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Jüdische Rundschau · 1927-06-28 · Heft 51 (28.6.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 51 (28.6.1927)
Date
1927-06-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 364 JUEDISCHE RONDSCHÄU Nr. 51 der zionistischen Bewegung Kongreßpolens: der ״Al Harnischmar“ und ״Et Liwnoth“, Beide Fraktionen wandten sich in längeren Aufrufen an die allgemeinzionistischen Wähler. Der erste Aufruf des ״Al Hamischmar“, im scharfen Tone gehalten, beschuldigt den ״Et Liwnoth“, in dessen Händen sich in den letzten Jahren die Führung der allgemeinzionistischen Organisation Kongreßpolens befand, daß er die Hauptschuld an dem Verfall des Zionismus in Polen trage. Die Leitung in Polen war selbst von Apathie und Defaitismus beherrscht, dies ewige Kompromißsuchen, die Ideologie des ״neuen Kurses“, der Kampf gegen die Arbeiterschaft, führten — behauptet der Aufruf der ״radikalen Zionisten“ Polens — zu einer ganzen Reihe von Niederlagen, sowohl auf rein zionistischem als auch auf landespolitischem Gebiete. Der Aufruf endet mit einem Appell zur ״Befreiung der zionistischen Bewegung in Polen von diesem Zentralkomitee“. Der Aufruf des ״Et Liwnoth“ protestiert gegen diese Beschuldigungen, stellt seinerseits fest, daß alle Anstrengungen zur Konsolidierung der zionistischen Bewegung in Polen an den diktatorischen Gelüsten der ״Al Hamischmar“-Führer zerschellt sind und daß der ״Et Liwnoth“ nach wie vor an seiner Ideologie festhält. Palästina soll nicht nur ein ferner Zukunftstraum sein für die jüdischen Massen, sondern ihnen so rasch als möglich Gelegenheit geben, ihr Leben dort einzurichten. Der Weg zu diesem Ziel führt unbedingt durch die erweiterte Jewish Agency. Von einem Burgfrieden also, wie ihn manche Optimisten erwarteten, ist keine Rede. Das Herannahen der Kongreßwählen trägt auch viel dazu bei, daß beide Gruppen einander stark bekämpfen. Das Resultat der Delegiertenwahlen und der Verlauf der Tagung ist unter diesen Umständen nicht leicht vorauszusehen. Es wird aber einen Auftakt bilden zur eigentliehen Wahlschlacht. Der Aufmarschplan der Parteien ist noch nicht ausgearbeitet. Grundsätzliches und Taktisches wird noch vorbereitet. Es ist aber schon gewiß, daß gemäß dem Berliner Abkommen auch in Polen die radikalen Zionisten (Grünbaum-Gruppe) und die Revisionisten Zusammengehen und eine gemeinsame Liste aufstellen werden. Jabotinsky kommt in den nächsten Tagen nach Polen, um persönlich die Wahlpropaganda zu leiten. Selbstverständlich werden die bisher führenden zionistischen Gruppen ihre ganze Kraft einsetzen, um der Opposition ent• gegenzutreten. In Galizien wird sich wohl die Wahlsituation anders gestalten. Zionistische Tagungen Sonntag, den 26. d. Mts. fand in London die Jahres- Konferenz der English Zionist Federation statt, Auf der Tagesordnung stand u. a. eine Ansprache Dr. Weizmanns. Für den Vorsitz der englischen Landesorganisation wurde die Kandidatur von Joseph Co wen aufgestellt. Am selben Tage fand in Atlantic City die 30. Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation Amerikas statt. Aus diesem Anlaß veröffentlicht das offizielle Organ der amerikanischen Zionisten, ״The New Palestine“ in seiner Nummer vom 17. Juni einen programmatischen Leitartikel. Das Blatt schildert die bisherigen Leistungen des Zionismus in Palästina, bespricht die Mängel unserer Kongresse und fährt fort: ״Eine zehnjährige Periode heroischer Anstrengung ist zum Abschluß gekommen. Die Methoden sind vielfach veraltet, und die angesammelte Erfahrung muß dazu benutzt werden, um die Methoden radikal zu revidieren, nicht im Gegensatz zu dem Geiste, der die bisherigen Leistungen ermöglichte, sondern unter dem Gesichtspunkt, daß die neue Aera uns unserem Ziel näher bringen soll. Es‘ ist klar, daß zur Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Systems die Zionistische Organisation, selbst mit der Hilfe von Nichtzionisten, die erforderlichen Mittel nicht aufbringen kann. Und selbst wenn solche Budgets beschafft werden könnten, gibt es keinen vernünftigen Grund für die Methode, alle Verpflichtungen zu übernehmen, die meisten Aufgaben der Regierung zu erfüllen und auf die Initiative, die Mittel und den Unternehmungsgeist des privaten jüdischen Kapitals zu verzichten. Es ist klar, daß die grundlegenden Aenderungen, die beim nächsten Kongreß durchgeführt werden müssen, sind: 1, Das System, alles durch das Budget zu erhalten, muß beendigt werden; 2. dem Kongreß muß die Festsetzung des Budgets abgenommen werden und 3. es muß ein System gefunden werden, demgemäß die nationalen Fonds für die Schaffung solcher ökonomischer Bedingungen verwendet werden, unter welchen das jüdische Volk in die Lage versetzt wird, mit seinen eigenen Mitteln das jüdische nationale Heim in Palästina aufzubauen. Was erforderlich ist, ist eine Konsolidicrung aller unserer Tätigkeiten, eine Einschränkung unserer Funktionen und die schrittweise Durchführung des neuen Systems.“ Die drille Konferenz der Histadmth Wie unser Korrespondent bereits berichtet hat, ist die dritte Histadruth-Konferenz für Montag, den 27. Juni nach Tel-Awiw einberufen worden. An den Wanlen zur Histadruth- Konferenz haben sich von 22 837 wahlberechtigten Histadruth- Mitgliedern 17034, d. h. 75,2 %, beteiligt. Die 201 gewählten Delegierten verteilen sich wie folgt: Achduth Haawodah und Verbündete 108, Hapoel Hazai'r und Verbündete 51, linke Poale . Zion und Borochow-Jugend 14, linker Block 8, Kwuzah-Liste 8, linke Opposition 4, Parteilose 3 und Revisionisten 2. Die Tagesordnung der Konferenz lautet: 1. Rechenschaftsbericht der Leitung mit anschließender Diskussion. 2. Die Lage im Lande und im Zionismus. 3. Professionelle Tätigkeit und Organisation. 4. Chewrath haowdim und ihre Institutionen. 5. Kulturtätigkeit. 6. Fragen der landwirtschaftlichen Kolonisation. 7. Verbindüngen mit den Galuthländem. 8. Die Beziehungen zu den arabischen Arbeitern. 9. Wahlen. Konferenz der italienischen Zionisten Rom, 23. Juni. (J. T. A.) In Anwesenheit von Dr. Victor Jacobson wurde in Mailand eine Konferenz der Zionisten aus den wichtigsten Städten Italiens abgehalten. Es wurden Beschlüsse gefaßt, die eine Intensivierung der zionistischen Arbeit unter den italienischen Juden und eine Reorganisation der. Keren Hajessod-Arbeit betrafen. Es wurde ein Präsidium der zionistischen Föderation Italiens gewählt, dem als neue Mitglieder Dr. Paolo Milano aus Rom, Dr. Dario Pitig- 1 i a n i und Giro Glas aus Florenz, angehören. Es wurde auch die Schaffung eines neutralen Komitees für Keren Hajessod- Arbeit beschlossen, welchem Vertreter der jüdischen Gemeinden Italiens und prominente italienische Juden angehören werden. Das zionistische Memorandum lOr die Mandatskommission Genf, 21. Juni. (J.T.A.) Das Memorandum der Zionilstischen Weltorganisation, das in der gegenwärtigen Session der Mandatskommission des Völkerbundes in Behandlung gezogen werden wird, beginnt mit der Feststellung, daß es eine direkte Fortsetzung des Memorandums der Zionistischen Organisation ist, das der Mandatskommission in ihrer 9. Session Vorgelegen hat. Das Memorandum bringt die wichtigsten Ziffern betreffend die jüdische Arbeit in Palästina im Jahre 1926 mit besonderer Betonung der Rolle, die der Organisation als Jewish Agency bei diesem Aufbauwerk zufiel. Einleitend wird darauf hingewiesen, daß in dem Juni 1926 unterbreiteten zionistischen Memorandum die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Palästina nach dem Stande vom 31. Dezember 1925 mit 138 000 angegeben worden ist. Wie sich jetzt herausstellt, war die Zahl zu niedrig angesetzt. Eine später von der Palästina-Regierung aufgestellte genaue Berechnung zeigt, daß am 1. September 1926 rund 158000 Juden in Palästina wohnten, die 17,60/0 der 887000 Seelen betreffenden Gesamtbevölkerun״ ausmachten. Bei der Volkszählung im Oktober 1922 betrug die Zahl der Juden 83 794, d. s. 11,1% der damaligen Gesamtbevölkerung von 757182 Seelen. Im Jahre 1926 wie im vorangegangenen Jahre war die Zunahnieder jüdischenBevölkerung hauptsächlich auf den Ueberschuß der Einwanderung über die Auswanderung zurückzuführen, obwohl dieser Ueberschuß geringer war als 1924 und weit geringer als 1925. 1926 registrierte die Regierung 13 056 Juden als Einwanderer, 1925 waren es 33 801, 1924: 12 856, 1923 : 7420. Im Jahre 1926 zählte man 7340 jüdische Auswanderer. Die Netto-Immigration betrug demnach im Jahre 1926 5716 gegen 31 650 im Jahre 1925, 10 898 im Jahre 1921 und 3955 im Jahre 1923. Die gesamte jüdische Nettoeinwanderung seit dem Kriege betrug demnach 72000 Personen, die rückwandernden Vorkriegseinwohner nicht eingerechnet. Im Finanzjahr 1926 gab die Zionistische Organisation £E 64 961 an Unterstützung für neue Einwanderer aus. Dies war nötig, um sie im Lande festen Fuß fassen zu lassen. £E 15 200 wurden ausgegeben, um neue Einwanderer in die bereits begründeten Kolonien zu bringen, wo sie als landwirtschaftliche Arbeiter tätig sind. Arbeitslosigkeit. Der Ueberschuß der Einwanderung über die Auswanderung im Jahre 1926 war schon in den ersten sieben Monaten des Jahres erreicht; in den letzten fünf Monaten zählte man mehr Auswanderer als Einwanderer. Die Auswanderung stieg in dieser Zeit zu einer ungewöhnlichen Höhe. Dieses Phänomen stand in engem Zusammenhang mit der herrschenden Arbeitslosigkeit, die ein Merkmal des jüdischen Wirtschaftslebens in Palästina im Jahre 1926 war. Oktober 1925 zählte man rund 1000 Arbeitslose, November 1925 schon 3000, April 1926 betrug die Zahl der Arbeitslosen rund 5000 und im Juli 1926 6000. In den folgenden zwei. Monaten sank diese Zahl auf etwa 4000, um dann wieder anzusteigen und gegen Ende des Jahres die Ziffer 6500 zu erreichen und eine weitere ansteigende Tendenz zu zeigen. Besonders scharf machte sich die Arbeitslosigkeit im Baufach und in den Handelsbetrieben bemerkbar, während auf den anderen Gebieten sie nicht größer als im vorangegangenen Jahr gewesen ist. Etwa die Hälfte der Arbeitslosen betraf allein aas Baufach in Tel-Awiw. Eine so große Zahl Arbeitsloser bedeutete ein schweres soziales Problem. Die Palästinensisch-Zionistische Exekutive währt aktive Hilfe, gegen Ende des Jahres stellte auch die Stützung, die nicht allein Arbeitern zugute kam, ferner £ 38 722 für produktive Erwerbslosenfürsorge, die den Arbeitern ein bis zwei Tage in der Woche Arbeitsgelegenheit gab und £ 9988 für andere Nofstandsarbeiten aus. 31 821 jüdische Arbeit4'r. Bei der letzten Volkszählung in Palästina wurden 31 821 jüdische Arbeiter gezählt, von denen 23 447 in Städten wohnten. 1058 von ihnen (4,4%) waren Absolventen einer Universität, 9715 (40,4״/öl hatten Mittelschulen, 7217 (30%) Elementarschulen. 5257 (21,8%) religiöse Schulen, 204 (1,1%) Vorbereitungsfachschulen absolviert; 545 (2,25%) hatten keine regelmäßige Schulbildung genossen. 20 000 von ihnen konnten hebräisch sprechen, lesen und schreiben. Landwirtschaftliche Kolonisation. Im Jahre 1926 war die landwirtschaftliche Kolonisation In stetigem Fortschritt begriffen. Acht Kolonien konnten bereits auf die Finanzierung seitens des Keren Hajessod verzichten, mehrere andere werden ihre finanzielle Selbständigkeit in diesem Jahre erlangen. 120 jüdische landwirtschaftliche Siedlungen gibt es in Palästina, von denen 41 unter direkter Kontrolle der Zionistischen Organisation stehen und ganz oder teilweise vom Keren Hajessod finanziert werden. Die Bevölkerung dieser letzteren Kolonien betrug 4628, das von ihnen bebaute Gebiet betrifft 25 000 Acres, von denen 75% dem Getreide- und Gemüsebau und 10% der Obstzucht dienen. 1926 erwarb der Jüdische Nationalfonds 23 Ott) Dunam, die American Zion Commonwealth 20 (WO Dunam Landwirtschaftsboden. Handel und Industrie in den Städten. Während die landwirtschaftliche Kolonisation im Jahre 1926 mit derjenigen im Jahre 1925 ungefähr gleichen Schritt hielt, ging die städtische Entwicklung weniger schnell vorwärts. Im Juli 1926 zählte man im Lande 592 in jüdischen Händen befindliehe Fabriken, in denen ein Kapital von £E 1 840 227 investiert war und die 5711 Personen beschäftigten. Im Juli 1925 waren es 547 Fabriken mit einem Kapital von £E 2 000 000 und 5000 Beschäftigten. Das Memorandum behandelt auch noch die Fragen der öffentlichen Gesundheit, die Tätigkeit der Hadassah und der Kupath-Choiim, die etwa 40% des gesamten Gesundheitswesens unter ihrer Hand haben und in allen Hospitälern, auch den Regierungshospitälern, Dienst tun. Zum Schluß wird auf das jüdische Schulwesen hingewiesen und berichtet, daß die Zahl der von der Zionistischen Exekutive kontrollieretn Schulen von 169 im Schuljahr 1924/1925 auf 194 im Jahre 1925/1926 sich erhöht hat. Die Vermehrung der Zahl der Lehrer betrug 88, die der Schüler 2350. Es wird auch eine Uebersicht über die vom Keren Hajessod und Keren Kajemeth finanzierten Betriebe gegeben und der Text des Jewish Agency-Abkommens zwischen Weizmann und Marschall vom Januar 1927 angeschlossöi. Das Gemeindegesetz Während der letzten Wochen fanden drei Sitzungen des Präsidiums und der Exekutive des Waad Leumi statt, auf denen eine Reihe von Fragen behandelt wurden. Was das Gemeindegesetz betrifft, so hat der Kolonialminister es bestätigt, ohne irgendwelche grundlegenden Aenderungen vorztinehmen. Die Palästina-Regierung hat jetzt die letzte Textierung vorgenommen und es dem Colonial Office retourniert und um die Erlaubnis zur Veröffentlichung angesucht, die für die nächste Zeit erwartet wird. Sofort nach der Veröffentlichung soll die zweite Tagung der Assefath Haniwcharim stattfinden. Die Besprechungen mit den Vertretern der Agudas Jisroel haben bisher noch zu tyinem Einvernehmen geführt. (Ziko.) Brie! ans der Schweiz Von unserem N. W.-Korrespondenten. Die Zionisten in der Schweiz stehen unter dem Eindruck der Tatsache, daß der XV. Kongreß in Basel stattfinden wird. Sie legen sich dabei Rechenschaft darüber ab, was die Landes- Organisation an zionistischer Leistung und an Fortschritten zu buchen hat. Die ehrlichen Gesinnungsgenossen gestehen offen ihre Unzufriedenheit mit sich selbst ein. Denn es ist noch־ fraglich, ob die Schweiz einen Delegierten zum Kongreß wind« entsenden können. Am 19. Juni fand in Luzern ein außerordentlicher Delegiertentag des Schweizerischen Ziouistenverbandes statt, aa der ordentliche erst im Herbst einberufen wird. Er war mit 43 Delegierten am allen Städten, in denen zionistische Vereine vorhanden sind, besucht. Die Tagung beschäftigte sich mit der Zukunft des Zentralkomitees und setzte eine Kommission ein mit der Aufgabe, durch Fühlungnahme mit einzelnen Persönlichkeiten festzustellen, wo und mit wem eine homogene Landesleitung gebildet werden könnte. Für die Wahl eines Kongreßdelegierten waren mehrere Kandidaturen in Aussicht genommen, welche eine ziemlich weitgehende Zersplitterung der Stimmen zur Folge gehabt hätten. Der Wunsch ging jedoch dahin, womöglich einen Wahlkampf zu vermeiden. Die Aufstellung der Kandidatur Dr. Julius Beckers auf dem Delegiertentag selbst, dem er in den letzten Jahren regelmäßig präsidiert, wirkte zwar überraschend, wurde jedoch mit spontanem Beifall aufgenommen. Ein-« stimmig begrüßte auch in einer Resolution der Delegiertentag die Gründung einer zionistischen Zeitschrift in der Schweiz, ״Das Jüdische Heim“, von dem bereits drei Nummern erschienen sind. Schon heute kann ohne Uebertreibung gesagt werden, daß dieses Organ der Sammelpunkt aller aktivem Elemente ist, eine Hoffnung, dem Zionismus fn der Schweiz mehr Schwung zu geben. Dazu wird zweifelsohne der XV. Kongreß in Basel das seinige beitragen. Größere Erfolge werden sich allerdings nur zeigen, wenn das neuzubildende Zentralkomitee im Herbst die ihm so geschenkten Möglichkeiten wird auszunutzen verstehen. Vor Eröffnung des Kongresses wird, wie bereits in den zionistischen Blättern zu lesen war, eine Beratung der zionistischen Frauen abgehalten werden. Der Wizo gelang es, in Basel zwei Gruppen zu bilden; die zum Teil aus Nichtzionistinnen bestehenden Gruppen des ״Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“ haben ihren drei Vereinen in Zürich und St. Gallen einen neuen! in Luzern zugefügt. Doch besteht zwischen beiden Richtungen in der Schweiz keinerlei Rivalität. Vielmehr arbeiten sie einträchtig zusammen; so gelang es ihnen, für die Kinder in Tel- Awiw recht ansehnliche Mengen von Kondensmilch und Nährmitteln (an 500 Kilo) zu sammeln, die in diesen Tagen transportfrei von der Speditionsfirma Danzas nach Palästina ab geschickt werden. Das Kongreßbureau in Basel ist schon in voller Tätigkeit. Eile ist geboten, da es wegen der bekannten technischen Schwierigkeiten, die bis in den letzten Tagen vorhanden waren, sehr spät eröffnet wurde. Doch ist alle Aussicht vorhanden, daß die Kongreßmaschinerie gut funktionieren wird, da die äußeren Umstände sehr günstig sind. Im Meßgebäude, das erst wenige Jahre alt und mit den modernsten Einrichtungen: versehen ist, lassen sich klaglos alle Pletiar- und Nebenver- Sammlungen wie Kommissionssitzungen abhalten, Bureauräumlichkeiten stehen viel mehr zur Verfügung, als beansprucht werden können, so daß sich die ganze Arbeit des Kongresses auf eine Oertüchkrtt konzentrieren läßt , Herbert Samuel Ober die Entwicklung ln Palästina London, 23. Juni. (J.T.A.) Sir Herbert Samuel wurde bei seiner Ankunft in Edinburgh von einer Abordnung der Zionistischen Vereinigung dieser Stadt begrüßt. Bei dieser Gelegenheit hielt er eine Ansprache, in der er ausführte, die politischen Schwierigkeiten, denen Palästina unmittelbar nach dem Kriege gegenüberstand, können zum großen Teil als ü b e r - wunden gelten. Die Schwierigkeit des Problems besteht darin, daß die Araber, die die große Majorität der Landesbevölkerung bilden, betreffend die möglichen Wirkungen der Existenz eines Jüdischen Nationalheims in Palästina beunruhigt sind. Ich sah die Notwendigkeit ein, diese Befürchtungen zu zerstreuen und die Araber davon z.11 überzeugen, daß sie in keiner Weise benachteiligt sein werden, daß ihre bürgerlichen Rechte und ihr Eigentum gesichert sind. Ich gewann die Ueberzeugung. daß eine Versöhnung mit der arabischen Bevö 1 ker u n g ohne Schwierigkeiten zu erreichen sei. Das Versöhnungswerk ist auch schon sehr weit fortgeschritten. Seit sechs Jahren kamen keinerlei Unruhen im Lande vor, die Atmosphäre ist von jeder Ueberspannung gereinigt. Bewundernswert ist der Fortschritt der jüdischen Arbeit. Die Juden in der ganzen Welt haben seit dem Kriege mehr als 8 Millionen — vielleicht sind es jetzt schon 10 Millionen — Pfund in land* wirtschaftlichen und industriellen Unternehmungen investiert, die Universität und andere Unterrichtsanstalten begründet und zur allgemeinen Entwicklung des Landes erheblich beigetragen. Die fünf Jahre, die ich in Palästina verbrachte, waren glückliehe für mich. Ich hatte die Freude, das Land sich entwickeln zu sehen und zu beobachten, daß die Bestrebungen des jüdisehen Volkes, in Palästina ein kulturelles und geistiges Zentrum zu begründen, glücklich erfüllt wurden. Rabbiner Dr. Salis Da ich es gab als Sprecher der Ab- Ordnung der tiefen Dankbarkeit an Sir Herbert Samuel Ausdruck. Bericht der WoHlsohn-Stfltiug Während des Jahres 1926 1927 hat die Wolffsohn-Stiftung einen beträchtlichen Fortschritt in bezug auf die Verwirkiichung ihres Hauptzieles, der Errichtung eines Wolffsohn- Hauses für die Jüdische National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem, gemacht. Die Fundamente des Gebäudes sind bereits gelegt, und falls keine unvorhergesehenen Umstände eintreten, wird der Bau in anderthalb Jahren fertig sein. Die Verwaltung der Bibliothek sieht der Zeit ungeduldig entgegen, wo sie imstande sein wird, ihr neues Heim zu beziehen, und das Direktorium der Wolffsohn-Stiftung tut alles mögliche, um den Bau zu beschleunigen. Die Bauarbeiten werden vom Solei Boneh durchgeführt undi beschäftigen augenblicklich 75 Arbeiter. Das Herzl- und Wolffsohn-Archiv, das sich gegenwärtig im Gewahrsam von Dr. Leszyns ky in Berlin befindet, wird sofort nach Fertigstellung der neuen Bibliothek in den Manuskriptsaal derselben überführt werden. Der Zeitungssaal wird nach Dr. Katzeneisohn, dem Freunde und Kollegen Wolffsohns. genannt werden. Wie bereits mitgeteilt wurde, hat die Wolffsohn-Stiftung von Frau Cilly Levine, der Tochter des verstorbenen Dr. Katzenelsohn, ein Legat von £ 3000 erhalten. Ferner haben Herr und Frau Symonds aus Sydney eine Spende von £ 5000 zugesagt, die für den Bau der Lesehalle verwendet werden, die den Namen der Mutter von Frau Symonds tragen soll. Die Summe, die die Wolffsohn- Stiftung noch in Händen hat, beträgt nach Abzug der Kosten, die im Zusammenhang mit dem Bau bis jetzt entstanden sind, noch ungefähr £ 17000. (Ziko.)

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