Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1927)
- Date
- 1927-06-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 48 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 345 Brief aus Palästina Zwischen A.-C. und Kongreß• — Fazit der Stadtratswahlcn. — Peiach-Tikwah. Von unserem Korrespondenten. A(l. Tel-Awiw, den $. Juni 1027. Ls gibt in jedem Jahre Zeiten in Palästina, wo der Schwerpunkt der Interessen aus dem Lande heraus nach einer Stadt Luropas verlegt wird. Das ist die Zeit der Kongresse, der Sitzungen des Aktious-Comites, früher der Jalircskonfcrenzeit. Wer gewöhnt ist, die Erscheinungen des öffentlichen Lebens im Lande täglich m verfolgen, spürt die Verschiebung des Schwerpunktes sofort. Die Zeitungen sind ״leerer“ als gewöhnlich, ,,es passiert weniger“. Man wartet ungeduldig auf die Sitzungsberichte aus dem Auslände und geht über die inländischen Nachrichten leichter hinweg. Denn zu diesen Konferenzen verläßt der größte Teil der leitenden Persönlichkeilen das Land. Von der!.exekutive und den Fonds werden keine neuen Aktionen eiiigclcitet. Auch eventuelle Oppositioiisaktioncn fehlen, denn es ist keiner da, gegen den man opponieren könnte. Von der Exekutive, dem Keren Hajessod, dem Keren Kajemeth gibt es nur die Maschinen, die in der Richtung weiterlaufen, in der sie eingestellt worden sind, ehe sie von der Leitung verlassen wurden. Das dauert so ein paar Wochen. Dann kommt einer nach dem anderen von den Sitzungsteilnehmern zurück, die tote Zeit ist vorüber. Und diese Intervalle werden so lange wiederkehren, bis alle Institutionen der Zionistischen Organisation in Palästina konzentriert sind. Dann werden Kongresse und Sitzungen in Palästina nicht mehr als ״tote Zeit“ zu registrieren und zu j spüren sein, sondern als Brennpunkte, in denen sich alles j Interesse in Jerusalem konzentriert. Erst dann vielleicht wird j sich eine ״normale“ Leitung schaffen lassen.! Als dieses Mal die Mitglieder des A.-C. nach London j abfuhren, hatte man im Jischuw mehr denn je ein Gefühl j der Anormalität. Denn in den letzten Monaten war die j Situation so kritisch gewesen, daß ein dauerndes Auf-der- Wacht-Stehcn der leitenden Instanzen notwendig war. Jeder Tag konnte neue und oft peinliche Ucberraschungen bringen. Oft waren schnelle Entschlüsse notwendig. Und dennoch waren die Leiter der entscheidenden Departements gezwungen, für Wochen das Land zu verlassen, um in London über Methoden der Gesundung zu beraten. Dennoch sind diese Wochen des Interregnums ohne Zwischenfälle verlaufen. Es gab nicht einmal ernste Proteste in Palästina, daß die Sitzung des Aktions-Comitcs nach London einberufen wurde. Man verstand anscheinend, daß es vielleicht doch geraten sei, die Sitzung in eine ruhigere j Atmosphäre zu verlegen, in eine Gegend, die ״weiter vom . Schuß“ war, so daß man mit mehr Ueberlegung arbeiten konnte. Wochenlang wartete Palästina. Wartete, obwohl es völlig desillusionicrt ist, was die Aktionskraft von Sitzungen heute anbetrifft. Man hoffte nicht darauf, daß sich in London eine neue Goldquelle erschließen würde, die große Arbeitsmöglichkeiten eröffnen könnte. Denn dazu kennt man im Lande zu gut die Kanäle» aus denen die Mittel der Zionistisehen Organisation strömen. Es wartete vielleicht aus dem dampfen Gefühl heraus, daß jetzt endlich eine Wendung zum besseren kommen muß, nur daß niemand weiß, wie. Nachdem die Resultate der Londoner Sitzung durch die Presse bekannt geworden und jetzt, nach der Rückkehr der Sitzungsteilnehmer ergänzt worden sind, ist die Stimmung im Lande nicht viel besser geworden. Von der großen Anleihe erwartet man nicht, daß sie die Dinge auf eine normale Basis wird stellen können. Und gerade im Lande ist es allen ganz klar, daß es nicht darauf ankommt, eine gewisse Zahl von Arbeitslosen kürzere oder längere Zeit zu beschattigen, sondern darauf, so viel Geld zu beschaffen und dieses Geld so anzulegen, daß die Wirtschaft den toten Punkt überwinden und aus sich heraus weiter dauernde Arbeit schaffen kann. Es hat in Palästina niemand geglaubt, daß man das in London erreichen wird, und cs ist daher auch niemand enttäuscht» daß es nicht erreicht worden ist. Das, was in London beschlossen wurde, erscheint neben dieser einen bedrückenden Tatsache als ungenügend. Und diese Erkenntnis wird noch vertieft dadurch, daß Palästina aus Erfahrung sehr gut weiß, wie sich Anleihen auf das Budget kommender Jahre rächen. Trotz aller dieser Vorbehalte hofft man allgemein auf eine gewisse Erleichterung der Lage, sobald die Londoner Beschlüsse durchgeführt und damit die Unterstützungen zum Teil in Arbeit iimgewandelt werden. Ucber die Kommission, die in London beschlossen wurde, uni die Loge zu untersuchen und ein Budget für das kommende Jahr auszuarbeiten, sind die Ansichten sehr geteilt. Es gibt zwar kein Lager in Palästina, das mit dem Status quo zufrieden wäre; der Schrei nach Reformen ist allgemein. Ueber die Art der Reformen und ihre Durchführung sind die Ansichten naturgemäß jedoch sehr geteilt. Und in diesem Zusammenhänge hat die Zusainmeusetzimg der Kommission bei den linken Kreisen starken Anstoß erregt. Der erste, der die Tatsache als sonderbar feststeltte, daß die Arbeiter aus einer Kommission ausgcschlossen werden, obwohl sehr bedeutende Departements in der Leitung durch ihre Vertreter besetzt sind, war der ״Haarez“, Ihm schlossen sich die Organe der Arbeiterschaft an. Man darf aiitichnien, daß durch diesen Beschluß die Tendenz in der Arbeiterschaft gestärkt wird, gegen alle derartigen Untersuchungen, wie sie in der Kommission vorgenommen werden sollen, ein Mißtrauen zu hegen. Darauf wies der Bericht hin, den zwei Vertreter der ״Achduth Haawodah“ (Ben Gurion und Reines) in einer öffentlichen Versammlung über die Londoner Sitzung lieferten. In den Reden dieser Versammlung wurde jeder Vorschlag, der nicht von der Arbeitsgemeinschaft ausging, schärfster Kritik unterzogen, die Pläne der Konsolidierung auf eine Basis mit Arbeitcrfeiiidlichkcit gestellt und damit die Gefahr geschaffen, daß auch vernünftigen Reformen unter der Arbeiterschaft das Wasser abgegraben wird. Im ״H a p 0 e 1 Hazail, wo das Reformbedürfnis stärker ist und daher die Tendenz bestellt, eine Konsolidierungspolitik tatkräftig zu unterstützen, ist die Stimmung gemäßigter, jedoch ist man sich in der gesamten Arbeiterschaft darüber klar, daß die Einführung von Acndcriingen, wenn sie leicht mul glatt vor sich gehen sollen, im Bunde mit und nicht im Kampfe gegen die Arbciterschaft versucht werden müßten. Ob eine solche Möglichkeit überhaupt besteht, wird in Palästina der Wahlkampf zum Kongreß beweisen. Seine ersten Vorläufer sind schon zu spüren und er wird in den nächsten Wochen mit voller Kraft einsetzen. Die Delegation Palästinas zum Kongreß wird diesmal ein bedeutendes Ansteigen der bürgerlichen Wähler bringen. Das wird heute klar, wo es möglich ist, die Zahl der verkauften Schekel ungefähr alm!scl1ät/cn. Die Gründung der ״H i t a c h d 11111 Esraehith Le umith“ (bürgerlich-nationale Vereinigung) hat den Erfolg gehabt, die bürgerlichen Kreise, die bisher stark atomisiert waren, um einen Kristnllisationskcrn zusammcnzu/iclicn. Ls ist ein Block entstanden, der von den Pflanzern in den alten Kolonien bis zu den neuen Einwanderen!, den Öle Polania usw. reicht. Die Gruppe ist heute im lande noch jung und daher nicht so einflußreich wie sic in ihrer numerischen und pekuniären Kraft nach sein könnte. Aber sie ist im Begriff, sich mit ähnlich gesinnten Kreisen aus dem Galuth nisarnmenzuschließcn. Unter diesen limstande!! wird der Wahlkampf in Palästina große Bedeutung haben und vielleicht auch sehr scharfe Formen annehmen. Einige Wochen hindurch werden alle gegeneinander strebenden Kräfte* einen Kampf um den Wälder führen, bis dann die Kongrefl/cit wieder einen neuen Strom aus dem Lande hinausfühlt und eine neue ״tote Zeit“ im Lande beginnt. * Mit den Wahlen zum St ad trat in Jaffa sind die Wahlen in den Hauptstädten Palästinas zum Abschluß ge» kommen. Die Resultate sind wert, kurz beleuchtet zu werden. Man wird sich besinnen, daß unter den Juden eine starke Stimmung gegen die Beteiligung■ an den Wahlen überhaupt bestand, weil das Gesetz nicht den Wünschen der jüdischen Wähler entsprach. Trotzdem hatte die Vertretung der Juden, der Waad Lciimi, gegen den Wahlboykott beschlossen. Und die Juden haben ihre Arbeit bet den Wahlen mit großer Disziplin und guter politischer Zucht getan. Die Tatsache allein, daß in allen Städten eine jüdische Einheitsliste he• stand und daß die Anweisungen der Gemeindcräte über die Persönlichkeiten der arabischen Kandidaten mit großer Genauigkeit befolgt wurden, ist ein schönes Zeichen für das Heren tiaiemclh und Sommerreise? Die Reise - Saison hat begonnen, die Schulferien stehen bevor. Denkt auch im Bade und in der Sommerfrische an den Keren Kajemeth 1 Die Sammeliasche ״Imi" des Keren Kajemeth — in der Westen- oder Handtasche zu tragen — ist das geeignete Sammelmittel, um ohne Mühe und Kosten während der Sommerreise Spenden für den K. K. L. zu erhalten. II ״Imr-Sammeltasdten sind erhältlich: Bei allen Ver- Ij irauensleuten und Bezirkssekretariaten und bet der I Zentrale des K. K. L.. Berlin W 15, Meinekestrafce 10. I Telephon: Bismarck 7165/70. wachsende politische Verständnis und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment, 1108 Wesentliche über Teilinteressen zu stellen. Gerade nach verschiedenen bösen Erfahrungen über Durchbrechung der nationalen Einheitsfront, ist' eine solche Tatsache wie die Zusammenarbeit aller Juden bei den Stadtratswahlen eine wahre Erholung. Die Wahlen bergen außerdem zwei Momente, die bedeutsam sind. Das erste ist die Einigung zwischen Zionisten und Agudath Jisrael in Jerusalem, die zur Schaffung einer Einheitsliste führte, das zweite ist die Niederlage der Partei der ״arabischen Exekutive“, der nationalistischen Extremisten, beinahe auf der ganzen Linie. Das Bündnis mit der Agudah ist gerade in Palästina, wo Spaltung mehr zu Hause ist als Einigung, ein ganz ungewöhnlicher Erfolg, auf den kaum jemand vorher zu hoffen gewagt hatte. Es kann vielleicht zum Ausgang einer weiteren Verständigung werden. Die Niederlage der nationalistischen Extremisten unter den Arabern ist zum Teil eine Folge der einheitlichen jüdischen Politik. Denn da sich die Juden mit den gemäßigten unter den Arabern verbanden, warfen sie ihr Gewicht gegen die Gruppe der arabischen Exekutive in die Wagschale. Aber auch wenn man von dem Gewicht der jüdischen Stimmen absieht, bleibt ein sehr beträchtlicher Rückgang der arabischen Exekutive zu verzeichnen. Diese Partei, die bisher immer als Sprachrohr der palästinensischen Araber hat gelten wollen, hat jetzt hewiesen, daß nur ein Teil und nicht der bedeutendste der Araber hinter ihr steht. Mit dieser Erfahrung darf sich die jüdische Politik nicht begnügen. Sie ist eine Basis, auf der sich sehr gut weiterbauen läßt. Die Zusammenarbeit mit den arabischen Delegierten innerhalb der Munizipalitäten gibt eine gewisse Berülmnigsmöglichkeit mit den Exponenten des Nachbarvolkes, und der geringe Erfolg der arabischen Exekutive eröffnet Möglichkeiten für eine bewußte Aufkläniiigs- und Verständigungsarbeit. Leider haben wir heute irn Jischuw noch nicht die Organe, die für diese Arbeit richtig ausgebildet sind und jeder Einzelne und jede Institution ist mit den eigenen Sorgen so übervoll beschäftigt, daß für eine Anstrengung über die Grenzen des rein jüdischen hinaus nichts übrig bleibt. Vielleicht wird die gemeinsame Arbeit in den Stadt״ raten unsere Kenntnisse in dieser Richtung erweitern und die Notwendigkeit einer Kooperation noch deutlicher machen, als es bereits heute der Fall ist. * Die komplizierte Lage in der Stadt hat die Aufmerksamkeit in den letzten Monaten von der Lage in den Kolonien abgelcnkt. Die Kolonien waren sehr weit besser gestellt als die Städte. Die Lage der Kolonisten — besonders, wo es sich um Orangcricbesitzcr handelt — war in den letzten Jahren sehr befriedigend, und nach der Tabakperiode war es gelungen, die sehr beträchtliche Zahl von 5000 jüdischen Arbeitern in den Kolonien zu konzentrieren. Verschiedene Anstrengungen, diese Zahl noch zu erhöhen und einen bestimmten Teil der Arbeitslosen aus der Stadt wegzuhringen, wollten nicht gelingen, obwohl der arabische Arbeiter bis heute noch nicht aus der Pflanzungskolonic verschwunden ist. Jedoch mehrten sich in der letzten Zeit die Nachrichten über Arbeitslosigkeit auch in den Kolonien. Volle Beschäftigung gibt es hier nie. Die Arbeit ist ihrer Natur nach an die Saison gebunden und mau muß es als normal annchmcn, daß zu Zeilen eine Anzahl von Arbeitern unbeschäftigt in den Kolonien sitzt. Die Versuche der Exekutive, Hilfswirtschaften cinnirkhten, die in dieser Zwischenzeit ein Existenzminimum schaffen, ist bekannt. Aber abgesehen davon schien es, als ob unter dem Zwang der Verhältnisse die Zahl der Arbeiter in «len Kolonien zu sehr angewachsen sei. Einmal war in dieser, einmal in jener Kolonie die Situation unerträglich schwer, besonders deshalb, weil auch in den guten Zeiten, wo cs Arbeit gibt, der Verdienst des Arbeiters mir seine elementarsten Bedürfnisse deckt. In Pc t a c h-T i k w a 11, wo heute gegen 2000׳ Arbeiter konzentriert sind, gibt es eine fast stereotype Arbeitslosigkeit, die in einem dauernden Steigen begriffen sit. Heute, wo cs ein Abfließen nach der Stadt nicht gibt und jeder, der nur irgend vermag, in der Kolonie bleibt, um nicht in der Stadt der vollkommenen Arbeitslosigkeit und damit der Unter- Stützung zu verfallen, hat der Mangel an Arbeit schärfere Formen angenommen. Petach-Tikwah ist schon seit einiger Zeit das Sorgenkind der Exekutive und der landwirtschaftlichen Zentrale der Arbeiterorganisation. Es gab bereits vor einigen Wochen eine Demonstration in Petach-Tikwah, die sehr bald unterdrückt wurde. Dann blieb cs eine zeitlang still, obwohl sich die Lage nicht gebessert hatte. Es war vorauszusehen, daß ohne eine Beschäftigung eines Teils der Arbeitslosen, die sich auf einige Hundert belaufen, Zwischenfalle zu erwarten sind. In dieser Situation haben sich eine Anzahl von Kolonisten aus PetarivTikwah und anderen jjidischen Siedlungen mit einem Aufruf an ihre Genossen., die übrigen Siedler gcwendet. Diese Proklamation ist ein bemerkenswertes und erfreuliches Dokument. Hier treten Pflanzer selbst mit dem Appell an andere Pflanzer heran, mit der jüdischen Arbeit durchweg Ernst zu machen und heute, wo es billige fremde Arbeit in den jüdisch«*(! Kolonien gibt, die Juden zu beschältigen, die ohne Hilfsquellen tatenlos in den Kolonien sitzen. 111 diesem Aufruf für die jüdische Arbeit, der von Bauern ausgeht und an Bauern gerichtet ist, werden alle die Argumente wiederholt, die seit vielen Jahren von den offiziellen Stellen und den Arbeitern zugunsten der jüdischen Arbeit ins Treffen geführt worden sind. Und sie haben im Munde der Lauern, die jüdische Arbeit selbst benutzen, und wie sie sagen, mit Erfolg benutzen einen guten und eindringlichen Klang. Sollte dieser Aufruf bald seine Wirkung ausüben, so kann man von peinlichen Zwischenfällen in den Kolonien, vor allem in Petach-Tikwah verschont bleiben. Sonst sind die Aussichten nicht günstig. Das Problem der Arbeitsloscnuntcr- Stützung in den Kolonien taucht auf. Eine ungeheuer gefährliche Frage. Es handelt sich dabei nicht so sehr um das Geld. Selbst wenn man weniger zahlen muß, als in der Stadt, wäre damit wenig geholfen. Denn Unterstützung in den Kolonien heißt die ganze Stimmung, die Apathie, vielleicht auch gewisse Demoralisation der Städte in die Siedlungen tragen, die bisher von diesem Unglück und seinen schweren Folgen verschont geblieben waren. Und wenn noch in der Stadt die Lage wirklich schlecht ist und nur die Möglichkeit der Unterstützung blieb, so ist in den Kolonien keinerlei Berechtigung dafür zu entdecken. Die Kolonien entwickeln sich gut, sie breiten sich aus, sie setzen ihre Produkte gut ab, sic wachsen an Boden und Einwohnern. Sic haben noch immer — wenn auch sehr viel weniger als früher — billige Arbeit. Es zeugt von gutem Verständnis für alle diese Faktoren, daß sich ein Teil der Kolonisten mit aller Kraft dafür einsetzt, diese sicheren auf• blühenden Stellen der Wirtschaft von der Gefahr der Unter- Stützung freiziihaltcn, durch eine Anstrengung der Kolonisten selbst, in deren Hand es liegt, der Gefahr zu begegnen. Palästina auf »dem Gewerkschaftskongreß Jerusalem, 13. Juni. (J.T.A.) Die allgemeine palästinensische Arbeiterföderation (Histadruth) wird auf dem am 1. August in Paris zu eröffnenden Internationalen Gewerkschafts Kongreß durch Ben Zwi, Ben G u - rion und Dr. Arlosoroff vertreten sein. Von Paris begeben sich die palästinensischen Arbeitervertreter nach Stockholm zur Teilnahme an dem Internationalen Kongreß der Bergfsgenosscnschaften (Kooperativen), der am 16. August eröffnet wird. Eingesandt Eine Nachbemerkung zu Holdheims Schlußwort Die Redaktion der ״Jiid. Rundschau“ hat Holdheim das Schlußwort erteilt, und somit ist die Diskussion zum Ab- Schluß gekommen. Es ist also unmöglich, nochmals in eine sachliche Erörterung einzutreten. Es ist aber auch mir nicht einmal erwünscht, jetzt und unter diesen Bedingtmgcn die Debatte fort/uset/en. Ich für meinen Teil und für meine Gruppe möchte nicht wieder in Abwehr auf dem Plan erscheinen, sondern erst wieder sprechen, wenn es sich um erneute konstruktive Darlegung dessen handelt, was wir wollen. Was mich jedoch nötigt, in gedrängtester Kürze noch einmal zu reden, ist die Abwehr einiger krasser Mißverständnisse. Zunächst leime ich den Vorwurf ab, in unerlaubter Weise eine SchwcrpunktsversehieInnig de: Problems dadurch vorgenoinmcn zu!iahen, daß ich die Kritik der Psychoanalyse zum Kernstück gemacht habe. Ich habe in meiner langen schriftstellerischen Tätigkeit die publizistische Moral immer liocligehalten und es vermieden, durch billige Kniffe einen Scheinerfolg davoiiztitragen. Ich habe auch gar nicht, wie Hold heim es darstellt, die Analyse zum Kernstück gemacht. Ich habe freilich den Umstand, daß stark psychoanalytisch gefärbte Gedankengänge Holdheims Ausführungen eingeleitet haben (mir liegen, da ich gegenwärtig auf Reisen bin, die betr. Nummern der Rundschau nicht vor, ich muß mich also auf mein Gedächtnis verlassen), und daß insbesondere der Jom Kippur (und, soweit mir ist Erinnerung ist, auch andere Betrachtungen) durchaus gewaltsam psychoanalytischem Urteil unterworfen wurden, /um Anlaß genommen, die Abwegigkeit und Bedenklichkeit dieser Methode ins rechte Licht zu rücken. Zu einem scharfen Urteil hielt ich mich um so eher beredttigt, als ich als ärztlicher Beobachter Beispiele vor Augen habe, die ein warnendes Zeichen sind. Uebcrhnupt hißte Herr Holdlicim es sich sparen können, 111 ich und meine Freunde als engstirnige Talmudistcii mit wenig Wissen von anderen Wissenschaftsgebieten zu charakterisicrcn und die niisrachistische Haltung (übrigens habe ich für mich gesprochen) und insbesondere die von mir in vielen Aufsätzen vertretene Auffassung als absolute orthodoxe Lehre hinzustellen. Ich glaube, die Orthodoxie würde herzlich unzufrieden sein, wenn ich als ihr Vertreter gelten sollte. Nein, wir sind weder borniert noch usurpatorisch, Herr Holdheim. Ich wollte, ich wäre ein solcher Talmudgelehrter, wie Sie cs meinen; sicherlich hin ich weitschaueiider und auf mehr Gebieten zu Hause, als Sie glauben, Sie können uns