Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1927)
- Date
- 1927-06-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 342 JU EDI SC HE RUNDSCHAU Nr. 4R überhaupt zu verhüten, scheint um so fraglicher, wenn wir bedenken, dal! in allen Nachbarländern, die den gleichen Status wie Palästina haben, eine Konstitution bereits existiert. Die Wahlen in die Stadtverwaltungen wurden von der Regierung als ein erster Versuch betrachtet, Selbstverwaltungs-Institutionen in Palästina auf detnokratischem Wege zu schaffen. Wir wissen nicht, ob die Informationen, wonach die Regierung jetzt schon den zweiten Schritt machen und eine gewählte Körperschaft für das ganze f and einberufen will, richtig sind. Sicher aber scheint uns zu sein, daß wir Juden dieser Entwichlung nicht untätig zuschen dürfen. Unsere Aufgabe ist es, einen Vorschlag auszuarbeiten, der auch für den Fall eines allmählichen Uebergangcs zu einem demokratischen System die Fortführung unserer Arbeit sichert. Daß dies unter den heutigen Umständen nicht anders denkbar ist als in der Form von nationalen Kammern, wurde an dieser Stelle wiederholt bereits ausgeführt, leider ohne Verständnis in der von allerhand Demagogien irregeführteil zionistischen Welt zu finden. $ Der Zionismus, der die Sympathien aller Nationen zu gewinnen suchen muß, nimmt mit Genugtuung Kenntnis von den jüngsten Erklärungen des italienischen Regierungschefs, die durch die Agenzia Stcfani offiziell verbreitet wurden. Italien war lange Zeit den zionistisehen Bestrebungen nicht günstig gesinnt, weil die starken Aspirationen Italiens auf die Kolonialgebicte am Mittelmeer es verhinderten, sich mit dem englischen Mandat über Palästina und dem zionistischen Plan abzufinden. Italien fühlt sich durch den Friedensschluß benachteiligt, der die Mandate zwischen England und Frankreich verteilte und das stark übervölkerte und nach imperialer Betätigung strebende Italien unberücksichtigt ließ. Der jetzige Generalkonsul in Palästina, Signor Pcdrazzi, hat vor einigen Jahren über diese Fragen ein Buch gcschrieben, worin er auch Palästina als ein Ziel der italienischen Expansionspolitik bezeichnet. Die Gerüchte über Abtretung des syrischen Mandates an Italien haben vor einem halben Jahr die Oeffentliclikeit stark beschäftigt und als ein Kuriosum sei in diesem Zusammenhang erwähnt, daß in Londoner Boulevard-Blättern der Gedanke propagiert wird, auch das Palästina-Mandat an Italien abzutreten. Dies sind natürlich ganz unreale Konstruktronen, aber die Rivalität Italiens im östlichen Mittelmeer, die sich auch in der Schaffung von Stützpunkten im Jemen ausdrückt, ist eine Tatsache, mit der man rechnen muß. Freilich das Hauptziel italienischer Kolonialpolitik, Einwanderungsgebiete für den italienischen Bevölkerungs-Ueberschuß zu sein, können diese Gebiete keineswegs erfüllen. Ihre Erschließung bedarf ungeheurer Anstrengungen und ist nicht rentabel im primitiven Wortsinne. Mit Recht wurde jüngst darauf hingewiesen, daß 7. B. Südfrankreich eine weit größere Zahl italienischer Eiitwanderer aufnehmen könnte als Nordafrika oder die Levante. Für Palästina insbesondere gilt, daß nur ein Element, welches ein spezielles, außerwirtscliaftliches Interesse hat, für das Land in Betracht kommt, weil um eines ideellen Wertes willen beträchtliche Opfer an Kraft und Geld a fonds perdu gebracht werden müssen, um das Land für Einwanderung aufnahmefähig zu machen. Die Italiener haben dies auch erkannt und ihre Feindschaft gegen den Zionismus scheint im Schwinden begriffen. Dazu dürfte auch die neue Orientierung der italienischen Politik zu England viel beigetragen haben, Pedrazzi hat jetzt mehrfach Erklärungen abgegeben, er habe seine frühere Meinung über den Zionismus geändert und sei ein Freund der zionistischen Sache geworden. Nun hat auch Mussolini den zionistischen Vertreter Dr. Jacobson, seiner Sympathie für den Zionismus versichert und sein Einverständnis für die Gründung eines Pro Palästina Komitees gegeben. Wir beglückwünschen Dr. Jacobson zu diesem Erfolg und erwarten, daß das Komitee bald ins Leben gerufen wird. * Die Welt ist heute voll von politischen Spannungen, die Beziehungen zwischen den Völkern verschärfen sich und der Friede ist bedroht. In einer solchen Zeit ist natürlich auch für den Zionismus, der ja innerhalb der Welfpolitik nur einen winzigen Ausschnitt bildet, Grand zu erhöhter politischer Aufmerksamkeit, die unterstützt werden muß durch klare Erkenntnis der wirklichen Macht- Verhältnisse. Unsere heutigen Rechte auf Palästina wurden begründet während des Krieges, in einer sehr bewegten Zeit, wo große Parolen entscheidende psychologische Wirkung hatten, die Einzelheiten der tatsächliehen Durchführung aber niemanden beschäftigten. Für die Erkenntnis der inneren Entwicklung seit den Tagen der Balfour-Deklaration ist ein Artikel charakteristisch, der im Rahmen einer Polemik gegen Lipskys Kritik der Mandatarregicrung vor einiger Zeit in der Zeitschrift ״The Nea r East and I ndia“, die dem englischen Kolonialamt nahesteht, erschienen ist. Der Artikel weist die Behauptung, die Palästinaregierung sei für die Krise verantwortlich, zurück und erklärt, eine solche Anschauung könne sich nur auf einer Mißdeutung des Begriffes ״National Home“ aufbauen. ״Wir wünschen nicht — fährt das Blatt fort — in einer Wunde zu wühlen, die noch frisch ist. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Balfour-Deklaration, die von der britischen Regierung zu einer Zeit als weder die Möglichkeit noch die Neigung vorhanden war, alle etwaigen Verzweigungen irgendeiner Politik genau zu prüfen, in völlig gutem Glauben gegeben wurde, den Zionisten Aussichten gemacht hat, die die Regierung nicht zu zerstreuen versuchte. Man ließ die Zionisten, die dafür nicht getadelt werden können, auf die Deklaration die ausschweifendsten Hoffnungen eines ganz und gar jüdischen Palästina aufbauen. Damals war das Land türkisches Territorium, und wenn man überhaupt an die Landesbevölkertmg dachte, so jedenfalls nicht im Zusammenhang mit natürlichen Rechten und Selbstbestimmung. Als dann die Zeit für die Zionisten kam, alle ihre Träume in Wirklichkeit umzusetzen, erwachte die britische Regierung zu der unangenehmen Erkenntnis, daß sic die zionistischen Hoffnungen zu einem unmöglichen Ausmaß hatte anwachseii lassen. Für beide Teile war die Situation außerordentlich peinlich. Die Zionisten konnten nicht zurück; die britische Regierung konnte nicht die Rechte einer arabischen Bevölkerung, die sechs- oder siebenmal so groß wie die jüdische war, ignorieren. Jüdische Energie und jüdische Begeisterung versprachen Palästina aufzuhauen; das Problem war, diese fortdauern zu lassen, wahrend die übertriebenen politischen Hoffnungen abgebaut wurden. Wir haben geglaubt, daß diese Schwierigkeit auf dem besteitfWege ist, überwunden zu werden. Hie Vernünftigkeit der Zionisten und der Takt der Regierung schienen Wunder zu bewirken. Die ökonomische Krise, von der die Welt leidet, und die ihre Hand schwer auf Palästina gelegt hat, hat jedoch die Situation ernsthaft angespannt... Das Blatt geht daun auf die Einzelheiten der Kritik Lipskys ein und schließt mit folgenden Worten: ״Unser nationaler Stolz fordert, daß das Palästinamandat ein Erfolg sei; aber der Weg zwischen der jüdischen Scylla und der arabischen Charybdis ist schwierig. Die britische ״Regicrung dürfte sich in diesem Stadium kaum von dem Wege strikter Unparteilichkeit ablenkcn lassen. Sic kann nicht anders als wohlwollend gegenüber den Juden sein, deren großartige Hilfe für den Aufbau Palästinas unschätzbar ist; aber ebenso bestimmt sind ihre Verpflichtungen gegenüber den Arabern. Sic kann daher nur weiter auf ihrem Mittelweg geben, vor sich das Ziel eines Palästinas, in welchem Juden und Araber in Harmonie für ihre gemeinsamen Interessen a rbe itc n in einem Lande, zu dessen Wohlergehen jeder Teil der Bevölkerung nach seinem Vermögen beitragen soll.“ Die Darstellung des ״Near East“, die durch ihre Offenheit bemerkenswert ist, stellt unseres Erachtens die psychologische Entwicklung ziemlich richtig dar, kommt aber zum Teil zu unrichtigen praktischen Konsequenzen. Die Juden kommen, wie das Blatt richtig sagt, als ein wertvoller Faktor des Aufbans mit ihrer Begeisterung und ihrem Kapital in das Land. Sic beflügeln den Fortschritt und Wohlstand und beschleunigen den Prozeß der Kultivicrung des Landes, sie führen dein Lande materielle Mittel zu, von denen auch das Regierangsbudget ausgiebig profitiert. In jedem Lande, besonders aber in jedem Koloniallande, würde die Regierung einem derartigen Bevölkerangselement aktiv entgegenkommen und ihm seine Arbeit nach Möglichkeit erleichtern. So z. B. ist es unseres Wissens einzig dastehend, wenn in Palästina die neugegründeten Siedlungen, die noch gar nicht auf eigenen Füßen stehen, mit dem vollen Oscher besteuert werden, so daß ihre materielle Entwicklung gefährdet wird, während in jedem anderen Lande sowohl ackerbaulichen als auch industriellen Neugründungen die Steuern erlassen oder stark ermäßigt werden. Dies ist ja auch vernünftige Finanzpolitik, denn jede Regierung ist daran interessiert, daß die Unternehmungen reüssieren und später ergiebige Steuerquellen werden. Wenn in Palästina die Regierung diesen Grundsatz gesunder Steuerpolitik verläßt, so ist dies wohl nur dadurch zu erklären, daß mail annimmt, die jüdische Gemeinschaft werde schon aus öffentlichen Fonds die Fehlbeträge decken. Dies ist aber genau so eine Fehlauffassung der jüdischen Rolle wie die den Juden nicht mit Unrecht zugeschriebene Fehlauffassung der englischen Rolle. Es gibt noch mehrere derartige Punkte. Das zögernde Verhalten der Regierung in der Frage der Staatsländercicn z. B. läßt sich keineswegs rechtfertigen durch die Ablehnung übertriebener Judenstaats-Hoffnungen, denn die Erfüllung des Artikels 6 des Mandates ist auch im Sinne der Interpretation, die das Weißbuch dem Begriff ״National Home“ gegeben hat, unerläßlich. Die Regierang hat in der letzten Zeit bei manchen Gelegenheiten ihren Willen gezeigt, den Juden zu helfen, aber es wäre bedauerlich, wenn diese Hilfe sich nur auf Einspringen in einem besonderen Notstand beschränkte und nicht den großen konstruktiven Plänen zugute käme, die eine Intensivierung der jüdischen Arbeit, eine Vergrößerung der jüdischen Bevölkerung im Sinne des Weißbuchs und damit auch ein Aufblühen des Landes herbeiführen sollen. Können wir also den Standpunkt des ״Ncar East“ nicht akzeptieren, so müssen wir doch daraus lernen, wie maßgebende — und sicher nicht übelwollende — englische Kreise den Zionismus betrachten. Insbesondere die Darlegung über die Wandlungen, die die politische Konzeption im Verlaufe der Entwicklung durch den Zusammenstoß mit der anfangs begreiflicherweise ignorierten Wirklichkeit durchgemacht hat, sollte auch von Zionisten, die eine Verwirklichung des Zionismus in der Tat lind nicht nur schöne Reden wünschen, überdacht werden. Wir erleichtern unsern Gegnern ihr Spiel außerordentlich, wenn wir Konzeptionen und Forderungen proklamieren, die von den objektiven Faktoren keine Notiz nehmen und so konstruiert sind, als ob es außerhalb der jüdischen Sache keine Tatsachen und Kräfte mehr gebe. Die politische Aufgabe des Augenblicks ist die Aufstellung und Durchführung eines politischen Programms, das mit allen Realitäten rechnet, die psychologische Situation des Partners zu verstehen versucht und dann innerhalb der dadurch gegebenen tatsächliehen und psychologischen Konstellation unsere gerechten Forderungen durchzusetzen versucht. Die Unbekümmertheit unseres politischen Extremismus vermag uns nur der Chancen zu berauben, die wir heute für eine ruhige fortschreitende Entwicklung des Nationalen Heimes haben. Sokolow beim Präsidenten des Freistaates Irland Dublin, 12. Juni. (J.T.A.) Nahum Sokolow, der jetzt im Interesse des Keren Hajessod in Dublin weilt, wurde am 10. Juni, vormittags, vom Präsidenten des Freistaats Irland, Cosgrave, im Regierungspalais empfangen. Am TI. Juni nachmittags hatte Herr Sokolow ein Gespräch mit dem Gcneralgouverneur von Irland. Er war vom Oberrabbiner Dr! Herzog begleitet, Zionismus and ״Frankfurter Zeitung“ Die ״Frankfurter Zeitung“ setzt im zweiten Morgenblatt vöm 10. Juni die Reihe ihrer antizionistischen Artikd fort mit einem Beitrag des Herrn Georg Meck lenbn rg ans Chemnitz. Herr Mecklenburg erklärt, der Zionismus sei keine innerjüdische, sondern eine deutsche politische Frage, da durch seinen Erfolg ״WO 000 deutsche Volksangehörige aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgeschlossen werden“ und ״Deutschland die Kräfte aller seiner Volksgenossen zuni Wiederaufbau nicht entbehren könne“. Die kuriose Vorstellung, daß das deutsche Volk ausgerechnet Herrn Mecklenburg dazu bcrufen hat, dafür zu sorgen, daß ihm die jüdischen Kräfte nicht verloren gehen, soll uns hier nicht beschäftigen. Aber schon diese Einleitung wirft rin grelles Lieht auf die unaufrichtige und verworrene Art der Polemik, zu deren Sprachrohr sich die. einst auf ihr Niveau so bedachte ״Frankfurter Zeitung“ hergibt. Denn da sogar Herr Mecklenburg einen begrifflichen Unterschied zwischen Volkstum und Staat macht, ist nicht zu verstehen, inwiefern jüdisch fühlende Bürger Deutschlands, die ihr Volkstum nicht verleugnen, weniger am Wiederaufbau Deutschlands mitwirken sollten als solche, die die allgemein empfundene Tatsache ihrer Sonderstellung ignorieren. Denn nicht um den Aufbau eines deutschen ״Volkstums“ im völkischen Sinne kann es sich ja in diesem Zusammenhang handeln, sondern um den Aufbau der sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen des Staates, an denen alle Staatsbürger gleichen Anteil haben müssen, sofern Gleichberechtigung nicht eine leere Phrase ist. Die ״Aus- Schließung“ ist also nur von Herrn Mecklenburg erfunden. Aber wir sind cs schon gewöhnt, daß nationaldeutsche Aesimilanten durch ihr würdeloses Auftreten nicht nur das Judentum beschämen, sondern den Antisemiten direkte Vorspanndienste leisten und Argumente liefern. Die Spekulation, daß man durch Verdächtigung anderer Juden seine eigene patriotische Gesinnung besonders leuchtend in Szene setzen kann und sich dadurch eine Art Immunität gegenüber antijüdischen Angriffen sichert, hat sich glücklicherweise schon oft als falsch erwiesen. Die Antisemiten machen keine Unterschiede zwischen Juden, und die anständig denkenden Elemente des deutschen Volkes fühlen sieb mit Recht durch die assimilatorischen Anbiederungen angewidert, haben aber Verständnis für ein Judentum, das bei aller Anerkennung der durch Staat, Galuthgeschichte und Bildungsgcmeinschaft gegebenen Bindungen das Bewußtsein seiner Sonderstellung nicht verliert und für die Wiederaufrichtung des Judentums sich einsetzt. Es lohnt sich nicht, auf die Ausführungen des Herrn Mecklenburg einzugehen, die nur das wiederholen, was schon unzählige Male von extrem-assimilatorischer Seite vorgebracht wurde. Wir begnügen uns damit, einen Satz zu zitieren, der den Tiefstand dieser Erörterung zeigt. Herr Mecklenburg bezieht sich auf den Satz von Kurt Blumenfeld in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 25. Mai, daß die Zionisten ״eine Umwandlung der Machtverhältnisse der Judenheit in der Welt“ anstreben, und bemerkt dazu: ״Wir deutschen Juden rücken weit ab von den Ideen dieser Phantasten, die einen Kampf aller Juden um eine Macht propagieren, genau so wie wir die Unterstellungen der Antisemiten vom Schlage eines Di nt er nach Machtgelüsten von uns gewiesen haben.“ Der Schreiber will hier offenbar durch die Erwähnung Dinters einschüchternd auf seine Leser wirken, denen vörSchweben muß, die Zionisten erstrebten irgend etwas ähnliches, wie Dinter von den Juden aussagt. Jedem verständigen Leser ist klar, daß Blumenfeld etwas ganz anderes gemeint hat, nämlich eine Verschiebung der innerjüdisehen Machtverhältnisse, die es z. B. verhindern soll, daß künftig Menschen vom Schlage des Herrn Mecklenburg repräsentative Positionen im Judentum innehaben. Aber unter diesen Umständen darf es einen nicht mehr wundern, wenn Herr Mecklenburg weiter sagt, die amerikanischen Zionisten verhüllten jetzt noch ihre geheimen Ziele und würden sie erst nach Erreichung deklarieren. Von hier ist nur noch ein Schritt zu den ״Geheimnissen der Weisen von Zion“. Die Zionisten fürchten nicht eine derartige Polemik. Ihre Ziele liegen offen zutage, ihre Arbeit unterliegt der Kontrolle der ganzen Welt, und obwohl unglücklicherweise das Schicksal des jüdischen Volkes einzigartig ist und nicht durch Schablonenhafte Begriffe ausgedrückt werden kann und daher die Judenfrage von Köpfen, die nur in ausgefahrenen Gleisen zu denken vermögen und sich die Mühe einer Konzentration auf den speziellen Fall nicht geben, nicht begriffen werden kann, glauben wir, daß die Besten aller Völker uns verstehen und uns verstehen müssen, weil die Gerechtigkeit es fordert und weil die Lösung der Judenfrage ein akutes Weltinteresse ist. Die ״Frankfurter Zeitung“ freilich scheint in dieser Frage so fixiert zu sein, daß logische Deduktionen machtlos sind. Dieses Blatt pflegt ja auch in Nebenfragen eine Leidenschaft und Konsequenz zu entwickeln, die für das Publikum, das die Interna der Redaktion nicht kennt, unverständlich sind. So war sie durch viele Jahre das führende Organ der Impfgegner in Deutschland, so hat sie jetzt die Schrulle, ihren Lesern antizionistische Ciesinnung einzudrillen. Sie entwickelt hierbei eine Unduld- » samkeit, die in scharfem Widerspruch steht zu dem Grundsatz, daß in nationalen Fragen das Recht der subjektiven Entscheidung respektiert werden muß, ohne daß diese Entscheidung die Stellung des Staatsbürgers gefährden darf. In allen andern Fällen, deren es ja im heutigen Europa genug gibt, wird die ״Frankfurter Zeitung“ die Gewissensfreiheit und Bekenntnisfreiheit auch in nationaler Beziehung sicherlich verteidigen. Gerade bezüglich der Judenfrage hält sie nur sich selber für autoritativ, obwohl sie gerade hier nicht legitimiert ist, andern Bürgern ihre Gesinnung %׳orzuschreiben, sondern die Existenz und Berechtigung einer anders denkenden Gruppe von Juden anerkennen müßte. Aber hier scheint der Fall — aus Gründen, die wir nicht zu erörtern haben •— hoffnungslos zu liegen. _ Palästinas Orangenernte Trotz der Sturm- und Frostschäden verzeichnete die Orangenernte Palästinas während des letzten Erntejahres, wie der Ziko aus Jerusalem gemeldet wird, ein Rekordergebnis. Die bis 1. April vorliegenden genauen Exportzahlen geben die Orangeausfuhr mit 2163120 Kisten an gegenüber nur 1 117834 im Vorjahre. Der Wert der exportierten Ware stieg gegenüber dem Vorjahre um £c 316603. England allein importierte in diesem Jahre um 416000 Kisten mehr als im Vorjahre. _ Das Joint Distribution Committee hat beschlossen, zur Stützung der jüdischen Anstalten in Rumänien eine Summe von 75000 Dollar zur Verfügung zu stellen,