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Jüdische Rundschau · 1927-04-29 · Heft 34 (29.4.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 34 (29.4.1927)
Date
1927-04-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 JUEDI5CHE RUNDSCHAU Seite 243 Einige Parallelexi zur Palästina« Kolonisation Von I. Ettinger, Jerusalem. Die landwirtschaftliche Kolonisation befindet sich gegenwirtig in allen Teilen der Welt in einer fortschreitenden Entwicklung. Innere landwirtschaftliche Kolonisation wird in Irland und Griechenland, Dänemark und Südrußland, in den Vereinigten Staaten, Kanada und Südafrika, Australien und Neuseeland getrieben. Die Kenntnis von den Mitteln und Wegen der Landansiedlung in diesen Lindern kann zu einem guten Teile das Verständnis für die Entwicklungsvorgänge in Palästina fördem. Es sind wirtschaftliche Erscheinungen von sehr ihnlichem Charakter, deren Einfluß heute die verschiedenen Länder erfahren. Von besonderem Interesse ist die Kenntnis der modernen Methoden für Landansiedfung in den britischen Besitztümern. Wenn wir uns fragen, in welcher Weise die Kolonisation in den britischen Dominien und Kolonien vor sich geht, so ist es nicht nur Neugier, die uns zu dieser Frage treibt. Eine allgemeine Kenntnis der geplanten oder in Ausführung begriffenen Projekte in Irland, Kanada, Australien und Neu- Seeland kann vielmehr ein besseres Verständnis für die jüdisehen Unternehmungen in Palästina erzeugen. Die Engländer haben in der Besiedlung neuer Länder bessere Erfolge erzielt als irgendein anderes Volk. Palästina ist augenblicklich unter britischem Einfluß und Schutz. Vielfache britische Interessen, politische, moralische, ökonomische und strategische, knüpfen sich an Palästina. Ist es alo nicht lohnend, wenigstens in den Grundzügen darüber informiert zu sein, wie man in vielen britischen Ländern verfährt, üra Landstriche zu besiedeln, welche Bevölkerungszuwachs brauchen? In diesem kurzen Artikel werde ich mich nicht mit den Problemen der Kolonisation beschäftigen, sondern bloß einige Parallelen herausstellen, welche Methoden und Kosten der Kolonisation betreffen. Zunächst sei von dem neuen frischen Freistaat die Rede. In Irland, das generationenlang eines der verelendetesten Länder der Welt war, trat in der Periode der letzten 10 oder 20 Jahre vor dem Kriege eine erstaunliche Aendening ein. Der neue Freistaat erntet jetzt die Frucht, die vor nicht langer Zeit auf dem Gebiete der Landbesiedlung gesät wurde. Es ist allgemein bekannt, daß Irlands Uebelstände zunächst zurückzuführen waren auf die abwesenden Landlords. Diese Uebelstände zu beseitigen, wurde eine Königliche Kommission mit der Vollmacht ernannt, die den abwesenden Landlords gehörenden Güter auf ihren Realwert zu schätzen; sie von jenen im Namen des Staates zu dein Schätzungswert zuzügl. einer zwölfprozentigen Gratifikation zu erwerben; für diesen Erwerb 112 Millionen Pfund Sterling (2210 Mill. Mark! aufzuwenden; eine Parzeilation vorzunehmen und die parzellierten Grundstücke an würdige Ansiedler zu verkaufen. Die An- Siedler, welche den durch die Maßnahmen der Königlichen Kommission zu Staatsland gewordenen Boden, kauften, erhielten ungefähr 70 — genau 68/4 — Jahre Zeit, um in kleinen jährlichen Zahlungen die 3l4 «״ des Kaufpreises entsprachen, wovon 1/2 V« für Amortisation und 3 ״'״ für Zinsen berechnet wurden, entsorechend dem Amortisationsntan ihren Verpflichtungen nachzukomraen. Außerdem gab die Regierung persönliche Kredite, welche zur Deckung der Kosten ^er Wirtschaftsausrüstung reichten, and die ebenfalls in kleinen jährlichen Abzahlungen, eine minimale Zinsrate inbegriffen, zu entrichten waren. Wie sind die Resultate dieser Politik und der gemachten Aufwendungen? Kurz gesagt: Irland besitzt gegenwärtig eine fleißige und erfolgreiche Landbevölkerung, welche die gesunde breite ökonomische Grundlage des Irischen Freistaates bildet. Andere vielversprechende Beispiele von Landansiedlungs- Projekten sind die mit dem 1922 im Parlamente beschlossenen sogenannten Empire Settlement Act (Reichssiediungsgesetz) verbundenen Entwürfe. Die Durchsetzung dieses Gesetzes geht hauptsächlich auf Mr. Amery, den gegenwärtigen britischen Staatssekretär für Kolonien, zurück. Zufolge dieses Gesetzes wird ungefähr 40 000 Menschen jährlich dazu verhoifen, die Gestade Groß-Britanniens zu verlassen und sich in den Dominien anzusiedein. Dieses bemerkenswerte Gesetz heißt: ״Gesetz zur Verbesserung der Vorkehrungen für die Förderung britischer Siedlungen in Sr. Majestät überseeischen Dominien". Es ermächtigt den britischen Kolonialsekretär mit den überseeischen Regierungen, ferner mit öffentlichen oder privaten Körper* schäften zusamraenzuarbeifen und bis zur Hälfte die Spesen für die Projekte, welche unter dieses Gesetz fallen, zu tragen. Es sieht für die nächsten zwölf Jahre eine jährliche Summe von £ 3 000000 für diese Zwecke vor. Als unter das Gesetz fallende Projekte sind anzusehen: 1. Landbesiedlungs- und Entwicklungsprojekte. 2. Projekte für Hilfe bei der Ueberfahrt, anfängliche Zuschüsse, Ausbildung und ähnliches. Ich will nur die wichtigsten Landbesiedlungsprojekte erwähnen, welche bereits als unter das erwähnte Gesetz fallend, anerkannt wurden, wenngleich die Ueberfahrtshilfsprojekte ebenfalls von großem Interesse sind und Beispiele für moderne Methoden der Wanderungshilfe darstellen. Aber ich muß mich auf die Landbesiedlung beschränken und die Wanderungs- oder Einwanderungshilfe für eine andere Gelegenheit zurücksteilen. Ich will als ein bemerkenswertes Beispiel das Projekt anführen, das die britische Regierung und die von Victoria (einer von den fünf australischen Staaten) für die Ansiedlung von 2000 Personen angenommen haben. Im Rahmen dieses Projektes wird von den Anwärtern in der Regei ein Eigenkapital von £ 200 verlangt. Es gibt bisher keine Information darüber, wie diese Regel gehandhabt wird. Von besonderer Wichtigkeit bei diesem Victoria-Staatsunternehmen ist es, daß alle Immigranten bei ihrem Eintreffen in Australien entweder Beschäftigung in einer Farm angeboten oder Land zugewiesen erhalten. In dem letzteren Falle müssen sie sich über Kenntnisse und Erfahrungen in der Landwirtschaft ausweisen. Dieser Punkt ist von Wichtigkeit für die Siedlung«- anwärter, welche aus den Städten kommen. Die britische Wanderung hat es genau mit denselben Problemen zu tun, welchen wir hinsichtlich Palästinas gegenüberstehen. Es wäre absurd, auf dem Lande Männer und Frauen ansässig zu machen, welche nicht über ein bestimmtes Maß von landwirtschaftlicher Ausbildung verfügen und nicht gewisse Kenntnisse der Verhältnisse des ländlichen Lebens besitzen. In Kolonisationsländem ist bei Fehlschlägen, wie immer sie sich äußern, immer das die Ursache, daß man auf den Erwerb vorangegangener ländlicher Erfahrung der Siedlungsbewerber nicht genug Gewicht gelegt hat. Das ist nicht Theorie, sondern aktuelles Leben. Will man, daß ein Kolonisationsunternehmen Erfolg hat, darf man dieses Faktum nie vergessen. Die Zionistische Organisation, welche in der Nachkriegszeit für die. jüdische Kolonisation in Palästina verantwortlich war, ist sich der Wichtigkeit einer praktischen Ausbildung der Siedlungsanwärter voll bewußt. Das ist der Grund, weshalb Bemühungen, jungen Männern und Frauen zu helfen, welche in älteren Siedlungen oder in den neugeschaffenen Farmen beschäftigt sind, unterstützt werden. Die zionistischen kolonisatorischen Autoritäten glauben, daß eine Minimalperiode von zwei Jahren Ausbildung in einer palästinensischen Wirtschaff die absolut notwendige Vorbedingung für eine definitive Ansiedlung ist. In ähnlicher Weise sorgte die Regierung von Neusüdwales in ihrem Landbesiedlungsabkommen mit dem Empire Government für einen Ausbiidungskurs, um die Immigrauten für ihre landwirtschaftliche Beschäftigung oder für die Bewirtschaftung eigener Besitzungen vorzubereiten. Ein anderer Punkt der neuesten australischen Landbesied» lun gsunternehraun gen sind die Vorschüsse bis zu £ 1500, welche den Siedlern für Ausrüstung und Verbesserungen, Boden und Wohnung inbegriffen, gegeben werden. Es ist kein Zufall, daß die Ansiedlung einer Siedlerfamilie in Palästina ungefähr die gleiche Summe kostet. Die Kosten für Boden mit den notwendigen Verbesserungen (besonders Drainage und Wasserversorgung), lebendes Inventar, Maschinen, Pflanzungen und Behausung erfordern eine Summe zwischen £ 1200 bis 1400 oder £ 1500. Im einzelnen: der Boden mit Verbesserungen kostet gewohnlich £ 500 bis 600; für Ausrüstung und Inventar erhält der Siedler durchschnittlich einen Vorschuß von £ 700 vom Keren Hajessod; ein festes Stein- oder Ziegelhaus kostet ungefähr £ 150. Die Gesamtkosten der Ansiedlung einer Siedlerfamilie nähern sich also außerordentlich denen in Australien. Ungefähr ein Drittel dieser Summe wird für Boden und Amelioration ausgegeben und wurde in den letzten Jahren vom Keren Kajemeth, dem Bodenfonds der Zionistisehen Organisation, getragen. Ungefähr zwei Drittel werden den Siedlern vom Keren Hajessod vorgeschossen. Noch ein anderes interessantes Unternehmen wurde im Rahmen erwähnten Gesetzes in Angriff genommen. Es betrifft die Ansiedlung von 3000 Familien aus dem Vereinigten Königreich auf Farmböden in Kanada, welche für die An- Siedlung vorbereitet sind. Alle Böden, ferner das lebende Inventar, Ausrüstung usw., werden den Siedlern zu billigen Preisen an ge rech net. Die durchschnittlichen Kosten einer Farm mit lebendem Inventar usw. werden in Kanada ungefähr £ 800 bis 1000 betragen. Da es unwahrscheinlich ist, daß viele von den Siedlern imstande sein werden, diese Summe aufzutreiben, sieht das Projekt für die dazu Unfähigen eine Anleihe in der Höhe vor, welche m dem Zweck erforderlieh ist. Der kanadische Entwurf beschäftigt sich mit der Notwendigkeit, an Ort und Stelle Erfahrungen in der Wirt* Schaft zu erwerben, fast in den gleichen Wendungen, wie der australische. Abgesehen von den Kolonisationsplänen, welche neuerdings unter dem genannten Gesetz in Angriff genommen wurden, gibt es auch noch andere ähnliche Unternehmen in Neu- Seeland und Südafrika. In Neuseeland hat jeder, der das 17. Lebensjahr erreicht hat, das Recht, Boden für seinen eigenen Bedarf zu fordern, wobei der Anwärter nicht bereits Eigentümer oder Besitzer von Boden über eit! bestimmtes Ausmaß hinaus zu sein hat. Es sei daran erinnert, daß in den letzten Jahre« ähnliche Gedanken wegen des Rechtes auf Siedlungsböden in Palästina sowohl bei den Kolonisationsinstanzen als auch' bei den Siedlern vorherrschend sind. Neuseeland ist in hervorragendem Maße ein Land der kleinen Wirtschaften und die Anstrengungen der Verwaltung geben dabin, ein Gemeinwesen kleiner Pflanzer zu schaffen. Sie können Vorschüsse bis zu £ 3000 In Anspruch nehmen, welche auf ihren Boden und die durchzuführenden Verbesse» rungen sichergestellt werden. Die zionistische Kolonisationsinstanz ist nicht imstande, und erstrebt es gar nicht, den Siedlern Vorschüsse bis za £ 3000 pro Familie zu geben. Nichtsdestoweniger Ist diese hohe Zahl von Neuseeland im Vergleich zu anderen Zahlen, betreffend die zur Ansiedlung einer Siedlerfamilie notwendigen Mittel, erwähnenswert. An allen Orten sind die Koionisationsinstanzen bemüht, die Ansiedlungskosten herabzusetzen. Bisher sind nirgends, weder in britischen Besitztümern noch in Palästina solche Bemühungen erfolgreich gewesen. Die Herabsetzung der Landbesiedlungskosten stellt ein Problem dar, welches nach der Meinung der Kolonisationsautoritäten in den englisch sprechenden Ländern nicht gelöst werden kann, ohne daß die praktischen Ergebnisse beeil*- trächtigt werden. Weniger wohl ausgestattete Siedler sind vom Gesichtspunkt der Bodenbesiedlung wünschenswerter als große Mengen von Siedlern, die schlecht ausgerüstet und unzureichend ausgebildet sind. Indem wir Systeme und Tatsachen moderner, mit Staats* Hilfe durchgeführter Siedlungen betrachten, müssen wir uns vor Augen halten, daß die jüdischen Kolonisationsinstanzen weder die großen finanziellen Mittel noch die Macht der Verwaltung haben, welche die Engländer in ihren Besitztümem aufwenden können. Die zionistische Tätigkeit wurde bisher weder durch Bewilligung von Regierangsböden noch durch staatliche Krediterleichterung׳ gefördert, wie sie den Siedlern in Kanada, Australien und Neuseeland gewährt wird. Trotzdem wurden in den letzten fünf oder sechs Jahren über 1200 jüdische Siedlerfamilien ansässig gemacht. Im Augen* blick werden Pläne ausgearbeitet, die jüdischen Siedlungen in einem weiteren Ausmaße zu konsolidieren und zu entwickeln. Mittel und Wege müssen gefunden werden, für eine geschlossene jüdische Siedlung, wie im britischen Palästina-Mandat festgelegt ist, in Verbindung mit Regierungsböden und Regierungshilfe. Andererseits ist es nötig, daß mehr privates Kapital in Palästina investiert werde. In den letzten wenigen Jahren wurden in Palästina wenigstens £ 10 000000 investiert und so die Möglichkeit für ungefähr 100 000 Juden geschaffen, in das Land zu kommen und sich in Städten und Dörfern anzusiedeln. Es ist zu hoffen, daß in den nächsten Jahren viel größere Summen in der Land- Wirtschaft und besonders in der Garten- und Plantagenwirtschaft investiert werden. Die Apfelsinen- und Traubenzucht hat in Palästina bereits außerordentlich zufriedenstellende Resultate ergebet!. Im allgemeinen verspricht die Plantagen- Wirtschaft (Fruchtbau) ebenso wie die Milchwirtschaft und die Geflügelzucht sowie der Gemüsebau, Entwicklung und Erfolg. Duwdiwani - Kirschenbaum Ausstellung im ״Sturm". Jüdische Kunst eines jüdischen Malers hat man augenblicklieh Gelegenheit, im ״Sturm" zu sehen. Der Künstler ist J. Duwaiwani-Kirschenbauro, auf dessen viel!ersprechende Anfänge im Oktober 1925 an dieser Stelle bereits hingewiesen wurde. Alle Erwartungen, die schon die ersten Arbeiten erwecken durften, haben sich heute erfüllt. Die strenge Zucht der abstrakten Malerei hat ihm, ebenso wie allen Begabten dieser Generation, nur genützt. Was er damals kompositorisch gelernt hat, zeigt er jetzt in Bildern, die, ganz gleich ob Aquarell, Zeichnung oder Gemälde, trotz aller Bewegtheit immer eine geschlossene Einheit bilden. Die Zeichnung ״Vater und Sohn 1m Schnee“, das Gemälde ״der Disput“, ein anderes Oelbild ״der Familientanz", sie alle sind reich an innerer Lebendigkeit, die seltsam früh bei einem so jungen Maler auf jeden grob sinnlichen Effekt verzichtet. Das fröstelnde Anschmiegen des Sohnes, die eindringlich beseelte Bewegtheit des Thorahgelehrten und die ekstatisch kreischende Beschwörung des greisen Männleins sind Zeugen einer ungewohnlichen Begabung. Und diese Begabung ist glücklicherweise das zarte, dabei trotzdem reiche Fabuliertalent eines sehr musikalischen Menschen. Das Motiv irgendwelcher tanzender Gruppen finden wir deshalb am häufigsten. Die Tanzenden, zumeist breitschultrige jüdische Männer mit Kaftan und Bärten oder Juden und Bauern findet man auf allen Zeichnungen und Aquarellen, und zwar immer wieder mit der gleichen Freudigkeit an der Bewegung und sicherem Können, so daß die Freude auch bei dem Betrachter bleibt Vor allem ist hinzuweisen auf die Sicherheit der Gestaltung, die aut einem festen Lebensgrund beruht. Und dieser Lebensgrund ist der jüdische Osten, das jüdische Volk, wo es am dichtesten ist, seelisch am dichtesten: in der Versunkenheit der kleinen Städte und Menschen voller Zartheit des Empfindens. Besonders in seinen Aquarellen spiegeln sich Musikaütät. Rhythmus, Lebendigkeit, Erzählerreichtum am reinsten. Vorfrühling in vielerlei Gestalten, im volksliedhaften Humor der Bettlermusik, in den Idyllen ״Vor dem Dorf“, ״Hofmusik", ״Pferd, Kosaek und Ziehharmonika“; feuchtes Grün. Freude, Tanz, Besinnlichkeit und Naturverwobenheit, alles das und noch mehr kann man in diesen Aquarellen finden. Das Sueben in den vielerlei Techniken Hegt nun ganz hinter ihm. Um Kirschenbaum schließt sich, auch wenn er keine Juden malt, das Weltbild so fest, daß er immer jüdische Bilder malt, jüdische Welt. Wieder einer, bei dem wir, wie bei jedem echten jüdischen Künstler des Ostens, den Reichtum wirklicher Volksverbundenheit betrachten dürfen. Ruth Morold. Jüdische Musik im Rundfunk. Kapellmeister Albert Kellermann, der Dirigent des Chors der Neuen Synagoge, Berlin, hielt am II. April im Ostmarken-Rundfunk Königsberg einen Vortrag ״Kulturgeschichtliche Betrachtungen über die Entwicklung der hebräischen Gesänge und Melodien". Daran schloß sich ein unter seiner Leitung veranstalteter Konzertabend aus der hebräischen Musikliteratur. Es wurden unter Mitwirkung des dortigen Oberkantors Dr. Pik und anderer namhafter Solikräfte Vokal- und Instrumentalkompositionen von Rossi, Naumburg, Sulzer, Lewandowski, Birnbaum, Gernsheim und Kellermann zu Gehör gebracht, welche nach einem Bericht der Königsberger ״Hartungschen Zeitung“ künstlerisch wertvoll genannt werden. Der Bericht erwähnt noch, daß es dankenswert sei, daß die Rundfunkleitung diese wenig bekannten Melodien der Allgemeinheit zugänglich gemacht hat. Jerusalem, 19. April. (J.T.A.) Die vor kurzem in Tel-Awiw abgehaltene Konferenz der palästinensischen Schriftsteiler hat eine Protestresolution gegen die Verfolgung des Hebräischen in SowjefruBland gefaßt und sich an alle hebräischen Kulturorganisationen in Palästina und in der ganzen Welt mit der Bitte gewandt, sich diesem Protest anzuschließen. Die hebräische Arbeiterzeitung ״Dawar“ hat vor einigen Wochen einen Aufruf der hebräischen Schriftsteiler in Leningrad an ihre Kollegen in der ganzen Welt veröffentlicht, in welchem gebeten wird, eine Aktion gegen die Verfolgung der hebräischen Sprache durch die jüdischen komnrunistischen Sektionen in Sowjetrußland einzuleiten, in dem Aufruf wurde initgeteili, daß den hebräischen Schriftstellern in Rußland die Möglichkeit genommen ist, ihre Werke zu drucken oder öffentlich vorzutragen. Dr. Sali Levi: Beiträge zur Geschichte der ältesten jüdischen Grabsteine in Mainz; L. Wilkens, Mainz, 1926. Das Schriftchen, das anläßlich der Rückführung der in Mainz verstreut aufgefundenen Grabsteine auf den ״Alten Judensand" geschrieben wurde, enthält neben einer kurzen Einleitung 18 musterhaft ausgeführte Photographien bemerkenswerter Grab* steine vom 11. bis 15. Jahrhundert, deren Erklärung und Entzlfferung mit der nötigen Vorsicht versucht wird. Wenn man auch in den Feststellungen mit dem Verfasser nicht Immer einig gehen kann, wird man doch auf die für einen späteren Zeitpunkt angekündigte größere Arbeit über das Thema nur gespannt sein dürfen. Dr. A. B. Wolfgang Krämer: Politische Fremdwörter, zum Gebrauch für Zeitungsleser; 2. bis 5. Auflage, Saarbrückener Druckerei und Verlag A.-G., Saarbrücken, 1926, 95 S. Das Büchlein gibt eine kurze, meist treffende Erklärung der wichtigsten Fremdwörter, die in der Tagespresse vorkommen, und oft, nur halb verstanden, nachgesprochen werden. Der Verfasser hat dabei das Ziel, die Herrscnaft des politischen Schlagworts zu mindern und zu eigenem Nachdenken über die Geschehnisse hinzuleiten. Auch das Judentum betreffende Bef" ‘ Definitionen von Zionismus und Assimilanfcn z. B. sind nicht erschöpfend und besonders, wenn man sie gegenüberstellt, leicht mißverständlich. — Anregen möchte man noch, trotz der im Vorwort gemachten Einwande, eine bessere Aussprachebezeichnung (etwa nach Langenscheidt). Alles in allem ist das Büchlein wohl zu empfehlen. Dr. A. B. E. A. Adamov, Professor am Orientalischen Institut in Moskau und Direktor des Archivs des Volkskommissariats für Auswärtige Angelegenheiten hat im Auftrag der Sowjetregierang die Schriftstücke publiziert, die während des Weltkrfeges zwischen den Verbandsmächten über die künftigen Geschicke der Türkei gewechselt wurden. (Evropejskie Derzavv ׳ Turcija vo Vremia Mikrovoj Vojnv, Moskau, 1924/26, drei Binde.) Die Sammlung enthält auch 'sämtliche Verhandlungen über Palästina. Eine deutsche Ausgabe ist in Vorbereitung. —M.

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