Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1927)
- Date
- 1927-05-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Riga 2× ep/1000826
- Ahad Ha'am 1× ep/1026162
- Arno Nadel 1× ep/1003519
- Arnold Zweig 1× ep/1009291
- Arthur Eloesser 1× ep/1026047
- Felix A. Theilhaber 1× ep/1009765
- Felix Goldmann 1× ep/1012096
- Franz Oppenheimer 1× ep/1025831
- Hugo Bieber 1× ep/1023167
- Julius Bab 1× ep/1011035
- Ludwig Holländer 1× ep/1023873
- Max Wiener 1× ep/1013532
- Oran 1× ep/1048048
- Richard Lewinsohn 1× ep/1023885
- Tunis 1× ep/1048155
- Wrocław 1× ep/1002369
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Seite 276 JOEÖISCHE RUNDSCHAU Nr. 38 Die Hebräische Realschule in Haifa Die Hebräische Realschule zu Haifa gibt ihren Bericht über das Jahr 1026 (das dreizehnte Jahr ihres Bestehens) heraus. Der Bericht bezeichnet das vergangene Jahr als eine Zeit stetiger innerer Konsolidierung. Der Lehrkörper der Schule hat in den letzten Zeiten nur geringfügige Personaländerungen erfahren; in der Methodik der einzelnen Fächer sind wesentliche Fortschritte erzielt worden. Besonders ausführlich behandelt der Bericht die Methodik des Hebräischen und den für diese Anstaltcharaktcristisehen Arbeitsunterricht. Er gibt eine Kritik der bisher auf diesem Gebiete erreichten Erziehungsresultate und betont die Wichtigkeit der Charakter- und Werkerziehung der jungen Generation. Eine wirkliche Lösung dieser Autgäbe erscheint den Leitern der Schule nur dann möglich, wenn besondere Werkabteilungen ins Leben gerufen werden können, die den in sie übergehenden Schülern rnittlerer Klassen bei gediegener Berufsausbildung eine gute Allgemeinbildung vermitteln sollen. Die Schule zählt heute 345 Schüler In den nunmehr vollzähligen 11 Klassen (4 Vorbereitungskiassen und 7 Realklassen). Eine achte Realklasse soll im nächsten Jahre eröffnet werden. Das Budget der Schule beläuft sich aut etwa £E6000 ־. Von besonderem Interesse ist die Tatsache, daß zwei Drittel dieses Budgets aus Schulgeldern gedeckt werden. Es ist damit der Schule gelungen, die Eltern daran zu gewöhnen, die Lasten für die Erziehung ihrer Kinder selber zu tragen. Selbst das Jahr 1926, eines der schwersten Krisenjahre, brachte keine Verminderung in den •Einnahmen. Die Schule absolvierten im Juli 1926 23 Abiturienten, die teils zum Technikum, zum Lehrerseminar, zur Schwesternlehranstalt der ״Hadassah“ und zu einem kleinen Teil an ausländische Universitäten gingen. Als Institutionen der Schule sind zu erwähnen die in diesem Jahre eröffneten 4 Vorschulklassen, ferner das Internat. Das Internat beherbergt heute 41 Zöglinge: ein Drittel Palästinenser, ein Drittel amerikanische Kinder, während die übrigen aus verschiedenen Ländern, meist englischer Sprache, stammen (Südafrika, Shanghai). In letzter Zeit beginnen auch russische Eltern wieder, ihre Kinder nach Palästina zu schicken. Dem Bericht ist die Uebersetzung einer Rede beigegeben, die bei der Verteilung der Reifezeugnisse an die Abiturienten des letzten Jahres von Dr. Schalom Spiegel gehalten wurde. Sie beleuchtete im Rahmen einer Festrede auf Achad Haam, der dieser Feier beiwohnte und dessen siebzigster Geburtstag damals unmittelbar bevorstand, die erzieherischen Ziele der Schule. Juden in Litauen angeklagt Kowbo, 8. Mai. (J.T. A.) Der Polizeichef des litauischen Städtchens Pilwischok zeigte 95 jüdische Bürger antistaatlicher Umtriebe an. Unter der jüdischen Bevölkerung herrschte darüber große Aufregung. Vorgestern fand vor dem Friedensgericht die Hauptverhandlung gegen die 95 Angeklagten statt. Als Hauptverteidiger fungierte der Vorsitzende der litauischen Sejm-Fraktion, Dr. J. Robinson. Der Polizeipräsident konnte als einzigen ״Beweis“ ins Treffen führen, daß die 95 Bürger nach dem Tode des litauischen Patriarchen keine Trauerfahnen gehißt hatten. Der Verteidigung gelang es, die ganze Haltlosigkeit der Anklage darzutun, woraufhin sämtliche Angeklagten freigesprochen wurden. _ Das lettische Bfirgerschaftsgesetz Riga, 8. Mai. (J.T. A.) Dem jüdischen Deputierten des JatJländjschen Sejm war es nach langem Kampfe•-gelungen, eine Acnderung der Regierungsvorlage betreffend das Bürgerschaftsgesetz in dem Sinne nerbeizuführen, daß eine gewisse Kategorie Juden lettländische Bürger werden. Die reaktio- Bären Deputierten und die ihnen ergebene Presse leiteten daraufhin im ganzen Lande eine Propaganda gegen den abgeänderten Entwurf ein; sie erklären, daß auf Grund des ungestalteten Entwurfs 250 000 Juden nach Lettland einwandern werden. Der Ministerpräsident selbst sah sich genötigt, gegen diese Demagogie aufzutreten, indem er den Vertretern der Presse erklärt hat, es könne sich um hochstens 4000 Juden handeln, denen ein Recht auf die lettländische Staatsbürgerschaft tatsächlich nicht abzusprechen ist. Die reaktionären Kreise arbeiten nunmehr auf eine Volksabstimmung hin; in jüdischen Kreisen besteht die Besorgnis, daß die Vorbereitung zu einer solchen Volksabstimmung von den Antisemiten zu einer maßlosen antijüdischen Propaganda ausgenutzt werden würde. * Riga, 8. Mai. (J. T. A.) 6 junge Juden und Jüdinnen hatten sich gestern vor Gericht wegen kommunistischer Propaganda zu verantworten. Sie wurden zu Kerkerstrafen von 2 bis 5 Jahren verurteilt. Die tunesische Regierung veröffentlichte vor kurzem das Ergebnis der im April 1926 in Tunis durchgeführten Volkszählung. Sie weist eine jüdische Einwohnerzahl von 54 243 Personen aus, wobei jedoch die in Tunis wohnhaften europäischen Juden nach ihrer Staatszugehörig• keit als Franzosen oder Italiener geführt werden. Ihre Zahl dürfte etwa 10 000 betragen. Die Gesamtbevölkerung von Tunis beträgt 2 159 000 Seelen. Die Zahl der Juden in Algier ist nicht genau festgestellt, wird jedoch auf etwa 100 000 Personen geschätzt, wovon drei Prozent europäische Juden sind. Größere jüdische Zentren sind Oran (30000 Juden), Algier (20 000) und Constantine (15000) Juden). Im französischen Gebiete von Marokko leben 107000 eingeborene Juden, während im spanischen Gebiete 21300 jüdische Seelen gezählt wurden. Außerdem wohnen in beiden Gebieten zum überwiegenden Teile in den rößeren Städten zusammen etwa 10 000 europäische u d e n. Jerusalem, 10. Mai. (J. T. A.) Die Familie des vor einigen Monaten in T e 1 - A w i w verstorbenen Komponisten ioel Engel erhielt von Rabindranath Ta göre eine Kundgebung aufrichtigen Beileids. Danzig, 10. Mai. (J.T,A.) Zum Nachfolger des verstorbenen Rabbiners Dr. Kälter ist Rabbiner Dr. Krönheim In Bielefeld gewählt worden. Etoe ittdisebe Enzyklopädie Nach achtjähriger vorbereitender Arbeit gelangt jetzt im Jüdischen Verlag, Berlin, die erste Jüdische Enzyklopädie in deutscher Sprache zur Ausgabe. Sie besteht aus vier starken Bänden in Lexikonformat und wird von Dr. Georg Herlitz und Dr. Bruno Kirschner (Berlin) bei Mitarbeit von mehr als 230 der hervorragendsten jüdischen Gelehrten und Schriftsteiler in den meisten Ländern der Welt und unter der Fachredaktion von Prof. Dr. Ismar El bogen, Dr. Josef Meist, Dr. Aron Sandler, Dr. Mar Soloweitschik, Dr. Felix A. Theilhaber, Dr. Robert Welt sch, Rabb. Dr. Max Wiener herausgegeben. Das Werk umfaßt in etwa 15 000 Stichworten und Verweisungen das Gesamtgebiet der jüdischen Geschichte. Religion, Literatur und Wissenschaft, die Biographien aller bedeutenden jüdischen Personlichkciten der Vergangenheit und Gegenwart, die Darstellung aller aktuellen jüdischen Fragen usw., so daß es ein umfassendes und dabei streng objektives Nachschlagewerk des Wissens vom Judentum geworden ist. Die Enzyklopädie, von der gleichzeitig auch eine Ausgabe in monatlichen i Berliner Zionistische Vereinigung il : i» Dienstag» den 17. Mai, abends 8H Uhr j j! im Logenbaus, Kleiststraße 10. ן Herr Dr. Wolfsang von Welsl:! j I! ״Krise, Kongreß u. Parlamentarismus": i 1;; j 1 : Unkostenbeitrag 50 Pfennig,; 1 Lieferungen erscheint, bringt auf ihren etwa 3000 Seiten weit mehr als 2000 Illustrationen, Noten und Tabellen, außerdem viele Kunstbeilagen. Aus der Zahl der allen Richtungen angehörenden 230 Mitarbeiter seien folgende erwähnt, die aktuelle Stichworte bearbeitet haben: Der Präsident der Zionistischen Organisation, Prof. W e i z m a n n , schrieb über die Entstehung der Balfour-Deklaration, der unlängst verstorbene Führer des deutschen Judentums, Dr. PaulNathan, über die politischen Parteien Deutschlands und ihr Verhältnis zur Judenfrage; der Präsident der Zionistischen Exekutive N, S o k o 1 o w schrieb über jüdische Politik; der Direktor des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Ludwig Holländer, über diesen; der geistige Führer des deutschen jüdischen Liberalismus, Rabb. Dr. Caesar Selig mann behandelt Fragen des liberalen Judentums; der Leiter der orthodoxen Weltorganisation ״Agitdas lisroel“, Jakob R 0 s e n h e i m , stellt deren Ideologie dar. Ueber jüdische Geschichtsschreibung schreibt Prof. Simon Dubnow; über die Siedlungsgenossenschaft Prof. Franz Oppenheimer; über den Antisemitismus Arnold Zweig und Rabb. Dr. Felix Goldmann; über die deutschen Judengesetze Dr. Ismar Fr ©find; über den Völkerbund und die Juden Leo Motzksn• Den Anteil der Juden an der Weltwirtschaft und das Wirken jüdischer Wirtschaftsführer schildern Dr. Felix Pinne r, der Chefredakteur der Handelszeitung des ״Berliner Tageblatts“, und Dr. Richard Lewinsohn, der unter dem Pseudonym Morus bekannte nationalökonomische Schriftsteller. Ueber jüdische Dichter und Schauspieler schreiben Julius Bab, Arthur Eloesser, Arthur S a k h e i m, Hugo Bieber u. a., über jüdische Musik und jüdische Musiker der bekannte Musik Schriftsteller Dr. Alfred Einstein und der Dichter-Komponist Arno Nadel. Von weiteren Mitarbeitern sind zu nennen: Rabb. Dr. Leo Baeck- Berlin, Dr. Fritz Baer- Berlin, Prof. M. Ba 1 a ban Warschau, Prof. Dr. E. B a מ et h-Berlin, Prhv Doz. Dr. D. Baumgardt-Berlin, Dr. Hugo Bergmann- Jerusalem, Dr. Siegfried Ber n fei d - Berlin, Adolf Böhm- Wien, Dr. Max B r o d - Prag, Prof. U. Cassuto- Florenz, Prof. Arthur Cohen- München, Rabb. Dr. Emil Cohn- Berlin, Rabb. Dr. Jacob Frei mann - Posen, Dr. Adolf Friedemann - Amsterdam, Paul Goodman- London, Professor Dr. Alfred Grotte- Breslau, Rabb. Dr- Max Grunwald-Wien, Prof. Dr. Julius Guttmarm - Berlin, Doz. Dr. J. Heine mann - Breslau, Rabb. Dr. Max Joseph-Sfolp i. Pomm., Dr. Fritz Kahn-Berlin, Rabb. Dr. Armand Katninka■ Wien, Prof. Dr. Samuel Klein-Jerusalem, Rabb. Dr. Adolf Ko ber-Köln, R.-A. Dr. Max K o 11 e n sch e r - Berlin, Prof. Dr. Samuel Krauß- Wien, Doz. Dr. Albert Le wko w i t z- Breslau, Prof, Dr. Heinrich L o e w e - Berlin, Prof. Dr. Ed. Mahler- Budapest, Univ.־ Prof. Dr. Siegfried Marek - Breslau, Prof. Dr. Isak Mark o n - Berlin, Oberrabb. Dr. D. F. Markus - Konstantinopel, Dr. Louis Oungre, Gen.-Dir. der Ica, Paris, Dr. Samuel Rappa port-Baden b. Wien, Rabb. Dr. Paul Rieger- Stuttgart, Univ.-Prof. Dr. G. S a 1 o m o n- Frankfurt a. M., Dr. L A. Si mchoni s. A., Prof. Dr. D. Sinionsen- Kopenhagen, Rabb. Dr. Jakob Sonderling -New York, R.-A. Heinrich Stern- Berlin, Frl. Dr. Selma Stern- Berlin, Doz. Dr. H.Torczyncr-Be rlin, Davis T r i c t $ c h - Berlin, Prof. Dr. Gotthold Weil- Berlin, Prof. Dr. J. Winter- Dresden, Frau Siddy Wrons ky- Berlin, Rabb. Dr. Ziegler- Karlsbad usw. Im Zuge der von der Hebräischen Universität in Jerusalem geleiteten Ausgrabungen wurden verschiedene Spuren der Belagerung Jerusalems durch die Römer aufgedeckt In einer der bloßgelegten Mauern fand man eines der schweren Steingeschosse, die von den römischen Baliisten gegen die Tore geworfen worden waren. Die Mauer selbst wurde nach Ansicht der Forscher in verschiedenen Zeitabschnitten aufgeführt. Der untere Teil dürfte von König Agrippa erbaut, während der obere Teil zur Zeit des Krieges mit den Römern unter Titus errichtet wurde. Der Solei Boneh hat verschiedene Kontrakte im Werte von £ 67 723 in Händen, wovon Kontrakte im Werte von £E 3292 itn Monat März abgeschlossen wurden. Die meisten dieser Arbeiten betreffen Jerusalem und die Vorstädte von T e I - A w i w. Die Hälfte davon sind private Arbeiten. Der Wert der Regiernngs- und Munizipalitätsarbeiten beträgt £E 1000. Jerusalem, 6. Mal. (J.T.A.) Der Jüdische Konipomst Grad wurde eingeladen, bei der in Frankfurt vom 11. /uni bis 28. August stattfindendea Internationalen Musik- Ausstellung mitzuwirken. Herr Grad verhandelt mit der Gesellschaft palästinensischer Musiker hinsichtlich einer offiziellen Vertretung Palästinas bei der Ausstellung. Bekanntlich finden im Rahmen des ״Sommers der Musik“ auf der Intematioualen Ausstellung ״Musik im Leben der Völker“ zu Frankfurt a. M. vom 26. bis 28. Juni 1927 Veranstaltungen statt, die der historischen Entwicklung des Synagogengesanges und dem jüdischen Volkslied gewidmet sind. Es sind Konzerte und Vorträge unter Mitwirkung von in- und ausländischen Chören und Solisten vorgesehen. Der ״Sturm“ veranstaltete Int März einen Abend mit dem Thema: ״Ernstes und Heiteres aus Mö gen- und Abendland“. Zwei Menschen waren es, die diesen Abend zu füllen hatten: Hannah Zweig und Ferris Gondosch. Hannah Zweig, deren Organ und Technik in den letzten zwei Jahren ihres fast Nichtauftretens sich noch verbessert haben, rezitierte eine assyrische Zauberbesclnvörung aus der ״Maklu“-$aramhing, ein Sanskritmärchen, das goldene Kalb (Heine) und Maria nka (Klabund). In der Zauberbeschwörung war sie am stärksten und hat jeden Hörer gebannt. Schön müßte es seüi, Hannah Zweig wieder einmal in einem größeren Kreise und einem geeigneteren Raum zu hören. — Ferris Gondosch, ein junger Künstler, hat ohne große Technik, aber mit richtig empfundenem Temperament Lieder zur Laute, u. a. Li-tai-pe’s Trinklieder, zu Gehör gebracht. Mit richtiger Ausbildung könnte er sicher in kurzer Zeit Großes schaffen. Ka. Delegiertenlag des deutschen Misrachi Am 15. und 16. Mai 1927 findet im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestr. 10, der ordentliche Delegiertcntag des deutschen Misrachi statt. Tagesordnung: Eröffnung vormittags 9</s Uhr. Begrüßungen. Tätigkeitsbericht des Zentralbüros. Generaldebatte. Referate: ״Der deutsche Misrachi und der 15. Kongreß“ (Dr. A. Barth - Berlin, Alexander Ad ler-Hamburg); ״Fragen der misrachistischen Galuthpolitik“ (Dr. Max Michael - Berlin); ״Bericht über die Sitzung des Aktions-Comites“ (Lazarus Barth - Berlin); ״Das Erziehungswerk des Misrachi“ (Dr. R a b i n * Breslau); ״Finanzielle Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung der Misrachiarbeit“ (Dr, Paul Sulz berger - Berlin); ״Bericht über die Arbeit des Keren Hajessod“ (Alfred Berg e r - Berlin); ״Aufgaben des Misrachi angesichts der gegenwärtigen Situation in Palästina“ (Dr. S. Scheresche wski- Berlin). Resolutionen. Neuwahl. Berlin. (B. Z. V.) Ueber die Beobachtungen, die er als Kaufmann im Wirtschaftsleben in Palästina gemacht, sprach im Rahmen einer Veranstaltung der B. Z. V. Walter Tu rnowsky. Nach seiner Meinung bewähren sich die Juden in Palästina vorläufig nicht als Kaufleute. Von den Arabern ist der Jude in manchen Industrien gänzlich zurückgedrängt worden. In einigen ist er nur als Arbeiter und nicht als Unternehmer tätig. Nur im Bankwesen sind neben Engländern und Arabern Juden beschäftigt Von der wichtigen Einnahmeqaelie der Touristik fließen nur etwa 7 ®/o in jüdische Hände. Die eigenartigste Erscheinung ist die Beherrschung des ganzen Wirtschaftslebens vom Wechselwesen. Alles kann in Wechseln bezahlt werden, ja es wird heute fast nichts bar bezahlt, und der Erfolg eines Kaufmannes hängt nicht wie bei gesunden Verhältnissen von seiner Tätigkeit und der Qualität seiner Waren ab, sondern davon, wie lange er Kredit geben kann. Je reicher er ist und je länger er darum den Kredit gewähren kann, um so erfolgreicher wird er sein. Eine weitere Gefahr sieht Tumowsky im ״Tozereth Haarez“, diesem Grundsatz, der gewissermaßen eine Prämie auf minderwertige Ware ist Da es in bestimmten Industrien keine arabische Konkurrenz gibt und importierte Ware nicht gern verbraucht wird, so kamt der jüdische Arbeiter so gut oder schlecht produzieren wie er will. Zudem ist man natürlich bestrebt, von Juden hergestellte Produkte, zu kaufen. Die Entwicklung des jüdischpalästinensischen Lebens zerstört ungewollt auch den für eine Wirtschaft wichtigen Sparbetrieb. Mehrere Gründe bedingen das Versagen der jüdischen Kaufleute in Palästina. Einmal gehen die wirklichen Kaufleute aus Europa nicht herüber, weil dort der Verdienst viel geringer ist und außerdem kommen die luden ohne die so notwendige gründliche Sprachenbtldung. Der Fehler der jüdischen Wirtschaftspolitik in Palästina ist, daß man allzu sehr nur mit seinen eigenen Sachen beschäftigt ist und vergißt, daß die jüdische Wirtschaft Palästinas nur ein Teil der gesamten palästinensischen Wirtschaft ist. Den aufsehlußreichen Ausführungen Turnowskys schloß sich eine Diskussion an, die das Interesse für aktuelle palästinensische Wirtschaftsfragen bezeugte. Ra. Li. Jüdisch-Nationale Frauenvereinigung, ln einer am Mittwoch, den 4. Mai d. J., stattgefundenen Sitzung der Jüdisch- Nationalen Frauenvereinigung ist eine besondere Chaluzarbeitsgcmeinschaft unter Leitung von Frau Lotte Engel, Cuxhavener Str. 13 (Tel. Moab. 2390), gebildet worden, die die Chaluzfürsorge in Berlin zweckmäßig organisieren und durchführen soll. Gesinnungsgenossinnen, die zur Mitarbeit bereit sind, werden um Mitteilung an Frau Lotte Engel oder an das Frauensekretariat, Meinekestr. 10 (Tel. Bisra. 7165—67), gebeten. Zurzeit sind folgende Arbeiten erforderlieh: 1. Für die Wirtschaftsstelle des Hechaluz werden dringend Kleidungsstücke, insbesondere Arbeitsschuhe, Socken, Wäsche, Arbeitskleidung, Windjacken, gebraucht. Wir bitten, uns bei Beschaffung dieser Sachen zu helfen. 2. Für vier Mädchen werden Lehrstellen in Haushalten gesucht. Gesinnungsgenossinnen, die bereit sind, Mädchen in ihren Haushalten einzustellen, worden um Meldung gebeten. Vertrauensleute des Keren Kajemeth Lejisrael! Sendet sofort die Abrechnung der PeBach-AKtlon und tiberweist die gesammelten Snenden!