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Jüdische Rundschau · 1927-05-20 · Heft 40 (20.5.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 40 (20.5.1927)
Date
1927-05-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JÜEDISCHE RÜNBSCHÄÜ Seite 287 י -! Kulturpolitische Diskussion §Die Möglichkeiten einer zionistischen Kultur' und Erziehungsarbeit 5§-i•:׳ Von Dr. Oskar Epstein, Brünn. KiPer repräsentativste Deutsche hat in seinen ״Maximen [d;.Reflexionen“ gesagt: ״Wir alle leben vom Verartgenen und gehen am Vergangenen zu-!;linde.“ Und mehr denn je ist in unseren Tagen die!bildete und zivilisierte, ja'übergebildete und überzivilisierte teil von dem Gefühl durchdrungen, daß Vergangenheit und Ägenwart einer neuen Auseinandersetzung bedürfen, um ikunft schaffen zu können. ״Mein unsichtbarer Gott . . .;;Vm'ein Leben, meine Bewegung, meine Freiheit, mein!Eres Wollen. Das hatte ich im Sinn, als ich sagte, daß sich?in Durst von den warmen und würzigen Getränken der itgepössischen Philosophie, Kunst und Poesie abwendet, daß r das kalte Quellwasser ihn löschen kann. In unserem ehen '» aber ■ gibt es kein lebendiges Wasser mehr; alle jiellen sind in Reservoire eingeschlossen, ihr Wasser ist in fometerlange Röhren geleitet und wird dann noch in )estillatoren sterilisiert; schließlich wird dieses kraftlose aß einer städtischen Verarbeitung unterzogen: wir.trinken |tweder gekochtes Wasser oder komplizierte Getränke, die e möglichen Geschmäcke, Farben und Gerüche haben, »jmitten dieser prächtigen Behälter einer jehten und warmen Philosophie, einer heiatische Poe _ _ chluck kalten _ zu finden.“ So spricht — und das ist kein lufall — ein Jude, und zwar der 1925 verstorbene Gercfhenson*), der in seinem Werk ״Der Schlüssel zum ilauben“ gezeigt hat, daß er die jüdische Vergangenheit auch 1! dem Zustande, als sie noch ״kaltes Quellwasser“ war, fehl kennt. Wer sollte sich auch brennender als der Jude ch jener Unmittelbarkeit des Lebens sehnen, die Gerschenson ■ph das kalte Quellwasser symbolisiert! Ragt doch selbst?die raffinierteste Kultur und Zivilisation immer noch mehr nmittelbarkeit herein,,als in jenes Erbe des Ghetto- ®®1־',־ntums, das, soweit sie noch besteht, f e jüdische Welt ist, mit seinen die Volks- :enz freilich rettenden Folianten, aber nur Folianten! Als wir noch mit Herzls ״Alt-!uland“ davon träumten, zwischen 1920 und i930. aus dieser j[ejf 'der Abstraktionen ganz in die Welt palästinensischer fklichkeit versetzt zu werden, da schien «ns die Schaffung erlebenentsproßnen und lebenzeugenden jüdischen Kultur :;Frucht einer wunderbar raschen Kolonisation und wir sahen ton-vor uns, wie sie «ns von selbst ln den Schoß fallen Ird. Heute aber, wo es klar ist, daß die Entstehung eines ülturschöpferischen Palästina noch soviel Zeit brauchen n'rd, daß man sie unmöglich überspringen kann, türmt sich 1 die Aufgabe vor uns auf: Wie schaffen wir eine ue Auseinandersetzung zwischen Verganepheit und Gegenwart, um Zukunft schaffen i k ö n n e n?. Denn über der Erkenntnis Goethes, daß ״wir alle!;Vergangenen zugrunde gehen“ und wohl auch Geii'ppipufen, än ihr yorze-itig zugrunde zu gehen, dürfen andere nicht, vergessen, daß — ״wir alle von der «ikijgenhejt leben“,: Diescrneue* Auseinandersetzung' zwischen ischer Vergangenheit und jüdischer Gegenwart ist zulindest in ihrem Anfangsstadium vor allem eine unentbehrche Voraussetzung jeder Erziehung jüdischer f.ug e n d ,־ die am allerwenigsten mit ״Limonade“ gespeist!erden kann.-Aber auch eine ernste zionistische Kul- ' e i t unter den Erwachsenen kann ohne sie unmöglich Wir müssen uns daher vor allem davon befreien, den chwerpunkt der ■ Erziehung einseitig in dem zu vermittelnden Stoff“ zu suchen, bestehe er nun in Märchen, Bibellesen, in irzählungen von Palästina oder was auch immer. Nur so weit ieser Stoff im wesentlichen eine Auswahl aus einer genwärtigen wirkenden Welt bedeutet, kommt für die Erziehung in Betracht. Auch deutsche Märchen — 1 denen in der kulturpolitischen Diskussion d. ״J. R.“ die jede war, — setzen, wenn sie gut sein sollen, deutsche Wirkchkeit und deutsche Erziehung voraus. Darum hat inneraib der jüdischen Erziehung in der heutigen Situation die raditionsgebundene ein so ungeheures Uebergewicht Der raditionsgebundenen jüdischen Erziehung steht benso wie der deutschen, französischen, tschechischen, polischen oder englischen ein ״Stoff“ zur Verfügung, der das Resultat einer früheren jüdischen Erziehung ist, die die Auswahl aus einer damals wirkenden, jüdischen Welt war. | In weiten jüdischen Kreisen ist aber diese jüdische Welt;heute keine wirkende Welt ,mehr. Und ob man nun die teilweise Säkularisierung des Judentums gleich H o 1 d h e i m als den Anbruch eines neuen goldenen Zeitalters preist oder nicht, das eine ist sicher: Trotz Agudah und Misrachi ist die Welt ier jüdischen Tradition nicht nur heute für weite jüdische Kreise keine gegenwärtig wirkende Welt mehr, sondern wird es zweifellos in naher Zukunft überupt nicht mehr sein. Darum ist die Frage, wie eine ar nicht traditionslose, aber doch nicht traditionsgebundene, tjdische Kultur und Erziehung geschaffen werden kann, nicht iur eine Frage derjenigen, am meisten interessierten Zionisten, denen die Welt der jüdisenen Tradition heute schon keine wirkende Welt bedeutet, sondern auch derer, denen sie sie heute noch bedeutet, aber in naher Zukunft ebenfalls nicht mehr bedeuten wird. So ist die Frage der jüdischen Kultur und Erziehung heute;im Grunde eine Frage des Gesamtjudentums. Zu ihrer Lösung [gehört vor allem die Beantwortung einer anderen Frage, der [nämlich, ob eine nach Ort und Zeit gegenwärtige gpd wirkende, jüdische Welt existiert. Daß das entstehende jüdische Palästina heute das Problem nicht lösen kann, ist Wohl selbstverständlich! Am problematischsten ist die Beant- Hortung dieser Frage gewiß für den Westen, aber auch der Osten macht1 nur ihre Zurückdrängung leichter, überflüssig ist sie bei näherer Betrachtung auch dort durchaus nicht (Wie Wir die traditionsgebundenen als noch nicht traditionslose Juden gezagt haben, so sind die Ostjuden im Grunde nichts;anderes als noch nicht Westjuden!) So ist letzten Endes die Beantwortung der Frage, ob es für den traditionslosen .Westjuden noch eine wirkende, jüdische Welt gibt, zugleich :dje •:Beantwortung derselben Frage für den traditionsjr:' *) Zitiert nach ״Die Kreatur“, Jahrgang 1, Heft II. Verlag ■Lambert Schneider, Berlin (Mitherausgeber Martin Bubet), gebundenen Westjuden und den sei es traditionslosen oder traditionsgebundenen Ostjuden. Martin Buber, dem diese Ausführungen viel verdanken, hat die wirkende jüdische Welt, die auch noch für den traditionslosen Westjuden vorhanden ist, als das ״Blut“ definiert: als eine besondere Reaktionsweise also auf die umgebende Wirklichkeit Schließlich verhält es sich auch mit der wirkenden Welt . anderer Völker nicht anders. Wenn jemand von Deutschland nach Frankreich kommt und dort im Verkehr mit den Menschen, in Cafes und auf Eisenbahnen, grob ausgedrückt, mehr Aufgeschlossenheit und ästhetische Instinkte, aber weniger Ordnung feststellen kann als in Deutsch- Iand, so hat er vor seinem geistigen Auge ein Stück französischen und deutschen ״Blutes“ ausgebreitet. Daß er das jüdische ״Blut“, wenn er unter Juden kommt, vor seinem geistigen Auge nicht ausgebreitet, sondern nur angedeutet findet, das macht die Notwendigkeit einer besonderen Methode jüdischer Kultur- und Erziehungsarbeit aus. Durch die Institutionen, die ein Volk mit eigenem Lande und eigener Sprache sich aus seinem ״Blute“ heraus schafft, wird dessen Wirkung so verstärkt, daß es weithin sichtbar und erkennbar wird, daher auch ohne weiteres zum Ausgangspunkt einer Erziehung werden kann. Bei einem Volke also, das im eigenen Lande wohnt und die eigene Sprache spricht, daher die Voraussetzung für die Schaffung normaler, eigenwüchsiger Institutionen besitzt, besteht Kultur und Erziehung in der Auswahl aus der geformten und obse weiteres sichtbaren Auswirkung der Eigenart des Volkes, dem der zu Erziehende (Erziehung) oder der zu Führende (Kultur) angehört, und ihrer Verknüpfung mit der Vergangenheit Bei einem Volke hingegen, das Land und Sprache nicht besitzt und daher die Voraussetzungen zur Schaffung normaler, eigenwüchsiger Institutionen nicht hat, besteht Kultur und Erziehung in der Auswahl aas der in Formung begriffenen und nur unter besonders günstigen Umständen erkennbaren Auswirkung der Eigenart des Volkes, dem der zu Erziehende oder zu Führende angehören, und ihrer Verknüpfung mit der Vergangenheit Die notwendige Anomalie jüdischer Institutionen besteht In der Begrenzung ihrer Wlrkungsmöglichkeit durch entsprechende Institutionen des umgebenden Volkes. Diejenige Anomalie der heutigen, jüdischen Institutionen aber, die beseitigt werden kann und beseitigt werden muß, wenn es jüdische Kultur und Erziehung geben soll, ist ihr teils dekorativer, teils demonstrativer Charakter. Trotz aller reformatorischen Bemühungen auf dem Gebiete der jüdischen Wohltätigkeit zeigt sie gegenüber der nichtjüdischen, sozialen Fürsorgetätigkeit (auch soweit Juden an ihr beteiligt sind!) einen deutlichen Unterschied in dem Sinne, daß das ״gute Herz“ und die Betonung des jüdischen Charakters der Aktion (sogar bei einer solchen von ausgesprochenen jüdischen Assimilanten) gegenüber der. Frage nach der konkreten Auswirkung und praktischen Wirksamkeit der Aktion stark in den Vordergrund tritt. (Zum Beispiel Wohltätigkeit anstatt Wohlfahrtsarbeit! Es kommt mehr auf das Gefühl an, wohlzutun, - als auf die Frage,, inwieweit die Wohlfahrt der Bedürftigen wächst.) Können nun jüdische Institutionen außerhalb Palästinas wirklich eine, wenn auch nur unter besonders günstigen und noch zu besprechenden Umständen, erkennbare» Auswirkung der Eigenart des jüdischen Volkes bedeuten und infolgedessen die Fähigkeit erhalten, einer der wichtigsten Voraussetzungen für eine jüdische Kultur und Erziehung abzugeben? Denn nur insoweit Denken, Wissen und Fühlen die Kraft beweisen,- das Leben ihrer Träger zu formen, was nur auf dem Wege von Institutionen möglich ist, sind sie Kultur und schaffen daher auch die Voraussetzung für eine jüdische Erziehung. Daß wir dem Umfang nach trotz des Fehlens von Land und Sprache imposante, jüdische Institutionen zu schaffen imstande sind, lehren die Tatsachen. Die Summe der religiösen, politischen, phiiantropischen und kulturellen jCtdischen Institutionen kann es dem Umfang nach mit denen einer auch der Zahl nach größeren Volkes aufnehmen. Daß die Qualität soviel zu wünschen übrig läßt, geht darauf zurück,.daß wir nach einem Worte Welzmanns Krieg mit der Geographie führen oder mit anderen Worten, daß bei uns das Zusammenspiel der Kräfte nicht von vornherein durch lokale Zusammenhänge gegeben ist. Der Umfang der jüdischen Institutionen aller Art beweist unzweideutig, daß ein wirkliches Bedürfnis nach ihnen vorhanden ist. Sollen sie aber Leben gestalten, müssen sie durch ziclbewußte Führung den teils dekorativen, teils demonstrativen Charakter durch einen funktionellen ersetzen oder mit anderen Worten: die religiösen, politischen, phiiantropischen und kulturellen Institutionen des jüdischen Volkes müssen durch eine zielbewußte Führung restlos der Gestaltung des Lebens der jüdischen Menschen und ihrem Zusammenleben dienst- Bei einem Volke, das in seinem Lande lebt und seine Sprache spricht, wird diese Gestaltung vom Leben selbst besorgt. Ein Volk hingegen wie das unsere braucht zu diesem Zwecke bewußt geschaffene Konzen trationspunkte. Es ist klar, warum die bei uns so schwer zu schaffen sind und daher mit Bewußtsein geschaffen werden müssen. Für uns, die wir über die ganze Erde verstreut sind, gilt doppelt und dreifach das russische Sprichwort: Rußland ist groß und der Zar ist weit. Was zwingt zum .Beispiel einen Vorträge veranstaltenden Verein in Stockholm, bei den Vorträgen, die er halten läßt, auch einen paralleien Verein in Kapstadt in Betracht zu ziehen? Und mit der Fremdheit der Arbeitsorte untereinander geht die Fremdheit zwischen den verschiedenen Arbeitsaufgaben parallel. Die Rabbiner kümmern sich ebensowenig um die politischen Vertretungskörper, diejenigen, die sich mit diesen beschäftigen, um die Wohltätigkeitsvereine, diese um die Kolonisations- Wegen des Himmelfahristages erscheint die ״Jüdische Rundschau“ in der nächsten Woche nur einmal and zwar am Mittwoch, den 29. d. Mts. (als Doppel-Nummer). I iRiuniiüiiiiiiuiiiiiiniiniimiiiiiiiiinimiiiiniiHmiiirninniiflnii^niiiiiiiifimnnnniHiiiiiininiiiiinniminiiiiiiniifHiUCT gesellsehaften, diese um die‘Sefrulvereine, wie die Schulvereine• 3 um die Jerusalemer Universität׳ usw. usw. Wäre dem nicht,; so, dann wären alle diese mit hoch anderen Institutionen zu-fä sammen wohl imstande, die nach Ort und Zeit gegenwärtige,» wirkende jüdische Welt zu schaffen. Es könnte zwar nicht! 1 eine Weit sein, die die Umweit vollkommen nach dem; Bil^l ־ der eigenen Art formt, wohl aber eine Wett, die die Umwelt /׳ so weit nach dem Bilde der Eigenart zu formen ,.־■ vermöchte, daß diese nicht in ihr zugrunde gehen müßte, bevor sie ihre Existenz durch den inzwischen genügend fortgeschrittenen Aufbau Palästinas endgültig sichern״׳?!; Es gibt keine jüdische Institution, die nicht letzten Endes•׳־ den Zweck verfolgen wfi;de, jüdischen Menschen zur Selbst-־ [ erhaltung innerhalb der nichtjüdischen Umwelt zu verhelfen. Eine wirklich fruchtbare Bewältigung des jüdischen Problems wird aber erst demjenigen Zusammenschlüsse ■ ge-[ lingen, der die Bewältigung seiner Teilaufgabe auf einer, sach- : : gemäßen Bewältigung sämtlicher jüdischen Tcilbestrebun׳׳׳:?׳׳ .־,■ gen aufzubauen vermag. ' , . Die größten Möglichkeiten in dieser Beziehung hat Zweifel-:;■;:, los die Zionistische Organisation mit ihren Institutionen. Den« in dem Maße, als der Kongreß als ״Tribüne des jüdischen:•; Volkes“ an Bedeutung verliert, kann er als gegenwärtig größte,: Möglichkeit zur Schaffung einer alljüdischen Führungsautorität die größte Bedeutung erlangen. Zum Ernstnehmen. , der bisher zersplitterten Bemühungen um eine Anpassung; der jüdischen Wirklichkeit an die jüdische Eigenart und damit Um '. die Schaffung einer der unentbehrlichen Voraussetzungen aller ' jüdischen Kultur und Erziehung besteht bereits ein Ansatz;',;;!; Er besteht in der Teilnahme von Zionisten an allen diesen.) Bemühungen. Zionisten errichten jüdische Schulen, beteiligen"•• sich als Zionisten 'an der Führung der Gemeinden, an nichtjüdischen Verwaltungskörpem, an Turn- und Sportvereinen usw. , usw., eine Teilnahme, die sichtlich immer noch an Umfang;״׳׳ gewinnt. Die bisherigen Erfahrungen scheinen freilich mit den Grundanschauungen dieser Zeilen;: zunäcl|sfe?S:f in entschiedenem Gegensätze zu stehen, denn die Teilnahme,־';'; derjenigen, die von der gleichen Weltanschauung des VorkriegSr1;־'. Zionismus aus an die verschiedenen Bemühungen .?judischen&te Lebens herantreten,• hat nicht vermocht, ihnen das;»Geprägtes»^ einer Auswirkung jüdischer Eigenart zu gefien. Doch scheint' das bloß gegen die Möglichkeit einer solchen zu sprechen. ׳ Denn zu ihrer Schaffung genügt nicht eine statische, geringere oder v; größere weltanschauungsmäßige Einheitlichkeit״ die vorhanden ■׳■׳ war, sie bedarf vielmehr einer systematischen Einheit, die noch; ■» zu schaffen ist, so etwa, wie die einzelnen Teile eines mensch:_, liehen Körpers nur dadurch zum Ausdruck eines ■ einheitlichen’־«;; Ich werden können, daß sie von einem einheitlichen Zentrum;«'׳; Gehirn und Rückenmark geleitet werden, das auf die Probleme.;'» der Umwelt durch die von ihm geleiteten Glieder immer nette und doch deutlich als Einheit fühlbare Antworten gibt. Daß die zentralen Organe der heutigen Zionistischen Organisation ■׳ , ■ noch nicht imstande sind, Landespolitik und Gemeindetätigkcit, Fürsorgeaktionen und Schulen, jüdische wissenschaftliche.״In•:.׳.'; stitutionen, jüdisches Turnen und poch manches andere ,-in.- immer steigendem Ausmaße zur Einheit zu gestalten,׳ braucht, wohl nicht erst bewiesen zu werden. Und da es,zwar durchaus?;,;:; möglich, aber keineswegs leicht ist, jene zentralen!.׳Organe׳»;'!■ so umzugestalten, daß aus Geschäftigkeft Ausdpuckfe« der Volkseigenärt -wird, werden alle'Bemühungen 'um 'V Schaffung einer jüdischen ■Kultur und Erziehung auf die UuT־•’ bildung der zentralen Organe der Zionist:- sehen Organisation — und last not least der zentralen Organe ihrer Institutionen — zu Organen einer ernsten Gestaltung der heute noch zieland,richtun'glpsen•'w; Ansätze eines jüdischen Lebens verwandt werden müssen. v,« J Dem jüdischen Philosophen Gerschenson, desseng,'j« Ausspruch eingangs zitiert worden.ist» antwortet, sein׳ru s51־»;־?׳ scher Freund iwanow: ״Die Erinnerung läßt ihre? wahren Diener der ״Initiationen“ d e r : V ä te r teilhaftig[?; ׳ werden und vermittelt ihnen, indem sie solche in ihnen er-, die Kraft neuer Anfänge, neuer Ansätze.;.“ Gege ist das Wesen jeder nationalen Kultur. Wenn in dem letzten Stadium der ״Kulturpolitischen Diskussion“ der ״Jüdischen Rundschau“, das dem Schreiber dieser Zeilen '׳. vorlag, Dr. Adolf Leschnitzer ״in erster Linie“ ״ein lebendiges Verständnis für die Bibel, den Talmud und die' . Werke der mittelalterlichen jüdischen Philosophie fordert“, so;־. unterschätzt er dach trotz , allem offenbar den notwendigen ׳;:;’׳ Kraftaufwand, den die ״Verlebendigung“ voraussetzt. Sons!; könnte er auch nicht sagen, daß ׳uns ״unser Zionismus gegen ' die Preisgabe des Judentums feit.“ Um das behaupten zu können, müßten wir erst den Wirklichkeitsgehalt des Zionismus sorgsam prüfen! Die Kraft zu neuen Anfängen und neuen Ansätzen, die eben eine der unentbehrlichsten״ Voraussetzungen jeder nationalen Kultur und! daher auch? , jeder nationalen Erziehung sind, wird freilich durch die Erinnerung, durch die Nachwirkung der nationalen Vergangenheit vermittelt. Aber zur Ermöglichung dieser ־ Vermittlung bedajf sie des nationalen ^Alltags, der die Ver; gangenheit vor ״Müdigkeit und Unterbrechung der Bewegung, f Niedergang und Rückkehr zum Zustand einer relativen Träg:״,;[? heit“ bewahrt (um die Ausdrücke Iwanows zu gebrauchen). [ Ein Volk wie das jüdische, dessen nationaler Alltag׳ erst [[4׳ iti einer tausendfach gehemmten Formung begriffen ist, muß ״fe ihn durch B e wu ß t s e i n s z e n t r en , dip zugleich For-!'; mungszentren wären, Instand setzen, die Vermittlung;'[״ zwischen der Vergangenheit und einer allzu schwankenden!Ge: 1־׳,;; genwart immer neu za schaffen. In diesem Sinne ist besonders heute das Gebet zu verstehen: ’!“שיבנו יי אליך (נשובה חדש ימינו כקדם! Erfüllen wir alles, was es heute an jüdischen Bemühungen gibt, unter Ausnützung aller praktischen;?״ Möglichkeiten mit wahrem Leben und wir werden diesem ■ ׳ wahren Leben selbst und damit Gott immer näher kommen. »?־.־; Dann wird auch die Berührung mit der jüdischen Vergangen:'[\ heit zu immer ״neuen Anfängen und neuen Ansätzen“, d. h׳;'^- zu immer neuem Leben führen und damit auch erst die Ver-‘“’™ gangenheit beleben und instand setzen, der Stoff — ■jetztt*f!5! können wir dies Wort ja unmißverständlich gebrauchen'■‘«־'■}iß, jüdischer Erziehung und Kultur zu sein. 'י Der britische Oberkomraissar für Palästina, Feldnurschall Lord Plumer hat eine Reise nach England angetreten, wo ec ,: seinen Urlaub verbringen wird. Colonel Sy mes,:der Chef* Sekretär der Palästina-Regierung, wird ihn während;seiner Ab-,״ j Wesenheit vertreten.

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