Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 47 (14.6.1927)
- Date
- 1927-06-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 47 JÜEDJSCHE RÜNDSCHÄ0 t Kongreß-Tribüne Was will das linke Zentrum? Von Dn Hugo Herrmann. Dr. Hugo Herrmann, eine der führenden Persönlich• keiten der tschechoslowakischen Zionisten, tritt in einer Artikelserie dafür ein, daß ״die stark sozial eingestellten Teile innerhalb der allgemeinen Zionisten sich auf einer programmatischen Plattform als linkes Zentrum organisieren“. Zur Förderung dieses Planes und im Rahmen der Kongreßdiskussion sendet uns Herr Dr. Herrmann, dessen kurzen Programmvorschlag wir bereits in der vorigen Nummer wiedergegeben haben, eine Serie von Artikeln, die, wie er selbst betont, keineswegs bereits als Kundgebung einer Gruppe aufzufassen sind, sondern lediglich als Vorschläge des Verfassers, der sich bewußt ist, daß über den einen oder andern Punkt seines Programms auch innerhalb des linken Zentrums verschiedene Meinungen vorhanden sein werden. Die Diskussion erst soll zeigen, was von seinem Programm als mögliche gemeinsame Plattform des linken Zentrums brauchbar ist. Leider können wir aus Gründen des Raummangels seinen ersten Artikel, der unter dem Titel ״Prinzipielles“ die allgemeinen Voraussetzungen seines Programms darlegt, und die Anmaßung der oppositionellen Gruppen, alleinige Hüter der Prinzipientradition des Zionismus zu sein, zurückweist, nur ln verkürzter Form auszugsweise wiedergeben. Red. I. Prinzipielles. (Auszugsweise Wiedergabe.); . . Wir sind uns des Zwanges der Kontinuität voll bewußt und versuchen nach unseren besten Kräften, eine Antwort auf die Frage des Tages zu geben. Wir glauben aber darum die ewigen Probleme der zionistischen Bewcgung doch nicht aus dem Auge zu verlieren und wir geben uns Rechenschaft davon, daß die kurze Periode der Ein- Schränkung, der Einengung, der Entsagung, die wir für unsere Palästinaarbeit fordern, nur dann gerechtfertigt ist, wenn wir gleichzeitig dafür sorgen, daß nach dieser Zeit der ״Konsolidierung“ wiederum eine starke Expansion cintrcten kann. Und diese Expansion müssen wir schon heute vorbereiten. Der Zionismus erschöpft sich für uns keineswegs in der Kolonisation Palästinas und nichts würde uns verderblicher erscheinen, als wenn die Zionistische Organisation wirklich zu einer Kolonisationsunternchmung Jherabgedriickt würde. Der Zionismus ist die Regenerationsbewegung des jüdischen Volkes und die Besiedlung Palästinas, die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina, ist nur das vornehmste Mittel dieser Regeneration. Die Wiederbelebung aller schöpferischen Kräfte im Judentum und vor allem der kulturschöpferischen Kräfte ist der Sinn des Zionismus und sein sozialer Aspekt drückt sich immer deutlicher ln einer Tendenz aus, unsere Jugend von den vermittelnden Berufen zu den produktiven übcrzuleiten. Wenn es aber so ist — und es ist unsere tiefste Ueberzcugung, daß es so ist — dann darf sich der Zionismus nicht abschließen und nichts Jüdisches darf ihm fremd sein. Es ist ein merkwürdiger Widerspruch, daß also viele Zionisten, und gefade radikale Zionisten — dieses Wort nicht iapie1^fe«1K-P»ktl«»#in11 genommen — einen sehr großen Teil ihrer Energien und derjenigen der zionistischen Organisationen, auf die sie Einfluß haben, für sogenannte Gegenwartsarbeit in der Galuth verwenden, für Landespolitik, für wirtschaftliche und kulturelle Arbeit in der Diaspora, daß aber auf dieselben Zionisten schon das Wort .״Krimkolonisation“ wirkt wie ein rotes Tuch. Wir sagen nicht, daß wir mit fliegenden Fahnen in das Lager derjenigen übergehen sollen, die für jüdische Kolonisation in Rußland arbeiten; aber wir glauben, daß dieses Werk, das heute zweifellos das interessanteste und bedeutungsvollste in der jüdischen Diaspora ist, von uns sehr ernsthaft geprüft und auf seine Bedeutung für die Regeneration des Judentums untersucht werden soll. Es hat unseres Wissens noch keinen Versuch von zionistischer Seite gegeben, diesem Werke wirklich gerecht zu werden und schon eine schüchterne Geste vonseiten des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in diesem Sinne hat den stür• mischsten Protest aller patentierten Zionswächter hervor• gerufen < . . , . . Das Ziel, das uns bei unserer Palästinaarbeit vorschwebt, ist sicherlich nicht identisch mit der ursprüngliehen Iierzlschcn Judenstaatskonzeption. Eine Utopie kann grenzenlos in ihren Forderungen sein; eine politische Bcwegung — Politik ist ja die Kunst des Möglichen — muß die Grenzen kennen und darf vor gegebenen Tatsachen die Augen nicht verschließen. Wir sind nicht entzückt davon, daß 700000 Araber in Palästina leben, aber wir wollen diese unbestreitbare Tatsache weder leugnen noch mit Gewalt bcseitigen. Wir verstehen, daß das, was der Zionismus schaffen will, in allen seinen Aspekten etwas Einzigartiges und Neues ist und da kann es uns nicht erschrecken, daß wir auch vor der Notwendigkeit stehen, das Problem des Zusammenlebens zweier Nationen in einem Lande in einer neuartigen Weise zu lösen. Auch in dieser Frage hat uns ja nichts so sehr geschadet wie die Notwendigkeit —- um ein Wort Vrieslands zu gebrauchen — ״mit einer Hand in Palästina Kolonisationsarbeit zu machen und gleichzeitig mit der anderen Hand eine Propagandarede zu halten“. Zweifellos wollen wir in Palästina unseren Einfluß stärken, unser Geltungsbereich erweitern, aus einem schwachen Jischuw ein starkes, wirtschaftlich und kulturell unabhängiges Gemeinwesen schaffen. Wenn es aber für die Erreichung dieses Zieles in Palästina immer gut gewesen wäre, das berühmte Wort anzuwenden: ״taujours y penser, jamais en parier“, so war es andererseits Erfordernis der Durchsetzung unserer Idee sowohl bei der jüdischen Masse als auch in der politischen Welt draußen, daß wir unser Ziel in einer die Phantasie ansprechenden Weise immer wieder verkündeten und etwa in einem ganz bestimmten Zusammenhang erklärten, Palästina müsse einmal so jüdisch sein, wie England englisch. Wir sind überzeugt davon, daß wir gerade jetzt in eine Periode gelangen, die für das künftige Verhältnis zu den Arabern die folgenschwersten Entscheidungen bringen muß. Wir glauben also, daß unsere ganze Politik jetzt in erster Linie auf diese Front eingestellt sein muß und daß es darauf ankommmt, den Arabern gegenüber eine Politik der Aufrichtigkeit und der nüchternen Klugheit zu führen, die um ihres höchsten Zieles willen auf so manche propagandistisch vielleicht wirksame Geste verzichtet. II. Politik. . Es scheint uns, als ob gerade heute bei vielen Gruppen innerhalb der Zionistischen Organisation ein Bestreben be- I merkbar wäre, innerhalb der Aufgabenkomplexe des Zionismus der Politik den Vorrang zu geben. Wir wollen nicht vergessen, daß Politik niemals Selbstzweck sein kann, daß sie immer mir die Aufgabe haben kann, Bedingungen und Möglichkeiten zu schaffen, unter denen eine nicht 1m prägnanten Sinne politische Tätigkeit erfolgreich vor sich gehen kann. Die wesentlichen Aufgaben des Zionismus sind kultureller, sozialer, wirtschaftlicher, kolonisatorischer Natur; politische Tätigkeit kann ihnen mir den Weg bahnen. Und wenn wir die Wirklichkeit des jüdischen Lebens unserer Zeit recht erkennen, ergibt sich uns die Grundlinie unserer Politik von selbst. Es kann keine Machtpolitik sein, denn wir sind das einzige Volk, das überall, an jedem Punkte, wo es lebt, das schwächere ist, wenigstens an Machtmitteln, die in der Politik zur Geltung gebracht werden können. Unsere Politik muß viel mehr auf das Recht als auf die Macht gestützt sein, sie muß die tiefe Ueberzcugung von der moralischen Berechtigung unserer Fordeningen selbst zum Ausdruck bringen und bei anderen zu erzeugen trachten. Und daraus ergibt sich wiederum folgerichtig, daß unsere Forde- Hingen unter allen Umständen vermeiden müssen, irgendjemand Unrecht zuzufügen, irgendjemandes berechtigte Ansprüche zu verletzen, in unserer Kolonisationsarbcit kämpfen wir nur mit unserer eigenen Unzulänglichkeit und mit der spröden Natur des Landes, das uns von unserer Geschichte zugewiesen ist; in der Politik streiten wir gegen Trägheit, Unwissenheit und Uebelwollen der ganzen Welt rings 11m uns und cs genügt nicht, daß wir bei uns selbst eine Begründung dafür wissen, warum unsere Forderungen berechtigt sind, sondern diese Forderungen müssen ihre Begründung und ihre Bcrechtigung so klar und weithin sichtbar an der Stirn geschrieben tragen, daß sic jeder erkennt. Und darum kann unsere Politik auch nicht eine Politik der Uebcrrumpelung und der Uebcrraschungcn sein, eine Politik des Bluffs, wie sie iivschr bewegten Zeiten vorübergehend einen Erfolg erzielen kann, sondern mehr noch Erziehungsarbeit als Politik, Pädagogik, geduldiges, stetes, zähes, nie ermüdendes, durch Mißerfolge nicht abzuschreckcndcs Bemühen, die Wahrheit zu ]ehren. Wir müssen die Distanz wahren, wir müssen uns nicht größer und den Gegner nicht kleiner machen als er ist, wir müssen aber zugleich die Würde wahren, die jenem zukommt, der eine edle und gerechte Sache verficht. Unsere Politik kann nicht im Zickzack gehen. Wir dürfen nicht heute diese und morgen jene Forderung proklamieren, sondern wir müssen die einmal gewählte Linie festhalten und so der Außenwelt zeigen, daß wir nicht nur von ihr die Anerkennung unserer Forderungen verlangen, sondern daß vor allem wir selbst von ihrer Berechtigung dauernd durchdrungen sind. Nach diesen Grundsätzen ergibt sich mit voller Deutlichkeit die Richtung unserer politischen Arbeit auf den drei : Gebiet«,**«! denen sie gelüstet5 werden «inir ׳■ * t. Im Verhältnis zu den nich tzio ״ is f i sch e n Juden. Es ist noch nicht allgemein genug erkannt, daß die Einstellung der Zionistischen Organisation zu den nichtzionistischen Juden unmittelbar nach den Beschlüssen von San Remo eine entscheidende Wendung vorgenommen hat. Bis dahin teilten wir die Juden iit Zionisten und Assimilanten ein: wer nicht Zionist war, war Antizionist und galt nur als Objekt für zionistische Propaganda. Wir gaben dem Wort ״Assimilant“ den Charakter eines Schimpfwortes und mit welcher tiefen Uebcrzeugung wir das taten, zeigt sich darin, daß selbst die Assimilanten gelernt haben, dieses Wort als Schimpfwort zu empfinden. Unsere Absicht war, die Nichtzionisten zu Zionisten zu machen und erst wenn dieser Akt, wenn diese Bekehrung vollendet war, hörten wir auf, den anderen als Gegner, ja als Feind zu empfinden. Im Jahre 1920, und zwar nach außen erkennbar auf der im Juli des genannten Jahres in London abgehaltenen Jahreskonferenz, geschah die die große Wandlung. Wir teilten nunmehr die Juden in Zionisten und N i ch t zionisten ein; wir anerkannten, daß ein Jude nicht Zionist und doch ein wertvolles Mitglied der jüdischen Gemeinschaft sein könne, wir erklärten uns bereit, mit Nichtzionisten zusammen zu arbeiten andern großen Werk der Verwirklichung unserer Heimstätte in Palästina. Man lese die Reden nach, die auf jener Konferenz gehalten wurden, von der Eröffnungsrede Weizmanns angefangen, und man wird finden, daß die Zionisten fast einmütig waren in der Bereitwilligkeit, diese Wendung vorzunehmen. Es gab so weitgehende Vorschläge wie den von Jakobus Kann, Nichtzionisten in die Exekutive der Zionistischen Organisation aufzunehmen; dieser Radikalismus fand keine Billigung; aber die Organisation war sich völlig klar darüber, daß nunmehr eine neue Aera begann, daß es nicht mehr galt, die übrigen Juden zu bekehren, sondern sie zu belehren und daß die Zionistische Organisation mit denjenigen Juden, die aus irgendwelchen Gründen nicht bereit waren, sich ihr anzuschließen, trotzdem Zusammenarbeiten müsse. Was seither kam, war nur die logische Entwicklung dieser Erkenntnis und die Weizmannsche Politik der Erweiterung der Jewish Agency, die von zwei Zionistenkongresseit gebilligt wurde, ist die praktische Gestaltung dieser theoretischen Erkenntnis. Daß es auf dem Weg der Verwirklichung auch dieses Gedankens Schwierigkeiten und Enttäuschungen gibt, ist unvermeidlich; wir glauben trotzdem, daß diese Politik fortgesetzt werden muß, und zwar im gleichen Sinne wie bisher, mit Ernst und mit Bescheidenheit und doch mit dem vollen Gefühl der Würde und mit dem Bewußtsein dessen, daß wir es sind, die in diese Ehe das wertvollste Gut einbringen. 2. ltn Verhältnis zu den Arabern. Vielleicht auf keinem Gebiet unserer Arbeit tut es so sehr not Maß zu halten, besonnen und fest zu sein wie hier. Schwäche zu zeigen, wäre kein größerer Fehler als mit der, ach so dünn gepanzerten Faust auf den Tisch zu schlagen. Freundschaftsbeteucrungen von unserer Seife werden nicht vermögen, die arabische Bevölkerung Palästinas zur Freundschaft für uns zu bringen. Aber wenn wir betonten, daß die Araber der ganzen Situation nach unsere Feinde sein müssen, werden wir nicht nur ihre Feindschaft haben, sondern auch die Sympathien der ,ganzen zivilisierten Welt verlieren. Das ruhige, besonnene und von Pathos freie Vorgehen der Juden in den palästinensischen Städten bei den letzten Munizipalwahlen hat sicher auf die Araber mehr Eindruck gemacht, als es eine jüdische Legion vermöchte. Und das Wertvollste an diesem historischen Ereignis war, daß es keinerlei Erbitterung auf der anderen Seite Hervorrufen konnte. 3. Im Verhältnis zu der öffentlichen M C i n u n g , zum Völkerbund lind zur Mandatarmacht, Auch hier: keine hochfliegenden Hoffnungen, aber auch keine verdrossene Abkehr! Die öffentliche Meinung der Kulturwelt ist uns in den letzten zehn Jahren um ein ungeheures Stück cntgcgengckomiwn; es genügt, sich an die sehr schwankende Haltung Englands, an die Verärgerung in Frankreich, an das feindliche Schweigen in Italien, an den dumpfen Widerstand in Deutschland zu erinnern. Wenn wir uns heute vergegenwärtigen, wie eigentlich die Chancen für den Erfolg unserer Sache in den Jahren 1919-20 gewesen sind, und wenn wir wahrheitsgemäß feststellcn, daß damals eigentlich der Mißerfolg viel wahrscheinlicher als der Sieg ■war, und w׳enn wir uns dann die Frage vorlegen, wie die Chancen stünden, wenn heute, mit der heutigen öffentlichen Meinung, nochmals zu entscheiden wäre über die Frage des nationalen Heims und des Palästinamandates: ich glaube, daß niemand leugnen wird, daß die Haltung der Oeffentlichkeit, der Parlamente unc der Regierungen so tiefgehend geändert ist, daß die Ent• Scheidung fast unbedingt für uns erfolgen müßte. Die Ursachc dafür liegt in der konsequenten Durchführung des Systems, das Wcizmann auf der letzten Sitzung des Aktions• Comitcs so außerordentlich prägnant charakterisiert hat; es besteht in der Schaffung, in der Ansammlung politischen Kredites, aus dem man, wenn cs notwendig ist, schöpfen kann Niemals werden wir der Welt cinredcn können, daß hintci uns ungeheure Kräfte, daß eine gewaltige materielle Mach' hinter uns steht; aber wir körmen sie davon überzeugen daß es uns ernst ist mit unserer Sache und daß die Kraft, die wir durch diese Ueberzcugung entwickeln können, durchaus rescpktabel ist und fähig, so lange anzuwachsen, bis sie das Ziel erreichen kann, das wir ihr gesetzt haben. Die Mandats■ rcgicrung hat noch viele unserer gerechten Forderungen nicht erfüllt, wir werden sic ihr so lange wiederholen, bis sie sie versteht. Wir werden nicht Genf gegen London oder London gegen Genf ausspielcn und noch viel weniger Paris odet Rom gegen London; das wäre ein üMer Rückfall in längst versunkene Kannegießere!. Wir glauben, daß es auf keinem dieser Gebiete große Entdeckungen zu machen gibt. Wir glauben, daß wir in der Politik größere und raschere Fortschritte gemacht haben als in der Sicherung der wirtschaftlichen Voraussetzungen unserer Palästinaarbeit und in der Kolonisation selbst. Wir haben die Ucberzeugung, daß die zionistische Politik der letzten zwölf Jahre eine stetige Linie verfolgt hat, die von Wcizmann vorgezeichnete Linie. Und wir glauben, daß die Periode des Zionismus, für welche die Weizmannsche Linie die naturgegebene und notwendige Linie der Politik war, noch keineswegs beendet ist. Einige Bemerkungen zur BeamMrage Von Dr. Fritz Miline r, Frankfurt a. M. Trotz der Fülle der drängenden Probleme und Aufgaben, die den kommenden Kongreß beschäftigen werden, sei hier eine schon oft angeschnittene und nie einer Lösung nähergebrachtc Frage wieder gestellt, deren Bedeutung, wie es scheint, das Wesen unserer Organisation grundlegend tangiert. Das ist die sogenannte Beamtcnfrage. Für ihre Beurteilung seien zuerst die zwei Gebiete, bei denen sie zu Schwierigkeiten und Unzuträglichkeiten führt und führen muß, Umrissen. Da ist einmal die die ״Beamten“ als solche und ihr persönliches Schicksai angehende Seite der Sache und sodann die, die sich auf die Organisation bezieht. Die Bcamtenfrage wird solange nicht gelöst werden kön• neu, wie wir nicht ein geordnetes, die technische und politische Seite berücksichtigendes Bcamtenrecht haben. Denn wie ist der heutige Zustand? In fast allen Ländern, :11 denen es eine Zionistische Organisation gibt, finden wir sogenannte zionistische ״Beamte“, d. h. Menschen, die bereits jahrelang im Dienste der zionistischen Arbeit stehen und wohl, selbst wenn sic gelegentlich ihr Ressort oder gar das Land der Beschäftigung ändern, auch weiterhin in gleicher oder ähnlicher Form beschäftigt bleiben werden, da sie andere Möglichkeiten meist nicht mehr haben. Die Organi• sation muß sie unterbringen, da sie eine gewisse moralische Verpflichtung diesen Persönlichkeiten gegenüber übernommen hat. Andererseits aber können Kräfte gebraucht werden, die es aus Gründen der finanziellen Sicherstellung in der Zukunft ab• lehnen müssen, in den Dienst der Organisation zu treten, während andere wiederum trotz Befähigung und Arbeitslust keinen Platz finden können. Das ist die mehr private Seite der Angelegenheit, die aber sofort zur ״öffentlichen Seite“ führt. Die oft mangelnde Fach- und Sachkenntnis der Beamten wird durch eben diesen Zustand hervorgerufen, der es unmöglich macht die besten und geschultesten Anwärter für eine Stelle auswäh• len zu können, zumal auch ״Stellen“, ״Posten“ im eigentlichen Sinne noch nicht geschaffen sind. Diese Tatsache scheint noch besonders wichtig zu sein. Es gibt 1m großen und ganzen seht wenig ״vakante“ Stellen bei uns, denn geht der ״Beamte“, so verschwindet auch der Posten. Das ist in gewissen Stellen, wo es sich um außerordentliche Persönlichkeiten handelt, immer und mit Recht so gewesen. Wohl haben wir eine geringe Zahl fester und ständig besetzter Posten. Das sind aber die, die zugleich politisch umkämpft sind. Allerdings haben sich seit einigen Jahren in London und in Palästina gewisse institutionen und Positionen herausgebiidet, die ständig besetzt sind oder es sein sollen — und gewiß soll man nicht Posten aus der Theorie schaffen, wenn sie sich nicht aus der Praxis ergeben. Aber es gilt, zum mindesten die bisherigen in ein System zu bringen, die gewordenen zu verankern und ihnen damit ihre Zufälligkeit zu nehmen. Geschieht dies nicht, so wird immer wieder auf dem Wege über politische Organe versucht werden, rein verwaltungsmäßig zu entscheidende Fragen zu lösen. Nichts liegt hier ferner als die Meinung, daß es rein unpolitischsachliche Lösungen überhaupt gibt (das sind meist solche, die alle Parteien in gleicher Weise lösen würden), aber es besteht doch ein Unterschied ob eiii Politiker und Vertreter seiner Partei öder ein Beamter, bzw. beamteter Fachmann eine Ent- Scheidung trifft. Wohl werden gewisse ״Ressorts“ vom Kongreß ihren politischen Chef erhalten und er wird die Verantwortung tragen müssen, für das was geschieht und nicht geschieht. Aber die Vermischung von Politik und Verwaltung kann und muß durch entsprechende Einrichtungen eine Acndcrung erfahren. Bei uns sind beide Formen des ״Regie'