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Jüdische Rundschau · 1927-05-06 · Heft 36 (6.5.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 36 (6.5.1927)
Date
1927-05-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Denn die Versuche in Land und Stadt erstrecken sich bisher über eine zu kurze Zeit, als daß man mit Sicherheit heute einen Wirtschaftszweig verurteilen könnte. Man hat das freilich im Lande oft und gern getan. Ein noch frisches Beispiel ist der Tabak, den man heute nicht erwähnen darf, ohne als ein unverbesserlicher Optimist ausgelacht zu werden. Dennoch ist es klar, daß die Experimente von noch nicht drei kurzen Jahren absolut ungenügend sind, um zu entscheiden, ob und welche Tabakkulturen in Palästina günstige Perspektiven bieten. Und ähnlich ist es uns mit einer ganzen Reihe anderer Versuche gegangen, denen man sich in der ersten Begeisterung mit großer Verve hingegeben hat, um sie nach den ersten Mißerfolgen einzustellen. Andererseits jedoch sind auch die Gebiete gezählt, von denen man heute m i t G e w i ß h e i t behaupten kann, daß sie sich rentieren. Unter diesen wenigen Gebieten nennt man heute in erster Reihe mit Recht den Orangen hau und darüber hinaus Obstplantagcn überhaupt. Seit einiger Zeit beginnt man sich in der Theorie, und Praxis neben der Jaffa-Orange mit Bananen, mit Tafeltraube!!, mit Grape-fniit usw. zu befassen. Es gibt sogar heute schon Ansichten, die die Banane und T raube der Orange voran stellen, ln den Kolonien fallen überall neuangelegte Bananenplantagen und frisch angelegte Weingärten für Tatclzwccke auf. Aber wie es auch um die Vorteile und Nachteile der verschiedenen Obstsorten bestellt sein mag, so kann man beute in Palästina nur über die Orange etwas sicheres aussagen. Nur die Angaben über Orangenbau gründen sich nicht auf Theorien, Berechnungen, Parallelen oder Beispiele, sondern neben diesem allen auch auf eine jahrzehntelange Erfahrung im Lande beim Anbau selbst. Es fst daher sehr erklärlich, wenn sich zurzeit viele, die in Palästina Kapital investieren wollen, in erster Reihe für die Anlage von Orangenplantagen interessieren. Die anderen Fruchtarten werden zuerst eine bestimmte Karenzzeit zu durchlaufen haben, ehe ihr Anbau ohne größeres Risiko auf Grund der gesammelten Erfahrungen, was Kultur und Marktverhältnisse betrifft, sich durchsetzen wird. Die letzten Jahre haben eine bedeutende Vcrgroßerung desOrangenbaues gebracht. Nach den Statistiken sind 1m Laufe des letzten Jahres gegen 10 000 Dunam neu gepflanzt worden, die zu den bisher bestehenden 30 090 Dm1am ninzukommen. Jedoch sind diese Zahlen nicht genau, da wir nicht imstande sind, die arabischen Plantagen mitzuschätzen. Der arabische Anbau ist jedoch in letzter Zeit stark gestiegen. In den Exportziffern besteht naturgemäß überhaupt keine Scheidüng zwischen arabischem und jüdischem Produkt. Den bestehenden Schätzungen nach soll der jüdische Mehranbau größer sein als der arabische, so daß in sechs bis sieben Jahren, wenn die Neupflanzungen beginnen Frucht zu tragen, der Anteil der Juden an der Ausfuhr mehr als ein Drittel (heute beträgt er gegen 30 °/0) sein wird. Dabei muß jedoch festgehalten werden, dal dieses Verhältnis nur für die Produktion, nicht aber für die Pflückung und den Verkauf gilt. Ein großer Teil der Ernte, des Transportes und des Verkaufes auch der von Juden gezogenen Orangen liegt heute in arabischen Händen. In Petach- Tifcwah allein wird dieses Jahr der Pffücklohn der Araber auf £ 15000 geschätzt. Bisher erkennt man die Tendenzen zur Erweiterung des Orangenbaues an folgenden Stellen: In den bestehenden Kolodien vergrößern die Besitzer ihre Anbaufläche um kleinere und größere Mäße. Neue Pflanzer kommen hinzu. Dabei gibt es alle Stufen, vom selbstarbeitenden Kleinkolonisten, der sich einen halben oder ganzen Dunam Plantage anlegt, bis zu den großen Erweiterungsarbeiten in Petach-Tikwah, Cliederah usw. Daneben haben einige Pflanzungsgesellschaften mit der Arbeit begonnen. Da sind zu nennen die deutsche Pflanzungsgesellschaft von Dr. Brünn, die in der Umgegend von Chederah zu pflanzen beginnt, die amerikanische Gesellschaft unter der Leitung von Peers, die sich jetzt mit jener Gruppe amerikanischer Kaufleufe zusammengetan hat, die bereits auf dem Schiff mehrere hunderttausend Dollar für Orangenpflanzungen zeichneten, und schließlich bereitet die Pica in der Nähe von Kar kur eine neue Kolonie vor, die auf Pflanzlingen beruht. Aber all das sind zweifellos nur Anfänge. Sobald die Bodenfrage leichter zu lösen sein wird, d. h. sobald größere Flächen für den Anbau zur Verfügung stehen und sobald der Gedanke der OrangenpJanfage wirklich populär wird, kann eine ״Haussc“ in Orangen nicht ausbieiben. Denn hier handelt es sieh um ein Gebiet, das bereits experimentell erprobt und als rentabel erwiesen ist, um eine Investition, die bei relativ geringem Risiko hohe Prozente bringt. Ein Paiäsiinawanderer, der ein gewisses Minimum von Kapital besitzt und nicht in der Lage oder Willens ist, sich auf neuen Zweigen der Landwirt- Schaft oder Industrie zu versuchen, kann keine sichere und vielleicht auch bequemere Erwerbsquelle finden als eine Plantage. Und da das heute immer klarer und von immer mehr Leuten!׳erstanden wird, so wird die Pflanzungstätigkeit in den nächsten Jahren steigen. Man beginnt jetzt sogar Versuche zu machen, wie sich die Orange außerhalb des eigentlichen Orangengürtels Akko-Oaza bewährt, man zieht heute gute Früchte am Tiberiassec und macht Experimente in verschiedensten Zonen. Dazu behaupten die Sachverständigen, daß der Markt noch eine bedeutende Kapazität für Orangen habe und keine Furcht einer Uebcrproduktion bestände. Diesen Tatsachen und Prognosen gegenüber spielen Probleme wie die der entsprechenden" Packung, der Organisierung des Fruchthandels usw׳. nur eine nebengeordnete Rolle. Man wird sic mit einiger Anstrcngung lösen, wenn die Vergrößerung der Produktion zu einer besseren Ordnung des Verkaufs una Transports drängen wird, und diese Produktion wird kommen. Die Anlage neuer Pflanzungen als solche bedeutet für unsere Volkswirtschaft einen sehr bedeutenden Faktor. Nachdem man sehr lange davon gesprochen hat, daß das Privatkapital große und wichtige Aufgaben im Lande zu lösen habe, beginnt es jetzt in der Tat auf einem Gebiete zu arbeiten, wo es 1n vollem Sinne des Wortes produktiv ist. Hier wird ein hochwertiges Produkt hervorgebracht, das für den Export von Bedeutung ist, hier wird eine sichere Erwerbsquelle eröffnet und für eine bedeutende Anzahl Arbeit geschaffen. Jedoch hat die sich neu anbahnende Entwicklung noch eine andere Seite. Die neuen Pflanzungen basieren auf den Kenntnissen und Erfahrungen der alten Kolonien. Und es braucht nicht viel Voraussicht, um zu erkennen, daß die neuen Plantagen zu einem großen Teile die alten Kolonien in allem nachahmeii werden. Insoweit sie sich die wirtschaftlichen Erfahrungen zunutze machen, ist das gut und förderlich, sobald sie in den Betriebsmethoden auf den Spuren Pctacli-Tikwahs gehen, sind sie gefährlich. Denn die Rctriebsmcthode dieser Orte ist auch noch heute, obwohl sich vieles hier gebessert hat, arabische Arbeit, nicht nur bei der Pflückung, sondern auch bei Anlage und Bearbeitung. Wir haben vorher erwähnt, daß Petach-Tikwah dieses Jahr allein £ 15 000 Pflücklohn an die arabischen Händler*) abgegeben hat. Man kann sich nach dieser einen Zahl allein einen Begriff davon machen, was für ungeheure Werte durch die Verwendung arabischer Arbeit unserer Wirtschaft entzogen werden. Die Anlage von Plantagen, in denen ein Teil von Arabern beschäftigt wird, ist letzten Endes, wenn der Besitzer auch eine sehr positive Bilanz hat, nichts anderes als eine Kolonisation der Araber durch die Juden. Es ist z. B. interessant zu sehen, wie die Araber in den Kolonien sich nach einigen Jahren selbständig machen und Gemüse oder Orangen ziehen. Sie sind ״kolonisiert“ worden. Neben ihnen stehen heute die Tausende von Arbeitslosen, die eine so niederdrückende Last auf die Zionistische Organisation ausüben, daß sic heute de fakto fast jede produktive Arbeit unmöglich machen. Es wird oft bestritten, daß in den neugegründeten oder zu gründenden Plantagen die Gefahr fremder Arbeit bestünde. Daß sie bestellt, läßt sich heute schwer beweisen. Wenn man aber bereits Tatsachen zu verzeichnen hat, wird es zu spät sein. Dann wird wieder jener aufreibende Kampf der ״Eroberung der Kolonien durch jüdische Arbeit“ einsptzen, den wir in Palästina so gut kennen. Daher besteht heute die Frage, ob cs möglich sei, die neue Entwicklung von vornherein unter eine bestimmte nationale Kontrolle zu stellen, die durchweg jüdische Arbeiter in den Kolonien sichert. Als erfreulich darf bereits heute der Umstand bezeichnet werden, daß unter denen, die sich zum Pflanzen anschicken, der Wille vorhanden ist, jüdische Arbeit zu verwenden. Wie weit er sich unter wirtschaftlichem Druck und dem Vorbild der alten Kolonien durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Eine Sicherheit für die Vorherrschaft jüdischer Arbeit in den neuen Kolonien kann nicht allein durch den guten Willen, sondern durch besondere Maßnahmen gesichert werden. Diese Maßnahmen können sein: 1. Bereitstellung nationalen Bodens für Plantagenzwecke, 2. Beteiligung nationaler Gelder an den Pflanzungsarbeiten, 3. Bewässerungsanlagen durch nationale bzw. halbnationale Institute (Keren Kajemeth, Ruthenberg). lieber die Möglichkeiten der Anlage von Plantagen auf nationalem Boden ist nicht viel zu sagen. Der Keren Kajemeth müßte, um sein Arbeitsfeld gründlich erweitern zu können, und so neue Verpflichtungen auf sich zu nehmen, viel größere matcriclle Möglichkeiten haben, als sie jetzt vorhanden sind. Das Problem schrumpft hier vollkommen zur Geldfrage zusammen. Mit dem Moment, wo der Keren Kajemeth imstande ist, den Pflanzern Boden in Pacht zu geben, hat er das Mittel in der Hand, jüdische Arbeit zu garantieren. Es ist aber, der Lage des Fonds entsprechend heute nicht wahrscheinlich, daß er Nennenswertes auf diesem Gebiete zu tun vermag. Die zweite Möglichkeit ist die Bereitstellung nationaler Gelder für private Pflanzungsgesellschaften. Hier gibt es zwei Vorbedingungen: Die eine Seite muß das Geld haben, die zweite muß es annehmen und dafür der Exekutive eine be- *) Der Händler kauft die Frucht auf dem Baum und läßt sie von seinen Leuten pflücken und packen. len bleibt ig zu bend. Allen- 1e innige lldcht zu Verwirk- Ver wird 1 wollen? Judentum r als aus es Leben nd nichtorhanden, , um am jüdische ׳bels sich beweisen, hen. Man nan nicht )dentalen 1 Mozart, :he Musik int (Seite ährend er mt nicht. Ich sehe nicht ge- Jüdischen >eele und en Endes imelodien — oder n lassen! i herauseil leider ntnis der leicht im gerade in Interesse 16 Gebiet 1 Leuchtiluft, wie nichts anderes im jüdischen Leben. Die Bibel, der Talmud, in seinen schönsten Bestandteileil, der Gottesdienst, und die synagogale Musik, die heute noch in einem Wust von Unsinn und Fremdheit verborgen liegt, — dies einzig sind unsere jiidisehen Heiligtümer. Hier, in der jüdischen Musik, ist alles schart Umrissen־, das jüdische Wesen steigt aus dem Text und dem Urgrund herauf und schafft ein nationales Element im edelsten Sinne. Wer aber dies erkennen will, muß sich mit dem spröden, schwer zugänglichen Material liebevoll beschältigen und nicht aus der Ahnung sprechen, fch selbst, der ich dieser heiligen Sache mit großen Opfern einen wesentlichen Teil meines Lebens widme, merke von Tag zu Tag mehr, wie schwer die Arbeit ist und wie wenig bisher auf diesem Gebiete Bedeutendes und Einwandfreies geleistet worden ist. Wer von den vorliegenden bekannten Werken, nämlich von denen Lewandowskis und Snlzcrs, Schlüsse ziehen will, der muß fehlgehen. Man muß vor allem mit religiösem Sinn an diese Dinge herantreten und nicht zuletzt mit kritischen Waffen. Die nämlieh sind das Wichtigste. Das ziemlich reiche Material ist überdies noch niemals nach Qualitäten geordnet worden. In meinem Kompendium ״Hallclujah“, dessen erster Band im Manuskript vorliegt und von der Berliner Jüdischen Gemeinde bereits verwerfet wird, versuche ich, eine solche Sichtung nach anspruchsvollen Motiven den Gemeinden und den Interessenten zu bieten. Wenn es mir gelingen sollte, in den kommenden )ähren die zehn Bände, die nötig sind, fertigzustellcn, wird wohl der Streit über jüdische Musik"ein Ende haben. Dann wird man wissen, daß es eine solche gibt und daß sie auch innerhalb der religiösen Musik aller Zeiten sowohl, was den Gehalt betrifft, als auch künstlerisch einen Kulturschatz darstellt. Bis dahin muß ich es als höchst erfreulich bezeichnen, wenn sich verdienstvolle Männer wie B e r 1 mit der Materie nach allen Richtungen hin beschäftigen. Noch einmal: Wie steht es nun mit dem Judentum in der Musik? Rossi, der erste jüdische bedeutende Musiker, spielt als Komponist in der nach ihm lebenden Welt kaum eine Rolle. Die ״Hugenotten“ kann man nicht gut als jüdisch bezeichnen, auch den ״Propheten“ nicht, auch nicht, wenn man die Gründe des Unterbewußtseins aufdeckt, usw. Offenbach mußte nicht jüdisch sein, um zu spotten oder genialkicht zu schreiben, das konnten und können auch andere Europäer. Bizet ist Halbblut, edelste Rasse in der Musik, originell und faszinierend, aber nur mit Unterstraichungslust ließe sich sein Genie von seinem Judentum ableiten. ״Die Jüdin“ ist gute und schlechte Opernmusik, weit unjüdischer als etwa ״Der Maskenball“, wenn wir Berls Hypotheseii unterschreiben. David hat mehrere französische Opern geschrieben, aber als Jude hat er Herrliches und Schöpferisches nur in seinem synagogalen Werke ״Poal chajje’ adam“, das ich dauernd wieder und wieder entdecke, ge* leistet. Leoncavallo ist Jude soviel wie Mascagni und Mascagni soviel wie Leoncavallo. Beide sind Italiener und daher Melodiker ersten Ranges wie das Hauptgenie Verdi. Folgen neben nicht eben belangvollen jüdischen Musikern in einem heiligen Abstand — Mahler, der vielleicht wegen seines unmittelbaren Verhältnisses zum Absoluten auch jüdisch zu nennen wäre, — aber wo bleiben dann der urreligiöse Musiker Bach und wo der unmittelbarste und tödlichste aller Komponisten, nämlich Richard Wagner, dessen Tristan,_ dessen Götterdämmerung und anderes noch lange, lange nicht allgetan sind? Auch nicht nach — Schönberg, einem Miniaturwagner, der willkürlich die Tendenzen eines Genies auf eine wacklige Spitze getrieben hat. Daß in ihm, noch mehr in seinen besten Schülern Krenek und Berg, trotz des schiefen Weges großes Talent sich bahnbricht, das sei mit Freuden zugegeben, ״jüdisch“ diese Musik zu nennen, dazu liegt kein Grund vor. Die Juden haben in der Musik Schönes und Unvergängliches geschaffen, vor allem Meyerbcer und Mahler, aber ihre Kunst ist so wenig jüdisch wie die Verdis oder die von Berlioz, einem anderen großen Melodiker. —• Aber ״Schechulo achulo“ von Feinsinger, der״Aw horachamhn“ von Kilibnik oder von Rasumni, der ״Mi scheberach“ von ״jankel“ und der ׳JEI mole rachamim“ von ״Dovidl“ (und ich kenne und besitze solche Dovidels in Hunderten Originalen) — nun aber nicht mehr im Symbol gesprochen: die edelsten Schöpfungen von Lowi, David, Sulzer, Gurewitsch und Dunajewski, um nur wenige herrliche Namen zu nennen, und das was der Verfasser dieses Aufsatzes selber im besten Nussach und in einem neuen Stil geschrieben, — all die Gebete und Lobpreisungen vor dem hebräischen Gott Abrahams, Isaacs und Jacobs gesungen, geklagt und gejubelt, — das ist wahrhaft jüdisch lebendig. Ganz gleich, ob die Quarte oder der Leiteton von den Leviten sieh herleitet oder nicht. Auch die Quarte bei Brahms leitet sich nicht von den alten Germanen her und ist dennoch gute deutsche Musik. stimmte Kontrolle einräumen wollen. Was den ersten Punkt betrifft, so sind Aussichten vorhanden, daß die Exekutive bzw. der Kongreß eine bestimmte Summe für die Beteiligung an Pflanzungsgesellschaften ausjverfen wird und kann. Da es sich hier um Arbeitsbeschaffung und um Kolonisierung handelt, sind sowohl das Arbcitsdeparlement wie das Kolonisationsdepartement an der Beteiligung bzw. Kreditgewährung für Pflanzungsgesell• schäften interessiert. Fs käme dabei zu einer guten und zweckdienlichen Kooperation von nationalem und privatem Kapital, wie wir sie bereits seit langem gesucht haben. Die Exekutive bzw. ein von ihr eingesetzter Rat hat dann die Möglichkeit in der Hand, über die' Einhaltung der jüdischen Arbeit in den Plantagen zu wachen. Dagegen erhebt sich die Frage, ob die Pflanzungsgesellscliaftcn an dieser Kombination interessiert sind. Sie ist im allgemeinen dahin zu beantworten, daß das Interesse der Pflanzungsgescllschafteu von der Größe der Vorteile abliängt, die sich für sie durch die Kooperation ergeben. Ist die Gesellschaft zum Beispiel nicht genügend kapitalkräftig, so wird sic einer Zusammenarbeit auf die skizzierte Weise gerne zustimmen. Bei großen kapitalmächtigen Gesellschaften oder Einzelpersonen wird der Anreiz zur Annahme nationalen Kapitals mit dabei ersetzender Kontrolle sehr viel geringer sein. Das Problem lautet also einfach dahin, daß man versuchen muß, der Einengung der Bewegungsfreiheit, wie sie durch eine Kontrolle über die verwendete Arbeit entsteht, einen Ausgleich zu geben, indem inan der betreffenden Gesellschaft bestimmte Vorfeile bietet. Diese können sowohl in Krediten wie auch in Beratung durch die Fachkräfte der Exekutive wie des Keren Kajemeth, also einer Reihe von Vorzugsrechten bestehen, die solchen Gesellschaften eingeräumt werden, die sich vertraglich verpflichten, nur mit Juden zu arbeiten. Als einer dieser, vielleicht größten Vorzugsrechte können bestimmte Vorteile bei der Bewässerung treten, die in Zukunft durch die Ruthenberganlagcn zentralisiert werden und damit ebenfalls Grundlagen für Verträge in der angegebenen Richtung bieten. Sicher ist, daß eine Kooperation des nationalen und privaten Kapitals nur geschaffen werden kann, wenn das private Kapital daran interessiert ist, und es wird nur interessiert, wenn es greifbare Vorteile bei dieser Verbindung sicht Wir haben bereits in letzter Zeit gesehen, daß der begüterte Einwanderer sehr darauf bedacht ist, volle Bewegungsfreiheit zu haben und sich durch keinerlei Kontrolle einschränken zu lassen. Wenn es aber darauf ankommt die Entwicklung zu überwachen und die Garantie der jüdischen Arbeit nicht allein dem guten Willen des Pflanzers zu überlassen, der ihn gegen den wirtschaftlichen Druck billiger Arbeit durchsetzen muß, so sind wir darauf angewiesen, eine möglichst große Zahl von Kolonisten unter die nationale Kontrolle zu beugen, und das wird mir geschehen, wenn diese Kontrolle ganz bestimmte Vorteile gewährt. Die Sicherung der jüdischen Arbeit in den neuen Orangen- Kolonien muß noch von einer anderen Seite angepackt werden. Der beste Vertrag, der zur Beschäftigung von Juden verpflichtet, wird nichts als ein Stück Papier bleiben, wenn direkt bei der neu entstehenden Kolonie nicht genügend jüdische Arbeiter vorhanden sind oder wenn der Lohn sehr viel höher ist als der der Araber. Es heißt also dafür sorgen, daß der jüdische Arbeiter in genügender Menge vorhanden und daß er einigermaßen konkurrenzfähig sei. Es ist daher nötig, daß überall, wo Plantagen in größerem Maße neu angelegt werden, zugleich eine Kolonisation von Arbeitern vor sich geht, die der Kolonie die Arbeitskräfte stellt und den Lohn dadurch herabmindert, daß der Arbeiter ein bestimmtes Minimum aus seinem eigenen Boden herauszieht, d.!1. man muß den jüdischen Arbeiter in dieselbe Lage bringen wie es der arabische Arbeiter, der einen Rückhalt in seiner kleinen Wirtschaft hat; bereits Ist. Diese Art von Manen, die an sich sehr alt sind, beginnen sich erst jetzt wirklich durchzusetzen. Man hört davon, daß die Pica,Projekte vöil Siedlungen ausarbeitet, die ebenfalls auf diesem Pmap aufgebaut sind. Solche Aktionen sind aber natürlich nur durchzuführen, wenn ein Mindestmaß von Zentralisation vorhanden ist und nicht jede Gruppe oder jeder einzelne auf eigene Faust vorwärtsgellt. Auch dieses spricht wieder für eine bestimmte, wenn auch weitherzig ausgeübfe Kontrolle und Beratung durch die nationalen Zentralstellen. Der Anstieg der Or-angcnpflanzungen geht seit einiger Zeit stetig vor sich. Es wird viel jüdisches Kapital auf diesem Gebiet investiert, und vermutlich wird diese Investition ihre guten Zinsen tragen. Es muß vermieden werden, daß bei diesem Geschäft nicht mehr herauskommt, als nur ein gutes Geschäft für die, die es begonnen haben. Ohne Garantie der jüdischen Arbeit wird der nationale Wert dieser Investitionen stark herabgemindert, vielleicht in Frage gestellt. Daher ist die Sicherung der jüdischen Arbeit in den entstehenden Orangenplantagen eine nationale Frage ersten Ranges. Jerusalem, 27. April. (J. T. A.) Der amerikanische Handelsattache in Cairo, James Hodson, weilt in Paläsfina, um die Handelslage zu studieren und seiner Regierung zu berichten. Noch ein Wort, bei dieser Gelegenheit, über die sogenannten ausgesprochen jüdischen Musiker Gnessin, Millner, Achron, Bloch und wenige andere — übrigens alles Heroen gegenüber dem hingegangenen und aufgestörten Komponisten Schreiber —- sie alle sind jüdisch nur dort, wo sie Nussach und gute Synagoge verwenden. Sonst irren sic umher und schaffen mehr oder weniger wie die anderen europäischen Musiker. Ich habe leider nur die Grundthe.se des Berlsehen Buches berühren können. Wie anders! Vielleicht schreibe ich über das Buch noch einmal und mehrmals. Doch rate ich jedem modernen Menschen, der das Werden der jüdischen Musik verfolgt, das Berlsche Buch zu studieren. Es ist schon als ästhetische Lektüre voll Esprit und mit solcher Leidenschaft und eben solcher Kunsi geschrieben, daß sich das Lesen zehnmal lohnt. Endlich braucht mau Berls Pessimismus, wie er am Schluß seines Buches zum Ausdruck gelangt, nicht zu teilen. Die europäische Musik, die Wunder von Vollkommenheiten von Palestrina bis Mahler gezeitigt hat, wird nie und nimmer ״in der Unheimlichkeit des satanischen Stoffes“, nämlich in Mechanität, Kausalität und Materialität, wie Berl die böse Dreiheit bezeichnet, ersticken. Sie wird weitere große Werke zeugen, die neue und schönere Zeiten widerspiegeln werden. Dabei werden wir Juden unser gutes Teil schon mithin Kunstausstellungen in Jerusalem tu der Passahwoche wurden in Jerusalem sechs, in Tel- A w i w zwei und in Haifa zwei Kunstausstellungen eröffnet. Die Jerusalemer Ausstellungen sind: die Jahrcsausstcllung des jüdischen Künstlerverbandes (150 Bilder von 3$ Künstlern), die Ausstellung des Malers Rubin, eines extremen Modernisten, Ausstellungen von Zuckermann, Taddeusz und Anna Ritter, des jungen galizischen Künstlers Schweig und endlich eine Kunstausstellung der Schüler des vom paläsiincnsischen Arbeiterverband begründeten Studio.

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