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Jüdische Rundschau · 1927-05-13 · Heft 38 (13.5.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 38 (13.5.1927)
Date
1927-05-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 38 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 273 Der erste Mai in Palästina Von unserem Korrespondenten. A.O., Tcl-Awiw, den 4. Md 1927. Nach langen Bemühungen und vergeblichen Versuchen beginnt jetzt die Exekutive die Arbeitslosenunterstützung abzubauen und schrittweise durch Arbeit zu ersetzen. Nachdem Woche auf Woche und Monat nach Monat Pläne untersucht wurden, die es ermöglichen sollten, Arbeit an Stelle der Unterstützung zu setzen, und nachdem die Presse immer wieder auf diesen wundesten Punkt der Kolonisationspoülik hingewiesen hatte, hat man endlich jetzt die ersten Schritte auf diesem Wege machen können. Gerade in Jerusalem, das den schwersten Zwischenfällen im Zusammenhang mit dem Bau des Seminars ausgesetzt war, wurde zuerst die Unter» Stützung eingestellt. Für die zur Unterstützung Eingetragenen wurden Chausseetmd Bauarbeit beschafft. Der Ledige bekommt zwei, der Verheiratete vier Tage Arbeit in der Woche. Ein Zuzug von anderen Städten wird dadurch abgeschnitten, daß neue Arbeitsuchende, die von auswärts kommen, nicht im Arbeitsamt eingetragen werden. Auf diese Weise wird verhindert, daß durch das Anschwellen der Arbeiterzahl durch Zuwanderung von außen, diese neue Regelung nach wenigen Wochen bereits illusorisch wird. Von allen Tei’en des Jischuw ist diese Neuordnnung mit einem Gefühl de; Erleichterung und Genugtuung aufgenommen worden. Die Arbeiter Jerusalems vor allen Dingen sind mit dem Aufhören der Unterstützung überaus zufrieden. Die Presse, vor allem ״Haarez“ und ״Dawar“ kennzeichnen diese Tatsache als einen großen Schritt vorwärts. Es ist selbstverständlich, daß auch in Jerusalem noch nicht der 11 or- •nale Standard erreicht ist und daß diese zwei bzw. vier Tage in der Woche für die Befriedigung regulärer Bedürfnisse nicht ausreichen. Aber schon diese zwei Arbeitstage sind etwas anderes als die Unterstützung und werden allgemein als der erste Schritt zu dem ersehnten Ziele empfunden, der Versorgung des Arbeiters mit sechs Tagen Arbeit in der Woche. In Haifa wird der Druck zu einer entsprechenden Arbeitspolitik immer stärker. In den Pessachtagen schien die Auflehnung gegen die Unterstützung so groß, daß man ähnliche Zwischenfälle befürchten konnte, wie sie vor einem Monat in Jerusalem vorgekommen waren. Die Kargheit der Unterstützung wurde in den Festtagen besonders («merklich, und der Arbeiterrat mußte seine ganze Autorität cinsetzen, um der Lage Herr zu werden, Es setzten lange und umfassende Verhandlungen mit der Exekutive ein, um Möglichkeit zu schaffen, dieselbe Neuerung herbeizuführen, wie in Jerusalem und Haifa, statt der Unterstützung ebenfalls einige Tage Arbeit zu verteilen. Die Frage ist bis heute nicht entschieden. Aber es scheint, daß sich in nächster Zeit Möglichkeiten für eine günstige Lösung finden werden. Der Schwerpunkt der Entscheidung liegt heute nicht in Jerusalem, sondern in London in der Sitzung des Aktions-Comites. Da aber die Berichte aus London Aussicht auf größere Anleihen geben, hofft man in Palästina, daß nach der Rückkunft der Exekutive einige Fortschritte möglich sein werden. Die Tendenz zur Umwandlung der Unterstützung in Arbeit ist in gleichem Maße in Afule spürbar. In Te 1 -Awiw besteht zwar die gleiche Tendenz, Jedoch sind die aktuellen Arbeitsmögltchkeiten im Vergleich zur Zahl der Arbeitslosen m gering, um diese Änderung bald möglich zu machen. Bisher wird die Arbeitslosigkeit in Tel-Awiw mit einer außerordentliehen Disziplin und Ruhe getragen. Auf Anträge der Arbdterräte und der nationalen Stellen hat die Regierung von neuem eine Reibe von Arbeiten in Aussicht gestellt Vor allem scheint für Haifa die Lage günstig zu sein. Der Distrflctsgouverneur hat für die allernächste Zeit zwei große Unternehmungen angekündigt: Einen Straßenbau und Drainagearbeiten am Kischon. Auch der Keren Kajemeth bereitet sich auf große Entsumpfungsarbeiten in dieser Gegend vor. Unter diesen Umständen kam der erste Mal heran. Die Arbeiterräte verzichteten in diesem Jahre auf jede Derncmstratkm. Wenn sich auch die Arbeitslage etwas zu bessern beginnt, 80 schien es doch unratsam, Gelegenheiten für aufhetzende Propaganda zu geben. Noch war der Eindruck der Jerusalemer Ereignisse allen frisch im Gedächtnis. Und so ließ man denn alle Pläne über die sonst üblichen Umzüge fallen Schriftsteller Scholem Aleichem werden sich freuen zu wissen, daß in der Zeit, wenn sie auf dieser Zeitungsspalte den rührenden Brief des Literaten lesen werden, in Kiew dem Herrn Scholem Aleichem sechshundert Dollar ausgehändigt werden, die wir ihm per Kabel gesandt haben/‘ Die Bekanntmachung ist ziemlich lang gehalten und wiederholt wird die Aufmerk־ samkeit des Lesers auf die sechshundert Dollar gelenkt, bis man schließlich gewahr wird, daß es den Herren von der Zeitung hauptsächlich auf das Aufbauschen dieser sechshundert Dollar, die in Wirklichkeit nur sechshundert Rubel waren, ankam; wobei Scholem Aleichem abwechselnd Schriftsteller, Literat oder einfach Herr genannt wird. Es ist ihm im wesentliehen nicht viel besser ergangen, als er zum zweiten Male im Jahre 1915 nach Amerika kam, wo er nun begraben liegt Zeitweilig, dachte man zuerst als es noch ein starkes russisches Judentum gab; denn Scholem Aleichem wollte nicht 111 Amerika begraben sein. Er wollte auch dort nicht leben. ״Ui! Wellen mir sach dos a los ton vun Amerike“, träumte er in einem Briefe an seine Tochter. Nun ruht er auf dem Brooklyner jüdischen Friedhof und auf dem Gedenkstein ist die von ihm selbst verfaßte Epitaph zu lesen: Do ligt a Jid a Poschuter Geschrieben jiddisch-daitscb far Waiber Un far’n prosten Volk hot er — Gewen a Humorist a Schreiber. Dos ganze Leben uisgelacht Geschlogen mit der Welt Kapores Die ganze Welt hot gut gemacht Un er — ui weh — gewen af Zorcs. Und davvke demolt, wen der Eitom h . gelacht, geklatscht un lieg sich frehe,; hot er gekrenkt — dos weiß nur Gott Besod as keiner sol nlt sehen. IV. Von nicht minderem Interesse sind auch jene Briefe, die unter dem Titel ״Mit Freunt und Jiden vun a ganz Johr“ in fern Scholem Aleichem-Buche aufgenommen worden sind. Da luden wir eine Antwort an einen reichen jüdischen Kaufmann, und begnügte sich an allen Punkten des Landes mit Ver¬ Sammlungen. Die Regierung hatte umfassende Maßnahmen getroffen, um mit aller Schärfe die Ordnung aufrecht zu erhalten. Schon am Vortage fanden in verschiedenen Städten Verhaftungen von einzelnen Leuten statt, die man des Kommunismus verdächtigte. Am 1. Mai selbst wurde ein kleines Häuflein linker Poaie Zion und Kommunisten, die trotz des Umzugsverbotes einen Zug gebildet hatten, von der Tel- Awiwcr Polizei mit größter Schärfe auseinandergejagt. Das war jedoch der einzige Zwischenfall, der im ganzen Lande zu verzeichnen war. Im übrigen verlief alles ruhig und planmäßig. Ueberall war eine besondere Stimmung zu bemerken, die Straßen überfüllt, es wurde gesungen ■und getanzt. Berliner Zionistische Vereinigung Montag, den 23. Mai, abends 8% Bhr im Reiriiswirtgcbaftsrat, Bellevuestr. 15 vortmg Kurt Biumenieid: jasiodiichepaiiinnr Ein Reisebericht. ijCnkostenbeitrag 0,60 Mk. — Eintritt: für Jugendliche frei. Im allgemeinen bot dieser Tag eher den Charakter eines allgemeinen Festtages, als eines Festes einer kämpfenden Klasse. Der Inhalt der Reden, die fast sämtlich die speziellen Probleme des jüdischen Volkes berührten, die Tatsache, daß man neben der Internationale überall die üblichen Chaluzlieder Palästinas hörte, all das gibt dem 1. Mai Palästinas ein ganz spezielles Gepräge. Dazu kommt, daß der 1. Mai für Palästina der Gedenktag ist für jene unseligen Ueberfälle vor sechs Jahren, so daß hier in die Stimmung des Arbeiters Töne mitschwingen, wie sie vielleicht kaum anderswo zu finden sind. Nach dem 1. Mai ist cs still geworden. Palästina wartet wieder einmal auf die Resultate der Londoner Sitzungen. Man fürchtet und hofft. Es scheint, als begänne ein langsamer, sehr schwerer und vielleicht lange dauernder Aufstieg, ein Beginn normaler Arbeit und normalen Lebens. Das Kriegerdenkmal aal dem Oelberg Jerusalem, S. Mai. (J.T. A.) Feldraarschall Viscount Allenby ist am 6. Mai mit Lady Allenby in Palästina eingetroffen; sie stiegen im Regierungshause als Gäste von Lord PIumer ab. In Begleitung Lord Allenbys befanden sich der Oberkommissar für Neuseeland Sir James Parr und Generaltnajor Sir Edward C h a y t o r; die beiden hatten als Kommandeure der australischen und der neuseeländischen Divisionen am Palästinafeldzug teilgenomnien. Am Sonnabend, den 7. Mai, wurde die Denkmalskapelle des Kriegerfriedhofes auf dem Oelberg durch Lord Allenby enthüllt. An dem gleichen Tage nahm Oberkommissar Parr die Enthüllung des Denkmals für die gefallenen Angehörigen der Neuseeländer-Division vor. Die Inschriften an der Denkmalskapellc sind in englischer, hebrä-!scher und arabischer Sprache gehalten. In den Inschriften heißt es u. 8., daß das Denkmal von den nicht beamteten Mitgliedern des Advisorv Council im Dezember 1920 angeregt wurde ״als eine freiwillige Gabe des Volkes von Palästina zur dauernden Ruhestätte der Angehörigen der alliierten Armee, die im Kriege 1914 bis 1918 gefallen sind“. Der Friedhof wurde nach den Entwürfen von Sir John Burnet erbaut; der Eingang ist vom Reichswappen überragt, das von den Abzeichen aller Regimenter, die an dem Feldzug tcilnahmen, flankiert ist. * Zur Einweihung des Kriegerdenkmals schickte Dr. Welzmann ein Telegramm an Lord Allenby, in welchem es heißt: Namens der Zionistischen Organisation und in meinem eigenen Namen drängt es mich, Ihnen mitzuteilen, daß die Gedanken der Weltjudenheit heute bei Ihnen weilen. Wir können niemals diejenigen vergessen, die ihr Leben für die Befreiung des Heiligen Landes gelassen haben, und wir sind überzeugt, daß das unter britischer Flagge wieder aufgebaute Palästina ein würdiges Denkmal für die gebrachten Opfer darstellen wird. der zwar gern ein Mäcen sein möchte, der es aber vorläufig nur bei einem langen Brief im Stile Scholem Aleichems bewenden ließ. Die Antwort, in ironischem Ton gehalten, gibt dem reichen Kaufmann deutliche Winke, auf welche Weise er sich als Mäcen betätigen könnte. Er teilte ihm die Adresse jenes Volks-Komitees mit, das sich zur Aufgabe gestellt hat, den Verlegern das Recht auf die Werke von Scholem Aleichem wieder abzukaufen und es dem Dichter zurückzugeben. Der ״Mäcen“ ließ natürlich nichts mehr von sich hören. Wunderbar ist der Brief an eine befreundete Familie, die den Tod einer Tochter zu beklagen hatte. Kein Ausdruck des Mitleids im hergebrachten Sinne, sondern hier nimmt ein Mensch, der selbst leidend ist, den Schmerz des andern in sich auf, hier versucht ein Freund zu trösten, indem er seine mitfühlende Seele öffnet. Dieser Brief ist ein langer, ausführlicher, und am Schluß richtet er an die schwer betroffene Familie folgende Bitte: Teurer Manisch, teuere Pa je! Wenn Ihr imstande seid und Ihr es wollt, mir auf meinen Brief zu antworten, werdet Ihr mir und Euch den Schmerz ein wenig erleichtern. Und wenn Ihr schreiben werdet, werdet Ihr schon alles schreiben: An welcher Krankheit ist die teure, unvergeßliche Liolja gestorben? Und alles, wie Ihr es könnt und jeder besonders und von ihren letzten Tagen und von ihren letzten Wochen und Monaten — alles sollt Ihr schreiben.“ Das ist die Sprache des großen Kinderfreundes und seltensten Vaters, das ist die Sprache seines Haupthelden Tewje, das sind die Ströme von Zärtlichkeit und Liebe, die aus dem Herzen dieses großen Juden sich ergossen. Wie gern möchte man noch bei den köstlichen Anekdoten, die Bcrkowitz von Scholem Aleichem erzählt, verweilen. Wie er z. B. einen jüdischen Kaufmann in Lugano, der durch eine unvorsichtige Aeußerung zuerst sein Judentum enthüllte, es aber bald energisch abstritt, aufs Komischste und Eindringlichste doch zum Bekenntnis zwingt Oder diese reizende Szene am Lausanner Bahnhof: Scholem Aleichem begleitete seine Kinder, die einen Ausflug nach Montreux machen wollten. Die Ruhe, die auf dem Lausanner Bahnhof herrschte, rief wahrscheinlich lu seinem Gedächtnis irgendeine kleine Eisenbahn- Station in der Ukraine wach, er sah in Gedanken seine Kasrilowker Juden rennen, lärmen, flehen, und cs machte ihm offen- Besuch 10 NaJialal Der Oberkommissär von Neuseeland, Sir |ames Parr. der zeitweilige High Cotnmissioner von Australien, General Doods, und der Vertreter des königlichen Komitees für Kriegsgräber, Col. Muse, die anläßlich der Einweihung' des Kriegerdenkmals auf dem Oelberg in Palästina weilen, besuchten, wie der Ziko unter dem 11. d. M. aus Jerusalem telegraphiert wird, die Keren Hajessod-Kolonie Nahalal. Aul einem ihnen zu Ehren in der Mädchenschule in Nahalal veranstalteten Tee wurden sie von dem politischen Sekretär der Zionistischen Exekutive Naamani und den Vertretern der Kolonie begrüßt. Sir James Parr, der früher Unterrichtsministcr in Neuseeland war, erklärte u. a., er sei vom Schulsystem entzückt. Der Gesamteindruck der Kolonie sei ein großartiger. Eine neue Bank Eine Handelsbank mit einem Kapital von 1 Million Dollar ist gegenwärtig in Tel-Awiw in Gründung begriffen. Organisatoren der Bank sind die amerikanischen Juden Mr. Director, Mitglied der Abordnung der amerikanischen Geschäftsleute in Palästina, Mr. Blum, der Besitzer der Fabrik für künstliche Zährte, und Herr Sam Cohen an« Wien. Mädcheniarmen in Palästina ln dem diesjährigen Keren Hajessod-Budget ist ein Betrag von £ J! 500 für den Zweck der Förderung der Ausbildung junger Mädchen in der Landwirtschaft vorgesehen. Von diesem Betrage sind bis Ende März £ 6(w3 ausgezahlt worden. Aus diesen Mitteln des Keren Hajessod unterstützt das landwirtschaftliche Departement der zionistisehen Exekutive die Mädchenfarmen in: Nachlath Jehuda, Pc* fach Tikwah, Schcchunat Borochow, Chederah, Baumschule in Jerusalem; Farm der orthodoxen jungen Mädchen ״Berurij a h“, Petach Tikwah. Die Beträge, die aus dem landwirtschaftiichen Budget iiir diese Mädchen ausgezahlt werden, schwanken zwischen £ 670 und £ 1095. Dazu kommt eine Ausgabe von £ 450 für besondere Instruktionskurse in diesen Mädchenfarmen. Außerdem sind im laufenden Jahre noch eine Reihe von Mädchen-Kwuzot in Petach Tik* wall, Rischon le Zion, Chedera, Tibcrias, Haifa, Ramatgan, N e s Zlonah und Tel-Awiw vom Arbeitsdeparte'ment der zionistischen Exekutive begründet worden, die sich mit Gemüsebau und Blumenzucht abgeben und die eine durchschnittliche Unterstützung von £ 400 erhalten. In Haifa unterstützt der Keren Hajessod auch ein besonderes Mädchenheim. Die April-Eingänge des Keren Hajessod Wie der Ziko unter dem 11. d. M. aus Jerusalem telegraphiert wird, sind beim Hauptbüro des Keren Hajessod Im Laufe des April £ 43100 eingegangen; davon brachten u. a. auf: Vereinigte Staaten £ 21 350, Südafrika 3000, Rumänien 2700, England 2430, Schweden 2110, Tschecho- Slowakei 2030, Deutschland 1950 Indien 1400, Holland 1150. Eine arabische Räuberbande. Der anglikanische Bischof von Jerusalem, Dr. Rennie Mac Innes, wurde, als er sich mit seiner Frau auf einer Autofahrt in der Nähe von Jerusalem befand, in der Nacht vom 4. zum 5. Mai von arabischen Banditen überfallen und ausgeraubt, Ein anderes Auto wurde von den Banditen an derselben Stelle angehalten, der Führer getötet und eine Reisende;, verwundet. Die Banditen verschwanden spurlos, und eile Polizei bemüht sich, sie zu ergreifen. Jerusalem, 9. Mai. Isaak Zindler, ein Schon!er der Kolonie Machneh Israel, ein alter Chaluz, wurde in der Nähe der Siedlung erschossen aufgefunden. Ein Araber, der früher Wächter in der Kolonie war, ist unter dem Verdacht verhaftet worden, den Schomer getötet zu haben. Die Neubauten für die Regierungsgebäude in Jerusalem sollen bereits in kurzer Zeit in Angriff genommen werden. Die Regierung hat in Mizpah ein Terrain von 62000 Quadratpick erworben und die Vorbereitungen zum Bau bereits begonnen. Von den 22065 jüdischen Einwanderern, die nach Palästina im Laufe des Jahres 5686 gekommen sind, waren 13793 Chaluzim, für deren Einwanderung die Zionistische Exekutive die Verantwortung übernommen hat. Zahlenmäßig kamen als nächste nach den Chaluzim 3179 Einwanderer, die in Palästina Verwandte hatten und 2173 Personen der Kapitalistenklasse. bar Spaß, oder es war ihm einfach Herzensbedürfnis, sich Her, auf diesem korrekten Lausanner Bahnhof in einen Kasrilowket Juden zu verwandeln. Plötz'ich, zum größten Erstaunen seiner Familie, fing er an. den Perron entlangzulaufen und jeden Stehenden aufgeregt und gestikulierend zu fragen, wo die dritte Klasse sich befinde und ob man schon zur Abfahrt geläutet habe. ״Sie fahren vielleicht nach Fastow? — bestürmte er ein englisches Ehepaar - Gewalt Menschen, erbarmt Euch, wo ist die dritte Klasse, die* dritte Klasse?“ Unter den Reisenden und Engländern — erzählt Bcrkowitz — entstand eine Unruhe, mau bückte einander an, fragte, was denn mit diesem sonderbaren Ausländer passiert sei. Und Scholem Aleichem rennt immer an den Wagen vorbei, schaut in die Fenster, sucht rennt nachher zu uns mit einem ernsten, aufgeregten Gesicht: ״Kommt, gefunden! Dort ist die dritte Klasse.“' Und er schiebt uns alle in den Wagen hinein. Wir stehen im Korridor und können uns vor Lachen kaum auf den Füßen halten. Er aber ist ernst. Die langen Haare fielen ihm über die Stirn, die Augen tief bekümmert, das Gesicht aufgeregt. ״Also nicht vergessen! Wenn Ihr dorthin ankommt, sollt Ihr sofort depeschieren! Unbedingt eine Depesche! Tissi, hast Du Deine Bagagequittung gut aufgehoben? Rerkowitz, hüte Deine Uhr, Ihr müßt doch Bcrditzschew passieren, so könnt Ihr Gott behüte dort ohne Uhr bleiben! Marußja zähle noch einmal Dein Gepäck! Es dürfen neun Stücke sein! Ha! Vielleicht auch zehn, nein elf.“ Der Zug rührte sich schon und Scholem Aleichem lauft unserem Wagen nach und fuchtelt mit dem Schirm. ״Fohrt gesund, grüßt allenienn, gor freindlacli!“ Abgefahren vom Bahnhof, sahen wir von ferne, wie Scholem Aleichem ganz allein auf dem Bahnhof steht, uns mit den Augen folgt und sich vor Lachen schüttelt. Das ״Scholem Aleichem-Buch״ ist die bedeutendste literarische Erscheinung der letzten Jahre, es ist ein wunderbares Buch, das die Herzen der Leser erfreuen und die Erinnerung an Scholem Aleichem wach halten wird.

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