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Jüdische Rundschau · 1927-06-01 · Heft 44 (Juni 1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 44 (Juni 1927)
Date
1927-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 44 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 315 Hebräisch und Jiddisch Ein Empfangsabend und seine Folgen. Schalom Asch und Percz Hirschbein, unter den Lebenden die repräsentativen Männer des jiddischen Schrifttums, kamen vor einiger Zeit als Gäste Bialiks nach Palästina. Man sah es mit Freude und Befriedigung, daß die Reprisentanten des ausgesprochen jiddischistischen, großenteils dem Zionismus und Palästina feindlichen Judentums, nun nach Palästina kamen und cs wurde ihnen ein festlicher Empfang bereitet. Ein Bankett von der neuerdings beliebten Art mit diplomatischen Beigeschmack. Es wurden also Reden über Reden gehalten und sie alle hatten ein gefährliches Thema: Jiddisch und Hebräisch. Der Streit zwischen den Verfechtern der Alleinherrschaft dieser oder jener Sprache bat in den Jahren seit Kriegsausbrueh an Schärfe verloren. Man batte und hat andere und wichtigere Sorgen; die Zeiten, wo das Pünktchen überm ״i“ Gegenstand erregter Auseinandersetzungen war, sind vergangen, nachdem realere, sehr konkrete und dringliche Fragen des Augenblicks alle Energien für sich in Anspruch genommen hatten. Auf der Linie der Arbeit für die Rettung des Volkes und seines Lebens vor dem Untergang, trafen sich große Teile des vordem hart verfeindeten jiddischistischen und hebraistischen Lagers, wie sich auch die Grenzen zwischen den vordem unversöhnlichen ״Golusjiden“ und. den Zionisten verwischt haben. Nur die ßundisten und ihre amerikanischen 1 reunde behielten zugleich mit der antizionistischen Haltung die Gegnerschaft zum Hebräischen; von Rußland natürlich abgesehen, in dem von Kampf kaum die Rede sein kann, weil die Kampfmöglichkeiten sehr einseitig liegen, ln Palästina wiederum hat Hebräisch gesiegt. Es steht nicht mehr in Frage, daß Hebräisch die Sprache auch der künftig in Palästina einwandernden Juden sein wird. Und dies<^ Sicherheit, zusammen mit dem Glauben an die Konzentration der schöpferischen Volkskräfte in Palästina und die zwingende Gewalt, mit der sie von dort aus auch das Leben des Galuthjudentums erfassen werden, schien die Notwendigkeit des pripzipiellen Kampfes, von hebräischer Seite wenigstens, ihrer Dringlichkeit zu entkleiden, besonders, wo cs doch gefährdetere Positionen des Volkslebens gibt. Und so vermischten sich auf weite Strecken hin die Fronten und wurden zu einer gemeinsamen, neuen, gegen den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturelleii Untergang des Volkes gerichtet. Daß Asch und Hirschbein, die Führer des gemäßigten Jiddischisflius nach Palästina kamen, sollte wohl eine diesen Zustand bestätigende Geste bedeuten und es ist nur in der Ordnung, daß die Redner des Abends aus den Reihen der hebräischen Schriftstellcrsehaft Palästinas, vor allem Bialik und F i c h m a 11 n , die dargebotene Hand ergriffen. Festreden verleiten aber zu rhetorischen Formulierungen, die den Bogen überspannen und die Redner scheinen manches rocht unglücklich gesagt zu haben, genug, um besonders die aus Rußland stammenden und durch die dortigen Verfolgungen des Hebräischen durch Jiddichistcn verbitterten Schriftsteller zum Widerspruch zu reizen. Und so brachte die offizielle Zeitschrift des ״Verbandes hebräischer Schriftsteller“, die ihren Leserkreis gerade in der letzten Zeit bemerkenswert vergrößernde Wochenschrift ״K t u w i p“, in der dem Bankett f0|i4tden Nummer-.(11. Mat) -eine Reihe von- Aufsätzen,״ die• sich, teils verbittert, teils verärgert, gegen diese Reden wenden. Unter den Verfassern dieser Aufsätze sind bekannte Figuren wie Ascher Barasch und Jakob Rabinowitsch und die erfolgreichen Talente der jungen Dichtergeneration, Awraham Schlowski und Jizchak L a m d a n. Nimmt man hinzu, daß diese Aufsätze an erster Stelle stehend und durch ein Nachwort des Redakteurs Steinmann zusfimmetid ergänzt noch zur Zeit der Anwesenheit der Gäste erschienen sind und bei aller Framdlichkeit gegenüber den Gästen selbst; doch einen recht harten Schlag gegen die Art, wie sic hegrüßt wurden, führten, dann kann man sich denken, daß in Palästina ein gewisses Aufsehen erregt werden muß. Tatsächlich hört man schon von einem dort gegen die ״Ktinvim“ vorbereiteten Protest; und wenn schon hebräische Kreise Palästinas aktiv werden, dann werden Aktionen von seifen der Jiddischisten in aller Welt gewiß nicht lange auf sich warten lassen. Vielleicht bedeutet dieses Vorgehen ein Signal zu neuem Aufleben der Sprachendebatte und des damit verbundenen Kampfes — wahrscheinlich zu einer sehr unpassenden Zeit. soll. Besteht aber dabei die Gefahr, daß der Minister an den Polizeikommandanten in unserem Städtchen schreiben wird, daß er meiner Tochter und ihren zwei ״unehelichen“ Kindern die Rückkehr nach Litauen erlaubt hat. Nun weiß man ja bei uns im Städtchen, wie sich die Sache verhält. Aber, wenn im Briefe des Ministers ausdrücklich vermerkt sein wird, daÜ die Kinder unehelich sind, werden vielleicht doch Leute glauben, daß meine Tochter Ginendel niemals verheiratet war und daß sie sündig und zu Fall gekommen ist. Sie können sich vorstellen, wie schrecklich das für mich wäre und außerdem, was für ein Aussehen meine Tochter dann im Städtchen hätte. Ich bitte Sie also um einen Rat, vielleicht wissen Sie einen Ausweg: kann ich mich darauf verlassen, daß der Minister, wenn ich ihn darum gebeten haben werde, die Erlaubnis zur Rückkehr direkt nach Rußland schickt und von den ״unehelichen“ Kindern nicht in unser Städtchen schreibt?“ Die Frage war schwer zu beantworten. Ich überlegte lange und sagte meinem Freunde: ,,Das hängt davon ab, oh der Minister ein diskreter Mensch ist, oder ob er Freude am Plaudern 11:1t, Wenn er ein Mensch ist, dem es Spaß macht, diskrete Angelegenheiten seiner Frau und seinen Nachbarn zu erzählen, dann ist das Geheimnis nicht gewahrt. Ist er aber ein Ehrenmann, dann wird er die Wichtigkeit dieser Angelegenheit verstehen und Ihnen entgegenkominen. Ich wüirde Ihnen folgenden Rat geben; erkundigen Sie sich, wo der Minister wohnt und fragen Sie seine Nachbarn nach seinem Charakter, ob er ein gesetzter Mann ist, oder ob er geschwätzig ist. Dann können Sie zu ihm ins Amt gehen und ihm lltre Bitte vortragen.•‘ Mein weiser Rat gefiel dem Alten ausnehmend und er versprach darnach zu handeln. Tatsächlich erkundigte er sich in Kowno bei den Bekannten des Ministers nach dessen Charakter und einige Tage später konnte er mir, als ich ihn in der Hauptstraße Kownos, der Freiheitsallee, traf, erfreut mitteilen, daß die Auskünfte über den Minister ausgezeichnet seien. Er beabsichtige daher, sagte er mir, am nächsten Tage ins Ministerium zu gehen und seine Bitte zu überreichen. Leider mußte ich aan selben Tage verreisen und hatte also zunächst keine Kenntnis vom Erfolge der Audienz beim Minister. Die Angelegenheit ließ mich aber nicht schlafen. Ich erkundigte mich vor einigen Wochen bei meinem Freunde Für uns Westjuden ist die Sprachenfrage nicht aktuell. Daß Hebräisch die Sprache Palästinas und der jüdischen Renaissance zu sein hat, geht uns schon aus dem Wesensbegriff der letzteren hervor. Wir haben, indem wir das anerkennen, auf keine eigene Umgangssprache zu verzichten. In unseren Heimatländern sprechen wir mit der nötigen Selbstverständlichkeit die Sprache unserer Umgebung und in Palästina erleichtert das Faktum der bestehenden hebräischen Umgangssprache die gewiß technisch und sonst schwierige Durchsetzung des Willens, sie dort als die unsere anzunehmen. Zudem sind wir — durch Erfahrungen aus der eigenen Entwicklung belehrt — geneigt, die ״Judensprachen“ als das Produkt eines historischen Entwicklungsstadiums anzusehen, das mit dem Wegfall der historischen Faktoren, welche es erzeugten, schwindet. Wir schätzen die Erzeugnisse der jiddischen Literatur, übersehen aber nicht, daß sie uns packt, wo sie etwas lebendig macht, was in Wahrheit vergangen ist oder zum Vergehen erbarmungslos verurteilt ist (gerade um dieser Barmin» ז ו! 11 KöNgW* herzigkeit zum rettungslos Verlorenen, trotz seiner Schönheit zum Tode Verurteilten willen lic>״,n wir sic), daß sie uns aber kalt läßt, wo sie auf den Trün,־.,״rn des Alten Neues zu bauen. vermeint Sind wir ehrlich zu uns selbst, dann .setze« wir-. West Juden -ia die Zukunft des ■ jiddischen kei.ee Hoffnung, oder — um es ganz deutlich zu sagen: keiner von uns, und empfindet er noch so national, wird ernstlich die jiddische Sprache so zu der seinen machen wollen, daß ihre Schicksale sein geistiges Leben beherrschen, wie nur das Schicksal einer Kultur das Geistesleben der ihr Angehörigen beherrscht. Und so hat unsere Liebe zum Jiddischen, wo sie vorhanden ist, etwas Unreales, Romantisches und Empfindsames in ihrem Charakter, es ist eine Liebe zum Schwachen, Vergangenen, Unwiederbringlichen. Wir spielen damit, es ist uns Folklore. Wir müssen aufrichtig sein und uns das eingestehen, uns selbst wenigstens, damit wir nicht zu schiefen Schlüssen kommen. Und diese unsere Haltung ist zudem nicht ungerechter als die des Arztes, der seinen als verloren erkannten Patienten nun erst recht pflegt, als die des Richters, der sein Urteil spricht, das einzig mögliche, auch wenn er es wünscht, es wäre anders. Wir sind also im Sprachenstreit Partei; sicher in dem Sinne daß uns ein Fortschritt des Hebräischen mehr Freude verursacht als eine Schlappe des Jiddischen Trauer. Nach diesem Bekenntjis der Parteilichkeit, das man werten mag nach dem Stand der Sache und daraufhin bekam ich den Brief, den ich am Eingänge zitiert habe. Es ist also anzunehmen, daß alles glatt gegangen ist und daß mein Freund, der Kammerjäger, tatsächlich ein fröhliches Schewuoth-Fest feiern wird, was ich übrigens allen Juden in der ganzen Welt wünsche. Ausgrabungen in Palästina. Eine der für die Geschichte des Landes wichtigsten Entdeekungen ist anläßlich der Ausgrabungen geschehen, die von der Expedition der Pacific School of Religion, unter Leitung Professor William F. Bade, ungefähr zehn Kilometer nördlich von Jerusalem im judäischen Bergland unternommen werden. Die Entdeckung geschah in Teil e n Nasbeli, das ungefähr fünf Kilometer nord-nordöstlich von Ncbi Sanwil liegt, das nach lokaler Tradition als die Begräbnisstätte des Propheten Samuel gilt, und bisher als das in der Bibel in der Richterzeit oft erwähnte Miz. pah im Lande Benjamin angesehen wurde, wo der Prophet Samuel gelebt hat. Nach den neuen Ausgrabungen in Teil en Nasbeh scheint aber das alte Mizpah an dieser Stelle gewesen zu sein. Die Ruinen, die gefunden wurden, deuten auf eine uralte kanaanitischc Stadt. Die Stadtmauer, von der ein Teil freigelegt wurde, ragt etwa acht Meter über die Grundsteine empor und ist bis sechs Meter dick. Ursprünglich muß diese!Mauer noch sechs Meter höher gewesen sein. Ihre Konstruktion und die vollendete Ausführung der Arbeit sind bewundernswert. Sie stammt wahrscheinlich aus dem |ahre 1800 v. Chr., die gefundenen Töpferwaren deuten aber noch auf eine frühere Periode. Die unter der Leitung der Professoren Lake und Blake stehende Harvard-Michigan-Sinai-Expedition hat die Ueberführung der Steinschrift-Fragmente vom S i n a i in das Museum von Kairo vollzogen. Es sind dies, wie die Forscher behaupten, die ältesten bisher entdeckten semitischen Schriftzeichen. Während des letzten Aufenthaltes auf dem Sinai hat die Expedition weitere zwei Inschriften entdeckt. Die ersten Sinai-Inschriften wurden bekanntlich von Sir Fiind c r s P c t r i e gefunden. Professor G r i m m c wollte aus einigen von ihnen die Geschichte Mose mittels hypothetischer Entzifferungsmethode herausgelesen haben wie man will, wird es nicht wundernehmen, daß die Aeußerungen der ,,Protestanten“ aus dem Kreis um die j.Ktuwim“ trotz aller Bedenken, von denen schon die Rede war und über die noch viel, viel mehr gesagt werden könnte, nicht ganz ohne Eindruck auf unsercineti bleiben. Irgendwie stimm! man zu, wenn die Macht der Zukunft sich wehrt, der Vergangenheit Opfer zu bringen, von ihren neuen und noch zarten Kräften zur Stärkung des Alten, schon Schwachen herzugeben und cs ist charakteristisch, daß es gerade junge, von Hoffnung begleitete Dichter sind, die da unsentimental werden, vielleicht auch hart, sicher unvernünftig und, so könnte fast scheinen, roh. Was sagen sie? Etwa das Folgende: Das Hebräische; die Sprache des Judentums aller Zeiten und an allen Orten, die Königin des jüdischen Festtags, schickt sich an, den Alltag zu erobern, die in ihr wohnende Kraft der Jahrtausende von neuem dem jüdischen Leben einzugießen, sie zum Keime einer neuen Zukunft zu machen; Leben zu bringen, wo ringsumher nur Krankheit, •Tod und Verwesung da ist. Und — ein eigentümlicher Wechsel . zu dem Kranken, in dessen Umgebung das junge, zarte lebendige Hebräisch nahezu als ein Riese an Lebenskraft, als die Gewähr der Zukunft erscheint, gehört auch das Jiddische; dasselbe Jiddisch, dessen ״Lebendigkeit“ seine Verfechter überlegen lächelnd der Papierexisfenz des Hebräischen gegemibergehaiten haben. Und das sagen nicht etwa wir. Nein, das sagt Schalom Asch, der staunend feststellt, ״das wir hier etwas haben“, ein Stück realen Bodens unter den Füßen, während er beklagt, das Jiddische an Boden dauernd verlieren zu sehen. Er sucht unsere Hilfe. Palästina soll uns überlassen bleiben und wir sollen dafür die Galuth dem Jiddischen überlassen, ihm dort helfen. Uns ist cs keine Freude, das Jiddische niedergehen zu sehen. Wir sind nicht gegen Jiddisch, sondern für Hebräisch. Aber freien Willens dem Jiddischen die Galuth überlassen? Nein! Jedes Buch, das wir schreiben, und das sich seinen Leserkreis auch außerhalb Palästinas sucht, ist ein erobernder Kämpfer, jeder hebräische Lehrer, ein Vorposten im Kampfe. Und das wird nicht anders, auch wenn man offiziell Frieden schließt. Wir werden deshalb nicht aufhören Bücher zu schreiben, und nicht in den Bemühungen um hebräischen Unterricht, um hebräische Schulen in der Galuth nachlassen. Es ist uns .gleich, wen! wir den für uns nötigen Boden abgewinnen, gewiß ist, daß wir auch vor dem Jiddischen nicht Halt machen werden und jetzt erst recht nicht, wo wir sehen, daß seine Tage gezählt sind, daß es direkt zur vollen Assimilation überleitet. Man hat uns früher vorgeworfen, daß wir in Rußland ״Hebräisch und Russisch“ sagten, die Jiddischisten führen ihr ״Jiddisch und die Landessprache“ ohne Aufhebens durch und Hebräisch, der ganze Reichtum der alten Kultur fällt dabei unter ■den Tisch. Müssen wir nicht auf der Wacht sein? Und noch eines: wir haben den Jiddischisten in den letzten Jahren eine Position nach der anderen geräumt — wir waren zu sehr in Palästina beschäftigt, um uns wehren zu können —: Sie haben die Alleinherrschaft in der Presse, sie haben das Hebräische aus Schulen, Bibliotheken und jüdischen Aemtcrn vertrieben, selbst die früher übliche hebräische Privatkorrespondenz ist zerstört. Und das Ergebnis? A><H -agf cs; Dauernde Abnahme der Sctiülerzahl in den jiddischen Schulen, fort schreitende Assimilation und zwar vollständige, kultureller Niedergang der jüdischen Gasse und ihre Verödung. Hat mau uns d a 1 <! unsere Positionen abgenommen? Wenn uns Asch jetzt sagt: wo jiddisch schwindet, da schwindet auch Hebräisch, dann antworten wir: Jiddisch hält sich nur, wo es vom feierlichen Königtum des Hebräischen gestützt ist. — Wir werden au.f die Galuth nicht verzichten! In diesem letzten Satze läßt sich alles zusammerifassen, was sonst noch gesagt wurde; au zarten und unzarten Spitzen vor allem gegen die gesagt wurde, welche, die hebräischen ״Friedensredner“ des Abends waren. Sie werden in den Auf- Sätzen nicht genannt, man erkennt aber deutlich, wann Bialik und wann F i c h m a n n gemeint ist (während Uri Zwi Gijjnberg seine Hiebe nur nebenher abbekommt). Man kann sich auf eine breite und lebhafte Debatte gefaßt machen. Nachschrift : Inzwischen ist die nächste Nummer der ״Ktuwirn“ eingetroffen. Die Angelegenheit nimmt, wie erwartet, breiten Raum ein. Ficlunann antwortet in einem Dreispalten-Lcitartikel: Böser Wille hätte die Kritiker hören lassen, was sie gehört haben. Niemand, der guten Sinnes sei, könne von ihm oder den anderen Rednern des Abends er- Kanstabend im Scholem Alechem Klub Der letzte Kunst,abend des Scholem Alechem-Klubs mit Frida B 1 u m e rtft h a I, der vortrefflichen Sängerin Guttmann- Rieß und einer neuen jungen Rezitatorin, die sich neben der überragenden Künstlerin Frida Blumenthal gut behaupten konnte, gehört zu einem der erfreulichsten dieses Winters, Frida Blumentbal erhob die symbolisierende Mystik der Perezgeschichte ״Von den Kleidern, die man nicht tragt“ durch ihren Vortrag in den Bereich ganz großer Kunst. Die Sprachköstlichkeitcn und den beschwingten Humor der herrlichen Kindergeschichten Nadirs behandelte sie wie glitzernde edle Steine. Die junge Rczitatorin Mischke Licbcrmann hat eine etwas lierbe Eigenwilligkcit, die kein schlechter Rückhalt ist. Turgenicffs ״Bettler“ belud sie allerdings mit einer Sentimentalität, a!1 die Turgcnieff selbst kaum flachte, aber die ״Zwei Reichen“ sprach sie klar und mit gutem Gebrauch der sprachtechnischcn Mittel. Frau Guttinann-Rteß, in den russisch-jüdischen Kreisen hinlänglich bekannt, verdient cs, daß ein weit größerer Kreis sie kennenlernt. Pour dichesti, pocca bella sang sie herrlich überlegen, frei und mit soviel Charme, daß sie Beifallsstürme entfesselte. Ein Lied von Dr. Schüller, der auch bei den anderen Liedern die Begleitung übernommen hatte, wurde gleichfalls mit Beifall aufgenommen. R. M. Palästinensisches Musikleben. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Kapellmeister Law Lampe l veranstaltet am 1. Juni in Jerusalem ein symbolisches Konzert tsche• choslowakischer Musik, für welches das tschcchosl. Außenministerium das Notenmaterial beschafft hat. Das Protektorat hat der tschechoslowakische Konsul Dr. Fric übernommen und durch Zusage von Col. Symes, dem Gouverneur und dem diplomatischen Korps verspricht das Konzert ein gesellschaftliches Ereignis zu werden. Ausführende: palästiliensisches Symphonisches Orchester, Solist: K.Schapiro. Programm: B. Smetana: Mein Vaterland Nr. 3: ״Moldau“, A. Dvorak: Cellokonzert mit Orchesterbegleitung, A. Dvorak: Aus der neuen Welt, Symphonie. *

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