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Jüdische Rundschau · 1927-05-31 · Heft 43 (31.5.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 43 (31.5.1927)
Date
1927-05-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 43 ק- JÜEDISGHE RÜNDSCHÄO 8*3« m Aüs dem deutsch-jüdischen Leben Um den Reichsverband Tagung der Landesverbinde Auf Einladung des Preußischen Landesverbandes und des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes fand Sonntag, den 22, d. Mts. in Dresden eine Tagung der deutschen Landesverbände statt. Erschienen waren die Vertreter von neun Landesver• bänden. Eine Reihe anderer Landesverbände hatten schriftlich ihr Interesse ausgesprochen, tim Berichte gebeten und aus• drücklich hervorgehoben, daß sie der Gründung des Reichs• Verbandes nach wie vor als eine der wichtigsten Aufgaben ansehen. Als Gäste waren eine Reihe sächsischer Gemeinde- Vertreter anwesend, u. a. die Herren Dr. Lappe-Chemnitz und Dr. Sic hei-Chemnitz, die beiden Dresdener Gemeinderabbiner Prof. Dr. Winter und Dr. Wolf{. Den Vorsitz bei der Tagung führte Rechtsanwalt Dr. Sa 1 inget-Dresden. Die einleitenden Referate erstatteten Justizrat Lilienthal und Dr. Freund. Lilicnthal gab eine Zusammenstellung der Gründe, aus denen die Preußische Landesversammlung den ihr seinerzeit vorgelegten Entwurf einer Verfassung für den Reichsverband abgelehnt hat. In erster Reihe sei die Ablehnung erfolgt wegen des Mangels einer Reichstagung. Einig waren sich alle Parteien im Preußenparlament über die Notwendigkeit von demokratischen Sicherungen in der Verfassung des Reichsverbandes und in der Notwendigkeit der Verstärkung der Rechte des Preußischen Judentums. Dr. Freund erörterte an der Hand des Exposes des Gemeindebundes, in welcher Weise im Anschluß an die Beschlüsse des Gemeindetages von 1921 am zweckmäßigsten die Organisation des Reichsverbandes vorgenommen werden könne. Dr. Cohn-Dessau setzte sich mit Energie für eine demokratische Durchdringung der Verfassung ein. Dr. Klee setzte sich mit Entschiedenheit für eine auf demokratischer Basis zustande gekommene Reichstagung ein, wobei er bestritt, daß es innerhalb Deutschlands verschiedene air die Landesgrenzen gebundene Teile des Judentums gebe. Der Redner erklärte mit Nachdruck, daß seine Freunde das ganze deutsche Judentum als ein einheitliches Ganze ansehen. Ohne eine Reichstagung, die aus allgemeinen, gleichen und direkten Wahlen hervorgehe, sei die Verfassung des Reichsverbandes unannehmbar. Er empfehle, den Weg über den D.J.G. B. zu suchen. Herr Kareski wies darauf hin, daß die bisherige Taktik an Fehlern litte, daß ohne ausreichende Sicherungen die Verfassung nicht annehmbar sei. Heinrich Stern -Berlin meint, daß die grundsätzlichen Gegensätze sich wesentlich verringert hätten, daß über die Notwendigkeit der Reichstagung Einhelligkeit herrsche, daß er aber glaube, daß der Weg über die Landesverbände weniger Schwierigkeiten biete. Dr. K o 11 e 11 s c h e r - Berlin legte dar, daß bei dem Weg über den D. J. G. B. nur der Schlußpunkt unter eine bereits fertige Organisation zu setzen sei. Der Entwurf für die neue Verfassung des D. J. G. B,, der damit Reichsverband werde, werde ohne Schwierigkeit die Zustimmung der Regierungen im Reiche und in Preußen finden und so bestehe die Hoffnung, daß auf diesem Wege das deutsche Judentum in schnellster Weise zu einer Gesamtorganisation komme. Zur Abstimmung gelangte sodann ein Antrag Dr. Köllenscher-Berliti. Der Antrag lautet: ״Die Tagung der Verbände vom 22. Mai richtet an den Rat des preußischen Landesverbandes das Ersuchen, auf die Anfrage der Preußi sehen Staatsregierung betreffend die Genehmigung der neuen Satzung des D.J.G. B. eine zusagende Antwort zu erteilen. Sie erwartet vom D. J. G. B* daß ßt unverzüglich ,rach Erteilung der Genehmigung durch die Relchsregierung seine Satzungen vom 23. Januar 1921 veröffentlicht. ' Sie ersucht den D. J. G. B. nach der hierdurch erfolgten Inkrafttretung der neuen Verfassung mit den Landesverbänden behufs Beitritt in Verbindung zu treten und in kürzester Frist den Bundestag einzuberufen, der die durch die Ver■ handlungen mit den Landesverbänden erforderlich gewordene Verfassungsänderung vornimmt.“ Dieser Antrag Kollenscher wurde mit zehn gegen acht Stimmen angenommen. Sodann wurde ein A in c n d e me 111 Dr. Klee, welches folgendermaßen lautet, zur Abstimmung gestellt: ״Die Mitglieder der Reichstagung werden von den Landesverbänden, in denen ein demokratisches Wahlrecht zur Landestagung herrscht, nach den Grundsätzen des Verhältnis Wahlrechts gewählt. Wo Landesverbände bestehen, die nicht aus demokratischen Wahlen hervorgehen, erfolgen die Wahlen zur Reichstagung durch Wahl sämtlicher, in dem Gebiete des Landesverbandes wohnenden männlichen und weiblichen Juden über zwanzig Jahre nach den Grundsätzen des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts unter Zugrundelegung der Verhältniswahl.“ In der Abstimmung wurde das Amendement Klee mit zwölf gegen sechs Stimmen angenommen. Ein sodann vorgelegter Antrag Stern - Berlin, der die Konstituierung des Reichsverbandes auf demokratischer Grundlage verlangt, wurde gleichfalls angenomme n. Die Abstimmung über den Antrag Stern verbunden׳™!״{ dem Amendement Klee ergab die Annahme mit siebzehn Stimmen gegen die Stimme des Justizrats M a k 0 w e r - Berlin, ln der Diskussion verlangte Dr. Klee mit Entschiedenheit, daß die Wahlen zur Reichstagung auf Grund von Urwahlen aller in dem Gebiete eines Landesverbandes wohnenden männlichen und weiblichen Gemeindemitglieder stattfinden müssen. Dr. Kol- 1 e n s c h etr erklärt, daß auch diejenigen, die den Weg über den D. J. G. B. wünschen, in der Lage seien, für den mit dem Antrag Steril verbundenen Zusatzantrag Klee zu stimmen und daß sie Verhandlungen mit den Landesverbänden für notwendig hielten. Die Sitzung schloß mit einem Appell Dr. Klees, der darauf hinwies, daß die Notwendigkeit für eine baldige Errichtung des Reichsverbandes von allen Seiten anerkannt sei. Der Redner erklärte, daß auf Grund der heutigen Besprechungen die begründete Hoffnung vorhanden sei, auf dem Wege über Verhandlungen mit den einzelnen Landesverbänden zu einem Ergebnis zu gelangen. Es darf festgestellt werden, daß die unablässigen Bemühungen der Vertreter der Jüdischen Volkspartei in den einzelnen Körperschäften zu der Erkenntnis geführt haben, daß ein Reichs verband ohne demokratische Basis nutzlos ist, daß insbe sondere eine aus Urwahlen hervorgegangene Reichstagung geschaffen werden muß, die geeignet ist, eine Tribüne der deutschen Judenheit zu bilden. Wenngleich die Vertreter der süddeutschen Verbände ihre Zustimmung zu diesen Riehtiinien zunächst nur für ihre Person erklärt haben, darf doch gehofft werden, daß auch in Süddeutschland die Ueberzeugung allgemein werden wird, daß nur ein Reichsverband Sinn hat, der eine wirkliche Vertretung der deutschen Judenheit ist. Aufgabe der Vertreter der Jüdischen Volkspartei wird es auch weiter sein, die sich anbahnende Verständigung zu fördern, damit die Errichtung des Reichsverbandes mit tunlichster Beschleunigung erfolgen kann. Jeder verzögerten Taktik, gleichviel von welcher Seite sie kommen mag, werden die Vertreter der Jüdischen Volkspartei mit Entschiedenheit entgegentreten. Die Haltung der Volkspartei war vom ersten Augenblick an konsequent auf die Errichtung einer wirklichen und lebensfähigen Vertretung der deutschen Judenheit gerichtet. In diesem Ziele wird sie weiter verharren im Interesse des gesamten Judentums. A. Die Slaalsbeihllfc Ilir den Gemeindeverband Am 20. Mai erledigte der Preußische Landtag in dritter Lesung den Haushalt für 1927. Hierbei wurde auch die Staatsbeihilfe für die S y n a go gengemci״den verabschiedet. Es wurde die Position ״Bedurfnis-Zuschüsse an Synagogengemeinden zur Besoldung ihrer Rabbiner und zur Versorgung ihrer Ruhestandsrabbiner und der Hinterbliebenen ihrer Rabbiner“ (als Kapitel 123a Titel 70) wie im Vorjahre mit 200 000 Mark bewilligt. Dagegen wurde die Position ״Beihilfe an leistungsschwache Synagogengemeinden behufs Erfüllung ihrer Verpflichtung zur Sorge für den Religionsunterricht“ (bisher Kapitel 47a, jetzt 118d Titel 90) von 250 000 Mark auf 400 000 Mark erhöht, so daß die Ge s a mt bewillig un g für die Sy Etat 1927 auf 600 0« Mark beläuft, mit Rücksicht auf die großen finanziellen Schwierigkeiten und die hohe steuerliche Belastung der jüdischen Gemeinden 1 allergrößter Bedeutung. Wenn der Betrag auch nicht ausreichen wird, um allen berechtigten Wünschen zu entsprechen, so wird doch Hunderten von Gemeinden in erheblichem Maße geholfen werden können. Die Einrichtung der Bezirkslehrerstellen, die für die Erlialtung des religiösen Lebens in den kleinen Gemeinden von entscheidender Bedeutung sind, wird wesentlich gefördert und ausgebaut werden können. Bezirksrabbinate zur Versorgung der zahlreichen rabbinerlosen Gemeinden werden geschaffen und die Erhöhung der Gehälter der Religionslehrer bis zu den Sätzen der Gruppe 7 Zionisten! Haltet Euch Sonntag, den 19. Juni frei! Chaim Weizmann Schmar ja Levin sprechen im Lehrervereinshaus wird voraussichtlich durchgeführt werden können. Es bedarf nur dieser Andeutungen, um die materielle Tragweite des Erreichten zu kennzeichnen. Der Erfolg ist aber um so größer, als auf ihn kaum gerechnet weiden konnte. Das Kultusministerium hat es seinerzeit abgelehnt, den vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden gestellten Antrag auf Erhöhung der Staatsbeihilfe für die Synagogengemeinden an das Finanzministerium weiter zu leiten. Demzufolge ist in dem von der Staatsregierung dem Landtag vorgelegten Etatsentwurf ein erhöhter Betrag auch nicht eingestellt worden. ״Noch. der Hauptarasehuß hatte di§ Erhöhung abgelehnt. Öen üon Dr. Freund geführten persönliehen Verhandlungen mit den Parteien des Landtags und der Staatsregierung ist es schließlich gelungen, daß trotz der Stellungnahme des Hauptausschusses bei der zweiten Lesung des Etats im Plenum ein von dem Zentrum, den Demokraten, den Sozialdemokraten, der Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftspartei Unterzeichneter Antrag auf Erhöhung der Position gestellt und angenommen wurde. Auch gelang es, durch Verhandlungen, insbesondere mit dem Finanzminister persönlich, zu erreichen, daß die Staatsregierung der Bewilligung keinen Widerstand entgegensetzte. So ist bei der dritten Lesung des Etats der Beschluß der zweiten Lesung bestätigt und die Erhöhung endgültig beschlössen worden. * Vom Preußischen Landesverband. Bezüglich der Uebergangsbestimmungen zum Gesetz betr. die jüdische Religionsgemeinschaft in Preußen hat der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden Verhandlungen mit Vertrauensmännern oder Vertretungsbehörden der einzelnen Gebiete Schleswig-Holstein, Hannover, Hessen-Kassel, Hessen- Nassau eingeleitet, um zu einer Formulierung dieser Uebergangsbestimmungen zu gelangen. Die Verhandlungen sind noch im Flusse. Es ist zu hoffen, daß sie in absehbarer Zeit zu einem befriedigenden Abschluß gelangen. Zionisten nnd C.-V. Die ״C.-V.-Zeitung“ wendet sich in einem Artikel ,G e h e i m p o l i t i k c r“ gegen Naumanns Attacke ״Centralvereinigung der Ghettofreunde“, worin Naumann dem C.-V. Vorwürfe wegen der bekannten, von der ״Frkftcr Ztg.“ zu einer Sensation aufgebauschten Besprechungen von C. - V.- L e u t e n mit Zionisten gemacht und in seiner üblichen Weise den C.-V. des Verrates am Deutschtum angeklagt hatte. Aus der — übrigens sehr scharfen — Polemik der ״C.-V.-Zeitung“ dürfte auch unsere Freunde der Absatz interessieren, worin die ״C.-V.-Zeitung“ sich über die Verhandlungen äußert. Das Blatt schreibt: ״Was ist geschehen? Angewidert durch den Ton, in dem zum Bedauern aller anständigen Elemente die innerjüdischen Gegensätze immer noch ausgetragen wurden; in der Ueberzeugung ferner, daß eit! großer Teil der beiderseitigen Ertergien, die wichtigeren Arbeiten hätten zugute kommen müssen, in der Behandlung der Palästinafrage aufgewendet wurde, sind einige an der Spitze unserer Bewegung stehende Männer einer Anregung zu direkter mündlicher Verhandlung gefolgt. Man kam zusammen, man diskutierte die gemeinsamen Wunsche und die tief einschneidenden Gegensätze, in der gegeneitigen Erkenntnis, daß zwischen parteimäßig jüdischnationaler und unerschütterlicher C.-V.-Auffassung über unser Verhältnis zum deutschen Volke und zum deutschen Vaterlande letzten Endes niemals eine Brücke geschlagen werden kann.“ Ein Christ Ober Naumann ln der von dem bekannten katholischen Konservativen Adam Röder herausgegebenen ״Süddeutschen Conservativen Correspondenz“ schreibt der Herausgeber in einem Aufsatz über die ״Nationaldeutschen Juden“ u. a. folgende charakteristischen Sätze, die zeigen, wie ein wirklicher Christ über Naumanns Nationaldeutschtum denkt: ,,Der Ostjude ist für den nationaldeutschen Juden kein Bundesbruder; er tritt nicht für jenen ein, der Deutsche steht ihm näher. Dies Paradigma ist kennzeichnend für den Geist der Naumannschen Haltung und Phraseologie. Es ist ein durchaus undeutscher Geist, und noch mehr: es ist ein in hu m a n e r Geist, es istchauvini stischer Geist, es ist der Geist einer prätentiös aufgemachten Unkultur. Die wirklichen deutschen Christen sind seinerzeit für ihre armenischen Glaubensbriider eingetreten, obwohl die hohe Politik nichts davon wissen wollte. Ein deutscher Jude, der die Ostjuden — denn sind es vielleicht nicht Glaubensgenossen, so sind es doch Juden — mit einer chauvinistischen Geste von sich weist die Deutschen stehen uns näher — der mag wohl ein tüchtiger National-Deutscher sein, aber ein Bekenner des großen allgemeinen Glaubensguts edler und reiner Menschlichkeit ist er nicht. Wenn Herr Naumann glaubt, sich mit dieser chauvinistischen Visitenkarte im deutschen Volk als tadelloser Nationaldeutscher einzuführen, irrt er sich.“ - Röder schließt seinen Aufsatz mit folgendem charakteristischen Resumc: ״Auch bei vorurteilsfreiester und nüchternster Prüfung seiner Schriften kommt man über die Tatsache nicht hinaus, daß liier ein dichterisch veranlagter Mann spricht, der etwas Großes und Besonderes will, aber nichts anderes erreicht, als daß er sich in die Nebelhöhle einer schwungstarken Phraseologie verirrt hat, der auch das bescheidenste Maß politischer und sozialanthropologischer Einfühlung fehlt. Herr Naumann ist ein bcgabter Mann; aber er irrt und er irrt bedenklich, weil sein Irrtum eine Waffe wird, die sich mit der Z eit gegen ihn selbst und das von ihm vertretene Judentum richten muß.“ Die ,,Berichterstattung“ Bi n ja m i n Segel, der bekannte langjährige Mitar beiter des Central Vereins, äußert sich in der ״Jüdischen Wochenzeitung Kassel“ zu den Palästinaberichten von Dr. Bruno Weil und Staatsrat Cohn. Nachdem er zuerst auf die lange Dauer und Sorgfalt hinweist, die eine amerikanische Expertenkommission aufwandte, um die Verhältnisse Polens zu studieren, fährt er fort: ״ln Palästina vollzieht sich unter furchtbaren Geburtswehen das Werden einer völlig neuen Welt. Ein Volk, das seit Jahrtausenden der Bodenarbeit entwöhnt war, vermählt sich mit einem Boden, der seit Jahrtausenden aller liebevollen ratio- ״eilen Arbeit entbehren mußte, verwahrlost und verlassen dalag, ausgeraubt, kahl geplündert, ausgesaugt und systematisch verwüstet wurde. Und es ist eine ״Hochzeit mit Hindernissen“: Braut und Bräutigam sind blutarm, eine Menge von Nachbarn und Verwandten wollen aus allerlei Gründen die Ehe nicht zustandekommen lassen. Nirgends in der Welt, das darf wohl ohne Uebertreibung gesagt werden, sind die Verhältnisse, sowohl was die Menschen, wie auch das Land anbetrifft, so kompliziert und schwer übersehbar, wie im heutigen Palästina. Und die unschätzbaren Hochzeitsreisenden oder Lustreisenden bewaffnen sich mit dem B a e deker, kommen, blicken und schreiben! Ist das nicht eine rechte Plage für diese Arbeitsmenschen in Palästina und für uns arme Leser? Was kann dabei anderes herauskommen als ein Feuilleton? Von dieser Feuilletonliteratur übet Palästina besitze ich einen förmlichen Gaurisankar. Noch meine Nachkommen werden daran jahrelang Heizmaterial ersparen. Wenn diese liebenswürdigen Feuilletonisten sich wenigstens mit harmlosen Ergüssen begnügen wollten, poetischen Schilderungen der sternhellen Nächte, der Ruitierf, der Trachten,' deC'Cand• schaffen! Aber nein, sie fühlen sich verpflichtet, ein Urteil zu haben und es auszusprechen. Und nicht nur günstige Urteile, sondern auch ungünstige, wegwerfende, vernichtende. Und bedenken nicht, daß es sich hier um die jahre• langeArbeitunddenSchweifiarrner, hoffender und kämpfender Menschen handelt, die ihr ganzes Dasein, ihr ganzes Leben und das Leben ihrer teuersten Angehörigen in dieser Arbeit versenkt habe n. (Von uns gesperrt. — Red. ״J. R.״) Die Welt ist viel eher geneigt, einem ungünstigen als einem günstigen Urteil Glauben zu schenken, auf ein ungünstiges Urteil hin Sympathie und Hilfe zu versagen, als auf ein gjinstiges hin in die Tasche zu greifen oder sonstwie zu Hilfe zu eilen. Wenn ich also leichtfertigerweise ein günstiges Urteil ausspreche, bin ich schlimmstenfalls ein Narr. Unheil habe ich nicht angerichtet. Wenn ich aber ohne gründliches Vorstudium und reifliche Ueberlegung ein ungünstiges Urteil in die Welf hinausschreie — habe ich ganz gewiß eine schlechte Handlung verübt.“ Die Gemeindewahlen in Königsberg Königsberg, 22. Mai. (J.T. A.) Nachdem die Ge meindewahlen zur Repräsentantenversammlung in Königsberg das Ergebnis gehabt haben, daß vier Liberale, zwei Mitglieder der Jüdischen Volkspartei, zwei Orthodoxe, drei Mittelparteiler des Gemeindevereins und drei Mitglieder der religiösen Mittel• Partei gewählt waren, haben sich nunmehr die Organe der Königsberger Jüdischen Gemeinde konstituiert. Zum Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung wurde Prof. Dr. Rudolf Cohn (Jüdische Volkspartei) gewählt. Professor Cohn gehört auch der Fraktion der Jüdischen Volkspartei im Preußischen Landesverband an. Zum Vorsitzenden des Gemeindevorstandes wurde dessen langjähriger Vorsitzender Justizrat Holz (liberal) wiedergewählt. Justizrat Holz gehört' dem Großen Rat des Preußischen Landesverbandes an. Gegen das Ergebnis der Wahlen zur Repräsentantenversammlung• ist bei der Staats• behörde Protest eingelegt worden. Christliche Spender für den Keren Hajessod William Grant, Herausgeber der Zeitung ״Glad 31 dings“ in Edinburgh, beteiligt sich seit vielen Jahren aktiv an der zionistischen Arbeit in England und in den britischen Kolonien. Herr Grant ist einer der Vorsitzenden einer christlichen Vereinigung, die es sich u. a. zum Ziel gesetzt hat, den Juden bei ihrer Rückkehr in ihr Land zu helfen. Vom Tage der Gründung des Keren Hajessod begann Herr Grant unter den Lesern seiner Zeitung um Spenden füi diesen Fonds zu werben. Anfang Mai erreichten diese Bei• träge die Summe von £ 1000. Ende April veröffentlichte Herr Grant einen Aufruf an die Leser seiner Zeitung, ir welchem er sie zu weiteren Spenden in Anbetracht der schweren Lage in Erez-Israel aufforderte. Als Resultat diese! Aufrufs bekam Herr Grant von einem Mitglied seiner Ver• einigung £ 33.8. (Wie gesagt, sind sämtliche Mitgliedei dieser Vereinigung Christen.) Diese Summe wurde verwendet, um den Betrag von £ 10« aufzufiillen und dient ak ein Beispiel für die christlichen Freunde des Zionismus. Die Vereinigung befaßt sich auch mit der Sammlung von Geldern zur Anpflanzung eines besonderen Waldes in Palästina. Die Spenden werden direkt an das Hauptbüro des Keren Hajessod überwiesen. (Ziko.)

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