Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1927-07-01 · Heft 52 (1.7.1927) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 52 (1.7.1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2652877-2652925--19217-2677068
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 370 JÜEDFSCHE RUNDSCHAU Nr. 52, 1. VH. 1027 Nr. 52, Graf Bernstorft' verlif-י! sodann das Begrüßungsschreiben des Comitcs ״France-Palcslinc“. Auszug aus dem B e g r ii R ti 11 g s s c h r c i b c n von Justin Ci o d a r t, ehemaliger französischer Minister. Präsident des Co mit es ״France- P a I e s t i n e“. Paris, 15. Juni 1927. Herr Präsident! ich hätte gewünscht, der Kundgebung vom 27. Juni persönlich unsere Grüße iiberhringen zu können. Aber dringende Geschäfte machen mir und meinen Kollegen diese angenehme Aufgabe leider unmöglich. Jedenfalls freue ich mich, Ihnen sagen zu können, daß wir Ihre Einladung als einen Auftakt zu den Beziehungen betrachten, die dazu dienen sollen, das Deutsche Pro Palästina-Komitee und das Comitc ״France-Palcstine“ enger zusammcnzuschlicßen. Der Gedanke der Humanität und der Gerechtigkeit, von welchem das neue!.eben im jüdischen Palästina seine Nahrung empfängt, der Geist des Liberalismus und der Glaube, von dem dieses junge Land beseelt ist, wo bis dahin nur Ruinen standen, und dem nun entschlossene Menschen einen Sinn und ein Schicksal zu geben sich zugoschworen haben: welcher ernste Mann, der die Bedeutung und die Verpflichtungen der modernen Gesellschaft kennt, welcher anständige Mensch von heute kann diesem Geschehen gleichgültig gegenüberstehen? Ein Werk wie dieses, ein Werk des Aufbans und des Rechts hebt mit einem Schlage alle Unterschiede auf. Jeder, der sich ihm aus der Ferne anschließt, empfängt ebensoviel, wie er gibt. Er wird der Verpflichtete derer, die er verpflichtet. Wo gibt es ein besseres Mittel, um Bande zu knüpfen von Mensch 711 Mensch, von Land zu!.and! Ich freue mich herzlich, daß diese Bande sich anknüpfen zwischen Deutschland und Frankeich. Doch ist das nicht alles! Es zeigt sich — und je mehr das Paliistinawerk sich entwickelt, um so mehr wird es sich zeigen — wieviel Möglichkeiten sich hier bieten, die oft heftig bekämpfte Neigung zu internationaler Politik, 711 einem Europaertum, zu verwirklichen, die jeder von uns als den notwendigen Gärstoff zur Steigerung der Treue zu seiner eigenen Nation und seinem eigenen Vaterland in sich fühlt. Das gemeinsame Eintreten für das neue jüdische Palästina bietet solche Möglichkeiten, denn hier handelt es sich um eine ganz reine Sache, bei der keinerlei Berechnung mitspielt. Man kann uns nicht einmal vorwerfen, daß wir jüdische Interessen vertreten, denn Sie wissen ja ebenso wie wir aus Erfahrung, daß cs Juden in unserem eigenen Lande gibt, die gegen uns sind und sich bemühen, uns von unseren Bestrebungen abzubringen. Ohne alle weitergehenden Aspirationen hat die Völkerrechtliehe Tatsache Palästina außerdem den Vorteil, abgegrenzte Ziele zu setzen, welche keinerlei Utopie und keinerlei Mißbrauch zulassen. Sie ist genau eingefügt in den Rahmen eines Mandats. Die Verträge definieren und garantieren sie in exakten Be- Stimmungen. Der Völkerbund ist sein Protektor gemäß Vereinbarungeu und juristischen Verpflichtungen, die nicht das gelängste Mißverständnis zulassen. Von Grund auf neuartig unter den heutigen politischen Formen bietet das jüdische Palästina einerseits eine Fülle von Möglichkeiten unvorhergesehener Entwicklung, andererseits ist es gebunden an die Genauigkeit seines Statuts, das sein Werden in dem Maße ermöglicht, wie Glaube und Anstrengungen es schaffen. Selten wird in einer politisehen Neuerung in dieser Weise Begeisterung und Klugheit vereinigt, auf der einen Seite leidenschaftliche Bewegung erzeugt und gleichzeitig auf der anderen Seite ernste Ucberlegung : bcjfftfidiß’t. .י׳.׳.׳ י ׳, ׳■•Teli’glalJtnVdifl dis‘ neur}8dteh.-iJllo«Ä'T1srii ttrnfof-* raschender Weise eine Verwirklichung der nationalen Idee bieten wird, unerwartet, elastisch, subtil, schon infolge der Herkunft ihrer Bekenner durchdrungen von unendlich verschiedenen Ten* denzen, die sich ergänzen werden; ferner durch sein.politisches Regime, seine politische Lage, seine direkte Verbundenheit mit internationalen, ja interkontinentalen Vereinbarungen, von einer Geschmeidigkeit und einem Nutzen, den man noch gar nicht abzuschätzen vermag. Die Universität von Jerusalem, zwischen Orient und Okzident stehend, wird sein leuchtendes Symbol sein! Gibt es einen besseren Gegenstand, bei welchem wir uns begegnen könnten? Die höchsten Sorgen des Geistes, der praktischen Unternehmungen in Industrie und Handel vereinigen sich hier. Den einen wie den anderen müssen wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden. Wir arbeiten nach besten Kräften daran, in Frankreich seit einem Jahr, und cs gelingt uns sogar, allmählich auch die französische Judenheit mit uns zu ziehen. Stipendien und Freistellen für die zukünftigen Ingenieure und Spezialarbeiter in Palästina, ein Lehrstuhl für modernes Hcbräisch an der Schule für lebende orientalische Sprachen, eine französisch-palästinensische Handelskammer, in Kürze auch eine Zeitschrift ״Palestine“ — das sind einige von den Dingen, uin deren Bestehen und Entfaltung wir uns bemühen. Auch Ihnen wünsche ich gute Arbeit! Unsere Aufgabe ist dieselbe, unsere Werkzeuge sind dieselben. Wir sind solidarisch; Ihr Erfolg wird unser Erfolg sein. Uebermitteln Sie den Mitgliedern des Deutschen Pro Palästina- Komitees die aufrichtigen Wünsche und Grüße der Mitglieder von ״France-Palestine“ und nehmen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung entgegen, gez. Justin Godart. Professor D. Dr. Sellin Hochansehnliche Versammlung, meine hochverehrten Damen und Herren! Kaum ein halbes Jahr besteht unser Pro Palästina- Komitee und schon hat der Tod eine Lücke gerissen. (Die Ver- Sammlung erhebt sich.) Der Tod hat uns den Kollegen Greßmann genommen. Sie alle werden wohl wissen, unter wie außerordentlich tragischen Umständen dieses Ende eines reich gesegneten Lebens sich vollzog. Im Alter von 50 Jahren, auf der Höhe seiner Tatkraft stehend, unendlich reich an Zukunftsplanen ist er auf einer Vortragsreise in Amerika plötzlich durch eine Lungenentzündung dahingerafft worden. Ich möchte heute Abend kein Wort darüber hier verlieren, was die Wissenschaft an ihm verloren hat; das ist an anderer Stelle geschehen. Ich möchte nur zwei Punkte aus seiner Tätigkeit herausgreifen: Er war es, der in den letzten drei Jahren unser wissenschaftliches alttestamentarisches Organ, das einen rechten Dornröschenschlaf schlief, zu neuem Leben geweckt hat, und er war stellvertretender Direktor unseres Institutum judaicum an der Universität! Er hat in den kurzen Jahren seines Direktorats aus diesem Institut, das ursprünglich zu Missionszwecken gegründet war, ein ganz neues Institut geschaffen, welches ausschließlich der Wissenschaff vom Judentum gewidmet sein seilte. Er hat u. a. ein großes Werk Judaica geplant, in welchem zusammen mit jüdisehen Gelehrten die ganze Geschichte aus den vorchristlicnen und ersten nachchristliche״ Jahrhunderten dargestellt werden sollte. Aus diesen weitausschauenden Plänen ist er herausgerissen- Ein Wort über sein spezielles Verhältnis zu Palästina. Im Jahre 1907 ist er als Mitglied des Instituts für evangelische Altertumswissenschaft acht Monate dort gewes«'. Aus dieser Zeit stammt seine Liebe für dies Land. Die 1mmittelbare Frucht dieses Aufenthalts ist eine Schrift gewesen, deren Lektüre ich warm empfehlen kann: ״Der frische Erdgeruch in der Religion Palästinas“, eine Schrift, die gerade für Ihre Bestrebungen von Bedeutung ist, indem sic darauf hinweist, wie unauslöschlich die Religion Israels mit dem heiligen Land verknüpft ist. Aber auch in seiner ganzen ferneren Püblikation merkt man es beinahe auf jeder Seite, daß er in dem Lande gewesen ist und wie er dort gewesen. Deshalb war es für ihn ganz selbstverständlich, daß, als die Aufforderung an ihn herantrat, dem Pro Palästina-Komitee, und zwar gerade an leitender Stelle, beizutreten, er sofort und mit Freude ״Ja“ gesagt hat. Inder kurzen Zeit, in der er sich hat betätigen können, ist er ein eifriges Mitglied gewesen. Ich habe oft mit ihm über alle Fragen gesprochen, die sich an das Wort Zionismus knüpfen. Sie werden es verstehen, daß uns in erster Reihe die kulturelle Wiedergeburt des Landes interessiert und in erster Linie besonders die neue Universität. Da möchte ich heute Abend gewissermaßen als sein Testament ein Wort ausrufen, das er mir einmal gesagt hat, als wir von dem Rumpfcharakter sprachen, den diese Universität vorläufig noch trägt. Da sagte er ganz ruhig: Dasselbe haben wir doch bei so vielen deutschen Universitäten auch erlebt; schließlich kommt auch hier alles mir auf das an, was schließlich die Wurzöl allen erfolgreichen Handelns im Leben ist, auf das• ׳האמין auf den Glauben. Das möchte ich als sein Testament in diese Versammlung hineinrufen. Wir werden seiner nicht vergessen. Ich danke Ihnen, daß Sie Ihre Teilnahme für unsern schweren Verlust bekundet haben. Preußischer Kultusminister Prof. D. Dr. Becker Meine hochverehrten Damen und Herren! Als Mitglied des Ehrenausschusses ist es mir eine besondere Freude, Sic alle und insbesondere unsern verehrten Gast, Herrn Professor L>r. Weiz.- manu, am heutigen Abend zu begrüßen. Die Arbeit, der sich Herr Prof. Dr. Wci/mann widmet, kann man von den verschiederfsten Gesichtspunkten aus vvürdigcn. Wir haben sie würdigen gehört von der Fragestellung des Völkerbundes aus, wir haben sie von der Seite des Orientalisten würdigen gehört. Aurh ich bin von Hause aus Orientalist, und mir liegt in erster Reihe die kulturelle Seite am Herzen. Von früher Jugend auf hat mich die gewaltige ethische und religiöse Leistung des jüdischen Volkes beschäftigt. Die ganze Zielsetzung meines Lehens war bestimmt von den Erlebnissen, die ich beim Studium des Alten Testamentes empfing. Dann weiter hat mich immer das wunderbare Schicksal des jüdischen Volkes und des Judentums beschäftigt, so daß es mich auf das tiefste betroffen und inneriieh bewegt hat, als ich Zeuge des gewaltigen neuen geistigen Regens werden konnte, das in der großen Bewegung zum Ausdruck kommt, die uns heute liier zusammengefunden hat; eine Bewegung, die so stark und von so gewaltigem Glauben getragen ist, daß sie sogar eine Sprache, die man als tot geglaubt, wieder zu einer lebendigen Sprache umgeschaffen hat. All das ist geschehen und möglich gewesen, ohne daß sich die geistigen Leiter und Träger des Unternehmens von den nationalen Kulturgemeinschäften lösten, in denen sie wurzelten. Sie taten das alles aus Ehrfurcht vor der großen Vergangenheit der jüdischen Idee. Wirtschaftlich, sozial, charitativ und kulturell ist die Aufgabe gewesen, die man in Angriff genommen hat, wahrlich, ich kann nur den größten Respekt vor dieser Leistung aussprechen. Gewiß, ich weiß, daß Meinungsverschiedenheiten be* stehen, Meinungsverschiedenheiten besonders in jüdischen Kreisen. Aber wir leben in einem Land, wo man frei seine Meinung bekennen kann (Bravo!), wo Toleranz besteht, eine Toieranz, die selbstverständlicherweise nur aufgebaut sein kann auf dem Glauben an die Anständigkeit des Addern. Im politisehen Leben, im Leben der Welt ist es non einmal so, daß f Spärttfttrfgew ',|estel»«”z«ri«tte«־*Ideert»wi* I*K»i«c15׳p#*nullge»׳ zwischen Idealismus und Politik; Aber wir wollen uns doch alle darin zusammenfinden, daß niemand den andern verdächtigen oder verketzern darf, weil er eine andere Meinung hat. (Bravo!) Es handelt sich um ein Werk und um eine Idee, zu der jüdische Kräfte der ganzen Welt sich zusainniengefundcn haben. Möge auch die Palästinaarbeit zu ihrem Teil der Zusammenarbeit der Völker dienen und damit dem gegenwärtigen Verstehen. (Bravo und Händeklatschen.) Rabbiner Dr. Baeck Meine Damen und Herren! Es ist hier bereits ausgesprechen worden, daß sich gegenüber den Ideen, um derentwillen wir uns hier am heutigen Abend zusammengefunden haben, Gegnerschaft und auch Feindschaft drinnen und draußen regt. Es ist ja meist so in der Welt, daß wir immer genug Eifer aufbringen, um einander zu bekämpfen oder einander zu!lindern, aber selten genügend Eifer, um einander zu helfen. Aber es ist doch ein Großes, daß für eine Idee, die dem einen unmittelbarer in sein Leben eintritt, dem andern nur mittelbar an die Ränder seines Lebens sich begibt, doch so viele Menschen verschiedener Art sich zusammenfinden. Es liegt darin ein Tröstliches, ein Beruhigendes und eine neue Vergewisserung dessen, was die Lebenserfahrung immer wieder zeigt, daß der eigentliche Feind der Philister ist, der Mensch ohne Gedanken, der Mensch ohne die Ziele, die über den Alltag hinausgehen. Wenn hier in diesem einen Gedanken so mannigfache Menschen sich zusammengefunden haben, und wenn diese Mensehen in ihrer Mannigfaltigkeit charakterisiert werden sollten, man könnte dieses eine sagen: Es ist eine Vereinigung von Menschen, die manches sind, der eine das ist, was der andere nicht ist, der eine dem vielleicht entgegensteht, worin der andere steht, aber eine Vereinigung eben von Menschen, die eines gemeinsam haben: daß sie keine Philister sind. Das Pro Palästina-Komitee ist eine solche Vereinigung. Aber was ist wohl der Gedanke, der hier so mannigfaltig vom staatsmännischen, vom wissenschaftlichen Standpunkt aus charakterisiert wurde? Was ist wohl dieser Gedanke in seinem Innersten und Eigentlichsten? Meine Damen und meine Herren, wir alle, wenn unsere Sehnsucht einmal in die Ferne zieht, leiden darunter, daß die Welt, man möchte sagen, nicht größer ist, als sie eben ist. Wir Menschen mit all unserm Verlangen, das emporfliegen will, bleiben doch Menschen dieser Erde, die nie größer werden will. Aber es gibt doch eines, wodurch diese Erde größer gemacht werden kann: Wehn irgendwo Menschen Erdboden mit einer Idee verbinden, wenn irgendwo, wo immer es sei, menschlicher Gedanke mit dieser Erde, die immer gleich bleibt, sich vermählt, dann ist die Erde größer geworden. Wenn irgendwo Menschen sind, die nicht etwas machen wollen, um etwas zu sein, sondern Menschen irgendwo sind, die etwas sind und, weil sic etwas sind, etwas machen müssen, innerlich gedrungen, innerlich gezwungen, — wenn so Menschen ihren Gedanken mit der Erde kämpfen lassen, dann ist die Erde größer geworden. Dann ist ein Stück Erde vom Menschen erobert, vom Menschen zu eigen gewonnen. Es ist ganz gleich, ob dieser Boden im Gesichtskreis meines Auges liegt oder nur mein Oedanke zu i!1m hinziehen kann, — wenn nur Menschen ihren Gedanken, ihre Idee mit dem Erdboden sich verbinden lassen, um, wie das alte Wort sagt, eine neue Erde zu schaffen. Das ist diese Idee, die alle die Menschen von mannigfachen Zügen und mannigfaltigem Stil ihrer Tage, mannigfachem Denken und Empfinden, eint, Menschen, die keine Philister sind und darum die Idee begreifen, Menschen, die genug Geist und genug Begeisterung in sich tragen, um zu helfen, wo Hilfe ein Großes ist, zu helfen, um unsere Erde an einem Stücke zu vergrößern. (Bravo und Händeklatschen.) Frau Katharina von Kardorff - Oheimb Wenn ich die Ehre habe, heute hier auch sprechen zu dürfen, so kann ich nur die persönliche Stellungnahme von mir erörtern, ich möchte sagen, auf das Gefühl Hinweisen, das mich dazu getrieben hat, für die Bestrebungen, des Wiederaufbaus Palästinas durch die Juden mich einzusetzen. In jedem Menschen und besonders in jedem wertvollen Menschen ist die stärkste seelische Empfindung die Liebe zur Heimat, zum Bodenständigen, zur Erinnertingswelt unserer Ahnen. Gerade die Juden müssen es schwer empfinden, daß ihre alte Heimat vertoren ist. Durch Jahrhunderte verfolgt und abgeschlossen von den Nationen, mit denen und für die sie im großen Stile arbeiteten, mußte bei ihnen ein Rest Zurückbleiben, der ihr starkes Erinnern an ihre Heimat weckte und sie veranlaßte, diese wieder aufzubauen, so fern es auch allen anständigen Menschen liegt, ihnen das Heimatsrecht in den Ländern, in denen sie wohnen, zu bestreiten. Wir können heute mit Staunen und Bewunderung sehen, daß dieses Volk auch im materiellen und physischen Sinn zur Heimat erwacht ist, daß es zu kollektiver, physischer Arbeit auf dem Boden seiner Väter zurückkehrt, und wir hören mit Bewunderung, wie die Jugend dieses Volkes unter schwersten äußeren Bedingungen das Land wieder urbar macht im Glauben an die Idee seiner Befreiung. Und das ist die richtige Befreiung, denn es ist die Befreiung, die mit Bindung verknüpft ist. Es ist die Befreiung, die sich mit Pflichten umgibt. Auch die Juden, die nicht ihre altneue Heimat bewohnen, sind verpflichtet, von ihrem nationalen Standpunkt aus diese Heintatsbewegung zu unterstützen, um ruhiger in allen Ländern für alle Nationen arbeiten und leben zu können. So habe ich die Bewegung aufgefaßt, und so sehe ich den berühmten Repräsentanten dieser Politik, der heute unter uns weilt, Dr. Weizmann. Dr. Weizmann verkörpert in sich nicht nur die zionistische Sache, sondern so recht auch das Schicksal des Juden. Ein russischer Jude aus Pinsk, der schon in seiner Jugend Europa kennengeleint, alle Kulturen und Sprachen Europas in sich aufgenommen hat, der in Deutschland studiert, deutscher Wissen- Schaft einen großen Teil seiner Bildung verdankt, der im französischen Kulturkreis gewirkt und schließlich dann Professor an der Universität Manchester wurde. Schon dieser Werdegang eines Mannes ist ungewöhnlich, aber die eigentliche Größe seiner Persönlichkeit hat Dr. Weizmann erst entwickelt, als durch die besonderen Verhältnisse ihm die Aufgabe zufiel, die Welt für den Gedanken einer Wiedergeburt des jüdischen Volkes in seinem alten Vaterland zu gewinnen. Neben den großen Leistungen auf wissenschaftlichem Gebiet hat er von Jugend auf diesem nationalen Gedanken gedient, und es ist kein Zufall, daß sich ihm die Befreiung seines Volkes stets in einer geistigen Schöpfung am deutlichsten symbolisierte: schon als Student faßte er den Gedanken einer hebräischen Universität in Jerusalem als Krönung des Werkes der jüdischen Befreiung. Es ist charakteristisch, daß bei diesem Volke nicht Heere und Flotten es sind, die die Phantasie bewegen, sondern Stätten des Geistes. Auch die Methode von Weizmanns Politik ist von dieser Eigenart bestimmt, und daher sagte Ich, daß er einen neu«! Tvpus des Politikers überhaupt repräsentiert. Hinter ihm stand keine materielle Macht, kein Militär, ja nicht einmal die große Pinanzrnacht, und dennoch trat er furchtlos vor die Machthaber hin und forderte, was er auf Grund einer höheren Gerechtigkeit zu fordern sich für befugt fühlte. Wenn seine Tätigkeit nicht ohne Erfolg blieb, so ist dies für uns ein Beweis, daß auch heute nicht nur die rohe Macht der Gewalt, sondern auch die Macht des Geistes im Völkerleben sich durchzusetzen vermag. Es Ist uns ein Bedürfnis, auszusprechen, daß auch wir Nichtjuden Verständnis haben für die moralische Geltung der Sache, die * Dr;. Weizniann. nun schön seit »ehr als , zehn Jahren alr oberster Sachwalter vertritt. Wir haben unsere Sympathie durch unser Komitee Pro Palästina zum Ausdruck gebracht. (Lebhafter Beifall.) , ,, ‘ , _ Vorsitzender: Ich darf nunmehr Herrn Professor Dr. Weizmann bitten, die Güte zu haben, zu uns zu sprechen. Es ist eine besondere Freude, ihn unter uns zu wissen. (Lebhafter Beifall.) Dr« Weizmann Meine Damen und Herren! Es ist mir eine besondere Ehre und Freude, hier an der Kundgebung des Deutschen ProPalistina- Komitees teilzunehmen'. Aus Deutschland und aus den deutschsprechenden Ländern kamen die ersten Führer der modernen zionistischen Bewegung. Deutschland und die deutschsprechenden Länder gaben uns fast für eine ganze Generation die Gffiziere der zionistischen Bewegung. Wie schon von der geehrten Vorrednerin angedeutet worden ist, haben wir alle, die jetzt in der zionistischen Bewegung stehen, in Deutschland und speziell hier in Berlin die Schule besucht. Die Beziehungen zwischen Deutschland und dem modernen Palästina sind so intim, und so viele kommen und gehen von und nach Palästina von Deutschland, daß Sie alle sehr genau die Entwicklung der Dinge verfolgen. Aber deswegen, fürchte ich, werde ich Ihnen nichts neues sagen können. Ich könnte z. B. sehr wenig über die Gegnerschaft, von der hier schon manche gesprochen haben, sagen, die Gegnerschaft dem Palästina-Komitee gegenüber und der Bewegung gegenüber. Vielleicht ist es angebracht, sich hier an etwas zu erinnern. Es ist ein reiner Zufall, daß gerade vor zehn Jahren, am 27. luni 1917, in der ״Times“ ein Artikel erschienen ist, unterzeichnet von führenden Juden Englands, der gegen die zu gebende Balfour-Deklaration protestierte. Die Argumente, die damals gebraucht wurden, sind genau dieselben, die jetzt gebraucht werden, — und in diesen zehn Jahren sind wir doch einen Schritt weitergekommen, Palästina wird gebaut und die Karawane geht weiter! Ich möchte auch ein Wort über die Krise sagen, die uns jetzt alle so sehr beschäftigt Wir sind äugenblicklich von dem ökonomischen Zustand in Palästina schwer mitgenommen. Im Jahre 1925 stieg die Einwanderung in Palästina derart an, daß sie die Absorptionstnöglichkeiten des Landes schwer überschritten hat. Es entstand eine förmliche Flucht aus Polen, die sieh zum großen Teil über Palästina ergoß, eine Flut von Elementen, die sich vielleicht schwer einem neuen Lande und schwierigen Verhältnissen anpassen können. Die Krise drückt sich in ungefähr 8000 Arbeitslosen aus, die für das kleine jüdische nationale Heim eine schwere Last bedeuten. Aber ich glaube — ich will mich hier absolut nicht einem offiziellen Optimismus hingeben —, daß es eine Frage der Zeit und vielleicht auch eine Frage von schweren Leiden bedeuten wird, diese Krise zu lösen. Ich sehe einige Möglichkeiten der Entwicklung in Palästina voraus, die in allernächster Zeit die Krise zum Teil erleichtern werden. Die Elektrifizierung Palästinas, das sogenannte Ruthenbergwerk, wird jetzt in Angriff genommen, und das dürfte einen Teil der Arbeitslosen, wenn auch im Anfang einen verhältnismäßig kleinen Teil, absorbieren. Sie haben vor einigen Tagen gelesen, daß die Anleihe, die die palästinensische Regierung jetzt gemacht hat, bereits ratifiziert ist und deshalb die Bauten und besonders der Hafenbau, der von dieser Anleihe gemacht werden soll, jetzt in Angriff genommen werden müssen. Auch dies dürfte in allernächster Zeit einen Teil der Arbeitslosen absorbieren. Aber hauptsächlich würde eine größere Ab* sorption der Arbeitslosigkeit und eine Beseitigung der Krise möglich sein, wenn wieder Privatkapital in das Land einwandert Es wird At selten Leitu nach Paiäst bisher der f Wenn 1 Krise irgen! gestellt hab Dinge, die 1 auch mit de die sich auf — daß die iung Palästi könnte Sie ׳ in der ״Fin Weise die auf diese K eben zitiert Es gibt schlag, den Sache zu < artiges Ar braucht dit Ionisation daß unser! brechen un gekostet h ein Gebiet irgendein a wurde, Es wir Lehren zu werden un ganz offen drei, vier wir bisher hervorgehc derart, da! dürften ein Die Kc ungefähr \ englischen kostet von hältnisse, 1 denjenigen, in Kanada englischen geht in ei der kanad ein Land, Land ist b tischen Ve ist die Koi! Standard, i in Pallstir Land, wo außerorder Quadratzet haben mit Ackerbaue! nicht nur nach den jetzt das liehe Kolo erkannt hs bezwunget ist klein. Gebiet hi “ rhältnis: »feirrj das das jü Volk ist 1 stehende Ein V Die Basis ijationale glaube ict von der f Evolut-oin, Mandats Heims ist gebaut w! zionistisch führung c dem Kopf Grundidee politik au aurchführ! gehen, da mehr dec hereinkorr bischen C betrachtet wegen ka Schnelligk sehen mc nur aus ( den maߣ komipen, Mandat < der sich sitzen. E auf die 1 trauen at mächtiget Ich 1 bischen I anknüpfe Gründen egoistiset liehe. Pa ist wesei damit all liegt und Zentren arabische diesen N sich ersi kulturell« daß wir 1 befruchte eine so 1 bedeuten machen, wir in c unserer! unsere A wurde, 1 arbeit g< alle dies׳ zu kolou jüdische

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.