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Jüdische Rundschau · 1927-05-13 · Heft 38 (13.5.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 38 (13.5.1927)
Date
1927-05-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 272 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38 Nr. 38 j osef S p r i n 2 a k referierte über die Lage in Palästina und führte aus: Die Anfänge der jetzigen Krise reichen bereits mehrere Jahre zurück. Die Krise setzte schon in den ״Fetten Jahren“ ein; sie mußte kommen, weil wir nicht genug ״Fundamentales“ geschaffen hatten, in den acht Jahren unserer Arbeit schufen wir gerade nur den ״E m e k׳\ Wir legten uns nie die Frage vor, was aus dem gewöhnlichen luden werden soll, der kein ״C h a I u z“ ist und nicht die Fähigkeit besitzt, sich in der Landwirtschaft zu akklimatisieren. Es war dies eine Zeit unbegründeter Hoffnungen und illusorischer Eroberungen. Noch in dieser guten Zeit hat uns der Präsid e n t der Zionistischen Organisation vor der Gefahr einer kontr ״׳enden Krise gewarnt. Ich selbst war optimistischer, da ich mein Vertrauen in die der jüdischen Mittelklasse inne* wohnenden Kräfte setzte. Das Phänomen des Versagens dieser Kräfte ist die große Enttäuschung für uns. Wir leiden an dem Mangel an ״Macht“. Die Zionistische Organisation stellt nach außen eine machtvolle Körperschaft dar, und sie ist es auch in der Tat. Der Keren Hajcssod ist ebenfalls ein mächtiger Faktor. Aber mit nicht mehr als 600 000 Pfund ahresbudget können wir die Macht in Palästina nicht beaupten. Unsere Machtlosigkeit hat den beschämenden Geist des Separatismus in Palästina zur Folge. Die Autorität und das Prestige der Zionistischen Organisation sind im Sinken. Für jedes Versagen, für jede Mißwirtschaft wird die Organisation verantwortlich gemacht, mag sie mit den Dingen auch nicht das geringste zu tun gehabt haben. Zum Beispiel wird die Zionistische Organisation wegen der jetzigen Arbeitslosigkeit in Afule 11 getadelt. Tatsächlich aber wurde sie hinsichtlich des Afuleh-Experimentes niemals um Rat gefragt Es ist uns nicht gelungen, alle jüdi- •chen Kräfte in unserem Palästinawerk zu einen; das Ergebnis ist: Arbeitslosigkeit Man zählt heute 8000 Arbeitslose; d. h. 8000 Juden hungern und sind ohne jede Kaufkraft Dies wirkt sich in einer weiteren Krise aus. Möglicherweise geht von hier die Krise der Existenz von weiteren 40000 Juden aus. Was wir jetzt brauchen ist Arbeit und Brot, sowie eine minimale Unterstützung unserer gesunden Unternehmungen. Gewiß wäre die Krise weit milder verlaufen, wären wir in der Lage gewesen, das ganze vom Aktions-Comitö in seiner letzten Tagung aufgestellte Finanzprogramm zu realisieren. War nun einmal die Krise da, so mußten wir die Arbeitslosen unterstützen, obwohl ein reines Unterstützungswerk im Widerspruch zum zionistischen Ideal, das ein Ideal der Produktivität ist, steht. Dennoch verzweifeln wir nicht. Ein Erfolg der Anleihe von 140 000 Pfund wird ja nur eine Atempause bewirken; dies wird aber der erste Schritt zur Gesundung unserer Lage sein. Sie dürfen die Exekutive heute nicht kritisieren, denn es hieße das ganze jüdische Volk kritisieren. Die Aufgaben wuchsen rascher als unsere Mittel. Jetzt haben wir ein neues Programm aufzusteifen, das nicht darauf hinzielt, Immigranten fernzuhalten, sondern deren dauernde Verwurzelung zu sichern. Es gilt, neue, konstruktive dCräfte mobil zu machen. Wir müssen ein Programm-Minimum für die Land- Wirtschaft aufstellen. Statt Ausgaben für öffentliche kurzfristige Arbeiten zu machen, sollten wir das Geld in Plantagen dauernden Charakters anlegen. — Sprinzak rühmte den Geist des jüdischen Arbeiters in Palästina, der sich in der Arbeit wie in der Arbeitslosigkeit gleichermaßen bewährt. Die zu erhoffende Atempause wird den Beginn der Befreiung von der Krise bedeuten. Dizengoff führte aus: Mein Departement wurde erst im vorigen Jahre eingerichtet, ich übernahm dessen Leitung im November 1926. Es ist darum zu früh, über die Arbeit dieses Departements urteilend zu sprechen. Die jüdische Stadtbevölkerung Palästinas macht 75 0/0 der allgemeinen jüdischen Bevölkerung des Landes aus. Abgesehen von den arbeitslosen Lohnarbeitern gibt es etwa 1900 Handwerker, die ohne Arbeit sind. Auch dieses Problem muß uns beschäftigen. In den Städten sind löMHlionenjüdischenKapitals investiert Allein in Te 1 -Awiw sind 5 bis 6 Millionen Pfund in unbeweglichem Eigentum investiert. Die Lösung der Krise liegt in der Richtung der Erhöhung des Einflusses jüdischen Privatkapitals. Wir müssen ferner auf Mittel bedacht sein, wie unserer abnormen Situation abzuhelfen, die sich darin ausdrückt, daß wir nur eine ausgebende, nicht aber auch eine einnehmende Behörde sind. Wir bezahlen alles, wir tragen die Kosten des Imports, zahlen den Arabern, geben der Regierung jährlich 1 600 000 Pfund in Form von Steuern und Zöllen ohne irgendein Aequivalent hierfür zu bekommen. Wir müssen den Export jüdischer Produkte aus Palästina zweckvol! organisieren. Die nahen Länder Aegypten und Syrien beziehen einen guten Teil ihrer Ware aus Griechenland; bei einer guten Konkurrenzbasis würden sie die gleichen Waren aus Palästina beziehen können. Die Bedingungen für Kapitalsanlage sind in Palästina ungünstig, weil die Regierung nicht, die notwendigen Vergünstigungen gewährt, die geeignet wären, Kapital anzuziehen. Sie müßte jenes Minimum an Privilegien gewähren, wie es z. B. in Rumänien besteht Wir selbst zeigen uns in vielfacher Hinsicht rückständig! Noch l aben wir nicht das kleine Kapital für die Industriebank herbeigeschafft. Die Krise, fuhr Dizengoff fort, ist jetzt eine ״Vertrauenskrise“. Es ist unsere Aufgabe, das Vertrauen in Palästina wieder herzustellen. Ich bin überzeugt daß es in unserer Möglichkeit liegt, diese Krise zu überwinden. Ich bin, sagte Dizengoff, in einer eigentümlichen Lage. Meinem Departement ist noch kein Budget bewilligt worden. Ich beantrage, daß das Aktions-Comitö ein besonderes Komitee für städtische Kolonisation ernennt. Nach einem Bericht von Federbusch (Misrachi) über die Tätigkeit des Einwanderungs-Departements der Palästina-Exekutive wurde die allgemeine Aussprache fortgesetzt Herr F a r - chi (Bulgarien) sagte, man werde mit ״Anleihen“ allein nicht auskommen. Man müsse die jüdischen Gemeinden der | ganzen Welt zu Leistungen heranziehen. Jede jüdische Gemeinde soll in ihr Jahresbudget einen Posten für Keren Hajessod einstellen. Diese Aktion wird gewiß nicht in einem oder in zwei Jahren beendet sein können. Es sei zur Durchführung derselben ein Sonderkomitee einzusetzen. Kaplansky (Palästina-Exekutive) berichtete, daß 1926 im ganzen 8000 Personen nach Palästina kamen; das bedeutet daß von den bewilligten 10000 Zertifikaten kaum 4000 benutzt wurden. Von den Arbeitslosen, die von der Exekutive unterstützt wurden, waren 35 0/0 bis 40 0,״ nicht eingetragene MitgliederderHistadruth. Es sei vollkommen falsch, der Exekutive im Hinblick auf die Krise Vorwürfe zu machen. Mindestens könnte man dem Aktions-Comite die gleichen Vorwürfe machen. Die als ״N o t s t a n d s a k t i o n“ geplanten Maßnahmen sind das Ergebnis langdauernder Erwägungen. Werden diese Maßnahmen wirksam gemacht so besteht die Aussicht, in fünf, sechs, acht Monaten die gewünschte Besserung zu erzielen. Robert Stricker (Wien) richtete an die Exekutive die Frage, ob sie die gegen die Idee des Judenstaates gerichtete Propaganda bekämpfen wolle. Er wies auf die Rede des Exekutiv-Mitgliedes Felix Rosenblüth auf der Konferenz der österreichischen Zionisten hin; in dieser Rede habe Herr Rosenblüth als offizieller Vertreter der Exekutive den Standpunkt der ״Jüdischen Rundschau“ vertreten, die das Zentrum der Anti-Judenstaatspropaganda ist. Stricker griff auch das zio* nistische Zentralorgan ״H a o 1 a m“ an, das die Wiener Kontroverse nicht entsprechend interpretiert hat. Weiter fragte Herr Stricker unter gleichzeitiger Feststellung, daß Dr. Weiz*• mann die ihm von der Organisation erteilten Machtbefugnisse nicht überschritten habe, ob es zutrifft, daß Mitglieder der Jewish Agency das Recht־ haben werden, sich durch andere von ihnen namhaft gemachte Personen vertreten zu lassen, und ob es bei der früheren Entscheidung bleibt, daß der Präsident der Zionistischen Organisation auch der Präsident der Jewish Agency sein muß. Felix Rosenblüth gab eine Erklärung über seine Rede in Wien ab und sagte, wenn Stricker die deutschen Zionisten des Verrats an der Idee, des Judenstaates bezichtige, so wende er sich gegen die herrschende Richtung im Zionismus. Er, Rosenblüth, habe in Wien gesagt, daß die Formel ״Juden- Staat“ aus verschiedenen Gründen schon in das Baseler Programm, das von dem ersten Kongreß formuliert worden war, nicht aufgenommen worden sei. Unter den gegenwärtigen Umständen und nachdem das Churchill-Memorandum von der Zionistischen Organisation angenommen worden ist, wäre es politisch unklug, auf die Formel ״Judenstaat“ wieder zurückzugreifen. Unerwünscht ist es auch, diese Formel auch nur auf einer Landeskonferenz öffentlich zu erheben, ist sie doch von keinem einzigem Kongreß mehr akzeptiert worden, und zwar aus einer höheren Verantwortung heraus. Felix Rosenblüth drückte sein Bedauern darüber aus, daß die Presse damals seine. Bemerkung nicht registrierte, daß seiner persönlichen Meinung nach eine jüdische Mehrheit in Palästina eine Grundbedingung für das Wiedererstehen des Jüdischen Naiionalheims sei. Die zweite Frage Strickers beantwortete Dr. W e i z m a n n wie folgt. Detaillierte technischeOrganisationsfragen der zukünftigen Jewish Agency wurden In seinen Verhandlungen in Amerika nicht erörtert. Die Besprechungen wurden auf der Basis der Beschlüsse des 14. Kongresses geführt, laut denen der Präsident der Zionistischen Organisation zugleich auch der Präsident der Jewish Agency ist. Twersky fragte, welche Schritte unternommen wurden, um die Ratifizierung der Gemeindeordnung in Pa- 1 ä s t i n a zu beschleunigen. Colonel Kisch erwiderte: Der Entwurf der Gemeinde- Ordnung ist fertig, aber bei seinem weitläufigen komplizierten Charakter ist es selbstverständlich, daß ein eingehendes Studium längere Zeit erfordert; dies verzögert etwas die Ratifikation una Veröffentlichung. Ute Mittwoch-Sitzung Nach Redaktionsschluß erhalten wir folgende Depesche: Die Tagung des Aktions-Comitfo wird voraussichtlich Freitag, den 13. Mai, beendet sein. In der Sitzung vom Mittwoch, den 11., hielt Sir Wyndham Deedes eine Ansprache. Hierauf wurden die Berichte der eingesetzten vier Kornmissionen erstattet. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Vollmachten der in dem Manifest der Exekutive angekündfgten Fünferkommission für Reorganisation und Budgetfragen, die sich nach der A.-C.-Sitzung nach Palästina begeben wird. Die Zosammensetzung der Kommissionen Politische Kommission: Dr. Chajes, Kurt BIumenfeld, Dr. Hugo Herr mann, Dr. M. Hin des, Deputierter Dr. Thon, Deputierter Dr. Leon Reich, Dr. Schmarjah Levin, Rabb. Senator Rubinstein, Deputierter Farbstein, Dr. Katznelson, Deputierter Levinson, Deputierter Grünbaum und Ben Gurion. Palästina-Kommission: Miß Szold, Mossinsohn, Schmorak, Blumenfeld, Hindes, Lewite, Herrmann, Landau, Neufeld, Kaplan, Lewinson, Ben Gurion und Grünbaum. Kommission für Finanzfragen: Jacobson, Rufeisen, Rosenblatt, Helfmann, Farchy, Ussischkin, Levin, Farbstein, Federbusch, Twersky, Heller, Remes und Stricker. Kommission für Organisation und KongreBvorbereltung: Chajes, Thon, Reich, Hantke, Kahan, Goldbloom, Rosenblatt, Farbstein, Federbusch, Heller, Katznelson, Locker und Grünbäum. * In den Ln der vorigen Nummer veröffentlichten Zahlen aus den Berichten des K. H. und N.-F., die dem A.-C. vorgelegt wurden, haben sich arge Druckfehler eingesclilichen. An jede Zahl ist eine Null zuviel angehängt gewesen. Es muß heißen: Die Eingänge des K. H. sind von 220 000 auf 360000 £ gestiegen und die Eingänge des N.-F. belaufen sich im letzten Halbjahr auf 130 (WO £. Die neaen Banknote■ Die demnächst in Verkehr tretenden Geldnoten in Palästina werden bekanntlich neben der englischen auch eine h e b r ä - i s c he und arabischzc Inschrift tragen. Eine arabische Ab- Ordnung erklärte, daß die Araber die Annahme der neuen Noten verweigern werden, wenn auf diesen sich auch eine h e b r i - ische Inschrift befinden werde. Seitens der Regierung wurde geantwortet, daß im Falle der Ablehnung dieser Noten sich die betreffenden Personen einer strafbaren Handlung schuldig machen werden, da die Noten aut Grund von Regierungsbeschlüssen mit den entsprechenden Aufschriften versehen sind. Als jüdische Kandidaten für die^tadtratswahlen in Jaffa wurden Dizengoff und Motro, ein sefardischer Kaufmann in Jaffa, gewählt. Solidarität Von Dr. Aron Barth (Berlin). In diesem Jahre der Krise ist die Erhöhung der Schekelzahl von allergrößter Bedeutung. Nicht nur ist es für die An- Sprüche, die wir der Mandatsmacht gegenüberstellen müssen, dringend wichtig, daß eine möglichst große Zahl von Juden durch Entrichtung des Schekels ihre Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation dokumentiert, sondern auch für die Verhandlungen zur Erweiterung der Jewish Agency und zur Heranziehung weiterer Kreise für das Palästinawerk ist jeder Schekelzahler eine Stärkung unserer Position. Vor allem aber, und dies sollte niemand vergessen, der Palästina-Interessen hat, können unsere im Lande selbst schwer ringenden und leidenden Brüder von uns erwarten, daß wir wenigstens durch die Tat des Schekels ihnen unsere Solidarität beweisen. Wer nicht selbst nach Erez Israel gehen kann, muß sich klar darüber sein, daß dies die einzige Möglichkeit ist, sich wenigstens ideell in die Palästinafront einzugliedern. — schreibt Scholem Aleichem —, ״wieviel Blut und Gesundheit mich der erste Brief an Sie gekostet hat, in dem ich mir erlaubt habe, um Hilfe zu bitten, um mich zu retten, um meine unschuldigen Kinder aus dem großen Brand herauszuholen. Ich bin dessen sicher, daß in dem glücklichen Lande Amerika nicht wenig Leute vorhanden sind, die sich des Scholem Aleichems erinnern, als er auf der Höhe stand, im Besitze von vielen Zehntausenden war (gihat die groi.se Zchner-Tuisender), große Geschäfte machte und vielen, vielen Familien, in großer Ehre (mit groiss Kowed) zu verdienen gegeben hat. Wie bitter und schmerzlich es einem Scholem Aleichem sein muß, sich um Hilfe zu wenden, dürfen Sie verstehen, besonders ein solcher Mensch wie ich, der kein Recht hat, vom Volke zu fordern, denn das jüdische Volk ist arm. Das bißchen, was ich meinem Volke gegeben habe, war meine Pflicht, und dafür jetzt einen Lohn zu verlangen, wäre albern.“ Wie unbeholfen steht hier vor uns der jüdische Dichter, der ahnt, daß literarische Verdienste, wenn sie noch so groß sind, keine besondere Geltung im Dollarlande haben können, und der nun versucht, durch den Hinweis auf den einstigen Reichtum, auf die ״groissen Zehner-Ttiisender“, sich seinen Volksgenossen jenseits des Ozeans in Erinnerung zu bringen. Das Volk liebte Scholem Aleichem, und in Zeiten der Not ist es ihm immer beigesprungen. Mit den Spenden des Voltes war es seinerzeit den Freunden Scholem Aleichems gelungen, den Verlegern die Rechte auf seine Werke wieder abzukaufen und sie ihm zurückzugeben. Das Volk bekundete Scholem Aleichem immer tiefste Anhänglichkeit und Dankbarkeit. Es bejubelte ihn, wohin er nur kam. Andererseits war sein Ahnen betreffs Amerika auch richtig. In diesem Lande hat man ihm zwar auch geholfen, aber nicht, ohne dabei seine Seele zu verletzen. Nach pompöser Aufnahme wurde bald darauf eisige Kälte und Gleichgültigkeit gezeigt. Und für die Zeitungen war sein Name hauptsächlich ein Mittel, die Konkurrenten zu schlagen, was auf die geschmackloseste und gröbste Weise oft geschah. Als Beispiel wird in dem Buch die Bekanntmachung des New Yorker ״Tageblatt“ vom Jahre 1905 gebracht, die unter dem Titel ״Wir bringen ihn nach Amerika“ folgendermaßen beginnt: »Unsere Leser und die Freunde von dem Die Briefe Scholem-Aleichems Von Sch. Gorelik. HI. Den Briefen an die Familie folgt ein Teil — wieder mit einer höchst inhaltsreichen Einleitung von Berkowitz versehen — der die Korrespondenz Scholem Aleichems mit Schriftstellern enthält. Der erste Brief dieser Sammlung ist von dem literarischen Anfänger Scholem Aleichem, der damals noch Salomon Rabinowitsch zeichnete, an Mendele Mocher Sforim in russischer Sprache gerichtet, und der letzte ist an den Dichter Jehoasch im Jahre 1916, einige Wochen vor seinem Tode, geschrieben. Fast mit allen bedeutenden Schriftsteilem seiner Zeit stand Scholem Aleichem in eifrigem Brief- Wechsel. Von den zwei literarischen und geistigen Zentren, die sich damals herausgebildet hatten, nämlich Warschau und Odessa — in Wilna begannen erst die ersten Zeichen einer geistigen Gruppierung — stand ihm am nächsten die Odessaer Gruppe. In Odessa lebte Mendele Mocher Sforim, dem Scholem Aleichem den Namen ״Seide“ (Großvater) gegeben hat, während er sich selbst als seinen ״Einikel“ (Enkel) bezeichnet. Dort wohnten auch Bialik, Raworitzki, Ben-Ami, Dubnow, Lewinsky, mit denen ihn eine tiefe Freundschaft verband. Außerdem bedeutete Odessa Ukraina, und Scholem Aleichem liebte diese ukrainische Heimat, die ukrainische Judenheit, die er doch hauptsächlich schilderte. Von den Warschauer Schrift- Stellern war er innig befreundet mit Spektor (der auqh Ukrainer war), David Frischmann und Dinensohn. Sehr interessant ist es aber, daß sich mit den beiden eigentlichen geistigen Führern beider Zentren, mit Achad Ha am (Odessa) und Perez (Warschau) irgendwelche engeren Beziehungen nicht anknüpfen konnten. Achad Haam mußte schon durch seine ganze Einstellung zum Judentum der Gegenwart, wie auch zur jüdischen Sprache, einem Scholem Aleichem, der in die Juden der Gegenwart verliebt war, der auch Positives und Vollwertiges in der geschilderten Wirklichkeit fand, vollständig fremd sein, obwohl sich Achad Haam, als er in Montreux zur Erholung weilte, 01t mit Scholem Aleichem traf, der damals (im Jahre 1912) auch dort wohnte und sich sehr gut mit ihm vertrug. Dagegen waren die Beziehungen mit Perez immer gespannt. Für Scholem Aleichems Begriffe war Perez* Schaffen zu maniriert, zu literarisch. Er sah in ihm vor allem den Intellektuellen, der sich um Kunstrichtungen bemüht und Jünger um sich sammelt. Perez seinerseits, der geistiger Revolutionär, Probiematiker war, unterschätzte die ungeheuere, künstlerische Bedeutung Scholem Aleichems, und es wollte ihm nicht einleuchten, daß die Hauptgestalten seiner Werke Ewigkeitsgeltung in der jüdischen Literatur für sich beanspruchen könnten. Die beiden großen Schriftsteller trafen ein paarmal zusammen, sie haben später die Meinung voneinander in milderem, verständnisvolleren Sinne zu korrigieren versucht, einigermaßen herzlich sind indes ihre Beziehungen niemals geworden. Die Briefe Scholem Aleichems an Schriftsteller tragen alle Merkmale seines Naturells: überschäumende Herzlichkeit, weichen, warmen Humor, zuweilen Ironie, die aber niemals verletzend wirkt. Wenn es nicht einfache Freundschaftsergüsse des oft sehr leidenden, aber vor anderen stets gut gelaunten Scholem Aleichem waren, so handelte es sich in diesen Briefen meistens um bestehende, untergehende oder neu gegründete Zeitschriften und allerhand literarische Pläne. Die Entwicklungsgeschichte der jüdischen Literatur ist in diesen Briefen leicht zu verfolgen. Von diesen Briefen mit Schriftstellern müssen diejenigen an einen amerikanischen jüdischen Wissenschaftler, einen gewissen Dr. Moritz Fischberg, besonders erwähnt werden. Er vermittelte nämlich die erste Reise Scholem Aleichems nach Amerika. Die Pogrome im Jahre 1995, die Scholem Aleichem und seine Fapilie in Kiew erleben mußten, wirkten derart erschotternd auf ihn, dazu gestalteten sich seine pekuniären Verhältnisse so schlecht, daß er die einzige Rettung in einer Auswanderung nach Amerika sah. Der erwähnte Dr, Fischberg, den Scholem Aleichem zufällig in Warschau kennen lernte, versprach, die Sache zu ordnen, sobald er selbst in Amerika eintreffen wü'-de. Die Briefe Scholem Aleichems an ihn betreffen nun diese Reise, die nicht so leicht verwirklicht werden konnte. Wie niemals zuvor zeichnen sich diese Briefe durch ihren verzweifelten Ton aus. ,,Rettet den jüdischen Volksdichter“, ruft er mehrmals aus. ״Darf ich Ihnen erzählen“ D Nach beginnt ji zubauen 1 Woche ai wurden, Unterstufe wieder ai hingewies auf diese! das den s Bau des Stützung wurden ( kommt zi Ein Zu zu daß neue Arbeitsan hindert, Zuwande Wochen! Von einem G< worden, dem Au Presse, י diese Ts selbstver male Sta in der \t ausreich« anderes erste Sei gung de In : Arbeitsp Auflehnt ähnliche Monat i Unterstü und der um der fassende keit zu Jerusale! 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