Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1927)
- Date
- 1927-06-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 352 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 40 Zum Spradienstrcii in Tel Awiw Zu dem Artikel über ״Hebräisch und Jiddisch“ und der ״Nachbemerkung“ in Nr. 44 der ״J. R.“ erhielte» wir eine Reihe von Zuschriften, von denen wir zwei (trat unbedeu- Senden Kürzungen) wiedergeben. Der Tatbestand ist unseren Lesern bekannt: Es handelt sich um die Kritik der Bankettreden B i a 1 i k s und F i c h m a n n s anläßlich des Empfangsabends für Schalom Asc h. Die Redner versuchten, eine Formel zu finden, um den destruktiven Kampf zwischen militantem Hebrais- ■ms und militantem Jiddischismus aus der Welt zu schaffen und beide Kulturbewegungen auf den Weg produktiver Kulturarbeit zu beschränken. Gegen die Hauptredner wurde in Palästina eine Agitation eingeleitet, die — unabhängig von sachliehen Einzelfragen — in ihrer Maßlosigkeit nach unserer Meinung verurteilt werden mußte. Wir halten an diesem Standpunkte (ebenso wie an der in dem Aufsatz von Dr. Spitzer in großen Umrissen dargelegten sachlichen Stellungnahme) fest, geben aber auch Andersmeinenden das Wort. Mit den beiden folgenden Aufsätzen müssen wir freilich für diesmal das Thema abschließen. Red, I. Hebräischer Terror?! (Bemerkungen zu einem Nachwort.) Al* ״alter Kämpfer“ für das Vorherrschen des Hebrlischen In unserer Renaissance verlasse ich mich auf die Toleranz und Loyalität der ״J. R.“ und hoffe, daß R. W, mir gestatten wird, nicht etwa die Terroristen und Demagogen der Legion zu verteidigen, die meiner Verteidigung nicht bedürfen, sondern die Leser der ״J. R.“ über einige Punkte aufzuklären, die teils m. E. der Aufklärung bedürfen und auch Tatsachen in diesem Zusammenhänge zu erwähnen, die erwähnenswert sind. R. W. stellt den nun wieder ausgebrochenen Sprachenstreit etw׳a folgendermaßen dar: BiaTik in Opposition zur Legion und zu den Nur-Hebräern; hie Bialik — hie Legion, und zeigt auf die Kuriosität der Tatsache hin, daß ״man gegen Bialik die hebräische Sprache in Schutz nimmt“, wenn es eine Tatsache gewesen wäre — wäre sie mehr als kurios. Sie ist es aber nicht. Nie ist ein hebräischer Dichter mit dieser Liebe, Ergebenheit, Ehrfurcht und Enthusiasmus —־ beinahe Vergötterung — in Permanenz bei uns ge־ feiert worden wie Bialik in Palästina und besonders im inkriminierten Tel-Awiw. Selbstverständlich mit Recht, und zwar von allen Schichten des Jischuw, vor allem aber — von der Legion und den ihr nahestehenden Kreisen. Weder in Odessa noch in Berlin. . . Bialik will aber nicht nur Dichter und Schöpfer sein; von Zeit zu Zeit mochte er auch Politik treiben, seine Politik, wie er sie vielleicht auch in Odessa getrieben hat, das Spezifische des Milieu in Tel-Awiw übersehend. Man kann niemanden der Heresie oder Mangel an Kultur bezichtigen, der nicht den Dichter mit dem Politiker identifiziert. Naturgemäß stößt Bialik der Politiker auf die Resistenz und Proteste Andersdenkender. Das soll schon auch bei Nicht-Juden und Nicht-Hebraisten passiert sein. Um beim vorliegenden, von R.W. gegeißelten Falle zu bleiben, sei es mir gestattet, zu erklären, daß die Legionäre und Nur-Hebraisten nicht minder wie R. W. von der Größe, Schönheit, Unsterblichkeit der Dichtung Bialiks überzeugt und von seiner gewaltigen Verdienste um die Bereicherung und die Modernisierung unserer Sprache voll bewußt sind; trotzcf*»״?-* vielmehr — deswegen pfotestieren sie aufs leb* ־haftest# gegen jegliche Kompromißversuche Bialiks und Ascns bezüglich der Verteilung von ״Eintlußzonen“. zwischen Jiddischem und Hebräischem auch in der Diaspora. Und das ist ihr gutes Recht; obwohl diese ganze Verteilungspolitik nicht über den Rahmen einer Banlkettrede in Tel-Awiw, wo ohnedies viel zu viel geredet wird, hinausgeht. . . . Deshalb aber die Legionäre als Terroristen, Demagogen usw. usw. sozusagen offiziös zu verurteilen und ihnen kulturwidriges Verhalten vorzuwerfen ... es scheint mir, um mit R.W. zu sprechen — ״daß man sofort alle Dinge ungebührlich aufbläst, die Maßstäbe verliert und die Grenzen des Erlaubten weit überschreitet“. Alle Zionisten, auch diejenigen, welche bisher noch keine Zeit, Lust und Gelegenheit gefunden haben, Hebräisch zu erlernen, sind auf den Sieg des Hebräischen in Palästina sehr stolz. Die Auferstehung unserer Nationalsprache in Palästina gehört zu den absolutesten, nicht wegzuleugnenden Errungenschaften des zionistischen Aktivs in Palästuia. Dieser Errungenschaft wird auch seitens der schlimmsten Gegner unserer Renaissance Anerkennung und Ehrfurcht gezollt. Auch der nicht-jüdischen Welt hat dieses Wunder mehr imponiert als manche unserer Experimente auf sozialen und kolonisatorischen Gebieten und viele wertvolle politische Sympathien entstanden dank der unwiderlegbaren Tatsache der Auferstehung des Hebräischen in Palästina. Und wem haben wir diese Tatsache zu verdanken, wenn nicht den Fanatikern des Hebräischen, die man heute als Terroristen, Demagogen usw, beschimpft?! — Ben-Jehuda, der erste Prophet des modernen, lebendigen Hebräisch, wurde seinerzeit — vor etwa 40 Jahren — von seinen Intimen in Jerusalem (J. M. Pines u, a. m.) ebenso wie von den Führern der Chowewe-Zion in Odessa (Lilienblum, Achad Haam) als ״Meschugga“ bespottet; dies hat ihn glücklicherweise nicht von seiner nebräisch-revolutionären Tätigkeit abgehalten. Trotz Spott, Verhöhnung und Verfolgungen gründete er die erste wieder-Hebräisch sprechende Familie und setzte es durch Fanatismus und ״Demagogie“ durch, daß die ersten jüdisch-nationalen Schulen Hebräisch als Lehrsprache einführten. Nach seinem Tode übernahm die Legion die Fahne des Nur-Hebräischen und kämpfte unermüdlich für das Vorherrschen des Hebräischen in der jüdisch-nationalen Renaissance; wenn diese Legion und diejenigen, welche für Nur-Hebräisch und das integrale Hebräisch in Palästina kämpften, auf Kompromisse bezüglich unserer nationalen Sprache eingingen, und solche wurden aus Trägheit, Weitsichtigkeit mancher friedensliebcnden Politiker, taktischen, kulturellen u. a. Gründen von ihnen immer wieder verlangt — so hätten wir trotz Bialik, Fichmann in Tel- Awiw und Jerusalem neue, konzentrierte Ghetti, wo man, wie in Odessa, Berditschew, Prag usw., herrliche hebräische Gedichte und Bücher, oder auch in anderen Sprachen über Hebräisch und Chassidismus schreibt, zu Hause jedoch, in der Schule und auf der Straße russisch, deutsche tschechisch usw. spricht. Diese Errungenschaft der Legion sollte nicht vergessen werden; sie sollte vor allem verstanden werden. Comprendre c’est pardonner. Und die rednerische Entgleisung jenes Direktors einer Erziehungsanstalt, welcher sich nie durch diplomatisches Verhalten auszeichnete, sollte nicht als ״schlechte Zeichen für das Niveau eines Teiles des Jischuw“ stigmatisiert werden , . . und wenn, beim ״Einschlagen von Fensterscheiben“, was vermutlich dieser Herr Direktor so temperamentvoll empfohlen hat, ״von allgemeinen nationalen Interessen, die auf dem Spiele sind“, gesprochen werden kann, so ist auch die Frage wohl erlaubt, ob die bisher gottlob noch nicht zerschlagenen Fensterscheiben des Herrn Bialik etwa nationaler sind als die Fensterscheiben des Herrn Pewsncr, Haifa, weiche leider einige Tage nach dem Tode seines Schwiegervaters, Achad Haam, aus einem weniger edlen und idealen Motive als der Sprachenkampf, wirklich eingeschlagen wurden. . . . So schlimm ist das ,,kulturwidrige“ Verhalten der Legionäre nun doch nicht! Eher ist in der letzten Zeit infolge diverser kompromißlerischer Einflüsse, in ihrem bisherigen Eifer ein Nachlassen bemerkbar, was, vom hebräischen Standpunkte betrachtet, sehr zu bedauern ist. So wäre es noch vor zwei bis drei Jahren ganz undenkbar gewesen, daß man in Tel-Awiw, auf einem Bankette der hebräischen Schriftsteller, einem Schriftsteller, welchem das Hebräische keineswegs fremd ist, gestattet worden ist, jiddisch zu sprechen, oder einem Buber, der eigentlich die Herrschaft des Hebräischen in Palästina wünscht, die Möglichkeit gegeben worden wäre, auf dem Har-Hazofim, in der Hebräischen Universität — deutsch vorzutragen. Allerdings wäre es für diese Herren und auch für Palästina weit erfreulicher, wenn sie sich die kleine Mühe gegeben hätten, ihre zweifelsohne schönen und geistreichen Gedanken vor ihren Hörern in Palästina hebräisch vorzutragen. Ich hoffe, bei dieser Konstatierung mich nicht der Flegelei schuldig gemacht zu haben. Jedenfalls bedeutet Toleranz der Legion aera Jiddischen und fremden Sprachen gegenüber im öffentliehen jüdischen Leben Palästinas das Aufgeben ihres Zieles. M. E. geht die Toleranz bezüglich der Sprache zu weit, indem in Palästina höhere zionistische Beamte geduldet werden, welche dort jahrelang leben und sozusagen mit ihrer Unkenntnis des Hebräischen protzen, während höhere Regierungsbeamte und arabische Politiker hebräisch aufs gründlichste erlernen. R. W. will, daß die Legionäre die ״Distanz“ wahren möchten, auch wo sie im Rechte zu sein glauben. Das ist wirklich zuviel verlangt. Die Legionäre können und dürfen auf solche Differenzierung von feinen und feinsten Per• sönlichkeiten nicht eingehen. Nicht ״der Rebbe darf“, sondern —• Plato amicus, sed magis amica veritas kann und soll ihre Losung sein; wenn sie R'uben und Schim’on gegenüber mit ihren Forderungen des integralen und absoluten Hebräisch in Palästina kommen, dann — Bialik, Buber und Fichmann gegenüber erst recht! Wenn ich derartige Polemiken mit den palästinensischen Verfechtern des Hebräischen in Palästina lese, frage ich mich: hat man denn in offiziösen zionistischen Kreisen gar kein Verständnis für die geistige Einstellung der geistigen Chaluzim in Palästina? Versteht man denn nicht, daß aen Palästinensern der Gedanke unerträglich ist, daß Männer wie Buber und Asch keine Anstrengung machen, um ihr Allerheiligstes zu ehren? Allen, welchen die vollständige Hebraisierung Palästinas und der jüdischen Renaissance ein wesentlicher Teil ihres Zionismus ist, können die Legion zu ihrer bisherigen Tätigkeit nur beglückwünschen und ihr ״Hizku we’imzu!“ zurufen. Wenn sie nicht da wäre — müßte sie geschaffen werden — und nicht nur in Palästina. Hätten wir eine organisierte Gruppe derartiger radikalen Hebraisten innerhalb der Zionistischen Organisation, so stände es auch ganz anders um unsere Kulturarbeit in der Diaspora; das Hebräische wäre nicht wie jener arme Verwandte behandelt, der in der Woche versteckt und mißachtet wird und nur an Feiertagen, zu gewissen Paradezwecken nach außenhin, hervorgeholt wird. Auch die verschiedenen Kongreßresolutionen betreffend der hebräischen Sprache in der Zionistischen Organisation wären vielleicht zur Ausführung gelangt. . . . Paris, im Juni. A. Hermoni. H. ’''י1״ —י'•־' ' ««er gefährde! das Hebräische? Von Dr. Chaim Koffler, Riga. Daß der alte Sprachenkampf, der in seiner doktrinär-unpro• duktiven Form in dem Augenblick aufgehört hat, als bei den Sprachrichfungen im Judentum die Möglichkeit praktischer Be• tätigung in Schule und Leben gegeben wurde, nun in Palästina wieder auflebt, ist bedenklich und ein Beweis mehr für die Stagnation in der hebräischen Kulturbewegung. Gleichwohl verdient die Diskussion, die in den letzten Wochen in Tel-Awiw aus Anlaß eines Bankettes für Asch und Hirschbein eingesetzt hat, wenn man vom T011 persönlicher Gehässigkeit aEsieht, allgemeiner Beachtung. Schon die Art, in der namhafte Schriftsteller Palästinas für die Erhaltung des Hebraismus in der Galutli, der bisher in Palästina leider nicht die entsprechende Beachtung gefunden hat, eintreten, ist durch• aus erfreulich. Nun soll aber einiges, was über die Krise des Hebraismus außerhalb Palästinas und deren .Gründe gesagt wurde, richtiggcstcllt werden. Im Mittelpunkt der Debatte steht die an die Wand gemalte Gefahr einer Abzirkelung der Arbeit*• territorien für ״Jiddisch“ und ,,Hebräisch“, wobei das Hebrä• ische in der Galuth dem Jiddischen den Vorrang überlassen soll. So naiv der Vorschlag Aschs war, ebenso unbegründet ist die Angst, in die er die Herren, die gegen ihn in den ״Ktuwim“ polemisieren, versetzt hat. Unsere Freunde in Palästina können beruhigt sein: Die Hebraisten in der Galuth, der hebräische Leser, die Eltern, die ihre Kinder in hebräische Schulen schicken und schon gar der hebräische Lehrer, betrachten sich durchaus nicht als Austauschobjekt. Sie betätigen ihren Hebraismus aus einem inneren Bedürfnis heraus und naben niemanden ermichtigt, über sie zu verfügen. Ueberhaupt ist die Angst der Herren vor dem Jiddischismus übertrieben und dessen Beurteilung unbillig. So sehr man es bedauern mag, daß unsere ohnehin geringen geistigen und nationalen Energien im Sprachenkamm verzehrt werden, die Zweiheit der Sprachen genört einmal mit zu den Ausmaßen unserer Galuthexistenz, Wir dürfen da niemandem seine unserer entgegengesetzte Anschauung zum Vorwurf machen und eben sowenig, daß er diese seine Anschauung im offenen, ehrlichen Kampf zur Geltung bringen will. Aber heute besteht von seiten des Jiddischismus für Erhaltung des Hebräischen in der Galuth die geringere Gefahr. Wer die Verhältnisse in Osteuropa kennt, weiß, daß beide Richtungen in einem gleich schweren und verzweifelten Kampf stehen gegen — die beispiellos starke Assimilationsbewegung, die sich anschickt, die mit schweren Opfern errichteten Kulturanstalten beider Richtungen zu überrennen. Charakteristisch hierfür ist Polen, das Land der größten jüdi■ sehen Massensiedlung in Osteuropa. Da stehen die hebräischen Schulen sowohl, als die jiddischen int Zeichen einer schweren finanziellen und derzufolge auch geistigen Krise, die schier unüberwindlich ist. Die Positionen, die beide dauernd verlieren, gewinnt die polnische Schule. Dabei muß man, wenn man ehrlich ist, gestehen, daß die Schuld nur zum geringeren Teil die polnischen Behörden trifft. Es ist eine traurige Erscheinung, dab zugleich mit dem vollkommenen Debakel der politischen Assimilation die praktische Assimilation in der Judengasse ein• gesetzt hat und immerzu an Boden gewinnt, in diesem Zusammenhang soll einmal offen herausgesagt werden, daß auch die polnischen Zionisten ein großer Teil der Schuld an diesem Zustand trifft. Nicht nur, daß die Zionisten so wenig Verständnis für das rein hebräische Schulwerk zeigen — und dies sehr im Gegensatz zu dem Verhältnis der folkistiscben und bundistischen Politiker zur jiddischen Schule! —, sondern daß sie durch Errichtung und Erhaltung von jüdischen Schulen mit polnischer Unterrichtssprache der Regierung die Argumente gegen Anerkennung und Subventionierung der hebräischen bzvv. jiddischen Schulen geradezu in die Hana spielen. Wie können wir von den polnischen Schulbehörden ein Verständnis für unsere Forderung nach einer hebräischen Schule erwarten, wen« prominente zionistische Führer an der Spitze der pseudonebräi* sehen polnischen Schulen stehen und diese als den jüdischen Schultypus schlechthin hinstellen. Es soll nicht geleugnet werden, daß die polnischen Judenschulen den assimilatorischen Tendenzen der Masse nahekommen, aber daß verantwortlich* zionistische Führer es sind, die sie fördern, ist eine Schmach, die um so schwerer erscheint, als sie den Hebraismus über* Haupt diskreditiert. Man wird sich da nach Kenntnis dieser Tat* bestände nicht über die jiddischistischen Phrasen von einer ״zionistisch-hebraistischen“ Assimilation aufregen dürfen! Von Zeit zu Zeit werden die Juden in der ganzen Welt von der Zionistischen Organisation in Polen zur Forderung und Erhaltung der einzig-hebräischen Tageszeitung in der Galuth, der Warschauer ״Hazefirah“ aufgerufen, die das polnische genoß, erhalten kann. Aber zu' gleicher Zeit bestehen drei zionistische Organe in polnischer Sprache, die in den letzten Jahren gegründet wurden und deren Leser sich durchaus nicht aus ehemaligen Lesern der polnischen Presse rekrutieren. Es ist zumindest naiv, die Jiddischisten für den Untergang der hebräischen Presse und das schwere Ringen der heoriuche» Schule in der Diaspora verantwortlich zu machen, wo die wirk* lieh Schuldigen so nahe und im eigenen Lager zu finden sind. Unsere palästinensischen Freunde sollten angesichts dieser Tat* Sachen ihren Groll dorthin wenden, wo er berechtigt ist, und ihren Protest an die richtige Adresse richten. Dankenswert waren die Worte des Protestes gegen die Verfolgung der hebräischen Sprache und Kultur von seiten der Jewsekzia. Es wäre zu wünschen, daß sie den Auftakt geben zu einer großen Protestbewegung gegen den wahn* witzigen Krieg, den die Jewsekzia einer uralten Kultur er* klärt hat. Aber auch hier kann man die palästinensische Schriftstelleropposition nicht den Vorwurf ersparen, daß sie sieb wieder einmal an die unrichtige Adresse gewendet haben. Di« Jewsekzia ist lange nicht mehr ein Exponent des Jiddisch»• mus. Sie macht aus ihren, letzten Endes assimilatorischen, Ten* denzen keinen Hehl. Es ist unbillig, den Jiddischismus von der Couleur des Asch und Hirschbein für die U ebergriffe der Jewsekzia gegen den Hebaismus verantwortlich zu machen, zumal diese mit dem Hebraismus zugleich ״das nationale Pathos des Jiddischismus als Selbstzweck unaufhörlich bekämpft und die jiddische Sowjetpresse den ״Stamm-Jiddischismus“ täglich höhnt. Die sicherste Gewähr für einen Erfolg in unserem Abwehrkatnpf gegen die Jewsekzia ist, daß wir uns in Palästina nicht ebenfalls der Gewalt bedienen. Die Kampfesmethoden der Herren ״Sprachlegionäre“ sind darum unklug und leisten dem Galuthhebraismus einen Bärendienst, indem sie zur Erfindung von Schauermärchen über die Verfolgung der ״Jiddischisten“ in Palästina Anlaß und der Jewsekzia die Ausreden für ihre Kampfesweise geben. Es wurde schon an dieser Stelle ausgeführt, daß die Herren Sprachiegionäre bei einigem guten Willen dankenswertere und wichtigere Aufgaben fänden, als Reden Bialiks z11 zensurieren, was ihnen nicht zukommt und was sie bei einiger Ehrfurcht vor der hebräischen Kultur wohl unterlassen würden. Ich bin in der Lage, eine solche lohnende Arbeit zu nennen und die wäre wohl, wenn sie ihre Aufmerksamkeit dem in Palästina und auch in ihren eigenen Reihen gesprochenen und dem in Palästina geschriebenen Hebräisch mit besonderer Berücksichtigung der zionistischen Amtssprache zuwenden wollten, die durch Versündigung gegen den Geist der hebräischen Sprache mehr Verheerungen am alten Sprachgut anrichtet, als ihm Bialik durch seine aufbauen• den, schöpferischen L«OTungi« je nutzen konnte! Meine Nachrichten Dr. Lee K. Frankel, eines der Mitglieder der Jewish Agency-Kommission, veröffentlicht in der palästinensischen Presse eine Erklärung über die (unseren Lesern bereits bekannten) Ziele der Kommission. Warschau, 15. Juni. (J. T. A.) Gestern trat der in der gesamten chassidischen Welt hochangesehene ״Gerer Rebbe“ eine Reise nach Palästina an. Tausende seiner Anhänger, unter ihnen der Abeordnete Kirschbraun, gaben ihm das Geleit zum Bahnhof. Nach einer Meldung des ״Algeraeen Handelsblad“ wird in protestantischen Ländern die Gründung eines evangelisch-lutherischen Patriarchats in Jerusalem erwogen. Als künftiger Patriarch wird der Erzbischof von Upsala, Soederblom, genannt. Im Monat Mai besuchte eine Delegation des Keren• Hajessod-Hauptbüros in Jerusalem, bestehend aus Rabbiner Levv, Dr. Hans Kohn und Dr. Helfmann Syrien. Im Verlag der zionistischen Exekutive in London ist vor kurzem eine hebräische Broschüre erschienen, die den von Spri n zak auf der Pressekonferenz des Keren-Hajesscd-Buros in Jerusalem erstatteten Bericht über die Tätigkeit des Arbeitsdepartements der Zionistischen Palästina-Exekutive enthält. Die Vereinigung der Tabakpflanzer in Palästina hat An• fang Juni 750(» kg Tabak aus der Ernte 1925 zum Verkauf auf den Hamburger Markt geschickt. (Ziko) In den ersten acht Monaten des Finanzjahres 5687 (Ok• tober 1926 bis Mai 1927) gingen für den Jüdischen Nationalfonds £E 164 882 ein; der monatliche Durch״ schnitt ist etwas mehr als £E 20 000. In der gleichen Periode des vergangenen Jahres gingen £E 178 250 ein; der monatliche Durchschnitt betrug damals £E 22281. Am 11. Juni verstarb in London im 58. Lebensjahre Lord Louis Samuel Montagu Swaythling, der Chef dea bekannten Bankhauses Samuel Montagu & Co. Er war bis vor kurzem Präsident der Föderation der englischen Synagoge« und als solcher einer der Führer der konservativ-religiöse« Juden. Der frühere Finanz- und•» Verkehrsminisfer Aegyptens, Joseph Cattaui Pascha, Präsident der Jüdischen Ge״ meinde von Kairo, wurde zum Vertreter Aegyptens auf dem im September in Rio de Janeiro tagenden Handelskongreß der Parlamentarier bestimmt. Die Witwe von Israel Z a n g w i 11 hat die Urschrift einei vcm Israel Zangwill unbeendet zurückgelassenen Novelle ״Det Baron von Offenbach“ dem Britischen Museum ge״ schenkt. (Warum nicht der Jerusalemer Nationalbibliothek? - A. J. R•) Oberrabbiner Kuk richtete ein Schreiben an den Rabbiner von Kischinew und früheren Senator Zirelson, in welchem er ihn im Namen der orthodoxen Judenschaft Palästinas zu seinem mutigen Verhalten im Kampfe für den Schutz der Jude«!und der jüdischen Rechte in Rumänien beglückwünscht. Am 9. und am 10. Juni wurde in Darmstadt der 18. Reichs• verbandstag des Tierschutzvereins abgchalten. Es wurde ein Antrag auf allgemeine Durchführung des Betäubung*• zwanges bei Schlachtungen (also auch beim Schächten) mH großer Mehrheit angenommen.