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Jüdische Rundschau · 1927-04-29 · Heft 34 (29.4.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 34 (29.4.1927)
Date
1927-04-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 84 . JUEDF5CHE RUNDSCHAU Seite 245 Revisionistische Kundgebung Die zionistisch-revisionistische Union ersucht uns um Abdruck des nachstehenden Manifestes, das die An- Behauungen der Partei formuliert. Wir behalten uns eine Stellungnahme vor. In ernster Zeit hat sich die zweite Weltkonferenz der zionistisch-revisionistischen Union in Paris versammelt. Die wirtschaftliche Krise in Palästina hat die Früchte der jiidisehen Nachkriegsarbeit schwer geschädigt; die politischen Errungenschaften der Kriegsperiode erscheinen zu einem großen Teile, wenn nicht de jure, so doch de facto außer Kraft gesetzt; in den Reihen der organisierten Zionisten herrscht eine riete Depression. Wenn es die Pflicht unserer ersten Konferenz vom April 1925 war, in einer Zeit des übertriebenen und unbegründeten Optimismus, ein ernst« Warnungswort zu sagen, so galt es jetzt auf der zweiten Konferenz, angesichts der in weiten Kreisen der Zionistischen Organisation herrschenden Verzweiflung, dem übertriebenen Pessimismus entgegenzutreten und unseren festen Glauben an die drei Grundlagen der zionistischen Bewegung wieder zu proklamieren: an die Richtigkeit des zionistischen Programms, an die Fähigkeit des jüdischen Volkes, den Zionismus zu verwirklichen, an die MSgllchkeit, den gerechten Forderungen des Zionismus zum Siege zu verhelfen. Diese Aufgabe hat die zweite Konferenz der zionistisch-revisionistischen Union erfüllt. Sie hat festgestellt, daß aus der gegenwärtigen Krise unseres Aufbauwerkes nicht ein Verschulden des jüdischen Volkes hergeleitet werden darf. Der Jischuw hat in den Nachkriegsjahren Hervorragendes geleistet, die Diaspora hat sehr beträchtliche Geldsummen für die Aufbauarbeit hergegeben. Wenn das alles nicht imstande war, die Existenz unserer an Zahl ständig wachsenden Immigranten zu sichern und den Boden für eine größere Arbeit vorzubereiten, so ist dies teilweise die Folge der leichtsinnigen Planlosigkeit, welche die Handlungen und Unterlassungen der gegenwärtigen zionistischen Leitung charakterisiert, besonders aber auch die Folge des in Palästina herrschenden politischen Regimes, welches der jüdischen Kolonisation häufig entgegenwirkt, ohne sie jemals planmäßig zu fördern. Im Einklänge mit dieser Auffassung, welche die Ursachen der entstandenen Schwierigkeiten nicht In den organischen Mängeln des jüdischen Volkes als Kolonisator erbl'ckt, sondern vor allem in der Unzulänglichkeit zweier bürokratischen Apparate — eines jüdischen und eines englischen —, hat unsere zweite Konferenz die beiden We<pe gezeigt, auf welchen die Gesundung des Zionismus erreicht werden kann. Unsere erste Forderung Ist die Revision unserer Wirtschaftliehen und finanziellen Kolonisationsmethoden. Die Finanzierung des Aufbauwerkes kann nicht allein durch Spenden vollbracht werden. So wichtig und unentbehrlich unsere beiden großen Spendenfonds sind, liegt es doch nicht im Bereiche Ihrer Möglichkeiten, das ganze für die Errichtung eines jüdischen Palästina notwendige Kapital zu mobilisieren und zweckentsprechend zu verwenden. Darum muß unabhängig von der energischen Fortsetzung der Sammehrbeit für beide Fonds der weg gefunden werden, jüdisches Spar- und Investitionskapltal aus der Diaspora In palästinensische Unternehmungen zu letten. Palästina soll das investierungsland des jüdischen Volkes u׳erden. Kredit- und Finanzierung?- institute müssen geschaffen werden, welche nach geschäftliehen Grundsätzen die Arbeit des gesamten Jischuw erleichtern, die wirtschaftlichen Kräfte' und Rei״hfÜrner des Landes erschließen und in einer großen, der ursprünglichen Herzischen Idee entsprechenden jüdischen Kolonialbank zusammengefaßt werden sollen. Zugleich muß die direkte Betltigung privaten Kapitals in der landwirtschaftlichen und städtischen Kolonisation durch geeignete Maßnahmen, durch , Ratschläge, Anregungen und vornereitende Arbeiten gefördert und erleichtert werden. Unsere landwirtschaftliche Kolonisation muß sich in neuen Formen vollziehen, die ihre Rentabl'ität gewährleisten, ihre Grundsätze müssen sein: kleinere Siedlungsflächen, intensive Bebauung, Erzeugung von hochwertigen Produkten; als Vorbedingung systematische Erschließung und Ausnutzung der Wasserkräfte Palästinas. Unsere städtische Siedlung — Industrie, Handwerk und Handel — muß im Rahmen des wirtschaftlich Möglichen durch Kredite gefördert und durch fachmännischen Rat verbessert werden; eine Hauntaufgabe in dieser Richtung besteht im Studium und in der Schaffung von Absatzmärkten für ihre Produktion. ״Tozeret ha lischt!»!" Diese Parole ist in Palästina wie auch in der Diaspora unerläßlich für den Erfolg unserer gesamten Kolonisationsarbeit. Unter dieser Paro’e muh unsere Landwirtschaft und unsere Industrie den inneren wie den äußeren Markt gewinnen und zugleich ihre Produktion diesen Märkten und damit der Weltkonkurrenz anpassen. ledoch die Umgestaltung unseres Finanz- und Kolonisationssvstemi kann nur dann erfolgen und wird nur dann zur Gesundung des Kolonhaßonswerks und vir Vorbereitung einer großen jüdischen Einwanderung nach Pa'äsrina führen, wenn zugleich die zweite Hauptforderung unserer Konferenz erfüllt wird: Die Umwandlung des Regiertmgssystems Palästinas in ein ausgesprochenes, zielbewußtes Kolonisationsregime, welches es als seine eigene Aufgabe betrachtet, die jüdische Ein- Wanderung und Kolonisation systematisch zu fördern. Diese Forderung bedeutet die Durchführung von sozialen, ökonomischen und administrativen Reformen, von denen die wichtigsten die folgenden sind: Eine Agrarreform, die den gesamten unbebauten Boden des West- und Ostjordanlandes ohne Unterschied der heutigen Besitztitel, als eine Bodenreserve für Kolonisationswerke der Landesverwaltung unterstellt. Eine Reform des Zoll-, Steuer- und Verkehrswesens zum Schutz und zur Förderung der lokalen Produktion und des palästinensischen Handels. Die Verstaatlichung des jüdischen Schul- und Sanitätswesens unter Wahrung seines besonderen Charakters und Uebcrnahme der notwendigen Ausgaben auf das Budget des Landes. Die Durchführung des Grundsatzes, daß das gesamte Personal der britischen Administration in Palästina unter dem Oesichtspunkt ausgewählt wird, daß die Aufgabe der Mandatarmacht in der Ausführung des Mandats besteht und daß diese im Geiste der Balfour-Deklaration erfoteen muß. daß daher die Besetzung der maßgebenden Posten in der Administration nur nach Anhörung der Jewish Agency erfolgen darf. Zum Zwecke der Sicherung und ungestörten Fortentwicklung des jüdischen Einwanderung!*- und Kolonisationsprozesses hat schließlich die zweite Konferenz im Sinne der zweimal vom Waad Leumi erhobenen Forderung die Wiederaufstellung jüdischer, in Palästina stationierter militärischer Einheiten Im Verbande der britischen Armee gefordert. Nach wie vor halten wir fest an der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß alle ci: =e Maßnahmen nur auf einem Wege zu erreichen sind: auf dem Wege der friedlichen, lovalen, konstitutionellen, aber zugleich energischen und stolzen Aufklärung der öffentlichen Meinung Englands und der Übrigen Kulturwelt. Nach wie vor glauben wir an die unwiderstehliche Kraft der gerechten Sache, die wir verfechten, und an die Aufrichtigkeit, den guten Willen und die politische Einsicht Englands. Trotz aller Enttäuschungen ermahnen wir die jüdischen Volksmassen, auf die große und ehrliche Nation, welche um die Balfour-Deklaration gab, auf die freie■ Völker des Britischen Reiches voll zu vertrauen. Die öffentliche Mdnung Englands, ein Teil der öffentlichen Meinung der zivilisierten Welt — das Ist und bleibt unser hohes Appellgericht: An dieses Forum soll sich unsere ״politische Offensive“ wenden, und vor diesem Forum werden wir siegen. Um aber die Beschwerden und Forderungen der zionisti* sehen Bewegung vor dem Forum der Mandatarmacht zu verteldigen, muß die Exekutive der Zionistischen Organisation im vollen und ungestörten Besitze derjenigen Prärogativen bleiben, die das Mandat einzig und allein der Jewish Agency anvertraut hat. Darum verwerfen wir nach wie vor mit aller Entschiedenheit den verfehlten und mißglückten Plan, die politische Funktion der Jewish Agency an eine Körperschaft zu übertragen, deren eine Hälfte weder von dem Zionistenkongreß gewählt, noch vor dem Kongreß verantwortlich ist. Wir verwerfen dies besonders, nachdem es sich erwiesen hat, daß die in Befracht kommenden nichtzionistischen Kreise sich grundsätzlich weigern, in dem palästinensischen Kolonisationwerk etwas anderes zu sehen als eine philanthropische Maßnähme, wie sie auch in jedem anderen Lande zugunsten der Juden erfolgen kann. Die politische Funktion der Jewish Agency kann nur denjenigen anvertraut werden, die im Aufbau des jüdischen Pa’äsrina die historische Aufgabe des jüdischen Volkes, das Ziel und den Sinn der ganzen jüdischen Entwicklung unserer Zeit erblicken. Dagegen erachten wir auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Tätigkeit die ständige Mi'arbeit jener Kreise, die außerhalb der Zionistischen Organisation stehen, für erwünscht und möglich. Wenn diese Kreise sich für die Aufbauarbeit ernsthaft engagieren, so müssen sie für ihre Leistungen auch das Mitbestimmungsreeht auf ökonomischem und finanziellem Gebiet erhalten. Ihre Verantwortung und ihre Rechte sollen jeweils ihrer tatsächlichen Mitwirkung entsprechen. Die Voraussetzung für die Durchführung unseres Programms, die Voraussetzung entschlossener Reformarbeit auf virtscliaffTchem und po'itischem Gebiet, die Voraussetzung der Erneuerung der zionistischen Bewegung und ihres Apparates, ist die Schaffung einer zionistischen Exekutive — einer Jewish Agency im Sinne des Mandats —, die dieser Aufgabe gewachsen und ihrer Wichtigkeit bewußt ist. Heute herrscht bereits in weiten Kreisen der zionistischen Bewegung die Ueberzeugung, daß die gegenwärtige Leitung der Zionistischen Organisation diesen Forderungen nicht entspricht. Ni'ht nur hat diese Leitung darin versagt, unsere politisch Wirtschaftliehen Forderungen der Regierung vormtragen oder auch nur sie zu präzisieren: sie hat vielmehr wiederholt durch unverantwortlich leichttert:ge, lrrefÜh־en׳te FrHä-un^en die l’hi'ion in der Welt verbreitet, als ob die oo’itlsehe Lage in Palästina ״durchaus befriedigend“ und der Mißerfolg unserer Aufbauarb״it nur auf das eigene Verschulden des jüdischen Volkes ztirückzuführen sei. Nicht Um Personen zu treffen oder ihre früheren, auch von uns anerkannten Verdienste, sondern unter dem Zwang der Not und Wahrheit erklären wir: An den brennenden wirtschaftlichen und politischen Aufgaben der Gegenwart gemessen hat diese Leitung nicht nur versagt, sondern sie ist zu einem Hemmschuh geworden, sie ist für den Fortgang unserer Sache schädlich und gefährlteh. Alle Loyalität ihrer bisherigen Anhänger darf diese nicht länger blenden: Vor der Loyalität gegenüber Personen kommt die Loyalität ge״enfiber der Bewegung. Die Bewegung braucht eine neue Exekutive. Zionisten! Wir sind uns bewußt, daß unsere Anschauungen heute von den breitesten Schichten der zionistischen Bewegung geteilt werden. Es ist aher die Zeit ״ekommen, da der Zionismus sich nicht mehr mit fromm*m Wünschen, mit theoretischen Uebcfzeumingen seiner Anhänger zuHeJen geben kann. Es ist nicht genug, eine Wahrheit zu bestätigen, was not tut ist. den Trägern dieser Wahrheit za helfen, sie in die Tat umzii'etzen. Wer die Richtigkeit unseres Standpunktes einsieht, dessen Pflicht ist es. der revisionistischen Union beizutreten, für ihre Wahllisten zu stimmen und Ihr zum Siege zu verhelfen. Das Präsidium des Zenfral-Komitees der zionistisch-revisionistischen Union. W. J ab01insky. M. Großmann. R. L i e h t h e i m. W. Temkin. Die kritische läge der Jaden in Shanghai Berlin, 27. April. (LT. A.) Wie der Gesellschaft Hias-Ica-Emi״direkt (H’CEMl vom Charbiner Informationshüro mifgeteiif wird, hat sieh infolge der Wirren in China die Lage der jüdischen Einwanderer in China, und speziell ln Shanghai, kritisch gestaltet. ״Die letzten aus Shan״hni eingetroffenen Nachrichten,“ schreibt das Charbiner Büro, ״sprechen davon, daß im Zusammenhang mit der Bewepung ge״en die Ausländer sich eine starke Abwanderung der ausländischen Konzesrtonsvertreter bemerkbar macht, was einen vollständigen Ruin der iüdisehen Kaufleute und Handwerker im Gefolge hat. Durch die Abreise der Kon- Zessionsvertreter haben *Je nicht allein ihr Einkommen eingebüßt, sondern jene sind ihnen ansehnliche Summen schuldig rehlieben• die zurückgeb'iebenen Vertreter sind ebenfalls nicht zahlungsfähig, infolge der nervösen Stimmun״ ruht jeder Handel. Das Resultat ist. d*ß ein großer Teil der ruinierten jüdischen Kaufleute in H a n k a 11 und in den fangtse-Pro'lnzen nach Shanghai gekommen sind, wo sich die Lage ebenfalls aufs äußerste zuge^nitzt hat und täglich zahlreiche Ausländer die Stadt verlassen." Karl Resek gestorben In Schlesien ist Herr Karl Resek im 61. Lebensjahre an einem Herzschlag verschieden. Er gehörte zu den ersten Freunden und Miterbeitem Theodor Herzls und war einer von denen, die dem Zionismus in Böhmen den Weg bahnten. Er war schon Delegierter des ersten Zionistenkotigres^es und gehörte dem zionistischen Aktions-Komitee von 1897 bis 1907 ununterbrochen an. Er stand lange Zeit an der Spitze des Zionistischen Distrikts-Komitees für Böhmen. Er war der Schöpfer der jüdischen Voiks-Vorschu ßkasse in Prag. Karl Resek gehörte zu den Gründern der Prager Zeitung ״Sei bst wehr“. Sein Sohn, Dr. Felix Resek, leitet seit einigen Jahren das Zionistische Distrikts-Komitee in Prag. ZIOmSTEN! Der Kongreß nahtl * Rechnet Eure Schekelblock• bei der B.Z.V-ab- Abrechnungstermin: 15.Mai IMI-die Sammellaschc Vom N.-F.-Büro wird uns geschrieben: Dr. Walter Kohner in Karlsbad, hat durch seine Erfindüng der Sammeltasche ״IMI“ dem Keren Kajemeth im Jubi* läumsjahr ein schönes Jubiläumsgeschenk gemacht. Seit Jahren bemüht sich der Keren Kajemeth, ein Sammel* mittel zu finden, wodurch zweierlei ermöglicht werden soll; 1. die Heranziehung und Mitarbeit aller Zionisten, 2. die Erfassung und Ausnutzung aller Gelegenheiten, die hundertffiltig im täglichen Leben an uns herantreten und bisher nur zu einem Bruchteil ausgenutzt werden konnten. Die Sammeltasche ״IMI“ ist vielleicht das gesuchte Sammelmittel dieser Art — es wird vielleicht nicht das einzige bleiben. In welchem Maße die Heranziehung von Menschen, die bisher an unserer Arbeit nicht teilgenommen haben, und die Ausnutzung von Gelegenheiten, die man sonst vorübergehen ließ, erzielt werden kann, beweisen schon die Anfangerfolg« des neuen Sammelmittels.. Vor knapp drei Monaten gelangten die ersten Sammeltaschen zur Ausgabe. Heute sind in der Tschechoslowakei allein über 4000 Stück verteilt, und dauernd lauten zahlreiche Bestellungen ein.. Die Zahl der Gesinnung*- genossen, die durch dieses Sammelmittel aktiven Anteil an Gelegenheitssammlungen nehmen, ist damit verzehnfacht worden. Von Woche zu Woche steigen die Einnahmen aus den Sammeltaschen. Der Reiz der Neuheit und die Originalitat dieses verblüffend einfachen Sammelmittels trägt natürlich auch dazu bei, es zu popularisieren. Zahlreiche Sammler liefern von Woche zu Woche Beträge aus der Sammeltasche ab, die höher sind als der Durchschnittsjahresbetrag einer Keren Kajemeth-Büchse. Es soll jedoch mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen werden, daß die Sammeltasche in keiner Weise die Bedeutung der Keren Kajemeth-Büchse als unseres wichtigsten Sammelmittels beeinträchtigen soll und darf. In die Sammelbiiehse gibt in erster Linie der Besitzer selbst täglich eine« Mindestbetrag. Mit der Sammeltasche sammelt er bei anderen, mit denen er außerhalb seines Hauses Zusammentritt! Als ein glückliches Symptom kann es bezeichnet werden, dab die Sammeltasche ״LM1“ bei allen Gesinnungsgenossen, denen man sie gewissermaßen praktisch demonstriert, nicht nur «In sehr lebhaftes Interesse, sondern zugleich den Wunsch und die freudige Bereitschaft zur Mitarbeit erweckt. In Berlin und einigen anderen Städten wurden in den letzte« Wochen die ersten Sammeltaschem verteilt, und schon der Antangserfolg war überraschend gut. Die Zentrale des Keren Kajemeth für Deutschland hat die ersten 1000 Taschen erhalten und fordert alle Vertrauensleute und Mitarbeiter auL die Verteilung derselben in ihren Orten vorzunehmen. Dl« Sammeltasche kann natürlich nur an absolut vertrauenswürdige Personen gegeben werden, und es muß eine genaue Kontrolle, die durch die fortlaufende Nummerierung der Taschen erleichtert wird, vorgenommen werden. Die Entnahme des Geldes ist nur durch Vernichtung der Tasche selbst möglich. Bei Ablieferung der gefüllten Taschen wird auf Wunsch ein« neue ausgefolgt Die Sammeltasche ist gesetzlich geschützt und darf nicht nachgeahmt werden. Eine hebrStsche Juristische Zeitschrift Es ist außerordertlich erfreulich, daß in Palästina trotz der Krise immer wieder Versuche gemacht werden, etwas Neues zu schaffen, irgendein neues Steinchen dem Gesamtaufbau hinzuzufügen. Jetzt liegen die drei ersten Nummern der neuen jaristisehen Zeitschrift ״Hamischpat" vor, die dem jüdischen Juristen der Galuth außerordentlich interessantes Material vermitteln. Mag auch der Kreis derjenigen, die hebräisch soweit verstehen» um eine Fachzeitschrift lesen zu können, nicht sehr groß sein, so sollten um so mehr alle diejenigen, die «s können, nicht versäumen, sich aus dieser Zeitschrift reiche Anregung aut ihrem Fachgebiet zu holen und dabei gleichzeitig ihre Kenntnisse des Hebräischen zu vertiefen. Für den hebraischverstehenden Juristen der Galuth wird es eine ganz besondere Freude sein» die termini technid seines Faches (wie z. B. Klage erheben, Berufung einlegen, Zuständigkeit, Abweisung, Entscheidung»- gründe usw.) im Hebräischen kennen zulemen, aber auch der Inhalt wird, weil im wesentlichen unmittelbar aus dem jetzigen Leben, dem Rechtsleben Palästinas, entnommen, für ihn außerordentlich anziehend sein, besonders bei denen, die Interesse für ausländisches und internationales Recht haben (die Zeitschrift bringt z. B. fortlaufend Berichte über die Rechtsentwicklung einzelner Linder und auch über die Arbeiten des Völkerbundes). Wie alle juristischen Zeitschriften veröffentlicht auch diese die Entscheidungen der Gerichte, und es ist reizvoll, die gefundenen Entscheidungen etwa mit der Rechtsprechung deutscher Gerichte zu vergleichen. Man gewinnt daraus auch, mehr noch als aus den einzelnen Artikeln, eine Uebersicht Über den ziemlich komplizierten Rechtszustand Palästinas, in dem ja noch immer das türkische Zivilrecht gilt, das in der Türkei selbst abgeschafft ist, allerdings abgeändert und ergänzt in langsamem Fortschreiten nach englischer Art durch die englischen ״Ordinartces“, die soeben auch in zwei Binden gesammelt in englischer Sprache erschienen sind. Neben diesen Entscheidungen wird in instruktiven Artikeln das geltende, Recht dargelegt, besonders interessant hierbei die Aufsätze über Bodenrecht, über das auch bereits ein ausführliches hebraisches Buch von Duchan, einem Mitarbeiter der Zeitschrift, erschienen ist. Die Artikel geben den Verfassern Gelegenheit, rechtspolitische Forderungen aufzustellen, was in Palästina, insbesondere vom jüdischen Standpunkt wesentlich ist, weil durch die hier geübte sachlich begründete Kritik Vor• bereitungsarbeiten für neue, dem Aufbau günstige Gesetze geleistet werden. Schließlich wird auch das hebräische Recht, das Recht des jüdischen Schrifttums genügend berücksichtigt, und damit die Schaffung eines hebräischen Rechtes vorbereite! Für den Juristen der Galuth würde die Zeitschrift noch wertvoller gestaltet werden können, wenn allgemeine Uebersichten über die in Palästina für alle rechtlichen Gebiete geltenden Gesetze nebst Anmerkungen über Literatur und Gesetzesausgaben gebracht werden würden, denn so würde noch besser das Verständnis für das Rechtsleben Palästinas erschlossen werden können. Die Zeitschrift ist zu abonnieren durch den Verlag Hamischpat, Jerusalem, P. O. B. 763, halbjährlich 3 Dollar, Rechtsanwalt Dr. Albert Baer, Berlin. Am 24. April 1897 wurde das Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterschaft und der jüdischen Gewerkschäften Amerikas, die jiddische Tageszeitung ״Forward“ (״V erwart 8“) begründet. Die sozialistische Arbeiterschaft ,der Vereinigten Staaten beging dieses Jubiläum durch eine Feier, deren Mittelpunkt der Begründer der Zeitung, Ab. Ca h a n, der noch jetzt an der Spitze des Unternehmens steht, war. Der ״Vorwärts" gehört zu den größten und bestgeleiteten Tagesblättern Amerikas und hat eine Auflage von über 250000, Zehntausende Arbeiter wohnten dem Fest bei; als Festredner sprach Macdonald, der sich jetzt in Amerika aufhält. Lord Allen by, der Eroberer Palästinas im Weltkriege, ist nach Palästina abgereist, wo er an der Enthüllung ein« Denkmals für die Kriegsgefallenen teilnehmen wird.

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