfonds für England, die Studentenkörperschaften und die Young Zionist Socicties vertreten, wohnen den Beratungen bei. Die Eröffnungsansprache hielt der Ehrenvizepräsident Rev. J. K. Goldbloom. Den Berichten der Exekutive der Federation und des Keren Hajessod-Komitees ist zu entnehmen, daß die zionistische Aktivität in England eine weitere Entwicklung genommen hat; die Einkünfte der zionistischen Fonds haben sich erhöht. Dankbar wird der Stiftungen Bernard Barons zugunsten des Palästina- Aufbaus gedacht. Die sich an die Berichte anschließende Generaldebatte betraf hauptsächlich Fragen der Organisation und die Arbeit zugunsten der Zentralfonds. Es wurde beschlossen, ein Zentralbüro zu schaffen, von dem aus die verschiedenen Zweige der zionistischen Aktivität im Lande geleitet werden wird. Hieran schloß sich eine Diskussion über Erziehungspropaganda. Es wurde darüber Klage geführt, daß es an einer wirklichen jüdischen Erziehungsarbeit, sowie an Aufklärung der zionistischen Massen über die Probleme der zionistischen Bewegung mangelt. Eine zionistische öffentliche Meinung müsse erst geschaffen werden. Das Hauptinteresse der Konferenz konzentrierte sich auf die Wahl des Präsidenten. Zwei Kandidaten, Jose!)h Cowen und Philip Guedalla stellten sich durch AtK ‘,gäbe kt*tzerv'EfklilÄgMf vor.* s&üWIQi*' 'HfctWmniuug.• Der bisherige Präsident Philip Guedalla erhielt 119 Stimmen, Joseph Cowen 81 Stimmen. Philip Guedalla wurde somit zum Präsidenten 'wiedergewählt. Es folgte die Wiederwahl Dr. Cb. Weizmanns zum Ehrenpräsidenten der englischen zionistischeu Föderation und die Wiederwahl von Sir Alfred Mond und Rev. Goldbloom zu Ehrenvizepräsidenten. Zu Vizepräsidenten wurden Dr. Samuel D a i c h e s, Simon Marks Morris Myer, J. M. Sieff für London und M. I. Adler; Prof. Selig Brodetzky, Montague Bur ton und Mark Green berg für die Provinz gewählt. Robert D. Solomon wurde zum Schatzmeister der Föderation und Richter H o w i 11 zum Schatzmeister für den Keren Hajessod gewählt. Das Amt der Ehrensekretäre übernahm Rev. M. L. Perlzweig. Einmütig wurde Joseph Co wem. zum Mitglied des Rates gewählt; er gratulierte Herrn Philip Guedalla zu seiner Wiederwahl als Präsident und gab der Hoffnung Ausdruck, daß er nunmehr inniger als bisher der zionistischen Arbeit verbunden sein werde. Vertreter der Gruppe, die zu Guedalla in Opposition standen, erklärten, ihn nun loyal unterstützen zu wollen, damit die zionistische Arbeit fortan in Harmonie sich vollziehe. Bukowinaer zionistische Landeskonferenz Von unserem Korrespondenten. Die XI. Landeskonferenz der Bukowinaer Zionisten wurde am 28. Mai in Cernauti vor 111 Delegierten und 1000 Gästen im Festsaale des Jüdischen Hauses vom Präsidenten Dep. Dr. Mayer Ebner eröffnet. Dr. Ebner gab einen Ueberblick über die politische Lage der Juden in Rumänien. Das Referat über die zionistische Arbeit in der Bukowina erstattete der geschäftsführende Vizepräsident der Organisation, Dr. Theodor Weiß eiberge r. Das Referat über die Lage im Zionismus und in Palästina erstattete der Delegierte der Londoner Weltexekutivc, Dr. Emanuel Olswanger. In der Generaldebatte beschäftigten sich die meisten Redner mit Fragen der zionistischen Politik und mit der Opposition im Zionismus. Unter Akklamation wurde eine Resolution angenommen, in der Dr. Weizmann zu seiner erfolgreichen Arbeit in Fragen der Jewish Agency beglückwünscht wird. In einer zweiten Resolution verpflichtet die Konferenz die Leitung der Bukowinaer Zionisten, angesichts der schweren Krise in Erez-Israel durch erhöhte Aktivität die Aufbringung größerer Beträge für die zentralen Fonds dem Keren Hajessod und dem Keren Kajcmeth sicherzustellen. Bei dieser Konferenz zeigte es sich, daß in den letzten Monaten ein Zusammenarbeiten zwischen der Majoritätsgruppe und der Opposition immer schwieriger wurde. Dieser Gegensatz verschärfte sich bei der Konferenz so, daß die oppositionellen Gruppen — die radikale und die revisionistische — die Konferenz verließen, trotzdem die Majorität der Opposition ein Drittel der Mandate in der Exekutive und im Parteirat einzuräumen bereit war, während das wirkliche Kräfteverhältnis der Opposition mehr als 4:1 ausmachte. Die Konferenz wählte eine homogene Leitung. Große Ovationen wurden dem Dep. Dr. Mayer Ebner bei seiner Wiederwahl zum Präsidenten der Organisation bereitet. Zu Vizepräsidenten wurden die Herren Dr. Theodor Weißeiberger, Dr. Salomon Kassner, Josef Wiznitzer und Dr. Salomon Kinsbrunner gewählt. Außerdem eine aus 14 Mitgliedern bestehende Exekutive und 8in Parteirat von 90 Personen, dem Vertreter der wichtigsten Orte der Bukowina angehören.