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Jüdische Rundschau · 1927-07-01 · Heft 52 (1.7.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 52 (1.7.1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,30 Goldmark Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Auülaadsebonncmenti werten in der Wihrens der einzelnen Linder berechnet. Anzeigen -Verwaltung Jüdische RundschaaG.m.b.H., Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon! Amt Bismarck 7165—70. Nummer 52 | Berlin, l. VII. 1927 Aftfdgtaprsi•: 8 gesp aJLNonpnreülezeile 0,50 G.-M. Stellenge«0ebe 0,25 G.-M* Anzeigenschluß: Dien »tag und Freitag nachmittag 4 Uhr. JÜDISCHE RUNDSCHAU Telephon: Bismarck 7165 - 70, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Otiierreichj Pottiiparkaasenaint Wie«. Konto Nr. 156 030. Für T*db«cho«!owal(ei ז PostsparkaMemmt Prag, Konto Nr. 59 410. Für Polan: Postsparkassenamt Warschau. Konto Nr. 190 7(®. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ר״ח תמוז׳ תרפ״ז I XXXII. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für 4fas Jüdische Volk die Schaffung einer dftentllch rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm." Kundgebung des Komitees Pro Palästina Weizmann in Berlin — Empfang beim Reichskanzler Die Berliner Zionisten haben Dr. Weizmann einen überaus herzlichen Empfang bereitet. Die Versammlungen am Mittwoch Abend waren so überfüllt, wie wir es seit vielen Jahren in Berlin nicht erlebt haben. Nicht nur Dr. Weizmanns Persönlichkeit galt dieses Interesse, sondern der zionistischen Sache, deren Symbol und Repräsentant er ist. Wir haben Mittwoch wieder erlebt, welche Macht der Zionismus als Volksbewegung hat. Man wollte hören, wie der Führer der Bewegung die Lage beurteilt. Dr. Weizmann hat in ruhiger und überlegener Weise gesprochen. Er, der alle Schwierigkeilen als erster zu spüren bekommt, warnte vor Uebertreibungen und vor Pessimismus. Er verstand es darzulegen, daß die Maßnahmen der Einschränkung, die in diesem Augenblick, am Abschluß einer Periode heroischer Pionierleistungen, zur Sicherung und Konsolidierung des Geschaffenen unvermeidlich sind, nur die Vorbereitung bilden zu einer neuen Expansion, einem neuen Vorstoß zionistischer Aufbauarbeit, und er zeigte überzeugend die großen Perspektiven und Möglichkeiten der palästinensischen Zukunft. Weizmann hat es verschmäht, mit der Geste des Demagogen diesen oder jenen Faktor zu beschuldigen oder die Versammlungen durch Phrasen zu billiger Begeisterung aufzustacheln. Er hat auch nicht in den inneren Parteistreit eingegriffen. Der Zionismus, so weiß er, ist ein schwerer und schmerzensreicher, aber• auch ein ehrenvoller Weg. Die Grundfesten des nationalen Heimes werden in unseren Tagen gelegt, diese ־Ärbeit.|eifcM'Qe4üM,und Ausdauer .•und vor allem festen ׳ö|afbe1.^ples»<Glaube; lim# ,.1^::je!lÄ.׳v$ibe^|§ie gen so überzeugend, ganz unabhäng!8f:'^1i''li8,'''iiBä»!'׳ heilen, über die er spricht. Diese Zuversicht übte ihre Wirkung auch in der Versammlung des Pro Palästina-Komitees, die zu Ehren Dr. Weizmanns Montag Abend im ehemaligen Preußischen Herrenhaus stattfand. Auch dort hat Welzmann würdig und ungeschminkt die Situation unseres Palästina-Werkes dargelegt. Er hat nichts verschleiert, alle Schwierigkeiten offen erörtert, er verzichtete auf jede Theatralik, und gerade diese sachliche und staatsmännische Art fand stärkste Resonanz. Weizmann hat dort auch das Grundprinzip unserer Politik, dargestellt, insbesondere unser Verhältnis zu den Arabern, mit denen wir in eine immer stärkere Interessengemeinschaft zu kommen bemüht sein müssen. Denn die Zukunft Palästinas als des Zentrums des vorderen Orients kann nur gesichert werden durch eine gemeinsame Arbeit beider Völker in dem gewaltigen, der Erschließung harrenden Gebiet. Nur wer große Zusammenhänge zu erkennen vermag, nur wer Phantasie genug hat, neue Entwicklungen vorauszusehen, kann volles Verständnis für die Größe dieser Idee haben, die dem jüdischen Volke mit einem Male eine ganz andere Stellung in der Welt gibt. Die Kundgebung des Pro Palästina-Komitees hat wieder bewiesen, daß es solche Menschen in allen Völkern gibt. Wir haben Freunde, und dies ist, wie Dr. Weizmann richtig sagte, eine große Genugtuung und innere Stärkung für eine Bewegung, die in einem harten Kampf steht und unter ungeheuren Schwierigkeiten etwas Großes schaffen will. Die Reden, die bei dieser Kundgebung gehalten wurden, die Zuschrift des ehemaligen französischen Ministers Justin Godart beweisen, welche Resonanz dieser jüdische Kampf, dieses jüdische Streben in der nichtjüdischen Welt findet. Es ist nicht angenehm, in dieser Stunde mit Juden polemisieren zu müssen. Aber es zeigt in einer geradezu grotesken Beleuchtung die tragische Situation und seelische Entgleistheit des deutschen Judentums, wenn auch hei dieser Gelegenheit eine Reihe von Rednern sich zur Auseinandersetzung mit Juden genötigt sahen. Es war eine vornehme Polemik. Die Männer, die sich hier zum Palästinawerk bekannten, bezeugten die große Wirkung dieser jüdischen Sache, die auch der nichtjüdischen Welt Achtung abzwingt. Jetzt schon, bevor das nationale Heim besteht, zeigt sich seine reinigende, bessernde, versöhnende Wirkung. Nur der Philister, der am Alltag hängt und über seine täglich Erfahrung nicht hinauszu denken vermag, nur der Philister, der vor jeder neuen Sache eine unerklärliche Angst hat, kann — wie Dr, B a e c k ausführte — ein Gegner unserer Sache sein. Philisterhaft sind die Bedenken, die von aufrechter jüdischer Betätigung eine Minderung der Stellung der Juden im Staate befürchten. Es war ein interessanter Moment, als der preußische Minister für Volksbildung. Professor Dr. Becker, diese Befürchtung geradezu als eine Kränkung des guten Namens des Vaterlandes zurückwies. Die so denken, machen sich ein trauriges Bild von Deutschland, und es ist kurios, daß gerade solche Leute sich für patente Patrioten und gar für ״Liberale“ halten. Denn, so sagte Dr. Becker, im Geiste des wahren Liberalismus und wahren Humanismus, wir leben in einem Lande, wo jeder seine Meinung frei hekennen kann, ohne deshalb verdächtigt zu werden. Die Zugehörigkeit zu diesem Werk, vor dem der Minister größten Respekt bekundet, kann die Stellung im Staate nicht beeinflussen. Wer dies annimmt, beleidigt den Staat und kann jedenfalls nicht Anspruch darauf erheben, daß er an dem Aufbau eines neuen, wahrhaft liberalen Deutschland mitarbeitet. Die Gründung des Pro Palästina-Komitees war eine Tat, die dem Judentum zur Ehre gereicht. Noch niemals wurde von nichtjüdischer Seite in solchen Tönen von einer jüdischen Sache gesprochen wie hier. Trotzdem haben deutsche Juden, aus blinder Parteileidenschaft, einen verantwortungslosen Kampf gegen das Komitee geführt. Man hat uns damals vorgeworfen, wir hätten Uninformierte eingefangen. Nach der Veranstaltung vom Montag wird das kaum mehr jemand zu behaupten wagen. Und wenn die Presse, offenbar unter dem Druck antizionistischer Juden, das Ereignis vom Montag zu bagatellisieren, totzuschweigen oder tendenziös zu entstellen versucht, so zeigt siß damit nur, wie wenig Wert sie (wahrscheinlich _ &uch;;fir andern;.: jpitagienl) auf ׳ o b« |ek:Li:v־e Ich möchte damit beginnen, daß ich Ihnen zur Begründung unserer Arbeit das Programm unseres Komitees vorlese: Das Deutsche Komitee Pro Palästina zur Förderung der jüdischen Palästinasiedlung wird in der Ueberzeuguitg, daß der Aufbau der im Palästinamandat vorgesehenen Heimstätte für das jüdische Volk als ein Werk menschlicher Wohlfahrt und Gesittung Anspruch auf die deutschen Sympathien und die tätige Anteilnahme der deutschen Juden hat, bemüht sein, die deutsche Oeffentlichkeit über das jüdische Kolonisationswerk in Palästina aufzuklären, die Beziehungen zwischen Deutsch* land und Palästina zu pflegen und allgemein die Erkenntnis zu verbreiten, daß das jüdische Aufbauwerk in Palästina ein hervorragendes Mittel für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Orients, für die Ausbreitung deutscher Wirtschaftsbeziehungen und für die Versöhnung der Völker ist. Wenn ich heute die Ehre habe, hier den Vorsitz zu führen, so liegt das wohl an der historischen Entwicklung unseres Pro Palästina-Komitees. Das Pro Palästina-Komitee ist bereits einmal im Jahre 1918 gegründet worden. Es hat nachher seine Tätigkeit infolge der Ereignisse eingestellt, die Ihnen allen bekannt sind. Als das Pro Palästina-Komitee zum ersten Male gegründet wurde, war ich Botschafter in Konstantinopd und habe dort die Verhandlungen geführt, die zu dem gleichen Ergebnis von unserem Standpunkt aus führen sollten, das wir heute in dem Palästinamandat vor uns sehen. Dadurch bin ich mit den Kreisen in Berührung gekommen, die sich für diese Aufgabe interessieren, und dadurch Ist mir wohl die Ehre zuteil geworden, daß ich heute hier vor Ihnen stehe und zum Vorsitzenden des Pro Palästina-Komitees gewählt worden bin. Ich habe neulich im Reichstag zur Frage des Völkerbundes gesprochen und möchte hier nochmals betonen, daß wir alle, die wir uns für die Arbeit im Völkerbund interessieren, der An• sicht sind, daß wir Deutschen uns nicht nur darauf beschränken dürfen! innerhalb des Völkerbund« deutsche Interessen zu vet« wett»,der Inniger Vftfaaiijpjiple läMNgr ״־״׳־''•'״' ,IMS! sf S iiiefl iieor sprechen die'Redner s'S Der Verlauf der Kundgebung Aus Anlaß der Anwesenheit Dr. Weizmanns veranstaltete das Deutsche Komitee Pro Palästina im Sitzungssaal des früheren Herrenhauses eine Kundgebung. Unter den Erschienenen war Graf Bernstorff, Kultusminister Becker, Staatssekretär v. Schubert, Staatssekretär Dr. Pünder, Geheimrat Sellin, Direktor Oskar Wassermann, Albert Einstein, Regierungspräsident Haußmann, Prof, Aereboe, Dirigent im Auswärtigen Amt Freiherr v. Richthofen, Legationsrat Prof. Dr. M. S o b e r n - heim, Herr v. Kardorff und Frau v. Kardorff- O hei mb, Rabbiner Dr. Baeck, Vizepräsident von Ostpreußen Dr. Herbst, Ministerialdirektor B a d t, Ministerialrat H»״s Goslar, Dr. Bernhard Kahn, Staatssekretär Dr. W e i s m a n n u. v. a. Graf Bernstorff eröffnet die Kundgebung mit folgender Ansprache: Meine Damen und Herren! Als Vorsitzender des Deutschen Komitees Pro Palästina habe ich die ehrenvolle Aufgabe, Sie heute Abend bei der ersten größeren Veranstaltung, die wir zusammenberufen haben, herzlichst willkommen zu heißen. Insbesondere begrüße ich mit lebhaftem Danke die Vertreter der Reichsregierung und der Preußischen Regierung, ebenso begrüße ich mit warmem Willkomm diejenige Persönlichkeit, ohne deren Tätigkeit wir heute nicht versammelt sein würden. Mir zur Rechten sitzt Herr Professor Weiz tna n n , der der Apostel des Palästinaaufbaus Ist, und dessen eifriger und nie ermüdender Tätigkeit es in erster Reihe zu verdanken ist, daß heute von einem Palästinaaufbau die Rede sein kann. 1400 Schekel lelilen nodi Ittr das 12.K0nöreßmand0l Wir bitten alle Ortsgruppen und Schekelblockinhaber die Sammlung energisch fortzusetzen und uns die Schekelgelder sofort auf unser Postsdieckkonto, spätestens aber telegraphisch am 6, Juli zu überweisen. Adresse für telegraphische Ueberweisung: Zionisibüro, Meinekestr. 10, Berlin. Zlonlsfisdic Vereinigung für Deutschland PostsAedtifonto 809t. tragen, daß der Völkerbund wirklich zu einer lebendigen aijpMi Organisation wird. Wir sehen in dem Palästinaaufbau ein großes soziales Werk, und deshalb wollen wir uns an demselben in eifriger Weise betätigen. Es gehört ja mit zu den Aufgaben der Mandatskommission, von der in letzter Zeit einigermaßen viel die Rede gewesen ist, und infolgedessen wird es mit in unsern Aufgabenkreis kommen. Ich möchte noch einige kurze Bemerkungen über den gegenwärtigen Stand der Sache machen. Zurzeit herrscht in Palästina eine wirtschaftliche Krise. Der Hauptgrund liegt in einer zu starken Zuwanderung der letzten Jahre. Hierdurch konnten viele Einwanderer nicht nutzbringende Beschäftigung finden, und die Arbeitslosigkeit ist gleich wie in Europa groß. Erstaunlicherweise ist trotzdem eine gewisse Gesundung in den Handelsverhältnissen im Ausgleich des Exports und Imports eingetreten. Der Export ist vor allem durch den Versand der Orangen gestiegen, der Import ist ein wenig zurück gegangen. Am Import nach Palästina ist Deutschland stark beteiligt; abgesehen von den Nachbarländern Aegypten und Syrien nimmt es den ersten Platz hinter England ein, hat es sogar in einigen Monaten des Vorjahres übertroffen. Das Pro Palästina-Komitee kann naturgemäß den Aufbau Palästinas nur mittelbar fördern. Denn dieser hängt von der tätigen Anteilnahme der Juden in der ganzen Welt ab. Das Komitee sieht aber mit Genugtuung, daß das Interesse für die Palästinasache überall in der Welt wächst, am meisten in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo, wie mir berichtet wird, führende jüdische Kreise in letzter Zeit ihre aktive Mitarbeit zugesagt haben. Das große Werk des Friedens verdient, vom moralisehen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Standpunkt aus auch in Deutschland gefördert zu werden. Diese Meinung verbreitet sich mehr und mehr, und so können wir mit Genugtuung feststellen, daß sich das Pro Palästina-Komitee gut entwickelt und viele neue Freunde geworben hat. Mehrere seiner Mitglieder waren in den letzten Monaten in Palästina' und sind tief beeindruckt von dem jüdischen Anteil an dem Palästinaaufbau zurückgekehrt. Es ist nicht einzusehen, warum durch jüdische Besiedlung Palästinas staatsrechtliche Schwierigkeiten für die Juden in anderen Ländern bestehen sollten. Die Juden in der Diaspora werden weiter Bürger ihrer Länder bleiben, und niemand wird, wie es ja erst letzthin der Herr preußische Kultusminister ausgesprochen hat — es ihnen nachtragen, wenn sie gleichzeitig der Siedlung Palästinas Sympathie, Interesse und Beihilfe widmen. Viele der in Palästina angesiedelten Juden werden, um beim Aufbau des Landes tatkräftig mitzuwirken und den ihnen gebührenden Einfluß in der Landesverwaltung zu nehmen, Staatsangehörigfi Palästinas werden. Dem Komitee konnte es nicht entgehen, daß in Tellen der deutschen Judenheit gerade wegen dieser Frage, aber auch anderer Momente wegen, Bedenken bestehen; das Pro Palästina-Komitee legt aber besonderen Wert darauf, auch heute wiederum zu erklären, daß wir uns von allen internen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Judenheit fernhalten wollen. Nach wie vor sind wir der Ueberzeugung, daß die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas im allgemein-wirtschaftlichen wie allgemein-politischen Interesse liegt. Das Komitee wird daher auch weiterhin bemüht bleiben, das sympathische Interesse der deutschen Oeffentlichkeit für den Palästinaaufbau wachzurufen und zu erhalten. (Beifall.) Der Herr Reichskanzler hat in einem Schreiben mitgeteilt, daß er zu seinem lebhaften Bedauern nicht in der Lage war, unserer Einladung zu folgen, da er bereits anderweit zugesagt hatte. Er sendet uns für unsere Veranstaltung besonders freund* liehe Wünsche, (Beifall.)

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