Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1927-04-29 · Heft 34 (29.4.1927) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 34 (29.4.1927)
Date
1927-04-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2652877-2652909--19077-2676912
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sdte 246 JUEDISCHI RUNDSCHAU Nr 34 Waiden nur Vertreterversanunlimg der B. Z. V. Für die Neuwahl zur Vcrtreterversammlung der B. Z. V, ist eine Liste eingereicht worden, die mit der zurzeit bestehenden Vertreterversanifnlting identisch ist. Folgende Herren gelten somit als gewählt: l. Abi sch, Dr. Alfred Apfel, Georg Baer, Dr. Hans Bloch, Isaac Feuerring, Dr. Herbert Foerder, Alfred Frank, Hugo Fraenkel, Frau Dr. Freundlich, Philipp Grünbautn, Samuel Haarpuder, Studienrat Kurt Hammerstetn, P. Hauser, Dr. Paul Hirsch, Dr. Erich Hurwitz, Dr. Lelever, Richard Lichtheim, S. Maislisch, Max Nathan, Willy PreiB, Dr. Egon Rosenberg, Dr. Werner Silberstein, Moses Waldmann, Hugo Wolfermann. Die einzelnen Gruppen haben nachstehende Herren als Ersatzvertreter benannt: Misracbi: Dr. J. Silber, Dr. A. Lehmann; Revisionisten: Kl in off, Dr. Jaffd, Dr. Rud, Pick; Hapoel Hazair: Chaim Schneid. Vermischtes Ein hebräischer Kursus über Thorath Hamaggid (Die ReligionsPhilosophie des großen Maggid) unter Leitung von Frau Alice Jaeob-Loewenson beginnt am Donnerstag, den 28. April, abends 61/5 Uhr. Der Kursus wird einmal in der Woche, abends zweistündlich, stattfinden. Genaue Zeit wird in der ersten Stunde vereinbart. Honorar: 10 Mark monatlich. Einige Hörer mit hebräischen Vorkennt- Bissen können noch aufgenommen werden. Anmeldungen an die Kursusleitertn Alice Jacob-Loewenson, Berlin-Schöneberg, Meraner Straße 11 (Tel.: Stephan 902). Poale Zion, Berlin. Am Sonntag, den 1. Mai d. J., abends 8 Uhr, findet in den Räumen des Jüdischen Studentenvereins, Berlin N24, Artilleriestraße 6, eine 1. Mai-Feier statt. Referenten: Berl Locker und Dr. Georg Lu bi nsk i. Es wirkt außerdem der Sprechchor des Jung-jüdischen Wanderbundes mit. Gäste herzlichst willkommen. Gruppe der Zionisten aus dem Osten. Die nächste Veranstaltung der Gruppe der Zionisten aus dem Osten findet am Montag, den 2. Mai, abends 8»/s Uhr, im Gemeindehaus, Rosen- «traße 2/4 statt. Es spricht Herr Richard L1 c h t h e i m über ״Revisionismus“. Thüringer Zionistische Gesellschaft. Die nächste Ta- S findet am Sonntag, den 8. Mai 1927, im Gasthot der ergemeinde, Neudietendorf, statt. Beginn: 10 Uhr vormittags. Referenten: Dr.!. Prager, Breslau (״Die jüdische Erziehung der kommenden Generation“) und Dr. R. Wolfheim, Erfurt (Bericht über die Landesvorstandssitzung). Der Verein zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums hält am 18. Mai, abends 8% Uhr, im Logenhause, Berlin W, Kleiststraße 10, Garten- «aal, eine Mitgliederversammlung ab. Tagesordnung: 1. Ver- Änderungen im Verwaltungsvorstand; 2. Bericht des Forschungsinstitutes; 3. Bericht des Verwaltungsvorstandes; 4. Berieht der Revisoren; 5. Entlastung des Vorstandes; 6. Etat für 1927; 7. Verschiedenes. Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Max Wiener: ״Das Judentum und die Mystik“. Die Hauptsteile für jüdische Wanderfürsorge beruft für den 8. und 9. Mai hach Berlin (Logenhaus, Kleiststraße) ihre erste Mitgliederversammlung ein. Da die Frage der jüdischen Wanderfürsorge zugleich die brennendste Frage jüdischer Wohlfahrtspflege in Deutschland ist, wird der Tagung das weiteste Interesse aus allen Teilen Deutschlands entgegengebracht. Vertreter der Behörden, der freien Wohlfahrtspflege wie auch der großen jüdischen Organi- *aäonen und Gemeindeverbände haben ihr Erscheinen zugesagt Im Mittelpunkt der Tagung steht das Problem der Produktivierung der jüdischen Wanderung. Die Herren Alfred Berger, Eugen Caspar)־ und S. Adler-Rudel sind als Referenten gewonnen worden. Dem Plan der Errichtung riner jüdischen ArbeiterkoTonie dürfte ein besonderer Teil der Diskussionen gewidmet sein. Am zweiten Tag der Tagung werden insbesondere Fragen Taktischer Organisationsarbeit erörtert und die Berichte der rovinzialstellen erstattet werden. Das Referat über diesen Punkt wird der Letter des Wohlfahrtsamtes Hannover, Herr Griinbaum, halten. K. J. V. Die Räume des K. J. V. befinden sich seit dem 20. April Bieibtreustr. 50, Gh. (Telephon: Steinplatz 4736). — In Suddeutschland ist eine Kleinstadtpraxis und eine Landpraxis, beide gutgehend, sofortigst abzugeben. — Zum 23. Juni wird auf zirka fünf Wochen zuverlässiger Zahnarzt als vertreter gesucht. — Meldungen an das Büro des K. J.V., Berlin-Charlottenburg, Bieibtreustr. 50. Jüdische Musiktage. Im Rahmen des ״Sommers der Musik“ finden vom 26. bis 28. Juni 1927 auf der Internationalen Ausstellung ״Musik im Leben der Völker“, in Frankfurt a. M., Veranstaltungen statt, die der historischen Entwick• lung des Synagogengesanges und dem jüdischen Volkslied gewidmet sind. Es sind Konzerte und Vorträge unter Mitwirkung von in- und ausländischen Chören und hervorragenden Spezialsolisten vorgesehen. Nähere Auskunft erteilt die Leitung der Ausstellung ״Musik im Leben der Völker“, Frankfurt a. M., Haus Offenbach. Der Keren Kajemeth in den Vereinigten Staaten hat einen Liederwettbewerb anläßlich des 25 jährigen Keren Kajemeth-Jubiläums veranstaltet Die Ankündigung des Wettbewerbes stellt fest, daß zwei Preise von je # 100 für den Originaltext von Liedern in jiddischer und englischer Sprache ausgezahlt werden sollen, deren Beurteilung in den Händen eines Richterkollegiums liegen wird, das aus führenden jüdischen Schriftstellern und Verlegern in Amerika gewählt werden soll. Jüdischer Ruderklub ״Ivrla“. Sonntag, den 1. Mai 1027, 93/י Uhr vorm., bootsfertig im Bootsbaus Friedrichshagen. Mittwoch, den 4. Mai 1927, ab 6*4 Uhr Uebungsbetrieb im Bootshaus, siehe 27. April 1927. Freitag, den 6. Mai 1927, Schachabend bei Fritz Engel, Molkenmarkt 12/13: inoffiziell: Teilnahme bis Donnerstag Abend anzumelden. Sonntag, den 8. Mai 1927, 91/a Uhr, bootsfertig Bootshaus Friedrichshagen. Unser Anrudern findet am Sonntag, den 15. Mai 1927, statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. - Fritz Engel, Molkenmarkt 12/13 (Merkur 7002). Fürth. In der hiesigen zionistischen Jugendgruppe sprach am 25. d. M. Herr Fritz Fraenkel über: ״Der deutsche Zionismus vor der Entscheidung“. Er stellte u. a. fest, daß sich im deutschen Judentum immer stärker eine Trennung der bürgerlichen von der proletarischen Klasse vollziehe; auch der Zionismus kann an dieser Klassenscheidung nicht Vorbeigehen und wird sich entscheiden müssen. Bad Soden i. T. Die Israelitische Kuranstalt Bad Soden 1. T., die ihre Anstalt erweiterte und zum Teil neu ausstattete, eröffnet ihren Sommerbetrieb am 2. Mai. Anfragen sind an Herrn M. Tannenbaum in Frankfurt a. M., Oberlindau 56, zu richten. Gesinnungsgenossen können in einer schönen Villa in T e l ־ A w i w Kost und Logis finden. Der Pensionspreis beträgt 50 Piaster (etwa 10 Mark) pro Tag. Nähere Auskunft erteilt Interessenten das Zentralbüro des deutschen Misrächt, Berüa N54, Weinmeuterstraße 18 (Tel,: Norden 1159), Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestf. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z- V. Sonntag, den 1. Mai abends S Uhr JÜd.-sozlaldemokr. Arbeiterorganisation Poale Zion, Ortsgruppe Berlin, in den Räumen des Jüd.. Studentenvereins, Artilleriestr« 6 1. Mal-Feier. Referenten: Ber Locker, Dr. Georg Lubinski Es wirkt außerdem d. Sprechchor d. Jungjüd. Wanderbundes mit Gaste herzlich willkommen. Montag, den 2. Mai abends 8</s Uhr Gruppe der Zionisten aus dem Osten, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2/4, Herr Richard Lichtheim: ״Revisionismus“. Dienstag, den 3. Mai abends 8'4 Uhr Berliner Zionistische Vereinigung, im Sitzungssaal, Meinekestr. 10, Herr Dr. W. Brünn: ״Möglichkeiten rentabler Privatwirtschaftlieber Betätigung ia Palästina“. Nachm. t5*׳ Uhr Jüd. Frauen arbeite gemeinschaft Grunewald, Zusammenkunft im Hause von Frau Dr. Lescynski, Grunewald, Egerstr. 1 (nahe Elsterplatz). Abends 8V» Uhr Zeire-Mlsrachf, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2/4. Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn: ״Kiddusch haschem — chiliul haschem“. Nachm. >45 Uhr Jüdisch-nationale Frauenve׳elnl!fung, Frauengruppe Charlottenburg, Zusammenkunft bei Frau Mittwoch, Kantstr. 88. Mittwoch, den 4. Mai abends 8>/s Uhr Gruppe Nord, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2/4, Lichtbildervortrag des Herrn Adolf Pollak über: ״Die sozialen Grundlagen des Palästina-Aufbaues". """Abends S Uhr Jüd. Frauenarbeitsgruppe Schöneberg, Zusammenkunft im Hause von Frau Dr. Freundlich, Friedenau, Mainauerstr, 7. Rabbiner-Seminar zu Berlin. Vorlesungsverzeichnis im Sommerhalbjahr 1927 (5687). Dr. Josef Wohlgemuth: Dezisoren: Schulchan Aruch Jore deah: Montag bis Freitag, 71/j bis 8V3׳ Uhr. Pentateuchexeijese: Numeri: Sonntag, 71/«, bis _84י Uhr. Systematische Reiigionslehre: Lehre von der Schöpfung: Mittwoch, 10 bis 11 Uhr. Lektüre von Kusark Mittwoch, 11 bis 12 Uhr. Homiletische Hebungen: Mittwoch, 4 bis 6 Uhr. — Dr. Jechiel Weinberg: Talmud (Abt. A): Traktat lebamoth, Abschnitt Xll bis XIV, und Traktat Sabbat, Abschnitt XII ff.: Sonntag bis Freitag, 8>/j bis 10 Uhr. (Abt A): cursorisch: Ausgewählte Abschnitte aus febamoth: Montag, Dienstag, Freitag, 10 bis 11 Uhr. — Dr. Samuel Grünberg: Bibelexegese: Kleine Propheten (Schluß): Dienstag, 11 bis 12 Uhr, und Donnerstag, 10 bis 11 Uhr. Historische Bücher: Sonntag, 10 bis 11 Uhr, und Freitag, 11 bis 12 Uhr. Hebräische Grammatik: Das Verbum: Dienstag, 12 bis 1 Uhr. Literaturgeschichte: Donnerstag, 11 bis!2 Uhr. Hebräische Referate: Sonntag, 11 bis 1 Uhr. Uebungen in noch zu verabredenden Stunden. — Dr. Moses Auerbach: Talmud (Abt. B): Traktat Chullin, Abschnitt VI! und VIII: Sonntag bis Freitag, 814 bis 10 Uhr. Dezisoren: Sch. Aruch Oracn Chajim: Montag bis Donnerstag, 3 bis 4 Uhr. Geschichte der Saboräer und Geonim: Dienstag und Freitag. 11 bis 12 Uhr. Kurzer Abriß der jüdischen Geschichte (Fortsetzung): Dienstag, 12 bis 1 Uhr. — Predigtübungen der Rabbinatskandidaten: vierzehntagig, Mittwoch, 7 bis 8 Uhr abends. Die Aufnahme- Prüfung findet am Montag, den 2. Mai, vormittags 9 Uhr, Statt, die Eröffnung des Semesters am Montag, den 2. Mai, nachmittags 5 Uhr, im Hörsaal III; den Eröffnungsvortrag hält Herr Dr. S. Grünberg: ״Isak Abrabanel als Exeget“; der halachische Eröffnungsvortrag des Herrn Dr. Jechiel Weinb e r g am Dienstag, den 3. Mai, 9 Uhr vormittags, im Hörsaal f. Nähere Auskunft erteilt das Sekretariat, Artilleriestr. 14. Jüdisch-Nationale Frauenvereinigung, in Lichterfelde ist im März d. J. im Anschluß an einen Vortrag von Frau Jettka Levy über die ״Aufgaben der jüdischen Frau“ eine Frauengruppe Lichterfelde-Dahlem gegründet worden, die regelmäßig vierzehntagig tagt. Es fand zunächst unter Leitung von Frau Boschwitz eine Aussprache über jüdische Erziehungsfragen im Anschluß an die kulturpolitische Diskussion in der ״Jüdischen Rundschau“ statt. Im An- Schluß daran wird Frau Boschwitz auf Wunsch der Teilnehmerinnen Aussprachen über den Sinn und die Bedeutung der jüdischen Feste im Zusammenhang mit Erziehungsfragen übernehmen. Gesinnungsgenossen, die zur Mitarbeit in dieser Arbeitsgemeinschaft bereit sind, werden um frdl. Mitteilung an das Frauensekretariat, Meinekestr. 10, oder an Frau Eliese Schmierer, Lichterfelde, Unter den Eichen 69, Tel. Brtb. 9676, gebeten. Nächster Gruppentag; Mittwoch, den 11. Mai, nachm. >45 Uhr, im Hause von Frau Cohn, Lichterfelde-West, Ringstr. 65 (Tel. Lichterfelde 625). Der Jüdische Frauenbund E. V., Verband Berlin, schreibt uns: Eine Folge der heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse ist es, daß eine breite Schicht des Mittelstandes kaum in der Lage ist, sich eine Hilfe in der Wirtschaft (Hausangestellte) zu halten. Oft erhebt sich die Frage, wer nütet in unserer unsicheren Zeit in Tagen oder Stunden der notwendigen Ab- Wesenheit der Hausfrau Heim und Kinder? Um dieser Verlegenheit abzuhelfen, will die Bezirksgruppe Westen des jüdischen Frauenbundes eine Stelle ins Leben rufen, in der sie für Haushaltungen des Mittelstandes Damen empfiehlt, die früher als selbständige Hausfrauen, als Lehrerinnen, Er- Zieherinnen usw. tätig waren, und die es gern übernehmen würden, während der kürzeren oder längeren Abwesenheit der Mutter, die Kinder zu betreuen oder auf einige Ferienwochen das Heim zu hüten. Meldungen von Haushaltungen, die solcher Hilfe bedürfen, und von Damen des Mittelstandes, die bereit sind, gegen entsprechendes Entgelt diese Arbeit zu übernehmen, erbeten an: Jüdischer Frauenbund, Verband Berlin, Rosenstraße 2/4, Zimmer 25, unter Vermerk: Haushelferin. Mündliche Meldungen: Montag und Donnerstag von 11 bis 1 Uhr, Rosemtraße 2/4, Sinnier 25. KEREN KA3EMETH LE ל ISRAEL DEN K.K.L. ERWIRBT BODEN IN PALÄSTINA MIT HILFE FREIWILLIGER SPENDEN BISHER HAT DER MtL 200000 DUNAM 40 jüdischen SIEDLUNGEN IN ERBPACHT GEGEBEN JÜDISCHER NATIONALFONDS ZENTRALE FÜR DEUTSCHLAND: BERLIN W IS. MEINEKESTRASSE 10 »e9T8C«4eCK*0*TO: 7S34? mono»: *MT RISMAVCK 716*/ro Boden״ und Siedlungspolitik Von Dr. A. Granowsky II.״) Die Bodenpolitik ist eines der Elemente der Siedlung®, politik. Der Bodenerwerb geht bei uns öfters der Siedlungs- Politik voran und bestimmt sie gewissermaßen. _ Die Böden wurden nicht aus einem eigentlichen siedlungspolitischen Plan heraus erworben, sondern aus anderen Rücksichten verschiedener Natur, oder gar zufällig. Die Bodenpolitik muß aber von der Siedlungspolitik bestimmt werden. Bei einer großzügigen Aufbauarbeit tut ein allgemeiner, groß angelegter und weitsichtiger Siedlungsplan not. Entsprechend den Notwendigketten der Siedlungspolitik und der Entwicklung des Siedlungsplanes ist auch die bodenpolitische Tätigkeit zu betrachten. Die Bodenpolitik stellt den für die Siedlungszwecke notwendigen Boden zur Verfügung und schafft größere Bodenreserven für die zukünftigen Erfordernisse der Kolonisation. Bei einer geordneten Kolonisatorischen Tätigkeit müßte ein solcher Plan die Grundlage bilden, auf der eine zielbewußte und weitsichtige Bodenpolitik entfaltet werden kann. Man kann nicht den Bodenerwerb als Selbstzweck hinstellen, Boden nur um des Bodens wegen erwerben. Der Boden an sich ist nichts, seinen Wert erreicht er nur als Mittel der Produktion in der landwirtschaftlichen Siedlung oder als Wohn- oder Arbeitsstätte bei der städtischen Kolonisation. Deswegen muß auch für die Beurteilung der bodenpolitisclien Tätigkeit in erster Reihe die kolonisatorische Leistung;, die auf dem Boden vollbracht werden kann, auf welchem Gebiet immer, ausschlaggebend sein. Wichtig ist, welche Rolle der Boden im Siedlungs- Prozesse zu spielen berufen ist, welche kolonisatorische Betätigung er ermöglicht, wievielen Menschen er die Existenzmöglichkeit im Lande verschafft. Nicht die Anzahl der Dunam, die in jüdischen, ja sogar in nationalen Besitz übergegangen sind, wird das Land unser machen, sondern die Zahl der arbeitenden und produzierenden Menschen. Die entscheidende Frage des Aufbaues — das dürften wir nie vergessen — ist die Bildung der jüdischen Mehrheit im Lande. Der Weg dazu ist, daß vor allem eine Bodenpolitik verfolgt wird, die eine maximale Anzahl von Mensch«» mit dem Lande verwurzelt. Der Siedlungswert des Bodens und die Möglichkeiten, die er in sich birgt, jüdischen Menschen den Weg zur wirtschaftlichen und produktiven Betätigung zu ebnen, muß vor allem für unsere nationale Bodenpolitik in der Zukunft maßgebend sein. Legt man in erster Reihe Gewicht auf den Siedlungswert des Bodens, so ergeben sich für unsere nationale Bodenpolitik eine Reihe von zwingenden Konsequenzen prinzipieller und praktischer Natur. Das ist die Notwendigkeit, Boden zu erwerben, überall, wo es sich um Siedlungsmöglich'־׳iten handelt, sowie auch Bodenresexven zu schaffen an jeder größeren Niederlassung im Lande, vor allem aber in der Nähe jüdischer Siedlungspunkte. Durch die Bildung eines größeren Zentrums wird eine Stätte von Arbeitsmöglichkeiten geschaffen, die Raum für die Aufnahme neuer jüdischer Ansiedler gibt. Darin ist auch eine der Ursachen der Notwendigkeit einer städtischen Bodenpolitik gegeben. Es war zum Schaden Tel- Awiws, daß es keine Bodenreserven besaß, die den Tausenden von Arbeitenden in der Stadt hätte Niederlassungsmöglichkeiten bieten können. Es ist keine Uebertreibung, zu sagen, daß die jetzt herrschende Krise viel schwächer aufgetreten wäre, wenn die Neueingewanderten oder die nach der Stadt geströmten arbeitenden Elemente nicht gezwungen gewesen wären, in der Stadt zusammengepfercht in unproduktiver Weise ihr Leben zu fristen, und sie einen Rückhalt in einer eigenen kleinen Wirtschaff auf einem eigenen Stückchen Boden in der Nähe der Stadt gehabt hätten. Tel-Awiw würde wirtschaftlich ganz anders ausgesehen haben, wenn es von Vorstädten und kleinen Siedlangen umgeben gewesen wäre, wo die Leute auf einer kleinen Parzelle ihre Existenz gefunden, resp. sich ihren schweren Daseinskampf erleichtert hätten. Der Mangel an Boden und die Bodenspekulation, die für Tel-Awiw der letzten Periode kennzeichnend ist hat die Krise in vieler Hinsicht verursacht und die Scharen der unglücklichen und verzweifelten Menschen zum Verlassen des Landes veranlaßt Der Umstand, daß in den entscheidenden Jahren der großen Einwanderung nichts gemacht worden ist, um den Menschen den Zutritt zum Boden zu ermöglichen und dadurch die Krise Tel-Awiws zu lindem, ja zu einem gewissen Teil zu beseitigen, ist hauptsächlich damit zu erklären, daß in der Umgebung dieser Stadt der Keren Kajemeth keinen einzigen Dunam zur Verfügung hatte. Es hat sich bitter gerächt, daß die Institution, die eine nationale Bodenpolitik führen sollte, es nicht verstanden hat, rechtzeitig dafür Sorge zu tragen, daß größere Bodenreserven in der Umgebung der Stadt erworben werden, die damals zu billigen Preisen leicht zu bekommen gewesen wären. Eine jüdische Stadt bietet große Arbeitsgelegenheiten für die neuen Einwanderer; diese aber können am besten gesichert werden durch Schaffung von An- Siedlungsmöglichkeiten. Dafür ist aber Voraussetzung die Bildüng von Bodenreserven um die Stadt. Und wie sah es in Wirklichkeit aus? Als die große Hausse in Tel-Awiw mit der großen Einwanderung, der fieberhaften Bautätigkeit und der raschen Vermehrung der arbeitenden Massen einsetzte und als man sich der ungeheuren Wichtigkeit der Beschaffung von Heim- und Arbeitsstätten für städtische Arbeiter bewußt wurde, war es schon zu spät. Es war entweder gar kein Boden zu bekommen oder zu Preisen, die eine gedeihliche Entwicklung von vornherein ausschlossen. In eine ähnliche Situation werden einmal alle Städte des Landes kommen. Jede Stadt bietet Arbeitsgelegenheiten und Niederlassungsmöglichkeiten für Juden und deren Verwurzelung mit dem Lande. Um dies aber zu sichern, muß in der Nähe jeder Stadt, sei es eine jüdische oder eine gemischte oder sogar eine rein arabische — eine Bodenreserve vorhanden sein, die eine künftige Ansiedlung ermöglicht und Wohnstätten für die *) Siehe ״jüdische Rundschau“, Keren Kajemeth-Ausweis Nr, 2t, vom 23» April d. J.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.