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Jüdische Rundschau · 1927-04-29 · Heft 34 (29.4.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 34 (29.4.1927)
Date
1927-04-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 242 Nr. 34 Nr. 34 Brith Schalom arabische Kurse eingerichtet. Aber diese Versuche gegenseitiger Aussprache sind sporadisch und zufällig, und man merkt nicht den einheitlichen Willen der Juden Palästinas, ein Staatsvolk zu werden. Es sei mir gestattet, auch dies durch eine kleine Anekdote zu belegen. Zwei Jüdische Schuljungen zielen mit Steinen nach einer städtischen Laterne. ״Ihr werdet ja die Laterne zertrümmern,“ sagt ein Vorübergehender. ״Das macht nichts, das zahlt ja Storrs“ (der Gouverneur von Jerusalem). So lebt schon (oder noch?) in den Kindern das Bewußtsein, daß der Staat etwas Fremdes ist, in Palästina wie im europäischen Ghetto. Und doch sollte in Palästina unsere Einstellung eine andere sein. Der Ural nm die Krise Von Dr. Wilhelm Brünn. Es muß wohl wahr sein, daß wir in Palästina eine Krise haben; denn die Zeitungen erzählen es uns täglich, und wenn man nach längerer Abwesenheit aus Palästina hierher zurückkommt, so erkundigt sich jeder nach der Krise, wie man nach dem Befinden eines unheilbar kranken Freundes oder Verwandten fragt. Ich war jetzt ungefähr sechs Monate in Palästina, aber das, was man in anderen Ländern und Wirtschaftsgebieten unter einer Krise zu verstehen pflegt, habe ich dort nicht vorgefunden. Es gibt keine allgemeine Produktions- oder Absatzkrise. Im Gegenteil hat sich die Land- Wirtschaft in den letzten Jahren erholt und setzt ihre Produkte zu erhöhten Preisen ab, und da die Landwirtschaft die Hauptproduktion darstellt, so kann zunächst einmal nicht von einer allgemeinen Krise gesprochen werden. Auch fehlen die Begleiterscheinungen sonstiger Krisen, wie zahlreiche Notverkaufe, Konkurse, Versteigerungen, Subhastationen; von all dem ist nichts zu merken. Zwar wird allgemein langsamer und schwerer reguliert, aber derartige Perioden gab es schon häufiger. wohl gibt es einige tausend jüdische Arbeiter im Lande, die nicht viel Aussicht haben, in absehbarer Zeit eine dauernde Beschäftigung zu finden. Weiter können einige hundert Hausbesitzer in Tel-Awiw ihre Häuser bzw. Wohnungen nicht vermieten. Es trifft ferner zu, daß der Hausbau in Tel-Awiw fast gänzlich zum Stillstand gekommen fst. Schließlich sind verschiedene jüdische und arabische Bodenspekulanten in ihren Erwartungen unsanft getäuscht worden und jammern über die Kreditnot. Das ist bisher alles. Will man also überhaupt von einer Krise reden, so darf man nicht von einer palästinensischen, nicht einmal von einer jüdisch-palästinensischen sprechen, sondern lediglich von einer Krise der Zionistischen Organisation. Denn sie war es, die unbekümmert um die wirtschaftlichen Bedürfnisse aus politischen und Prestigegründen Arbeitermassen ins Land gelassen hat, über deren Unterbringung, Beschäftigung und Seßliaftmachung sie sich nicht allzuviel Sorgen gemacht zu haben scheint, und deren Arbeitslosigkeit mit einem Mal als eine Folge der vierten Alijah aufgefaßt wird, obgleich wir doch schon vor der vierten Alijah ähnliche Verhältnisse hatten, nur nicht in dem jetzigen Umfang. Nun frage ich: Wozu der Lärm? Welche Wirkungen verspricht sich die Zionistisch׳״ ״ganisation, wenn in ihrer Presse in der ganzen Weit, jahrein jahraus, tagaus tagein, der Trauergesang von der Krise in Palästina angestimmt wird? Erwartet sie, daß die Spenden dann reichlicher fließen werden? Glaubt sie auf diese Weise die Eingänge der großen fonds wesentlich zu steigern? Etwa in einem Ausmaß, daß die 5000 oder 6000 Arbeitslosen davon dauernd produktiv beschäftigt werden können? Oder glaubt sie vielleicht, daß eine übertrieben ungünstige Schilderung Palästinas der Privatinitiative einen besonderen Anreiz zur Kapitalsanlage bietet? Der Sinti solcher Politik ist einigermaßen schwer verständlich. Man möchte doch nicht gern annehmen, daß sich die Tätigkeit der Exekutive darauf beschränkt haben sollte, den an sich begreiflichen Lärm der Arbeiterschaft in grotesker Verstärkung in die Welt hinauszulärmen. Die Zionistische Organisation resp. der Kongreß müssen sich entschließen, in der Arbeitslosenfrage Entschlüsse zu fassen, was hier von Herrn Dr. Weltsch schon vor Monaten gefordert wurde. Soviel ist sicher, daß das Lärmen mit der Krise kein Mittel ist, mit dem man Millionen heranschaffen kann, wohl aber ist es geeignet, Palästina um den Rest von Kredit zu bringen, den es trotz des Krisenfeldzugs in der Welt noch besitzt. Bei den Stadtratswahlen in Nablus wurden sechs gemäßigte und ein extremer arabischer Nationalist gewählt. Der Ausgang dieser Wahl ist symptomatisch für den Rückgang der erxtremen arabischen Richtung. Die Wahlen in Oesterreich und die Juden Bei den am 24. April in Oesterreich stattgefundenen Wahlen für den österreichischen Nationalrat und für den Wiener Gemeinderat vermochten die Jüdisch-Nationalen kein einziges Mandat zu erobern. Auch das einzige Mandat im Wiener Gemeinderat, das die Jüdisch-Nationalen in der abgelaufenen Wahlperiode besessen hatten, ging verloren. Gegenüber den Wahlen von 1023 büßte die jüdisch-nationale Liste ungefähr 70 #/» ihrer Wähler ein. Auf die ungefähr sechs Millionen in Oesterreich lebenden Ein* wohner entfallen 165 Mandate für den Nationalrat. Da es in Oesterreich ungefähr eine. Viertelmillion Juden gibt, haben die Juden eigentlich Anspruch auf sechs Mandate im Nationalrat; sie könnten diese Mandatszahl erreichen, wenn sie national organisiert wären und wenn die Wahlgeometrie der jüdischen Minorität überhaupt ermöglichen würde, entsprechend ihrer Zahl politisch erfolgreich aufzutreten, insgesamt sind in Wien bei den letzten Wahlen 10 000 Stimmen für die jüdische Liste abgegeben worden. Die Ursache dieser unerwartet großen Niederlage versucht der nachstehende Bericht zu erklären, den wir als Symptom der Stimmung nach der Wahl veröffentlichen, ohne uns zu verhehlen, daß die Darstellung unter dem Eindruck des Mißerfolges im Tone allzu scharf ist. *’ l.th. Wien, 25. April 1027. Die Wahlen in Oesterreich haben für die jüdische Partei kein erfreuliches Resultat gebracht. Nicht nur, daß kein Nationalratsmandat erobert wurde, auch das einzige Oemeinderatsmandat der Juden ging an die Sozialdemokraten verloren. Die jüdische Partei konnte diesmal in der Leopold- Stadt kaum 50 #/0 der bei letzten Wahlen im Jahre 1023 aufgebrachten Stimmen auf sich vereinigen. Zum Teil ist dieser Mißerfolg wohl auf die Propaganda der Poaie-Zionisten gegen die jüdische Partei zurückzuführen, die aber eine Reaktion gegen die allzu scharfe Bekämpfung der Sozialdemokraten seitens der bürgerlichen Jüdischnationalen war, andererseits aber muß einmal offen und deutlich auf die Zerfahrenheit und Desorganisation des offiziellen österreichischen Zionismus lungewiesen werden. Die Führer haben durch eine in den meisten Fällen arbeiter- und angestelitenfremde Politik viele Zusammenhänge mit der breiten Masse der jüdischen Angestellten verloren. Der offizielle österreichische Zionismus gilt als bürgerlich, und auch sein Verhältnis zu Palästina und zur hebräischen Kultur ist mehr deklaratorisch. Es soll zugegeben werden, daß das neue Landeskomitee sich ehrlich bemüht, Abhilfe zu schaffen, es konnte ihm aber in der kurzen Zeit bis zu den Wahlen selbstverständlich nicht gelingen, die jüdischen Massen zu gewinnen und zu erziehen. Völlige Entfremdung zwischen den meisten Jugendorganisationen, die sozialistisch oder mindestens sehr arbeiterfreundlieh orientiert sind und den offiziellen Führern, die bürgerlieh und nicht selten ausgesprochen sozialistenfeindlich (nicht sozialismusfeindlich! Anm. d. Red.) sind, ist z. B. eines der wichtigsten und sehr betrüblichen Merkmale des österreichisehen Zionismus. Da muß unbedingt Wandel geschaffen wtrden;, soll - nicht ׳:der österrdchrsehe: fionismas igmi zu einem selbstzufriedenen Verband von Disputiergrüppchen herabsinken und im besten Falle nur eine 1 Sammelstelle für die Fonds sein. Die nächsten Aufgaben und die Lehre aus den Wahlen sind daher: Stärkung der Organisation, gänzliche Ncuorientierung der inneren Politik, Mäßigung der von den jüdisehen Massen abgelehnten, zu militanten Sozialistenbekämpfer. Intensivierung der Kultur*, Palästina- und Erziehungsarbeit und ständige Propaganda, wirkliche Werbearbeit für den zionistischen Gedanken, nicht nur Versammlungen vor den Wahlen. Die rote und die schwarze Assimilation muß und kann gebrochen werden, aber nur, wenn die zionistischen Führer und die zionistischen Politiker die wirkliche zionistische Idee, d. i. Aufbau Palästinas durch jüdische Arbeit und Regeneration des Volkes in wirtschaftlicher, kultureller und physischer Beziehung nicht durch Sonderinteressen einzelner Schichten verwischen. Der jüdische Intellektuelle, der jüdische Angestellte, der Gewerbetreibende, der jüdische Arbeiter und vielfach auch der Kaufmann, besonders der kleine, sie alle wollen das Bewußtsein haben, daß Zionismus nicht ein Wiederaufleben eines konservativen, kapitalistischen Interessen dienenden Nationalismus bedeute, sondern Renais* sance eines alten, schöpferischen, kulturellen Volkes durch Arbeit und im Geiste der großen fortschrittlichen Mensch* heitsbewegungen. Ein Beispiel: Wohl mußte der Anti* semitismus einzelner Führer der österreichisehen Sozialdemokratie bekämpft werden, es war aber lange noch darum nicht notwendig, die Schulreformbestrebungen der Sozialdemokraten und ihre von der ganzen Welt bewunderte Aufbautätigkeit bei jeder Gelegenheit zu bekämpfen, es war nicht notwendig, gegen das Budget der sozialdemokratischen Gemeinde, die für das arbeitende Volk soviel Gutes geschaffen hat, zu stimmen und es war schließlich geradezu abwegig, — wie es manche maßgebenden zionistischen Führer gelegentlich taten — die sozialistische Ideologie an sich zu bekämpfen und dadurch große Teile der jüdischen, ja der zionistischen Wählerschaft abzustoßen! Die Theorie, daß Zionismus und Sozialismus einander ausschließen, ist vollkommen falsch und ein Hirngespinst, das in den Köpfen einiger österreichischer sozialdemokratischer Führer rumort, die sich vor dem Renommee einer Judenschutz* truppe bei der antisemitischen Masse fürchten, das aber leider auch in den Köpfen mancher Zionistenführer herumspukt, die nicht genügend zu betonen verstanden, daß Zionismus und Kapitalismus wesensverschiedene Dinge sind, die auf ganz anderen Ebenen liegen. Nur eine starke, große Zionistische Organisation, durchtränkt von jüdischer Kultur und erfüllt von wirklichem Zusammenhang mit Palästina, deren Führer die Interessen, Bestrebungen und sozialen Ideale der großen jüdischen Massen vertreten und wahren werden, hat Aussicht auf eine große Gefolgschaft der jüdischen Be* völkerung hei allen Anlässen und auch gelegentlich von Wahlen. Die StadtratswaUen in Warschau Anläßlich der Staatsratwahlen in Warschau sind von den jüdischen Parteien Anstrengungen gemacht worden, eine Einheitsliste aufzustellen, um geschlossen in den Wahlkampf einzutreten. Die Vorschläge bewegten sich dahin, den Zionisten 25, den Agtidisfen 6, den jüdischen Handwerkern 6, den Misrachisten 3 und den anderen Gruppen ie einen Vertreter zu konzedieren. Am Widerstande der Handwerker und der Folkisten sind die Einigungsbestrebungen gescheitert. Es wird jedoch erwartet, daß die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Die jüdischen Assimilaten treten in den Wahlkampf nicht mit eine reigenen Liste ein, sondern beschlossen, für die polnisch-demokratische Liste zu stimmen. Konterenz der jiddischen Lehrer in Polen Wilna, 22. April. (I. T. A.) In den Zwischentagen des Passah-Festes wurde in Wiina die erste Konferenz der jiddischen Lehrerschaft Polens abgehalten. Es wurden die Grundlagen und Prinzipien des Aufbaues einer normalen jüdischen Schule testgesetzt und ein Beschluß gefaßt, daß die jüdische Schule eine weltliche und ihre Unterrichtssprache jiddisch sein müsse. Da die Konferenz illegal abgehalten wurde, wurden die Delegierten von der politischen Polizei verhaftet und in einen Saal des Gefängnisses gebracht. DortfandendieSchlußberatungen statt und wurden die Entschlüsse gefaßt ■” ־ 'י' י ־ ’ ■ ־. ׳,: Warschau, 22. Aril. (J.T. A.) In den Zwischenfeiertagen wurde in Warschau eine Konferenz der jüdischen Lehrer an den polnischen Staats schulen abgehalten. Die Mehrheit sprach sich dafür aus, daß an Volksschulen, die in der Hauptsache von jüdischen Schülern besucht werden, jiddisch als Unterrichtsfach eingeführt werden soll. Rabbi Zirelson gemaßregelt Bukarest, 22. April. (J.T. A.) ״Adeverul“ teilt mit, das Innenministerium erteilte dem Bürgermeisteramt in Kischinew die Anweisung, das Gemeinderatsmandat des ehemaligen Senators, Oberrabbiners Zirelson, zu annullieren. Man erklärt sich diese Maßregelung des in der Judenschaft Rumäniens populären Oberrabbiners Zirelson damit, daß dieser dem amerikanischen Oberst Ament die Beantwortung seiner Fragen in öffentlicher Gemeinderatssitzung verweigerte und sagte, über die wirkliche Lage der Juden in Rumänien kann man hier nur unter vier Augen sprechen. Gesdiiditen aus Tel-Awiw Von M. Y. Ben-Gawriel, Jerusalem. Gerade in Zeiten der Krise ist es angenehm, zu lachen, denn die Weisheit, die lachen läßt, ist vielleicht die einzige, die wirklieh erleichtert. Daher zwei kleine Geschichten zum Lachen: In Tel-Awiw wohnt ein Herr, der, ich glaube Gronemann zeichnet in seinem ״Tohuwawohu“, eine ähnliche Figur, sich vier- oder fünfmal taufen ließ. Aus Ueberzeugung natürlich. Da die Judenmissionen, hierzulande Neschumechapereien genannt, bis zu fünfzig Pfund für eine jüdische Seele zahlen, kann möglicherweise diese Ueberzeugung dadurch gestärkt worden sein. Nun hat es dieser Herr nicht mehr nötig, sich taufen zu lassen, und ist schon seit längerer Zeit wieder, auch der Religion nach, Jude. Vor kurzem nun kaufte er sich ein Auto und meldete dies pflichtgemäß der Polizei an, um die Polizeinummer zu erhalten, ohne die, wie man weiß, es verboten ist, auszufahren. Bald erhielt er das Schild, das auf der Hinterseite des Wagens anzubringen ist und in hebräischen Buchstaben die Nummer des Wagens, wie sie im Polizeiregister eingetragen ist, aufweist. Selten war der Zufall witziger als in diesem Fall, denn die Polizeinummer, die gerade frei war, lautete 344, was zwar weiter nichts ausmachen würde, wenn in Tel-Awiw das Polizeischild nicht fatalerweise die Nummer auch in hebräischen Buchstaben tragen würde, die in diesem Falle schin, mem, daled lautet, was zusammen gelesen ״schmad“ ergibt, wovon, wie auch jeder Nichthebräer weiß, das ominöse wort ״Meschummed“ kommt.. Herr Soundso, dem das Lachen Tel-Awiws sehr zum Aerger ward, zog es vor, um nicht außer Landes gehen zu müssen, bei der Polizei um Zuweisung einer andern Nummer bittlich zu werden. Eine andere kleine Geschichte, die schon älter, aber ebenso wahr ist wie die erste: Ein bekannter, sehr talentierter hebräischer Schriftsteller gab eine Zeitschrift heraus, die unter dem Namen ״lew hadasch“ sehr bemüht war, manche Auswüchse der Gesellschaft zu geißeln. Einmal nun griff der Herausgeber einen reichen Bodenspekulanten an. Dieser bekam Wind von der Sache und kaufte sofort nach Erscheinen die ganze Auflage des neuen Heftes ״lew hadasch“ auf. Der Mann war aber witzig«, als es sein Reichtum vermuten ließ, denn er ließ die Auflage weder einstampfen noch lagerte er sie in seinem Hause ein, sondern er ging hin und ließ auf jedes Exemplar einen einzigen Buchstaben, ein ״kaph", und zwar vor das ״lamed“ des Titels ״lew hadasch“ drucken. Dann ließ er die Zeitung in den Straßen Weiterverkäufen, denn er wollte doch wieder zu seinem Oelde kommen. Er hatte die Lacher und den Gewinn auf seiner Seite, denn man riß sich um den ״kelew hadasch“. Und noch eine dritte Geschichte, die berühmte Angelegenheit mit der Goldkarawane. ״ Eines Tages tauchte in Tel-Awiw ein Herr in der kleidsamen Tracht der Bagdader auf. Er tat sehr vornehm, wie es einein Mann gebührt, der von seiner Sendung weiß. Bald begann man Phantastisches über den Fremdling, dem Bruder aus dem Osten, zu munkeln, und als die bunten Gerüchte auch vor das Ohr des Herrn Paschut kamen, der der reichste Mann der Stadt ist, war es diesem sehr zu tun, mit dem Fremden in Fühlung zu kommen. Dies ging um so einfacher, als dieser durchaus nicht abgneigt war, mit reichen Leuten zu verkehren. Bald sah man nun den Bagdader als Vertrauten im Hause Paschuts aus- und eingehen. Paschut aber strahlte, denn was der Fremde ihm erzänlt hatte, übertraf bei weitem alle Gerüchte. Es handelte sich, wie bald die ganze Stadt wußte, um folgendes: Vor kurzem war in Bagdad eine große Karawane von Juden, die die Absicht hatten, sich in Tel-Awiw niederzulassen unter Mitnahme einiger mit Gold, Goldbarren und gemünztem Gold beladenen Kamelen, aufgebrochen. Der Fremde aber, der Jude aus Bagdad, der im Hause Paschuts, des reichsten Mannes von Tel-Awiw aus- und cinging wie ein Bruder, war ihr Quartiermacher, dessen Auf- * gäbe es war, alles so vorzubereiten, daß die Neuankömmlinge auf schnellste Weise unter Dach und Fach gebracht würden. Paschut war Feuer und Flamme für die Sache. Er gründete schnell ein Komitee, dem einige Architekten zugezogen wurden und bald begann man an der Peripherie der Stadt, im schönsten Teil der Umgebung, dort wo die Gründe am teuersten sind, Parzellen zwecks Aufbau eines neuen Quartiers auszumessen. Der Bagdader stand natürlich mit Rat und Tat den Ingenieuren, die trotz der großen Hitze fleißig arbeiteten, bei, denn er war ein Mann, der van seiner Mission wußte. Wenn er auch ein etwas sonderbares Arabisch sprach, das die wenigsten verstanden — der Bagdader Dialekt ist eben ein anderer, schwer verständlicher —, war doch sein Französisch überaus korrekt und ersetzte den Mangel an Hebräischkenntnissen vollkommen. Sitzung um Sitzung wurde abgehalten, Pläne um Pläne wurden gezeichnet, die ganze Stadt war vom Goldkarawanenfieber ergriffen. Nicht nur Herr Paschut allein, dies sei zu seiner Ehre vermerkt. Er aber allein war es — was Wunder, da er der reichste Mann der Stadt ist —, der in brüderlicher Anteilnahme dem Bagdader die runde Summe von zweihundert Pfund nicht nur vorstreckte, sondern sogar aufdrängte, als dieser einmal so nebenbei erwähnte, daß er für die sich dem Heiligen Lande Nähernden gewisse Einkäufe machen müßte, und augenblicklich — malhereusement — die Summe nicht flüssig hatte. Wer wird in einem solchen Fall ein Wort verlieren, wenn es sich um einen Bruder handelt, und sonderlich um einen, hinter dem Kamele mit Gold stehen? Paschut macht wahrlich keine Worte. Es seien denn die, welche die Ingenieure zu höchster Eile und die Architekten zu höchster Kunstentfaltung antreiben sollten. Das war eine schöne Sache! Brüder aus Bagdad, Kamele mit Gold, eine neue Siedlung in Tel-Awiw, neue Menschen, die vielleicht die ökonomische Krise ein wenig lockern konnten; es war ein Vergnügen, in Tel-Awiw zu leben, sonderlich wenn man Terrain besaß, auf dem die neue Siedlung erbaut werden sollte. Der Bagdader aber — nennen wir ihn El nadib —, El nadib also, hatte sich überanstrengt und hatte das dringende Bedürfnis, auszuspannen. Man verstand es. Ein paar Ausflüge in die Umgebung brachten nicht die gewünschte Erholung, so daß El nadib sich endlich entschloß, auf ein paar Tage ins Gebirge zu reisen. Segenswünsche begleiteten seinen Weg. Dann wandte inan sich mit Feuereifer wieder den Arbeiten an der neuen Siedlung zu. Wie die Sache weiterging, ist leicht zu erraten. Der edle Bagdader ward nicht mehr gesehen, die Goldkarawane ist anscheinend mit Mann, Kamel und Gold in der Wüste untergegangen, und des Herrn Paschut zweihundert gute Pfunde sind dahin. Die Pointe der Sache aber kam letzthin, als die Post dem Herrn Paschut einen Gerichtsbrief brachte; in dem er, unter Bezugnahme auf irgendein noch geltendes türkisches Gesetz, eingeladen wird, recht bald die Summe, ich glaube gleichfalls von zweihundert Pfund, an ein paar Ingenieure und Architekten zu bezahlen, die von einem gewissen Komitee, für das Herr Paschut rechtskräftig zeichnete, eingeladen worden waren, gewisse Arbeiten zu unternehmen. Dies ist die Geschichte der Goldkarawane, über die man nicht nur in Tel-Awiw lachte. Sie hat das Gute für sich, daß sie wahr ist. Eini Die 1 wartlg k Entwicklu Irland un Vereinigt! Neuseelat Die ansiedlun Verständi dern. El liehen! C Länder e Von Methode! Wenn wi den brit ist es n Eine allp begriffen Seeland 1 sehen U Die bessere ist augei fache bri und stra lohnend, zu sein, um Lan brauche! In! den Pr bloß ein und Ko Zun; In Irian Länder 1 20 Jahr! 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