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Jüdische Rundschau · 1927-06-17 · Heft 48 (17.6.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 48 (17.6.1927)
Date
1927-06-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ßiruuibmmmcr öjö Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W15, Meinekestraßa 10. Erscheint ieden Dienstag and Freitag. Bemgspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, xiertelfEhrlich 5,25 Goldmark. AaitftcdstbcMcmei&esl• werden in der WlbrtragJ der einzelnen Linder berechne*■ Anzeigen «Verwaltung Jüdische RnndschanG.m.b.H., Berlin W15, Meinekeatr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Ao1BigBapr«U?8gcspAli.Not}p*rctliccene0(50G.׳M Steü«®get0d*eÖ,25 G.*M» Anzeigenschluß: D ז e 81 מ a 5 ס cd breit*! o*e%mitt*2 4 Ufer- Telephon: Bismarck 7165- 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392 Für Oenictrelcb; P0sltparlt*«s®oaa»i Wien, Konto Nr. 154 030, Für T»chtdsoslowtkri * Pottsp«rkj*«eRamt Prag, Konto Nr- 59 <10. Für Polen: Postiparkasfetiamt Warscbaa» Konto Nt. 190708. Rcdaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 48 | Berlin, 17. VI. 1927 י״ז פיון׳ חרפ״ז | xxxil Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das Jüdisch• Volk dl• » Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Helmstüite ln PaMsllna. ״Basalar Programm.1* Drei Millionen Keren Hajessod Me Einnahmen im Mai Wie der Ziko aus Jerusalem telegraphiert wird, betrugen die Keren Hajessod-Eingätige im Mai £ 47862 gegenüber £ 44 442 im Vorjahre. Davon brachten auf: Ver. Staaten £33117, Südafrika £ 3000, Deutschlancl £ 21SS, Rumänien £ 1999, Polen t 1761, Singapure £ 1300, Tschechoslowakei £ 1127. Der Keren Hajessod schreitet so nunmehr auf die vierte Million Pfund zu, nachdem mit den Mai-Eingingen die dritte Million um 7000 Pfund überschritten worden ist. Die Keren Hajessod-Eingänge während der ersten acht Monate des laufenden Budgetjahres (1. Oktober bis I. Juni) beinigen £ 440150 (£ 55 000 im Monatsdurchschnitt). Davon haben aufgebracht: Vereinigte Staaten £ 227 262, Südafrika £ 44 147, England £ 33 131, Kanada £ 28 728, Deutschland £ 19588, Rumänien £ 19 477, Holland £ 7414, Tschechoslowakei C 7012. * Wenn auch die 25 Millionen, mit denen man Anfangs gerechnet hat, in 5 Jahren nicht aufgebracht wurden, so sind doch 3 Millionen Pfund in 6 Jahren eine respektable Leistung, die das lebendige Interesse des jüdischen Volkes am Palästina- Aufbau beweist. Freilich: Wollen wir wirklich eine na t io - 11 a 1 e Heimstätte, so müssen wir noch weit größere Anstrengungen machen als bisher. Der Keren-Hajessoci möge bald die vierte Million erreichen und in die Lage versetzt werden, seine Aufbau-Aufgabe in höherem Maße zu!erfüllen als es ihm seine Mitte! bisher erlaubten. Die Agency-Kommission an der Arbeit Jerusalem, 13. Juni. <J. T. A.) Das Mitglied der Jewish .Agency Kommission, Dr. Lee K. Frankei, Vize- . ,״ ־Präsident der Metropolitan Insurance, Company in New-York, an der Harvard-Universität und Sekretär der amerikanischen Abteilung der Jewish Agency-Kommission, in Palästina eingetroffen.־ vZu den schonseit mehreren Tagen im Lande weilenden ausländischen 'Experten sind noch die folgenden hinzugekommen: Professor Milton J. Roscnow vom Departc.mcnt für Prophylaxe an der Harvard-Universität, Dr. Charles F. W i 1!n sky, der Vizekommissar für öffentliche Gesundheit der Stadt Boston. Die Experten haben bereits ihre Arbeit begonnen. Economic Board for Patesttne London, 12. Juni. (J.T. A.) Der englisch-jüdische EconomTe Board for Palestine hielt in diesen Tagen seine Jahres- Versammlung ab, der Sir Alfred!Mond präsidierte und die Herren Sir Robert Waley Cohen, James de Rotschild, A. E. ISdisha, Sigmund Samuel, Oberstleutnant. H. J. Solomon, Leoriard I. Cohen, O. E. d’Avigdor Goklsmid, Colonel Mandelherg, Frau H. Cohen, Robert Mond u. a. ni. beiwohnten. O. E. tl’Avigdor Goldsmid vertrat die J. €. A. Der Präsident des Economic Board, Sir Alfred Mond, führte aus, daß der Rückgang־, der vor kurzem in Palästina zu verzeichnen war, allen jenen, die wissen, daß bei der Kolonisierung eines neuen Landes Schwankungen «n• vermeidlich sind, nicht unerwartet gekommen war. Es sei kein Anlaß zur E n t m u t i gttn g , wenn die Dinge nicht mit der erwartetet! Eile vorwärts gehen. Ich war, fuhr Sir Alfred Mond fort, mein Leben lang Freihändler, jedoch die Entwicklung eines neuen Landes heischt den Schutz der eigenen, in der Entwicklung begriffenen Industrie durch Zölle. Die Regierung Großbritanniens und die Palästinas gewährten den Juden nicht denjenigen Schutz und die Unter- Stützung, auf die sie als PiopierC eines neuen Landes ein Recht haben. Zum Schluß appellierte Sir Alfred Mond an die Anwesenden, für die Unterbringung der Aktien der Palestine-Corporation Sorge zu tragen, damit diese in die Lage versetzt werde, ihr Arbeitsprogranim durchzuführcn. Die .,Nesher-Conipany“ in Palästina mache gute Fortschritte, benötige aber zu einer weiteren günstigen Entwicklung mehr Unterstützung. Der Versammlung lag ein Bericht des Vertreters des Econoniic Board in Palästina, Herrn A. Gold water vor, worin ausgeführt wird, daß die Orangen und Friichteproduktion ein gutes Jahr hinter sich habe, daß aber für eine neue Immigration in Tel-Awiw und Haifa die Lage noch schwierig sei. Das Aufhören der Bautätigkeit in diesen Städten haben große Arbeitslosigkeit und eine Abnahme der Ein- Wanderung verursacht. Palästina habe einen starken Bedarf nach privatem Kapital. Dies zu beschaffen sei das Hauptziel der Economic Board. Bei entsprechender Leitung sind die Bedingungen für Kapitalsanlage in Palästina sehr günstig und es könne eine gute Verzinsung erreicht werden. Die Orangenzüchter z. B. bieten volle Sicherheit für Darlehen. Wenn in Palästina den Obstzüchtern diejenigen Erleichterungen gewährt; werden, wie sie den Obstzüchtern in anderen Ländern geboten sind, so könnten Leute mit beschränkten Mitteln in dieser Industrie prosperieren. Die Pakstinc-Corporation schlägt vor, eine Gesellschaft zur Vcr- Sorgung der Obstzüchtcr mit Kapital zu begründen. Weizmann in Berlin Dr. Weizmann, der bekanntlich durch die Krankheit seiner Frau verhindert war, in dieser Woche Deutschland zu besuchen, wird am 27. d. Mts. in Berlin emtreffen. Am 129. d. Mt.s. findet im Lehrervereinshaus, Alexanderplatz ei ne g r o ß e öffentliche K1! n d g e b u 11 g statt, bei der Dr. Weizmann sprechen wird. Vom Präsidium des deutschen Keren Hajessod Das Präsidium des deutschen Keren-Hajessod hat auf Anregung seines Vorsitzenden, des Herrn Direktor Oscar Wassermann, einstimmig beschlossen, Herrn Dr. Bernhard Kahn, den Direktor des American Joint Distribution Committen, in das Präsidium zu kooptieren. Herr Dr. Kahn hat die Wahl angenommen. Wir sind überzeugt, daß diese Wahl von allen Freunden des Palästina-Aufbauwerkes mit besonderer Freude begrüßt wird. Herr Dr. Bernhard Kahn, der langjährige Leiter des ״Hilfsvereins der deutschen Juden“, führt bekanntlich seit Jahren die Wiederaufbauarbeit des großen amerikanischen Hilfs- Werks des ״Joint“ in Europa. Der Name Dr. Kahn's ist untrennbar verbunden mit der Wiederaufrichtung der jüdischen Wirtschaft In Polen und Litauen und mit dem jüdischen Siedlungswerk in Rußland. Wir begrüßen es deshalb besonders, daß eine Persönlichkeit von der Bedeutung und den Kenntnissen wie Herr Dr. Kahn’s, der seit jeher auch dem Palästinagedanken aufs Engste verbunden ist, nunmehr führend in die Leitung des Palästinaaufbauwerks in Deutschland eintritt _ Aus dem weiteren Bericht geht hervor, daß die Palestine-Corporation 1926 einen Nettogewinn von £e 825 erzielte. Das vbll Ungezählte Aktienkapital beträgt £e 30.100. An Darlehen wurden 1926 £e 130.11.2 gegen . £ 80.797 iro .. Nar .7,*«/«,. ries ■ *ntttebesen Kapitals Wtfd als •düble* gftbtjchf, *vlis angesichts des im Lande herrschenden finanziellen Drucks als ein sehr befried!- gen d es E r g e b n i s angesehen werden kann. Kritik des arabischen Memorandums ״Palestine and Near East“ (Tel-Awiw) bespricht das Memorandum der arabischen Exekutive an den Völkerbund, das als ein ״komisches Gemisch unbegründeter Anschuld igungen und glatter Fälschungen“ bezeichnet wird. Der Artikel beschäftigt sich insbesondere mit der Behauptung des Memorandums, daß eine den. Wirtschaftliehen Möglichkeiten Palästinas nicht angemessene Ein wänderung stattgefunden habe und daß jetzt die Juden das Land verließen, die Araber hingegen, die sich an ihr Land gebunden fühlten, die Leiden auf. sich nehmen müßten, die andere verschuldet hätten. Demgegenüber erinnert die Zeitung daran, daß die Zeit der großen Einwanderung eine Zeit größter Prosperität für die Araber gewesen sei: die Großgrundbesitzer hätten die für sie nutzlosen Böden zu horrenden Preisen au die Juden verkauft, die Bauern hätten in den schnell anwachsenden jüdischen Städten einen aufnahmefähige'n Markt für ihre Produkte gefunden, die Städter hätten dank des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwunges bessere Geschäfte gemacht. Der Artikel berechnet, daß in dem einen Jahr 1925 Juden an Araber r 11 n d z w e i Millionen Pfund gezahlt hätten, wovon etwa die Hälfte auf Landkäufe fiele, £ 300 000 für Wohnungsmiete. Ferner müsse mau in Betracht ziehen, daß die Juden die Hauptleidtragenden zu den Regierungseinnahmen gewesen seien, während die Regierungsausgaben fast ausschließlich den Arabern zugute gekommen wären: bei den öffentlichen Arbeiten der Regierung hatten Araber gearbeitet, in den verschiedenen Abteilungen der Regierung wie bei Militär und Polizei bildeten Araber den weit überwiegenden Teil der dort Beschäftigten, das Erziehung»- und Sanitätsbudget der Regierung komme fast nur den Arabern zugute. Zu alldem müsse man den allgemeinen Nutzen in Befracht ziehen, den die jüdische Einwanderung durch Ameliorierungs- und Aufforstungsarbeiten dem ganzen Lande gebracht hätten. Man müsse feststellcn, daß die herrschende wirtschaftliche Schwierigkeit zum großen Teil darauf zurückzuführen sei, daß große Geldbeträge in arabische Hand gekommen seien, und daß die Araber statt das Geld nutzbringend anzulegen, es noch heute zu vergraben pflegen. Was aber die Notläge anlange, so sei nurdie jüdische Bevölkerung־ durch sie betroffen, während die Araber höchstens Veranlassung hätten, über das Aufhören der Immigration Klage zu führen. Die Araber sollten lernen, wie sehr auch sie am neuen Hineinströmen jüdischer Menschen und jüdischen Kapitals interessiert seien. Kongreßwahlen in Deutschland Die Wahlen zttm XV. Zionistenkongreß finden in Deutschland aas Sonntag, den 7. and am Montag, den 8. August statt. M&heres wird noch bekannt JfCBTCJ 1)611• He Hauptwahlkommission Politische Rundschau Die Mandaiskommittion - Die Farlamenisfrsgc — Italienische Sympathien — Eine lehrreiche Polemik kW, Berlin, 15. Juni 1927. ln der nächsten Woche trifft in Genf die Mandats* kommission des Völkerbundes zu einer Tagung zusammen, der u. a. der Bericht der Mamlatannacht über die Verwaltung Palästinas vorlicgen wird. Wie nun schon alljährlicher Brauch, haben die interessierten Gruppen der Kommission Denkschriften überreicht, worin zu verschiedenen Fragen der Palästina-Verwaltung Stellung genoinmen wird. Das Memorandum der zionistischen Exekiitivc hat auch diesmal den Charakter eines Berichtes über die jüdische Aufbauarbeit im verflossenen Jahre. De!' Begleitbrief, der im vergangenen Jahre eine Reihe von Beschwerden gegen die Mandatarmacht enthalten hat, sieht diesmal von solchen Anklagen ab und stellt im Gegenteil fest, daß gewisse gerechte Forderungen der Juden, wie z. B. eine höhere Zuwendung aus dem staatliehen Erzichungsbudgct, ganz, oder teilweise erfüllt worden sind. Im vorigen Jahre hat bekanntlich auch der Waad Leunii ein Memorandum überreicht, worin er alle Einzelfragen der Verwaltung besprach und seiner Un- Zufriedenheit mit der englischen Regierung in einer gauzrn Reihe von Punkten Ausdruck gab. Der Waad Leumi hat damals sogar eine Delegation nach Genf entsandt und wenn diese auch nicht offiziell empfangen wurde, so hat sie doch den Anstoß zu einem Meinungsstreit üb® die Kornpetenz.cn der Mandatskommission gegeben, wobei der Begriff des Mandates und das Problem der Souveränität der Mandatarmacht erörtert wurden. Die Mandatskommission verlangte vom Rate das Recht, Delcgationen der Landesbevölkerung aus Mandatsländern persönlieh anzuhören. Da sich jedoch sämtliche Mandatarmächte dagegen aussprachen, konnte der Völkerbundsrat dieser Anregung nicht stattgeben. Bei dieser Gelegenheit wurde vonsciten der Mandatarmächte betont, daß die Koinmission nicht die Aufgabe hat, 1« Einzelheiten der Verwaltung einzugreifen. Nicht mir in dieser Episode hat sich gezeigt, daß der Gedanke, für den Zionismus eine bessere politische Position durch Beschwerdefiihrung in Genf zu erringen, irrig ist. Unter den heutigen Verhältnissen haben wir zwar das größte Interesse daran, daß unsere Leistungen von der Mandatskommission gewur■ digt werden und daß die gegen uns gerichteten Angriffe dort kein Gehör finden, die Einzelfragen des Palästina- Aufbaus, jedoch müssen wir mit der Mandatarmacht bzw. mit der palästinensischen Regierung direkt regeln. Dabei wird unsere Macht und unser Einfluß tun so stärker sein, je stärker und gesünder unsere Position int Lande ist, je mehr Machtmittel wir repräsentieren und je entschiedener sich der Wille des jüdischen Volkes zum Wiederaufbau seiner Heimat geltend macht. Auch die arabische Exekutive hat wieder das bekannte Memorandum überreicht. Die Araber nehmen diesmal Bezug auf eine Bemerkung aus dem Bericht der Mandatskommission im Jahre 1921, wo gesagt wird, die Immigration sei nicht immer im Einklang mit der Fassungskraft des Landes erfolgt. Trotzdem . so führt das Memorandum aus - habe die Palästinaregierung zugegeben, daß in den zwei auf diesen Bericht folgenden Jahren etwa 50000 Juden ins Land gekommen sind. Dies habe für Araber und Juden unglückselige Konsequenzen gehabt. Daß die Araber von der jüdischen Einwanderung materielle Nachteile gehabt haben, ist freilich eine Ent- Stellung der Tatsachen. Die Hauptforderung der Araber ist nach wie vor die Errichtung eines Landesparlaments. Man darf wohl annehmen, daß das arabische Memorandum dasselbe Schicksal der Ablehnung finden wird wie seine Vorgänger. \ * Die Frage der Gesetzgebenden Versammlang jedoch scheint in den letzten Wochen neuerlich hervorg'eholt zu werden. Die Araber haben den Widerstand, der sie 1923 die Wahlen boykottieren ließ, fast «»!gegeben und wären heute wohl bereit, auch eine beschränkte Selbstverwaltung zu akzeptieren. Die Wirtschaftskrise und die Stockung im Aufbau des jüdischen nationalen Heimes veranlassen die Araber zu erklären, die jüdische Gefahr sei geschwunden und daher könne man auch die Intransigenz gegenüber den Juden aufgeben. Die Palästinaregierung soll dem Londoner Colonial Office einen Vorschlag betreffs der Konstitution gemacht haben, lieber die näheren Einzelheiten ist nichts bekannt. Von jüdischer Seite ist leider bisher kein Versuch gemacht worden, dem Problem beizukommen. Ein palästinensisches Parlament mit starker arabischer Majorität könnte, auch wenn es beschränkte Kornpetenzen hat, der jüdischen Sache zweifellos sehr schaden. Ob es nun aber gelingen kann, noch auf viele Jahre hinaus die: Einrichtung einer gesetzgebenden Körperschaft

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