Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 50 (24.6.1927)
- Date
- 1927-06-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 359 Brief aus PAl&stina Einigung Im arabischen Lager? — Der ProzeB Bostani. — Schulkomplikationen. — Vor der Konteren* der allgemeinen Arbeiterorganisation. Von unserm Korrespondenten. A. G. Tel-Awiw, den 15. Juni 1927. Im Laufe der letzten Jahre sind in gewissen Abständen aus arabischen Kreisen immer wieder Nachrichten in die Oeffentlichkeit gedrungen, dat) auf die Einigung der arabischen Parteien und auf die Einberufung des siebenten arabisch-palästinensischen Kongresses hingearbeitet würde. An den Versuchen zur Einigung beteiligten sich gelegentlich syrische und ägyptische Araber von Ruf, ohne daß jemals wirklich etwas in dieser Hinsicht erreicht worden wäre. Die Gegensätze zwischen den führenden Gruppen, vor allem der Muss eini und Naschaschibi, der alte Familienstolz und •neid, haben alle diese Pläne, oft kurz vor ihrer Verwirklichung zunichte gemacht. Jetzt nach den Wahlen zu den Munizipalitäten, die für die Hussein!, die Träger der antizionistischen Politik, eine empfindliche Niederläge brachten, leben die Einigungstendenzen wieder auf. Dieses Mal wird der Versuch, zwischen den beiden rivalisierenden Familiengruppen zu vermitteln, nicht in die Form politischer Verhandlungen zwischen Parteien gehüllt, wie es früher üblich war, sondern dieses Mal tritt die familiäre Form der Verband« lungen und ihre lose Verbindung mit dem, was wir in Europa Parteinolitilc nennen, deutlich hervor. Allem Anschein nach fühlen sich die Husseini und ihre Gruppe, die sich um die ,,Arabische Exekutive“ schart, nicht wohl in ihrer splendid isolation, nachdem ihnen die Wahlen eine Niederlage gebracht haben. Die Familie der Naschaschibi sitzt wieder fest in den Munizipalitäten und hat sich durch die Verbindung mit den jüdischen Listen eine gewisse Rückendeckung in den Stadträten gesichert. Und es stehen neue Wahlen vor der Tür, die zum ״moslemischen Rat“, der bisher die unzulängliche Festung der Husseini war. Sei es aus Erkenntnis der Schäden, die der Streit zwischen den beiden Lagern bringt, sei es aus Furcht vor einer neuen Niederlage in den Wahlen zum moslemischen Rat, jedenfalls haben die Husseini jetzt wieder einen Versuch zur Einigung gemacht. Dieses Mal in der einfächeren Form eines Familienfriedens. Musa Kasim, der Führer der Husseini, hat in seinem Hause eine Beratung mit den Häuptern der Naschaschibi abgehalten, um zu untersuchen, ob ein Zusammenschluß möglich sei. Anscheinend haben die Besprechungen einige positive Resultate ergeben. Die arabisene Presse diskutiert mit Eifer diese Einfgungsbestrebungeii, die für die Entwicklung der arabischen Politik von Wichtigkeit sein können. Jedes Blatt gibt, je nach seiner Liierung mit einer der beiden Familien, andere Kommentare zu den wenigen Nachrichten, die über die Zusammenkunft im Hause von Musa Kasim Pascha nach außen gedrungen sind. Der Ruf nach Einigung ist ziemlich allgemein, wenn er auch verschieden begründet und verschieden interpretiert wird. Sollte sich diese Tendenz durchführen lassen, so kann vielleicht noch diesen Sommer auf die Einberufung des arabischen Kongresses gerechnet werden. Er hat sich bisher immer verzögert, weil über die Art seiner Zusammen- Setzung und vor allem über die Körperschaft, die ihn einberufen soll, unüberbrückbare Gegensätze zwischen den feindlichen Lagern bestanden. Und es schien oft, daß es bereits gelungen sei, alle diese Rivalitäten zu besiegen, und dann fiel im letzten Moment das ganze Gebäude in sich zusammen. Daher muß man auch dieses Mal alle Nachrichten über die Einigung der feindlichen Lager mit viel Vorsicht aufnehmen. Dennoch ist nicht zu verkennen, daß die Tendenz zu einer Verständigung in den arabischen Kreisen aller Richtungen im Laufe der letzten Zeit Fortschritte gemacht hat. * In Haifa wird zurzeit der Prozeß der ״Pica“ gegen den arabischen Rechtsanwalt B o s t a n i und seine Helfer verhandelt. ״Pica“ hat (wie wir bereits berichteten) vor einigen Jahren von der palästinensischen Regierung eine Konzession zur Bepflanzung der Wanderdünen in der Gegend von Caesarea erhalten. Bald nach der Anpflanzung bestimmter Flächen erschien auf dem bearbeiteten Gebiet Bostani mit einigen Beduinen, um einen Teil der Pflänzlinge und die Grenzpfühle auszureißen. Die ״Pica“ leitete ein Prozeßverfahren einÄtlas in diesen Tagen zum Austrag kam. Die Anklage fordert eine relativ geringe Entschädigungssumme; jedoch liegt der Kernpunkt der Angelegenheit und ihr Interesse für die Oeffentlichkeit nicht in den materiellen Schäden, sondern in der Frage der Sicherheit der von der Regierung ausgegebenen Konzessionen und dem öffentlichen Schutz solcher wichtigen Aufforstungsarbeiten, wie es die der ״Pica“ bei Caesarea sind. Der Prozeß zeigte Bostani, der als sein eigener und seiner Mitangeklagten Anwalt auftritt, als einen erstkasigen, geduckten furisten. Er nimmt den Zwischenfall zum Anlaß, um die ganze Frage der Konzessionen und Bodenübertragungen vor dem Gerieht aufzurollen, was ihm freilich Verweise scharfer Art von seiten der Richter einträgt. Interessant ist die Begründung des Urteilsspruches, der Bostani zu der — relativ milden — Strafe von £ 100 verurteilt: ״Bostani“, heißt es in der Begründung, ״ist der Hauptanstifter der Zwischenfälle und sollte daher Ciefängnis bekommen, aber da der Gerichtshof weiß, daß sich Bostani nach einem solchen Urteilsspruch sehnt, der ihn zu einem Märtyrer erhebt, hat er beschlossen, ihn mit einer Strafe von £ 100 zu belegen und auf diese VCA-ise ... ihm einen Teil dessen fortztmehmen, was er von den anderen Angeklagten als Entlohnung für seine professionelle Aufhetzung erhalten hat“. (Bostani ist als Anwalt in solchen Prozessen berühmt.) Das Urteil ist also ein hübsches Beispiel juridischen Humors. * Seit Jahren steht Palästina immer knapp vor e'n :111 Lthr.rstreik.* Es zieht kaum ein neues Halbjahr ins Land, wo nicht die Furcht besteht, daß nach den Ferien die Schulen nicht eröffnet werden können. Dieses Jahr war dauernd davon die Rede, daß die Lehrer nach den Frühlingsferien nicht weiterarbeiten würden. Gehalt war schon seit Monaten nicht gezaht worden, die alten Schulden drückten und die Lehrer erklärten sich unfähig, erzieherische Arbeit zu leisten, wenn ihr ganzes Denken davon gefangen genommen war, wie ein Darleben zu erlangen und ein Wechsel vor dem Protest zu retten Diese Argumente sind seit Jahren bekannt. Und wenn sie zu oft und zu laut werden, so wird meistens irgendein Ausweg gefunden und die Arbeit geht schlecht und recht für ein paar Monate oder ein halbes Jahr weiter, um dann wieder im ganzen Lande in Frage gestellt zu werden. Dieses Jahr, wo das Arbeitsdepartement einen großen Teil des Budgets verschlingt und die Kasse der Exekutive dauernd leer ist, ist die Läge der!..einer, die bdm Erzichtingsdepartcmcnt arbeiten, naturgemäß besonders übel. Zu Pessach standen die Dinge bercits sehr kritisch, und jetzt vergeht kaum ein Tag, wo nicht das Lchrerproblein und damit das Schulproblem in irgendeiner Form auf die Tagesordnung kommt. Iler ״Haare/.“ bringt einen Leitartikel, in welchem er die Erzählung eines Lehrers zitiert, in der die ganze Schwere dieser Existenz einen denkbar jämmerlichen Ausdruck findet. Nun haben solche Schilderungen heute in Palästina kein großes Gewicht. Jeder Arbeitslose würde wahrscheinlich mit einem Lehrer, der sein Gehalt nicht atisgczahlt bekommt, gern tauschen und in der allgemeinen 1׳’׳•dräng'״!־ (>׳w <1!c Bedräng-is eine י<׳*׳ ״״״״״ zwar 1״chJ 0e,.ah1.־ her;: : 1, aber doch irtmerhin , ־ •:J ( ., . ־.prüciie aut Vergütung hat, keinen tiefen 1 ־־ ל > ... uehkeit bleibt gleichgültig, äß1־>se ein | ju״l Es ist klar, daß diese Situation auf die Dauer nicht zu halten ist. Für das jüdische Palästina bedeuten die Schulen mehr als irgendwo anders. Sie sind der eigentliche Keim der hebräischen Kultur. Gerade jetzt, wo man in Palästina wieder neben dem Hebräischen alle nur möglichen Sprachen auf den Straßen hören kann, sind die Kinder wie eine beruhigende Insel im Meer. Und diese Sicherheit wird nur durch die hebräische Schule gcvvährlertct. Ls gibt heute vielerlei Stimmen, die von der Verkleinerung des Kufturbudgcts sprechen und von der Arbeit der Regierung auf dem Frziehungsgebiet viel erhoffen. Und cs ist vielleicht viel richtiges in dieser Argumentation. Aber solange die Zionistische Organisation die Kulturarbeit trägt, muß sie auch in vollem Ilmfange für sie aufkommen. Es geht schließlich nicht an, die Qualität der Lehrerarbeit durch grobe materielle Dinge zu gefährden. Und wenn man auch fraglos viel aufregendere Schicksale heute im Lande treffen kann, als den Lehrer, der unfähig ist, seine Schulden zu decken, so kann eben nicht alles mit dem Maß des Arbeitslosen gemessen werden, wenn die Verhältnisse und die Leistungen einigermaßen normal bleiben sollen. Die jetzige Unruhe unter der Lehrerschaft ist wie vieles andere ein Auftakt zum Kongreß. Hier wird es darauf ankommen, einen Zustand herbeizuführen, der eine ungestörte Kulturarbeit in welchem Umfange auch immer gewährleistet. * Zum 27. Juni ist die Konferenz, der allgemeinen Arbeiterorganisation nach Tel-Awiw cinberufcn worden. Sie wird unmittelbar zu den Wahlen zum Kongreß überleiten, deren Vorläufer mau in verschiedenen Vorträgen, Versammlungen und Zeitungsartikeln schon jetzt spürt. Die Konferenz ist mehr als ein halbes Jahr lang von Termin zu Termin verschoben worden. Die Zeit schien für eine solche große Tagung, die einmal in Jahren Zusammentritt, denkbar ungünstig. Das Arbeitslosenproblem überschattete alle anderen Fragen und bedrohte die reibungslose und überlegte Beratung. Jetzt kurz vor dem Kongreß hat man sicli doch entschlossen, die Konferenz einzuberufen, obwohl sich die Lage durchaus nicht gebessert hat. Dennoch ist die Konstellation heute eine ganz andere als vor einem halbän Jahr. Heute steht nicht so sehr das Arbcitslosenprobletn als allgemeine Frage auf der Tagesordnung der Arbeiterschaft. Der Angriff von außen, der sich in verschiedenen Symptomen im Lande und in der Galuthbewegung zeigt, hat das Interesse vor allem der Verteidigung der bestehenden Positionen zugewandt. Daneben nimmt die Lage innerhalb der Arbeiterorganisation und besonders in ihren verschiedenen Institutionen einen zentralcn Platz innerhalb der Aufmerksamkeit der Arbeiterschaft ein. Es gibt daher zwei Hauptgebiete, denen sich die Konferenz zuwenden kann: Die Lage der Arbeiterbewegung im Zionismus im Zusammenhang mit den Kongreßprobemen und die innere Lage der Arbeiterorganisation. Die Suininung ist heute sehr erregt durch die prekäre Lage verschiedener lnstitutionen der Arbeiter, vor allem des Solei Boneh. Und es ist fast sicher, daß die Konferenz sich einer gründlichen Auseinandersetzung über die Fragen der Arbeiter Wirtschaft nicht entziehen kann. Der Schrei nach Reformen innerhalb der Arbeiter- Organisation ist in der letzten Zeit sehr viel stärker geworden. Bisher hat man sich mit allgemeinen Kritiken begnügt, die sich in großen Zügen auf die Zionistische Organisation bezogen. Eine genaue und gründliche Kritik der Arbeiter- Wirtschaft wurde zum ersten Male vor ungefähr einem halben Jahre in dem Wahlkampf zur Konferenz laut und wurde damals in der Hauptsache vom Hapoel Hazair getragen. Er stieß damals noch auf einen starken Widerstand und seine schonungslose Kritik wurde gelegentlich als eine Verletzung der gemeinsamen Front angesehen. Heute sind dieselben Argumente auch von Kreßen außerfiälb dieser Partei aufgenommen worden und die leitenden Stellen der Arbeiterorganisation gehen zum Teil gezwungen durch die allgemeine Stimmung — daran, noch vor der Konferenz das Material für Reformen zusammenzutragen. Der Gegenstand der schärfsten Kritik war im letzten Halbjahr der Solei Boneh, der seinem Umfang und der Art seiner Arbeit auch im Zentrum des öffentlichen Interesses stand. Er war schon seit langem das Sorgenkind gewesen und es wurde im Laufe der Zeit immer klarer, daß seine schwere finanzielle Lage nicht allein den äußeren Umständen (Kapitalmangel usw.), sondern auch zu einem hohen Grade Fehlern in der wirtschaftlichen und finanziellen Leitung zuzuschreiben war. Als s׳ch die Situation zuspitzte, war vor einigen Monaten die Notwendigkeit gegeben, Geld bei einem Rankkonsortium aufzunehmen, das einen Governor in die Leitung des Solei Boneh entsandte. Diese Sanierung rettete die Lage nur für eine relativ kurze Zeit, und der Solei Boneh steht heute so prekär, daß er nicht imstande ist, neue Verträge abzülchließen. Innerhalb der Arbeiterschaft hat sich der Unwille über den Mißerfolg mit der Tendenz zu durchgreifenden Aenderungen im Aufbau des Solei Boneh vereinigt, ln welcher Richtung die Aenderungen gehen werden, ist heute noch unbestimmt. Die Leitung der Arbeiterorganisation hat unter dem Druck der Verhältnisse zwei Kommissionen eingesetzt: die eine, um zu untersuchen, auf welchen Grundlagen der Solei Boneh rekonstruiert werden soll und eine zweite, um zu untersuchen, auf welche Weise die Verträge über die neuen Arbeiten abzuschließen sind. Von diesen be <1 n Punkten aus soll eine gründliche Revision des Solei Boneh i,1 Angriff genommen werden. Daneben hat eine zweite Untersuclnings- Kommission innerhalb der Arbeiterorganisation Reformen der Gehälterverte'lung in Angriff genommen. Nachdem von der Arbeiterschaft aus eine scharfe Kritik der Geliälterordmmg innerhalb der Zionistischen Organisation geübt worden war, beginnt sie jetzt anscheinend damit, bei sich seihst Verbesserungeii auf diesem Gebiete einzuführen. Innerhalb der Arbeiterorganisation war eine Gcluiltsskala geltend, die sich au die Einkünfte eines vollbeschäftigten ungelernten Arbeiter mit verschiedenen Modifizierungen anschloß. Diese Skala ist in manchen Faßen überschritten oder durch Vorschüsse an Einzelne unwirksam gemacht worden. Heute, wo es Tausende von Arbeitslosen gibt, die kaum satt zu essen haben, haben diese Fälle, die bekannt — und wie üblich stark übertrieben wurden — grollen Unwillen erregt. Daher hat die Organisation eine Untersuchungskomnüssion eingesetzt, die jetzt die Resultate ihrer Arbeit veröffentlicht. Daran schließt sich eine Reihe von Vorschlägen, zur Aemlerun״ der bestehenden Verhältnisse (Abschaffung von Vorschüssen usw.) Die Konferenz wird anscheinend mit einer scharfen Kritik von innen und einer ganzen Reihe von gründlichen Reform- Vorschlägen zu tun haben. Wenn es gelingen solbe, die nötigen Reformen durchzusehen und in Kürze'durchzuführen, so wäre damit auch für den Kongreß ein guter Start ge■ schaffen. Das Zollabkommen mit Syrien Jerusalem, 20. Juni. (J.T. A.) Im Zusammenhang mit der Mitteilung über Verhandlungen zwischen dein britischen Finanzminister Churchill und der französischen Regierung betreffend den Abschluß eines neuen Zollabkommens zwischen Palästina undSyrien hat die Vereinigung der p a 1 a s t ine 11 si sc heil Industriellen beschlossen, hei der hritisehen und Palästina-Regierune Vorstellungen gegen das geplant׳• Abkommen zu erheben. Die!r.clüsMelleu-Orgaiiisatism ist der *et da£ 'dustri; rrien oi,.l Presse-Schau In der ״V o s s i s c 11 c n Zeitung“ vom 11. und 10. Juni berichtet die Frauenrechtlerin Lenka von Koerber über Frauenleben und Kindererziehung in Palästina. Im ersten Auf• satz bespricht sie die rechtliche Lage der Frau und hebt als bedeutungsvolles Ereignis hervor, daß in der jüdischen Dele gieitenversammlung (Asscfath Haniwcharim) 15 Frauen sitzen. Sie gibt sodann eine ausführliche .Schilderung verschiedener Frauentypen, insbesondere der orientalischen Jüdinnen. Im zweiten Artikel bespricht die Verfasserin das jüdische Schulwesen und hebt besonders die Arbeitsschule, die nach modernsten Methoden geleitet wird, hervor. Sehr lobend erwähnt sie die ״Arbeitsschule in Haida“, in der alle Arbeiten von den Schülern selbst durchgefiihrt werden. Wenn sie im Anschluß daran sich abfällig über die ״Realschule in Haifa“ äußert, die sie als ״gänzlich europäisch, dazu altmodisch im Aufbau“ bezeichnet, so scheint ihr ein Irrtum unterlaufen zu sein, der unseres Erachtens berichtigt werden müßte, Denn was sie ״Arbeitsschule in Haifa“ nennt, kann nach der ganzen Schilderung nichts anderes sein als die unter Leitung von Dr, Birarn stehende Realschule, so daß offenbar ein kleiner Gcdächtnisfehler vorliegt. Frau v. Koerber schildert dann noch die Kindererziehung in den Siedlungen und schließt mit folgenden Worten: ״Unter der schlechten Ernährung, die leider in vielen Siedlungen aus Geldmangel unvermeidlich ist, haben die Kinder nicht zu leiden, denn es wird alles dafür getan, um sie zu kräftigen Menschen zu erziehen. Es ist zu wünschen, daß die späteren Ergebnisse dieser Erziehung im Verhältnis zu dem fabelhaften Idealismus stehen, mit dem In den Siedlungen gearbeitet wird.“ In der ״Internationalen Z e i t s c 11 r i f t für In• dividualpsychologi c“, die mit dem Untertitel ״Ar• beiten aus dem Gebiete der Psychotherapie, Psychologie und Pädagogik“ von Dr. Alfred Adler in Wien herausgegeber wird, erschien im 3. Heft (Mai-Juni 1927) ein Aufsatz ״,N ationaljudentu m“ von Albert E 11 r e n s t e i n. Mit Albert Ehrenstein hat sich bereits vor einiger Zeit Gorelik in der ״Jüdischen Rundschau“ (Nr. 28 d. Jhrg.) beschäftigt. Der neue Artikel ist ein־ unflätiges Geschimpfe gegen den Zionismus, gespickt mit Mauschelworten, die zur Cnarakteristik des Ghetto-Niveaus des Autors genügen. Wir versagen es uns, unseren Lesern Proben dieser Pikanterien vorzuführen Es i;,t nur völlig unbegreiflich, wie eine ernste Zeitschrift die auf wissenscltaft'ichen Ruf Anspruch erhebt, ein solche! Pamphlet, das mit dem Gegenstand ihrer Wissenschaft nicht das geringste zu tun hat, zum Abdruck bringt. Oder wollt« vielleicht Alfred Adler einen Patienten demonstrieren? In der in Kairo erscheinenden Zeitung ״L’Aurore“ veröffeiitlicht der Delegierte des Keren Hajessoa in Aegypten, Dr. J. Buchmill, einen Artikel ״Dreißig Jahre zionistischer Ent- Wicklung“, in welchem er den Werdegang der Zionistischen Organisation und ihrer Institutionen seit Herzls Auftreten darstellt. Kleine Nachrichten Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, sich an den Vorarbeiten für die Einrichtung einer Sonderabteilung ״Die Presse der Juden“, bei der im Mai 1928 in Köln zu eröffnenden Internationalen Presse-Aus• Stellung ״PRESSA“ zu beteiligen. 21 jüdische Steinarbeiter sind in Amman, der Hauptstadt von Transjordanien, eingetroffen. Sie sind beim Bau des Hauses für den britischen Vertreter in Transjordanien beschäftigt. Ein jüdischer Wächter der Kolonie Hulda wurde in der Ausübung seines Dienstes von einem arabischen Dieb angefallen und durch Messerstiche schwer verletzt. Sein Zustand ist außerordentlich ernst. Am Sonntag, den 19. Juni, wurde auf dem israelitischen Friedhof zu Eger ein Denkmal für den zu Beginn des Weltkrieges gefallenen jüdischen Dichter Dr. Hugo Zuckermann enthüllt. Wie das zionistische Zentralorgan ״Haolam“ berichtet, gebt die Arbeit in der Zigarettenfabrik von Lubiiner in Tel-Awiw trotz der Krise normal vor sich. Die Zahl der■ Arbeiter wurde keineswegs verringert. Die Zigaretten dringen auch in die arabischen Konsumentenkreise ein. Unter dem Namen ״Bank Yehudi Ltd.“ wurde mit einem Kapital von £E 100 (KW eine Bank begründet, die kleine Hypothekendarlehen an Angehörige des Mittelstandes geben wird. Dr. S. Rose 11 b a 11 in , der litauische Generalkonsul für Palästina und fiühere Minister für jüdische Angelegenheiten Litauens, ist der Präsident der neuen Bank, die im August ihre Arbeit aufnimmt. Der Jüdische Nationalfonds hat im Tale Jesreel (Emek) weitere 9727 Dunam Boden zwecks Aiisiecllung misrachistischer Arbeiter erworben. Der Arbeiterrat der jüdischen Stadt Tel-Awiw hat am 22. Mai 1927 in Tel-Awiw, Jaffa und in anderen Arbeitsstiidteu eine Zählung der jüdischen Arbeiter und Angestellten, die an diesem Tage an den Arbeitsplätzen waren, vorgeiioinmen. Es arbeiteten an diesem Tage in Tel-Awiw 5407 Arbeiter und Angestellte, die Mehrzahl auf einem ständigen Arbeitsplatz. London, 17. J uni. (J. T. A.) Im April 1928 wird in Jerusalem die Tagung des 1 n t e r n a t i 0 n a I e n M i s s i 0 n srat cs der protestantischen Kirchen stattfinden. Felix M. W a r b n r g, Präsident des Joint Distribution Committee und Mitglied der Jewish Agency-Kommissioit, ist wieder in New York eingetroffen. Am 1*8. und 19. Juni veranstaltete der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eine von annähernd 400 jüdischen Juristen aus Berlin und aus dem Reiche besuchte Tagung, die sich mit den Fragen der deutschen Justiz, soweit sie Juden und Judentum be• treffen, beschäftigte. Das Departement für städtische Kolonisation der Zionistisehen Exekutive hat in den Monaten Januar-April Darlehen im Betrage von AE 5188 aus den Mitteln des Keren Hajessod als Darlehen an jüdische industrielle in Tel-Awiw, Haifa und Jerusalem gegeben. Der Keren Kajemcth hat soeben ein neues Diplom für die Eintragungen in den Jubiläumsband des Goldenen Buches hcrausgcbraclit. Das Diplom »teilt die farbige Wiedergabe des Tempclplatzcs dar nach einem Gemälde, das Hermann Struck dem Kcrcu Kajemcth für diesen Zweck zur Verfügung gestellt hat. Der diesjährige ״Große Ureis für Literatur“ der französischen Akademie wurde dem bekannten Romanschriftsteiler Joseph Kessel‘, einem Juden, verliehen. Der Verband der Moslemiten von Nablus richtete an den Oberkommissar Lord, JAhuncr, der sich gegenwärtig in Eng- Find ,vifhält, ein Tc->6ramn.' mit der Bitte, die Zustimmung .1 .״,י ■״,!.,ן.׳,,-״ס. . •י• Finri'-Mung “iner parlamcntari- ::ilii'1.'