Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 44 (Juni 1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 316 Tovoraone rohdscräct ßr.m warten, daß sie bereit wären, Hebräisch in der Galuth aufzugeben. Nicht Auflassung der sachlichen Arbeit für Hebräisch, sondern des Kampfes, der seit 20 Jahren die Atmosphäre vergiftet. Der Aufsatz Fichmanns ist von scharfen persönliehen Angriffen gegen die Schreiber der Aufsätze und gegen den Redakteur durchsetzt. Er meint, daß die Sache der Ausfluß persönlichen Hasses und also NichlverstehenwoUens gegen ihn, Blalik und die anderen sei, und daß diesem Haß die bessere Erkenntnis zum Opfer gebracht wurde. Dasselbe meint der Vorstand, der die ״Ktuwim“ herausgebenden ״Agudath Hassofrim“ (dem Bialik und Fichmann angehöfen), welcher in einer Erklärung seiner Meinung Ausdruck gibt, daß durch die Art, w i e über den Empfangsabend berichtet wurde und durch den Stil des Angriffes ״nicht der Schatten eines Zweifels bleibt, daß die Sache von der Redaktion mit böser Absicht so eingerichtet wurde“ und daß ״die Redaktion nicht geeignet und nicht gewillt sei, die ihr von der Schriftstellerkonferenz übertragene Funktion zu erfüllen“, weshalb beschlossen wurde, eine außerordentliche Schriftsteller- Versammlung einzaiberufen, welche ״über die Redaktion der Zeitschrift und ihre künftige Leitung zu entscheiden haben wird“. Die Redaktion antwortet auf die Erklärung nur mit kurzen formalen Einwänden. In derselben Nummer geben in einer kurzen Zuschrift an die Redaktion Agnon, R. Ben- Jamin und D. Kitnchi ״ihrem Erstaunen und Schmerz“ über die Aufsätze Ausdruck, während die Jerusalemer Lehrer den besonders radikalen Beschluß veröffentlichen, nächstens einen Protest gegen die Hintansetzung des Hebräischen beschließen ZU wollen. M. Spitzer. * In einer öffentlichen Protestversammlung, welche von der ״Legion zur Verteidigung des Hebräischen“ in Tel-Awiw einberufen worden war, wurden mehrere Reden gegen Bialik gehalten, worauf Berl Kaznelson dieser Propaganda entgegentrat und sich gegen jede Gewalttätigkeit aussprach. Die Versammlung nahm die offizielle Resolution der Einberufer, die gegen die Vernachlässigung der hebräischen Sprache durch nationale Institutionen protestiert, an, aber auch die Anträge Kaznelsons, die in offenbarem Widerspruch zu den Tendenzen der Einberufer standen und besagen, daß die Versammlung jede Propaganda von Gewalttätigkeit als Kampfmittel für die hebräische Sprache zurück weist, und zweitens, daß die Versammlung Bialik ihre Wertschätzung ausspricht für die schöne Art des Empfanges unserer Gäste, der jüdischen Schriftsteller. * RW. Mast kann unseres Erachtens die Besprechung dieser Angelegenheit nicht schließen, ohne noch auf eine andere Seite der Sache hinzuweisen. Niemand wird es tragisch nehmen, wenn tiNer wichtige Kulturfragen innerhalb der jüdischen geistigen Welt Meinungsver* schiedenheiten entstehen und wenn die Diskussion mit Leidenschaft ausgetragen wird. Auch ist es sicherlich nicht zu beklagen, wenn eine jüngere Schriftsteller-Generation, hebräisch«■ Sturm und Drang, die Autorität der anerkannten Orößen nicht unbedingt anerkennt, sondern sich nicht scheut, auch gegen sie Sturm zu laufen. Aber es scheint in der überhitzten Atmosphäre Palästinas zu liegen, daß man sofort alle Dinge ungebührlich ayfbläst, 'die Maßstabe verliert und die Grenzen des Erlaubten' weit überschreitet. Es ist an sich schon kurios, daß ®an gegen Bialik die hebräische Sprache in Schutz nimmt; ganz unbegreiflich aber ist es, wenn gewisse Kreise nicht soviel Respekt vor geistiger Potenz und Ueberlegenheit haben, daß sie es für erlaubt halten, mit Pöbelmethoden das Interesse der geistigen Güter der Nation wahrzunehmen. Nationalistisches Geschrei ersetzt nicht nationale Leistung. Mit aller Deutlichkeit muß es gesagt sein, daß die Männer, die durch ihr Schaffen das geistige Gut der Nation bereichern, der kulturellen Renaissance des Volkes dienen, nicht ablr die, welche durch Demagogie und Terror die kulturelle Entwicklung fördern zu können meinen. Es ist bedauerlich und ein schlechtes Zeichen für das Niveau eines Teiles des Jischuw, wenn man selbst dort, wo man im Rechte zu sein glaubt, nicht die Distanz zu wahren weiß, die in einer menschlichen Gemeinschaft, die etwas auf sich hält, unerläßlich ist. Wenn in einer Protestversammlung in Tel-Awiw der Direktor einer der größten Erziehungsanstalten des Landes in einer hysterischen Rede dazu auffordert, für Durchsetzung der hebräischen Sprache mit allen Mitteln, ״auch durch Einschlagen der Fensterscheiben“, zu kämpfen, so muß man mit größter Besorgnis fragen, was aus der Jugend werden soll, die solchen Erziehern anvertraut ist. Hier stehen schon allgemeine nationale Interessen auf dem Spiele. Die ״Legion zur Verteidigung der hebräischen Sprache“ könnte nützliche Arbeit im Lande verrichten, aber die Aufpeitsehung chauvinistischer Instinkte unter völliger Ignorierung aller anderen geistigen Werte scheint uns ein ausgesprochen kultuwidriges Verhalten. Mit Recht hat kürzlich schon Buber, der auch von dieser Gruppe angefiegdt wurde, erwidert, wir wünschen die Herrschaft der hebräischen Sprache im Lande durch positive geistige Schöpfung, nicht aber durch Terror befestigt zu sehen; die völlige Absurdität dieser Methoden wurde jedoch erst in dein Kampfe gegen Bialik und Fichmann offenbar, die beide wohl mehr für die Erneuerung des Hebräischen geleistet haben als alle die ״Sprachlegionäre“ zusammen und die über den Vorwurf des Verrates erhaben sein sollten. Wir haben hier eine Erscheinung vor uns, die eine merkwürdige Parallele bildet zu manchen Erscheinungen des politischen zionistischen Lebens, wo man mit dem Vorwurf des Verrates auch sehr leicht umgesprungen ist. Der Versuch prominenter geistiger Führer, die kulturellen' Konflikte innerhalb des Judentums, insbesondere die Sprachenfrage, durch andere Mittel als bisher auszutragen, verdiente inmitten unserer sozialen und geistigen Zersplitterung als ein bedeutungsvolles nationales Ereignis jedenfalls eine andere und ernstere Würdigung als die ihm in Palästina zuteil geworden ist. Ein interessanter Briefwechsel L Herr Dr. BranoWeil ersuchte uns vor einiger Zeit um Abdruck eines Briefes, den er als Antwort auf das in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 3. Mai d. J. veröffentlichte Schrei- Ben Hermann Strucks an diesen gerichtet hat Der Brief wurde auch in der assimilatorischen Presse abgedruckt. Wir haben uns an Hermann Struck gewandt mit der Bitte, sich zu Dr. Weils Brief zu äußern. Darauf stellt uns Struck eine Ab- Schrift seiner Antwort an Weil zur Verfügung. Wir bringen nun die beiden Briefe zum Abdruck, im Gegensatz zur Praxis der antizionistischen Presse, die Berichtigungen auch von offenkundig falschen Berichten nicht zu veröffentlichen und sich mit einseitiger Darstellung zu begnügen pflegt. H Berlin, 9. MW 1927. Herrn Hermann Strack, Akademischer Kunstmaler, Haifa. Sehr geehrter Herr Struck, Sie haben an Herrn Kurt Blumenfeld unterm 4. April 1927 von Jerusalem aus einen Brief gerichtet, der sich mit meiner Reise durch Palästina und meinem Ihrer Gattin und Ihnen abgestatteten Privatbesuch beschäftigt. Es ist bisher nicht einmal zwischen politischen Gegnern schlimmster Art üblich gewesen, Privatunterhaltungen zu politischen Aktionen zu benutzen. Ihnen blieb es Vorbehalten, eine von meiner Seite aus mit vollkommener Offenheit geführte Privatunterhaltung nicht allein in einem zur Veröffentlichung bestimmten Briefe an eine dritte Person weiterzugeben, sondern sogar in diesem Schreiben, das vor jeder Veröffentlichung meinerseits in Deutschland erfolgte — denn den Vortrag im Hotel Adlon habe ich erst am 9. April gehalten — Vorwürfe zu erheben, ehe Sie überhaupt wußten, welche Eindrücke ich aus Palästina mitgebracht, und was ich darüber zu sagen gewillt war. So gibt denn Ihr Brief aus dem Zusammenhang gerissene, zum Teil völlig unrichtige oder sogar entstellte Behauptungen wieder, die zu widerlegen schon die Lektüre meines Vortrags allein genügen wird, ich lege aber Wert darauf, festzustellen, daß ich Ihnen mit keinem Wort erklärt habe, daß ״die zionistische Arbeit bedeutungslos sei und keinen Beitrag zur Lösung der Judenfrage darsteile“. Ich habe mich während meines Aufenthaltes in Palästina in ehrlicher und keine Anstrengung scheuender Weise bemüht, alles, was im Lande zu sehen ist, kennenzulernen. Aber ich habe — und das haben Sie mir offenbar besonders verübelt — es abgelehnt, mich durch von der zionistischen Parteileitung delegierte Herren führen zu lassen. Ich habe auch mit Christen und Arabern Fühlung zu nehmen versucht und alle Erkenntnisquellen, die mir zugänglich waren, ausgeschöpft. Mit Ihnen bin ich allerdings nicht einer Meinung gewesen darüber, was zu sehen besonders wichtig sei. Während ich die jüdische Stadt Tel-Awiw, die von vielen Ihrer zionistischen Freunde als die wichtigste Schöpfung des modernen Palästina betrachtet wird, zwei volle Tage habe besuchen wollen und auch besucht habe, sind Sie der Meinung gewesen, es genügten drei Stunden, um diese Stadt, für die Sie einen wenig respektvpllen Ausdruck gebrauchten, zu besichtigen. Sie waren der Ansicht, man müsse jede einzelne der Kolonien, von denen ich immerhin eine gewisse Anzahl gesehen habe, besuchen, um das jüdische Aufbauwerk ln Palästina beurteilen zu können. Ich habe Ihnen erklärt, daß die einzelnen Kolonien noch so ideal eingerichtet sein können — und ich glaube, dem '־׳Aalismus der dort tätigen Menschen auch in meinem Vrvzfäg in hinreichender Weise gerecht geworden zu sein — so behielten sie als Einzelerscheinungen iltreß großen Wart; für das Gesamtproblem der Lösung der Judenfrage, Insbesondere für die notleidenden Glaubensbrüder im Osten, werde ihr Wert wegen ihrer geringen Zahl nicht allzu hoch eingeschätzt werden dürfen. Wenn Sie diese Verschiedenartigkeit der Auffassung in der stundenlangen erregten Diskussion zwischen uns einen ״Mangel an Willen“, sich informieren und etwas zeigen zu lassen, nennen, so halte ich diese Charakterisierung für durchaus unzutreffend und gerade von Ihnen angesichts der langen Dauer unserer Bekanntschaft und meines Ihnen bekannten Interesses für alle jüdischen Dinge für ungerecht. Feh versichere Ihnen aber, sehr geehrter Herr Struck, daß ich mich auch nicht durch Ihre unzutreffende und aller guten Tradition widersprechende Darstellung einer privaten Zusammenkunft von der von mir nach bestem Wissen und Gewissen in der Beurteilung der palästinensischen Frage eingenommenen Haltung werde abbringen lassen, und ich gebe mich der Hoffnung hm, daß Sie selbst keinen Anstand nehmen werden, nach der Lektüre meines Vortrags, der ja im Wortlaut im Sonderdruck des Philoverlages erscheint, Ihr schiefes Urteil richtigzustellen. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Dr. Bruno Weil. III. Haifa, 25. Mai 1927. Herrn Notar Dr. B r u n o W e i 1, Berlin W62, Landgrafenstraße 1. Sehr geehrter Herr Doktor Weil, Auf Ihr wertes Schreiben vom 9. Mai 1927 wollte ich eigentlieh nicht antworten, da mir eine solche Zeitungspolemik nicht liegt. Ich habe mir aber inzwischen überlegt, daß eine Aeulierung meiner bescheidenen Ansicht vielleicht einen nicht ganz wertlosen Beitrag zu der Frage ״Urteile von Touristen über Palästina“ liefern könnte. Auf Ihre Vorhaltungen über Benutzung . von Privatunterhaltungen zu politischen Aktionen und über mein aller guten Tradition angeblich widersprechendes Verhalten zu antworten, halte ich für unnötig. Diese Beschuldigung hat für mich jedenfalls den Reiz der Neuheit, und ich zweifle sehr daran, ob irgendeiner ihrer engeren Gesinnungsgenossen, der mich kennt, Ihnen hierin beipflichten wird. Ich habe absolut nicht annehmen können, dab es sich bei dieser stundenlangen Unterhaltung über unsere wichtigsten Dinge um geheimzuhaltende Ansichten handle, und daß Sie nachher i!1 einem Vortrage einen abweichenden Standpunkt einnehmen würden. Daß Sie eine Führung durch von der zionistischen Parteileitung delegierte Herren abgelehnt haben, konnte ich Ihnen um so weniger verübeln, als ich es erst aus Ihrem Briefe erfuhr. Wenn ich sagte, daß für Tel-Awiw eventuell drei Stunden genügen würden, so sage ich dies nur zu jemandem, dessen knappe Zeit ihm nicht einmal erlaubte, unsere von allen Sachverständigen der Welt bewunderten landwirtschaftlichen neuen iiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiininiiiiiiiiiiiiiinniiiiiuiiniiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiuinimiiniiiiiiiiiiiiii Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau" erscheint wegen der Feiertage als Doppelnummer am Freitag, «len IO. Juni 1927 Die Dienstag-Ausgabe enifölli iiliwiiliiiüiiifiiiiiiiiriiMiuiiiiniiiiiiuiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiHiiiuiiiiuwHiHHniiiiiiiiiiiiiiuuiiMiiiiiiMiiiiiiiiiiuliTiimliiifiiiilii Siedlungen zu besuchen. Ich erlebe es de« öfteren, daß Toufisten, die acht Ws zehn Tage in unserem Lande mit dem Auto herumgereist sind, mich mit fertigen Urteilen über die schwierigsten Fragen überraschen. Ich frage Sie ttnd Ihre Gesinnung*- genossen, verehrter Herr Doktor Weil, ob Sie bei ernster Selbstprüfung noch glauben werden, daß ein so kurzer Aufenthalt, bei dem Sie noch dazu so viele Unterhaltungen gehabt haben, auch nur im entferntesten genügt, um über wirtschaftliche, menscbliehe, religiöse und kulturelle Fragen ein Urteil abzugeben, das für gewissenhafte Menschen maßgebend sein könnte. Gerade wir Juden, die wir dauernd unter noch oberflächlicherer Beurteilung durch Außenstehende zu leiden haben, sollten uns zum Grundsatz machen, jeder menschlichen Leistung bescheiden und respektvoll zu begegnen. In diesem Streben, auch Andersdenkenden gerecht zu werden, möchte ich Sie auf das Vorbild Ihres unvergeßlichen Gesinnungsgenossen, des edlen Eugen Fuchs s. A. verweisen. Ich begreife durchaus diejenigen Touristen, die jüdischen Dingen fernstehend, im Rahmen einer Vergnügungsreise auch Palästina auf einige Tage besuchen, um dann möglichst schnell nach Kairo weiterzugondeln und in den dortigen mondänen Hotels die langentbehrte Jazz-Band zu genießen. Niemals aber werde ich ernste jüdische Politiker verstehen, die hierherkommen, um sich ein Urteil zu bilden und es für überflüssig halten, die Schöpfungen anzusehen, die ihnen dieses Urteil ermöglichen sollen. Hätten Sie z. B. auch nur ganz wenige von den über fünfzig Schulen, Seminaren und Kindergärten des Misrachi gesehen, so wäre es Ihnen nicht möglich gewesen, in so allgemein absprechender Weise über den Mangel an Religiosität Beschwerde zu führen. In dem einen Punkt stimme ich mit Ihnen überein, daß für die archäologische Erforschung Palästinas von jüdischer Seite mehr zu gesehenen habe, und wir werden Ihnen dankbar sein, wenn Sie Ihre bereits begonnene, hoffentlich segensreiche Tätigkeit auf diesem Gebiete fortsetzen. Im übrigen aber betone ich, daß mein Brief mit Ihrem Vortrage, der mir bisher unbekannt geblieben ist, nichts zu tun bat. Er stellte einfach die Antwort auf eine Anfrage des Herrn Blumenfeld dar, der mich um Auskunft darüber bat, was Sie in Palästina eigentlich gesehen hätten. Und zu dieser Antwort glaubte ich mich auf Grund Ihrer persönlichen Mitteilungen berechtigt. Ich bin fest überzeugt, daß außer Ihnen niemand in meiner Erlaubnis an Herrn Blumenfeld, von meinem Schreiben eventuell Gebrauch zu machen, irgend etwas Unfaires erblicken wird. Plato amicus, sea magis amica veritas. ihrer Beschuldigung von l;aus dem Zusammenhang gerissenen, zum Teil völlig unrichtigen oder sogar entstellten Behauptungen“ gegenüber, betone ich ausdrücklich, daß ich jedes Wort meines Briefes aufrecht erhalte. Nur für den Druckfehler ״am grünen Strom“ lehne ich die Verantwortung ab, da wohl der Strand der Spree, nicht aber ihr heimatliches Gewässer die Farbe der Hoffnung trägt. Mit bestem Große ' Ihr sehr ergebener Hermann Struck. IV. Weiter erhalten wir folgenden Brief: Migdai, den 24. Mai 1927. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin W15. In Nr. 35 der ״Jüdischen Rundschau“ geben Sie im Rahmen einer Polemik gegen die ״Berichterstattung“ des Herrn Dr. Weil einen Brief Hermann Strucks wieder, in dem es u. a. heißt: .* 1 . Nur in Migdai war es, wo er zwei deutsche Ghalur ztm traf, die,:‘ן־,wenn sie das Geld hätten, gerne hieb Deufseh? Iand zurückkehrten“. Als einziger ״deutscher Chaluz“, den Herr Dr. Weil ausfühl lieh in Migdai -gesprochen hat, möchte ich dazu bemerken, daß ich in den vier Jahren meiner Tätigkeit in Palästina manche Krise iiberstanden habe, und daß ich auch Herrn Dr. Weil gegenüber erklärt habe, daß meine Arbeit hier in Palästina mich weit mehr befriedigt als die in Deutschland, obwohl die Verhältnisse hier weit primitiver sind, und obWbhl es viel mehr Schweiß kostet, sich «ine Existenz zu gründen als in irgendeinem anderen Lande. Nur wer längere Zeit in Erez-Israel gearbeitet hat, kann empfinden, daß man gern Bequemlichkeit und Luxus entbehren kann, wenn man — zwar im Schweiße seines Angesichts, aber mit dem für Erez-Israel charakteristischen Gefühl eines freien Menschen — einem hohen Ideal zu dienen das Glück hat. Im Namen der recht zahlreich in Migdai vertretenen ״deutschen Chaluzim“ erkläre ich hiermit, daß keiner von uns ״gerne nach Deutschland zurückkehrte, wenn er das Geld hätte“. Mit Zionsgruß Herbert Latte. Apdas Jisroel an die Mandatskommission Jerusalem, 1. Juni. (J. T. A.) Die Ag u da s J i s r oe l hat durch die Palästina-Regierung im Namen der aschkenasischen Gemeinde Jerusalems eine Petition an die Mandatskommission des Völkerbundes gerichtet, deren Inhalt sich ausschließlich auf die G e m e i n d e o r d n u n g in Palästina bezieht. Es werden Einwendungen gegen gewisse Teile des Gesetzentwurfes betreffend die Organisation jüdischer Gemeinden in Palästina vorgetragen. Wie die J. T. A. erfährt, sind auf Initiative der Führer der Agudas Jisroel in Palästina Besprechungen zwischen Agudah-Vertretern einerseits und dem W a ad Leumi, sowie dem jüdischen Kommunalrat andererseits eingeleitet worden mit dem Ziele, in der Angelegenheit der Ver- Ordnung über die jüdischen Gemeinden Palästinas zu einer Verständigung zu gelangen. Sollten die Besprechungen, wie man auf beiden Seiten hofft, zu einem Resultat führen, so wird die Regierung sofort die Verordnung über die Organisation der jüdischen Gemeinden in Kraft setzen. New Yorks Beitrag für den United Palesiine Appeal New York, 22. Mai. (J.T. A.) Im Hotel Astor fand zu Ehren des Richters Otto A. Rosalsky, Präsidenten der New Yorker Kampagne für den United Pafestine Appeal, und Richters Mitchell May, Präsidenten der Brooklyn-Kainpagne, ein Bankett statt, dem mehr als 500 Personen beiwohnten. Morris A. Zeldin teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß bisher in New York für Rechnung des United Palestine Appeal insgesamt 1360 913 Dollar aufgebracht wurden. Hierin sind schriftli he Verpflichtungen nicht inbegriffen. Die Summe übersteigt die des vorigen )ahres um 206 212 Dollar. Die Gesamthöhe der in Amerika aufzubringenden Summe für den Palästinafonds ist in diesem Jahre auf siebeneinhalb Millionen Dollar veranschlagt. Oberrabbiner A. J. Kuk, Rabbi Meier Berlin, die Rabbiner Aaren sohn und Uziei aus Jaffa und Tel- Awiw haben eine Reise durch die jüdischen Kolonien angetreten mit dem Ziel, für die Beobachtung der reli giösen Riten in den Kolonien zu wirken.