Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1927)
- Date
- 1927-05-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 38 JUEDISCHE RUNDSCHAU s«te m Miiielstandskolonisation in Palästina Von Dr. W. Brünn. Schneller, als man erwarten konnte, hat sich meine Auffassung Bahn gebrochen, daß es möglich ist, auf dem Wege des intensiven Obstplantagenbaues auch dem nicht vorgebildeten Privatkapitalisten eine Möglichkeit landwirtschaftlicher Betätigung und sicherer Kapitalsanlage in Palästina zu geben. Jedermann in Palästina erzählt es heute, daß ״Orangen“ ein^ gute Branche ist, und es sind viele Kräfte am Werk, um Orangen- Pflanzungsgesellschaften ins Leben zu rufen. Es gibt Leute, die bereits von einem ״Orangenboom“ sprechen und damit sagen wollen, daß man wie gewöhnlich übertreibe, daß es den Leuten, die heute Pflanzungen anlegen, ähnlich gehen könnte wie bei dem ,,Tabakboom“ oder ״Tellavivboom“. Nun, soweit sind wir noch lange nicht, man liest zwar fast täglich von neuen Pflanzlingsgesellschaften, aber vorläufig ist es noch viel Geschrei und wenig Wolle. Zunächst fehlt eine Vorbedingung; es steht •!cht genügend Land zur Verfügung. Wohl bieten Araber reich-!ich Land an, nicht einmal zu hohen Preise«, aber Privatpersonen oder Gesellschaften, die Pflanzungen anlegen wollen, sind in den seltensten Fällen in der Lage, direkt aus Araberhand zu kaufen. Bei dem noch bestehenden türkischen Bodengesetz ist ein derartiger Kauf stets umständlich, langwierig, riskant und von einer nicht zu übersehenden Dauer. Gibt es doch Terrains, an denen man 10 und 20 Jahre lang gekauft hat. Die jüdischen Landgesellschaften, bisher auf Pflanzungsboden nicht eingestellt, liegen mit ihren Terrains im Emck fest und sind infolge Kapitalmangels nicht in der Lage, neue Käufe zu tätigen. Infolgedessen haben alle neugegründeten Gesellschaften auf ein Gebiet zurückgreifen müssen, nämlich auf die ״Rhabie“, auch ״Ghabie“ genannt, das zwischen Hedera, Benjamina und Ka r kur liegt und zum großen Teil der Pika, zum kleineren verschiedenen Privatpersonen gehört In der Nähe von Karkur hatte auch die P. L. D. C. ein Terrain von zirka 1500 Dunam zum Verkauf. Soweit es sich heute übersehen läßt, gibt es drei ernst zu # nehmende Gesellschaftsgründungen; 1. Die von mir ins Leben gerutene, die, als älteste am weitesten vorgeschritten ist und ihre Mitglieder anscheinend hauptsächlich aus Mitteleuropa bekommen wird. 2. Ein von Pierce und Schulmann gegründetes kana* diseh-amerikanisches Unternehmen, das aen Boden der P. L. D. C. unter dem Vorbehalt gekauft hat, daß man dort enügend Wasser für Bewässerung findet, was nach den isherigen Bohrungen nicht sicher zu sein schien. 3• Die Gruppe des Economic Boards unter Führung von Sir Robert waley־Cohn und Walter Cohn, welche gesam mit der Pika in der Rhabie Orangenpflanzungen zum Verkauf anlegen will. Außerdem beabsichtigt die Pika ihrerseits in der Rhabie eine Kolonie anzulegen, die wahrscheinlich ganz in der Nähe des von mir gekauften Terrains liegen wird, für welche als Basis vornehrnlich Obstplantagen gedacht sind. Diese Gegend kann durch Abzug eines kleinen Sumpfes leicht saniert werden. Die Sanierungsarbeiten werden von der Pika vorgenommen werden, die sie laut Abkommen mit der palästinensischen Regierung noch in diesem Sommer ausführen muß. Im ganzen hegt dort ein Gebiet von zirka 30 000 Dunam, östlich der Eisenbahnstrecke Hedera— Benjamina, das einmal — in etwa zehn Jahren — ein großes Orangen-, Wein-, Bananen- und Mandel-Zentrum abgeben wird. Meiner Schätzung nach werden dort in den nächsten zwei Jahren 2—3000 Dunam Orangenpflanzungen angelegt werden, und damit ist bereits gezeigt, daß es mit dem Orangenboom noch nicht soweit ist Außer in dieser Gegend werden von Einzelpersonen in den jüdischen Kolonien und in H e ־ dera noch einige tausend Dunam Orangenpflanzungen an* gelegt, aber, alles zusasnmengenommen, sind wir noch weit entfernt davon, um es verantworten zu können, der Befürchtung einer Ueberproduktion Ausdruck zu geben. WiestehtesüberhauptmitderGefahreiner Ueberproduktion? Wieviel kann Palästina produzieren und wieviel kann es absetzen? Man nimmt an, daß es äugenblickiich zirka 30 000 Dunam volltragender Orangerien gibt und daß mau in der Küstenebene noch etwa 200 000 Dunam prima Orangenboden finden könnte. Angenommen, die gesamten 200 000 Dunam würden mit Orangen resp. mit Citrusfrüchten bebaut werden, so hätten wir damit den vierten Teil der Citrus- Anbaufläche Kaliforniens oder Spaniens erreicht. Zwar gibt es in der Küsteucuene weit mehr Böden, auf denen Orangen?,auch“ kultiviert werden können, aber es wäre ein verhängnisvoller Fehler, aut zweitklassigem Boden Orangen zu bauen, weil solche Pflanzungen in Jahren mit ungünstigeren Preisen, mit Defizit arbeiten und, falls eine Reihe nicht besonders günstigerer Jahre hintereinander folgen sollte, wahrscheinlich überhaupt zugrunde gehen müssen. Bleiben wir also bei den 2X)000 Dunam; wir hätten dann etwa die Hälfte der Produktion Spaniens — denn unsere Erträge pro Hektar sind höher als die Spaniens — unser Absatzgebiet wäre Europa, mit Rußland, unsere Hauptkonkurrenten Spanien und Italien. Haben wir diese Konkurrenz zu fürchten? Ich glaube nicht, und dieser Meinung sind auch die alten Orangenpflanzer in Palästina, die selbst eifrig neue Pflanzungen anlegen und, wenn sie Angst vor der Ueberproduktion hätten, doch alles daransetzen würden, vor Neuanlagen zu warnen, anstatt, wie sie es tun, sich den Pflanzungsgesellschaften zur Verfügung zu stellen und sich teilweise sogar bei ihnen zu beteiligen. Die jaffaorange ist den südeuropäischen an Geschmack, Aussehen und Grolle weit überlegen, konkurrenzfähig ihr gegenüber sind höchstens die kalifornischen Orangen, die jedoch kaum auf dem europäischen Markt erscheinen können. Man könnte einwenden, der Preis der Jaffaorangen wäre so hoch, daß sie nicht als Massenartikel in Frage kämen. Nun, der heutige hohe Preis rührt größtenteils davon her, daß Palästina so wenig baut. Den größten Verdienst haben heute die Händler, die Pflanzer sind an solchen hohen Preisen gar nicht interessiert; sowohl Pflanzer wie Händler könnten gut bestehen, wenn die Frucht im Einzelhandel mit 15 bis 20 Pf. pro Stück verkauft werden würde, und zu diesem Preise könnte man zweifellos große Quantitäten absetzen. Wir haben außerdem Spanien und Italien gegenüber noch andere Vorteile, die von nicht geringer Bedeutung sind. Die Ergiebigkeit unserer Pflanzungen ist größer, und was noch wichtiger ist, wir haben kaum unter Frösten zu leiden, während Spanien alle paar Jahre davon heinigesucht und stark geschädigt wird. Wenn man alle diese Momente berücksichtigt und der Kalkulation nicht die heutigen Preise, sondern um 25 0/0 erhöhte Friedenspreise zugrunde legt, so braucht man sich um die Ueberproduktion keine Sorge zu machen, am wenigsten heute, wo wir ja nicht bei den 200 000 und nicht bei den 100 000, nicht bei den 50 000, ja nicht einmal bei den 10000 Dunam stehen. Eine Bepflanzung der 200000 Dunam würde ungefähr ein Kapital von 400 Millionen Mark erfordern, und wie schwer die Geidaufbringung auch bei einem so günstigen Projekt ist, sieht man an meiner Gesellschaft, deren Kapital von £ 40 000 ein Jahr nach der Projektierung noch nicht voll untergebracht ist. Ueber die Aussichten im Pflanzungsbau hat in Nr. 31 der ״Jüdischen Rundschau“ der Misrad Kablani Berechnungen gegeben. Es ist zu begrüßen, daß die Arbeiterpartei mit ihrem starren Blick nach dem Emek sich anschickt, in die Ebene Saron hinabzusteigen, um dort an dem Pflanzungsbau mitzuwirken. Die Arbeiterpartei verfügt über genügend Fachleute im Pflanzungsbau, und ich hätte gewünscht, daß die hier veröffentlichten Berechnungen diesen Fachleuten zur Begutachtung vorgelegt worden wären, so daß mir die heutige Kritik erspart geblieben wäre. Die Angaben sind mm Teil ungenau, zum Teil überhaupt abwegig. So z. B. ist bei dem Anschlag für einen Orangenfiardeß nachzutragen, daß die Kosten der Anlage sich verstehen ohne die Kosten für Boden und Brunneninstallation. Auf der anderen Seite sind die wahrscheinlichen Erträge zu niedrig angegeben, anstatt 60 Kisten pro Dunam im 10. Jahr darf man rulug 80 bis 100 setzen. Smilanski, Rechawoth, z. B. gibt 90 Kisten als Durchschnittserträgnis an. Der Voran* schlag für den Bananenpardeß ist in der Praxis überhaupt nicht realisierbar, oder besser gesagt, man müßte einem Privatkapitalisten von einer Investierung in einer derartigen Form dringend abraten. Denn der Bedarf des inneren Marktes ist gedeckt, und eine neu hinzukommende Produktion von 100 Dunam kann bereits den inneren Markt in Verwirrung bringen. Der Absatz nach dem Ausland ist zwar aussichtsreich, aber noch nicht versucht, erst wenn er in Gang gekommen ist, könnte man Engagements in Bananenpflanzungen befürworten. Außerdem lebt die Bananenpflanzung durchschnittlich vier bis sechs Jahre. Nach dieser Zeit ist man genötigt, die Pflanzungen auszuroden und auf dem Boden andere Kulturen anzulegen, ln gewissen ח n! «in KotiGW} Gegenden Palästinas ist es infolge der Nematodenkrankheit sogar möglich, daß die Bananenpflanzung nicht einmal so lange lebt. Der Pflanzer hat nun für Boden, für die Brunnenanlage, Umzäunung, Windschutz, einige tausend Pfund a sgegeben, die noch lange nicht amortisiert sind. Was soll der Pflanzer mit dem Boden und der Bewässerungsanlage anfangen, wenn die Bananen entfernt werden müssen? Nach der Kalkulation muß ein Unbefangener annehmen, daß es mit 13 £״ netto“ vom dritten Jahr ab weiter geht. Was den Anschlag für den Weinpardeß angeht, so sind meines Erachtens die Äniagekosten unverhältnismäßig hoch und die Reinerträge dagegen 'zu niedrig angesetzt; außerdem ist auch hier die Absatz- und Transportfrage noch zu ungeklärt, als daß mau die Anlage von Weinbergen gemeinhin ähnlicherweise wie eine Anlage von Orangenpflanzungen empfehlen könnte. Bananen und Trauben können vorläufig nur als Nebenprodukt in kleinem Umfange neben einem Oran genparde ß mit Vorteil gebautwerden, und das muß deutlich zum Ausdruck gebracht werden, um Enttäuschungen zu vermeiden. Dagegen wären kleinere Bananen- und weintrauben-Pflanzungs-Gesellschaften, die nur kleine Anteile ausgäben und sich zur Aufgabe setzten, den Absatz ins Ausland zu organisieren, an der Zeit. Dir Keren Hajessod müßte solche Gesellschaften fördern. Weiter spricht der Misrad Kablani wiederholt von 10 °/0 Versicherung. Was meint er damit? Wogegen wird versichert und bei wem? Ferner wäre zu sagen, daß die Anonymität des Misrad Kablani beim Pflanzungsban nicht zweckmäßig zu sein scheint. Man hat es beim Pflanzungsbau mit Bäumen zu tun, d. h. mit lebenden Wesen, die eine ganze Reihe von Jahren hindurch sorgfältig und gewissenhaft gepflegt werden müssen. Eis handelt sich hier nicht um einen Seitlich begrenzten und kontrollierbaren Auftrag, etwa wie ein Hausbau oder Bau einer Chaussee, daher müssen hier Garantien für die Kontinuität gegeben werden, und darum sollte der Misrad Kablani angeben, welche Fachleute an die Spitze seines neuen Arbeitsgebietes treten werden und welche Sicherheiten gestellt werden, daß die Vorarbeiter resp. die Leiter der einzelnen Pflanzungen die ganze Zeit der Anlage hindurch dabei bleiben. Soviel zu den Veröffentlichungen des Misrad Kablani. Er sollte in seinen Berechnungen, die er der Ocffentlichkeit vorlegt, in seinem Interesse und im Interesse der Sache vorsichtig sein und keine Anschläge bringen, die mißverständlich aufgefaßt werden können, denn aas Kapital ist infolge der Ereigtlisse der letzten Jahre argwöhnisch und mißtrauisch geworden. Ueberdies ist die Vertrauenskrise, die gegenüber Palästina besteht, durch die übertriebene Ausmalung der sögenannten Krise verschärft und vertieft worden, und es fällt recht schwer, dem Publikum wieder Zutrauen zurückzugeben. Ich habe in״׳den früheren Ja'iren wiederholt meine Stimme erhoben, um vor den rosigen Schilderungen der palästinensischen Zukunftsmöglichkeiten und vor überstürzten Investitionen zu warnen — und, wie man gesehen hat. mit Recht; heute bin ich in der eigentümlichen Lage, die Verhältnisse günstiger zu finden, als sie allgemein dargestellt werden. Die Sicherheitsverhältnisse in Palästina sind gute, die Regierung gefestigt, politische Komplikationen sind nicht zu befürchten. Palästina ist ein Teil des großen englischen Imperiums, lebt also in einem ungeheuren Wirtschaftsgebiete. Anlagen in Palästina sind demnach ebenso sicher wie in anderen Teilen der Welt. Richtig ist, daß es zum Teil noch unter den alten türkischen Gesetzen leidet, daß insbesondere das Bodengesetz und die landwirtschaftlich» Steuererhebung reformbedürftig sind, aber vielleicht sind die bisherigen Zustände nur zu unserem Vorteil gewesen, vielleicht wäre, wenn die Bodentransaktion so leicht wäre, wie in anderen Ländern, der größte Teil des Bodens schon in spekulative Hände übergegangen, und wir hätten ihn, wenn überhaupt, nur zu ganz honen Preisen in unseren Besitz bringen können, während die heutigen Preise zwar hoch, aber nicht als übertrieben hoch bezeichnet werden dürfen. Was stark in die Flöhe getrieben wurde, war vor allen Dingen das städtische Terrain. Landwirtschaftlicher Boden, besonders in einiger Entfernung von der Stadt, ist auch heute noch zu mäßigen Preisen zu haben, und c s ist ein schwerer Fehler, daß von zionistischer Seite viel zu wenig getan wird, um die zahl• reichen Bodenangebote aufzunehmen. In seiner Rede gelegentlich der Einweihung seines Health- Instituts hat Nathan Straus die reichen Leute aufgefordert, Palästina gegenüber ihre Pflicht zu tun und die Entwicklung des Landes zu fördern. Man kann jedoch nicht von Nichtzionisten Interessenahme verlangen, wenn die zionistischen Kapitalisten nicht vorangehen. Es wird späterhin leicht sein, Geld für Orangenpflanzungsgesellschaften zu finden, wenn es erst Gesellschaften gibt, die mit gutem Verdienst arbeiten, aber die ersten Gesellschaften müssen von zionistisch interessierter Seite finanziert werden, und es ist kein Opfer, was man hier von unseren Freunden verlangt, keine Spenden, kein Geld k fonds perdu, sondern Anlage unter sicheren und günstigen Bedingungen. Das Projekt ist von allen möglichen Seiten geprüft und einstimmig günstig begutachtet worden, die große Wirt* Schaftskonferenz in London im vorigen Herbst hat die Gründung solcher Gesellschaften warm empfohlen. Auch der Keren Ha* jessod darf nicht beiseite stehen. Beteiligung an derartigen Gesellschaften ist für ihn ein vorzügliches Mittel, um die Privatinitiative zu unterstützen und die landwirtschaftliche Entwicklung Palästinas zu fördern. Auf der anderen Seite wird es seine Aufgabe sein, resp. die der Zionistischen Organisation, dafür Sorge zu tragen, daß das anlagesuchende Publikum nicht Boden- Spekulanten und Schwindlern in die Hände fällt, die bereits auf dem Wege sind, aus dieser neuen Bewegung Vorteile für sich zi! ziehen. Es kursieren bereits Angebote für Anlage von Örangenpflanzungen etwa zur Hälfte der Kosten, die wir und andere errechnet haben. Wer auf solche schwindelhaften Offerten hereinfällt, möge sich nicht über Palästina und seine schlechte Moral beklagen. Palästina ist ein Abbild der Juden• heit mit all seinen Vorzügen und Fehlern; aber es ringt schwer für uns alle und hat Anspruch auf unsere Beteiligung. Der neuerliche Wahlprotest der ״NattenaMealseben“ Auf die dem Gemeinde Vorstand zugeleitete Beschwerde, die Herr Dr. Manfred B1 o c h e r t für den Verband nationaldeutscher Juden an den Polizeipräsidenten gerichtet hatte, hat der Vorstand nunmehr die Antwort an den Polizei- Präsidenten abgesandt. Wie verlautet, kommt die Antwort im wesentlichen zu dem Ergebnis, daß bei der Einberufung und bei der Abhaltung der Sitzung der vereinigten Wahlaus« schüsse durchaus vorschriftsmäßig verfahren worden ist. Die Entscheidung des Polizeipräsidenten dürfte nunmehr in den nächsten Tagen zu erwarten sein. Rumänische Methoden Bukarest, 10. Mai. (J.T.Al) Bei seiner Ankunft in Konstanza wurde Jacob Landau, der Direktor der J.T. A. in New York, der sich auf der Rückreise aus Palästina befindet, angehalten und ihm der Eintritt in das Land verwehrt, obwohl er im Besitz eines ordnungsgemäßen rumänischen Visums war. Er wurde auf das rumänische Schiff ״Prinzessin Maria“ zurückgebracht, mit dem er gekommen war, und dort unter faktischem Arrest gehalten. Zwei Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett hielten Tag und Nacht Wache. Es wurde Landau nicht gestattet, sich mit Freunden in der Bukowina telephonisch oder telegraphisch in Verbindung zu setzen. Gleichzeitig wurde ihm auch die Ausreise auf dem am selben Tage ■abgehenden englischen Dampfer ״Boulac“ ver* wehrt, ohne daß ihm die Gründe für seine Anhaltung mitgeteilt wurden. Landau sandte ein ausführliches Telegramm an den rumänischen Ministerpräsidenten Averescu, in welchem er gegen das Verhalten der rumänischen Behörden entschieden Verwahrung eingelegt. Am folgenden Tage wurde ihm mitgeteilt, daß er abreisen könne. Er wurde auf das Schiff ״Asia“ gebracht, mit dem er die Rückreise nach Konstantinopel antreten sollte. Einige Minuten vor der Abreise wurde aber Landau verständigt, daß er die Weiterreise nach Bukarest antreten könne. Diese plötzliehe Sinnesänderung war dem energischen Eingreifen des bekannten amerikanisch-jüdischen Philanthropen Samuel C. Lamport zuzuschreiben, der mit Landau auf dem gleichen Schiff nach Konstanza gekommen war, Lamport hatte den amerikanischen Botschafter Colbertson und den ameri- Iranischen Konsul Palmer über die Vorfälle in Konstanza informiert. Palmer sandte ein in energischem Ton gehaltenes Telegramm an den Polizeipräfekten in Konstanza, in dem er die sofortige Freilassung und die Erlaubnis für die Weiterfahrt für Landau kategorisch forderte, widrigenfalls die amerikanische Botschaft gezwungen sein würde, ernste Vorstellungen bei der Regierung zu erheben. Gründung einer zionistischen Bank in Bukarest Bukarest, 9. Mai. (J.T.A.) Auf Initiative der detnokratischen zionistischen Fraktion ״Renasterea“ wurde in Bukarest eine Kooperativ bank unter dem Namen ״Unser K r e d i t“ begründet, die das Ziel verfolgt, jüdischen Handwerkern, Kleinhändlern und Angehörigen freier Berufe billige Kredite zu gewähren. Im Rat der Bank"sind Zionisten vertreten. Vorsitzender ist Ing. M. Wechsler. Dem Komitee gehören der Präsident der Zionistischen Organisation Alt-Rumäniens, Adolf Bernard, der Vorsitzende der ״Renasterea“, Dr. Stern u. a. m. an. Die anti|fldischen Zarengesetze in Polen Warschau, 8. Mai. (J.T.A.) Bekanntlich bestehen ln Polen gesetzliche Einschränkungen aut gewissen Gebieten gegen Juden; die Gesetze rühren noch aus der Zarenzeit her. Wie nun von Regierungsseite erklärt wird, besteht nicht die Absicht, diese Gesetze im Verfassungswege zu annullieren, da man gleichzeitig gewisse Zarengesetze, die gegen Vorrechte der katholischen Kirche gerichtet sind, aufheben müßte, was unter der Bauernschaft Unzufriedenheit erregen könnte. In jüdischen Kreisen befriedigt dieser Standpunkt der Regierung nicht. Denn wenn auch die Regierung die praktische Anwendung dieser Gesetze nicht wünscht, gibt es noch immer untergeordnete Organe, die sie gegen die Juden an wenden. * Große Erbitterung erregt in jüdischen Kreisen der Aufruf der polnischen Sozialdemokratie, der sich im Tone kaum von den Artikeln unterscheidet, die die Rechtspresse über die Beteiligung der Juden an den Stadtratswahlen schreibt. — Die Föderation der orthodoxeu Arbeiter schließt sich dem Wahlbündnis der Agudah nicht an und stellt eine eigene Liste für die Wahlen auf. Sofia, 8. Mai. (J. T. A.) Die Regierungspartei hat im Zusammenhang mit den bevorstehenden Pariamentswahlen der Jüdischen Gemeinde einen Sitz in dem künftigen Parlament angeboten. Als Kandidaten für diesen Parlamentssitz kommen entweder der jetzige Präsident des Konsistoriums der jüdischen Gemeinden Oberst T a d g e r oder der früher׳• Konsistoriumspräsident Herr Chaim Fahry in Betracht