Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 39 (17.5.1927)
- Date
- 1927-05-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 JÜEÖISCHE RUNDSCHAU Seite 283 Ein Benes Lehrbuch In hebrnsdter Sprache") Mit der Entwicklung der hebräisch«! Spreche, mit dem Wandel ihrer Stellung Im Geistesleben des Judentums vom m» übersehenden Idiom religiöser Quellen rum Ausdrucksorgan lebendigen Neudenkens und Fühlen*, mit dem Wechsel der Kreise und Lebensstufen, die, von verschiedenem Standort aus, darangehen, sich die weit des Hebräischen zu erschließen, wechselt die Aufgabe, die ein Lehrbuch dieser Sprache zu lösen hat. Kein Wunder, daß solche klassische Lehrbücher, die auf Grund langjähriger pädagogischer Erfahrung den Anforderungen des Stoffes wie des Lebenden in jener sorgfältig durchgeprüften Vollendung Genüge leisten könnte, wie sie etwa für ie modernen Sprachen In den Büchern der Langenscheidf sehen Methode, für die klassischen Sprachen in zahlreichen Lehr- und Uebungsbüchern darliegen, für das Neuhebräische noch nicht geschaffen sind und erst allmählich aus dem Wettstreit verschiedenartiger Versuche in fortschreitender Verbesserung der wirklich beste Weg zur Einführung ins Hebräische erarbeitet werden kann. Der Zionistischen Vereinigung für Deutschland gebührt darum unserer besonderer Dank dafür, daß sie das Erscheinen des neuen Lehrbuchs von Dr. J. Borastein ermög- Uchte, das in der Tat in mancher Beziehung einen Fortschritt bedeutet und manchem den Weg zum Hebräischen in Sprache und Denken erleichtern wird. B.’s Buch macht den Lernenden an der Hand methodisch geordneter Texte, die mit reichlichen sprachlichen und inhaltlichen Anmerkungen versehen sind, mit den wichtigsten Tatsachen und zahlreichen StileigentümUch* keifen des Hebräischen vertraut und setzt ihn damit in den Stand, um an die Lektüre auch etwas schwieriger (vokali* sierter) Abschnitte der älteren und neueren hebräischen Literatur heranzugehen. Die Vorzüge des Buches sehe ich in dem Uebevollen Ein־ gehen auf die «sonderen Möglichkeiten und Schönheiten des Hebräischen, in der damit verbundenen Oewöhnung des Ler• nenden zu gründlicher Vertiefung sowie in der Auswahl einer Reihe stilistisch und inhaltlich gleich wertvoller Texte, die dem Lernenden allein die Freude an der Arbeit, dm Glauben an Zweck und Nutzen seiner Mühe erhalten können. Zu rühmen ist auch die überaus sorgfältige Korrektur, die das Buch fast vollkommen drackfehlerfrei erscheinen läßt, bei der Schwierigkeit des Satzes ein hohes Lob für das Verantwortungsbewußtsein des Autors. Es hieße aber der wichtigen Sache des hebräischen Erziehungswerks einen schlechten Dienst erweisen, wenn ni H auch auf einzelne jener Punkte hingewiesen werden so!׳, wo das Buch einer Verbesserung bedarf und eine sokue in den späteren Auflagen sicherlich, auch erfahren wird. So ist zunächst zu bemängeln, daß dem Verfasser das zu erreichende Lehrziel — Befähigung zur Lektüre oder zum selbständigen Gebrauch der Sprache — nicht von vornherein genügend klar gewesen sein mag. Für das erstere Sei wären zahlreiche Anmerkungen und Tabellen, die das Buch übermäßig belasten und ohne entsprechenden Debungsstoff im Gedächtnis nicht verarbeitet werden können, überflüssig gewesen, zumal eine Zusammenfassung der Ueberfülle von Einzelheiten zu einem Gesamtbild fehlt Ebenso wäre für jenen Zweck in der Textwahl eine scharfe Scheidung der verschiedenen Stilarten von Bibel, Mischna usw. für dies« aber ein folgerichtiges Hinarbeiten auf einen mustergültigen StB nötig gewesen, wobei Stücke wie der (färblose) 1. Psflm u. a. nur stör« können. Auch sonst wird man den Stil der!Stücke in einem Lehrbuch nicht billigen können. Charakteristische Sondetwendung« im Stile eines der MldrascMm oder Im persönlich« Stil am Autors, die als eigene Note def Persönlichkeit ihr Dasemwecbt haben, sind nicht immer ’W'UUrbttcfffl MIgrttndfcg# Iflrden־ Lewende» m empfehlen, w|e der Lehrer 'sich auch soa^t davor za hüten hat «ine Sprach- Kläglichkeit auf Kost« der aridem» (vgL z. B. die S. 22, 26 immer wiederkehreade Wendung!1טוד1 — טוו überwuchere zu lassen. Hl« führt des Autor de» enge Anschluß an das — in anderer Verbindung — in einer Quelle Belegte bisweil« zu Satzbildangen wie ״im Fenster (בחלון) sind Feder und Papier (S. 22) oder ״ יצחה כוחב אח אשר עטעון הוראI. schreibt (das), was S. liest“ (29), die aus Qründen der Logik so in keiner Sprache möglich sind. Es fehlt auch nicht an sprachlichen Unrichtigkeiten, wie z. R die häufige unhebräische Wortstellung?עוד מי? עוד מה (S.19u.0.statt איה ילהוט עוד? מטי עודן מה עודו (S. 25) oder 25) ועוד איפ1! נידן Verwechslung mit der nachgestellten Verstärkungspartikel 1אפ1א״אפ?) Unform« wie 1ייף (zu י^וה ,עיי (st. 89) ים־זז^לוו ׳נ^ה st. עם־ und manches andere. Anderes ist leichterer Art aber doch gegen die da־ Sprache innewohnenden Regeln. Die Verdoppelung des Anlauts hinter dem Fragewort nt}״ die Entfernung von את zu ״את von פל zu ןל tritt in der biblischen Sprache als Folge des durch den Bindestich (טהוי) bezeichnet« Zusammenschlusses dieser Wörtchen mit dem folgenden Wort ein. Nur im Inlaut ist Verdoppelung möglich, nicht im Wortbeginn: ״ata Hach?* usw. Schreibt man טה״ את״ כל ohne Bindestrich als selbständige Wörter, müssen die genannten Veränderungen ebenso Wegfall«, wie nach der Trennung in zwei Wörter auch nicht ק)ל (1)ן$ד ge* sprechen wird, wie dies in der ursprünglichen Worteinheit der Fall sein muß. Auch ״ ארוןSchrank“ z. B. ist ארון zu vokalisieren, nur mit Artikel הארון. In der Wortwahl ist es z. B. falsch, im Briefschluß zu schreiben טאת ידידך ״von deinem Freunde“, da ידיד bekanntlich nur Freund in passivem Sinne (= geliebt) ist hier aber die Freundschaft für den Empfänger behauptet werden soll, liebr.:!״אוהב u. v. a. m. Die Scheidung etwa, die in Palästina im Worte אטן durch die Aussprache אקזן für ״Handwerker“ gegen יא{}ן für Künstler eingeführt ist und die eine unentbehrliche Differenzierung für uns weit auseinanderliegender Begriffe ermöglicht, sieht man mit Bedauern vernachlässigt usw. Auch die Stellung des Autors zw wissenschaftlich« Grammatik — die natürlich für ein Lehrbuch dieser Art mir Voraus- Setzung sein darf ■— ist unentschieden und unklar. Wo neue Erkenntnisse fehlen, wird doch Veraltetes (Wurzeltheorie usw.) oder Ueberflüssiges gebracht. Wozu z. B. die Umschrift 1 für deutschsprechenae Leser statt sch? Was soll z. B. in der richtigen Frage einer korrekten Aussprache des ע — und von da aus des ק ״ח (und צ) — dem Lenwnd« eine Angabe wie ״Das e besitzt an sich einen eigenen Klang, wie ihn die Araber in ihrer Sprache und die unter den Arabern wohnend« Juden auch im Hebräischen richtig hervorbringe», d« die meisten Juden jedoch verlernt haben“? Dabei ist die als so schwierig verschiedene richtige (arabische) Aussprache dieser Laute ״p) (ח״ע aus folgender einfachen — rein praktischen — Anleitung für jeden leicht zu erlernen: Das ע ist das mit einer Schluckbewegung, in der Kehle gesprochene א (Vokaleinsatz), ח und p das ebenso gesprochene h (nicht cht) und k. Man erlernt die Aussprache aes ע (und analog des ה. ח am leichtest«, indem man in einem wort wie baal (בעל»" jaa-ne mit dem Einsatz des zweiten a zugleich die Schluckbewegung macht. Nach kurzer Uebung wird man auch im Anlaut und neben anderen Vokalen den Schlucklaut ע leicht und sicher sprechen können, *) Einführung in das Hebräische der Gegenwart, Methodlsche Texte und Erläuterung« von David Josef Bornstein, herausgegeben durch die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin 1927, Verlag der »Jüdischen Rundschau a m. b. HA X u. 292 & 8״. Auch in pädagogischer Beziehung darf man von späteren Auflagen in manchem Punkte Verbesserungen erwarten. Die unmöglichen Was-Frag« (,,Worin ist das Buch?, Worin Ist die Iure? Wovor ist das Bett? usw25 .$ ״), oder manche allzuflachen und inhaltsleer« Abschnitte — auch wo sie eine an sich lobenswerte Gesinnung vertreten — werden schwinden und Gediegenerem Platz mach« müssen. Auch die Noten (deren Nuancierung übrigens Verweise auch im Text ent-?!rechen sollt«), können vielfach prägnanter gefaßt werden. rotz dieser und anderer — verbesserbarer — Mangel ein Buch, für das Lehrende und Lem«de dem Verfasser zu Dank verpflichtet sind. H. Torczyner BerUn^_Zfonlstjs<he_Vereinigung Montag, iaa 18. MM, abends 8'/t Uhr im Beiehawirtaehaftiret, Balleruestr. Iß Vortrag Mirt BlURtSllfOlf!; jasiodiicnepaianinr Ein Reisebericht. TTnkostenbeitrag 0,60 Mk. — Eintritt fttr Jugendliche frei. Achad Haams Sendung Von Ch. N. Bialik. Aus Bialiks Rede, mit der er die kürzlich in Tei-Awiw abgehaltene 2. Konferenz der Vereinigung hebräischer Schriftsteller einleitete. Einer von den Köpf« der literarischen Epoche, die wir fortsetzen, ist von uns genommen worden: unser Lehrer und Meister Achad Haam. Es ist hier nicht der Ort und jetzt nicht die Zeit, über die Größe dieses Verlustes zu sprechen. Ich sehe in Achad Haam gleichsam das Kommen der neuen Art in unserer Literatur; sein Betreten der literarischen Tribüne bedeutet zweifellos in jeder Hinsicht den Punkt der Umkehr in der hebräischen Literatur. Es gab solche, die ihm vorangingen: Smolenskin und Lilienblum, die unter den Ersten dieser Epoche die Ersten war«. In Achad Haams Tagen aber kam ein revolutionärer Prozeß zur Vollendung, der seine Anfange schon in der Zeit der Haskalah hatte. Wir wollen uns über den Zeitpunkt, der eine wesentliche und grundsätzliche Scheidung zwischen der Literatur der vorangegangen« Epoche und jener schafft, die uns durch die Haskslih kam, etwas Klarheit verschaffen. Kein Zweifel, der Zeitpunkt bedeutet einen Umsturz; es stürzen all die Werte, nach denen bisher in allen wes«tlichen Richtung« gemessen worden ist, die im Judentum bis zur Haskalah geherrscht haben, in seiner Literatur und in der Einschätzung der Welt durch die Nation. Ihnen allen war eines gemeinsam: Die Abkehr des Bewußtseins vom wirklichen, tagtäglich« Volksleben und die grundsätzliche Zuwendung zum geistig« Sein der Nation. Die Bedürfnisse des Lebens auf dem Bo׳d« der Erde galten für nichtig, man sah die beidm Welten in voll«deter Trennung. ״Oese Welt“ und ״jene Welt“ schienen Existenzen zu bedeuten, die miteinander nichts zu tun, voneinander nichts zu gewinnen haibe».’ Ja, man dachte, daß die eise nur auf dt» ׳.׳Tifiewiero oder doch wenigstens nur bei Minderung der and«׳« «haut werden könne. Erst die Epoche der Haskalah wandte unseren Blick dem,irdischen Leben zu; sie setzte ihre Bemühungen zunächst für eine bessere Ordnung desselb« ein. Denn dieses ist die Grundlage. Durch das ganze Gedankengebäude der Haskalah weht die Idee, daß jene beiden Welten in Wahrheit nicht zwei sind, vielmehr eben nur eine. Und so begannen jene Ersten, die Fragen der Erde, die Bedürfnisse des Alltags, in den Mittelpunkt der Sorge um das Volk zu stellen. Doch meinte die Haskalah aus verschiedenen und verständlichen Gründen noch, daß die Lösung, die Lösung der Fragen dieses Lebens, auch in der Oaluth möglich sei; bis dann die Ereignisse und Zeichen der Zeit kamen und ihnen die Wahrheit offenbar machten. Sie hatt« zur Erde gefunden und die folgende Epoche der Literatur brachte den Gedanken einer Wiedergeburt der Volkes auf der Erde der Väter. In den Hauptpunkten ihrer Richtung und ihrer nationalen Anschau-!ragen bedeutet sie die Fortsetzung des Weges, den die Haskalah gegangen war. War aber die Stimme dieser Literatur in ihren Anfängen schwach und still, wagte sie es zu Anfang nicht, sich eine *zentrale Stelle im Volke neb« den anderen großen Strömen seines Lebens zu erfordern (ich spreche von den drei Strömen, welche die Galuth in jedem Jahrhundert durchzogen: das halachische Judentum der konkreten Mizwot, das chassidische Judentum des Gefühls und der Inbrunst in allen seinen vielfachen Abart« und schließlich das Judentum der Forschung, das ebenfalls ein großartiger Faktor in der Entwicklung der nationalen Idee war), so flössen alle die Ströme achtlos an d« Nöten dieser Welt vorbei. Je nach seiner Art und seinem Geist drängte jeder von ihn« zur Aufrichtung der geistigen Existenz aes Volkes. Und als die neue Literatur kam und sich auflehnte, da wagte sie es zunächst nicht, die Stelle jener hauptsächlichen Ströme mit ihrer viele Jahrhunderte alt«, wenigstens vom Anbruch des Exils herrührenden Tradition ein zunehm«, Zum ersten Male in den Tagen Achad Haams spürte man, daß die Literatur im Begriffe ist, allmählich die erste Stimme im Chore des Volkes zu werden, an die Spitze der Redenden zu gelangen, die Stelle des ״Misrach“ im Gedanken des Volkes einzunehmen. All die anderen Ströme blieben hinter dieser ersten Stimme zurück. Ohne Zweifel ist dieses Geschehen dem Auftreten der machflg« und vollendet« Persönlichkeit Achad Haams zu verdanken. Wenn wir jetzt glauben und gewiß sind, daß die neue Literatur berufen und imstande ist, der״Jareh deah“ (Lehrer des Wissens) des jüdischen Volkes zu sein, unser ״Orach chajjim“ (Lebenspfad), der über dem geistigen Leb« des Volkes wachende Jkhulchan aruch“, und auch der ״Moreh derech“ (Führer am Wege) alle konkreten Handlung«, die dem Leben des Geistes Grundlage sind — so ist uns der Grund und das Vertrauen zu diesem Glauben hauptsächlich durch den Einfluß Achad Haams und seiner' Verdienste gegeb«. Durch das Verdienst dieser!nichtigen Persönlichkeit, die 30 Jahre hin und länger hindurch auf ihren Schultern die Last des nationalen Gedank«s trug. Und dieser war es, der uns dazu antrieb, wieder einmal unseren nationalen Gedank« mit den Grundlagen des Lebens der M«- sch« aller Nation«, mit dem Lande und den Segnungen des Landes zu verknüpf«. Und wenn wir jetzt komm« und einen Wertmesser für unsere Arbeit hier, in Palästina, suchen, um an ihm zu messen, was wesentlich und was unwesentlich ist, welche Leistung für die Aufrichtung des Volkes für Generationen von Wert und welche nur Leistung für die Stunde ist, damit wir sie an der Peripherie lass« und sie nicht in d« Mittelpunkt drängen, dann haben wir diesen Wertmesser nirgendwo anders p\s in der Lehre Achad Haams zu suchen, in der Intention seiner Arbeit We Genier Konferenz zwo Schlitze jüdischer Rechte New York, 12, Mai, (J.T. A.) Am 18. August 1927 wird־ die vom Amerikanisch-Jüdischen Kongreß und dem Komitee der jüdischen Delegationen in Paris einberufene Konferenz über den Schutz jüdischer Rechte jn Genf beginnen. Eine Abordnung von 25 führenden amerikanischen Juden wird sich zur Teilnahme nach Gent begeben. Die Wahl des Exekutiv-Comites des Amenkaniseh-Jütiischen Kongresses fiel auf die folgenden Personen: Führer der Delegation wird Richter Julian W. Mack, der der Erste Präsident des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses und 1919 Präsident des Komitees der jüdischen Delegationen gewesen war, sein. Die anderen Delegiert« sind: Dr. Stephen S. Wisc, Richter Gustave Hartman, Dr. A. J. Rongy, Emanuel Hertz, George I. Fox, Dr. J. Tenenbaum, Carl Sherman, Max D. Steuer, S. J. Rosensohn, Max L. Holländer, Leo Wolfson, Beroard O. Richards, Philip Wattenberg, Herman SpeIer, Louis L1 psky, Frau R. Gottheit, Davis Shapiro, Frau A. Silverraan, Richter Hugo Pa m, Jacob Ginsburg, Rabbi Barnett, R. Brickner, und Rabbi Max Heller. Die Sorgen der Jiddischen Sowjetpresse Moskau, 4. Mai. (J.T.A.) Die jüdischen Kommunist«- Zeitungen bringen fortgesetzt Artikel und Korrespondenzen gegen den ״jüdischen Klerikalismus“, der immer stärkeren Einnuo auf die jüdischen Massen gewinnen soll. Im Kreis Krementschug, teilt die Charkower jiddische Tageszeitung;׳Der Stern“ mit, haben die jüdisch« religiös« Gemeinden in der letzten Zeit eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet um die breiten Schichten der arbeitend« Judenschaft unter ihr« Einfluß zu bringen, sie in ״unterirdische“ religiöse und philantropische Hilfsgesellscliaften zu organisier«. Die arm« Juden werden mit Sabbatbroten, Lichtern, Mazzoth und Brennholz versorgt. In dem Städtchen Sem ionowke (Kreis Kranent« schug) wurde eine Jeschiwah organisiert in der 100 Jüngiinge, die mit allem versorgt werden, dem Talmud-Studium obliegen. Die jüdischen Gemeinden wenden sich an die Behärden mit dem Ersuchen, die Gründung von Kommission« zu . Spitze dieser Kommissionen soll überall der Ortsrabbiner stehen. Die Zeitungen führen aus, man müsse dem konterrevolitionlrea Einflub dieser religiösen Elemente energisch entgegenarbeiten. Die jüdischen Kommunisten werd« ermahnt ihre parteiische und Sowjet-Arbeit in jiddischer Sprache zu führen, um nicht die arbeitenden Massen an die Religiös« verlier« zu müssen. Möge, so schließen die Artikel, die Nepp-Bourgeoisie allein ihre religiösen Funktionäre erhalten. Pressestimmen Die ״Frkf. Zeitung“ läßt sich aus Jerusalem über die Verhandlung« mit Ihn Saud berichten. Nachsteh«d «in Auszug des interessanten Aufsatzes: König I bn Saud, der bisher in Nedschd geweilt hat, ist jetzt nach Mekka zurückgekehrt wo die Verhandlung« zwisehen ihm und Großbritannien aufgenomm« werd« soll«. Von englischer Seite istSirOiibertClayton nach Dschedda, der Hafenstadt Mekkas, abgereist, um im Sinne Englands die Verhandlungen zu führen, die bisher ו ׳*führt worden waren. tuld 11» 'Patgatili* »Vj lü־ m. Zwischen war im Jahre 1915 ein Freundschafts- . geschlossen worden, durch den Ibn Saud in auswärtigen Au» geiegenheiten ein Protektorat Englands anerkannte. Seither haben sich die Verhältnisse geändert, und Ibn Saud wird darauf drängen, daß in dem neuen vertrage seine Eb«bürtigkeit und volle Unabhängigkeit festgelegt wird. Daneben gibt es aber einige Fragen von praktischerer Bedeutung, die in dem Vertrage zu regeln wären und deren Regelung gewisse Schwierigkeifen bereiten wird. Zu dies« Fragen gehört die der Verwaltung der Hedschasbahn, die jetzt von Frankreich, Großbritanmen und dem Hedschas verwaltet wird, während Ibn Saud behauptet; daß die Hedschasbahn ein mohammedanisches kirchliches Gut darstellt, ein« Waqf, und daher sich ausschließlich in mohammedanischer Verwaltung befinden müßte. Einen anderen wichtigen Verhandlungspunkt wird die Forderung ibn Sauds bilden, Großbritannien möge die an Trans- Jordanien annektierten Städtchen Maat! und Akaba mit ihren Gebieten an den Hedschas zurückstellen. Das Gebiet dieser beiden Orte, von denen Akaba vielleicht einmal als ein kleiner Hafen im Nordost« des Roten Meeres eine gewisse Bedeutung hab« kann, befand sich bis Ende 1924 In der Verwaltung des Hedschas und wurde dann mit dem Falle der Dynastie Husseins an Trans Jordanien angeschlossen, wobei beabsichtigt war, daß Akaba später einmal ein« Haf«ort für Transjordanien bilden sollte, das so einen eigenen Zugang zum Meere gewänne. Pläne für den zukünftigen Bau einer Eisen* bahn von Akaba nach Maan, das an der Hedschasbahn liegt, bestehen ebenfalls. Die vorjährige Konferenz zu Mekka hat beschlossen, die Rückgabe von Maan und Akaba an den Hedschas zu fordern. Aber es ist charakteristisch, daß die Vertreter der unabhängigen mohammedanischen Staaten sich bei der Abstimmung enthalten haben. Die Aussichten für die Verhandlungen zwischen Ibn Saud und Großbritannien stehen dessen ungeachtet günstig. Da Ibn Sauds Rivale, der Imätn Jahja von Jemen, sich der Gunst und des Schutzes Italiens erfreut, ist es auch für Ibn Saud erwünscht, an einer europäischen Macht einen Rückhalt zu haben. Diese Großmacht kann keine andere als England sein, das nun schon seit Jahren freundschaftliche Beziehungen zu Ibn Saud unterhält Sir Gilbert Claytoa, der im Frühjahr 1926 versucht hat, einen Freundschaftsvertrag zwischm Großbritannien und dem Imam von Jahja abzuschließen, bei seinen Verhandlungen aber keinen Erfolg hatte, war vor seiner Reise nach dem Hedschas in Rom und hat dort die Frage der gegenseitigen Be- Ziehungen Englands und Italiens auf der arabisch« Halbinsel geklärt. Da Mussolini in seiner Außenpolitik vollständig von Großbritannien abhängig ist, wird diese Klärung in dem Sinne ausgefallen sein, wie das britische Außenministerium es gewünscht hat. Englands starke Stellung in Italien, der einzigen Macht, die heute außer Großbritannien irgendeine aktive Politik in Südwestarabien treibt, wird auch dem englischen Unterhändler bei seinen Verhandlungen mit Ibn Saud nützen. Jerusalem, 9. Mai. (J. T. A.) Der italienische Generalkonsul Dr. Orazzio Pedrazzi besuchte in diesen Tag« den Oberrabbiner Jacob M e i r und sprach sich im Verlauf der Unterhaltung dahin aus, daß kein Italiener dem Judentum feindlich gesinnt sein könne. Mit Bezug auf den zionistisehen Aufbau in Palästina sagte Dr. Pedrazzi, er habe sehr wenig über den Charakter dieses großen Werkes gewußt. Erst seitdem er im Lande weiie, erfasse er seine ganze Größe und Bedeutung für das Land Palästina und für die ganze Welt. Er werde demnächst eine Tour durch das ganze Land machen, um die jüdische landwirtschaftliche und industrielle Kolonisation in Augen« schein zu nehmen.