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Jüdische Rundschau · 1927-05-31 · Heft 43 (31.5.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 43 (31.5.1927)
Date
1927-05-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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* Seite 308 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 43 blatt ״Egyenlöseg“ einen Bericht über eine Unterredung, die er auf seiner Weltreise mit Felix Warburg gehabt hat. In dieser Unterredung erklärt Sandor, Warbürg habe ein vernichtendes Urteil über Palästina gefällt und dafür die jüdische Ansiedlung in der Krim um so höher gepriesen. Nun ist Paul Sandor ein Mann, von dem wir nicht annehmen können, daß er bewußt falsch berichtet; aber ebenso wenig glauben wir annehmen zu können^ daß Felix Warburg, von dem die ganze jüdische Oeffentlichkeit unzählige öffentliche Erklärungen über Palästina kennt, die von Sandor wiedergegebene Haltung eingenommen hat. In Berlin hat Warburg auf Befragen auch noch ausdrücklich die ihm zugeschrie* benen Aeußerungen dementiert. Der Artikel Sandors wird inzwischen mit großem Behagen von verschiedenen assimilatorischen Blättern auch in deutscher Sprache abgedruckt. Wie ist es nun möglich, daß Sandor zu einem solchen Eindruck kam? Er hat offenbar in einem harmlosen Privatgespräch, das Warburg keinesfalls als Interview betrachtete, teils Suggestivfragen gestellt, teils aus den Antworten nur das herausgehört, was er hören wollte. Er ist so sehr antizionistisch eingestellt, daß er gar nicht begreift, daß ein anderer Nichtzionist anderer Auffassung sein könne als er. Felix Warburg war noch vor acht Jahren gleichfalls enragierter Antizionist. Er wurde dann durch Dr. Weizmanns Berichte in Amerika umgestimmt, und nach seiner ersten Palästinareise haben er und seine Frau offen eingestanden, daß das jüdische Werk dort einen überwältigenden Eindruck auf sie gemacht und er seine Anschauungen geändert hat. Warburg hat besonders im letzten Jahre in Amerika Dr. Weizmann außerordentlich viel geholfen, er hat dann in Palästina eine Reihe von Erklärungen abgegeben, die sein positives Interesse beweisen, und er hat schließlieh die Vizepräsidentschaft in der Kommission zur Fest- Stellung eines Arbeitsplanes der Jewish Agency für Palästina übernommen. Warburgs Idee ist, daß dieser Plan sich auf die nächsten zehn Jahre beziehen soll und daß dafür die Mittel in geeigneter Weise beschafft werden müssen. Daß selbstverständlich Warburg auch sein Interesse an der russischen Judenkolonisation nicht aufgegeben hat, kann nur ganz naive Gemüter verwundem. Warburg hängt an dieser russischen Unternehmutig, er sieht darin ein großes jüdisches Werk, und er ist nicht der Einzige, der nicht versteht, warum die zwei Aktionen einander ausschließen sollen. Viel merkwürdiger ist, daß Paul Sandor plötzlich so sehr für die Krim zu schwärmen beginnt. Es ist dies wieder eine vielleicht unbewußte Reaktion, geboren aus dem Wunsch, irgend etwas an Stelle des Palästinaideals zu setzen. Wir Zionisten verstehen, daß die Krim keine Konkurrenz für Palästina ist Wir haben die russische judenkolonisation begrüßt als eine Rettungsaktion für die durch den Bolschewismus völlig verelendeten russi- ,tfr;me Prr,*,,,*H*/ierB^,;'j^iiseh^# ׳"" " um: damit als' eine "Stärkung des Galuthfldei ', von dessen Bedeutung wir überzeugt sind. NfeffJflilf geringste aber hat diese Sacht; m tun mit der Idee einer Heimstätte für das jüdische Volk, eines nationalen Zentrums, einer jüdischen Massen- Siedlung auf nationalem Boden. Darum verstehen wir, daß! beide Unternehmungen nebeneinander bestehen können, die eine für die Gegenwart und für einen Volks- Splitter, die andere für die Zukunft und für das ganze Volk. Wir bezweifeln aber, daß Assimilanten vom Typus Sandors auch Wir die russische Judenkolonisation ein richtiges Gefühl und eine wirkliche Sympathie haben. Von Warburg jedoch erwarten wir, daß er für beide Sachen tatkräftig einstehen wird, daß er Palästina gegenüber sein Versprechen erfüllen wird. R. W. Was Ist gute Politik? ln einem Leitartikel vom 2. d. M. schreibt Julius EI bau in der ״Voss. Ztgv“ über Masaryks politische Laufbahn unter dem Titel ״DasOeheimnisdes Erfolges“; darin stehen folgende Zeilen, die für jede politische Aktion gelten können und geradezu auf den Zionismus gemünzt sein könnten: ,JDie, Weltgeschichte geht gewiß nicht in einer schnürgeraden Linie aufwärts, und es war nicht nur eine Verteidigung der eigenen seelischen Konstruktion, wenn Dr. Stresemann vor den Vertretern des deutschen Auslandsinstitutes in Stuttgart davon sprach, daß es ,Windungen‘ und ,Krümmungen‘ gebe, Zeiten, wo man stehenbleibe, und Zeiten, wo man sogar zurückgeworfen werde. Die Radikalen, die für Jahrzehnte im voraus nicht nur das Ziel, sondern auch den Weg wissen, spielen überall die Rolle des Chors in der antiken Tragödie, der im Hintergrund murmelt und erst dann hervortritt, wenn etwas gesch ehe n ist. Wer etwas erreichen will, muß sich in die Umstände schicken, uns es ist auch keine Schande, von Skrupeln und Zweifeln geplagt zu werden. Nicht nur der Realist Masafyk gesteht das von sich selbst freimütig, sondern auch der ,Marin von Eisen‘, der das Deutsche Reich schuf. Was aber unterscheidet den Gestalter der Völkergeschicke von dem oberfläChlicheh Tagespolitiker, der immer mit dem Strom schwimmt, ohne je zu neuen Ufern zu gelangen? Wie kam es, daß Masaryk, der Waffenlose, stärker war als die Großen dieser Welt? Wie '׳erklärt sich der Erfolg seiner Sache und seiner Person?“ Pressekonferenz des Keren Bajessod in Jerusalem Im Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem fand am 23. Mai eine Pressekonferenz statt, die der Frage der Jerusalemer Universität und all ihrer Institutionen gewidmet war. Unter Führung von Dr. Magnes fand eine Besichtigung der Anstalten auf dem Skopusberg statt. Dr. Magnes schilderte in einem umfassenden Vortrag die Fortschritte der Universität und wies auf das Wachstum aller Forschungsgebiete hin. Anschließend an die Beslchtigtu1g* ,fand in den Räumen des Hauptbüros des Keren Hajessod ein Tee statt, auf dem Dr. Bergmann einen Vorträg über die Entwicklung der Universitätsbibliothek hielt. Felix M. Warburtf in Berlin Im Hause Dr. Bernhard Kahns versammelten sich am 25. Mai nachmittags jüdische Persönlichkeiten Berlins zur Begrüßung von Felix M. Warburg. Von der Gelehrtenweit erschienen Prof. Albert Einstein, Prof. Elbogen, Prof. Gotthold Weil, Prof. Heller, Prof. Dr. M. Sobern heim, Prof. Frankfurt, Dr. I. Klatzkin, Rabbiner Dr. Hildesheimer; man sah ferner das Präsidium der Z. V. f. D., Kurt Blumenfeld und Dr. Martin Rosenb 1 ü t h, Nahurn Gold mann, den Vorsitzenden des Vor- Stands der Berliner Jüdischen Gemeinde, Kammergerichtsrat o 1 f f, den Präsidenten des Verbandes russischer Juden, 1 . Jakob Teitel, den Generaldirektor der Ica, Dr. Louis ü u n g r e, den früheren Joint-Direktor James Becker, den Präsidenten des Emigdirekt, Dr. Krainin, Dr. Mark Wischnitzer, Prof. Pasternak u. a. m. Rabbiner Eh־. Hildesheimer, Mitglied der Joint- Kulturkommission, begrüßte Herrn Warburg, der einer hochangesehenen jüdischen Familie Deutschlands entstammt, und dessen Wirken von unschätzbarer Bedeutung für das amerikanische und für das europäische Judentum ist. Der Joint hält seine schützenden Fittiche über alle leidenden Teile der udenheit. Zum Schluß teilte er mit, daß Joint der Kulturommission in Deutschland 25 000 Doltar zur Verfügung gestellt hat. Staatsrat Dr. Jakob Teitel sprach Herrn Warburg in bewegten Worten den tiefsten Dank der russischen Juden für das, was er und Joint zur Besserung ihrer Lage getan haben, aus. Kurt Blumenfeld erinnerte an seine erste Zusammenkunft mit Warburg 1920 in Hamburg. Damals stand Warburg dem Palästinawerk noch sehr kühl gegenüber. Aber sein Besuch in Palästina, wo er das Werk aus eigener Anschauung kennen lernte, hat sein Interesse geweckt. Mit dem Werk in Palästina, fuhr Kurt Blumenfeld fort verbinden wir 240* nisten die Hoffnung auf eine Renaissance des Judentums. Der Redner begrüßte Warburg im Namen der deutschen Zionisten und gab der Hoffnung Ausdruck, daß aus einem Zusammenklingen der Kräfte eine Klärung erfolgen wird. Kammergerichtsrat Wolff begrüßte Herrn Warburg namens der jüdischen Gemeinde Berlins. Nunmehr ergriff Herr Warburg das Wort imd gab eine Schilderung seiner letzten Weltreise, die ihn und Herrn James Beeter durch Länder geführt hat, die die Wiegen der Religionen und Kulturen der Menschheit sind. Der Wiederbesnch Palästinas habe ihn mit besonderer Freude erfüllt. Unter Führung von Colonel Kisch und Dr. Magnes, habe er Gelegenheit gehabt, viel Wunderbares zu sehen. Wunderbar ist die Aufopferung jener, die in die Kolonien gehen. Sie erleben die schweren Jahre wie eine kurze, aber notwendige Kur. Er schilderte im Einzelnen das Leben in den Kolonien, das der Philosophie und der Heiterkeit nicht entbehrt. Es ist ein Pioniertum im besten Sinne des Wortes. Die Menschen sind belesen, erfahren, unterrichtet. Beim Besuch der Hebräischen univers i t ä t in Palästina hat er den Eindruck empfangen, daß Palästina der wirkliche geistige Mittelpunkt des Judentums werden wird. Die Studierenden in den jüdischen Colleges mögen einige Zeit an der Hebräischen Universität studieren, sie würden dann viel Inspiration mitbringen. Hervorragenden Männern der Wissenschaft ist es ein Stolz, in Palästina zu arbeiten» Herr Warburg ging min zur Schilderung seiner Erlebnisse in Rußland über. Als er nach Moskau kam, sagte ihm ein dortiger Jude, er beneide ihn, daß er die Mission hat, Auge und,-Ohr der amerik־ *tischen Jude» -zu sein. Dieses Wort ist ,!*ihr,׳ es,;1*1 gtüdäteh: gfe■ und 'Dr. Rosen ’ rfcW nun Besura’ der" füllen««■ ' Köwiffei» in Rußland aufmachte 1־lachte er, er werde Betrachter eines mühsamen Experiment sein. Eis war aber mehr als ein Experiment, es war schon ein Gelingen. Herr Warburg schilderte im Einzelnen das Werden der jüdischen Kolonisation, wie die Arbeit im ersten, im zweiten und im dritten Jahre vor sich geht. Alles ist mit Freude am Werk, Strapazen und Entbehrungen werden nicht gescheut, er sah Frauen am Häuserbau beschäftigt. Von Jahr zu Jahr vermehrt sich das Hab und Out. Die Kolonisten des zweiten Jahres verfügen bereits über Haus und Vieh, die des dritten Jahres leben bereits in einem gewissen Komfort. Ueberall sieht man saubere Häuser. Die Kolonisten sind auch geistig sehr interessiert. Man spricht vom Antisemitismus in Rußland. In der Nachbarschaft der Kolonien habe er das Gegenteil von Antisemitismus bemerkt. Namentlich die Bewohner der benachbarten deutschen Dörfer zeigen sich dankbar dafür, daß die jüdischen Kolonien ihnen mit Traktoren aushelfen, und ihnen bei der Weinpflanzung helfen. In den jüdischen Käsefabriken wird auch die Mildh der benachbarten deutschen und russisehen Bauern verarbeitet. Es herrscht ein gutes Nachbargefühl. Warburg zollte auch der Arbeit der Ica großes Lob und schloß, Joint habe in drei Jahren Tausende jüdischer Menschen auf dem Boden seßhaft gemacht. Selbst Dr. Bernhard Kahn, der das Werk von früheren wiederholten Besuchen bereits gekannt hat, war überrascht von den Fortschritten. Warburg schloß mit der Bemerkung, er hoffe, im Herbst wiederzukommen. * Der Abgeodnete der ungarischen Kammer, Dr. Paul Sandor, berichtete in ungarischen Zeitungen, er sei mit Felix M. Warburg auf einem Schiff zusammengetroffen, und dieser hätte im Verlauf des Gesprächs bemerkt, er halte die Arbeit in Palästina, die viel Geld verschlingt und nicht entsprechende Resultate zeitigt, für wenig aussichtsreich, dagegen habe er viel Freude an der Kolonisation in Rußland. Auf eine Anfrage erwiderte Felix Warburg, seine Worte seien von Herrn Sandor, mit dem er sich zwanglos unterhielt, sehr ungenau und mißverständlich wiedergegeben worden. Das Gespräch war privatim und nicht für die Presse bestimmt. Gewiß habe er nicht das gesagt, was Herr Sandor ihm in den Mund legt. Felix M. Warburg ist nach Paris abgereist, wo er am 29. Mai mit Prof. Weizmann und den Mitgliedern der Experteu-Kommission, Sir Alfred Mond und Dr. Lee Frankel eine Beratung abhalten wollte. Felix M. Warburg wird vorläufig nicht wieder nach Palästina reisen, sondern am 11, Juni nach New York zurückkehren. (Ita.) * Felix Warburg, der während seines Aufenthalts ln Moskau und auf seiner Durchreise in Warschau Gegenstand von Ehrungen jüdischer Organisationen war, gewährte in Berlin während des Empfanges bei Dr. Bernhard Kahn Zeitungsberichterstattern eine Unterredung. Auf die Frage, ob man sich in Rußland für Palästina interessiere, erklärte Warburg: ״Erlassen Sie mir diese Frage! Ich möchte in Angelegenheit der Kontroverse Palästina und Krim Ruhe haben. Mein Ideal ist, daß das amerikanische Judentum sich bereit erklärt, ein Budget für die Dauer von zehn Jahren für beide Zwecke zu garantieren. Was nottut, ist eine Vereinigung aller Aktionen. Das amerikanisch-jüdische Publikum wird, solange die wirtschaftlichen Verhältnisse in Amerika günstig sind (und kein Grund spricht dafür, daß sich die Verhältnisse ändern könnten), sich seiner Pflichten gegenüber den Notwendigkeiten des jüdischen Lebens würdig erweisen. Allerdings dürfen nicht immer wieder Spezial- Delegationen einzelner Institutionen nach Amerika kommen und das jüdische Publikum verwirren. Der Spesensatz dieser Sonderaktionen wird tatsächlich unerträglich.“ Im weiteren Verfolg seiner Erklärungen bestritt Warburg nachdrücklich, wie an anderer Stelle bereits vermerkt ist, dem ungarischen Abgeordneten Sandor gegenüber, die Aeußerungen getan zu haben, die in den Zeitungen veröffentlicht waren. Im allgemeinen sei er von dem Ergebnis seiner Reise sehr befriedigt und er werde in Amerika, hoffentlich mit Erfolg, die Oeffentlichkeit auf klären, daß die Beitragsleistung für die Aufbauwerke in der Alten Welt eine produktive Anlage Ist. Die ArbeUsvcrhäliniftse in Palästina Aus dem Bericht des Direktors des Internationalen Arbeits- ( amts an die 10. Internationale Arbeitskonferenz. Den Delegierten der 55 Mitgliedstaaten des Internationalen Arbeitsamtes (I. A. A.) des Völkerbundes zur 10. Internatiohalen Arbeitskonferenz, die ihre Tagung am 25. Mai in Genf begann, wurde in zwei stattlichen Bänden der Bericht des Direktors des I. A. A. über die Tätigkeit des Amtes im Berichtsjahr 1926/27 vorgelegt Dieser Bericht, der sich mit der Zeit zu einem Jahrbuch der nationalen und internationalen Sozialpolitik und G esetzgebung entwickelt hat, behandelt alle mit der Arbeit zusammenhängenden Fragen, nicht nur in den Mitgliedstaaten, sondern in allen bewohnten Teilen der Erde. Probleme der Arbeitszeit, der Arbeitslosigkeit, der Lohn- Politik; der Schutz der Frauenarbeit, der Kinde־ und Jugendliehen, der Seeleute, der landwirtschaftlichen Arbeiter, der Schutz vor Unfällen und die Unfallversicherung, die Hygiene in der Industrie, die Fabrikinspektion, die Nachtarbeit in den Bäckereien, die Entlohnung der Feiertage, die Soialversicherung, das Koalitionsrecht, Schlichtungsausschüsse und Schiedsgericht, Genossenschaftswesen, die Wanderungsbewegung, berufliche Ausbildung, wissenschaftliche Organisation der Arbeit, Einrichtungen für nutzbringende Verwendung der freien Zeit, Wohnungsprobleme, der Anteil der Arbeiter an der Leitung der Betriebe, Fragen der geistigen Arbeit, das Problem der russischen und armenischen Flücht- 1 inge und die Arbeitsverhältnisse in den Mandatsgebieten und Kolonien werden in besonderen Abschnitten des ersten Bandes ausführlich behandelt Unser besonderes Interesse verdient die Stelle des Berichtes, die sich mit den ArbeitsproblemeniaPalästina beschäftigt. Wir lesen dort: ״Die Arbeitsgesetzgebung in Palästina steht noch in den Anfängen. Große Schwierigkeiten bei Lösung aller Arbeitsfragen verursachen die Unterschiede zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung. Die Araber sind an primitive Lebensbedingungen gewöhnt; im allgemeinen erhält ein Araber, der bei einem anderen. Araber in Dienst steht, einen viel niedrigeren Lohn, als ein Jude der von einem Juden beschäftigt wird. Gleiche Arbeitsbedingungen für beide Bevölkerungsteile würden wahrscheinlich viel« zur Besserung 4« gegenseitigen Verhältnisse* beitragen. E^bestehtdle Hoffafng, daß br*v!d*re hfzüpHch -der A^1״tsh«dingun|pB|: la•• Ä.4•' ein »nichtiger Faktor' In der Anbahnung de» Zusammenarbeit der beiden Bevölkerungsteile bewähren werde«, "ln diesem Zu* sammenhange soll das im Dezember 1925 veröffentlichte Programen derAchduthAvodah.der bedeutendsten Arbeiter- Organisation Palästinas, erwähnt werden, in dem die Verpflichtung der Allgemeinen Organisation der jüdischen Arbeiter zur Förderung gemeinsamer Aktionen der jüdischen und arabischen Arbeiter betont wird. Die Regierung hat in der letzten Zeit zwei Verordnungen betreffend Arbeitsverhältnisse veröffentlicht: eine Verordnung vom 16. Januar 1927 verpflichtet den Unternehmer, in dessen Diensten ein Arbeiter einen Arbeitsunfall erlitten hat, zur Zahlung einer Entschädigung an denselben oder an seine Angehöri• gen. Eine andere Verordnung, ebenfalls vom 16. Januar 1927, bedroht mit Strafe Personen, die Einschüchterungsakte im Verlaufe gewerblicher Streitigkeiten begehen. Es verdient erwähnt zu werden, daß das englische Parlament während der Beratung der Gesetzesvorlage, der gemäß die Regierung ermächtigt werden sollte, eine Garantie für bestimmte Anleihen für Palästina und andere Territorien zu übernehmen, am 10. Dezember 1926 einen Zusatzantrag beschlossen hat, der den Staatssekretär für Kolonien verpflichtet, ,sich Gewißheit darüber zu verschaffen, daß bei der Durchführung aller Arbeiten, die aus den in An- Wendung des gegenwärtigen Gesetzes aufgenommenen Anleihen eine Finanzierung erfahren, angemessene Arbeitsbedingungen beobachtet werden‘.“ Der Bericht behandelt dann die Arbeitslosigkeit in Palästina und bemerkt dazu, daß ״die Wirtschaftskrise eine Abwanderung der städtischen Arbeiter In die Landbezirke verursacht hat. Die in den Städten verbliebenen Arbeiter finden Beschäftigung bei den in den Zentren stärkerer Arbeitslosigkeit unternommenen öffentlichen Arbeiten. Die organisierten Arbeiter selbst haben sich bemüht, Abhilfe zu schaffen, indem sie mit den aus Beiträgen der Mitglieder gesammelten Kapfalien, Unternehmegen gegründet und Arbeitslose in denselben beschäftigt haben. Trotz der herrschenden Schwierigkeiten bleiben die palästinensischen Arbeitsorganisationen tätig und ihre Unternehmungen machen das Land zu einem unvergleichlichen Beobachtungsfeld für soziale Versuche. Die allgemeine Organisation der jüdischen Arbeiter hat mehrere technische Abteilungen und Institutionen für soziale Fürsorge gegründet. Diese beruhen auf dem Grundsätze der gegenseitigen Hilfe, wie z. B. die Versicherung gegen Arbeitsunfälle und gegen Krankheiten. Im allgemeinen zeigen die Lebens- und Arbeitsbedingungen der jüdischen Arbeiter die Tendenz, sich den entsprechenden Bedingungen im Westen anzupassen, was im besonderen für den Standard of life, den Durchschnittslohn und die Arbeitszeit gilt. Jüdische, in der Industrie beschäftigte Kinder, scheinen unter schlechten Bedingungen zu arbeiten. In vielen Unternehmungen ist die Arbeitszeit der Kinder ungebührlich hoch, in manchen Fällen länger als die der erwachsenen Arbeiter. Die Löhne dieser jugendlichen Arbeiter sind sehr niedrig; die hygienischen Zustände ihrer Arbeitsstätten lassen viel zu wiinsehen übrig.“ Diese Feststellungen zeigen besonders deutlich, wie dringend notwendig die jüdische Arbeit in Palästina des Schutzes der Sozialgesetzgebung bedarf, die, wie es der Bericht hervorhebt, noch ״in den Anfängen“ steckt. L. Steinig (Genf)

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