Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 47 (14.6.1927)
- Date
- 1927-06-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 338 Nr. 47 rens“ noch nicht getrennt und Unzuträglfchkeiten ergeben sieh aus der Tatsache, daß man als ״Politiker“ gewählte Personen beibehalten tmif/, weil sie die einzigen Fachleute sind — während ihre eigene Partei sie dcsavouricrt. — Der cminentpohtische Charakter des Problems erweist sich klar aus diesen nur vorläufigen Andeutungen. Fernerhin: Wer ist heute eigentlich entscheidend bei der Anstellung eines Beamten (der noch keiner ist) und bei der Festsetzung seines Gehaltes? Schabionisierungen sollen vermieden werden, trotzdem wäre es Pflicht des Kongresses oder eines anderen Gremiums, festzulegen, wie weit Beamte für die einzelnen Abteilungen, bzw, Arbeitsgebiete zu bestellen und mit welchen Gehältern diese Posten auszustatten sind. Das soll auch nicht einen staatlichen Apparat vortäuschen, und die Möglichkeit von Privatdienstverträgen ausschließen; es soll hierdurch lediglich eine Entgiftung einer Atmosphäre herbeigeführt werden, in der immer wieder Gerüchte und Anschuldigungen oft unangenehmster Art entstehen können und entstehen. Aber folgendes scheint die Voraussetzung für die Lösung dieses Problemkomplexes zu sein: Das Recht der Exekutive oder einer besonderen beauftragten Kommission Versetzungen und Abberufungen vornehmen zu dürfen, ein Recht, das sich auch auf eine gewisse Gruppe! von Länderbeamten erstrecken muß und andererseits das Recht der Beamten auf Pension. Sind Mittel dafür auch heute noch nicht vorhanden, so dürfte es doch Wege geben (Lebens- bzw. Rentenversicherung) diese und damit die Grundlage für einen geordneten Beamtenaufbau zu schaffen. Wir dürfen nie vergessen, daß auch die Beamten der Zionistischen Organisation nur Menschen sind, und daß den Unzuträglichkeiten und Unzulänglichkeiten auch innerhalb des Zionismus und seiner Institutionen nur mit denselben Mitteln abgeholfen werden kann, wie sie auch von anderen staatlichen oder halbstaatlichen Gebilden angewandt werden. London, Moskau, Palästina Jerusalem, 3. Juni. (J. T. A.) Im Hinblick auf den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und der Union der Sowjet-Republiken und die Zurückziehung des britischen Konsularsdienstes aus russischem Territorium hat die Palästina-Regierung die Weisung gegeben, daß den Emigranten aus Rußland, die sich um Einreisevisa für Palästina beworben haben, solche Visa bis auf weiteres nicht mehr gegeben werden sollen. Jedoch dürfen diejenigen in Rußland lebenden Auswanderungswilligen, die noch vor dem Abbruch der englischrussischen Beziehungen im Besitz von Palästina-Einreisevisa waren, auf normalem Wege nach Palästina kommen. Die Arbeitslage in Palästina Jerusalem, 8. Juni. (JJ.T.A.) Laut Mitteilung des Arbeitsbüros zählte man am 15. Mai in Tel-Awiw 3738 Arbeitslose, von denen 3020 Arbeitslosenunterstützung durch die ״Histadruth“ (Gewerkschaftsverband) erhielten und 320 in der produktiven Fürsorge beschäftigt waren. In Haifa zählte man am 28. Mai 1875 Arbeitslose. In Jerusalem waren am 15. Mai 1091 Arbeitslose registriert. In Äfuleh sind 200, in Sisriah 100, in Petach Tikwah 503, in Sichrem Jaacob 75, in Rechowoth 200, in Nes-Ziona 175, in Nischon-le-Zion 75, in Chedera 150 Arbeitslose. Im ganzen zählt man in den privaten Kolonien 1100 Arbeitslose. Herman Conheims Vermächtnis New York, 1. Juni. (J.T.A.) Der vor kurzem verstorbene Schatzmeister des United Palestine Appeal, Herman Conheim, hinterließ laut dem soeben eröffneten Testament 10000 Dollar für den Jüdischen Nationalfonds, 5000 Dollar für die Hebräische Universität sowie kleinere Summen für verschiedene andere jüdische Institutionen. Der Jerusalemer Nationalbibliothek fällt die ganze Bibliothek sowie der Erlös aus dem Verkauf seiner Hausein־ richtung zu. Palästina anl dem Frauenkongreß Genf, 10. Juni. (J. T. A.) Am 9. Juni begann in Genf die Tagung des Kongresses des Internationalen Frauenrates. Vertreten waren die Spitzenorganisationen der Frauen aus 40 Ländern. Die palästinensische Frauenorganisation ist durch Frau Helen Bentwich, die Gattin des Ober- Staatsanwalts von Palästina Norman Bentwich, vertreten. In der Sitzung der Kommission für Wanderungsfragen des Kongresses erstattete Frau Aberson, die die Weltorganisation jiidischer Frauen vertritt, Bericht über die Probleme der Emigration und der Staatenlosigkeit. NashasHbi und Husseini Jerusalem, 10. Juni. (J.T.A.) Wie verlautet, steht eine Aussöhnung zwischen der von der Nashashibi-Familie geführten gemäßigten und der von den Husseinis geführten nationalistischen arabischen Richtung bevor. Die beiden Gruppen, die sich bisher scharf bekämpften, sollen aus Anlaß der bevorstehenden Wahlen zu dem Supreme Sharia Council, der obersten moslem irischen Behörde, Frieden schließen. Diese Behörde besteht aus einem Präsidenten und vier Räten. Kleine Nachrichten Am 1. Juni wurden die neuen Briefmarken von Palästina ausgegeben, und zwar vorläufig die Marken für 3 und 13 Milliems, die das Grab Rahels und die Omarmoschee darstellen. Der Text ist in Englisch, Hebräisch und Arabisch gehalten. Die Versicherungsgesellschaft Phönix, die auf Grund ihres Abkommens mit dem Jüdischen Nationalfonds verpflichtet ist, die Prämien, die sie aus Palästina erhält, auch in diesem Lande anztilegen, hat für ££ 2000 Pfandbriefe der Allgemeinen Hypothekenbank von Palästina, die vom Keren Hajessod gegründet worden ist, erworben. Am 7. Juni hat vor dem Haifaer Gericht der Prozeß gegen den arabischen Agitator Wadi el Bustani und mehrere andere Araber begonnen, die im Februar d. J. den von der Pica bei Caesarea gepflanzten E11 k a 1 y p t u s w a 1 d zerstörten Und die Bäume entwurzelten. In Jerusalem wird eine panarabische Kulturkonf e r e n z unter Teilnahme von Vertretern arabischer Unterrichtsanstalten, literarischer Gesellschaften und prominenter arabischer Schriftsteller aus den Ländern des Orients eröffnet. In Jerusalem und in Jaffa haben sich arbische Jugend- Komitees gebildet, die die Abhaltung einer Konferenz der arabischen Jugend Palästinas vorbereiten. Die litauische Regierung hat den jetzt in Tel-Awiw lebenden früheren Minister für jüdische Angelegenheiten Litauens, Dr. S. Rosenbaum, zum Generalkonsul in Palästina ernannt. Die ״Frankfurter Zeitung“ beginnt soeben mit der Veröffentlichung des neuen Romanes ״Alle gegen einen" von Arnold Zweig. In der Vorankündigung heißt es: ״In diesem außerordentlichen Roman wird das Schicksal eines einfachen Menschen, der in die Maschinerie der Macht und des Machtstaats gerät, so packend und unerbittlich zu Ende geführt, daß er zu einer symbolhaltigen Gestalt aufwächst“. TT7EB ISCHE W ׳י ' Die Juden in Syrien Von Hans Kohn. ln ganz Syrien gibt es nach den zuverlässigsten Angaben 18 950 Juden. Genaue Volkszählungen haben nicht stattgefunden, so daß man bei der Festsetzung der Zahl der jiidisehen Einwohner des Landes auf Mutmaßungen angewiesen ist. Dennoch dürfte diese Zahl der Wahrheit am nächsten kommen. Sie wird aber eher nach oben abgerundet als zu gering angenommen sein. Die luden Syriens leben ausschließlich in vier Städten: in Aleppo, das 8000 jüdische Einwohner zählen dürfte; in Damaskus, wo die Gemeinde, die noch vor wenigen Jahrzehnten auf 10 (WO jüdische Seelen angegeben wurde, auf 7000 oder vielleicht auch auf weniger zusammengeschrumpft ist; in Beirut, wo die Zahl der Juden 3500 beträgt; und in Sidon, wo es 400 Juden gibt. Die Zahl der Juden in allen anderen Städten beträgt zusammengenommen keine 50 Seelen. Unter den über drei Millionen Bewohnern Syriens bilden daher die Juden mit etwas mehr als einem halben Prozent eine sehr unansehnliche Minderheit, die auch wirtschaftlich, sozial und intellektucll von keiner Bedeutung ist. Ehe syrischen Juden sind fast alle orientalische Juden. Eine bedeutungslose und verschwindend kleine askenasische Gemeinde gibt es nur in Beirut. Die Zahl der askenasischen Juden beträgt in Damaskus nur vier, von denen drei Lehrer an der dortigen Allianceschule und einer ein Uhrmacher ist. Das Verhältnis zwischen den orientalischen Juden und den askenasisehen in Beirut ist ein gutes und reibungsloses. Das syrische Judentum bietet das typische Bild jener Zweige des jüdischen Volkes, die nicht durch die Emanzipation und die Assimilation an Europa durchgegangen sind. Sie sind darin noch hinter ihrer orientalischen Umgebung zurückgeblieben. Die Syrer, insbesondere die christlichen Libanesen, haben in den letzten Jahrzehnten eine schnelle Entwicklung und Europäisierung durchgemacht und eine zahlreiche bürgerliche Intelligenz nach europäischem Vorbilde Advokaten, Aerzte, Schriftsteller geschaffen. Die Juden haben sich hierin konservativer gezeigt. Ein intellektuelles Leben ist unter ihnen kaum vorhanden, weder ein intellektuelles Leben im jüdisch-traditionellen Sinne, noch ein modernes. Es gibt keine jüdischen Aerzte, Advokaten oder Schriftsteller in der älteren Generation, und selbst jetzt beginnt nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der Jugend zu studieren. Die syrischen Juden sind religiöskonservativ, in Aleppo zum Teil selbst religiös-fanatisch, ohne sich aber irgendwie dem Studium der jüdischen Tradition zu widmen oder bedeutende Gelehrte unter sich auf diesem Gebiete zu zählen. Das Judentum in Beirut, einer seit Jahrzehnten mit Europa in lebhaftem Kontakt stehenden Handels- und Hafenstadt, ist in gewissem Sinne das fortgeschrittenste, aber selbst in Beirut gibt es nur einen, zwei oder drei jüdische Aerzte, ungeachtet dessen, daß es in Beirut zwei Universitäten gibt und daß eine sehr große Anzahl arabischer Advokaten und Aerzte vorhanden sind. In Damaskus sind die Juden noch bedeutend traditionsgebundener als in Beirut. Sie leben sämtlich ohne Ausnähme im jüdischen Viertel zusammen. In Damaskus gibt es keinen jüdischen Advokaten und einen einzigen jüdischen Arzt. In Aleppo ist ein großer Teil der jüdischen Gemeinde unter dem Einfluß der streng konservativen Chachamim fanatischorthodox und gegen Juden, die etwa mit ihrer Frau eines der jetzt errichteten modernen Kaffeehäuser, die gleichzeitig Spiel- und Singhallen sind, besuchen, wird in Aleppo der Bann ausgesprochen. * Die soziale und ökonomische Lage der syrischen Juden ist nicht gut. In Beirut sind sämtliche Juden Kaufleute, zumeist in Manufakturwaren. Ein sehr geringer Prozentsatz von ihnen ist wohlhabend, die überwiegende Mehrzahl kleiner und kleinster Mittelstand. Reiche Lentc gibt es nicht Wirtschaftlich am besten stehen sich die Juden in Aleppo, wo der Grenzhandel mit der Türkei sich in ihren Händen befindet. Die wirtschaftliche Lage der Juden in Damaskus ist sehr schlecht. Es gibt hier wohl kaum Menschen, die auch nur als guter Mittelstand zu bezeichnen wären. Die ganze Gemeinde ist vollständig pauperisiert. Während der letzten Unruhen in den Jahren 1925 und 1926 hat auch die jüdische Gemeinde schwer gelitten. Der ganze Handel ist zum Stillstand gekommen. Die Auswanderung aus Damaskus, die bereits in früheren Jahren eingesetzt hat, hat während der Unruhen zugenommen. Alle, die nur irgendwie das notwendige Geld hatten — an die tausend Personen —, sind im letzten Jahre weggezogen. Ihr Ziel war Beirut, Aegypten, Mailand, Manchester und vor allem Südamerika. Nach den Unruhen im November 1925 erhielt die Damaszener jüdische Ge• meinde von ehemaligen Damaszenern, insbesondere aus Südamerika, einen Betrag von ungefähr £ 10000 zugesandt. Die Umgangssprache sämtlicher syrischer Juden ist arabisch. Die Jugend und die wohlhabenderen Kreise sprechen auch französisch, insbesondere dank der Alliance-Schulen. Die Kenntnis der hebräischen Sprache ist in erstaunlicher Weise verbreitet. Etwa ein Fünftel der Notabein und der Jugend versteht und spricht zum Teil hebräisch. Dies erklärt sich zum Teil aus einer Vertrautheit mit der Bibel und den Gebeten, teils aber — insbesondere in Damaskus — mit der Existenz einer hebräischen Volksschule während einiger Jahre, die der zionistische Waad Hachinuch unterhalten hat. Während des Weltkrieges waren auch einige der zionistischen Führer aus Jerusalem in Damaskus und haben viel für die Verbreitung der hebräischen Sprache getan. Leider ist die zionistische Schule geschlossen worden und das Erziehungswerk in Syrien befindet sich vollständig in den Händen der Alliance Israölite, die hier bereits zum Teil seit 40 Jahren Knaben- und Mädchenschulen unterhält, in denen die ausschließliche oder sehr vorherrschende Sprache das Französisch Ist. Hebräisch wird nur in geringem umfange, arabisch gar nicht gelehrt Me Juden sind daher auch der arabischen Schriftsprache nur in einem geringen Maße fähig. In Beirut erscheint ein jüdisches Wochenblatt, ״EHe jüdische Welt“, in arabischer Sprache. Erst in den jüngsten Generation gibt es einige Juden, die gut arabisch schreiben und daher auch beginnen, als Journalisten eine gewisse Rolle zu spielen. Die Kinder der reichsten Juden besuchen, insbesondere in Beirut, die von ausländischen Missionen und Institutionen geschaffenen Schulen. In Beirut hat die Gemeinde in den letzten Jahren eine eigene Volksschule und Talmud Thora ins Leben gerufen, die freilich nur von Kindern der ärmsten Kreise besucht wird, wo die Erziehung zum Unterschied von den Allianceschulen in nationalem Geist gegeben wird. Die Schule zählt über 200 Schüler — nur Knaben —, umfaßt acht Klassen und gibt den Unterricht einer kompletten Volksschule. Me meisten Gegenstände werden in französischer Sprache unterrichtet, jedoch wird auf eine gründliche und gediegene Kenntnis des Hebräischen und des Arabischen großer Wert gelegt. Die Schule wird jetzt auch in ein eigenes schönes Gebäude neben der neu errichteten Synagoge in Beirut übersiedeln. Beirut ist die einzige Gemeinde, in der sich dank der energischen Führung des Präsidenten des Synagogen-Comites ein modernes und vorwärtsstrebendes Element regt. EHe Beiroter haben eine neue zentrale Synagoge gebaut, die in ihrer schönen und würdigen Form sich den besten Gotteshäusern in Europa an die Seite stellen kann. Ueberraschend wirkt in dieser Synagoge die Ruhe und Disziplin während des Gebetes. Auch in der Form des Gottesdienstes wird der ästhetischen Seite viel Aufmerksamkeit zu gewandt. Me Synagoge soll auch zum Zentralpunkt des jüdischen Gemeindelebens der Stadt werden. Hinter ihr ersteht die neue Talmud Thora, um sie herum befinden sch die jüdischen Verefitssäfe. eine Bibliothek und das vorzüglich eingerichtete Bikur Cholim, eine unentgeltliche Poliklinik für jüdische Kranke. Es ist anzuerkennen, wie eine orientalische Gemeinde wie Beirut, die noch vor dem Kriege gewohnt war, ausschließlich auf die Wohltätigkeit von außen angewiesen zu sein, sich nun aus eigenen Kräften ein modernes Gemeindeleben nach europäischem Vorbilde geschaffen hat. Eine wichtige Rolle im öffentlichen Leben der syrischen Juden spielen die B n e B r i t h - L o ge n, die nach dein Kriege begründet wurden und die der Großloge in Konstantinopel unterstehen. In Beirut und in Damaskus sind die Logen mit den Gemeindeverwaltungen beinahe identisch und kümmern sich um das soziale und philanthropische Werk, während den Gemeinden das religiöse Vorbehalten ist. In Aleppo dagegen besteht ein Gegensatz zwischen der letzthin gegründeten Bne Brith-Loge, die die mehr liberalen Elemente der Gemeinde vereinigt, und der konservativen Gemeinde. Die Jugend ist in den drei Städten in lokalen Gruppen der Union universelle de Jeunesse Juive organisiert, deren Zentrum sich in Paris befindet und die für die französisch sprechende Jugend im Orient viel getan hat. Die stärkste Gruppe befindet sich in Beirut, wo sie auch ein schönes Klublokal mit Versammlungsräumen, Tanzboden und Tennisplatz zur Verfügung hat. Dort zählt die Gruppe ungefähr 150 Mitglieder beiderlei Geschlechts. Me Gruppen in Damaskus und Aleppo sind jünger und schwächer und umfassen vorläufig nur junge Männer. In Damaskus gibt es daneben noch einen Makkabi, der insbesondere die jüngeren Elemente aus der Arbeiterschaft organisiert. In Damaskus gehört ein großer Teil der Juden nicht dem Kaufmannsstande, sondern der Arbeiterschaft an. Sie befassen sich manchmal in Zwergbetrieben, zum Teil aber auch fabrikmäßig mit der Herstellung verschiedener orientalischer Gegenstände, insbesondere mit Metall- und Wirkarbeiten. Die Lage dieser Arbeiter ist nicht gut. Die Arbeitszeit beträgt elf bis zwölf Stunden täglich, und es werden neben Frauen auch kleine Kinder, oft schon im Alter von sieben bis acht Jahren, zur Arbeit herangezogen. In der größten derartigen Fabrik in Damasktis arbeiten an die 60 Juden neben ungefähr 250 arabischen und armenischen Arbeitern. Der Kontakt der syrischen ,Juden mit der Außenwelt und selbst mit Palästina ist verhältnismäßig gering. Ausländische jüdische Zeitungen, selbst die hebräische Presse dringen nur in sehr vereinzelten Exemplaren nach den syrischen Städten vor, doch besitzen die syrischen Juden, ebenso wie die Mehrzahl der orientalischen Juden einen naiven und selbstverständlichen jüdischen Nationalismus und sind in primitiv-religiöser Weise Palästina ergeben. Praktischen Ausdruck hat diese ihre Anhängerschaft noch nicht gefunden. Der Keren Kajemeth arbeitet zwar schon seit Jahren im Lande, ohne aber größere Erfolge erzielt 711 haben. Der Keren Hajessod hat erst jetzt begonnen, Syrien in den Kreis aller jener Länder einzubeziehen, die ihrer Pflicht dem palästinensischen Aufbauwerke gegenüber nachkommen. Nur ein Teil der jetzt aufwachsenden Generation und die zahlenmäßig verschwindende Spitzenintelligenz der älteren Generation beginnt, sich als Syrer zu fühlen und als solche eine Gegnerschaft gegen das politische Ziel des Zionismus zu empfinden. Die weitaus überwiegende Masse aber fühlt sich als Juden und wird bei entsprechender Erziehung, die durch die Nähe Palästinas unschwer geleistet werden könnte, in kurzer Zeit zu einem bewußten Teil der neuen jüdischen Volksbewegung werden können. Die Zahl der Jaden in Berlin Die Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jüdisches Wissenschaftlichen Institutes zu Berlin veröffentlicht interessante Ziffern über die jüdische Bevölkerung in Berlin. Danach zählte die jüdische Bevölkerung Berlins am Volkszählungstage 1925 im ganzen 172672 Seelen -216 84 ־ männliche, 88456 weihliehe —. d. h. bloß um 28697 Seelen oder 20־®/« mehr als im Jahre 1910. Mese Ziffern zerstören die verbreitete Legende über das Vorhandensein von einer Viertelmillion Juden in der Reichshauptstadt, eine Legende, die sehr oft auch von verantwortlichen jüdischen Institutionen wiederholt wurde. Die Zahlen zerstören auch die Legende über eine auf Zchntausende sich belaufende Masseneinwanderung von Ostjuden. Sie zeigen auch, daß das angestammte Judentum Berlins in weiterer Abnahme begriffen ist und daß der ganze Zuwachs der Berliner Jüdischen Gemeinde während der letzten 15 Jahre fast ausschließlich auf die Zuwanderung aus der Provinz und die Einwanderung von ausländischen Juden zurückzuführen äst. Auf die einzelnen Bezirke verteilt, beträgt die Zahl der Berliner jüdischen Bevölkerung: Berlin-Mitte: 30 977 (Gesamtbevölkerung 295 837), Charlottenburg: 30 553 (Gesamtbevölkerung 345 139), Wilmersdorf 22704 (174 884), Prenzlauer Berg 20419 (326311), Schöneberg 17 785 (231664), Tiergarten 15943 (283 581), Kreuzberg 8167 (377 253), Friedrichshain 8061 (336338), Wedding 3695 (351 798), Neukölln 2832 (290 327), Steglitz 2475 (160 580), Lichtenberg 1918 (198 832), Pankow 1566 (100 825), Zehlendorf 1513 (44 288), Tempelhof 921 (68009), Weißensee 920 (58114), Treptow 661 (97 524), Reinickendorf 554 (105 467), Spandau 514 (111629), Köpenick 494 (65 765), Die jüdische Bevölkerung Berlins macht 4,3 «/« der Gesamtbevölkerung aus gegen 3,9 % im Jahre 1910. In einzelnen Bezirken ist der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung bedeutend höher als der Durchschnitt. So beträgt er z. B. in Berlin- Mitte 10,5 0;״, in Charlottenburg 8,9 0/0, in Wilmersdorf 13,0 «/«, in Schöneberg 7,7 0/0, in Prenzlauer Berg 6,3 0/0. In diesen fünf Bezirken wohnen 70,8 0/0 der gesamten jüdischen Bevölkerung Berlins. Im Vergleich zu 1910 hat die jüdische Bevölkerung Charlottenburgs um 35,3 ®/o, die Wilmersdorfs um 134,1 o/t, die Schönebergs 11m 52,7 0/0 zugenommen. Die Sektion für Wirtschaft und Statistik veröffentlicht auch genaue Zahlen über die jüdische Bevölkerung Deutschlands einschließlich Preußens nach der Volkszählung vom Jahre 1925. Me Zahlen wirken überraschend. Die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung in Deutschland beträgt nach offiziellen Angaben nicht mehr als 555000, sie hat sich also gegen 1910 vermindert. Besonders fallen die Zahlen betreffend Preußen auf, dessen jüdische Bevölkerung etwas mehr als 400000 ausmacht. Bekanntlich schätzte man die jüdische Bevölkerung Preußens auf 450000. Die jftdisehen Gemeinden der Sowjelnnion M o s k a u, 9. Juni. (J. T. A.) Auf Initiative der jüdischen Gemeinde Leningrads wird eine Konferenz von Vertretern der jüdischen religiösen Gemeinden aus den Ländern der Sowjetunion abgehalten werden. Me Sowjetregierung hat bereits die Erlaubnis zur Einberufung erteilt. Als Termin der Tagung wird die Zeit vom 21. bis 25. Oktober 1927 angenommen. Ort der Tagung ist Leningrad. Es werden 179 Delegierte aus 110 jüdischen Gemeinden anwesend sein. Das von der Regierung gebilligte Programm der Konferenz enthält die folgenden acht Punkte: 1. Regelung des Verkaufs von Fleisch rituell geschachteten Viehs; 2. Regelung der Quellbadfrage; 3. Regelung der Frage des rituellen Begräbnisses und der jüdischen Friedhöfe; 4. Regelung der Frage der rdigiösen Funktionäre; 5. Gründung von Jeschiwoth (höheren religiösen Schulen); 6. Ausarbeitung eines Einheitsmusterstatuts für alle jüdischen religiösen Gemeinden in den Ländern der Sowjetunion; 7. Die Gemeinde und die Schule; 8. Wahl eines Exekutivorgans der Konferenz.