Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 44 (Juni 1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 318 JÜBDISCHE RONBSCHÄU Nr. 44 färbung genau trifft. Aber Ernst Stern fühlt virtuos nach und Jankel Adler hat den Originalvortrag. Sein ״Ghassid“, der genau parallel /ur graukahlen Wand steht, die Armhaltung in mathematisch klarer Liniensymbolik, mit gesammeltem Innenblick über atemgepreßter Ekstase, könnte geradewegs eine Dvbukfigur sein. Sein ״Jude mit Hahn“ — eine Leihgabe der ״ftuhmeshalle in Barmen“ — belebter in den Formen und vielfarbig bei klarer ausdrucksstarker Zeichnung, spricht deutlich für die natürliche Phantasie und den Lebensreichtum des jüdischen Ostens. Die Gesichter der großen Komposition ״Die Familie“ sind gänzliclt anderer Art. Sie sind flächig und erinnern an Larar Scgalls intensive frühere Bildvisionen. Es braucht aber dennoch keine Beeinflussung zu sein, da es sich hier offenbar um eine Allgemeinfonn östlicher Malerei zu handeln scheint. Der Königsberger Klaus Richter, übrigens Nichtjude, malt in dieser Art unbedenklich seine Judenköpfe. Richter fällt diesmal als neuer Mann auf. Er vereinigt Van Houts durchsichtig klare Farben mit dem italienischen Weiß Gert Wollheims. Die genannten beiden Maler sind diesmal schlechter in Form als sonst. — Außerdem begegnet man den gleichen Segallköpfen auf der Marmorkopfstudie des begabten Heinz T1 c h a u c r. Auch das ist nichts Außergewöhnliches, weil diese flächige Plastik weit eher der Skulptur zugehört als der Malerei. Ke jüdischen Maler des Ostens haben aber fast ausnahmslos eine große Vorliebe für Plastik. Das gleiche gilt für den Maler Artur Segal, Novembergruppe, der seine reliefplastischen Experimente aus dem Vorjahre für die Landschaft nutzbar macht. Auch der Segalschülcr Ernst Neu schul (Juryfreie) zeigt diesmal eine stark plastisch orientierte Arbeit. In seiner Familienkomposition der ״Bräutigam“ gibt cs eine jüdische Mutter, die auch Ernst Neuschuls Herkunft aus dem jüdischen Osten deutlich macht. Der bereits genannte dritte Maler der drei neuen Maler der Juryfreien, Henoch Bardzynsky hat in seiner gelösten Farbenhelligkeit einen Ton, der uns von Kirschenbaums Aquarellen bekannt ist. Seine Figuren sind breit ingelegt und die Gesichter psychologisch-fein. Besonders schön sind ein ״Jude mit Thorarolle“ und ein ״Jüdischer Wasserträger“, ein alter Jude mit lachendem, gutem Gesicht. Auf dem Bild ״Sukkothfest“ sieht man durch ein Fenster einen Juden mit grünem Lulaw, der zur Sukkoh eilt. Aus der Stube blickt man in die Sukkoh. Das Holz ist ebenso wie bei Kulviansky mit Liebe gemalt. — Bei der juryfreien finden wir auch Frau Perez-Brutzkus mit einer ״Bazarstraße aus Jerusalem“ und den Bildhauer Isenstein mit seinem bekannten Einsteinkopf; er zeigt außerdem psychologisch feine Graphik. Beachtenswert ist auch ein Kinderkopf der Bildhauerin H a i m - Wentscher. Die Aquarelle von Rudolf Jakoby zeigen deutlich Pariser Einfluß. Man kann sich aber an seiner klaren Farbe freuen und an seinem kultiviert-exakten Vortrag. Von Leo Michelsohn sieht man in einer guten Porträtgruppe die Familie des Pianisten Jascha Spiwakowskv. Ludwig Nunberg porträtierte den Reichstagspräsidenten Lobe; der Theatermaler Sebba bringt eine hübsche Karnevalslcomposition. Bei dem ״Schachspieler“ von Oskar Haberer kontrastieren die lebensvollen und beseelten Hände merkwürdig mit dem im konventionellen Altersstil gemalten Kopf. Im ״Kartell" sieht man außer den bereits Genannten die alten Bekannten aus der Sezession: Jakob Steinhard wendet auf seinem Gemälde ״Das Weißgerber- Trio“ sein Interesse mehr den Musikern als Einzel- Individuen zu, als der musizierenden Gesamtheit. Eugen 3piros sehr gutes Porträt des Professors Lomonossows zeigt Spiro frischer und lebendiger als seit langem. Von Lesser Ury sieht man eines seiner letzten Themsebilder und ein buntes Straßenbild der Art, die uns noch von der Ausstellung der Galerie Wasservogel in Erinnerung ist. Liebermann ist in der Graphikabteilung eine Kollektivausstellung eingeräumt: Handzeichnungen und Radierungen, die aus Reproduktionen vielfsdl bekannt Sind; in kürze beginnt in der Akademie die große Liebermann-Ausstellung. Von jüngeren Künstlern sind gleichfalls in der Graphikabteilung Budko und Mark Bronstein mit Pastellen vertreten. Von Bronstein sieht man Pastelle, auf die ich bei einer früheren Gelegenheit schon hingewiesen habe: Den ״Zirkus“ und den rechteckigen Schacht des ,,Giebelhofes“ mit der mystischen Katze. Budko zeigt wieder schöne Judenköpfe, beherrscht und ausdruckssicher und kultiviert m der Farbe. Er malt aber weniger die Kraft als die Resignation und Traurigkeit. Das Ergebnis dieser Ausstellung ist jedenfalls für die jüdische Kunst ein selten gutes. Die drei neuen Maler: Feigier, iankel Adler und Bardzynsky behaupten sich neben den besten unstlern der Ausstellung. Und man kann sogar sagen, daß überall, wo die Kraft vorhanden war, sich zur eigenen Kultur zu bekennen und sie zu gestalten, das rein Künstlerische am ungetrübtesten spürbar war. Es ist auch nicht mehr zweifelhaft, ob es überhaupt eine jüdische Kunst gibt — wie immer noch von Zeit zu Zeit jüdische Kunsthistoriker fragen. — Bardzynsky, Adler und Rybak, den man leider nicht sah, der junge Kirschenbäum, Kulviansky, Lazar Segall, Feigier, Neuschul, Bronstein u. a. bezeugen schon deutlich genug ihr recht lebensfähiges Vorhandensein. Ruth Morold. Alfred Kaufmann, Ewiges Stromland. Land und Mensch in Aegypten. Verlag von Strecker und Schröder in Stuttgart. 1926. Ein Aegyptenbuch zu schreiben, worin es nicht ein bloßer Reiseführer werden soll, ist keine leichte Aufgabe. Das Land der Pharaonen, des Hellenismus, des Islam und der Marneluken, das moderne Land der Baumwolle und der Staudämme, das erste zur Selbständigkeit gelangte Land des Orients; dies Land von Aegyptern, Kopten und Negern, von Levantinern und allen europäischen Nationen: jeder findet in ihm etwas, was ihn interessiert, aber wie schwer ist es, liier das Ganze zu überblicken, Geschichte und Kultur, Religion und Wirt- Schaft, England und Aegypten. Nur eine wirkliche ״Landeskunde“ kann das geben und es ist nicht zuviel gesagt, wenn man dieses Buch von Kaufmann als eine solche ״Landeskünde“ bezeichnet. Der Verfasser war viele Jahre lang Leiter einer deutschen Schule in Alexandrien und man sieht, daß er das Land nach allen Richtungen durchstreift hat. Wir hören nicht nur von Alexandrien und Port Said, von Kairo, Luxor und Karnak, den Städten, die jeder Aegyptenreisender kennt, sondern der Verfasser führt uns ebenso ins Fajum, an die Dünenlandschaften im Westen Alexandriens, zu den koptischen Klöstern im Vadi Natrun wie nach Assuan an die Grenze des Sudan. Gewiß wird der Spezialist sein Gebiet zu kurz behandelt wissen. Und sicher bieten die Spezialwerkc noch viele Ergänzungen. Aber im Ganzen gibt das Buch einen gediegenen und umfassenden Begriff des vergangenen und gegenwärtigen Aegypten und kann jedem, der aas Land besuchen will, wie es ja unsere Palästinafahrer zu tun pflegen, als bestes Vorbereitungsbuch dienen. Ausgezeichnete Abbildüngen erhöhen den wert des Buches bedeutend. Ich habe bei der Lektüre ein Gefühl des Neides nicht anz überwinden können. Wann wird uns die palästinensische andeskunde geschenkt werden, die, umfassend und objektiv Vergangenheit und Gegenwart unseres Landes schildert? Der Verfasser dieses Aegyptenbuches war in diesem Jahre in Palästina, das er schon von früher kannte, und ist, wie wir hören, mit der Vorbereitung eines ähnlichen Buches über Palästina beschäftigt. Wir können ihm und uns nichts besseres wünschen, als daß ihm auch sein Palästinabuch so gelingen möge wie das Aegyptenbuch. F. L. Wenn Israel stirbt Im Lande der Pogrome. (״Quand Israel meurt...“ par Bernard L e c a c h e. Edition Du ״Progres Civique“, Paris 1927.) MH Rücksicht auf den bevorstehenden Schwarzbart- Prozeß findet dieses Buch in der französischen Oeffentlich- Reit erhöhtes Interesse, das auch, abgesehen von dieser ״Aktualität“, von erschütternder Wirkung ist. Freilich: das Wort Buch ist hier nicht am Platze. Ein ״Buch“ wie unsere ״Kinoth“, unsere ״Megillath Ejcha“, Bialiks ״Massa N'cmirow“ — ״Bücher“ sind. Lecaches Buch hat unsere ״Kinoth“- Literatur bereichert. Der Verfasser vermag nur mit Mühe die in ihm bebende Stimme zu unterdrücken. Man liest und man spürt, welch schweren inneren Kampf er mit sich selbst ausficht: Sagen? — Nichtsagen? — Sagen! Aber ist es denn möglich, das zu sagen, was man dort erzählt und teilweise ifoch jetzt — acht Jahre ״nachher“ — sieht? Ist es möglich. Worte dafür zu finden? Er, Meister des französischen Wortes, der bekannte Journalist und Schriftsteller, ringt um den Ausdruck! Und Bernard Lecache erzählt bloße Tatsachen, zitiert offizielle Pogromaufrufe. Eine Filmvorführung ohne Kornmentar, ohne Mimik und ohne Kulisse. Und während wir lesen, erscheint 1ms Lecache, der in Begleitung seiner Frau die Reise durch den, tausende Kilometer weifen jüdischen Friedhof unternommen hat, in der Gestalt des biblischen Hiob. Mit einem Unterschied: Hiob wurde gegen seinen Willen von Gott mit unmenschlichen persönlichen Leiden vertraut gemacht. Lecache stürzte sich freiwillig in das Feuer der Hölle. Man kann nicht ohne Erschütterung die Stellen lesen, wo der Verfasser sein Zusammentreffen mit dem Henker Tiutiunik*), von dem er vergebens eine Träne der Reue erwartet, und mit dem Minister für jüdische Angelegenhelfen, Krasny (von dem Lecache nur sagen kann: ״Nous avous aussi nos Judas“) schildert. Die ״anderen“ sind bereit, die Pogrome als das Wüten der Bestie, die der schrecklichste aller Kriege im Menschen hat großwerden lassen, zu entschuldigen und als unvermeidliehe Begleiterscheinung des Bürgerkrieges in Rußland zu betrachten. Mit dieser Einstellung kann sich Lecache, der 111 d e, nicht zufrieden geben — er, der drei Monate lang in der Atmosphäre der Massakers geweilt, 15 000 Kilometer pogromzerrissenen Landes gesellen, mehrere hundert Zeugen und Opfer vernommen, 911 zerstörte jüdische Städte verzeithnet, mehr als 50 000 jüdische Anklagen gegen Petljura entgegengenommen hat, er gibt sich mit dieser 'Antwort nicht zufrieden. Er begegnet auf seiner Wanderung einem 28jährigen General. Wer ist der jugendliche Held, der in diesem Alter den höchsten militärischen Rang erreicht hat? Lecache schildert seine dramatische Begegnung mit dem ״General Schmidt“: Ehemaliger Schlosser, der nur eine Aufgabe kennt: jüdisches Leben, jüdische Ehre zu schützen. Schmidt ist in der Ukraine eine legendäre Figur: ein Jude, der ״bei all dem nicht ruhig bleiben konnte“. Er wurde Kosak in der roten Armee; an der Spitze seiner berittenen Gefährten stürzte er sich in die Schrecken der Pogrome mit der Losung: ״Keine Schonung für die, die uns nicht schonen“. Wie durch ein Wunder mehrmals von seinen Verletzungen genesen, erklärt dieser ״Rote“: ״Gott ist mit mir!“ Lecache sieht in Schmidt einen Juden, der ״sein Rückgrat nicht beugt und die Schläge, die er empfangen hat, zurückgibt! Sri ten^t sogar mehr als Tschemichowskys ״Baruch aus M*a ׳"u . «״eserwar־׳ zwit durch' die Schreckenstaten gegen sein Volk erschüttert, für seine Tat aber war das entscheidende Moment Rache für die Ermordung seiner Frau und seiner Töchter. Schmidt sagt kein Wort von seinen persönlichen Verlusten. Er sah eine Volkstragödie sondergleichen, und der damals Einundzwanzigjährige faßte seinen Entschluß. Lecache schont seinen Leser nicht. Er entblößt seine blutende Seele, aus der die kollektive Seele der ukrainischen Märtyrermassen spricht. Lecaches ״Buch“ ist keine Geschichte der Pogrome. Der objektive Geschichtsschreiber wird vielleicht Fehler nachweisen können, die die Wahrheitsliebe des Historikers zu verletzen vermöchten. Es ist auch keine künstlerische Dar- Stellung des Vorgangs der Pogrome. Es ist weder eine Apologie des .Märtyrervolkes, noch eine Broschüre ״zur Bekämpfung des Antisemitismus“. Es ist viel bescheidener und deshalb wirksamer: es ist die schreckensvolle Wirklichkeit selbst, es ist das Bild des ״Unvermeidliehen“ im jüdischen Schicksal in der Diaspora und — das Bild des in die Tat umgesetzten Antisemitismus. Lecache, der Künstler, tritt bescheiden zurück. Wozu denn auch eine künstlerische Darstellung? Ist nicht alles in diesem einen zusammengefaßt: ״Auf dem Wege der Siege — Pogrome; auf dem Rückzuge — Pogrome . . . alle Wege führen zu Pogromen . . . Zwei Wege bleiben den Juden: der Keller oder — der Friedhof.“ Werden sie diesen Ansturm aushalten? ״Vous etes l’Occident!“ ״Ihr seid das Abendland!“ ruft Lecache der Welt entgegen. Und den Juden sagt er: ״Die Welt verlacht euch, sie dreht sich, gie lebt, ihr seid bestimmt zu sterben!“ Aber auch das: ״Schönes, starkes Geschlecht, das jedes Mal wieder ersteht! Schönes, hartnackiges Geschlecht, dem das Martyrium nur Ansporn zur Wiedergeburt ist, das trotz Haß, Schwert und Tod immer wieder seine heilige Heimat erreicht!“ Romain Rolland richtete an Lecache ein teiinahmsvolles und entrüstetes Schreiben, fast entmutigt von soviel Schrecken sieht er Petljura, den Feind, verkörpert in erdrückender Ueberzahl. Was aber soll aus den Ueberlebenden werden, die ihre letzte Hoffnung auf das Abendland, ״auf dich, Paris!“ gesetzt haben? * In der Epoche der Nachkriegspogrome erschien, in gewissen Kreisen rasch verbreitet, ״Quand Israel est Roi“ (״Wenn Israel König ist“), ein Werk der Brüder Tharaud, der Antisemiten, in der modernen französischen Literatur, das die Schreckensherrschaft des ״Jüdischen Bolschewismus“ an den Pranger stellen sollte. Einige Jahre später erscheint nun dieses ״Quand Israel meurt“ (״Wenn Israel stirbt“). Eine Epoche von zwei Seiten gesehen, wie war sie nun wirklich? ״Die Wahrheit wird alles entdecken.“ Wir hoffen es mit ihm. S. Gomelski (Paris). Wie aus Palästina berichtet wird, ist Nachman Bialik auf einer Autofahrt von Merom ein Unfall zugestoßen. Der Wagen, in dem Bialik mit den Herren G n e s s i n , G o 1 d b e r g und S u k e n i k saß, überschlug sich auf der Straße zwischen Rosch Pinah und Tiberias. Gnessin wurde leicht verletzt, während die anderen drei Mitfahrer unverletzt blieben. (Ziko.) *) Tiutiunik wurde von der Sowjetregierung begnadigt und mit einem Posten betraut, Krasny, der Jude, war während der Pogrome Minister bei Pptljura, 'i ” ' Bober in Palästina Martin Buber hat Palästina wieder verlassen, nachdem er mehrere Wochen im Lande verbracht hat. Buber, der zum ersten Male in Palästina war, ist mit großem Respekt und mit Liebe empfangen worden. Er ist der Erzieher einer ganzen Generation des westlichen Zionismus gewesen t seine Wirkung war außerordentlich in den Kreisen der ״ritten Alijah“, er lehrte den Zionismus als das Glied einer langen historischen Kette begreifen, des Kampfes des ״unterirdischen, gestaltenden“ gegen das ״offizielle, geschehen-lassende“ Judentum. In Erez- Israel leben heute viele Menschen, deren Denken und Leben von Buber nachhaltig beeinflußt worden ist. Nun hatte Buber zum erstenmal Gelegenheit, mit ihnen zusammen zu sein, sich auszusprechen, ihre Entwicklung zu beobachten. Er hat, wie uns berichtet wird, mehrmals in kleineren Kreisen Besprechungen abgehalten und eine sehr starke Resonanz gefunden. Nicht nur in den Städten, auch an mehreren Punkten des Emek (Beth Alpha, Nahalal) hat er zu den arbeitenden Menschen gesprochen und vermochte den innigsten Kontakt mit ihnen zu finden. In der Universität hielt Buber einen Vortrag über das Problem der Thcophanie im Judentum, den er auch in Berlin im Januar dieses Jahres in der Hochschule der Wissenschaft des Judentums gehalten hat und über den wir damals berichtet Iraben. Der Protest, den die übereifrigen ״Verteidiger der hebräischen Sprache“ (״Gdud megine hasapha") gegen seine Vorlesung erließen, gehört in ein anderes Kapitel. Ueber Bubers Aufenthalt wird uns aus Palästina u. a. geschrieben: ״MSartin Buber hat Jerusalem und Tel-Awiw besucht und ist dann in den Emek gefahren. So kurz sein Aufenthalt hier auch gewesen sein mag, hat seine Berührung mit dem Jischuw, insbesondere in den Kreisen der Intelligenz und der Arbeitet einen solchen Widerhall gefunden, daß die Hoffnung nicht unberechtigt erscheint, daß Dr. Buber wieder bald und auf längere Zeit nach Palästina kommen und hier den von ihm lang gehegten Plan der Gründung einer Volkshochschu le verwirklichen wird. Gerade in Palästina macht sich das Fehlen einer zentralen und autoritativen Persönlichkeit, wie sie gerade Buber weiten Kreisen des Jischuws sein könnte, oft fühlbar. Die Hebräische Universität würde in schönster Weise ihren Zweck erfüllen, wenn sie Dr. Buber die Gelegenheit zu einem längeren Wirken in Palästina böte.“ * Ueber die Zusammenkunft, die in Tel-Awiw in einem gescltlossenen Kreise mit Buber stattfand, äußert sich M. G1 ü c kson im ״Haarez“ in einem acht Spalten langen Feuilleton. Er nennt die Begegnung, die in der Baracke des ״Hapoel Hazair“ stattfand, ein Ereignis. ״Es wurden Fragen an Buber gestellt, von der Art, wie sie uns in Stunden der Einkehr beschäftigen: Was wird mit der künftigen Generation sein, von der wir die Erneuerung unserer Lebensgrundiagen erwarten. Selbst die am eigenen Leib die große Erneuerung der Rückkehr zur Arbeit vollzogen haben, wissen nicht, was mit ihren Kindern sein wird. Wir sehen noch nicht die natürliche Verwurzelung in der Heimat. Und was wird mit der nächsten Generation im Galuth sein, welche Verbindungen werden von Palästina nach dem Galuth gehen. Wie sollen war den Abgrund zwischen Ideal und Wirklichkeit überbrücken. Buber begann mit einer Ablehnung des Intellektualismus, mit einer Negation von Ideologien, Prinzipien und Methoden. Diese versperren nur den Weg zur Wirklichkeit. Jede Ideologie erstarrt allmählich und wird ein Hindernis des wahren, unmittelbaren Lebens. In Palästina gilt es heute nicht, große Ideologien zu schaffen, sondern ernst zu machen mit der alltäglichen Arbeit des Aufbaus einer Menschengemeinschaft Das ״obere Jerusaiem“ kann nur durch das irdische Jerusalem geschaffen ' werden. UHiere Brtiehürigsaufgabe M e5,־tlie'llä11äi 1Ä£e'fdes Alltags im Lichte reiner Menschlichkeit und wahrhaften Menschenlebens zu sehen. Buber erklärte, daß er in dem Lande nicht gefunden hat, wovon er sich aus der Ferne ein Bild machte. Er hatte erwartet, im Lager der Arbeiterschaft eine neue Art organischer Gemeinschaft und nicht bloßer mechanischer Zusammcngcliörigkeit zu finden. Er hatte erwartet, mehr Streben nach unmittelbarer menschlicher Gemeinschaft und wenige! Scheidewände durch Organisationen und Parteien zu finden Mian soll nicht fragen, ob es jemals derartige Lebenskreise gegeben hat. Jeder Kreis, dessen Träger lebendige innere Religiosität ist, ist ein solcher organischer Lebenskreis. Bubei betonte, dtaß er noch nicht in den Dörfern war und daher lediglich von den Städten sprechen kann. Was die jüdische Jugend im Galuth betrifft, so sei die Anziehungskraft des Zionismus geschwächt, weil die furchtbare Zeit *des Nationalismus überhaupt vergangen ist. Die Schwierigkeit zionistischer Propaganda beruht darauf, daß der Zionismus eine Frucht des Denkens in abstrakten Prinzipien ist. Daher kann der Zionismus auch nicht durch ideologische Konstruktionen erneuert werden, sondern wir müssen bescheiden sein, und uns den wirklichen Dingen, den kleinen Werken zuwenden. Der Zionismus hat ein Objekt, das unser gemeinsames Werk ist: das Land. Die konkrete Arbeit am Aufbau des Landes müssen wir als Ziel in das Herz der jüdischen Jugend pflanzen. Auf die Frage worin die große Kraft dieses Objektes beruhe, antwortet Buber: Die Kraft dieses Landes ist so groß dureji das ewige Geheimnis, das über ihm schwebt, durch das Mysterium Erez-Israels, dessen N’iamen und Gestalt wir nicht kennen und das wir doch in den Wurzeln unseres Daseins spüren, in dem Geist der unserm Schicksal seinen Stempel aufgeprägt hat. Dieser Geist allein kann uns in Palästina und der jungen Generation im Galuth das Rätsel unseres Lebens lösen.“ •Glückson setzt sich dann ausführlich mit Bubers Atischauungen auseinander und schließt mit folgenden Worten: Möchte doch die Stimme Bubers in unserm Jischuw gehört werden. Mögen doch seine einfachen und erleuchtenden Worte, die in die Tiefen dringen und an das Wesen und die Wurzeln rühren, den Weg zu den Seelen finden, mögen sie die Herzenspflichten und die Lebensbeziehungen der Menschen in unserer Mitte bestimmen! Auf Initiative von Rabbiner Dr. Meir Abraham H a 1 e v i ist in Rumänien ein Komitee der Freunde der Hebräischen Universitätsbibliothek von Jerusalem gegründet worden, das bekannte Männer der Wissenschaft und Professoren umfaßt. Das Komitee hat beschlossen, eine rumänische Abteilung in der Bibliothek zu gründen und Reisen von Instruktoren und Studenten rumänischer Universitäten nach Palästina zu arrangieren. Außer den Besuchern der Leseräume der Bibliothek in Jerusalem wurden im Monat März 3645 Leser gezählt. Die Zahl der gelieheneil Bücher betrug 4462 in folgenden Sprachen: Hebräisch 1792, Deutsch 990, Jiddisch 511, Russisch 481, Englisch 386, Französisch 183, andere Sprachen 119. Der Verband der Hebräischen Lehrer in Palästina hat die Publikation des ״H a c h i n u c h“, einer zweimonatlichen Zeitschritt, unter der Redaktion von Dr. M. G1 ü c k s 0 n , wieder aufgenommen. Die neueste Nummer enthält Artikel über Achaa Haam, die Pestalozzi-Jahrhundertfeier, die Jugendbewegung in den Schulen, und verschiedene Notizen über Erzienungswesen.