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Jüdische Rundschau · 1927-05-17 · Heft 39 (17.5.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 39 (17.5.1927)
Date
1927-05-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 282 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 39 Die Wanderertflrsorge Die Mitgliederversammlung der Hauptstelle für jüdische Wandererfürsorge, von der wir in der vorigen Nummer kurz berichtet haben, wurde von Eugen Caspary, dem Vorsitzenden der Zentral wohlfahrtsstelle der deutschen Juden, mit einer Ansprache eröffnet, in der er einen Rückblick aut die Geschichte der jüdischen Wandererfürsorge in Deutschland warf. Hierauf wurde ein Präsidium, bestehend aus Justizrat Straus - München und Sa li ng e r- Dresden gewählt. Es folgten Begrüßungsansprachen des Vertreters des Arheitsminister! ums, der Reichsarbeitsstelle, der Stadt Berlin, der drei großen Wandererfürsorge-Verbände Deutschlands usw,, die im Namen ihrer Aemter eine enge Zusammenarbeit in Aussicht stellten. Namens des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands begrüßte Dr. Haase die Tagung, namens des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde begrüßte Dr, A. Sandler. Namens des Joint Distribution Committee wies Dr. Werner Senator darauf hin, daß sich der Leiter des europäischen Joint-Werkes, Dr. Bernhard Kahn, führend an der Gründung der beiden Organisationen beteiligt habe. Namens der Gesellschaft Hiasfca-Emigdirekt sagte Dr. Brutzkus, das jüdische Volk habe unter den Katastrophen des Krieges und der Bürgerkriege, sowie unter den nachfolgenden Wirtschaftskatastrophen am meisten gelitten und habe die meiste Zahl Unglücklieber zu versorgen. S. Lifschitz begrüßte die Tagung namens des Hillsvereins der deutschen Juden. Es folgten sodann drei Referate über ״die jüdische Wanderung in Deutschland und die Probleme ihrer Produktivierung“. Den Rahmenvertrag hielt Alfred Berger, der die politischen und sozialen Hintergründe des Problems beleuchtete. Das Problem der jüdischen Wandererfürsorge ist von besonderer Art und erfordert eine spezifische Arbeit. Eine Präzisierung des Zieles und der Wege dieser Arbeit bedeutet schon einen wesentlichen Schritt nach vorwärts. Es handelt sich nicht mehr um die alte Wan de rarm en f ü rsorge, sondern um ein sozialfürsorgerisches Problem: Menschen wieder in den Kreis der sozialen Ordnung zu bringen. Das Wandernmüssen ist ein Teil des schweren jüdischen Schicksals. Jetzt aber gibt es kein Einwanderung^- land. Nordamerika ist versperrt, Südamerika und Kanada stehen nur gewissen Kategorien offen. Dennoch wissen wir — und wir sind verpflichtet es zu wissen — daß im Osten noch Ueberraschuagen bevorstehen, die einen Strom der Wanderung in Bewegung setzen können. Wir erleben jetzt das mittelalterliche Schicksal, daß man Juden, die sich zur Arbeit drängen, nicht zur Arbeit heranläßt. In Deutschland wie im Ausland besteht ein gesetzliches Arbeitsmonopol für Inlandsarbeiter. So werden arbeitswillige Juden künstlich zum HIndlertum gedrängt. Der Staat selbst fördert dadurch die unproduktiven Berufe. Wir wissen, daß es sich bei den jüdischen Arbeitsuchenden um ehrliche Elemente handelt. Von 000 מ Namen stehen nur 1800 auf der Warnungsliste. Jetzt ist das Problem der deutschjüdischen Wanderer, das früher abgeflaut war, wieder akut geworden. Bei 30 bis 400/0!aller Vorsprechenden handelt es sich um deutsche Juden. Dies Hegt nicht allein in der allgemeinen Depression, sondern Im besonderen Schicksal der Juden, in der Schwierigkeit für jüdische Arbeitslose, Arbeit zu finden. Die jüdischen Angestellten werden in Deutschland, in den Warenhiusera wie in dem Banken, boykottiert; auch in Häusern, deren Direktoren Juden sind. Die Deutsche Bank in allen ihren Zweigen, die A. E. G., der Siemens-Konzern und andere «wie Betriebe stellen durchweg keine Juden ein. Der - iejkpttjM»er Angestellter .geht bis in die .Kreise des . Äze&nÄ' hinein Der Boykott der jüdischen Angestellten fördert den Austritt aus dem Judentum. An beiden Enden bröckelt das Judentum ab. Die obere Spitze des Mittelstandes und die untere Spitze der Arbeiter — der beste und wertvollste Teil des Judentums — gehen verloren. ־ Der Redner schloß: Es ist notwendig, eine sozialpolitische Verbindung mit den internationalen jüdischen Organisationen zu schaffen. Die Wanderer sollen produktiven erufen zugeführt werden. Die Behörden sind zu überzeugen, daß der Staat sich selbst schadet, wenn er Arbeitswillige zum Händtertum zwingt. Die jüdischen Arbeitsnachweise sind auszubauen, Arbeitsstätten sind zu schaffen. Die Hilfe kann nur kommen durch jüdische Arbeit. (Starker Beifall.) Es folgten dann die Referate der Herren Caspary und Rudel, die eine Reihe praktischer Vorschläge brachten, die io nachstehenden, auszugsweise wiedergegebenen, Leitsätzen gipfelten. Caspary: Die jüdische Wandererfürsorge ist nur ergänzende Fürsorge für In- und Ausländer gleichermaßen; sie muß deshalb bestrebt sein, öffentliche Mittel, soweit sie im Rahmen gesetzlicher Möglichkeiten zu erhalten sind, heranzuziehen; sie darf sich nicht darauf beschränken, Wanderer nur zu befördern, d. h. durchgreifende Fürsorgemaßnahmen von einer Stelle auf die andere abzuwälzen; sie ist zur durchgreifenden Fürsorge vcrpflichtet, d. h. sie muß in erster Lime darauf bedacht sein, soweit wie irgendmöglich, Maßnahmen zur Produktivierung der jüdischen Wanderer zu treffen; das entscheidendsie Mittel für ein System produktiver Wanderfürsorge ist die unmittelbare Ueberführung in das Wirtschaftsleben durch den Arbeitsnachweis. Das Problem des jugendliehen Wanderers erfordert rechtzeitige Lehrstellen- Vermittlung und Berufsberatung (Berufsumschichtung). Neben dem Arbeitsnachweis ist zur Produktivierung der jüdischen Wanderung ein System produktiver Hilfsmaßnahmen notwendig. Die durchgreifendste produktive Hilfsmaßnahme wäre erdgebundene Beschäftigungs- ‘mögüchkeit in Arbeiterkolonien. Für eine gewisse Kategorie jüdischer Wanderer wären Arbeitsplätze (Hoizspaltung usw.) zu errichten. Daneben geben in größeren Gemeinden Kleiderkammern, verbunden mit großzügigen Brockensammlungen (Nachlaß-Verwertungsstellen) mit Werkstätten aller Art ausgedehnte Arbeitsmogüchkeiten für fluktuierende Elemente. Verselbständigung von Gruppen in gleichartiger Beschäftigungsmög- Hchkeit (Arbeitergenossenschaften oder Etablierung von Unternehmern mit der Aufgabe, Arbeitskräfte von den Wandererfürsorgestellen zu beziehen). Darlehnskassen und produktive Kredite. Rudel: Die jüdische Wandererfürsorge kann nicht an der Tatsache Vorbeigehen, daß ein großer Prozentsatz der von ihr betreuten Personen im Rahmen der aufgestellten Richtlinien keine wirksame Hilfeleistung finden kann. Außer der nicht geringen Zahl asozialer und erwerbsbeschränkter Elemente, die, aus der Bahn geschleudert, aus der Wanderung von Gemeinde za Gemeinde einen Beruf gemacht haben, sind jene ausländischen, größtenteils staatenlosen Wanderer zu betreuen, die nicht ohne weiteres in Arbeit gebracht werden können, bei denen es monatelanger Arbeit bedarf, bis ihre Legitimationspapiere geordnet und ihre Staatsangehörigkeitsverhältnisse geklärt sind. Da es bis heute nicht möglich ist, derartige Elemente für längere Zeit zu beherbergen und zu beschäftigen, wandern sie ziellos oft ohne Inanspruchnähme der Wandererfürsorge von Ort zu Ort, verlieren jeden inneren Halt und werden zu einer dauernden und unproduktiven Belastung der Wohlfahrtspflege. Aus ihnen rekrutiert sich dann ein ziemlich bedeutender Teil jener Elemente, auf die durch die Warnungsliste aufmerksam gemacht wird, denen aber nicht immer die Hilfe versagt werden kann. Aus diesen Gründen sowie um eine möglichst weitgehende Fürsorge für derartige Elemente zu ermöglichen, ergibt sich die Notwendigkeit der Schaffung von Ein riehtungen, die ihre vorübergehende Aufnahme und Beschafftgung ermöglichen, bis es gelingt, sie wieder in geordnete Verhältnisse zu bringen. Auf Grund der bisher geleisteten yorarbeiten kommt als derartige Einrichtung in erster Linie eine landwirtschaftliche Arbeiterkolonie in Frage, wie sie ähnlich bereits in der allgemeinen und konfessionellen Wandererfürsorge bestehen. Der Tagung lag ein Gutachten von Güterdirektor Dyk, Pastor Braun und Geheimrat Aeroboe vor, das die Gründung einer Arbeiterkolonie für 50 Arbeiter vorschlägt und die Kosten einer derartigen landwirtschaftlichen An- Siedlung auf 300 000 Mark schätzt. Die Tagung schloß mit der Annahme folgender Reso• lutionen: I. Die Mitgliederversammlung nimmt Kenntnis von den Leit- Sätzen, die von den Referenten für die Produktivierung der jüdischen Wanderung in Deutschland vorgelegt wurden. Sie bittet den Vorstand, die vorgelegten Projekte der landwirtschaftliehen und der gewerblichen Produktivierung und die Frage des Ausbaus des jüdischen Arbeitsnachweiswesens einer weiteren Prüfung zu unterziehen. II. Die Mitgliederversammlung gibt ihre Auffassung dahin kund, daß die zentrale Organisation des jüdischen Wander-und Arbeitsnachweiswesens eine der wichtigsten sozialen Aufgaben der deutschen Judenheit darstellt. Eine wirksame Durchführung der Organisation ist nur bei einem entsprechenden Ausbau der Hauptstelle für Wandererfürsorge möglich. Hierbei ist eine Erweiterung des Budgets der Hauptstelle unumgänglich. Es erscheint deshalb als die Aufgabe der öffentlich rechtlichen Organisationen der deutschen Judenheit, die Mittel für die Durchführung der zentralen Regelung der Wanderfürsorge und des Arbeitsnaehweiswesens, insbesondere für die Kosten der Haupt« stelle, nach dem Verhältnis ihrer Seelenzahl zur Verfügung zu stellen, in denjenigen Ländern, in denen die Finanzierung der Organisation durch die Vermittlung der Landesverbände noch nicht oder nicht in genügendem Umfang durchführbar ist, sind die Provinzialkassen zu Beiträgen für die Hauptstelle heranzuziehen. Der Schwarzbart-Prozeß Paris, 11. Mai (J. A. T.) In Gerichtskreisen verlautet, daß der Untersuchungsrichter im Falle Schwarzbart, Peyre, das Ergebnis der Untersuchung bereits dem Staatsanwalt übermittelt hat, der gegen SchalomSchwarzbartdie Anklage wegen überlegten Mordes erheben wird. Die Untersuchung dauerte knapp ein Jahr. Der Mord an Petljura geschah am 25. Mai 1926. Inzwischen wird seitens der Petljura-Freande eine wohlberechnete Propaganda geführt, um die öffentlichen Sympathien der Petljura-Partei zu sichern. Vor einigen Tagen hielt die Organisation der ukrainischen Emigranten in Frankreich unter der Leitung von Schumitzky und Komenko eine Beratung ab und nahm eine Resolution an, in der der Mord an Petljura als eine bolschewistische Tat bezeichnet wird, darauf berechnet, Feindschaft zwischen Ukrainern und Juden, zu wecken. Es wurde auch gegendie jüdische Presse rotestiert, die es versucht, Petljura und die Ukrainische ationalpartei für die Pogrome verantwortlich zu machen. Aus Prag trifft die Meldung ein, daß das dortige Petljura- Gedächtniskomitee unter dem Vorsitz Prof. S c h u fg i 0 s Ver- Sammlungen abhält und Material für den Pariser Prozeß vorbereitet. Die Finanzkommission des Komitees berichtete, daß Geldspenden zur Bestreitung des Prozesses befriedigend einlaufen. Die Redaktionskommission bereitet ein werk zum Gedächtnis Petljuras vor. * Moskau, 10. Mai (j.A.T.) Pinchas Krasni, der unter der Petljura-Regierung Minister für jüdische Angelegenheiten war, veröffentlicht unter der Ueberschrift ״Die Wahrheit über die Pogrome" in der Kiewer Zeitung ״Proletarskaja Prawda“ einen Aufsatz, in welchem er ausführt, daß Petljura die Pogrome direkt organisiert hat und daß hierüber beweiskräftige, aber noch nicht veröffentlichte Dokumente vorhanden sind. In vielen Fällen feuerten Petljura und seine Minister direkt zu Pogromen an. 1919 z. B. erteilte Petljura der Militärbehörde in Proskurow den folgenden kategorischen Befehl: ״Es ist in keinem Falk zuzulassen, daß die Eisenbahnarbeiter die Macht an sich reißen. Wenn nötig, soll die Hälfte der gesamten jüdischen Bevölkerung hingeschlachtet werden". Der Organisator der Pogrome in Berditschew und Zyiomir, P a 1 e n k o, wurde auf Petljuras persönlichen Befehl aus der Haft entlassen. Das Belastungsmaterial wurde Palenko übergeben. Krasni bringt noch eine Reihe weiterer Beweise für Petljuras direkte Pogromschuld. Jüdische Kolonisation in Frankreich Paris, 10. Mai (J.T.A.) Der ״Jüdische Arbeiter- Verband" hielt eine Beratung ab, die der Frage einer jüdisehen Landkolonisation in Frankreich gewidmet war. Der Referent, Herr Grünberg, wies darauf hin, daß die französische Landwirtschaft angesichts der Menschenverluste im Kriege Mangel an Landarbeitern hat; trotz alledem geht der Zustrom zur Stadt weiter. Riesige Landflächen können wegen Mangels an Arbeitern nicht angebaut werden. 1924 arbeiteten 360 000 Ausländer, jetzt aber schon 800 000 Ausländer (Italiener, Polen usw.) in der französischen Landwirtschaft. Das Leben des landwirtschaftlichen Lohnarbeiters ist trotzdem schwer, der Lohn niedrig, die Arbeitszeit unbegrenzt. Es gibt aber eine zweite, dem Juden mehr zusagende Form, die Pacht, wobei der Pachtzins in Prozenten des Ertrages geleistet wird. Die Krisis hat die jüdische Arbeiterschaft in Frankreich deklassiert. Viele streben aufs Land. Bis jetzt haben sich 55 Personen der Landwirtschaft gewidmet und sind zufrieden. Es sollten sich je 3 bis 4 Arbeiter zu Kollektiven zusammentun, um die vorhandenen guten Möglichkeiten auszunutzen. Eine Anfrage Aber osljüdische Einwanderer Der deutschnationaie Abgeordnete B o r c k brachte Im Preußischen Landtag folgende ״erneute“ Kleine Anfrage ein: Nach der Antwort auf meine frühere Kleine Anfrage sind in Preußen im Jahre 1926 aus den östlichen Nachbarstaaten mit Ausnahme von Polen und aus dem Balkan 2496 deutschstämmige Personen eingebürgert worden. Sind in diese Zahl jüdische Ausländer mit deutschen oder deutschklingenden Namen eingerechnet? Kann das Staatsministerium auch noch die gleiche Auskunft über Einbürgerung aus Polen geben? Die Rabbiner Sonnenfeld und KIatzkin sowie andere orthodoxe Führer veröffentlichten in Jerusalem einen Aufruf, in dem der Besuch der Jüdischen Universitäts- und Nationaibibliothek verboten wird, weil diese Bibliothek häretische Schriften enthalte. Die Eehrerkonfereiiz ln Klar Jeladim Zionistische Erziehung In Erez• Israel Von S. Kotier, Jerusalem. Der Weg von der Schule zum alltäglichen Leben, von der Theorie zur Wirklichkeit — diesen Weg suchte man und, wie es scheint, hat man ihn auch auf der ersten Zusammenkunft der jüdischen Lehrerschaft Palästinas für den K. K. L. gefunden, die am 24. und 25. April 1927 in Kfar Jeladim (Kinderdorf), der Siedlung der ukrainischen Waisenkinder auf dem Boden des Keren Kajemeth im Emek, abgehalten wurde. Die Lehrerschaft aus ganz Palästina hat ihre besten Vertreter zu dieser Zusammenkunft delegiert, und auch angesehene Persönlichkeiten des Jischuw erschienen als Gäste, u. a. Ch. N. Bialik, Ussischkin, Dr. Arthur Ruppin. Auch viele Touristen, die im Lande weilten, wie Leo Motzkin, Dr. Eisenstadt, der frühere Rabbiner aus Petersburg, und Dr. Goldmann waren erschienen. Die Reden Bialiks und Ussischkins bei der Eröffnung der Zusammenkunft übten große Wirkung aus. Die jüdische Lehrerschaft sprach auf dieser Zusammenkunft über jüdische Erziehungsfragen Worte von einer Wahrheit und Offenherzigkeit, gesprochen vielleicht noch nie zuvor. ״Die jüdischen Lehrer stehen vor der schweren Aufgäbe, den richtigen Weg zu finden, um die Theorie mit der Praxis in harmonische Einheit zu bringen. Nur allzuoft sehen wir, wie die unbarmherzige Wirklichkeit die Werte, die wir in der Schule zu pflanzen suchen, entwurzelt und vernichtet“, sprach Wisanski aus Tel-Awiw. ״Das größte Unglück der Schule besteht darin, daß sie vom Leben, von der Wirklichkeit abgesondert und geschieden ist. Wir haben unwiderruflich all die Werte verloren, die wir noch vor dem Kriege in der Diaspora besaßen. Unsere Erziehung ist mehr eine Nachahmung, als eine originelle Schöpfung!“ — hob Dr. R i e g e r vom Hebräischen Gymnasium in Tel-Awiw hervor. ״Wir haben uns bemüht, das Kind zum Bürger zu erziehen, nicht aber zu einem zionistischen Bürger, der in seiner Freude nicht Maß zu halten weiß, aber auch in den schlechten Zeiten nicht versagt“ — erklärte einer der angesehensten Lehrer in Jerusalem, Herr Amon. ״Bis jetzt haben wir bloß das Abstrakte in der Schule gepflegt, jetzl müssen wir auch für das wirkliche Leben sorgen. Das ganze Programm in den jüdischen Schulen Palästinas muß einer gründlichen Revision unterzogen ־werden“ — sagte Silmann vom Hebräischen Gymnasium in Jerusalem. Was ist nun zu tun, um diese Uebel zu beseitigen? Auf diese Frage wurden folgende Antworten gegeben: ״Wir benötigen eine nationale, nicht bloß eine literarische Erziehung, die nicht nur dem Kinde, sondern auch der Gesamtnation dienlich sein soll“ — sagte Bialik. ״Während meines Aufenthaltes in Amerika habe ich die dortigen Lehrer bewundert, mit welcher Geschicklichkeit sie den Unterricht mit den täglichen, nationalen und sogar politisehen Geschehnissen zu verknüpfen verstehen. Auen wir müssen unsere nationalen Fragen mit der Erziehung zu verbinden suchen.“ Dr. R i e g e r führte aus: ״Der Boden ist die Basis unseres Daseins, unserer ganzen Existenz in Erez-Israel. Der K. K.L., als unser einziger nationaler Faktor im Erwerb des Bodens, muß daher die wichtigste Grundlage unseres nationalen, politischen und sozialen Lebens sein. Der Keren Kajemeth, seine Forderungen, Ziele und Tätigkeit haben daher einen Ehrenplatz in unserem Erziehungsprogramm cinzunehmen.“ Herr Ar non stellte folgende Forderung auf: ״Das hohe Ziel des K. K. L. und seine Verwirklichung geben uns die Möglichkeit, eine bessere WirWichkeitserziefiung anzubahnen, angefangen van der Volkstümlichkeit des Fonds und seinen sozialen Bestrebungen, bis zum Ideal der Bearbeltung des gewonnenen Bodens, um so ein ehrliches und natürliches Leben auf der Heimatsscholle zu führen. Der K. K. L. muß ein Unterrichtsgegenstand in unseren Schulen werden. Nur so werden wir es erreichen, daß das Gute, das das Kind in der Schule empfängt, später einmal auch verwirklicht wird.“ Nach der Wahl einer Exekutive wurde die Zusammenkunft mit einer Rede von Jakob Fichmann geschlossen. Die ]Bdische Frau and der Schekel Wir wenden uns heute besonders an die jüdische Frau mit der Aufforderung, daß sie einen tätigen und energischen Anteil an der Schekelaktion nimmt. Wenn die Ergebnisse der Schekelaktion kein wahres Abbild der Kraft der zionistischen Idee abgeben, so ist daran auch der Umstand schuld, daß Tausende von jüdischen Frauen und Kindern, die sich zum zionistischen Ideal bekennen, beziehungsweise in ihm erzogen sind, keinen Schekel entrichten und daß auf diese Weise die Macht unserer Bewegung unter den jüdischen Frauen nicht zum Ausdruck kommt, wie in der sonstigen Schekelaktion trägt an dieser Erscheinung nicht der Unwille zur Zahlung des geringen Schekelbeitrages oder der Mangel an Aufklärung Schuld, sondern nur der Mangel eines richtigen Systems. Daher muß man die Schekelarbeit im laufenden Kongreßjahre auch in dieser Richtung organisieren. Organisieren neißt Personen finden, die zu den jüdischen Frauen gehen und von ihnen und von allen Familienmitgliedem einen Schekel in Empfang nehmen. Organisieren heißt besondere Komitees schaffen, die nicht nur Beschlüsse fassen, sondern tatsächlich an die Arbeit gehen. Zu dieser Arbeit fordern wir alle Orts- Schekelkoraitees und alle Frauenorganisationen, denen das zionistische Ideal teuer ist, auf. Die jüdische Frau darf auf diesem wichtigen Gebiete organisatorischer Arbeit nicht zurückstehen. Die Zionistische Organisation ist diejenige, die als erste die Losung vollständiger Gleichberechtigung der jüdischen Frau im jüdischen Volke autstellte und verwirklichte. Möge die jüdische Frau sich dessen bewußt sein und durch eine erfolgreiche Schekelaktion ihre Verbundenheit mit der Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes bekunden. Hefne Nachrichten Der Chairman der New Yorker Kampagne des United Palestine Appeal, Judge Rosalsky, hat einen Aufruf erlassen, worin er den New Yorker Juden den Dank für ihre Opferwilligkeit ausspricht und sie auffordert, umgehend alle Zeichnungen zu begleichen, damit ehestens größere Ueberweisungen nach Palästina erfolgen können. Er hoffe, daß bis zum Tage des Ab- Schlusses der New Yorker Kampagne des United Palestine Appeal alle gezeichneten Beträge in bar eingezahlt sein werden. Alien lokalen Arbeitern des U. P. A, wird die besondere Pflicht auferlegt, umgehend mit einer intensiven Inkasso-Aktion zu beginnen. (Ziko.) Die Professoren, Dozenten und Assistenten der verschiedenen Institute der Hebräischen Universität schlossen sich zu einer Gesellschaft von 40 Mitgliedern zusammen. Vorsitzender ist Prof. Otto Warburg, Stellvertreter Prof, Klausner, Schriftführer Rabbi Sega!!. im Monat März wanderten 228 Juden In Palästina ein; 588 Juden verließen das Land. Die Zahlen für Januar waren: 181 Einwanderer, 536 Auswanderer, für Februar: 220 Einwanderer und 280 Auswanderer.

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