Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1927)
- Date
- 1927-05-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652917--19146-2676989- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Einzelnammcr OJtS Gtoldmazk JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion and Verlag Berlin W 15, Meinekestrafie 10. Erscheint ieden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 135 Goldmark, ▼iertellährlich 5,25 Goldmark, Aurtendreboenement» werden in der Wihruns( der einzelnen Linder berechne(. Anzeigen -Verwaltung Jfidische Rundschau G.tn. b. H., Berlin W15, Meinekeslr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Telephon: Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 39? Für Oeeterrelcb: Portrearluirenunt Wien, Kants Nr. 1S6ÖI#, ■ ' i VfirT«eheckoelownltei: Paeteperluueaenit Pr»*, Konto Nr. M MO■ Für Polen: Pottspark»»en»mt Wancbaa, Konto Nr, I9078S. Red aktioos Schluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Kummer 43 | Berlin, 31. V. 1927 Ajucägeaprata $^esptdf.N08$3»re1ile«1l©©30G.*M. SieBemg«awebc0,25 G.״M* Aneeljjeoschioß: D i 0 q 1t »g Ggd F r «i 4 * g ateboi Hag 4 Ubr. *כ״ז אייר׳ תרפי | xxxu. Jahrg. P«r glonlamm «rituM tilr da» |Mlwh< Volk Oie Schaffung einer Öffentlich rechtlich gesicherten Heimstatt« in PelSstlns. ״Baseler ProgramiÄ•* Der Kongreß der Volkerbundligen Im Plenarsitzungssaal des Reichstages wurde am Donnerstag, dem 26. Mai, der Xi. Kongreß des Weltverbandes der. Volkerbundgesellschaften feierlich eröffnet. Den Vorsitz führte Prof. Aula rd, Paris, ln der Diplomatenloge nahmen die׳ Botschafter und Gesandten zahlreicher Staaten Platz, im Parkett saßen führende Persönlichkeiten der europäischen OeffentlicHkeit, die als Delegierte und als Gäste erschienen waren: Minister, Diplomaten, Gelehrte, Parlamentarier. Reichstagsabgeordneter Graf Bernsforff begrüßte als Führer der deutschen Delegation den Kongreß. Reichskanzler Dr. Marx bewillkommnete die Ligen ira Namen der Reichsregierung. Der Vorsitzende des Welfverbandes, Prof. A u1a rd, hielt dann eine längere Ansprache und kam zum Schluß eingehend auf die Frage der Sicherung der Rechte der Minaerheitsnationen zu sprechen. Zum Präsidenten des Kongresses wurde Prof. Aulard gewählt Mitglied des Präsidiums ist u. a. auch der p a I ä s 11 ־ nensische Delegierte Dizengoff. Mehreren Länderdelegationen gehören Juden als Mitglieder an. Aus Oesterreich kamen Dr. Leo Goldhammer und Dr. Ka rbach, aus der Tschechoslowakei Dr. Ma rguiies, Leitraeritz, und Frl. Dr. Mirjam Scheuer; aus Palästina Dizengoff und Dr. Mossinson, aus Bulgarien Cordovi, ferner sind in der polnischen Delegation und in anderen Delegationen Juden vertreten. Die Lage der rumänischen Juden vor dem Kongreß In der der offiziellen Kongreßeröffnung vorangegangenen Beratung der Kommission für Fragen der nationalen Minderheiten, der etwa 50 Mitglieder des Kongresses an gehören, wurde neben der Frage der Deutschen in Südtirol sehr eingehend die Frage der Verfolgung der Juden in Rumänien behandelt. Es kam dabei zu teilweise sehr erregten Auseinandersetzungen. Der Konimission lag ein Memorandum des Sekretärs der Internationalen Union, T11. Ruyssen, vor. Dieses Memorandum macht um so mehr Eindruck auf die Kommissionsmitglieder, als es von einem Nichtjuden stammt und die Tatsachen objektiv aneiiianderreiht. Das offizielle Memorandum Th. Ruyssens trägt׳ die Ueber- Schrift: ״Neue Manifestationen des Antisemitismus in RhmiAeft“ und' besagt: , . , Es wird die- Aulinerkftmkeit der. Kcuwsisiiön für dje Minder» |eitcn auf du: Lage o.-r Jeden in Runii-iKjuiurihem vom zj. (■, au das Sckrelarim ln ״■ ussel '״goandte־] .־Hk-pramin geloht. Das Tilegraiuim -•rtiplfe- <ta׳ rMman-lschfeB Liga zuip Studium übergebe« ׳eine Abschrift flog־ «eh ״ziir-lnformstion“■ m dep Generalsekretär, des Völker hup des, der den Empfang bestätigte. Der Präsident der Minderheitenkommission Sir Willougnby Dickinson hat den Generalsekretär Th. Ruyssen ersucht, Dokumente und Tatsachen in einer Abhandlang zusammenzufassen. Daraus ergibt sjcb: Rumänien ist in den letzten drei oder vier Monaten (das Memorandum ist datiert: 20. Januar 1027) Schauplatz antisemitischer Unruhen von unbestreitbarer Schwere gewesen. Folgende Tatsachen seien angeführt: Im Herbst fanden in Czernowitz Baccalaureats-Prüfungen statt, bei denen eine ziemlich große Zahl israelitischer Studenten durchfiel. Die jungen Leute hatten den Eindruck einer systematischen Eliminierang, es machte sich unter ihnen eine gewisse Erregung bemerkbar, die eine Gegenmanifestation mchtjüdischer Studenten zur Folge hatte. Ein jüdischer Student, David F a 1 i k, wurde durch einen Revolverschuß des Studenten To t u getötet. Dieses schmerzliche Ereignis versetzte die jüdische Bevölkerung von Czernowitz in Bestürzung. Am Tage des Begräbnisses des Opfers waren zum Zeichen der Trauer alle jüdischen Geschäfte geschlossen, und eine ungeheure Menschenmenge folgte dem Sarge. Von den nationalistischen Elementen wurde diese Man!- festation der Trauer als eine unerträgliche Provokation hingestellt, die Unruhen wurden allgemein und dehnten sich insbesondere über die Städte Jassy, Kischinew, Ploeschti, Fokscbani, Ungheni aus. Sie weckten im ganzen Lande eine tiefe Besorgnis und veranlagen den Senator von Beßarabien, Oberrabbiner Zir e fson , am 26. November bei Gelegenheit der Erörterung der Thronrede die Sache zur Sprache zu bringen. Zirelson appellierte an den Senat, energische Maßnahmen gegen den gefährlichen Antisemitismus, der sich über das ganze Land ausbreitet und neue Zwischenfälle befürchten läßt, zu fordern. Die Rede des jüdischen Senators weckte einen Prateststurm, man rief ihm ״Gehen Sie nach Palästina“ zu. und das Büro des Senats beschloß, seine Rede im ״Journal Officiell“ nicht zu drucken. Zum Protest verzichtete Senator Zirelson auf sein Mandat, der Verzicht wurde mit SO gegen 17 Stimmen angenommen. Zu, gleicher Zeit tagte in Jassy ein von 3000 Studenten besuchter Kongreß, der von dem bekannten Professor Cu za geleitet wurde, dessen agressiver Antisemitismus mehr als einmal die unmittelbare LIrsache zu antisemitischen Unruhen an den Universitäten gewesen war. Der Kongreß nahm eine Resolution an, die die Umwandlung des bereits praktisch arigewendeten ״N u m erus c 1 a usu s“ in einen״Num eru sn u 11 u s“ forderte, d. h. daß die Juden endgültig aus den rumänischen Universitäten eliminiert werden sollen. Auf der Rückreise von dem Kongreß machten sich die Studenten an vielen Orten schwerer Ausschreitungen schuldig. In den Eisenbahnen wurden jüdische Reisende mißhandelt und sogar aus den Fenstern und Türen der Waggons hinausgeworfen. Schwere Gewalttätigkeiten wurden auf den Bahnhöfen Foksehan i, Buzeu und Ploesc hti begangen, in Kischinew, der Hauptstadt Beßarabiens, erreichten die Unruhen ihren Höhepunkt, sie wurden von den Zeitungen als ein veritabler ״Po• grom“ bezeichnet. Die jüdischen Viertel wurden verwüstet, drei Synagogen zerstört und ausgeplündert und zahlreiche Juden verletzt. Auch die Hauptstadt Bukarest wurde von Unruhen nicht verschont. Am 10. Dezember feierten die Studenten mit Bewilligung der Regierung in einem ihnen offiziell zur Verfügung gestellten Lokal das Jubiläum der antisemitischen Bewegung unter der Universitätsjugend. Beim Verlassen des Versammlungshauses durchbrachen die Studenten die Polizeikordons, strömten in die Straßen, zerschlugen die Fensterscheiben der Zeitungshäuser ״Ade ver ul“ und ״Stampa“ und pliinderten eine große Zahl jüdischer Läden (Schneider- und Juwelierladen). Veniaftete Studenten wurden sofort wieder frei gelassen. Aehnliche Gewalttätigkeiten wurden in Bukarest am 17. und 20 Dezember, in Cluj am 23. Dezember, begangen; in Cluj drangen Studenten in dun, Saal ein, wo (eine jüdische Wohltätigkeitsveranstaltungt stattfand und mißhandelten die Anwesenden in der grausamsten Weite, man zählte 2H Verletzte. Äk.s*4■' Allmählich wurden sie Universiiä tsbetsuth vetzfehtötei. ״Atieverul״; Endlich herrscht Ruhe an oer medizinischen Fataltat; die Studenten selbst machen die Polizei, die ״Ordnung“ ist wiederhergestellt; es ist die die Ordnung des ״Numerus nullus“. Jetzt griff die Regierung ein; der Unterrichtsminister Petrovici empfing Studentendelegationen am 17. und 21. Dezember und versprach ihnen volle Befriedigung beruflicher Forderungen, wenn die Unruhen an den Universitäten aufhören. Gewisse Anzeichen ließen jedoch darauf schließen, daß im Schoße der Regierung selbst die Einhelligkeit vermißt wird, wo es sich um die antisemitische Bewegung handelt. Der Innenminister G o g a scheint mehr Nachsicht gegenüber dieser Bewegung aufgebracht zu haben, als seine Kollegen- ״Viitoruk‘ vom 22. Dezember klagte den Minister direkt an, ״die Agitation der Studenten zu dulden, ja zu ermutige!!“- Die Rede des Herrn Goga am 4. Dezember im Parlament, mit der er die Interpellation der jüdischen Abgeordneten betreffend die Unruhen in Kischinew beantwortete, rief lebhafte Ueberraschung hervor. Der Minister sagte, auf den Mord an dem Studenten Falik hinweisend: ״Ich billige nicht Aüsschreitungen, mögen sie von wo immer Kommen; aber das Unrecht ist nicht allein auf seiten der Studenten, die mit legalen Mitteln eine organisierte Aktion unserer Nation zur Vollendung bringen; ich wünsche diesen Studenten, daß sie fort fahren mögen, in ihrerScelede nF unken des nationalen Ideals za bewahren.“ Unterzeichnet ist das Memorandum vom Generalsekretär der Union der Völkerbundgesellschaften Tb. Ruyssen. (Fortsetzung des Berichtes im Inneren des Blattes.) Die Zusammensetzung der Expertenkommission Wie das Bulletin des United Palestine Appeal berichtet, erklärte der politische Sekretär der Zionistischen Welt- Organisation, Leonard Stein, der jetzt im Aufträge von Dr. Wcizmann in Amerika die weiteren Verhandlungen über die Palästina-Kommission der lewish Agency führt, daß man vom zionistischen Standpunkt aus mit dem Fortschritt, der in der Organisierung dieser vereinigten Palästina-Kornmission gemacht wurde, die unter den vereinten Auspizien der Zionistischen Weltorganisation und einer Gruppe führender amerikanischer Juden mit Louis Marshai! an der Spitze in Bildung begriffen ist, durchaus zufrieden sein könne. Wie aus der von Marshall in seinem und seiner Freunde Namen in der Presse veröffentlichten Erklärung bervorgeht, werde sich die Kommission aus repräsentablen Männern, die das Vertrauen der jüdischen Öffentlichkeit sowohl in den, Vereinigten Staaten wie auch überall ge-!ließen, zusammensetzen. Zu den beratenden Sachverständigen gehöre eine Reihe von Spezialisten, die auf ihren Spezialgebieten den besten Ruf genießen. Ihre Nachforschungen werden die Kommission mit Material für einen gründlichen und autoritativen Bericht versehen. Die Unie-suchungen werden notwendigerweise beträchtliche Zeit dauern, und es werden vermutlich zumindest mehrcre Monate vergehen, bevor die Kommission in der Lage sein wird, ihre Feststellungen zu veröffentlichen. Es werde jedoch keine Zeit unnütz verstreichen, und es liege aller Grund vor, zu hoffen, daß die erste Esperten-Abteilung schon in den nächsten, Woche 11 in Palästina an die Arbeit gehen werde- : Er brauche kaum hinzuzufügen, daß die Existeuzbcrcchtigung der Kommission nicht darin bestehe, abstrakte P r i n z i p!'e 11 f r age n zu diskutieren, sie habe sich nur mit dem praktischen Problem zu befassen, wie die unter jüdischen Auspizien in Palästina durchgeführte Aufbauarbeit fortgesetzt, ausgedehnt und, wo nötig, verbessert werden könne. Die objektive Prüfung der Hilfsquellen Palästinas soll als Grundlage für konkrete Empfehlungen dienen, die die Jewish Agency bei der Erfüllung ihrer Pflichten leiten und sie in den Stand setzen wird, den vorteilhaftesten Gebrauch von den Hilfsquellen gemäß den besten Ratschlägen zu machen, die man von wissenschaftlich gelehrten Geistern erhalten kann. Er glaube zuversichtlich, sagen zu können, daß es in diesem Punkt keine Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden zusammenarbeitendeu Parteien gelte, und daß alle Veranlassung zu der Hoffnung vorh'ege, daß der Bericht der distinguierten Körperschaft von in der Oeffentliehkeit stehenden Männern, die eingewilligt haben, der Kommission ihre Dienste zu leihen, ein wichtiges Stadium in der Entwicklung des neuen Palästina bilden wird. Jerusalem, 25. Mai. (J.T.A.) Der neuernannte Oberrichter für Palästina, Michael Francis Joseph Mc Don ne 11, ist vor kurzem in Palästina eingetroffen und hat sein Amt an• getreten. Poliüsdie Brillen Es ist eine der traurigsten Begleiterscheinungen des politischen Lebens, daß Menschen . einer bestimmten politischen Anschaltung־ nicht mehr imstande sind, die Tatsachen objektiv zu sehen und zu würdigen und vor allem sich selbst zu kontrollieren, ob nicht bei dem, was sie für ihr Urteil halten, ihr Vorurteil mitspricht. Wir wollen nicht sagen, daß die Politik die Menschen immer zu bewußten Lügnern oder Fälschern macht, vieltnehr handelt es sich um einen viel diffizileren und komplizierteren Vorgang des menschlichen Seelenlebens. Die politische Einstellung bewirkt eine Affektbelastung•, die in vielen Fällen den Blick trübt und die zur'Folge hat, daß aus der Ungeheuern Fülle der Erscheinungen, die jedes lebendige Wesen und Werk darbietet, fast unbewußt gerade diejenigen gesucht und ausgewählt werden, die dem eigenen Interesse und Wollen enlsprechen, während man für Eindrücke unempfänglich ist, die das eigene Unterbewußtsein auszuschalten wünscht. Nirgends zeigt sich das so deutlich wie bei der Be• urteilung• der jüdischen Arbeit in Palästina. Leute, die vorgeben, daß ihnen Palästina nichts bedeutet, und die daher dieser fremden Sache gegenüber eigentlich ruhiges Blut haben müßten, lassen sich in Wahrheit von politischen Leidenschaften leiten und vermögen nicht einmal den Grad von Objektivität aufzubringen, die ihnen bei jeder anderen Sache selbstverständlich erschiene. Würde es sich nicht um Juden handeln, nicht um das Werk der jüdischen Wiedergeburt, das mit bestimmten Ansprüchen an jeden Juden herantritt und ihn in seinem Innersten zu erschüttern geeignet ist, dann würden manche jüdischen Beurteiler, Menschen von Bildung und Erfahrung, wahrscheinlich sehr viel Verständnis dafür aufbringen, daß hier ein Volk aus tiefster innerster Bewegtheit und Freiheitssehnsucht um die Gestaltung seines neuen Lebens ringt, daß dabei natürlich urtiberi fejl^fre fjinde.rnls.se zu überwinden sind, daß die ■Be־. .:ifJll: Ittit üm «öS Höf•״! oic •'.,"ג•״״״:, dr :.,v«" WWnlI ' Menschen einzuschitieii ist. Die Kritiker w l k* f in der Geschichte nach Präzedenzfällen uni;U־׳׳ t •״^f würden zweifellos anztifibrew 'wissen, daßkofa,. ,!**ertc wirtschaftliche und soziale Versuche und neuartige Unternehmungen nicht beim ersten Ansturm zu hundert Prozent gelingen können, daß es notwendigerweise einen großen Prozentsatz von Mißerfolgen geben muß, daß sogar infolge der Unmöglichkeit genauer Vorausberechuung im Anfang eine Art chaotischen Schwankens imvermeidlich ist, daß aber jede Schöpfung selbstverständlieh nur aus einem solchen Chaos, aus einer Verschwendüng von Kräften, die zum Teil verloren gehen, entstehen kann. Wir sind überzeugt, daß die Kritiker Palästinas das verstehen müssen, und es ist Anlaß höchsten Erstaunens über die Seltsamkeit der menschlichen Seelenwege und über die Kleinheit des menschlichen Urteils- Vermögens, daß sie im Falle Palästinas das alles vergessen und mit einer fast triumphalen Geste die Weis• heiten verkünden, die für sie schon vor ihrer Palästinareise feststanden und für die sie, bewußt oder unbewußt, in Palästina Bestätigunggesucht haben. Es ist selbstverständlich, daß man in Palästina heute manches Ungünstige sehen und noch mehr Ungünstiges hören kann. Auch die in Palästina lebenden Menschen habet! nicht alle die Weite des Blicks und sind vor allem nicht frei 1011־ persönlichen Ressentiments, wie das j« im täglichen Leben von schwer um ihre Existenz ringenden Menschen begreiflich ist. Jeder, der nach Paiästina fahren will um ungünstige Urteile zu hören, kann diese in allen Variationen erhalten. Aber es zeugt von einer beispiellosen Oberflächlichkeit, wenn man ohne wirkliches Eindringen in die sozialen und ökonomischen Einzelheiten und Entwicklungstendenzen sich für beredt• tigt hält, der Welt letzte Erkenntnisse zu verkünden. In Wirklichkeit beweist man damit nur die Enge des eigenen Gesichtskreises, das Unvermögen, Dinge unter historischem Aspekt zu sehen. Man sollte, statt durch gefärbte politische Brillen zu sehen, auch dem Palästinawerk die Chance geben, ungestört zu reifen und sollte, selbst wenn man eine Reise getan hat, die Kunst des Schweigens lernet!. Wie sehr jeder Politiker, besonders der schlechte Politiker jüdischen Interesses nur das hört, was er zu hören wünscht, und nicht die Fälligkeit besitzt, richtig־ zu hören, dafür haben wir in den letzten Tagen einen eklatanten Beweis erlebt. Der ungarische Politiker Paul Sandor, Führer der jüdischen Assimilanten Ungarns, ein Mann, der sich durch mutiges Eintreten für die Rechte der Juden im ungarischen Parlament und in der ungarischen Oeffentliehkeit unleugbare Verdienste erworben hat, veröffentlicht im ungarischen Assimilanten-