Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 51 (28.6.1927)
- Date
- 1927-06-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 360 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. S1 5. Ausweis der Schekeleingänge 5687 Abgeschlossen am 26. Juni 1927 Aachen 117 Ahlen/West!. — Ahrweiler 6 ׳ Allenstein 30 Alsfeld 7 Altenburg — Alzey/Hess. — Andernach — Ansbach — Arnstadt — Aschaffenburg 8 Aschersleben 31 Augsburg 19 Aurich/Ostfrld. — Baden-Baden — Bamberg 20 Bayreuth — Bergzabern — Berlin 1311 Bernburg 8 Beuthen 321 Bielefeld 26 Bingen — Birkenfeld —־ Bocholt 1 Bochum 90 Bonn 19 Bottrop — Brandenburg J1 Braun schweig 31 Breisach ~ Bremen 15 Bremerhaven-Geestemünde — Breslau 1100 Brieg Bruchsal — Buchau 2 Buer — Bunde 2 Bunzlau 9 Bütow / Butzbach 3 Calcar/Niederrh. Cassel 70 Castrop Celle 3 Chaluz-Zentmm/Saargeb. 10 Chemnitz 381 Coblenz — Cöln 379 Cöthen 15 Corbach 2 Cosel — Cottbus 30 Crailsheim Crefeld 16 Dannstadt 22 Dessau 45 Detmold . .. ■. ■ 3p Dt.-Eylau U Dieburg 3 Dieckow/Mark — Diepholz — Dierdorf — Dillingen — Dornoorf 1 Dornum — Dortmund 227 Dramburg/Pom. —־ Dresden 171 Duisburg 180 Duisburg-Ruhrort 6 Düren 27 Dürkheim — Düsseldorf 145 Eichstetten 1. Br. — Eisenach — Elberfeld 133 Elbing — Emden 17 Eppingen/Bad. — Erfurt 224 Eschwege 15 Essen S5 Eydtkuhnen 20 Eischach — Fischersdorf/W arthe — Flehingcn/Bad. — Flieden b. Fulda _ Flörsheim/Main — Forst — Frankfurt/Main 300 Frankfurt/Oder ~~ Fraustadt — Freudenburg/Saar — Freiburg 66 Friedberg 5 Fritzlar b. Cassel — Fulda 23 Fürth 2 Gaglow 3 Oauingen — Gardelejgen Geilenkirchen 6 Geisa Oelsenkirchen-Wanne 42 Georgsthal Gera — Gießen 20 Gladbeck — Glatz — Gleiwitz 188 Glogau 13 Gollnow — Gommersheim/Pf. — Göppingen 1 Görlitz 37 Gotha 32 Götti ngen 24 Grevenbroich 7 Ciroroder Hof 5 Groß-Strehlitz 26 Grusen b. Cassel 2 Guben 10 Gündorf b. Leipzig 6 Gunzenhausen 4 Güstrow — Guttstadt — Hagen — Haigerloch 2 Halberstadt 185 Halle 90 Hamborn 83 Hamburg 1150 Hameln 39 Hamm —■ Hammelburg —■ Hanau 27 Hannover 178 Harburg — Hattingen 7 Haynau/Schles. Heidelberg 21 Heilbronn-Sontheim 10 Heilsberg 4 Heinebach b. Cassel — Herford 4 .י Uersfeld 5 Hervest-Dorsten 3 Hildesheim 10 Hindenburg 31 Hirschberg — Hof Hoppstädten 2 Horsf-Emscher 10 Ichenhausen Idar 3 Ihringen Ilmenau 8!Isenburg — Insterburg 37 lahnsdorf 2 Jauer 2 Jena 32 Jeßnitz 8 ever i. Oldenbg. — ohannisburg — osbaeh/Hess. ~ ülich 25 arlsruhe 171 Kehl - Kempen * — Kiel 61 Kippenheim — Kirchheim-Teck — Kissingen 7 Kolberg Königsberg Königsheim Konstanz Kudowa Kölsheim Künzelsau Lampertheim Landau/Pfalz Landsberg Laudenbach Leipzig Liebstadt Liegnitz Limburg Lörrach Lötzen Luckenwalde Lübeck Lübbecke Ludwigshafen Lügde Lüneburg Lyck Magdeburg Mainz Mannheim Mappach Marburg Marggrabowa Märkisch-Fricdland Mayen Mehlsack Meimbressen Meiningen Mellrichstadt Melsungen Memmingen Menden Merzig Miersdorf/Mark Militsch Mittweida Mühlhausen Mülheim München München-Gladbach Münster Namslau Naugard Nauheim Neheim/Westf. Neidenburg/Ostpr. Neiße Nentershausen Neudamm Neuenahr Neukirchen/Hess. Neuß ,,, . , Neustadt/Haardt Neustettin Neuwied Niederwalluf Nienburg Nordenham Nordhausen Nördlingen Nürnberg Oberhausen Oels Oeynhausen Offenbach Offenburg Oehringen Oldenburg Oppeln Orteisburg Osnabrück Osterfeld Osterode Ottweiler Paderborn Peiskretschnrr Pforzheim Pirmasens Pitschen Plauen Prostken 1 415 32 050 3 70 15 10 100 1 95 115 212 2 20 13 20 430 24 15 10 17 390 26 10 71 57 25 10 70 Pyrits — Quedlinburg — Rastatt 3 Ratibor 72 Recklinghausen — Rees — Regensbilrg — Reicheabaeh — Reicbensachsen — Rheinbischofsheim €1 Remscheid ~ Rostock 20 Rülsheim —. Saalfeld _ Saarbrücken ~4 Saarlouis -4 Sägewitz t Salzbrunn 25 Salz-Elmen — Salzuflen _ Selm-Bfg. Selters 2 Sensburg _ Siegburg IQ Soest Solingen -J Sondershausen -4 Spandau -4 Spangenberg _J Speyer -J Suhl i Schenklengsfeld —. Schivelbein Schncideraühl — Schönlanke 12 Schwab. Hall 2 Schwedt Schweidnitz 3 Schweinfurt .J Stangenhagen g Sfargard _ Staßfurt-Leopoklshall Steele ^4 Stendal Sterkrade 7 Stettin TQ St. Ingbert w Stolp 4Q Stralsund — Strehlen •_ Stuttgart 3Q Tauberbischofsheim — Teterow _ Thale Tiefenort!0 Tilsit 20 Trachenberg!0 Trier!0 Uhu .. 4*. 4;31 ״ ״ Unna — Unterbimbach 10 Uerdingen — Varel 4 Veitshöchheim — Verden — Verne — Viersen — Waldenburg 15 Waltershausen 4 Wattenscheid — Weikersheim — Weil im Dorf 2 Wcilburg 4 Weilheim — Wertheim — Westerburg — Wiesbaden 131: Wilhelmshaven —. Winkeldor! — Witten - Witzenhausen — Wolfenbüttel 16 Worms 7 Würzburg 48 Zollenspiecker — Zuffenhausen 1 Zweibrücken — Zwickau 111 Die Zionistische Exekutive hat den Ablieferungstermin verlängert und den Stichtag definitiv auf den 8. Juli festgesetzt. Die Seheielsammlung in Deutschland geht weiter. Wenn alle Ortsgruppen und Vertrauensleute mit der gleichen Intensität weiter arbeiten, sind 12 Kongreßmandate gesichert. Wir appellieren an alle deutschen Zionisten und erwarten von dem Verantwortungsgefühl eines Jeden, daß er in diesen zehn Tagen mithilft, das Schekelergebnis noch günstiger zu gestalten. Die eingehenden Schekelgelder sind jetzt fortlaufend and regelmäßig an uns zu fiberweisen. Nächster Ausweis in der Jüdischen Rundschau vom 8. Juli. Zionistische Vereinigung״ für Deutschland Berlin W 15, Meinekestr. 10 Postscheckkonto: Berlin 8091 ..... Drelviertelfahr zionistischer Gemeindearbeit In der Frankfurter Versammlung der ״Jüdischen Volksparfei“ hat Kareski u. a. etwa Folgendes ausgeführt: ״Wir Zionisten in der Gemeindevertretung und im Gemeindevorstand haben auch bewiesen, daß Gemeindepolitik und Gemeinde- Verwaltung keine Geheimwissenschaften sind. Die Liberalen haben es immer so hingestellt, als ob eine jahrhundertelange Familienüberlieferung dazu gehöre, die sich nur in direkter Leibeslinie vererben lasse, um in die Mysterien dieser Arbeit einzudringen undsie dann sachgemäß zu führen. Wir haben gezeigt: es geht auch so, und mindestens so gut. Auch aas ist ein Verdienst.“ Das war sehr hübsch gesagt und war zudem sehr richtig. Wir sind in der angenehmen Lage, Kareskis Behauptungen von einem ganz anderen Ende der jüdischen Welt her bestätigen zu können: durch den ״Tätigkeitsbericht“, den die Gerentschaft der Israelitischen Kultusgetneind« Czernowit 7. (Cemäüti) für die Zeit vom 15. April bis 31. Dezember 1926 auf 80 enggedruckten Seiten vorlegt. Schon die Tatsache dieser öffentlichen Rechenschaft ist ein Novum, und zwar ein ausgezeichnetes: sie bricht mit der Geheim Wissenschaft. Hermann Strack hat einmal sehr hübsch, im Vorwort seiner ״Einleitung im Midrasch und Talmud“ geschrieben: Für den, der nicht Latein versteht, ist auch Caesars bellum gallicum ein mystisches Buch. — Und so ist für den, der niemals einen Gemeindebericht zu lesen oder zu hören Gelegenheit hat, die Gemeindeverwaltung eben ein Mysterium. Daß die Czernowitzer Zionisten, denn sie sind es, die Gerentschaft und Verwaltung bilden und diesen Bericht herausgeben — ihre Macht keiner Geheimtuerei verdanken wollen, sondern dem auf Offenheit gegründeten offenen Vertrauen, dies zeigt schon, was Volkspolitik, was Volkspartei, was ,,Volksgemeinde“' bedeuten. Der Inhalt des Berichtes zeigt, was sie nicht bcdeuten: areligiöse oder gar antireligiöse Führung der Gemeinde. Diese Zionisten, die sich ganz offen zur Volksgemeinde bekennen, die durchaus programmatisch verkünden: ״Religion und Nation sind eng miteinander verknüpft“ haben überhaupt erst für eine menschenwürdige Bezahlung der Rabbinatsassesoren (Dajanim), der Schächter, der Aufsicht»־ beamten gesorgt, haben Talmud-Thora und Jeschiwah mit viel höheren Subventionen bedacht als die vorige Verwaltung, obwohl sie dem Keren-Hajessod 20 000 Lei zukommen ließen, und haben der Kultussektion eine weitgehende Autonomie für die ״gesamte Aufsicht über alle rituellen Angelegenheiten der Gemeinde“ gewährt. Wie ernst gearbeitet wurde, zeigt z. B. der Teilbericht der Sektion für soziale Fürsorge: das Damenkomitee des jüdischen Waisenhauses hat eine ganze Woche lang ohne jede Hilfe des Personals die Wirtschaft in dieser Anstalt selbst geführt, um die nötigen Reformen nicht vom grünen Tisch, sondern aus eigener Praxis durchführen zu können. Daß nationales Judentum keinen engen Nationalismus bedeutet, zeigt der Satz im Bericht der Spital- Sektion: ״Obgleich das jüdische Gemeindespital seiner Be- Stimmung nach nur Glaubensgenossen zugute kommen sollte, verschließt es seine Tore auch nichtjüdischen Mitmenschen nicht, weil dies der jüdischen Tradition, der jüdischen Barmherzigkeit und der jüdischen Opferwilligkeit widersprechen würde“. Andererseits ist die neue Verwaltung natürlich auf ein bewußtes und Inhaltsvolles Judentum bedacht und hat so die Volksschule der Gemeinde hebraisiert. Interessant ist ein Streit mit einer Reihe von Mazzothbäckern, die sich der Aufsicht der Gemeinde entziehen wollten: Die Gemeinde setzte ihr Aufsichtsrecht durch und ließ die beiden Bäckereien für den Gebrauch sperren, entschädigte aber das von ihnen bereits aufgenommene Personal ״aus Gründen der Menschlich- Jjeit“ mit 90000. Lei. Auch in der Wohlfahrtspflege und in der Erziehung ist hier offenbar der Versuch gemacht worden, das Festhalten an der Tradition mit der Anwendung moderner Prinzipien zu vereinigen. In sämtlichen Anstalten der Gemeinde wurde der Versuch unternommen, die Insassen zur Selbstverwaltung zu erziehen, sie eigene Gerichtshöfe bilden zu lassen usvv., und dadurch auch die sozial Heruntergekommenen mit ihrem Dasein wieder auszusöhnen. Alles, was darüber berichtet wird, macht einen so handgreiflich guten Eindruck, daß es die jüdischen Leser außerhalb Czernowitz’ zu überzeugen sehr geeignet ist. Zum Schluß sei erwähnt, daß eine Aenderung des bisherigen Dreiklassenwahlrechts durch ein vollkommen demokratisches Wahlrecht vorbereitet wird. Die Zionisten in Czernowitz haben also das Vertrauen, daß sie das Volk als Richter über sich anrufen dürfen. Soweit ihr Tätigkeitsbericht ein Urteil zuläßt, haben sie dies Vertrauen mit Recht. Dr. Ernst Simon. Palästinensischer Musikbrief (Symphonisches Konzert in Jerusalem.) Es ist unbestreitbar, daß seit dem Auftreten des Dirigenten Max JLampel das musikalische Leben in Palästina einen mächtigen Impuls bekommen hat. Er begann mit Symphoniekonzerten in Tel-Awiw, welche mit ungenügender "Besetzung und mit primitiven Mitteln aufgeführt, doch den Eindruck eines starken musikalischen Willens gaben. Basierend auf diese Konzerte entstand das cooperative symphonische Orchester, welches unter der Leitung von Fordaus einige Symphoniekonzerte in Tel-Awiw und Jerusalem gab. Die Fortschritte, welche das Orchester in wenigen Monaten machte, ließen deutlich den Willen seiner Mitglieder erkennen, künstlerisch vorwärts zu kommen. Es ist aber sehr bedauerlich, daß Max Lampel vom November vorigen Jahres bis zum 4. Juni d. J. vom Dirigenten ausgeschaltet war. Es ist der Oeffentlichkeit nur zum Teil bekannt, daß infolge Differenzen, welche die kardinalsten Fragen des EJirigententums berühren, die für die musikalische Entwichlung wertvolle Kraft Max Lampels lahmgelegt wurde. Das palästinensische Leben ist arm an Potenzen auf allen Gebieten und besonders auf dem Gebiete der Musik; es gibt kein Recht, künstlerische Prinzipien durch Mittel parteimäßiger Organisation, durch Majorität usw. zugunsten einer Mittelmäßigkeit umzubiegen. Es gibt nun einmal eindeutige und klare künstlerische Tradition und Eigenart des Dirigenten, welche auch in Palästina — und hier erst recht — Geltung haben. Das Fehlen von Disziplin ist auch auf dem Gebiete der Orchestermusik: sehr gefährlich, der Eigenwille jedes Einzelnen, der als Orchestermusiker nicht nur reproduzierender Musiker, sondern auch Dirigent sein will, schädigt unter allen Umständen die künstlerische Schöpfung des Dirigenten, besonders wenn dieser durch kooperative Organisation außerdem gehemmt ist, dem Orchester seine Absichten aufzuprägen. Im Interesse der Erhaltung und Ent- Wicklung des Orchesters müssen diese Dinge ausgesprochen werden. Dies soll die erfreuliche Entwicklung des Orchesters nicht herabsetzen, es soll vielmehr anerkannt werden, daß trotz der größten finanziellen und anderen Schwierigkeiten seine Arbeit voll und intensiv ausgebaut wurde und zu den besten Hoffnungen berechtigt. Es war für das Pariser Publikum eine freudige Ueberraschung, Max Lampel zum ersten Male am Dirigenten pulte begrüßen zu können, nachdem er in zwei Orgelkonzerten bereits Proben seiner starken musikalischen Künstlerschaft vermittelt hatte. Auf dem Programm stand tschechische Musik, ein Konzert unter dem Protektorate des tschechoslowakischen Konsuls. Dvorak und Smetana, die beiden Klassiker der tschechischen Musik, verkörpern trotz mannigfacher fremder Beeinflussung den Geist des ־tschechischen Volk«. Aus Smetanas Hauptwerk ״Mein Vaterland“ wurde .,Die Moldau“ aufgeführt. Die Wiedergabe des schwierigen Werkes geschah in vollendeter Weise, abgesehen von einigen Details, wie Unsicherheit der Bläser und ungenügender Fundierung der Besetzung des Orchesters durch die Bässe. — Die Aufführung von Ant. Dvoraks Symphonie ״Aus der neuen Welt“ in Jerusalem gehört zu den interessantesten musikalischen Ereignissen. Das Publikum konnte sich dem Bann der vorzüglichen Aufführung nicht entziehen, besonders fiel die flotte Wiedergabe des schwierigen Scherzos und die einheitliche Linienführung des letzten Satzes auf. — Das Cellokonzert von Dvorak, welches an Orchester und Solisten große Anforderungen stellt, fiel ein wenig aus dem Rahmen der beiden großen Teile, größere Sicherheit in den Tempis und bessere Durcharbeitung hätten dem Konzert eine stärkere Wirkung bereitet. Lampel verstand aus den Musikern das Maximum herauszuholen, wohltuend berührte die freie Art seines Dirigierens und die vollkommene. Beherrschung der Partitur. Das Konzert, welches auch äußerlich das Gepräge eines gesellschaftlichen Ereignisses trug — Col. Symes in Vertretung des Oberkotnmissärs und das diplomatische Korps waren erschienen — hinterließ beim zahlreichen Publikum den stärksten Eindruck. Das Erfreulichste für uns ist die Tatsache, daß wir nunmehr gesehen haben, was in Palästina an musikalischen Aufführungen geleistet werden könnte. Noch ein Jahr Arbeit, und wir dürften Symphoniekonzerte hören, die uns für jahrelanges Warten entschädigen dürften. Daß wir um ein großes Stück vorwärtsgekommen sind und gute Hoffnung für die Zukunft haben, ist Max Lampels unbestreitbares Verdienst A.