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Jüdische Rundschau · 1927-07-01 · Heft 52 (1.7.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 52 (1.7.1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 52, l.VII. 1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 371 Es wird Aufgabe der Zionistischen Organisation, der zionistisehen Leitung sein, Anstalten zu treffen, um das Privatkapital nach Palästina in einem größeren Maßstab zu ziehen, als es bisher der Fall war. Wenn ich keineswegs die Bedeutung und den Ernst der Krise irgendwie unterschätzen will, möchte ich doch hier festgestellt haben, daß die grundlegenden Dinge in Palästina, alle Dinge, die mit der Landwirtschaft verbunden sind und zum Teil auch mit der gesunden Industrie, d. 11. mit derjenigen Industrie, die sich auf das Rohmaterial, das sich im Lande befindet, stützt — daß die zwei fundamentalen Dinge der materiellen Entwichlang Palästinas von der Krise noch nicht mitgenommen sind. Ich könnte Sie vielleicht auf einen Artikel verweisen, der vorgestern in der ,,Financial Times“ erschienen ist, der in sehr objektiver Weise die ökonomische Entwicklung Palästinas mit Rücksicht auf diese Krise schildert und dem ich diese zwei Sätze, die ich eben zitiert habe, entnommen habe. Es gibt viele, wie ich weiß, die diese Krise, den Rückschlag, den wir erlitten haben, jetzt benutzen, um die ganze Sache zu diskreditieren. Aber schließlich ist gegen ein derartiges Argument nicht sehr schwer anzukämpfen. Man braucht diese Herren nur auf die Geschichte irgendeiner Ko- Ionisation in irgendeinem Lande zu verweisen. Ich glaube, daß unsere Kolonisation mit allen ihren Schwächen, Gebrechen und Fehlern wahrscheinlich weniger Menschenleben gekostet hat als die Kolonisation irgendeines Landes, sei es ein Gebiet von Amerika, sei es Kanada, sei es Australien oder irgendein anderes Gebiet, das mit weißen Menschen kolonisiert wurde, Es wird notwendig sein, aus der jetzigen Krise gewisse Lehren zu ziehen. Wir werden diese Lehren ziehen, und werden uns den entstandenen Verhältnissen anpassen. Es sei fanz offen gesagt, wir werden wahrscheinlich für c'i; nächsten rei, vier oder fünf Jahre langsamer vorgehen müssen, als wir bisher gegangen sind. Aber im Grunde sind, wie schon hervorgehoben wurde, die Festen des nationalen Heims derart, daß sie nicht weiter erschüttert werden. Vielleicht dürften einige Ziffern genügen, um das zu bestätigen. Die Kolonisation einer jüdischen Familie in Palästina kostet ungefähr von 1003 bis 1100 Pfund. Die Kolonisation einer englischen Familie, sei es in England selbst oder in Kanada, kostet von 1200 bis 1500 Pfund. Der Unterschied der Verhältnisse, unter denen unsere Kolonisation gemacht wird und denjenigen, die, sagen wir, von der englischen Regierung in Kanada gemacht wird, ist ziemlich evident, ln Fällen der englischen Kolonisation ist kein Kulturwechsel. Der Engländer geht in ein englisches Land, wird von dem ganzen Apparat der kanadischen Regierung dort empfangen und kommt in ein Land, das frei ist, wo es ungeheure Gebiete gibt. Das Land ist billig und frei. Es gibt keine Araberfrage. Die politischen Verhältnisse sind außerordentlich einfach. Trotzdem ist die Kolonisation und, ich glaube, bei fast demselben Lebens- Standard, in Kanada etwas teurer, jedenfalls nicht billiger als in Palästina. In Palästina kommen wir in ein kompliziertes Land, wo komplizierte politische Verhältnisse bestehen, wo außerordentlich vorsichtig vorgegangen werden muß, wo jeder Quadratzentimeter Boden mit Gold gekauft werden muß. Wir haben mit einem Material zu tun, das fast die Tradition des Ackerbaues verloren hat. Trotzdem hat sich — ich urteile nicht nur nach eigener unmaßgeblicher Beobachtung, sondern nach den Berichten der besten und objektivsten Experten, die jetzt das Land besucht haben — die jüdische Iandwirtschaftliehe Kolonisation bewährt in dem Sinne, daß wir die Wege erkannt haben, wie durch einen Juden der Boden in Palästina bezwungen werden kann. Es ist sehr kompliziert. Palästina ist klein. Es hat eine Bevölkerung. Wir werden in dieses Gebiet hineinfiltriert und müssen unter _ diesen schwierigen ' rhältnisseh arbeiten. Wenn alles beurteilt! wird»,!»» in, de»; rfcmÖTo JaHreüfgeiclrelfen fst, und wenn man berectinetfwas das das jüdische Volk gekostet hat, so glaube ich, das jüdische Volk ist auf seine Kosten gekommen. So viel über die bestehende Krise. Ein Wort über die politischen Verhältnisse. Die Basis der politischen Bedingungen, unter welchen das ijationale Heim aufgebaut ist, ist das Mandat, Das Mandat, glaube ich, wird vielleicht in Palästina nicht in allen Stücken von der Mandatarmacht durchgeführt. Aber hier besteht eine Evolutoin, die, wie ich glaube, zur loyalen Verwirklichung des Mandats in naher Zukunft führen wird. Der Aufbau des Heims ist eine schwere Sache. Das jüdische Heim muß aufgebaut werden in ,der Weise — das ist das Grundprinzip der zionistischen Politik, und das ist es, was die rapide Durchführung des Mandats erschwert —, daß nicht ein Flaar auf dem Kopf eines Arabers gekrümmt wird. Es würde die ganze Grundidee des Zionismus fälschen, würden wir unsere Aufbaupolitik auf Kosten der bestehenden Interessen in Palästina durchführen. Unsere Arbeit muß also in der Weise weitergehen, daß unsere und die arabischen Interessen sich immer mehr decken und verschmelzen, und daß beide Seiten, die iiereinkommenden Juden und die schon dort bestehenden arabischen Gemeinden, Palästina als das gemeinsame Vaterland betrachten. Es ist eine ungeheuer schwierige Aufgabe. Deswegen kann, wie ich glaube, die Mandatarmacht nicht mit der Schnelligkeit vorgehen, mit der unsere Ungeduld sie vorgehen sehen möchte. Das eine ist mir ganz klar — ich kann es nur aus eigener Erfahrung und aus langjährigem Verkehr mit den maßgebenden Faktoren, die für unsere Sache in Betracht kommen, aussprechen: Es besteht eine ehrliche Absicht, das Mandat durchzuführen. Ich glaube, jeder Zionist und jeder, der sich für das Heim interessiert, muß diesen Glauben besitzen. Denn das einzige, was wir haben, ist das Vertrauen auf die Macht, die wir selbst in uns besitzen und das Vertrauen auf die Mandatarmacht. Ich glaube, je größer und je mächtiger eine Nation ist, desto eher muß sie ihr Wort halten. Ich habe schon darin auch das Grundprinzip unserer arabischen Politik angedeutet. Ich möchte nur ein Wort daran anknüpfen. Wir halten dieses Prinzip nicht nur aus ethischen Gründen für absolut notwendig, sondern auch aus rein egoistischen und praktischen Gründen für das einzig mögliehe. Palästina ist von einem arabischen Meer umgeben. Es ist wesentlich, daß wir und die Araber in Frieden leben, damit alles, was sich um Palästina gruppiert, was heute brach liegt und Wüste ist, was im Altertum blühende Länder waren, Zentren großer Kultur, — damit das Bewußtsein in das arabische Volk hineinzieht, daß wir und sie berufen sind, diesen Nahen Osten, der vom Euphrat bis zum Nil sich erstreckt, der heute halb Wüste ist, von einem großen kulturellen Zentrum aus — das ist Palästina — aufzubauen, daß wir diesen Nahen Osten durch gemeinsame Anstrengungen befruchten. Deswegen ist, wie ich glaube, die Kleinheit nicht eine so wesentliche Einwendung. Worum es sich handelt, was bedeutend, was wichtig ist, ist, daß das, was wir in Palästina machen, gut gemacht wird, daß es gerecht gemacht wird, daß wir in der zivilisierten Welt, von der wir so wesentlich in unserer ganzen Arbeit abhängen, moralischen Kredit für unsere Arbeit finden, und daß dadurch, wie schon ausgesprochen wurde, hier eine Friedensarbeit, eine zivilisatorische Aufbauarbeit geschieht, die ohne Kanonen und ohne Gewalt und ohne alle diese Mittel, die sonst gebraucht werden, um eine Gegend zu kolonisieren, durchgeführt wird. Dann eröffnen sich für das jüdische und das arabische Volk, für das jüdische Palästina und die umgebenden Länder Perspektiven, die man heute kaum noch absehen kann. Ja, man kann sogar heute schon gewisse Anzeichen sehen. Das Palästina, das vor acht Jahren ein kleines wüstes Land, vielleicht ein Objekt für Archäologen war, ist heute in den Weltverkehr einbezogen, morgen wird ein Hafen gebaut, übermorgen werden Luftschifflinien und Eisenbahnlinien diesen Streifen durchkreuzen. So stehen wir da, mitten im Zentrum einer erwachenden Welt. Wenn alle diese Aufbauarbeit im Frieden mit der umgebenden Bevölkerung, im Frieden mit den christlichen und mohammedanisehen Interessen, die im Lande sind, geleistet wird, dann glaube ich, werden sogar die jüdischen Gegner überzeugt werden, daß das, was wir tun, eine gute Sache ist. (Bravo! und Händeklatschen.) Zu guter Letzt vielleicht noch ein paar Worte über die Frage: Wozu diese ganze Anstrengung? Was wird damit bezweckt? Was wollen die Zionisten, die zionistischen Juden, die ihr Leben der Bewegung angepaßt oder gegeben haben? Ich möchte in ganz kurzen Worten darauf eine Antwort geben. Einzelne jüdische Gruppen, einzelne Juden haben ein Heim. Die deutschen Juden haben ein Heim in Deutschland. Die englischen Juden haben ein Heim in England. Das Juden v o 1 k, das der Träger einer Tradition ist, das diese Tradition nicht abwerfen kann, dieses Volk, die Kollektivität ist heimatlos, diese Tradition ist heimatlos. Diese Kultur ist verurteilt, immer sich anzupassen, Hunderte und Tausende von Formen anzunehmen, sich einzufädeln, hineinzufiltrieren in die Atome oder Poren eines anderen Organismus. Unser Leben bestand als Kollektivität fortwährend in einer ungeheuren Kunst der Anpassung. Wir mußten uns immer ein Flaus in Verhältnissen bauen, die andere für uns geschaffen haben. So wurden wir, w׳as wir wurden, ln Palästina ist zum erstenmal der Versuch gemacht worden, die Verhältnisse derart zu schaffen, daß sie sich uns anpassen. Zum erstenmal versuchte der Jude, die Grunddinge aufzubauen, auf weichen ein Leben basiert. Zum erstenmal sind wir nicht in die Beletage der Gesellschaft hineingekommen, sondern wir haben selbst die Grundfesten gelegt. Zum erstenmal sind wir nicht in die zweite Etage eingemietet, sondern haben versucht, das Haus von unten aufzubauen. Deshalb ruft dieses kleine. Palästina mit 150 000 Juden mit einer ungeheuren Krise ein derartiges Interesse für und wider hervor, viel mehr, als die jüdische Gemeinde in New York, wo fast zwei Millionen Juden leben. Was die Juden in Palästina machen ist grundverschieden von dem, was sie sonst in der Welt tun. Sie unternehmen das schwierigste, während wir den Namen haben, daß wir immer das leichteste in allen Ländern uns ausgesucht haben, nachdem die andern die Kultur, die Zivilisation aufgebaut hatten. In Palästina kann man das nicht sagen. Und ein Tag wird kommen, und ich glaube, der Tag ist nicht fern, daß, wenn man die Welt fragen wird: Was ist ein Jude? Was kann ein Jude machen, wenn er in freien Bedingungen arbeiten kann, ohne Repressionen und ohne Entschuldigung? — man nach Palästina zeigen und sagen wird: Es war ein wüstes Land, sie sind unter schweren Bedingungen, ohne Tradition, ohne Vorbild, ohne Geld, ohne Machtmittel gekommen und haben versucht, den Faden weiter zu spinnen, der vor Tausenden von Jahren gerissen ist, und haben etwas geschaffen. Gerade diese Versammlung ist ein Symbol dafür. Es ist Ihnen sicherlich allen aufgefallen, daß es eine außerordentliche Erscheinung ist, wenn Justin Godart via Zionismus dem Deutschen Pro *Palästina-Komitee die Hand reicht; daß hier in kleinem, ganz kleinem Maßstab, doch schon jetzt etwas — ich möchte nicht banal oder sentimental werden - etwas zum Ausgleich dieses angesammelten Hasses beigetragen wird. Wenn dieses jüdische Zentrum auf der Brücke zwischen der alten und der neuen Welt, in friedlicher Weise weitergefiihrt «Ät*3dar.«afMd‘nnä*A«»iauehi *Mrm<4at' das, wie ich glaube und hoffe, ein Beitrag zum Frieden und zur Zivilisation der Welt. Wir werden aufhören, für andere ein Rätsel zu sein und für uns selbst. Man wird uns verstehen und wir werden die anderen verstehen. Wir werden mit uns und' mit der Welt in Frieden leben. Wenn dieses Komitee, das so viele illustre Namen umschließt, auch nur ein wenig von seiner Sympathie uns gibt, um uns auf dem schweren Weg zu begleiten, so fühlen wir tiefe Dankbarkeit. Wir Juden haben ein sehr langes Gedächtnis. Wir vergessen nie unsere Freunde, und wir vergessen nie unsere Feinde. Wir werden uns dieser schweren Zeit erinnern, daß die Besten in diesem großen Lande es für für richtig gefunden haben, uns in unserer Arbeit zu ermutigen. Ich bitte Sie, nehmen Sie den Dank eines schwer Kämpfenden dafür an. (Stürmischer Beifall.) Vorsitzender: Meine Damen und Herren! Zum Schluß möchte ich nochmals Herrn Professor Weizmann unsern herzlichsten Dank dafür aussprechen, daß er zu uns gekommen ist und zu uns gesprochen hat. Auch Ihnen spreche ich für Ihr zahlreiches Erscheinen unsern wärmsten Dank aus. Wir werden weiter an diesem großen kulturellen und sozialen Werk arbeiten und hoffen auf Ihre Unterstützung. Wir wollen für dieses Werk kämpfen, niemand zu Leide und den Beteiligten hoffentlich zur Freude. (Beifall.) Weizmann beim Reichskanzler Mittwoch, den 29., wurde Professor Weizmann der von Kurt B1 u m e n f e 1 d begleitet war, vom Reichskanzler Dr. Marx im Beisein des Staatssekretärs Dr. P u e n d e r empfangen. Reichskanzler Marx, der Pro• fessor Weizmann von einem früheren Besuche her kennt, informierte sich eingehend über den Stand der zionistischen Arbeiten in der Bewegung und in Palästina, wobei er sein lebhaftes Interesse und seine Sympathie für das zionistische Aufbauwerk bekundete. Die Weizmann-Versammlungen Für Mittwoch Abend hatte die B. Z. V. zu einer Versammlung im Lehrervereinshaus geladen, bei welcher Dr. Weizmann der Hauptredner sein sollte. Bereits lange vor Beginn der Ver- Sammlung waren der Saal und die Tribünen so überfüllt, daß ein lebensgefährliches Gedränge entstand und niemand mehr in den Saal gelangen konnte (mit größter Mühe gelang es, Dr. Weizmann durchzubringen). Immer neue Scharen strömten herbei, und bald waren das Treppenhaus, der Hof des Gebäudes und der Platz vor dem Hause mit Menschen gefüllt. Die Schupo mußte eingreifen und eine gewaltsame Räumung der Treppen und des Hofes vornehmen. Es gelang den Veranstaltern, einen zweiten Saal zu mieten, so daß eine Parallel-Versamm- 1 u n1g in Haberlands Festsälen in der Neuen Friedrichstraße angekündigt wurde. Das mißtrauische Publikum rührte sich jedoch zunächst nicht, und erst nach langen Bemühungen gelang cs, einen Teil der Wartenden zu überreden, sich in den anderen Saal zu begeben. Trotzdem bei dieser Gelegenheit viele Hunderte es vorzogen, nach Hause zu gehen, war auch der zweite Saal binnen wenigen Minuten überfüllt. Herr Fritz Naphtali übernahm den Vorsitz, es sprachen sodann die Herren Moses Wald mann, Dr. Martin Roscnblüth und Dr. Hans Bloch. Kurz vor 11 Uhr erschien Dr. Weizmann, der zuvor im Lehrervereinshause gesprochen hatte, in Begleitung Kurt Biumenfelds. Biumenfeld übernahm den Vorsitz und brachte der Parallelversammlung die Grüße der großen Versammlung. Er legte in einer Ansprache die Grundlinien der zionistischen Bündnis-Poiitik dar, die darauf ausgeht, sich für praktische Aufgaben mit Nichtzionisten zu verbinden, dabei aber sich bewußt ist, daß der Zionismus die bewegende Kraft der Palästinasache ist. Das jüdische Leben in Palästina entwickelt sich nach seinen eigenen Gesetzen und garantiert den nationalen Aufbau. Wir brauchen uns vor einer loyalen Zusammenarbeit mit anderen nicht zu fürchten. Blumenfeld begrüßt Dr. Weizmann, den Zionisten, den Freund und Führer. Wir begrüßen in ihm nicht nur den gewählten Präsidenten der Zionistischen Organisation, sondern unseren Lehrer in jüdischer Politik, den Mann der denen von uns, die lernen und sehen wollten, gezeigt hat, wie man im richtigen Augenblick Außerordentliches erreichen kann und wie man durch alle Schwierigkeiten seinen Weg geht, ohne das Ziel aus dem Auge zu verlieren. Weizmanns Reden bestehen meist aus zwei Teilen. Er zählt offen unsere Schwierigkeiten auf; auch Nichtzionisten sind von dieser Offenheit ergriffen und glauben ihm. Gleichzeitig aber zeigt er die Perspektiven, die Hoffnungen auf die große Entwicklung des Lebens in Erez- Israel. Wir bedürfen solcher Lehrer. So stolz die Zionistische Organisation ist, die treibende Kraft im jüdischen Leben zu sein, so sehr wissen wir, daß wir uns jeden Tag zu schulen haben für diese Aufgabe. Wenn Weizmann sich in unserem Kreise wohlfühlt, geschieht es, weil er hier Freunde findet, die seine Politik verstehen und billigen, die bereit sind zu lernen. Auch diese Erziehung betrachten wir als einen Teil der Umformung jüdischer Menschen. (Starker Beifall.) Sodann sprach Dr. Weizmann, der ungefähr dieselbe etwa einstiindige Rede hielt wie in der großen Versammlung, Er legte zunächst ausführlich die Eigenart der Krise in Palästina dar, und warnte vor Uebertreibungen. Die grundlegenden Teile der palästinensischen Wirtschaft sind gesund geblieben. Er erörterte die Gutachten bedeutender Kolonisations-Experten des Britischen Reiches. Sodann ging er auf politische Fragen über und betonte, daß einer der wesentlichsten Faktoren in unserer Politik, den wir nicht übersehen dürfen, die englische Psychologie ist, worin kein großer Unterschied zwischen den drei Parteien besteht. Den Arabern gegenüber können wir nur eine Friedenspolitik treiben und müssen sie allmählich davon überzeugen, daß wir nicht als Kolonisatoren auf den Bajonetten Englands gekommen sind, sondem in tiner*1jen1elnsame»';Aitf-' gäbe engagiert sind. Die Verhältnisse haben sich sehr gebessert und wir müssen glücklich sein, daß die englische Garnison aus Palästina zurückgezogen werden konnte, denn dies ist ein Beweis, daß die Sicherheit hergestellt ist. Würden wir eine Unterdrückungspolitik gegen die Araber machen wollen, so würden wir die Sympathien der uns heute helfenden Kreise in der Welt verlieren. Weizmann legt sodann diejewish Agency- Politik dar, die ausgeht von dem Gedanken, daß kein Teil des jüdischen Volkes von dem großen Werke ausgeschlossen sein darf. Wenn wir noch in unseren Tagen die Grundfesten des nationalen Heimes legen wollen, so müssen wir versuchen, unsere Mittel zu vergrößern. Der erste Schritt zur praktischen Agency-Politik ist die Entsendung der Kommission, deren Berieht dem jüdischen Volk zur Annahme vorgelegt werden wird. Die Kräfte müssen dann vereinigt werden, um die Vorschläge des Berichtes auszuführen. Die englische Methode der Politik kann man als eine Methode der Empirik, der Anpassung an die Tatsachen, bezeichnen. Wenn die Zionistische Organisation sich daran ein Beispiel nimmt, wird sie gute Tage und schlechte Tage besser ertragen. Die ZionistischeOrganisation wird trotz Jewish Agency die Quelle der Begeisterung und der Ansporn der Tätigkeit, ja die ganze moralische Triebkraft des Aufbaus bleiben. ״Es ist fast lächerlich, daß man von gewissen Kreisen heute der zionistischen Exekutive und meiner Wenigkeit, der in der Organisation aufgewachsen und in ihr von der Pike auf gedient hat — ich war Ordner auf dem 2. Kongreß, so habe ich meine politische Tätigkeit begonnen — daß man mir, der ich mich immer nur in dem Lichte betrachtet habe, die Ehre zu haben, der erste Diener der Organisation sein zu können, vorwirft, die Zionistische Organisation verraten oder untergraben zu haben. Die Zionistische Organisation bleibt die Achse, um die sich eine Peripherie dreht, die zusammen mit der Zionistischen Organisation die Kräfte bildet, die für den Aufbau notwendig sind.“ Die Ovationen für Dr, Weizmann setzten sich bei beiden Versammlungen bis auf die Straße fort, und das Auto war jedesmal von großen Massen umringt, durch die es sich mühsam einen Weg bahnen mußte. fdix Warburg berichtet In New York New York, 25. Juni. (J.T.A.) Am 24. Juni fand zu Ehren von Felix M. Warburg aus Anlaß seiner Rückkehr ein Empfang im Hotel Astor statt, dem Louis Marshall präsidierte und etwa 330 der prominentesten Juden der Vereinigten Staaten beiwohnten. Als Antwort auf die ihm huldigenden Ansprachen gab Warburg einen Bericht über die Lage der Juden in Palästina, Rußland, Polen, Deutschland und England, insbesondere verweilte er bei der Schilderung der Bedingungen des jüdischen Lebens in Palästina und Rußland. Ueber Palästina, sagte er, werden wir zu beschließen haben, wenn der Bericht der dorthin entsandten Kommission der Sachverständigen vorliegen wird. Der Bericht dieser auf Grund des Weizmann-Marshall-Abkommens ernannten Kommission wird den Schwerpunkt für die Behandlung des Problems bilden. Warburg kam dann auf das jüdische Kolonisationswerk in läge zwecks Erhöhung der Aktivität auf dem Gebiete der jüdisehen Landansiedlung in Rußland. Der bulgarische Premiermiidsler Iflr Palästina Sofia, 26. Juni. (J. T. A.) Ministerpräsident Liaptscheff empfing den Keren Hajessod-Delegierten Dr. Mib a s c h a n und den Präsidenten der Zionistischen Organisation Bulgariens, Dr. F a r c 111 und brachte ihnen gegenüber seine Sympathien für den jüdischen Aufbau in Palästina zum Ausdruck. Er versprach, die zionistischen Bestrebungen in Bulgarien zu unterstützen. Der Generalsekretär des Komitees .,France Palestine“, Schriftsteller Henri Hertz aus Paris, hielt Montag, den 27. Juni, im romanischen Institut der Berliner Universität eine Vorlesung über moderne französische Literatur. Herr Hertz besuchte die zionistischen Bureaus und nahm auch Gelegenheit, den in Berlin weilenden Professor Weizmann zu sprechen. Herr Hertz bemühte sich in Berlin insbesondere, eine Kooperation zwischen dem Komitee ״France Palestine“ und dem Deutschen Komitee Pro Palästina anzubahnen. Gegenwärtig weilt in Berlin Herr Jacob Fishmaii, Chefredakteur der großen New Yorker Tageszeitung ״Morning Journal“ und einer der Führer der amerikanischen Zionisten, Herr Fishman, der Mitglied des zionistischen Aktions-Comites ist, wird dem XV. Zionistenkongreß und dem Kongreß zum Schutze der jüdischen Rechte in Zürich beiwohnen,

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