Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1927)
- Date
- 1927-06-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 344 JOT׳mSCHE RUNÖ9CHÄ!U Nr. 48 wescns in dem wirklichen Lande Palästina proklamiert wird. I)all die ehrlichsten nute!־ den Anhängern des jetzigen Regimes zuweilen an diesem Ziel zu rütteln suchen, daß sie den vergeblichen Versuch machen, den Zionismus mit seinen gegenwärtigcn unzureichenden Methoden in Einklang zu bringen, (Jmlcustaats- und Majoritätsdebatte in der ,,Jüdischen Rundschau“), ist die notwendige Konsequenz der herrschenden Meinungen und Methoden, die in der Tat zur Verzweiflung an der Ausführbarkeit des Zionismus führen müssen. * Aber das sind ja alles Phrasen. Selbstverständlich. Die grundlegende politisch-wirtschaftliche Konzeption des Gegners ist immer Phrase. Hat sie sicK durchgcset/t, ist sie durch laten ihrer Vorkämpfer lebendige Wirklichkeit geworden, so ist die Phrase von gestern unveräußerlicher politischer Cirund* satz geworden, den niemand jemals bestritten hat. Kritik der Arbeiterbetriebe Wir haben in unserem Leitartikel vom 1t). d. M. bereits auf die beiden Artikel von M. Bei!in sott im ,,Da war“ hingewiesen, in welchem er die Arbeitcrinstitutionen, ihre Arbeitsmethoden und ihre gegenwärtige Struktur einer eingehenden Kritik unterzieht. Im folgenden geben wir einen gedrängten Auszug aus diesen interessanten Ausführungen, die von jedem Freund der Arbeiterwirtschaften begrüßt werden müssen. Zu den unumgänglichen Reformen rechnet B. in erster Linie die Einführung einer einfachen administrativen Organisation, wie sie in jedem normalen Büro üblich ist. Pünktlichkeit in der Arbeit, Erfüllung von Versprechungen, genau festgelegte Arbeitsstunden und Stunden für den Empfang von Besuchern, umgehende Erledigung von Briefen, gehören hierher, ferner eine verantwortliche Leitung für die gesamte Arbeit, geordnete Buchführung, die mit den Verhältnissen der Wirklichkeit iibercinstimmt, Disziplin der Beamtenschaft, Verantwortlichkeit der einzelnen Beamten für die ihnen zugewiesene Arbeit, gute Zusammenarbeit mit dem Publikum usw. Eine zweite Kategorie von Reformen, die gleichfalls alle Stellen angeht, betrifft die Arbeitseinteilung. Die übertriebene Konzentration verschiedenartiger Tätigkeiten in einer Hand und der übertriebene Kollektivismus bei der Entscheidung müssen aufhören, und eine methodische Ar- Iscitseintcihmg nach Ressorts, Herstellung individueller Vornntwortimg jedes Arbeiters nach seinem Spezialgebiet au seine Stelle treten. Eine dritte Kategorie von Aeiiderungeu liegt in der Einführung äußerster Sparsamkeit in den Ausgaben auf allen Arbeitsgebieten. Eine Vorbedingung für alle diese administrativen Reformen ist eine ständige Kritik der Institutionen. Man muß endlich einmal mit jener sonderbaren E in p - findlichkeit aufräumen, die die Kritik als eine Bclcidiginig von Genossen verbietet. Auf Kritik zu verzichten, wie cs bisher durch die Histadruth in praxi geschehen ist, heißt die Arbeiter in eine Versuchung führen, der sie erliegen müssen. Die grundlegende Reform hängt aber mehr noch, als von den Betrieben selbst, von der gesamten Histadruth ab. Mau muß bekennen, daß die Arbeiterorganisation ihren Institutionen Aufgaben gestellt hat, die wirtschaftliche Stellen nicht erfüllen können, wenn keine Regierung hinter ihnen steht. Das Ziel dieser Betriebe war nicht ein wirtschaftlicher Erfolg, sondern: jederzeit für die Bediirfnisse des Aufbaus zur Verfügung zu stellen. Hamaschbir und Solei Boneh fanden nicht Genüge daran, den Arbeitern gute und billige Ware zu liefern, oder gute Bauten auszufiiliren und den Arbeitern dabei anständige Lebensbedingungcn zu sichern, sondefti sie glaubten auch, staatliche Aufgaben — Aufnahme der Immigration und ihre Einordnung die Wirtschaft — erfüllen zu müssen. Das Streben nach Wirtschaftlichem Erfolg stand nicht im Zentrum ihrer Tätigkeit. Diese Betriebe müssen j c 17. t lernen, was die 1 a n tl - wirtschaftlichen Betriebe der Arbeiter her e i t s in hohem Maße gelernt haben: der w i r ts c h a f 11 i c h e Erfolg bedeutet letzten Endes das Gelingen des Aufbauwerkes. Wenn eine!11stitution sich andersgeartete Aufgaben stellt, kann sie vorübergehend den Eindruck machen, als ob sie großzügig und ohne Elirgeizigkeit arbeiten würde. Aber das Endresultat wird eine Verstrickung in erdrückenden ,,Kombinationen“ sein, die den am Aufbau Beteiligten weder entsprechende Arbeits- Bedingungen noch anständiges Lebensniveau sichert und die Erfüllung ihrer eigentlichen Aufgaben überhaupt in Frage stellt. Das Problem der Stunde ist nicht die Aufnähme einer Immigration, sondern die. Bcfcstigungdesscn.was heute im Lande besteht. Die Lage erfordert die Preisgabe aller Aufgaben, die die Kräfte der Institutionen übersteigen. Blumenleld in den Berliner Ortsgruppen Im Verlauf der letzten Wochen sprach der Vorsitzende der Z. V. f. D., Herr Kurt Blumenfela, in der Gruppe Ott und in einer zweiten Veranstaltung in den Gruppen Nord und der Zionisten aus dem Osten über die Probleme des kernnt e n d c 11 Kongresses. Herr Rlumcnfcld nahm zu einer Reihe aktueller Fragen Stellung, die in der letzten Zeit die öffentliche Diskussion beherrscht haben. Im Mittelpunkt der Erörterung steht zurzeit die Frage der Funktion des Kongresses in der zionistischen Bewegung. Frühef• waren die Kongresse Höhepunkte des zionistischen Lebens, sie repräsentierten den Wert und die Kraft der Bewegung. Nach dem Kriege waren die Kongresse schlechter als die Bewegung. Viele Faktoren wirken zusammen, die die Arbeit des Kongresses heute erschweren. Menschen aus den verschiedensten Ländern, geformt durch ein völlig verschiedenes politisches und sozial(» Milieu, müßten hier sich in sehr kurzer Zeit über die subtilsten und schwierigsten Fragen verständigen. Jeder Begriff bedarf be•׳ sondercr Interpretation, um von allen gleichsinnig verstanden zu werden. Der entscheidende Fehler der Nachkriegskongresse sei cs aber, daß die Fragen der zionistischen Bewegung auf diesem nicht mehr behandelt würden. Es müsse jetzt der Ein• druck entstehen, daß Zionismus und Palästina Wirtschaft identisch seien. In Wahrheit sei aber das heutige Palästina nur Die öffentliche Kundgebung im Lehrervereinahaus mit Dr. Chaim Weizmann wird vom 19. Juni auf Mittwoch, den 29. Juni verlegt. Die Veranstaltung mit Dr. Schmarja Levin am Montag, den 27. Juni, findet nicht statt. ein Durrhgangsstadiuni zu unserem letzten zionistischen Ziel. Unter den Beschlüssen des letzten Kongresses habe man mit ganz besonderer Freude die Einführung des Einheitsschekels begrüßt. Man glaubte, daß die Schaffung des Einheitsschekels auf die Bewegung einen fördernden Einfluß haben werde. Er habe aber diese Hoffnung nicht erfüllt. Der Rückgang der Schekelzahl sei ohne Zweifel auf die Einführung des Einheitsschekels zurückzuführen. Das Interesse der Flügelgruppen an der Aufbringung der Schekalim habe eben nachgelassen. Zur Frage der Krise in P a 1 ä s t i 11 a übergehend, erklärte der Redner, daß wir an dem realen Werk jn Palästina erweisen müßten, was an Kräften in der Bewegung steckt. Im dauernden Zusammenstoß zwischen Illusion und Wirklichkeit müßten wir dieser Wirklichkeit Herr werde», und keine Chance ungenutzt lassen, um das Aufbauwerk zu fordern. I11 der Erkenntnis der begrenzten Möglichkeiten der Zionisten habe man den neutralen Keren Hajessod geschaffen. Wenn man wirklich konsequent den Weg des Ausbaues des neutralen Keren Hajessod in allen l.ä!dem gegangen wäre, wären wir vielleicht heute weiter und der Streit um die Jcwish Agency würde heute ein anderes Gesiebt haben. Auf der Suche nach größeren Mitteln für das Palästinawerk müssen wir daran denken, daß in erster Linie die öffentlichen Mittel größer werden müssen. Erst durch öffentliche Miltcl können Bedingungen geschaffen werden, die prosperierende Privatunternehmungen ermöglichten. Auch heute gäbe es schon eine Reihe von privatwirtschaftlichen In• stitutionen, die weitere private Mittel auinehmen könnten. Trotzdem sehen wir, wie außerordentlich schwierig es ist, Privatkapital auch in geringem Umfange anzuziehen. Wenn man heute nach Regierungshilfe ruft, so dürfe man nicht vergessen, daß die Hilfe der Regierung eine, Begrenzung der Autonomie unseres Jisehuw mit sich bringen müsse. Um große Mittel für Palästina zu erschließen, sei die Politik des Jewish Agency von Dr. Weizmann geführt worden. Mit unseren augcnblickliehen Methoden können wir bei allergrößten Anstrengungen nur eine begrenzte Summe aufbringen, die aber durchaus unzureichend ist für die Verwirklichung des Zionismus. Die Gc׳ Levine So ist denn unter den Männern, die über den O/cnn durch die Luft nach Europa hcriibcrgekomnicn sind und nun im Mittelpunkt einer allgemeinen Furoparnscrei stehen, auch ein Jude. Und so hätten wir denn auch noch eine Spezialbercchtigung (oder Speziaiverpflichtun״?), uns am allgemeinen Taumel zu beteiligen und dem neugebackenen jüdischen Ehrenbürger von Kottbus, Besitzer eines silberumrahmtep Hindenburg-Portriits usw. usw. zu beglückwünsehen. Ein jeder der drei Ozeanflieger hat ein kleines Päckchen lustig-sentimentaler Pointen mitgebracht; Findbergh nahm einen Strohhnt als wichtigstes Gepäck mit und ein allgemein konstatiertes knabenhaftes Lächeln; Chamberlin hat — so berichtet die Weltpresse aller Nationen . sein Zahnbürstel zu Hause vergessen und mußte in Kniehosen zu Hiiuletiburg. Lcvine aber sprang im Straßcnan/ug in den abfahrenden Aeroplan, damit seine Frau nichts merke und ihn nicht am Europaausflug hindere. Ueberdies ist er der ״Manager“, erledigt unermüdlich die Geschäfte, während sein Kompagnon sich ausschlafen muß, und erklärt, er würde für die angebotenen 100 000 Dollars nach Amerika fliegen, aber es hänge noch von Cliainberlin ah. Diese ganze Europaflugaffäre ist von der Presse und (man muß wohl sagen) von der ganzen Menschheit mit einer Aufmachung und Sentimentalität in Szene gesetzt, deren Naivität und Plumpheit einfach entwaffnet. Das vergessene Zahnbürste!, der Strohhnt und die rührenden Gespräche mit Müttern per Kabel, Draht und Luft, die Umarmungen der Würdenträger, denen die Tränen in den Augen stehen, die prasselnden Kino- und Zirkusangcbote, die schwindclcrregeiiden 1 >011armiUioncn, die Kniehosen, die seltsame Eifersucht von Frankreich und Deutschland (es ist nur schwer zu erfassen, welches Verdienst Frankreich daran hat, daß ,,sein“ Flieger exakter, und Deutschland, daß ״sein“ Flieger länger fIog),#die zentnerschweren üliickwunschpakete, die Hühnerbouillons und die unerhört aufschlußreichen Interviews usw. — ach, es ist alles so rührend und unserer Menschheit so angepaßt —, warum sollte Herr Levine nicht auch ״Mauager“, in Geschäften geschickt, seiner besorgten Frau heimlieh davongeflogen und bereit sein, das!0(1 OtKi-Dollar-An- ’ebot zu akzeptieren!? Der Sport macht die Menschen zu Kindern, dieser Flug hat die ganze Menschheit, von ihren Spitzen bis 71! den Massen, zu einer tollenden Kinderschar gemacht; und tnan weiß nicht: soll man sich freuen, daß die Menschheit so naiv sein ka'nn, oder darüber trauern, daß diese Naivität so — albern ist. F. W. Volkslieder-Abend: Leo GoIIanln Gestern, den 15., umjubelte man wieder Leo Gollanin als jüdischen Liedersänger ״ach jeder Nummer. Der Künstler war auch stimmlich bewundernswert. Welche Typen! Welche Charakteristik! Welcher Schmerz, welche Sehnsucht des einzig liebevoll erschauten Ghetto! Man sah es den zahlreichen Hörern an, daß sie ein Stück echt jüdischer Kultur, in 1111tihertreffliehe!־ Form dargeboten, erlebten und tief genossen. Völlig unbegreiflich erscheint es, daß mau von Frankfurt a. M. aus (״Musik im Leben der Völker“) diesen repräsentativsten Vertreter unserer nationalen Gesänge für den Abend der Darbietungen des jüdischen Volksliedes spontan ausschaltetc! Arno Nadel. (Im Rahmen der Frankfurter großen Ausstellung ״Musik im Leben der Völker“ finden am 26. - 28. Juni jüdische Darbietungen statt. Fs ist sehr bedauerlich, daß die Ausstelhmgslcitiing hei dieser Veranstaltung offenbar nicht suchkundig beraten war, so daß die jüdische Musik nicht so zur Geltung kommen wird, wie es ihre charakteristische Eigenart verlangt. Das jüdische Volkslied z. B. ist nicht von jedem Sänger, auch wenn er stimmlich begabt ist, 711 intcrpreticren. Pie jüdische Oeffentiichkeit kennt und lieht als hervorragenden Interpreten und Pionier des Volksliedes im Westen Leo Gollanin. Ihn zu rufen, war das Naheliegendste. Was mögen für Mächte im Spiel sein, die das Naheliegendste verhindern? — A. d. R.) In Wilna tagt gegenwärtig eine Konferenz der jüdischen 1'resse Polens, der Delegierte aus etwa M) Städten beiwohnen. Das Innenministerium und das polnische Journalistensyndikat haben Vertreter entsandt, fahren der Jewish Agency verkenne der Redner durchaus nicht. Ihre größte Gefahr seien die psychologischen Riickwirklingen auf die Zionisten. Doch da kommt es auf den Glauben an die Kraft des zionistischen Gedankens an. Wenn wir mit der Idee so verbunden sind, daß wir mit ihr nicht nur gute, sondern auch schlechte Zeiten ertragen können, dann werden wtr stark genug sein, die Wirklichkeit zu meistern. Auf dem kommenden Kongreß müssen wir zu einer Neuordnung unserer P a I ä s t i n a w i r t s c h a f t kommen. Wir müssen uns frei machen von jeder verhängnisvollen Illusionspolitik und müssen unabhängig von Pnrteirücksirhten die Reform der Ver- •waltiing und der Wirtschaft durchführen, deren unsere Wirtschaft zu ihrer Gesundung bedarf. Unser Ziel müsse sein, Palästina kredit- und anleihereif zu machen. In der darauffolgenden Diskussion, die im wesentlichen von den Vertretern der Opposition bestritten wurde, wandte sich Herr Dr. Solowcitschik als Vertreter der radikalen Zionisten gegen den Plan der Erweiterung der Jewish Agency. Fs sei gefährlich, alle Hoffnungen nur auf diese Sache zu setzen, denn sie werde bestimmt nicht den erhofften materiellen Erfolg Bringen, dagegen aber zu einem Abbau der zionistischen Bewegung führen. Herr Rlumenfeld habe keine Begründung für die augenblickliche Krise im Zionismus gegeben, obwohl er zugegeben habe, daß heute auf allen Gebieten die Arbeit bedroht sei. Die Erklärung sieht der Redner in dem Abbau des zionistischen Ideals, dem Verlassen des kämpfenden, zugunsten eines paktierenden Zionismus. Herr Dr. Ettisch gibt eine Reihe von Beispielen, die seiner Meinung nach das Versagen der gegenwärtigen Leitung auf dem Gebiete der Wirf schaft und Politik beweisen und fordert, daß diese Leitung einer neuen Platz mache, die glaubt, die Arbeit erfolgreicher führen zu können. Die zahlreich erschienenen Gäste folgten bis lange nach Mitternacht der Diskussion, an die sich ein längeres Schlußwort des Herrn Blumenfeld anschloß. Dr. Jacobsons Audienz bei Mussolini Rom, 14. Juni. (J.T. A.) in dem Gespräche mit Dr. Jacobson, zeigte Mussolini großes Interesse für die jüdische Aufbauarbeit und sprach wiederholt seine Bewunderung für das schnelle Wachstum des Werkes und insbesondere der Stadt Tel-Awiw aus. Er gab seine Zustimmung zur Schaffung eines Pro Palästina-Komitees in Italien, das den Namen 11״ a 1 i a - P a 1 e s t i n a“ führen und dem die prominentesten Persönlichkeiten des italienischen politischen Lebens, der italicnischen Literatur und Kunst angehören sollen. Mussolini befragte Dr. Jacobson eingehend über die Zukunftspläne in Palästina und die Möglichkeiten von Wirtschafts be- Ziehungen zwischen Palästina und Italien und sprach die Hoffnung aus, daß die italienischen Juden einen angemessenen aktiven Anteil an der Keren- Hajessod-Anleihc nehmen werden, die die Durchftihrung produktiver Arbeiten in Palästina ermöglichen soll. Mussolini erkundigte sich auch über die Entwicklung der hebräischen Sprache und der neuen hebräischen Literatur und hauptsächlich über das Schaffen des Dichters B! a I i k. Die Unrahen an der Wiener Universität Wien, 11. Juni. (J.T. A.) Der Rektor der Wiene. Universität, Prof. Mo lisch, hat am Schwarzen Brett eine Kundmachung angeschlagen, in der unter Hinweis auf die trotz seiner Warnungen zur Besonnenheit erfolgten neuerliehen Ausschreitungen die Sperrung der Univcrsitat, des anatomischen und physiologischen Instituts bi? auf weiteres verfügt wird. Die Rampe der Universität ist von Polizei besetzt. An den Anschlagstafeln des Städtischen Plakaticrungs- Instituts prangt seit einigen Tagen ein Aufruf, in welchem es 11. a. heißt: ״ln Ungarn und Rumänien ist der Numerus clausus bereits eine Selbstverständlichkeit geworden, hier muß er erst erkämpft werden. Aber nicht nur an den Hochschulen allein ist er zu fordern, sondern in allen Berufszweigen, denn es ist ein schweres Unrecht gegen da? schaffende bodenständige Volk, daß es fast 05 Prozent jüdische Bankdirektoren, Aerzte, Rechtsanwälte usw. in de! ganzen Zweimilüonen-Stadt, aber keinen jüdischen Straßenkehrer gibt.“ Zum Schluß heißt cs: ״Es muß wieder eine antisemitische Bewegung wie zur Zeit des Zionistenkongresses entstehen.“ Am 23. Juni findet in Tel-Awiw eine große Feier anläßlich des 10. Jahrestages der zur Zeit des Kerenski־ Regimes in Petersburg a b g e 11 a 11 e n e n Zionistenkonferenz statt. Die Frinnerungsfeier, der Leib Jaffe präsidieren wird, wird von Israel Kosoff eröffnet werden. (Ziko.) Vom Jiddischen Wissenschaftlichen Institut Aus Anlaß des zweijährigen Bestehens des im März 1925 in Berlin begründeten Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts erschien, wie J.T. A. meldet, soeben in Wilna eine Festschrift, die über die bisherige Arbeit und die zukünftigen Ziele des Instituts Aufschluß gibt. Nach dem Programm soll das Jiddische Institut sein: a) ein Zentrum für wissenschaftliche Arbeit in Jiddisch, die zentrale Instanz für die Erforschung und Förderung der jiddischen Sprache und Literatur; b) ein Ausbildungszenjrum für solche, die auf dem Felde der jiidisehen Wissenschaft und Kultur arbeiten wollen; c) die Registrierstelle für das jüdische Kulturleben in der ganzen Welt; d) das Institut besteht aus vier Sektionen: einer philologischen, historischen, wirtscliaftsstatistischen und pädagogischen. Außerdem besteht eine bibliographische Zentrale, ein Archiv, eine Bibliothek und ein Museum; e) das Institut gibt Sammelsehnltcn und einzelne Werke wissenschaftlichen Charakters her##!, sammelt und systematisiert wissenschaftliches Material, schafft eine Vorbereitungsanstalt für junge Wissenschaftler und künftige Lehrer an jiddischen Mittelschulen und Seminarien, schafft eine Verbindung zwischen den einzelnen Forschern und sammelt und erteilt Informationen über die jüdische Kultur- Bewegung in allen Ländern. Das jiddische Wissenschaftliche Institut will den Juden, wo sie in kompakten Massen wohnen, in ihrem Kampfe um die kulturelle Emanzipation geistig helfen. Eine jiddische Abteilung des PEN? London, 14. funi. (|.T. A.) Der am 20. Juni d. J in Brüssel nisammentretendc Internationale Kongreß de! P. F. N.-K 111 b s aller Länder wird sich mit der Frage dci Aufnahme einer j ii s c 11 c n Abteilung des P. F. N, Klubs zu befassen haben. Seitens des Kongreßburos wurch Herrn Leo König, der den Verband jüdischer Schrift■ steiler in Warschau vertritt, mitgcteilt, daß die Aufnahm( des jüdischen P. E. N.-Klubs auf die Tagesordnung geset/׳ sei und daß er eingeladen werde, den Verhandlungen ohne Stimmrecht beizmvohnen.