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Jüdische Rundschau · 1927-06-10 · Heft 45-46 (10.6.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 45-46 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 328 JÜEÖISCHE HÜNDSCHÄÜ Nr. 45/46 Eia palästinensisches Mnseum Aua Tel-Awiw wird uns berichtet: ln den Räumen des ״MuseumsfftrheimfscheProdukte“ in Tel-Awiw, das von der Gesellschaft ״Mischar W’Taasia“ gegründet worden ist, fand am 10. Mai eine Fest• Versammlung aus Anlaß des zweijährigen Bestehens des Mtiseums statt. Es nahmen über hundert Gäste teil, darunter Herr E. H. Samuel als Vertreter der Regierung; Herr Bloch-Blumenfeld von der Stadtverwaltung Tel-Awiw; die Konsuln von 'Italien, Polen und der Schweiz; Baron Felix D. Menassc aus Cairo, Herr Frank von der ״Pica“ u. a. m. Die Versammlung wurde eröffnet durch eine Rede des Herrn Samuel Cohen, des Vorsitzenden der ״Gesellschaft der Freunde des Museums“, die vor kurzem gegründet worden ist. Herr Cohen wies auf das große Interesse hin, das man dem Museum im Laufe der zwei j ahre entgegengebracht hat und das zu einer Besucherzahl von 45 000 geführt hat. Trotz der schlechten Verhältnisse hat sich das Museum günstig entwickelt und ist ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Lage Palästinas geworden. Er hob die informative Wichtigkeit des Museums hervor und dankte den Gründern namens der Gesellschaft. Namens der ״Gesellschaft der Freunde des Museums“ sprach Herr Chelouche über das Arbeitsprogranim, das sich die Gesellschaft gesteckt hat, ausführlicher. Da die Gesellschaff überzeugt Ist, daß die Entwicklung des Museums dem allgemeinen Wohl dient und die Aufmerksamkeit und Förderang der Oeffentlichkeit verdient, hat sie die Aufgabe des Ausbaus, der Erweiterung und Vervollständigung des Museums auf sich genommen. Zu diesem Zwecke sollen noch einige Abteilungen wie Flora und Fauna und Geologie Palästinas, Gesundheits- und Unterrichtswesen und soziale Institutionen cingegliedert werden; ein Informationsbüro wird Auskünfte geben über alle finanziellen Fragen des Palästina-Auf baus. Die Gesellschaft will das ״Museum für heimische Produkte“ zu einem ״Falästinensischen Museum“ ausbauen. Die erste Arbeit in dieser Richtung ist ein Neubau für das Museum selbst auf dem Bauplatz, den die Stadtverwaltung Tel-Awiw für diesen Zweck zur Verfügung gestellt hat. Alles weitere bleibt der Energie der ״Gesellschaft der Freunde des Museums“ im In- und Ausland überlassen. Namens der Gesellschaft ״Mischar W’Taasia“ sprach Herr Evseroff und gab ein Bild von der veränderten Einschätzung und Beurteilung, die das Museum jetzt erfährt. Die Zeit des Mißtrauens und der Zurückhaltung, in der die Arbeit begonnen wurde, ist vorüber und eine neue Atmosphäre von Glauben, Vertrauen und Verständnis begegnet den Bestrebungen der Ge- Seilschaft. In dieser Hinsicht ist die Gründung der ״Gesell- Schaft der Freunde des Museums“ charakteristisch, die nicht auf Veranlassung der Gesellschaft ״Mischar W’Taasia“, sondern aus eigener Initiative und im Interesse der Oeffentlichkeit gegründet worden ist, um dem Museum eine gesunde Grundlage und die Entwicklungsmöglichkeit für die Zukunft zu geben, ln dem Interesse, das die Oeffentlichkeit an dem Unternehmen nimmt, sieht der Redner eine sichere Bürgschaft für die Entwicklung dieses Unternehmens, das zwar von einer Privatgesellschaft gegründet, aber eine öffentliche Institution ist. Im Namen der Stadtverwaltung Tel-Awiw beglückwünscht Herr Bloch-Blumenfeld die Versammlung, für die zionistische Exekutive spricht Herr Krupsky. Herzliche und warme Wünsche übermittelt Herr S h i n k a r im Namen des Industriellenverbandes. Herr Muntschik von der Gesell- Schaft ״Lemaan Tozereth Haaretz“ charakterisiert die Wichtigkeit dieser Leistung, die unter solch schweren Verhältnissen vollbracht worden tat und der man allgemein mit Skepsis befegnet war. Ing. Ornstein von der Gesellschaft ״Lemaan eT-Awiw“ beleuchtet die Bedeutung des Museums für die Ent- Wicklung der ersten hebräischen Stadt. Begrüßungsschreiben und Telegramme liefen ein von M. Disengoff, Direktor des .pepaftniMtSijfite׳.: städtisch*.' Katonistrioii der*, zionistischen, Ex«־ ־ cutn^ vod lC׳ W. Stead, Direktor des» Tiandelsdepartments der palästinensischen Regierung, Col. Sawer, Direktor des landwirtschaftliehen Departments der palästinensischen Regierung, Direktor Viteles von der Centralbank der Cooperativen in Palästina, Direktor Chasan von ״Chewrat Jehuda“, vom d e u t - sehen und französischen Konsul u. a. m. In dem nachfolgenden zwanglosen Beisammensein drückten viele Gäste ihre Bereitwilligkeit aus, die Arbeit der ״Gesell- Schaft der Freunde des Museums“ aktiv zu unterstützen. Die Mai- Demonstrationen vor dem Unteriians London, 3. Juni. (J.T.A.) Der Kommunist Saklatv a 1 a fragte im Unterhaus^ ob der Kolonienminister das Haus über die Polizeiaktion, die in den Städten Jerusalem, Tel- Awiw und Haifa am 1. Mai durchgeführt wurden, informieren wolle; wie viele wurden bei den Polizeiattacken verwundet; wie viele verhaftet und ins Gefängnis gesteckt; welche von den Verhafteten bereits vor Gericht gestellt worden sind und ob welche gegen Bürgschaft aus der Haft entlassen worden sind? Minister Amery erwiderte: Die Polizeiaktion wurde in Angriff genommen, weil die Kommunistische Partei in Palästina ihre Absicht kundgab, gesetzwidrige Kundgebungen zu organisieren, um der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten. Infolge der Polizeiaktion unterblieb die Kundgebung in Haifa und in Jerusalem waren nur drei unbeträchtliche Zwischenfälle zu verzeichnen. In Tel-Awiw aber sah sich die Gemeindepolizei genötigt, mit Knütteln gegen die Demonstranten vorzugehen. Hierbei wurden zwölf Personen verwundet. Ich bin nicht in der Lage mitzuteilen, wie viele verhaftet und ob sie aus der Haft entlassen sind. Saklatvala stellte ferner die Frage, ob A m ery das Haus über den Fall Ar je Kart informieren wolle. Arje Kart wurde in Palästina zu 50 Tagen Gefängnis und zur Ausweisung verurteilt, weil er ein Bulletin der ״Roten Hilfe“ veröffentlicht hat. Minister Am ery erwiderte; Es liegt ein Bericht des Oberkommissars vom 3. Mai vor, daß gegen die in Frage stehende Person die Anklage erhoben worden sei, an einer illegalen Ver- Sammlung teilgenommen und die Polizei an der Erfüllung ihrer Pflicht gehindert zu haben. Er sei ferner beschuldigt, Mitglied einer verbotenen Organisation zu sein. Weitere Mitteilungen liegen bis jetzt nicht vor. Die Regierung unterstützt Tel-Awiw London, 1. Juni. (J.T. A.) Ini Unterhausc richtete Colonel Wedgwood an den Staatssekretär für die Kolonien die Frage, ob die Palästina-Regierung bereit sei, die Stadt- Verwaltung von Tel-Awiw in der Weise zu unterstützen, daß sie den den Nordteil der Stadt betreffenden Bebauungsplan zu Ende führen kann. Minister Am ery erwiderte: Die Palästina-Regierung hat vor kurzem der Stadtverwaltung von Tel-Awiw finanzielle Unterstützung gewährt. Weitere Unterstützung wird erwogen, er könne aber nicht sagen, in welcher Form sie sich ausdrücken wird. Colonel Wedgwood: Wird der dringende Bedarf an verbessertem Wohnungswesen in Tel-Awiw in Betracht gezogen werden? Minister Atuery : J a, Sir. Jüdische Jugend Von Hubert PollpcK. (Bemerkungen 2x1 den Artikeln von B. Minz in Nr. 31/32 und 41/42 der ״J. R.״.) Analysen der Situation sind immer bflflg, meistens nicht ganz zutreffend und selten schöpferisch. Ein Beleg dafür sind die Ausführungen des Herrn Bruno Minz zw Mentalität der jüdischen Jugend in Deutschland. Herr Minz analysiert das geistige Milieu des jungen deutschen Juden, stellt Trägheit, Schwunglosigkeit, Lauheit, Selbstzufriedenheit, insbesondere auch in zionistischen Kreisen fest — alles halbe Wahrheiten — und schließt seine Büßpredigt mit einem großen Fragezeichen. Was soll das? Glaubt Herr Minz, die jüdische Jugend durch Worte aufrütteln, zur Selbstbesinnung bringen zu können? Diese Jugend ist — freilieh in einem anderen, sehr traurigen Sinne — längst zur Selbstbesinnung gebracht worden. Die deutsche bürgerliche (dies Wort hier als formaler Gegensatz zur klassenbewußten proletarischen gemeint) Jugendbewegung und mit ihr die jüdische, besonders die zionistische, hatte einen romantisch-idealistischen, utopistisch-lebensreformerischen Charakter, einen leidenschaftlichen, aber ungefestigten Schwung. Diese Jugend wurde in die furchtbare Katastrophe des Weltkrieges hineingezerrt und ist daran zerbrochen. Sie ist so grausam enttäuscht worden, daß ihre Selbstbestimmung nicht ein Zurückfinden aus der Romantik in die Wirklichkeit, sondern eine völlige Desillusionierung, ein Verzweifeln am Geist überhaupt bedeutet. Diese Generation ist zerstört. Sie kann nicht weiterführen. Aber auch an der nächsten sind die Ereignisse der letzten dreizehn Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Auch diese Menschen sind ernüchtert, skeptisch, sehr skeptisch sogar. Sie haben zwar nicht den Glauben an den Geist verloren, aber den Glauben an den Intellekt und vor allem den Glauben an das Wort. Sie haben gesehen, wie das Wort mißbraucht, entgeistigt, entwertet wurde. Sie haben den Schwatz der Politiker und Literaten durchschaut und empfinden ein Grauen vor ״geistigen“ Debatten, in denen für ihr Gefühl Phrasen gedroschen werden. Dieses Gefühl ist richtig gegenüber dem üblichen politisch-pädagogisch gemeinten Geschwafel, das man der jüdischen, zumal der zionistischen Jugend gern vorsetzt. Es ist falsch gegenüber dem ernsthaften Bemühen um geistige Dinge. Daß unserer Jugend vielfach der sichere Instinkt fehlt, hier Wert und Unwert richtig zu scheiden und daß sie infolgedessen mit ihrer Skepsis zu weit geht, darf man ihr nicht zum Vorwurf machen. Finden sich doch heute die besten Köpfe Europas nicht zurecht in der Geisteskrise, die das Abendland jetzt durehmacht und von der unsere Jugendkrise nur ein Teil ist. Niemand hat das Recht, der jüdischen, der zionistischen Jugend ihre Skepsis und ihr Mißtrauen gegenüber aller Ideologie zum Vorwurf zu machen. Aber jeder junge Zionist hat die Pflicht, nach seinen Kräften an der Ueberwindung dieser Skepsis, soweit sie unberechtigt ist, mitzuwirken. Das freilich geschieht nicht durch Worte, nicht durch Debatten, nicht durch Theorien. Es erfordert das Sich-elnsetzen jedes Einzelnen, erfordert die Hingabe des ganzen leidenschaftlichen jungen Menschen an die jüdische Jugend und an die zionistische Idee. Uns fehlt nicht der Intellekt, sondern das Pathos. Der Schrei nach der ״starken Leitung“ Im Dawar vom 12. Mai behandelt B e i 1 i n s o n das Problem der Exekutivbildung in der Zionistischn Organisation. Er knüpft an ein Wort Linskys an, der, telegraphischen Nachrichten zufolge, in der Sitzung des A.-C. die Einsetzung einer ,,starken Exekutive“ gefordert habe. Beilinson meint: gewiß ist es eine Lebensfrage für die Bewegung und für den Aufbau, daß die Leitung stark sei, d. h., daß sie alle zionistische kolonisatorische Tätigkeit zusammenfasse und auf jede Art jüdischer Betätigung im Lande ihren Einfluß ausübe. Die Frage ist nur, was ist der konkrete Inhalt des Begriffs. Es gibt Leute, für die der Begriff der starken Leitung einen sehr einfachen Inhalt hat: gemeint ist eine Exekutive, die von den politischen Strömungen, auf die sich die Bewegung stützt, unabhängig ist, eine Exekutive von ״Experten“, eine Art zionistische Diktatur, der sich all die verschiedenen Strömungen und Parteien unterzuordnen haben. Der Gedanke der Diktatur taucht bei uns etwas verspätet auf. Gerade in einer Zeit, in der er in der großen politischen Welt immer mehr diskreditiert ist, erscheint er bei uns auf der Bildfläche. Die Diktatur ist aber in einer Bewegung, die von der freiwilligen inneren Anteilnahme der OeffentlicKkeit abhängig ist, ein unmöglicher und lächerlicher Gedanke. Eine Exekutive von ״Experten“ ist abzulehnen. Diese Experten würden sich sehr bald in Politiker verwandeln, wenn man rie nicht auf ihre technische Fachaufgabe beschränkte. Beilinson greift im weiteren Verlauf des Artikels die gegenwärtige Leifung an; er kritisiert ihre System- und Planlosigkeit. Sie war keine ״starke Leitung“, weil sie nicht imstande war, planmäßig und systematisch an die Dinge heranzugehen, weil ein Departement gegen das andere arbeitete, weil es ihr an einheitlichem Auftreten fehlte. ״Fraget nur die Exekutive, wie sie den städtischen Jischuw aus der Notlage zu befreien denkt und Ihr werdet von ihr keine Antwort bekommen, es sei denn — im besten Falle — von ihren Departements, und zwar von jedem einzelnen nach seiner persönlichen Auffassung.“ Formal stünden eine ganze Reihe von Institutionen und Gesellschaften unter der Zionistischen Organisation. Aber wie sah es in Wirklichkeit aus? Wußte die Exekutive, was im Meschek vor sich ging und was in der Zion Commonwealth? Alle Teile der Bewegung wollen eine starke Exekutive — aber die Leitung bleibt schwach. Mit diesem Zustande muß aufgeräumt werden. Mit Einsatz aller Kräfte ist dies auch möglich. Hierfür ist es notwendig, die folgenden Bedingungen zu erfüllen: 1. Die Leitung muß aus Vertretern der wichtigsten Parteien und Richtungen zusammengesetzt sein. Die Koalition ist aufgebaut auf einen Arbeitsplan, dessen Grundlinien klar und bestimmt sein müssen. 2. Die Exekutive ist aufgebaut auf dem Prinzip der kollektivcnVerantwortlichkeit, weil anders eine sysfematische und einheitliche Tätigkeit der Departements nicht möglich ist. 3. Zwischen der Exekutive und allen anderen zionistischen Institutionen muß eine ständige Verbindung bestehen, so daß jede dieser Institutionen in ein und derselben Richtung arbeitet. 4. Die Exekutive und die Organisationen, die die praktische Kolonisationsarbeit im Lande ausführen, müssen gemeinsam Zusammenarbeiten. Die gemeinsame Arbeit muß aufgebaut sein auf der Anerkennung dieser Organisationen durch die Exekutive. Die Kompetenzen müssen genau abgegrenzt sein. Die Künigsberger Gemebidewalileii (Von unserm Korrespondenten.) Der Bericht üb« die Gemeindewahlen in Königsberg In Nr. 43 der ״Jüdischen Rundschau“ bedarf einer VervoUstandi-!jung. Für die diesmalige Wahl hatten sich die Parteien schließlieh dahin geeinigt, daß wegen wesentlicher Aenderangen des Wahlrechtes (z. B. Frauenwahlrecht!) alle 28 Repräsentanten neu zu wählen seien. Zwischen den im ״Jüdischen Gem ei nd e v e r ein“ organisierten Gruppen — Jüdische Mittelpartei, Zionisten, Alte Synagoge, Adaß Jisroel — und den Liberalen war die Vereinbarung getroffen worden, für die 14 auf drei Jahre zu wählenden Repräsentanten eine gemeinsame Liste einzureichen, in der die Parteien, etwa entsprechend dem bisherigen Stärkeverhältnis, vertreten waren (8 konservativer Block, 6 Liberale), während um die übrigen 14 Plätze (auf 6 Jahre) ein Wahlkampf stattfinden sollte. Bei der Nominierung der 14 Kandidaten für die Kampfliste auf 6 Jahre stellte der konservative Block, dem dringenden Wunsche aller Richtungen beider Gemeindekörperschaften entsprechend, einen Herrn Gr., der vor 3 Jahren unter die Kandidaten der Mittelpartei aufgenommen war, nicht mehr auf. Am Tage, nachdem dieses bekanntgegeben war, gründete Herr Gr. mit einigen Herren, die bisher der Gemeindearbeit ferngestanden hatten, eine Gruppe, die er zur Ueberraschung der Gemeinde — ״J ü d i sehe Mittelpartei“ nannte. Die seitens der hiesigen ״Jüdischen Mittelpartei“, die seit einem Menschenalter besteht, sofort erfolgte Aufklärung darüber, daß es sich hier um eine rein persönliche Angelegenheit des Herrn Gr. handele, zu dem Zwecke, sich einen Sitz in der Repräsentanz zu erzwingen, und daß diese Gruppe irgendeiner bestimmten jüdischen Ein- Stellung ganz fern stehe, hatte zur Folge, daß Herr Gr. seine Gruppe nunmehr ״Jüdisch - r e I i g i ö s e Mittelpartei“ nannte. Unterdessen waren die beiden von der Gruppe Gr. eingereichten Wahlvorschläge (auf 3 und auf 6 Jahre), ab« wegen eines Formfehlers auch der Wahlvorschlag der Liberalen (auf 6 Jahre) als ungültig erklärt worden. Gewählt war nun die liberal-konservative Einheitsliste auf 3 Jahre und die konservative Kampfliste auf 6 Jahre. Der konservative Block lehnte es jedoch einhellig ab, unter Ausnutzung des Mißgeschicks der Liberalen mit 22 Repräsentanten in die Gemeindevertretung einzuziehen: er machte den Liberalen das Anerbieten, nunmehr auch für den Wahlvorschlag auf 6 Jahre eine gemeinsame Liste aufzustellen; um dieses zu ermöglichen, würden dann die 14 jetzt legal auf 6 Jahre gewählten konservativen Kandidaten ihre Sitze wieder zur Verfügung stellen. Dieses Anerbieten wurde angenommen und nunmehr auch für die auf 6 Jahre zu wählenden Repräsentanten eine gemeinsame Liste im Verhältnis von 8 zu 6 aufgestellt und der bereits begonnene Wahlkampf zwischen den beiden Parteien abgebrochen. Der jetzt beginnende Wahlkampf wurde von den vereinigten Konservativen und Liberalen, die ihrerseits die Gruppe Gr. ebenfalls aufs entschiedenste ablehnten, gemeinsam gegen diese geführt. In diesem Wahlkampf handelte es sich in keiner Weise um U eher Zeugungen, sondern lediglich um die Ablehnung des genannten Herrn aus persönliehen Gründen. Nachdem der denn doch zu dumme Mißbrauch mit dem Namen der Jüdischen Mittelpartei schnell abgewirtschäftet hatte, arbeitete die Gruppe Gr. mit der Parole, die׳ noch nie versagt hat, sie sei die Partei der kleinen Leute, di* jetzt auch einmal her!nkommen müßten, um ״mit Mißständea, die die Herren da oben machen, aufzuräumen“. Erst nach der Wahl erfuhren es die, durchweg dem konservativen Mittelstände angehörenden Wähler der Gruppe Gr., daß der von Herrn Gr. als Spitzenkandidat seiner Liste gewonnene Rechtsanwalt ׳ Fr., ein wenig bekannter jüngerer Herr, Mitgliedderhiesigen ״Vereinigung für liberales Judentum“ war. Er hatte es auch, als er bereits Spitzenkandidat dieser ״Jüdisch-religiösen Mittelpartei״ war, nicht füs, nötig gehalten, dÄfcWiÄBtrwetföisondefütWKude;seMieflltehfcWP: 4« Vorstandim der Liberalen Vereinigung, dem die Sache denn doch zu bunt war, als Mitglied gestrichen. Es wurden gewählt: Konservativer Block 6, Liberale 5, Gruppe Gr. 3. Die Repräsentanz setzt sich nunmehr wie folgt zusammen: Konservativer Block 15 (Mittelpartei 7, Zionisten 4, Alte Synagoge 3, Adaß jisroel 1), Liberale 10, ״jüdisch-religiöse Mittelpartei“ 3. Im Vorstände haben die Liberalen 5 Sitze, der konservative Block 7 (Mittelpartei 2, Z i o n i s t e n 3, Alte Synagoge 1, Adaß Jisroel 1). Je ein Vertreter der Adaß Jisroel und der Alten Synagoge in der Repräsentanz und ein Vertreter der Alten Synagoge im Vorstände sind zurzeit auch Zionisten. Eine Jüdische Volkspartei gibt es in Königsberg nicht. Die Quittung für ihre Wahl erhielten die konservativen Wähler der Gruppe Gr. bereits in der ersten Repräsentanten- Sitzung nach der Wahl. Als bei der Bürowahl Wiederwahl des ersten Vorstehers, Prof. Cohn (Zionist), und des ersten Schriftführers, Max Fein stein (Mittelpartei), vorgeschlagen wurde, schlug die ״religiöse Mittelharte!“ in beiden Fällen liberale Gegenkandidaten vor (!). All«- dings wurde dieses etwas dringliche Liebeswerben von den Uberalen ignoriert und die Wiederwahl beid« Herren mit allen Stimmen gegen die 3 Repräsentanten der Gruppe Gr. vollzogen. Ein Erfolg der Jüdischen Volkspartei In Düsseldorf beschloß die Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde die Aufhebung der bisher bestehenden zehnjährigen Karenzzeit und führte statt dessen eine zweijährige Wartezeit für alle Gemeindemitglieder ohne Unterschied zur Erlangung des passiven Wahlrechtes ein. Damit ist das Ziel langdauernder Arbeit der Jüdischen Volkspartei in Düsseldorf erreicht worden. Erforschung des Mittleren Osten• London, 1. jutii. (J.T.A.) Wie der J.T.A. mitgeteilt wird, sollen Palästina und andere britische Mandatsterritorien laut Beschluß der letzten Londoner Kolonialkonferenz zum Gegenstand wissenschaftlicher Erforschung nach allen Richtungen hin gemacht werden. Es ist wahrscheinlich, daß in Palästina eine Station zur Erforschung des Mittleren Ostens errichtetwerden wird. Das Kolonienministerium wird eine Kommission einsetzen, die einen detaillierten Plan für die Forschungsarbeiten zwecks Unterbreitung an die betreffenden Regierungen auszuarbeiten haben wird. Hierzu wird eine Summe von £ 175000 zur Verfügung gestellt werden. Unter einem vom Kolonienminister zu ernennenden Vorsitzenden wird ein Rat zusammentreten, dem die folgenden hohen Beamten angehören werden: der Direkter des König!• Botanischen Gartens K e w, der Direktor des Reichsbüros für Insektenkunde, der Direktor des Reichsbüros für Pilzkunde, ein Vertreter der tierärztlichen Wissenschaft, ein Vertreter des Kolonialamts und ein Vertreter des Reichsmarkt- Ausschusses. Besonderer Wert wird auf die Erforschung der landwirtschaftlichen Verhältnisse gelegt werden. Eine über das ganze Reich ausgedehnte Kette von Stationen, die im Kontakt mit dem Reichsmarkt-Ausschuß arbeiten werden, wird sich dem Untersuchungswerk anschließen; ein Clearing House für Informationen wird dem Werk dienen und so eine Zusammenarbeit zwischen den Kolonial- und Mandatsländein herbeiführen helfen. Nr. 45/ Ku Bei V für mich Probleme erfahren v feste Vor! 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