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Jüdische Rundschau · 1927-06-17 · Heft 48 (17.6.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 48 (17.6.1927)
Date
1927-06-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 343 Kongreß-Tribüne { Was will das linke Zentrum? Unter dieser Ucberschrift wurde in der vorigen Nummer der ״J. R.“ der Anfang eines Artikels von Dr. Hugo Hc rrin a n n als Beitrag /nr Kongreßdiskussion veröffentlicht. Der Autor hat ausdrücklich vorausgeschickt, daß er nur seine persön• liebe Meinung vertritt und eine Diskussion innerhalb der Gruppe, die sich linkes Zentrum nennt, anregen möchte. Der Artikel ist noch nicht abgeschlossen und M ir haben nicht die Absicht, hier bereits in eine ausführliche Diskussion dnzutreten. Trotzdem halten Mir es für Mächtig, nochmals die Tatsache zu unterstreichen, daß es sieh hier um persönliche Meinungen handelt und keinesM׳egs etwa um eine Stellungnahme unserer Gruppe. Dies gilt z. B. von Herrmanns Abschätzung der politischeu Chancen, bei der 1ms doch die Meinung, die allgemeine politische Konstellation der Welt liege beute für uns günstiger als 1019/1920, zu optimistisch zu sein scheint. Insbesondere aber gilt es von seiner Darlegung des Verhältnisses zu den 11 i c 111 l i 0 11 i s t i s c h e n J 11 d e n. Wir halten es kcinesM cgs für richtig, daß seit dem Jahre 1920 eine Wandlung innerhalb des Zionismus in dem Sinne erfolgt ist, daß man die bestehenden Gruppenverhältnisse zwischen Zionisten und Nichtzionistcn als stabilisiert annähmc und auf die Gewinnung der nicht■ zionistischen Judcnheit für den Zionismus verzichtete. Im extremen Sinne kann dies auch Dr. Herrmann, trotz der mißverständlichen Fassung seines Artikels, nicht meinen, denn sonst wäre jede zionistische Propaganda zwecklos. Gerade die deutsche Gruppe aber hat insbesondere in der Nachkriegszeit stets mit größtem Nachdruck die Bedeutung einer starken rionistischcn Propaganda betont, deren Ziel cs ist, jüdische Mensehen zu vollwertigen und organisierten Zionisten zu machen. Sie hat betont, daß es in Gesinnungsfragen keinen Kompromiß geben kann und unsere Aufgabe darin bestellt, immer wieder die Judenfrage in ihrem Wesen aufzuzeigen und dadurch nichtzionistische Juden von unserer Wahrheit zu überzeugen. Oie von uns vertretene ״Bündnispolitik“ —- die Form, in der wir eine Kooperation mit andern Gruppen anstrebten -- ist immer von der Voraussetzung ««»gegangen, daß durch die gemeinsamt praktische Arbeit der innerjüdische Kampf um die ״rundsätzlichc Stellungnahme zum zionistischen Problem nicht ausgeschaltet werden soll. Unsere Erfahrungen haben bewiesen, daß auf dieser Grundlage — und 1111 r auf dieser, denn ein Gesinnungskomproroiß würde sie korrumpieren — eine völlig loyale Zusammenarbeit mit Nichtzionisten möglich ist. Lediglich in diesem Sinne haben M־ir die Politik der Erweiterung der Je ui-11 Agency aufgefaßt. Dies ist auch in Zukunft die Politik der• jenigen deutschen Zionisten, die sich dem .,linken Zentrum“ anschließen wollen, und wir halten es für nötig, unsere Auffassung in dieser Frage schon vor einer endgültigen Formulierung des Programms unserer Gruppe darzulcgcn. Kurt B 1 u m e 11 f e 1 d. Reform ״Programme Von Richard Lichtheim. 111 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 10. 6. unterbreitet Herr Dr. Hugo lierrmann Rcformvorschläge, die den Zionismus aus der gegenwärtigen Veruorrenhcit herausführen sollen. Dabei zeigt sich, daß scheinbar klare und einfache Vorschläge, die eine Lösung zu bieten scheinen, in Wahrheit an der Sache Vorbeigehen, M'cil ihr Urheber mit dem inneren Mechanismus der Organisation nicht genügend vertraut ist oder weil er Formalien für die Sache hält. Betrachten Mir I diese Reformvorschläge etwas näher: 1. Dr. Herrmann empfiehlt scharfe Trennung der politi* sehen Exekutive in London von der W i r t s c 11 a \t s * exekutive in Palästina, wobei jede dieser Exekutiven uiitie Expositur (Verbindungsoffizier) am Sitze der anderen Exekutive hallen soll. Die Wirtschaftsexekutive soll völlig selbständig arbeiten und die politische Exekutive soll nur ein Vetorecht gegen die Beschlüsse der Wirtschaftsexekutive haben. Wer den tatsächlichen Zustand in unserer Leitung kennt, muß wissen, daß diese scheinbar sehr einschneidende Reform gegenüber den bestehenden Verhältnissen gar nichts ändern würde. Die Londoner Exekutive ist seit Jahren eine ״politische“ und die Palästinaexekutive ist seit langem wirtschaftlich so frei und selbständig wie sie nur wünschen kann. Der ״Wirtschaftsrat“ existiert seit Jahren — mindestens seit Kaplanskys Weggang aus London — nur auf dem Papier. Wenn die Palästinaexekutive sich auf wirtschaftlichem Gebiet nicht als eine ״starke“ Exekutive erwies, so liegt dies nicht an der Organisationsform, sondern an den Personen und an den innerpolitischen Bindungen, die nicht durch Aenderutig organisatorischer Verhältnisse, sondern nur durch innerpoiitische Neuorientierung auf dem Kongreß überwunden werden können. 2. Daß das Budget den voraussichtlichen Einnahmen augepaßt werden muß, ist eine sehr richtige Forderung. Zu ihrer Durchsetzung gegenüber dem Ansturm der interessierten Gruppen aller Richtungen gehört die Einsetzung der vollen Autorität der gesamten Leitung. Daran hat es seit Jahren gefehlt, weil gerade die einflußreichsten Mitglieder der Leitu!1g sich nicht zu energischer Behandlung' der Budget- und Wirtschaftsfragen entschließen konnten. Sie gingen innerpolitisch auf der Linie des geringsten Widerstandes, kompengierten parteimäßige Unterstützung auf dem Kongreß durcli Geldbewilligungen und machten so die Durchsetzung wirtschädlicher Gesichtspunkte unmöglich. Das ist einer der Gründe, aus denen die Opposition diese Leitung bekämpft. Wir haben nicht das Vertrauen, daß der Personenkreis, der die jetzige Leitung bildet, den Willen und die Kraft zu einer Umstellung in der von Herrn Dr. Herrmann angedeuteten Richtung besitzt. Das Budget des nächsten Jahres ist durch die vom Keren Hajcssod angenommenere Vorschüsse so belastet, daß offenbar für Neukolonisation nichts übrig bleibt. Damit tnuß man sich abfinden — soweit eben die Kolonisation überhaupt auf die Sammelfonds basiert werden kann. Auch hier stehen wir grundsätzlich auf einem anderen Standpunkt, den Mir an späterer Stelle skizzieren wollen. Wenn aber Herr Dr. Herrmann einfach dekretiert ״die Auszahlung von Arbeitslosen- Unterstützung muß aufhören“ — so haben wir für diese heroische Geste kein rechtes •Verständnis. Wenn den Fonds die Mittel fehlen, die Arbeiter anzusicdeln und wenn die privaten Betriebe sic nicht aufnehmen können, so Mird cs M'0111 auch nach dem 1. Oktober bei der Arbeitslosenunter• Stützung beziehungsweise bei Notstands:!rbeiten bleiben müssen •־ soweit eben die Kräfte reichen. Wenn das ״linke Zentrum'‘ den Arbeitern nichts anderes zu bieten hat, als den Rat, die bisher innegehabte Vormachtstellung aufzugeben (was der praktische Inhalt aller bisher aufgestclltcii Konsolidierung.■:- Programme ist) und wenn es gar bei dieser Krise die Ein- Stellung der Arbeitslosenunterstützung fordert, so werden die Arbeiter einige Mühe haben, das ״linke“ vom ״rechten“ Zentrum zu unterscheiden. 4. Die Zentralisierung der Propagandaarbeit für die Orgaitisation und ihre Institutionen ״bei einer besonderen Stelle“ besagt M-cnig. Wir haben schon genug ,,Stellen“ und sollten keine neue schaffen. Wenn Herr Dr. Herrmann an Stelle des jetzigen Nebeneinander von Exekutive, National-Fouds, und Keren-Hajcssod eine straffere Zusammenfassung setzen will, so ist dem zuzustimmen. Die vereinigende und zusammenfassende Instanz gerade auf propagandistischem Gebiet sollte die Exekutive selbst sein. 5. Die Lösung des Bcamtenproblcms ist wiederholt in Angriff genommen Morden. Auch Itter kann nur die Initiative und Autorität einer Leitung helfen, die die Bedeutung der Frage cinsicht. * Das ״Programm“ Dr. Herrmanns ist in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Er benutzt es zu einem Angriff auf die oppositionellen Gruppen, die sich nach seiner ,Meinung ״über die schweren Verantwortungen des heutigen Augenblicks hinwegsefzen‘‘, nimmt die Exekutive in Schutz und klagt Mieder einmal den Kongreß an, weil dieser keine ״homogene“ Exckutive geschaffen habe. Leider übersieht er, daß jeder Kongreß seit dem Kriege die Exekutive gewählt hat, die Dr. Weizmann forderte, und daß der letzte Kongreß gar keine wählte, weil Dr. Weizmann vorzeitig abgereist ist. Es lag wahrhaftig nicht am Kongreß, sondern — wie auf so vielen anderen Gebieten ••■ an der Planlosigkeit und Entschlußlosigkeit der leitenden Personen. Aber das Programm Dr. Herrmanns ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil es die eigentlich wichtigen Fragen bei- Seite läßt. Der vom Verfasser selbst empfundene Mangel an Werbekraft dieses Programms erklärt sich aus seinem Formalismus und seiner Sterilität. Dieses Programm empfiehlt allerlei Organisatorisches, wozu wir uns im Einzelnen kritisch äußern mußten, sagt aber kein Wort darüber, wie denn . nach Ucbcrwindung der Krise, also nach Beschaffung neuer Geldmittel und Durchführung der vielzitiertcn ״Konsolidierung“ des Bestehenden — die Palästinaarbeit fortgeführt werden soll. Es ist nicht zulässig, das Programm der Opposition mit einer Handbewegung abzutun, wenn man selber überhaupt keines hat. Da sind Blumcnfcld und Dr. Weltseh doch immerhin schon einen Schritt weiter gegangen. Die offenbare Unmög- Ticlikeit, auf dem bisherigen Wege fortzuschreiten, hat auch sie zu der Forderung dar ״Konsolidierung“ getrieben, aber sie scheinen einzusehen, daß man die zionistische Palästinaarbeit nicht darauf beschränken kann, schlecht verwaltete Institutionen zu sanieren, die bestehenden Kolonien mit HiHe von Kercn-Hajessod-Vorschüssen mühsam über Wasser *u halten und die Frage nach der Zukunft völlig unbeantwortet zu lassen. Daher die erfreuliche Feststellung, daß die Renta- ן bilität von jetzt an zum Kriterium der Wirtschaft gemacht I werden, daß die Privatinitiative gefördert M'crdcn und daß gerade auch in der Landwirtschaft privates Kapital zur Entfaltung kommen müsse. Betätigung privaten Kapitals in der palästinensischen Landwirtschaft bedeutet intensive Gartenbau- Wirtschaft -™ vor allem Orangenbau. Das ist eine deutliche Annäherung an die revisionistische Formulierung: ״Daß die I Grundbedingung einer gesunden landwirtschaftlichen Koloni- I sation in der Rentabilität jedes Betriebes besteht; daß eine J solche Rentabilität, unter den Bedingungen Palästinas, nur I bei Erzeugung hochwertiger Produkte auf verhältnismäßig I kleinen, intensiv bewirtschafteten Parzellen unter besonderer I Rücksichtnahme auf die Bewässerung mit Sicherheit erzielt I werden kann“. Doch nicht das landwirtschaftlich-technische I ist das Entscheidende: Was Blumcnfeld in seinem Leitartikel I ״Verantwortungspolitik“ als sein Wirtschaftsprogramm dar- ן stellt, ist eine unzweideutige Abkehr von dem bisher von den I offiziellen Stellen und besonders vom deutschen Zionismus I gelehrten Grundsatz — man denke an die Keren-Hajcssod- I Theorie, die bis vor kurzem galt — wonach nur durch die I ״nationalen“' Gelder, durch dc!1 ״Staatsfonds“ kolonisiert wer- I den sollte. Wohin dieses System geführt hat, wissen wir alle. I Heute beginnt die Erkenntnis sich durchzusetzen, daß Pa• I lästina nicht kolonisiert werden kann, wenn nicht das jüdische) I Volk, d. h. tausende von einzelnen Juden, ergriffen von der I zionistischen Idee und bereit, mit ihrer Person und mit ihrem I Geld am Paläsiiuaaufbau teilzunehmeu, auf eigenes R i I siko in Palästina arbeiten. Das ist cs, was wir unter Privat- I initiative verstehen. Diese Privatinitiative bedarf freilich der I Anregung, Leitung und Förderung, der Beratung und Kredit- | hilfe, zuweilen auch der Kontrolle. An alledem hat es bisher I gefehlt — nicht nur, weil die Zahl der echten Pioniere I aus allen Berufsständen gering war, sondern weil die Leitung j und ihre Presse (besonders in Deutschland) jahrelang mit I größter Einseitigkeit jenen oben skizzierten ״Staatsfonds“• I Charakter der Kolonisation predigte, der sich praktisch in I ausschließlicher Förderung der kollektiven Arbciterinstitutioncn I ausdrückte. Leider müssen wir sagen, daß wir zu dieser I Leitung nicht das Vertrauen haben, daß sic ihre Irrtiimcr I erkennen und neue Wege suchen wird. I Im engsten Zusammenhang mit unserer wirtschaftlichen Auf- I fassung steht unsere politische. Um jene freie und starke I Pioniergesinnung■, jene echte Privatinitiative in der Judcnheit zu I enfesseln, muß Palästina von der Maiuiatmacht so verwaltet I werden, daß der dorthin strebende oder bereits dort ansässige I Jude das Gefühl hat, Teil des Mordenden jüdischen Gemein• ן wesens zu sein. Das ist heute nicht der Fall. Hier liegt das Kernstück der revisionistischen Kritik an der Verwaltung Palästinas und an der zionistischen Leitung. Diese Leitung hat immer Mieder erklärt, daß sie mit dem politischen Regime in Palästina ganz zufrieden sei und daß es nur an den von der Judenhcit auf• zubringenden Mitteln fehle. Diese Leitung gedachte, Palästina ganz unabhängig von der Landesregierung aus den gesammelten Geldern unserer Fonds auf/uhauen. Resultat: Ein jüdischer Verein treibt mit den alten Methoden philanthropischer Kolonisation unzureichende Ein/elarbeit in dem Lande Palästina, dessen Verwaltung sich um die jüdische Arbeit wenig kümmert, nach offizieller zionistischer Ansicht sich auch gar nicht viel darum kümmern kann, soll und darf und damit automatisch zu einer englisch-arabischen Venvaltung werden mußte. Wenn wir die Politik der Leitung bekämpfen, so geschieht dies nicht, weif wir ihr mangelnde Erfolge im einzelnen vorwerfen, sondern weil dies von ihr hartnäckig befolgte 11ml verteidigte politische System jeden ernsthaften Versuch der Verwirklichung der Be- Stimmungen des Mandats geradezu auswhlofi. Muß es nicht eigenartig berühren, wenn Sir Alfred Mond jetzt öffentlich an der Regierung die Kritik übt, deren Berechtigung von der zionistischcn Leitung seit Jahren geleugnet wird? Sogar Schlitzzöilc forderte er was im Zionismus doch als Beweis des Dilettantismus gilt. Schade, daß die offizielle Presse nicht den Wortlaut der Rede bringt, die Mond vor wenigen Tagen im ״Economic Board'* gehalten hat*). Dem M'irtsehaftlichcn und aullenpolitischcu Programm entspricht ganz genau das inncrpolitisehe. Braucht man nichts als Sammclfonds, um Palästina auf/uhaucn, heißt Wirtschaft und Politik des Zionismus einfach Verteilung der Keren Hajcssod- Gelder an die Lehrer, Beamten und Arbeiter, so braucht man sich um die Organisation nicht mehr zu kümmern, bedarf auch keines Nachwuchses, keiner L1n!.1ch:r.1g individueller Pioniergesinnung, keiner nationalen Bewegung. Aus einer solchen unfingest,unlencn, aber tatsächlich emgefrefeneu Degeneration des zionistischen Denkens folgte jene unselige Agency-Politik, die das gerade Gegenteil zionistischen Pioniergcistes ist, die alle zionistische Tätigkeit in Sanimclarbeit für die Fonds verwandelte, dem ständig wachsenden Gcfdbcdürfnis durch Gcwinnung von N'otahclu begegnen wollte kurz, eine Politik, die den alten Ghettogeist der Philanthropie und ״üwirokratie“, den Todfeind des Zionismus, in die Zionistische Organisation einführte. Dali diese Politik so gut wie gar keine Erfolge hatte, sehen heute schon sehr viele von jenen ein, die den Widerstand der Opposition vor vier Jahren mit dem naiven Argument bekämpften, ,,man müsse doch mehr Geld für Palästina schaffen“. Gewiß muß man das. Wir brauchen Fonds, jede Leitung wird — auch wenn sie besser wirtschaftet als die bisherige und unter Wirtschaft nicht nur Geldvcrtcihing versteht: - Mittel benötigen, um der Kolonisation vorwärts zu helfen. Gelingt es, von Nichtzionisten Beiträge zu erhalten oder die moralische Unter- Stützung ihrer Unterschrift zu gewinnen, so ist dies gewiß zu begrüßen. Das haben wir stets versucht -- auch in den Zeiten, als nur der Nationalfonds unser nationaler Fonds war — und es ist stets gelungen. Aber das hat nichts mit der Agencypolitik der Leitung zu tun. Diese basierte auf der Legende, daß große und einflußreiche jüdische Kreise nebst gewaltigen Geldmitteln für Palästina zu gewinnen seien, wenn wir ihnen den Zutritt zur Jewish Agency gewährten. Diese Legende haben wir bekämpft und sie ist als solche entlarvt worden. Was heute als ״Resultat“. der Agencypolitik gemeldet wird, steht in keinerlei Verhältnis zu den Hoffnungen und Erwartungen, die vor vier Jahren von der Leitung cnveckt wurden. Ob jetzt ein ״Jewish Agcncy-Komitec" der Oeffentliciikcit präsentiert wird, ob dieses Komitee auf Grund von Sachverständigenberichten ein Gutachten erstattet — das ist alles ohne wesentliche Bedeutung. Wichtig zu wisset! ist, was weiter folgen wird. Soll dieses neue Komitee in die Jewish Agency Eintreten? Offenbar ist das der Plan der Leitung, und dagegen müssen Mir selbst daun die schwersten Bedenken hegen, wenn zugleich mit diesem Eintritt große Summen von den Nichtzionisten zur Verfügung gestellt würden. Wir wollen keine unverantwortliche Notabeinwirtschaft. Wir dürfen die politische Vertretung unserer Sache nicht Männern übergeben, für die Palästina wie die Krim nur ein Betätigungsfcld ihrer Philanthropie ist. Das wäre nicht nur politisch gefährlich (beim ersten Windstoß Mird in dieser Agency die Einigkeit in die Brüche gehen, wenn die diversen Patrjotismen herührt werden), es ist auch kulturell für wirkliche Zionisten unerträglich. Wir kennen diese gewisse Denkweise, die aus Palästina -- je nach der persönlichen Liebhaberei des Herrn Philanthropen ein Rabbinerseminar oder ein Sanatorium oder eine ״Stätte der Forschung“ machen will. Aber es wird gar nicht dazu kommen -- die Philanthropen lassen bisher nichts von ihrem üeldc sehen, die zionistische Leitung muß einräumen, dal! für die nächsten Jahre keine nennenswerten Mittel von der anderen Seite zu erwarten sind, ja selbst die Berichterstattung der ״Agency-Kommission" und die daun geplante ״Erweiterung der Jewish Agency“ soll erst in ein bis zwei Jahren spruchreif sein. Hätte man das vor vier Jahren gewußt... Sicherlich hätte man diese vier Jahre nützlicher verwenden können, insbesondere auch, um aut wirtschaftlichem Gebiet die Hilfe und das Interesse nichtzionistischer Kreise zu gewinnen. Von dieser Aufgabe hat die verfehlte Agencypolitik der Leitung nur abgelenkt. * Wir bekämpfen diese Leitung, weil ihre Agencypolitik, wie wir es vorausgesagt haben, kein praktisches Resultat er* bracht, dagegen die Zionistische Organisation geschwächt und zerrüttet: hat, weil diese Politik im Prinzip verfehlt, gefähriieh und undurchführbar ist. Wir bekämpfen diese Leitung, weil ihrer innerjüdischen Politik eine ebenso verfehlte Auflassung der Wirtschaftspolitik des Zionismus entspricht, deren Resultate heute denn auch von allen Seiten kritisiert und abgelehnt werden. Wir bekämpfen diese Leitung, weil sie den Zusammenhang von Wirtschaft und Politik in einem entscheidenden Punkte -- hinsichtlich der Rolle der Mandatarmacht ignoriert. Dies auszusprechen, Rechenschaft von der Leitung zu fordern und eine wirkliche Reform herbei/ufuhren. sind Mir verpflichtet, weil wir Zionisten vor der Judcnheit die Verantwortung für die Bewegung tragen, als deren Ziel unverändert die Errichtung eines wirklichen nationalen jüdischen Gijniein- *) Was heißt ״offizielle Presse“? Es handelt sich um die iiid. Tel. Ag.. deren Leiter ein führender Revisionist ist. Es ist also keinesfalls antirevisionistische Tendenz, wenn der volle Wortlaut der Rede nicht mitgeteilt ist. — Red. ,,J.R."

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