Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 45-46 (10.6.1927)
- Date
- 1927-06-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652919--19167-2677012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
,VI* Seite 320 jjBEmmtggr^gw- ... . ־«»■» . WfrW UPLff'JMf Nr. 45/40 Nun hat die Exekutive und ch» AL-C. beschlossen, eine Kommission nach Palästina zu entsenden, die das Budget des nächsten Jahres vorbereiten und Richtlinien der neuen Wirtschaftspolitik ausarbeiten solL Ihre Aulgäbe ist keine leichte, zumal wenn man bedenkt, daß dieser Kongreß die Grundlagen für die tatsfidiiicbe Kooperation innerhalb der erweiterten Jewtsh Agency schaffen soll und die Expertenkommission der Agency bereits unterwegs ist. Es heißt Kr uns, in die neue ■Partnerschaft, von der wfr eine Erweiterung unsere* Werkes erhoffen, mit geordneter Finanzwirtschaft einzutreten. Natürlich kann man, wen immer man gewühlt hätte, gegen die einzelnen Mitglieder der Kommission Einwendungen machen, denn wir haben leider keine 90 überragenden Genies, die automatisch Anerkennung fänden. Aber jemand muß doch das undankbare Amt übernehmen, und alle sollten sich bemühen, den Gewählten die Arbeit zu erleichtern. Was für einen Zweck hat es, die Kommission, noch ehe sie geboren, zu diskreditieren, wie es Beilinson im ״Dawar“ tut? Nichts ist leichter, als eine Sache lächerlich zu machen. Vielleicht haben in Vorausahnung dieses Empfangs die meisten Gewählten ihre Teilnahme abgelehnt. Ist das besser? Wir hoffen, daß die Kommission trotzdem zustande kommt und ihre Arbeiten gegen alle Widerstände durchführen wird. Wie wir hören, hat die Exekutive Herrn van Vriesland an Stelle der zurückgetretenen Mitglieder in die Kommission ernannt Wenn ihre Tätigkeit verhindert wird, dann werden wir vor der peinlichen Notwendigkeit stehen, daß die Reinigangsarbeit von Außenstehenden gemacht werden nrnßu Wir haben etwas ähnliches in TehAwiw «lebt wo erst der Machtspruch der Regierung die Verwaltung sanieren konnte, während jeder Versuch, am eigener Kraft die notwendigen Ein- Schränkungen vorzunehmen, an innerjüdischen Schwierigkeiten und an der Abhängigkeit der Verantwortlichen von Personellgruppen und Parteien gescheitert ist Unsere PaSstfnaarbeit bedarf einer starken und entschlossen«! Leitung;. Auch Beilinson fordert eine starke Leitung und kritisiert die Ohnmacht der jetzigen. Aber wer eine starke Leitung Rudert sollte nicht übersehen, daß die Politik der faits accomplis, des stets von neuem durch übergroße^ die Kräfte übersteigende Anforderungen herbeigeführten Chaos, der Leitung jede Möglichkeit planmäßiger Arbeit nimmt. Unter dem Drucke der Arbeiterorganisation tat die Leitung immer wieder mittellose Einwanderung zugelassen, selbst zu einer Zeit, wo die Möglichkeit Arbeit zu finden, schon sehr skeptisch beurteilt werden mußte. Wer sich damals gegen weitere Einwanderung aassprach, wurde als schlechter Zionist verschrieen. Als wir am 8. Januar 19% an dieser Stelle die Forderung nach Einschränkung der Einwanderung erhoben, regnete es Proteste aus Palästina. Heute versteht •woli־ jede*»־ Mensch, daß eine vernünftige, zurückhaltende' Einwanderungspolitik vor zwei Jahren dem Zionismus nicht geschadet hfttte, sondern uns die Möglichkeit planmäßiger Aufbauarbeit — und nur das ist Zionismus — bewahrt hätte Die treibende Kraft in dieser ganz irrationalen Einwanderangspolitik war jedoch die Histadruth. Der Exekutive ist wohl vorzuwerfen, daß sie nicht weitsichtiger gewesen ist, aber denen, die ihre Schwäche ausgenützt haben, steht es schlecht an, über diese Schwäche zu klagen. Dies all« muß mit aller Klarheit gesagt sein, da «ns die Wahrheit höher stehen muß als das Parteidogma. Wirkliche Größe besteht darin, die eigenen Fehler einzuseh«! und daraus zu lernen. Niemand wird der Arbeiterschaft einen Vorwurf machen, denn ihre Politik ist von zionistischer Leidenschaft, die zu schnellem Vorwärtsdrängen trieb, geleitet gewesen. Aber in diesem Moment darf sie nicht durch Fiktionen sich den Blick trüben lassen für das, was wirklich geschehen ist. Dies ist um so wichtiger, als die allgemeine Arbeiterkonferenz bevorsteht. Die Konferenz wird der Wirklichkeit ins Auge zu sehen und gewisse Doktrinen abzubauen haben, die in der Vergangenheit sacrosanct gewesen sind, jedoch durch die Erfahrungen modifiziert wurden. Die Arbeiterführer sind ausgezeichnete Zionisten, sie betonen stets den Primat des Zionismus, sie müssen der Arbeiterkonferenz, die ja in ihrer überwältigenden Mehrheit aus Delegierten der großen zionistischen Arbeiterparteien besteht, reinen Wein einschenken. Dies bezieht sich heute insbesondere auf das Problem der Arbeitslosigkeit Es ist eine Fiktion, diese Frage durch Notstandsarbeiten lösen zu wollen. Soviel Geld, um ewig Notstandsarbeiten zu machen, haben wir nicht, und wenn es sich nur um ein paar Monate Aufschub handelt, nach deren Verlauf die Situation unverändert ist, dann ist es sinnlos, für einen solchen Zweck das zionistische Budget der nächsten Jahre zu verpfänden, d. h. sich die Möglichkeit zionistischer Aufbauarbeit in den kommenden Jahren selbst abzuschneiden. Eine solche Aktion ist nur dann zu rechtfertigen, wenn gleichzeitig eine radikale Reform durchgeführt wird, im Sinne einer allmählichen Loslösung der wirtschaftlichen Verantwortlichkeiten von der Zionistischen Organisation und einer systematischen Wirtschaftspolitik, die eine natürliche Absorption von Arbeitern ermöglicht. In dieser Hinsicht aber hat die Histadruth noch keine Vorschläge gemacht. Wenn man den Arbeitern sagt, die Exekutive könnte durch ein solches Notstandsprogramm die Arbeitslosigkeit beseitigen, wenn sie nur wollte, dann ist das eine Irreführung. Die Arbeiterorgane sagen: Jetzt hat die Exekutive mit ihrem Beschluß, £ 140000 auszuborgen, den Plan angenommen, den wir schon vor einem halben Jahr vorgelegt haben. Auch das ist eine fiktive Genugtuung. Denn vorschlagen ist leicht, das Geld find«! ist schwer. Sogar durch de« Beschluß des A.-C ist das Geld noch nicht da. Die Arbeiten könnt«! noch immer nicht beginnen, die Arbeitslosenunterstützung, die alle Tale als Uebel betrachten, wird weit« ausgezahlt. Aber selbst wenn es!achter wäre, das Geld zu beschaffen, müßte man sich, wie gesagt, genau überlegen, ob der dadurch erzeugte Vortrif 90 bedeutend ist, daß er die Opferung der nächstjährigen Einnahmen rechtfertigt Dies alle* müßte auf der Arbeiterkonferenz erwogen werden. E* gibt Faktoren, die durch Konferenzen und Resolutionen nicht zu beeinflussen sind. Das Arbeit»- tosenproblem ist eine ernste und schwere Last, ab« es iat nicht das zentrale Problem des Zionismus. Die eigent- Hche Aufgabe der zionistischen Wirtschaftspolitik ist vielmehr die Prüfung, inwiefern die bisher geschaffenen Positionen den Einwanderern eine wirkliche Existenz gewähren und welche Wege einzuschlagen sind, um möglichst vielen Juden eine Existenz im Lande zu schaffen. Dazu ist vor allem eine Ausdehnung der Produktion notwendig, in Landwirtschaft und Industrie, und es ist zu untersuchen, ob die bisher auf beiden Gebieten angewandten Methoden richtig waren und welche Hindernisse beseitigt werden müssen, um einen Fortschritt und damit eine Ausdehnung der jüdisehen Siedlung, eine quantitative und qualitative Ver- Stärkung des jüdischen Bevölkerungsteiles Palästinas, herbeizuführen. An diesem und nur an diesem Ziel muß auch die Histadruth ihre Politik orientieren. Innerhalb der Histadruth ist in der letzten Zeit insbesondere der Hapoel Hazai'r Wortführer einer vernünftigen, undoktrinären Wirtschaftspolitik, Diese Partei kämpfte z. B. seit langer Zeit für eine Umgestaltung der Arbeitsämter durch Heranziehung der Arbeitgeber, sie hat jetzt im Waad Leumi den Antrag auf Schaffung eines ״inneren Arbeitsgesetzes“ zur Vermeidung von Arbeitskonflikten gestellt. Auch die in den großen Kwuzoth herrschenden Verhältnisse wurden von dieser Seite rückhaltlos kritislert Diese Selbsterkenntnis innerhalb der Arbeiterschaft ist ein gutes Zeichen. Sie ist ein Teil der zunehmenden Erkenntnis, daß die Schöpfungen der Arbeiter nur Bestand haben können, wenn ihre Träger wirtschaftliches Denken lernen und die unerbittlichen Wirtschaftsgesetze anerkennen. * Wir brachten vor kurzem das Programm der neuen bürgerlichen Partei Palästinas, unter deren Führern manche um den Jischuw sehr verdiente Persönlichkeiten sind. Das Programm dürfte in seiner allgemeinen Form weitgehende Zustimmung finden, aber ein wirkliches Urteil wird erst möglich sein, wenn man hört, welche konkreten Maßnahmen die neue Gruppe vorschlägt und wenn man ihre Taten sieht. Wenn eine Gruppe von bürgerlichen Elementen da ist, die im Lande etwas .8qh!f|enf, wollen,' 80. il>reF/a|iw#i:*2U»te1*sti»|^ v<||f||h^|r־.A^f. * dieser Seite darf nicht mit Pärteidruck 'In Wirtschaftliehen Dinget! gearbeitet werden. Wir müssen eine Exekutive haben, die allen Elementen des Jischuw gegenüber den Maßstab strenger Sachlichkeit in Wirtschaftsdingen anzulegen imstande ist. Eine Konfusion von sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten soll nicht stattfinden, weder im positiven noch im negativen Sinn. Auf allen Gebieten ist zuerst die Eroberung von Positionen durch Pioniertaten, die auch Opfer kosten, erforderlich, auf allen Gebieten muß jedoch, unabhängig von der sozialen Form, im Augenblick der Stabilisierung der Grund- Satz strenger Wirtschaftlichkeit Platz greifen. Wenn die neue Partei arbeiterfeindlich sein sollte, so macht ihr die Histadruth die Sache sehr leicht, indem sie ihr ermöglicht, ihre etwaigen antisozialen Tendenzen durch einen Kampf für Wirtschaftlichkeit zu maskieren, ln einer Zeit, wo von manchen Seiten eine wirkliche Kampagne gegen die Arbeiter geführt wird, müßten die _ Führer der Histadruth ein Gefühl dafür haben, daß Kritik auch aus freundschaftlich« Gesinnung möglich ist, ja daß gerade sie und nicht Beruhigungsphrasen die Pflicht des Freundes sind. Es ist eine falsche Taktik, wenn die Arbeiter durch ihre ablehnende Haltung gegenüber den unerläßlich notwendigen Einschränkungen und durch ihre Weigerung, aktiv an der Reorganisation mitzuwirken, die anderen Gruppen zu einer Front gegen sich zusammenschweißen. Es wäre nicht gut für den Zionismus, wenn der nächste Kongreß das Bild einer solchen Gruppierung böte. Dem vorzubeugen liegt aber so gut wie ausschließlieh in den Händen der geistigen Führer der Arbeiter- Schaft. Man sollte überhaupt verstehen, daß die überspitzten Parteikämpfe, die dialektische Herausarbeitung von Differenzen der Anschauungen nur einen sehr bedingten Wert haben in einer Situation, wo objektive Faktoren das Schicksal unserer Wirtschaft bestimmen. In einer solchen Gefahr müßten sich alle Zionisten zu gemeinsamer praktischer Arbeit vereinigen, um das Aufbauwerk zu retten und den Weg zu neuer zionistischer Pionierarbeit freizumachen. R. W. Victor Jacobson bei Massolini Rom, 8. Juni. (J.T. A.) Mussolini empfing heute den Leiter der Genfer Büros der Zionistischen Organisation, Dr. Vi'ctoT Jacobson, in längerer Audienz. Mussolini gab die Autorisation zur Gründung eines italienischen Pro Palästina Komitees. Die in London abgehaltene Kalonialkoni crenz hat heschlossen, daß ähnliche Konferenzen alle drei Jahre stattfinden sollen, und zwar stets im Jahre nach Zusammentritt der Reichskonferenz. Die Kongre$~Diskussion (Programm-Vorschläge von Dr. Hugo Hetmunn.) In d« Prager ״Selbstwehr“ stellt Dr. Hugo Herrmann einen Programm-Entwurf zur Diskussion, der bereits «Be Zustimmung des tschechoslowakischen zionistischen Zentralkomitee« gefunden hat Dr. Herrmann schlägt vor, als Plattform fttr die («ach voo Blamenfeld in der ״Jüdischen Rundschau״ •o «nannte) Oruppe de* ״linken Zentrums“ folgende Panlcte nnzitnehmen: Unsere «Bgemeine Haltung wird durch folgende Gesichts: ponkt« bestimmt: Auf politischem Gebiete vertreten wir mit voller Ueberzeagung die Weizmannsche Linie der gedul* dlgen, behutsamen, untheatralischen, dabei ab« festen, würdigen und konsequenten Politik, sowohl gegenüber den nichtzionistisehen Juden als auch gegenüber der Mandatarmacht und der Palistinaregierung. Wir verlangen eine geradlinige Fortsetzung unserer bisherigen Kolonisationsarbeit, würdigen nicht nur die großen Leistungen der Arbeiterschaft in der Vergangenheit, sondern auch ihre überragende Bedeutung für Gegenwart und Zukunft und sind bereit, den Zionismus in ebenso hohem Maße als eine soziale wie als eine nationale Bewegung an zuerkennen, wir verlangen aber eine weitgehende Konsolidierung und Stabilisierung unserer Arbeit, selbrt auf Kosten einer vorübergehenden Einengung unserer Tätigkeit in Palästina, und eine gründliche Reorganisation m allen Teilen der Bewegung, sowohl im Oaluth als auch in Palästina. Im einzelnen wollen wir an den 15. Ziomstenkongreß folgende Vorschläge machen: 1. Die zionistische Leitung soll in Hinkunft aus zwei völlig voneinander getrennten Teilen bestehen, und zwar der politischen Exekutive mit dem Sitze in London und einer Esmositur in Jerusalem, welche die Aufgabe hat, die politische Arbeit zu leisten und die Zionistische Organisation nach außen und innen za repräsentieren, und ein« Wirtschaftsexekutive mit dem Sitze in Jerusalem und einer Expositur in London. Der Finanz- und Wirtschaftsrat soll abgeschafft werden. Die Wirtschaftsexekutive bearbeitet das ganze Gebiet kolonisatorisch« Tätigkeit in Stadt und Land, sowie alle damit im Zusammenhang stehenden wirtschaftlichen Maßnahmen und soll vollkommen selbständig sein. Die politische Exekutive soll nur ein ln bestimmt« Form zu präzisierendes Vetorecht gegen Maßnahmen der Wlrtschaftsexekative haben. Beide Körperschaften sind van Kongreß zu wählen. 2. Die Aufstellung des Budgets •00 gnmdsltzlieh so erfolgen, daß eine vorsichtige Schatzung der zu erwartenden Einnahmen die Höchstgrenze des Budgets darstellt. Gleich bei Beschlußfassung über das Budget ist dafür vorzusorgen, daß für den Fall geringerer Einkünfte, als selbst die vorsichtige Schätzung vorausgesehen hat, oder ffir den Fall besonderer, unvorhergesehen auftretender Erfordernisse auf irgendwelchen Gebieten ein gesetzmäßig« Vorgang eingehalten werden kann und wesentliche Budgetüberschreitungen vermieden werden. 3. Das Budget für das kommende Jalff muß unter Verzicht auf Neukolonisation und Expansion in erster Linie der Konsolidierung und wirtschaftlichen Scherung unserer bisherigen Positionen dienen. Die Auszahlung von Arbeitslosen- Unterstützungen muß aufhören, ebenso wenig dürfen ab« an ihre Stelle v|rsch!eierte Arbeitslosenunterstützungen treten in der Form sogenannter öffentlicher Arbeiten, die keine dauernden Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen. 4. Das Budget muß auch für eine radikale Gesunduqg der finanziellen Situation der Paläst in aexekut i v e Sorge tragen. Zur Erreichung der unter 1 und 2 genannten Zwecke״ sind, Ä.-ÜWge8.A1t%1%«,v,np*re1%Pa(l|stta«v1>P He m ptg affelt.ÄliiÄÄtkiÄ die mit ihr verbundenen Finanzinstitubarien und alle sonstigen damit in Verbindung stehenden Zwecke ist bei einer besonderen Stelle zu zentralisieren,;die für eine Reibe von Läridergrüppen besondere Unterzentralen schaffen kann. 6. Das Problem der zionistischen Beamtenschaft muß endlich gelöst werden. Es soll eine aus einem Vertreter der Exekutive und einem Vertreter der Beamtenschaft bestehende Kommission bestellt werden, die bis zur nächsten A.־C.-Sitzung nach dem Kongreß präzise Vorschläge für die Schaffung eines Beamtenschematismus nebst Gehaltsstufenskala und Dienst- Ordnung, sowie bezüglich der Alters-, Invaliditäts- und Kranken- Versicherung der Beamten ausarbeiten soll. Das Aktions-Comite soll ermäemigt und beauftragt werden, die diesbezüglichen Beschlüsse in seiner nächsten Sitzung zu fassen. * Zu diesem Programm bemerkt der Verfass«: Ich gebe mich keiner Täuschung darüber hin, daß dieses Programm nicht jene Werbekraft besitzen kann wie die Programme gewisser oppositioneller Gruppen, die sich über die schweren Verantwortungen des heutigen Augenblicks hinwegsetzen. Damit aber kein Zweifel besteht, möchte ich hi« betonen, daß das Programm des Linken Zentrums, wie ich es auffasse, keineswegs bedeutet, daß wir der heutigen Exekutive unbedingte Gefolgschaft leisten und alles gutheißen, was sie im Laute der lernen Jahre getan oder nicht getan hat. Wir sind unbedingte Anhänger der Politik Dr. Weizmanns, aber wir haben an der wirtschaftlichen und der organisatorischen Arbeit der Exekutive sehr viel auszusetzen. Wir verstehen, daß die Hauptursache für diese Mängel und Fehler nicht im bösen Willen oder in der Unfähigkeit der Exekutive liegt, sondern darin, daß die letzten Kongresse nicht die Kraft gefunden haben, eine einigermaßen homogene Exekutive zu bilden und sie mit den erforderlichen Organen auszustatten. Auch hier also verzichten wir wiederum auf die allzu billige Methode, die Zustimmung all der Unzuiriedenen in unserer Organisation dadurch zu gewinnen, daß wir ihnen einen Sündenbock in Gestalt der Exekutive zur Verfügung stellen. Was wir wollen, ist, daß die Zionistische Orgatiisation in vollkommenem Ernst und in vollkommenem Verantwortungsbewußtsein die heutige Lage überschaut und den weiteren Gang unserer Arbeit vorzeichnet und dabei vor allem sich selbst herauszuarbeiten trachtet aus den Mängeln und Unvollkommenheiten, die sie bisher hat und die sich in Mängeln und Unvollkommenheiten unserer Leitung abspiegeln müssen. Die Sitzung der Mandatskommission Genf, 8. Juni. (J.T. A.) Die am 20. Juni beginnende elfte Session der Ständige■ Mandatskommission des Völkerbundes wird, wie nun feststeht, die Prüfung der Jahresberichte, betreffend die Mandatsterritorien Palästina, Syrien usw., vornehmen. Außerdem wird sie das von der Jewish Agency für Palästina unterbreitete Memorandum nebst einem einleiten־ den Schreiben Dr. Ch. Weizmanns, ebenso das Memorandum der arabischen Exekutive und eine Anzahl weiterer Petitionen, betreffend Palästina, prüfen und erörtern. . ln Vertretung der Mandätarrtaclit werden der Unterstaatssekretär Sir John Shuckburgh, der kürzlich Palästina besuchte, und der Hilfssekretär der Palästinaregierung, Mr. Mills, an der Tagung teilnehmen. . ,