Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 47 (14.6.1927)
- Date
- 1927-06-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 47 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 338 Buch und Besprechung Von David Josef Bornstein. Bei der Abfassung meines Buches ״Einführung in das He• br,lisch der Gegenwart“ hat mich die Erkenntnis der seit jeher bestehenden Notwendigkeit geleitet, die überwältigende Fülle der verschiedenartigen Spracherscheinungen, die sieh während der langen nachbiblischen Zeit ungeordnet angehäuft haben, in ein System zu bringen, diese und die biblischen in einen gemeinsamen Rahmen zu fassen, sowie die allgemeine mittlere Linie derjenigen ideellen homogenen Stilrichtungen festzusiellen, die dem gegenwärtigen Volksempfinden am meisten entspricht. Mein Bestreben ging dahin, den ersten Schritt in dieser Rieh• tung zu versuchen. Aus Gründen untergeordneter Bedeutung wählte ich aber für die Mitteilung des Ergebnisses dieser Arbeit die Form eines für Laien bestimmten Lehrbuches. Ob und wie weit mir meine eigentliche Absicht gelungen ist, beurteile Ich nach der Selbstverständlichkeit, mit aer mein Buch aufgenommen wind. Wenn Dinge, die Ich mühevoll dem Durcheinander abgerungen habe, allseits als die denkbar ein• fachsten und bekanntesten Tatsachen hingenommen werden, so gewinne ich die Ueberzeugung, daß ich dem allgemeinen Sprach- Bewußtsein aus der Seele gesprochen habe. Von diesem Gesichtspunkte aus freue ich mich über den Aufsatz von H. Torczyner (״Jüdische Rundschau“ Nr. 39, S. 283), den er ״Ein neues Lehrbuch i n (?, B.) hebräischer Sprache“ überschreibt, und in dem er den Wert meines Buches als Lehrbuch an sich und im Verhältnis zu den sonstigen Lehrbüchem, des Hebräischen sowie anderer Sprachen, beurteilt. EHe allgemein gehaltenen und verallgemeinernden Werturteile, mit denen dieser Aufsatz eingeleitet wird, sind wohl konstitutiver Natur und von großzügiger Problematik getragen, sie enthalten aber keine Begründungen. Sie gelten daher nicht als eigentliche Fachkritik und eignen sich ebensowenig zum Gegenstand einer Diskussion, wie etwa die Auslassung über den ״(farblosen) ersten Psalm“. Die darauffolgenden illustrierenden, durch Beispiele dargetanen Bemängelungen — in denen man übrigens die in der Fachkritik üblichen Belege für die aufgestellten Behauptungen vermißt — sind wiederum weit bescheidenerer Art, für den behandelten Gegenstand geringfügig und an sich ziemlich wenig von Belang. Sie müssen dennoch eingehend beantwortet werden, um die Leser des Buches vor Irrtümern zu bewahren. Die Hervorhebung der Wendung מזה־מזה, die T. ״z. B.“ beanstandet, mußte deshalb geschehen, weil diese Sprach- Wendung das erste Glied einer Kette von wesentlichen Spracherscheinungen bildet, die sich durch das ganze Buch rieht. Die an diese Erscheinungen geknüpften Erläuterungen entfalten stetig die Erkenntnis einer charakteristischen Eigenschaft des inneren Rhythmus der hebräischen Sprache, die für die Echtheit des Prosastils und den poetischen Schwung von gleich hoher Bedeutung ist. Die Hervorhebung dieses Sprachgebrauchs ״überwuchert“ aber keineswegs ״auf Kosten der anderen Sprachmöglichkeiten“; daß andere äquivalente Wendungen nicht gebracht wurden, liegt nur am Fehlen ihrer Existenz. Ein ״aus Gründen der Logik (?, B.) unmöglicher“ Satz: ״im Fenster sind Feder und Papier“ befindet sich im Buche nicht. Der Satz בחלון עט וניר kann aber ebensogut auch in ein gefälligeres Deutsch übertragen werden. Wie es kommt, daß ״auf dem Fenster“ im Hebräischen בחלון heißt, ist im Buche genügend erklärt (13 ,ב; D, 7); es handelt sich jedoch nicht um einen ״engen Anschluß an das — in anderer Verbindung — in einer Quelle Belegte“, etwa an קול ישורר בחלון (Zepfi. 2, 14), die Bibelstelle, an die der Rezensent gedacht haben mag, sondern um׳ den geläufigen und einzig möglichen Sprachgebrauch (so z. B. , ,Beractet «nujwwi Steilem Ed1|otf»..J; ieehorot 3, 4;. S. Ä; die entsprecnemäen Steilen, in der Tossefta: Ed. 2; Bech. 2; Ahilot 7. 14, nach Lesart der letzteren Stelle in Baba Batra 20 a fünfmal hintereinander; vgl. ferner das aramäische, z. B. אנחתיה בכוותא Baba Batra 74 a u. a.). Was der Rezensent in der selbstverständlichen Satzkonstruktion יצחק כותב את אשד שמעון קורא zu bemängeln hat, ist rätselhaft. Etwas weitergehend behauptet T.: ״Es fehlt auch nicht an sprachlichen Unrichtigkeiten, so z. B. (!, B.) die häufige unhebräische Wortstellung עוד מה usw. (S. 19, statt מה עו.ד usw.).“ Die dem Deutschen entsprechende Wortstellung ..מה עוד, die der Rezensent haben will, ist der hebräischen Sprache unbekannt: עוד unmittelbar hinter dem Subjekt und innerhalb des Satzes! Wohl gibt es in mittelbarer Wortfolge עוד hinter מה, aber dann hat es etwa die Nuance von ״nunmehr“, z. B. הכל אבד לי ומה לי עוד (so Ri. 18, 24; 2. Sam. 19, 29), oder einen zeitlichen Sinn (wie Hos. 14, 9); ״n 0 c h“ i m S i n n e derQuantitätmuß abervordem Subjektstehen (da es den Satzton erhält, z. B. ״wer ist noch im Hause?“; vgl. auch meine Einführung 6 ,כה), im Fragesatz also nur עוד מי (Gen. 19, 12). Ebenso verhält es sich mit den Behauptungen von den falschen Formen, die T. Unformen nennt. In «יס-ה^לה (st• *ם!)' korrigiert T. nach einer Elementarregel, der in meinem Buche (TO, 4) jedoch der Zusatz folgt: ״Vgl. jedoch ייס das das Kamez auch als abhängiges Wort behält, und nur im Eigennamen rpo ים hat es ein Patach.“ Das trifft auch in der ganzen Bibel ausnahmslos zu (Gen. 14, 3; Ex. 23, 31; Num. 34, 3. 11. 12; Deut. 3,17. 17; 4, 49; Jos. 3, 16.1»; 12, 3. 3. 3; 13, 27; 15, 2. 5; 18, 19; 2. Kön. 14, 25; 25, 13; Jes. 11, 15; Jerem. 48, 32; 52, 17; Ps. 65, 6; Esra 3, 7; l.Chron. 18, 8; 2. Chron. 2, 15; darunter neunmal allein die beanstandete Zusammensetzung לוה״ המלח (st. לזה)' enthält eine über* flüssige Korrektur, denn beide Formen sind berechtigt. Bei ,ךיזז (zu ״(די fehlt die Korrektur des Rezensenten. Nun noch: ״und manches andere“. ״Anderes ist leichterer Art, aber doch gegen die der Sprache innewohnenden Regeln.“ Soweit der Rezensent nach dieser Einleitung eingehend und allen Ernstes auseinandersetzt, daß in der biblischen Sprache der Bindestrich zwei Wörter verbindet; daß dann das erste dieser Wörter nicht mehr betont wird; daß der Anlaut des zweiten dadurch zum Inlaut wird, so spricht das kaum etwas gegen mein Buch. Rein theoretischer Natur ist die Ansicht, der Bindestrich sei das Primäre, und erst wenn er schriftlich niedergelegt ist, bewirke er (den verbindenden Sinn und Rhythmus des Satzes und die sich daraus ergebenden) Veränderungen bei את ,כל und מה. (Ueber letzteres Wort informiert T. nicht ganz zutreffend; es ist nach 17 ,ב meiner Einführung zu korrigieren!) Für das Hebräisch der Gegenwart genügt, daß alle außerbiblischen vokalisierten Schriften den Bindestrich nicht gebrauchen; sie weisen aber die genannten Veränderungen auf. Auch kann die weitere der Sprache innewohnende Regel, daß ein Wort nicht ohne weiteres mit einem verdoppelten Konsonanten beginnt — denn ״nur im Inlaut ist eine Verdoppelung möglich, nicht im Wortbeginn“ — das unzählige Vorkommen des?דחי und אתי מרחיק — mit oder ohne Bindestrich — nicht verhindern. Die Scheidung der Begriffe ״Künstler“ und ״Handwerker“ durch verschiedene Vokalisierung von אמן befindet sich erst im Stadium des Entstehens und ist noch nicht zur erfaßbaren Tatsache erhärtet. Eine Verquickung des Bestehenden mit dem Werdenden ist aber dem Ausbau der Sprache ebenso unzuträglich wie ihrer Erforschung. Wenn aber T. bezüglich אמן fordert, zugunsten der Zukunft mit der Bibel, der Mischna sowie der gesamten Tradition dieses Wortes zu brechen, so erscheint cs recht unbegreiflich, daß er bezüglich ״z. B.“ ארון und sogar bei ״z. B.“ TT meint, es müßte, unter Außerachtlassung alles (auch in Palästina) Ueblichen und Gebräuchlichen, diejenige Anwendung dieser Worte angeführt werden, die nach vereinzelten oder privaten Ansichten — nachträglich — für die biblische Zeit anzunehmen wäre. (Annahmen, die ich übrigens noch entschiedener ablehne als Michael Wilensky in der ״jüdischen Rundschau“, 41/42, S. 304*). Ueber meine ״Steilung zur wissenschaftlichen Grammatik׳‘ holt T. weit aus und meint: ״Wo neue Erkenntnisse fehlen, wird doch Veraltetes fWurzeltheorie usw.) und Ueberflüssiges gebracht.“ Wurzel t h e or i e ist vielleicht doch etwas übertrieben. Dreht es sieh doch nur um die Bezeichnung ״Wurzel“, die einige moderne Grammatiker lieber durch ״Stamm“ ersetzt sehen möchten, und deren Argumenten ich nicht beipflichten kann. Zu ״usw.“ sowie ״Ueberflüssiges“ siehe oben. Die Um- Schreibung »I* habe ich deshalb übernommen, um Wortbilder wie , haschschulchan“, ״haschschemesch“ zu vermeiden. Was dem Lernenden meine Erklärung über die Aussprache des ע ״z. B.“ soll? Dadurch soll er eben die tatsächlichen Verhältnisse erfahren. Eine ״korrekte“ Aussprache ist nur diejenige, die bei der überwältigenden Mehrheit auch üblich ist. Alles andere, einschließlich der ,,Schluckbewegung“, gehört vergangenen Jahrtausenden an und liegt nicht Im Bereich meiner Aufgabe. Auch Konstruktionen von Fragesätzen mußten im Buche gebracht und sogar eingeschärft werden (s. oben עוד מה), was auch in den Abschnitten 1 bis 3 und 5 geschehen ist, wo diese Sätze einfachen, zusammenhängenden Schilderungen angegliedert sind. Es ist daher ebenso unrichtig wie ungerecht, einzelne dieser Fragesätze aus dem Zusammenhang zu reißen und sic wahlweise In ein dürftiges Deutsch zu übersetzen, um sie ״unmögliche Was-Fragen“ zu apostrophieren. Das Bemangeln von Fragesätzen, wie sie die Langenscheidtsche Methode von Anfang bis zu Ende durchziehen, kann übrigens von T. nicht ganz so ernst gemeint sein, der ja in der genannten Methode den Gipfel des pädagogisch Erreichbaren sieht. Offenbar handelt es sich hier, wie im Folgenden, eher um einen rhetorischen Ausklang des Aufsatzes. Es soll noch darauf hingewiesen werden, daß von den 46 reichhaltigen und inhaltlich wie stilistisch vollcntwickeltcn Abschnitten die Besprechung T.s nur vereinzelte primitive Eiementarsätze aus dem ersten und zweiten Abschnitt berührt. Diese Besprechung verhilft somit nicht Im entferntesten zu einer Vorstellung vom Charakter und vom Niveau des Buches. * Dazu macht der Referent Dr. Torczyner nachstehende Bemerkungen, wodurch wir die Kontroverse, soweit die ״J. R.“ in Betracht kommt, abschließen müssen. Zur Antikritik des Herrn Bornstein bemerke ich kurz folgendes: In meiner Besprechung des Bomsteinschen Buches war ich bemüht, dessen Vorzüge nicht minder wie die nun eben doch vorhandenen Schwächen gerecht und im Hinblick auf die Sache zu beurteilen. Daß ich — wie jeder andere — in dem oder jenem Punkt irren konnte, ist selbstverständlich, und ich will gern einräumen, daß in bezug auf ים־המלה mir tatsächlich ein Irrtum unterlaufen Ist. Hier hat B. recht. Im übrigen aber treffen seine Bemerkungen nirgends das Wesen der Sache. Es genügt, hervorzuheben, daß B. mir den Druckfehler ״Lehrbuch in (1) hebräischer Sprache“ ankreidet, mir vorwirft, daß ich meine Ausstellungen ohne die ״in der Fachkritik übliehen Belege“ bringe — als ob eine kurze Besprechung in einer politischen Zeitschrift mit dem Rüstzeug der in der Fachkritik üblichen Belege atitaarschieren milBte —, «sw., nm zu aeigen, daß B. auf sachÖch«H5biektive Kritik zum Teil In unsachlicher Polemik antwortet. Daß es unmöglich ist, in diesem Rahmen die dem Kundigen überflüssigen, dem Laien aber unkontrollierbaren ״Belege“ zu bringen, beweist B.s Gegenbegründung am besten. Wie mag es dem Nichtkenner des Arabischen imnonieren, wenn als Beweis für aktives TT aus dem Arabischen nicht nur wadid, sondern auch wadud angeführt wird, da er nicht weiß, daß im Arabischen die Nominalformen fa’il, fa ul durchaus andere Funktionen haben als hebräisch pa’il, pa'ul —■ davon ganz abgesehen, daß arabische Bedeutungen und Formen auch sonst nicht beliebig ins Hebräische hinüberprojiziert werden dürfen. In anderen Fällen versteht B. den Einwand gar nicht oder will ihn nicht verstehen, z. B. wenn er es für rätsclhaft findet, daß man in keiner Sprache — aus Gründen der Logik — schreiben darf 1״. schreibt, was S. liest“ statt etwa ״I. schreibt das nach, was S. ihm vor liest“ (vgl. z. B. Jer. 36, 17. 18); wenn er die grammatischen ״Wurzeln“ (ohne auch hier den Unterschied zu kennen) durch ״Stämme“ zu ersetzen bereit ist, während der Fehler, den ich allein rügte, in der unhistorisehen ״Wurzel t h e o r i e“ liegt, die von Wurzeln (u n d S t ä m men) als Tatsachen ausgeht, während sie wirklich nur theoretische Abstraktionen sind aus den allein wirklichen lebenden Wortformen, B. beweist ferner, daß die Alten in der Tat sagen konnten, etwas läge ״im Fenster(Ioch)“, während wir heute doch Bücher und anderes nicht ins Fensterloch, sondern auf *) Ueber die bekannte Streitfrage betreffs אולי habe ich bereits vor Jahren Herrn Dr. T. meine Ansicht auseinandergesetzt: Der Umstand, daß an allen 60 Belegstellen ארק mit dem Artikel vorkomnit, genügt noch nicht, anzunehmen, daß es ohne Artikel nicht so lautet. Auch das einmalige (an einer Parallelstelle wiederholte) Vorkommen von ארק ändert daran nichts, solange eine vokalbildende Wirkung des Artikels sowie sein Einfluß auf den Vorton überhaupt weder sonst bekannt noch phonetisch begründet ist. Derartige Abweichungen sind ja nicht selten, und man pflegt sie nach bekannten Methoden zu erklären. Hier wäre zu erwägen: (mit Ibn Esra) das Bestehen von zwei Formen; ein Hörfehler des Punktators (s. Kautzsch, Grammatik, § 35 o); ein Schreibfehler (vielleicht auch Weglassung oder Verschreibung beim Bestimmungswort); die Anwendung der abhängigen Form anstatt der selbständigen, wie es bei מקום häufig geschieht; das Vorhandensein von zwei verschiedenen Arten oder Formen des bezeichneten Geräts. Der Vergleichung mit dem Arabischen, die sich auf c h i m a r — חמור stützt, kann man. z. B. 1 i s a n — לשק, g i r a n — גרון entgegenstellen, stellen. Das TT nur ״Geliebter“ bedeutet, ist mir ebensowenig bekannt wie Wilensky. Diese Behauptung entbehrt jedes Anhalts- Punktes. 1. An allen Belegstellen kann TT im aktiven Sinne übersetzt werden. 2. Auch im anderen Falle könnte man nicht ohne weiteres die Bedeutung eines Wortes auf die zufälligen Umstände der Belegstellen einschränken. 3. Die adjektivische Form P'il bzw. Pa’il kann auch einen aktivischen Sinn erhalten: גביר bezw. 4;פקיד. besonders bei Verben der Empfindung kann dem deutschen Aktiv eine Zustandsform entsprechen, daher auch; אהב• N*ben wadid gibt es im Arabischen noch w a d u d, das ״innig Liebender“ bedeutet. Hier entspricht also das Passiv dem deutschen intensiven Aktiv (etwa ״von Liebe Erfüllter“ und dgl.; vgl. ״Verliebter“). 6. Die Bildung des Abstraktum WTT ln WTT שיר (Ps. 45, 1) ״Liebschaftslied“ läßt auf die allgemeine Bedeutung von TT schließen; es würde sonst ״Lied des Geliebtseins“ bedeuten müssen. 7. ln אשירה נא לידידי שירת דודי לכרמו (Jes. 5, 1) erscheint TT gleichbedeutend mit dem virile» TH, das ״Liebhaber“ bedeutet. das Fensterbrett, d. i. das Brett vor dem Fenster, legen, also: על דף החלק oder ähnlich, nicht בחלון, Er schiebt mir in die Schuhe, ich hätte Fragesätze in einem Lehrbuch überhaupt bemängelt, während ich doch nur die inhaltsleeren, lebensfremden Fragen der hervorgehobenen Art beanstandete. Wenn ich die Langensriiekltsche Methode für die modernen Sprachen allerdings auch nur für einen Gipfel des Erreichten -יnicht des Erreichbaren — halte, so fehlen solche nnpädagogiselien Fragen dort doch vollkommen. Schon durch den Anschluß an eine inhaltsreiche Erzählung greifen die dort gebrachten Fragen von der ersten Textprobe an auf interessante Gegenstände zurück. Für die von B. beliebte Wortstellung עוד מי usw. ist sein einziger (zugleich der einzige) Beleg die Stelle Gen. 19, 12 ...ויאמרו האנשים אל לוט עוד מי לך חתן ובניך, die schon den alten Erklärern mit Recht schwierig war, weshalb selbst Raschi sie erst durch das korrekte מי יש לך עוד erklärt usw. — Das übrige mag auf sich beruhen. Mein Urteil über das ganze Buch (nicht nur die ersten Abschnitte, wenngleich ich die beanstanoeten Beispiele zumeist diesen entnahm) bleibt in Vorzügen wie in Mängeln dasselbe. Daß der Autor anderer Meinung sein mag als der Rezensent, ist nicht verwunderlich. Für die Sache ist zu wünschen, daß die Kritik zur Verbesserung führt, statt zu unangebrachter und den sachlichen Boden zum Teil verlassender Polemik. H. Torczyner. Das hebräische Gymnasium in Tel-Awiw Auch das Hebräische Gymnasium in T el-Awiw ״Herzliah“, ist von der Krise nicht unberührt geblieben. Das Gymnasium, das von 729 Schülern beiderlei Geschlechts besucht wird und 37 Lehrkräfte beschäftigt, kann, obwohl im laufenden Schuljahr an Schulgeldern insgesamt LE 7500 eingegangen sind, nicht die Erhaltungskosten der Anstalt decken, so daß die Lehrkräfte nur einen Teil ihres Gehaltes erhalten konnten. Um den Fortbestand der Anstalt zu sichern, wurde dieser Tage in Tel-Awiw eine Gesellschaft für die Erhaltung des Gymnasiums ins Leben gerufen, deren Anteilscheine, auf je 1 £E lautend, von den Eltern der Schüler, den Lehrern wie auch den Familien, deren Kinder in den nächsten Jahren in das Gymnasium eintreten sollen, gezeichnet wurden. Vom Misrachi Die Misrachi-Ortsgruppe veranstaltete in Frankfurt a. M.; am 9. Juni im großen Saale der Frankfurter Loge eine Festsitzung anläßlich des 25jährigen Misrachi-Jubüäums. Nach einem einleitenden Harmoniumspiel begrüßte Herr Benno Kohn die erschienenen Vertreter der Israelitischen Gemeinde, der Frankfurter zionistischen Ortsgruppe, der ßnei Brith-Logen, der Achduth, der Jüdischen Volkspartei und des Talmud Thora. Herr Rabbiner Dr. Hoffmann, Frankfurt, sprach über das Wirken des Misrachi und seine kulturellen Aufgaben in Erez Israel. Durch den Beitritt zum Misrachi ist es Jedem traditionell eingestellten Juden ermöglicht, aktiv am Aufbau eines wahrhaft jüdischen Lebens in unserem Lande mitzuwirken. Oberkantor Groß brachte einen Psalmgesang zum Vortag. Hieran schlossen sich die Begrüßungen tfer frankfurter Logen, der Zionistischen Ortsgruppe una der Achduth an. Die Glückwünsche des Misrachi - Zentralbüros überbrachte dessen geschäftsführcnder Vorsitzender, Herr Alexander Adler, der an die führende Rolle Frankfurts als Vorort für den Gesamtmisrachi in der ersten Zeit seines Bestehens erinnerte. Rabbiner Dr. Emil Cohn, Berlin, Welt Ws Festredner des Abends einen Vortrag über das Thema ״Individualismus und Religion“. Der heutige Kult des Individuellen in Erziehung und Lebensgestaltung ist auf den ersten Blick kaum zu vereinbaren mit den Forderungen des religiösen Judentums. Wir können aber als Kinder unserer Zeit nicht völlig an den Bestrebungen und Richtungen der uns umgebenden weit Vorbeigehen ohne wenigstens aen Versuch zu machen, deren Ideen in unsere Ideenwelt einzufügen und eine Synthese herzustellen. Auch die jüdische Religion kennt die Pflege des Individuellen, das allerdings eingestellt werden muß in den Dienst der Allgemeinheit und unterzuordnen ist unter den Willen einer höheren Weltordnung, der göttlichen Idee. Eine Lehre, die als höchste Moralforderung anordnet, daß der Nebenmensch zu lieben ist, wie die eigene Person, hat volles Verständnis für den Wert der Persönlichkeit, auch die stete Hervorkehrung der Kollektiv-Persönlichkeit, die das Jüdische Volk darstellt, ist ein Beweis dafür, daß das ״Ich“ seine Daseinsberechtigung mit allen Forderungen an die Welt des Gegenständlichen nicht extra negiert zu werden braucht. Allerdings kennt die jüdische Religion nicht das Individuelle als Selbstzweck, es müsse erhöht und geheiligt werden durch die Anerkennung unseres Gesetzes. Die Ausführungen des Redners verfehlten nicht ihren starken Eindruck auf die Ver- Sammlung. Beamtenjubilüunt. Herr Adolf Pollak, mjttelairopäischer Vertreter des Hauptbüros des Keren Kafemeth, feierte dieser Tage das dreißigjährige Jubiläum seiner zionistischen Beamtentätigkeit. Pollak, der bereits einige Wochen vor dem I. Zionistenkongreß in die Dienste des damals von Theodor Herzl begründeten sehr bescheidenen zionistischen Büros in Wien trat, ist der älteste zionistische Beamte und repräsentiert in seiner Person nicht nur die Kontinuität der zionistischen Geschichte und Entwicklung, sondern ist auch ein Musterbeispiel selbstloser und begeisterter zionistischer Pflichterfüllung. Pollak war durch viele Jahre Leiter der Verlagsabtalung des zionistisehen Zentralorgans ״Die Welt“ und ist seit Kriegsende für das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds tätig. Seine persönliehen Qualitäten und verbindliche Art haben ihm die Symipathien aller zionistischen Kreise ohne Unterschied der Parteieinstellung eingetragen. Zur Feier des Amtsjubiläums yereinigten sich am 12. d. M. die Beamtenschaften der zionistisehen Büros in Berlin und einige frühere Mitarbeiter Pollaks zu einem Zusammensein unter dein Vorsitz von Max Wollsteiner, bei welchem eine große Zahl Ansprachen gehalten wurden, u. a. von den Herren Blumenfeld, Hoofien, Prof. Warburg, Lichtheim, Dr. Eliasberg, Dr. Hugo Herrmann usw. Herr Pollak antwortete in einer Rede, in welcher er aus dem reichen Schatz seiner Erfahrung in großen Zügen das Werden der zionistischen Bewegung und das Wirken der großen zionistischen Führer hervorhob und so den menschlichen Aspekt des Zionismus zur Geltung brachte. Unter der Redaktion von I. Steinberg erschien soeben (Verlag Ch. Brzoza, Warschau) die zweite Folge der ״Freien Schriften für den jüdischen sozialistischen Gedanken“. Die ״Freien Schriften“ arbeiten an dem Ziel, ״den jüdischen Sozialismus auf der Grundlage einer revolutionär-ethischen, idealistischen Weltanschauung aufzubauen“. I. N. Steinberg schreibt über ״die soziale Basis des jüdischen Sozialismus“, R. Roker über ״Nationalismus und moderne Reaktion“, Ch. Schitlo wsk i über ״Die Kiduscha in der Ewigkeit der Revolution“ ferner sind Aufsätze enthalten von j. Rubin, A. Steinberg, W. Natanson, A. Wechsler A. Goldschmidt N, Donski J. Rappaport, Prof. Paul Ernst u. a. m. föf y!. p I Fi k!