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Jüdische Rundschau · 1927-06-10 · Heft 45-46 (10.6.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 45-46 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 45/46 Seite 327 als der Propaganda gewidmet. Dem Rathaus gegenüber ist eine Reihe irländischer Gendarmen postiert, bereit, jeden Mo taeni bet einem Zwischenfall einzu greifen. Sie sehen sieb das Treiben halb gleichgültig, halb lächelnd an. Freilich sieht diese Propaganda etwas anders aus als das ״can- Vissing״ von Macdonald und Baldwin. Auf dem Marktplatz wechseln die Autos ihre Mannschaft. Und nachdem mit viel Geschrei alles wieder verstaut ist, setzt sich die Karawane nach derselben Melodie in Bewegung. Als sie alle fort sind, suche ich mir in einer der Neben- Straßen einen Platz zum Essen. Man braucht nur in eine der Garküchen zu gehen und nacheinander die Topfdeckel abzugehen, um zu wissen, was es gibt. Denn es gibt fast überall dasselbe. In dem alten Steingewölbe ist es auch jetzt um die Mittagszeit kühl. Vor der Tür sitzt der Besitzer mit seiner Wasserpfeife und bei ihm verschiedene seiner Freunde. Er bringt uns das Essen sehr säuberlich auf Teller geschichtet, schwimmend von rotem Pfeffer und Oel, so wie es sich für ein Mittelmeerland schickt. Dazu gibt es arabisches Brot in flachen Fladen und ganze grüne Pfefferschoten. Hier in der Nebenstraße merkt man nichts von Wahlen. Nur schwach dringt gelegentlich der Lärm eines vorüberfahrenden Autozuges herein, dann nehmen die Leute, die vor den Türen sitzen, mit einem leisen Lächeln die Pfeife aus dem Munde, machen eine Bemerkung und rauchen schweigend weiter. Die Arbeit geht wie gewöhnlich. Der Koch vor seiner Küche, die Gemüseverkäufer vor ihren Ständen, der Schuster in seiner kleinen Bude, die Eselvermieter vor ihren Ställen. Im, allgemeinen scheint man sich um die lustige Aufregung in den Hauptstraßen nur wenig zu kümmern. Nach dem Mittagessen unternehme ich einen Rundgang durch die Stadt. Durch das übliche Straßenbild mit seinem behaglichen Treiben und seinen bunten Trachten zieht sich in kurzen Zcitabständen der Lärm der Propaganda. Automobile, Fahrräder, Umzüge. Die Fahrräder werden auch hier an den Rädern mit farbigem Papier umwunden, wie es die Juden in Tel-Awiw bei den Wahlen machen. Nur daß es in Tel-Awiw in den Farben der Parteien geschieht, während man hier irgendwelche bunten Streifen nimmt, je leuchtender um so besser. Eines der drei Wahllokale ist in einer der großen Regierungssclmlen eingerichtet. Davor stauen sich die Pro pagandisten und die Neugierigen in einem bunten Gemisch. Der Sohn eines reichen Hausbesitzers, der schon völlig europäisch gekleidet gebt — englischer Anzug, seidenes Taschentuch, Stock, dunkle Brille — daneben ein Fcllach in Abajah und Kofijah, ein Limonadenverkäufer, der seinen ganzen Laden, aus der riesigen Kanne und metallenen Bechern bestehend, auf seinem Bauche herumschleppt, alte ehrwürdige Männer in langen Mänteln und Bärten, einige mit dem grünen Tuch um den Fez, dem Abzeichen ihrer Mekka-Pilgerfalirt und ein Haufen von Gassenbuben und Müssiggängcrn. Jeder, der das Haus betritt, um zu wählen, wird beobachtet, bekannte Persönlichkeiten begrüßt. Ein englischer Offizier und irländische Gendarmen stehen dabei und wachen. Alle zehn Minuten fast stimmt die Menge in den Lärm der vorüberfahrenden Autos ein. Das gibt ein Geglitzer von Farben, Sonne, Staub und rhythmischem Geschrei. Alles ist sehr behaglich. Da es Samstag ist, leisten heute die Juden keine Wahlarbeit Nur ein paar ganz vereinzelte Burschen, die man schon dem Adssehen jtach als ,,popste“ (Kommunisten) er« ÜehnCSieht ׳man geschäftig.'' Auch' Jüdische Zuschauer sieht man wenig. Einige Arbeiter hat ihr immer waches politisches Interesse hierher getrieben. Sie stehen im Sonnenbrand, hloßköpfig und bloßbeinig, zählen die verschiedenen Listen auf und holen sich genaue Auskunft über die einzelnen Gruppen bei einem Araber, der gut hebräisch spricht und schon ebenso ״politisiert“ zu sein scheint wie seine Zuhörer. Verläßt man dieses Gebäude, das das Wahlficber um sich konzentriert, so ist man bald wieder in dem gewöhnlichen Jaffa, wie es jeden Tag aussieht. Lustig, bunt, etwas verschlafen, schön, olme es zu wissen. Als ich schon gegen Abend nach Tel-Awiw komme, bewegt sich der große Menschenstrom die Allenby hinunter, den man jeden Samstag hier beobachten kann. Sobald es kühler wird, geht alles hinunter ans Meer. Alles schwatzt durcheinander, fühlt sich ausgeruht und bereitet sich auf den Abend vor. An einer Straßenecke aber, gegenüber der großen Synagoge, an der schon seit Jahren gebaut wird und die man jetzt an der Kuppel mit Kupfer beschlägi, steht eine Gruppe alter Juden und sie diskutieren eifrig. Ich höre zu, da sagt gerade der Wortführer des einen Teiles auf jiddisch; ,Ich weiß nicht, mit welcher arabischen Partei die Juden mitgehen sollen. Aber warum brauchen wir uns überhaupt ,mischen‘? Was haben wir mit ihren Kriegen zu tun?“ Ich gehe nach Hause und denke in mich hinein: Ich denke an Jaffa, an die schön aufgeschichteten Früchte in den Obstständen, an den Wahlgesang, an den türkischen Kaffee und die Wasserpfeife in den Bazaren, an den Garküchen- Besitzer, den ich vor einer Stunde mit so viel Seife und Hingebung seine Kannen waschen sah. Ich möchte am liebsten jedem Einwohner von Tel-Awiw empfehlen, einen Teil seiner freien Zeit in Jaffa zuzubringen. Vielleicht würde er dann die Frage leichter beantworten können, warum wir uns auch bei den arabischen Wahlen ״mischen“ müssen. Vielleicht würde er viel Schönes sehen lernen, von dem er heute kaum etwas ahnt. Vielleicht lernte er hinauszusehen über den Rahmen dieser ״ersten jüdischen Stadt“. Und schließlich würde er vielleicht auch mit seinem arabischen Nachbar anders sprechen als er es heute tut. Mir fällt der Händler ein, bei dem ich heute in Jaffa Rosinen kaufte. Ich fragte ihn, wie sie auf arabisch hießen und er gab mir Auskunft, froh darüber, daß man sich für solche Dinge interessierte. Um aber zu zeigen, daß er auch eine andere Sprache verstände, sagte er am Schlüsse strahlend: ״und auf hebräisch heißen sie ״Rojinkes“... Arno D a i b e r g. Der Ban des Lehrerseminars in Jerusalem Die Kommunalwahleo In Haifa Die Kommunalwahlen in Haifa endeten ebenfalls mit einer Niederlage der Partei der palästinensisch-arabischen Exekutive. Die Juden, die ebenso wie in Jerusalem sich auf eine einheitliehe Liste geeinigt hatten, und deren 2 Kandidaten somit durch bloße Nominierung schon als gewählt galten, haben nach langen Verhandlungen beschlossen,'die Partei von Hassan Shukri zu unterstützen. Es machte mm bei der Wahl besonderen Eindruck, daß die Juden nicht nur geschlossen zur Urne gingen — es stimmten 02״» der wahlberechtigten Juden — sondern auch wie e i n Mann der ausgegebenen Parole folgten. In den jüdischen Wahlurnen fand man nur einen einzigen Zettel, der für die Partei der arabischen Exekutive abgegeben war. Es wurdet! 6 Kandidaten von der Partei Hassan Shukri und 2 der mohammedanischen Vereinigung gewählt, wobei noch besonders zu bemerken ist, daß der ־ührer dieser Liste, der bisherige Stadtpräsident von Haifa, kein Mandat erlangte. Die mohammedanische Vereinigung (Partei der arabischen Exekutive) erklärt in einem Aufruf, daß nur ihre beiden Stadträte als Vertreter der arabischen Nation 7u befrachten seien, während Hassan Shukri und Genossen nur Mandatare der Zionisten und Juden seien. Es zeigt sich somit immer mehr, ■ein welch großer Fehler die Befolgung der von mancher Seit« propagierten Parole einer Wahlabstinenz der Juden gewesen wäre, nachdem es die Juden in den wichtigsten Gemeinden dank ihrer Einigkeit verstanden haben, auf die Wahl aller Stadträte entscheidenden FJnfluß zu nehmen. Die palästinensischen Kotnmunahvahlen geben ein erfreuliches Bild von der politischen Reife der palästinensischen Judenheit. Auch in Jaffa hat die gemäßigte arabische Richtung Aussicht auf Erfolg. Die jüdische Gemeinde Jaffas fordert in einem Aufruf die jüdischen Wähler auf, für die von Youssef Dajani und Assem Bey Said geführte arabische Liste zu stimmen. Die Youssef Dajani-Gruppe veröffentlicht einen Wahlaufruf in hebräischer Sprache, in welchem versprochen wird, mit den Juden zusammenzuarbeiten und für ihre speziellen Bedürfnisse zu sorgen. Die beiden jüdischen Kandidaten werden ohne Widerspruch als gewählt erklärt werden, da auch In Jaffa eine Einigung aller jüdischen Groppen *ustandegekommen ist. . Zar Frage des legislative Council Jerusalem, 3. Juni. (J.T.A.) Wie die Pal. Tel. Ag. erfährt, gedenkt dfer Stellvertretende überkommissar für Palästina, G. R. Sy m es, dem Kolonienministeriunt in London zu empfehlen, Verhandlungen mit den arabischen Führern über die Wiedereinsetzung einer Gesetzgebenden Körperschaff in Palästina wieder aufzuftehmen. Oberstleutnant Svmcs sieht sich zu diesem Schritt durch die versöhnlichcre Haltung der Mehrheit der arabischen Bevölkerung Palästinas gegenüber der Regierung und durch den von Arabern nunmehr ausgesprochenen Wunsch, m i t den Juden zusammen zuha ft ea, veranlaßt Kairo, 3. Juni. (J.T.A.) Der Sonderkorrespondent der ״Assiassa“ für den Mittleren Osten, Muhammad Abd u 11 a 11 A n a n , teilt mit, er habe aus seinen letzten Unterhaltungen mit Musa Kazim Pascha und anderen arabisehen Führern den Eindruck gewonnen, daß die Palästinensisch-Arabische Exekutive der Idee einer Zusammenarbeit mit der Regierung und den Juden nicht mehr ablehnend gegenüberstehe. Sie sind zu der Ueberzeugung gelangt, daß die ״Gefahr der jüdischen Nationalheims-Polit i k“ nicht mehr so stark ist und daß nunmehr eine Zusammenarbeit aller Elemente des Landes auf der Basis der Selbstregic« rung möglich sei,; Das Memorandum der arabischen Exeknfive Die palästinensisch-arabische Exekutive hat ihr der Mandats• Kommission überreichtes Memorandum mit Beschwerden gegen die englische Regierung bereits veröffentlicht Dem Text ist zu entnehmen, daß die arabische Exekutive England als Mandatarmacht beschuldigt, daß cs die Empfehlungen der Mandats- Kommission nicht erfülle und eine für die arabische Bevölkerung nachteilige Politik verfolge. L>ie Zahl der englischen Beamten werde vermehrt, Palästina habe keine Selbstverwaltungs-Institutionen und die arabische Sprache im offiziellen Gebrauch gegenüber den englischen und hebräischen keine Gteichberechtigung. Die Regierung lasse auch eine wahllose Einwanderung von Juden zu, wodurch die Interessen der Araber geschädigt werden. Des weiteren wird Klage geführt, dab die Regierung sich um die Wünsche der Bevölkerung nicht kümmere und ohne deren Befragung wichtige wirtschaftliche Entscheidüngen fälle, wie z. B. über die Anleihe, die neue Währung und die Tote Meer-Konzession. — Bei Veröffentlichung dieses Memorandums der arabischen Exekutive bemerkt das Reuter- Büro, daß der Einfluß dieser Partei im Lande im Abnehmen sei, wie aus ihrer Niederlage bei den Kommunalwählen in Palästina, besonders in Jerusalem, hervorgehe. Die Rothermere-Prcssc gegen das Palästina •Mandat In einem neuen Artikel fordert ״Daily Mail“ — wie schon kürzlich — den Verzicht auf die britischen Mandate im mittleren Osten, da England bei der Bedrohung dieser Mandate seitens Rußlands und der Türkei oder von anderer Seite verpflichtet wäre, sie zu verteidigen. Das Blatt fährt fort: Mit Zustimmung des Völkerbundes könnten wir das Mandat über den Irak und Palästina Italien übergeben. Dieser große Staat braucht dringend eine territoriale Ausdehnung für seine rasch zunehmende Bevölkerung. Als Mittelmecrmacht. die bereits Inseln als Stützpunkte im Aegäischen Meer innebat und die von unseren eigenen, über die ganze Welt ausgedehnten Ver- Wicklungen frei ist, könnte Italien mit den syrischen Mandatsländern viel leichter fertig werden als wir.. Wenn es diese Aufgabe übernehmen will, können wir sie ihm bereitwillig abtreten. Die Anregung Lord Rothermeres wird wohl in der englischen Oeffentlichkeit wenig Anklang finden. Es ist aber hedauerlich, daES auf diese Weise der englische Leser gegen das Palästinamandat aufgehetzt wird. Auch ״D a i 1 v E x p r e ft" greift in weiteren Artikeln wiederum die englische Politik im Nahen Osten und besonders in Palästina an. Bezüglich Palästinas schreibt das Blati, daß England dort dauernd große Summen ausgebe, weil Lord Ba'lfour noch immer seine merkwürdige Idee von dem jüdischen Heim durchführen wolle. Der Handel mit Palästina habe England keinen großen Nutzen gebracht. Mau müsse also die ganze dortige Arbeit aufgeben. Spaziergang nach Jaffa Es ist nicht jedermanns Sache, seine freien Tage hi Jaffa zuzubringen. Für den Durchschnittseuropäer ist es ein kleines unsauberes orientalisches Städtchen, mit den typischen( Mängeln eines levantinischen Hafenplatzes. Keine Anhäufung historischer Denkmäler, keine kühngewölbtcn Steinbazare wie in Jerusalem, keine alte Festungsmauer wie in Akka Nur sehr weniges, was es in Jaffa gibt, bekäme im Baedecker ein Sternchen! Aber über Jaffa liegt dieses Zusammenschwingen von Farben, Formen und Bewegungen, das überall zu finden ist, wo der moslemische einfache Araber lebt und arbeitet. Dieser Zusammenhang gehört zu Palästina wie der Schaum rum Champagner. Diese ganze Welt steht in der Landschaft so natürlich darin, wie eine Kamelsilhouette am Abendhimmel... Und diese Natürlichkeit ist wie ein kühles Bad nach dem Kampf in Tel-Awiw um ״Stilex“ und ähnliches. Denn Tel- Awiw ist nicht gewachsen, Tel-Awiw muß man bauen..'. Ich mache mich also auch heute auf den Weg nach Jaffa. Er ist um diese Mittagszeit fast leer. Die Läden an beiden Seiten der Straße sind geschlossen, cs gibt keinen Autobusverkehr. Hier und da sieht man ein geduldiges Eselchen seinen Weg trotten. Die vornehme Palmenallee, der Beginn der Straße nach Jerusalem, liegt staubig, aber immer noch schön in der Mittagshitze. Hat man sie gekreuzt, so kommt rnan in die Gegend, wo die Geschäfte offen sind. Man ist schon unter Arabern. Aber das ist in der Regel nicht Arabien, sondern Levante. Der Verkäufer ist meist europäisch gekleidet (im besten Falle trägt er einen Fez), verkauft europäische Fabrikware, spricht alle Sprachen. Gelegentlich kann nian in der Ecke eines kleinen Lädchens unter Haufen von fürchterlichen Palästinaandenken irgend ein gutes handgearbeitetes Stück herausfinden: einen schön geschmiedeten, mit großen Steinen barbarisch verzierten Ring, eine Stickerei, einen handgewebten Kelim. Im allgemeinen aber herrscht Wien und Manchester vor, und nicht gerade die besten Erzeugnisse dieser Städte. Die Welt des Landesgeschmackes fängt erst hinter dem Serail an, in den kleinen, halbzerfallenen Bazaren des Hafens. An der Mauer sitzt ein blinder Bettler und sagt unermüdlich Koranverse her. An einer Straßenecke prügeln sich ein paar Jungens aus reiner Freude an der Sache. Aber plötzlich hören sie auf und laufen wie-besessen nach der nahen Straßenecke. Ein fürchterlicher Lärm wird von weitem hörbar und kommt näher. Um die Ecke biegt ein sonderbarer Aufzug. An der Spitze marschiert ein großer Mann in blauen weiten Hosen und rotem Wams (ein Paar der berühmten mazedonischen Pluderhosen von Heine) und schwingt taktmäßig einen schwcreit langen Stock. Nach ihm kommt eine Reihe von Männern, die beschriebene Papptafeln in den Händen tragen, mit bunten Fähnchen, Papierfetzen und Blumen behängt. Um dieses Zentrum gruppiert sich ein Haufen von Männern und Kindern, Straßenbuben aller Art, die herumspringen, schreien, in die Hände klatschen und die kunstvollsten Sprünge bei ausführen. Die ganze Rotte bewegt sich vorwärts im Takte eines monotonen Gesanges, der durch rhythmisches Händeklatschen und den dumpfen Klang einer Trommel begleitet wird. Diese besteht aus einem tonkrug, der statt des Bodens ein straffgespanntes Fell trägt. So singend, schreiend, fast tanzend bewegt sich der*Zug votwfrt«, ..vor. ,«nU. Nfaigterde, Lachen, zum JT«T''Äifä|t bfegrüit,' Ich. gehe 'mit and plötzlich höre ich, daß im Liede immer wieder der Name eines einflußreichen Mannes der Stadt vorkommt. Da fällt mir erst ein: heute ist der zweite Tag der Stadtverordneten- Wahlen und dieser Zug ist Wahlpropaganda. Ein Zug von .,sandwichmen“, aber ins Laute, Bunte, Orientalische übersetzt. Bald wird die Gruppe von einer Reihe von Automobilen überholt. Sechs, acht Wagen hintereinander. Wagen der verschiedensten Art. Elegante Viersitzer, übliche Sechssitzer, Omnibusse mit Platz für zwölf Personen und mehr. Alle Wagen sind mit Fähnchen und Plakaten ausgestattet, mit Blumen über und über behängen und bis zur äußersten Möglichkeit mit Leuten vollgestopft. Jedes Gefährt führt eine Trommel, manche noch irgend ein Schlaginstrument, aus jedem tönt Händeklatschen und alles fließt zusammen in einem kurzen unzählige Male wiederholten Liede, in dem jener Name den Mittelpunkt bildet. Als sie längst vorbei sind, bewegt sich neben mir noch immer der Trupp mit den Tafeln und wiederholt unermüdlich seinen Vers. Wer nichts von Wahlen weiß, könnte an ein Volksfest denken. Ich erinnere mich an die arabischen Hoch- Zeiten und Beschneidungen mit ihren nicht endenwollenden Tänzen und Liedern, die jeden, der nur irgend ein Gefühl für Rhythmus besitzt in ihren Taumel mitreißen. Wer so etwas nie gesehen hat, kann es sich kaum vorstellen. Ein Tanz in einer kleinen arabischen Stadt mit ihren bogig und winklig gebauten Straßen int Lichte der glühenden Mittagssonne oder spärlicher Laternen am Abend, in seiner rhvthmischen Extase und Hingegebenheit an die Bewegung, über der man die ganze Welt vergißt, lehrt überhaupt erst, was tanzen heißt. In dieser orientalisch frisierten Wahlpropaganda schwingt die ererbte Art der Bewegung mit. Der Araber hat bei den Juden gelernt, wie ״man Wahlen macht“. Er versteht heute schon etwas von Listen, von Verhandlungen über Bündnisse, er druckt Proklamationen und schleppt seine Leute im Auto an die Urne. Aber wenn man sich diese Wahitechnik, die im Grunde etwas nach Amerika schmeckt, in ihrer Ausführung näher besieht, bekommt sie ein ganz anderes Gewand. Durch die Methoden und die Tünche der sogenannten zivilisierten Technik bricht mit selbstverständlicher Naivität und unwiderstehlicher Gewalt der heimatliche Brauch, die Freude am taktmäßigen Stampfen und Schreien, an rhythmischen Aufzügen und Schmuck, wie es zu den losen farbigen Trachten immer paßt. Dieser Aufzug da vor mir ist seiner Form und Art nach ein legitimes Kind des moslemischen Hochzeitszugs. Weniger zahlreich, weniger glänzend und mit neuen Elementen vermischt. Aber alle seine Farben, seine Formen und seine Fröhlichkeit, sein Rhythmus, die Stimmung, die über ihm liegt, das hat kaum etwas mehr mit der Zweckarbeit einer Wahl zu tun. Aus dem Stimmenfang erwächst ein lustiges Geschäft, ein Anlaß zu Späßen und Gelächter, gelegentlich auch zu einer Rauferei. Der dumpfe Tromtnelschall läßt mich nicht los. Er geht nach der bekannten Weise, nach der die Juden im Lande eine ihrer vielen Horras gedichtet haben: ״El yiwne Hagalilah, e! yiwne Hagalilah“... Ohne daß ich recht weiß, wie ich dahin gekommen bin, sehe ich mich plötzlich vor dem großen Platz vor der Moschee! wo die Wagen und Autos halten. Ein Teil davon erweist sich durch seinen Schmuck Der Streit um den Bau des Lehrerseminars in Jerusalem scheint nun zur Gänze beigelegt zu sein, nachdem, wie der ״Haare z“ berichtet, die Bauunternehmer mit dem Arbeitsamt der Histadruth zu einem Uebereinkom men gelangt sind. Dem Beginn des Baues stellt sich allerdings noch immer als Hindernis der Umstand entgegen, daß bisher aus Amerika noch nicht die Bestätigung der Pläne und das nötige Geld eingelaufen ist, (Ziko) Ein jüdischer Bürgermeister Jerusalem, 8. Juni. (J.T.A.) Der Oberkommissar für Palästina ernannte den ]■den Zakki Haddef zum Bürgermeister der Stadt T i b e r i a s , die sich soeben einen neuen Stadtrat gewählt hat. Zakki Haddef ist, abgesehen vom Bürgermeister von Tel-Awiw, der erste jüdische Bürgermeister einer palästinensischen Stadt,

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