Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 34 (29.4.1927)
- Date
- 1927-04-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer ÖJO Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15. Meijiekestraße 10. Erscheint iedea Dienstag and Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1.85 Goldmark, ▼isrteHibrUeh 5,25 Goldmark. Aualandrabonaanieata ward** 1• dar Wihteag der eiatelnen Hader bereebaet Anzeigen »Verwaltung Jüdische Raodschaa G. m,b. H-, Berlin W15, Mcinekes tr.l 0 Telephon! Amt Bismarck 7165—70. Nummer 34 | Berlin, 29. IV. 1927 Aaaaigenpraiai 8 äeapaluNoapareiDerafla 030 G-H. Ste0eagaaacbe0,2J G.-M. AudjnudMIi öiaaataStiod Freitag aaebmittaglUbr. Telephon! Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392 Für 0*«temieh1 Poitanarkaraenarot V^iea, Konto Nr. 136030. FÄr T»cbicho*lowake1: Pn*t»park**5«n*mt Prag, Konto Nr. 59 410. Für PaUai Po»tspark**»enamt Warschau, Konto Nr. 190108. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ז ניסן׳ חיס״ז XXXII. Jahrg. Dar Zlonlsmu» •rntrebt für Das jOdlscba Volk Dia Schaffung alnar öffentlich rachlllch gaslchartaw HalwsilWa ln Dallsllna. ״Basalar Programm.1 Die Lage in Palästina Nach seiner Rückkehr aus Palästina berichtete Kurt Blumenfeld vor Vertretern der jüdischen Presse in kurzen Strichen über die Eindrücke, die er während seines Aufcnthaltes im Lande von der jetzigen Lage gewonnen hat. Blumenfeld erklärte, daß er seine abschließende Meinung über die zukünftige Arbeit nicht abgeben wolle, bevor er sich nicht mit allen für ihn in Betracht kommenden Faktoren verständigt habe. Zwischen seiner letzten Reise nach Pa• lästina in den abgelaufenen Wochen und seinem vorhergegangenen Aufenthalt im Lande sind drei Jahre verstrichen, eine Zeit der Hausse und dann der Krise. Der Gesamteindruck gegenüber den Zuständen von vor drei Jahren ist überwiegend günstig. Auf vielen Gebieten ist ein Fortschritt festzustellen, insbesondere auf dem Gebiet der Landwirtschaft, in der die Xrbeitstechnik außerordentlich vervollkommnet wurde. Sowohl in der Bearbeitung des Bodens, in der Viehzucht wie auch in der Schädlingsbekämpfung werden von der landwirtschaftlichen Versuchsstation zentrale Maßregeln ergriffen. Ueberall macht sich eine starke Konsolidierungsbestrebung bemerkbar; das Ziel aller Siedlungen ist die Selbsterhaltung. Die Fluktuation in den einzelnen Siedlungen ist überwunden. Eine Aenderung der Wirtschaftsform ist sehr schwer und besonders kompliziert in den großen Kwuzoth. Die kleinen Kwuzoth aber machen einen ausgezeichneten Eindruck. Man kann, ohne sich einer Uebertreibung schuldig zu machen, behaupten: Es gibt keine Krise unserer Siedlungen, es gibt eine Krise der vierten Alijah, und man versucht, die Verantwortung dafür auf die Arbeiterwirtschaften abzuwälzen. Sicherlich sind auch Solei Boneh und Maschbir stark in Mitleidenschaft gezogen. Diese Unternehmungen sind aber ähnlich zu beurteilen wie ״kapitalistische“ Privatunternehmungen. Es fehlt allenthalben an Geld und Kredit, und eine Sanierung ist nicht möglich, wenn man nur ungenügend hilft; das schlimmste ist zu wenig Geld, viel schlimmer als gar kein Geld. 1 Von den 8000 Arbeitslosen, die im Lande gezählt werden, and etwa 2500 Arbeitsunfähige, die in jedem Lande der Welt,׳ auch, bei den besten_^rteitsgelcienhelten, arbeitslos bleibet)!»{®«מ- Ä 1der Ei»%B*4«är«׳'־ sind eben audl Leute iingewandert, die zu jeder Arbeit unfähig sind. Daraus;folgt, daß man die Einwanderung aufs schärfste kontrollieren und reguliere» muß. Es muß der Grundsatz gelten: mit jedem Einwanderer muß auch entsprechendes Kapital einwandern, entweder privates oder Öffentliebes. Der Betrag von £ 500, der von den sogenannten ,,kapitalistischen* Einwanderern verlangt wurde, scheint zu gering gewesen zu sein. Das Land benötigt in erster Linie genügend Kapital. Die Stimmung ist erheblich besser, als man erwarten konnte. Besonders auffallend ist der Stolz des Jischuw und die Gesundheit der öffentlichen Moral. Es ist erstaunlich, daß man trotz der großen Not keinen Bettler findet. Kein Arbeiter, kein Chauffeur, kein Dienstmann nimmt ein Trink״ geld an. Es fällt schwer, festzustellen, welche Familie arm ist und Anspruch auf unentgeltliche Lieferung von Kindermilch erheben kann. Der Opfersinn der palästinensischen Bevölkerung ist groß. Am erfreulichsten wirkt die Jugend und insbesondere die Arbeiterjugend, die natürliche Würde hat, sich unübertrieben benimmt und fern voll jedem falschem Pathos ist. Man gewinnt Vertrauen zur nächsten Generation, die das beste Bollwerk gegen Zersetzungserscheinungen darstellt. Es herrscht echtes geistiges Bestreben. Die Beschäftigung mit der Literatur der Vergangenheit fällt auf. Es ist direkt lächerlich, zu erklären, daß sich ein ausgesprochen antiligiöser Zug in der Jugend Palästinas bemerkbar macht, staunlich ist die Wiederbelebung der nationalen Feste. Zusammenfassend kann man die Situation im Lande 101endermaßen charakterisieren: Wir haben uns übernommen; n einem Jahre sind soviel gekommen, wieviel in drei ähren hätten kommen sollen. Wir brauchen Zeit, um aus unseren Verpflichtungen herauszukommen, das ist unser Proh!em. Unsere politische Situation ist eng verbunden mit der wirtschaftlichen Solidität und Stabilität und die Tatsache, daß wir Verpflichtungen gegenüber unseren Beamten und ehrern nicht pünktlich nachzukommen vermögen und daß ich bezüglich Tel-Awiws die Notwendigkeit einer finanziellen Kontrolle ergeben hat, ist auch von eminenter politischer Bedeutung. Die Industriellen in Tel-Awiw klagen alle, daß es ihnen an Geld und Kredit fehlt. Ein zu großer Teil des Kapitals steckt in Anlagen und es fehlt an Betriebskapital, Die vorhandenen industriellen Anlagen machen einen sehr guten Eindruck, der Absatz ist sehr gut. allerdings nur für qualitativ gute Produkte. Hat man mit der Arbeiterschaft Arbeitsverträge abgeschlossen, dann gibt es nach einstimmiger Aussage aller Unternehmer keine Konflikte. Die Arbeiter sind tariftreu und ihre gewerkschaftliche Organisierung liegt auch im wohlverstandenen Interesse der Unternehmer. Die Regierung zeigt sich in der letzten Zeit bereit, in vielen Hinsichten entgegenzukommen. Sie hat schon vor einiger Zeit die Textil zolle aufgehoben. Allerdings arbeitet der Regierungsapparat wie jeder Verwaltungsapparat langsam, aber nicht langsamer als in jedem europäischen Lande. Die Regierung ist bereit, uns bei der Bekämpfung der Arbeits* losigkeit zu unterstützen, aber wir müssen ihr einen Plan zeigen, daß wir imstande sind, nicht nur Uebergangsarbeiten zu schaffen, sondern auch dauernde Arbeiten. Unser Etat muß absolut ausbalanciert sein. Wir dürfen nicht mehr ausgeben als wir haben. Die Folge einer planlosen Wirtschaft wäre nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein politisches Unglück. Die Regierung kann nur in konsolidierte Unternehmungen Vertrauen setzen. Besonders erfreulich ist die erhöhte politische Disziplin des Jischuw, was bei den Jerusalemer Wahlen, die viel komplizierter waren, als man Im Auslande zu beurteilen vermag, in Erscheinung getreten ist. Es verlohnt sich, festzustellen, daß auch die Araber, besonders die Besitzenden, von der Wirtschaftskrise schwer betroffen sind. Im Lande selbst hat man ein vernünftiges Urteil über die Lage. Man hat Ideen und weiß, was geschehen soll. Darum ist man überzeugt, daß die Expertenkommission auch in der Lage sein wird, ein vernünftiges Gutachten abzugeben. Fraglich bleibt natürlich, oj> dieses Gutachten ausreichen wird und ob dann größere Mittel zur Verfügung stehen werden. Zum Schluß wies Blumenfeld in kurzen Worten auf die hoffnungsvollen Pflanzungskulturen hin, denen im Lande viel Vertrauen entgegengebracht wird. Allerdings ist man auch in dieser Hinsicht auf Grund der Erfahrungen wit dem Tabakb*u; jorsichlif updJj&tet sitji vor ‘eiy*״M»»o«KultflB> . * New York, 25. April. (J.T.A.) Sir Alfred T. Dav i e s, Vizestatthalter una bis vor kurzem Leiter des Unterrichtswesens in Wales, der soeben aus Palästina in New York eingetroffen ist, empfing die Vertreter der Presse und sprach sich ihnen gegenüber über seine Eindrücke in Palastina aus. Ich sehe, sagte er, in der Bewegung für den Wiederaufbau Palästinas eine der wichtigsten Tatsachen der modernen Zeit, ebenso bedeutsam für die jüdische Rasse, wie für alle anderen Glieder der menschlichen Familie. Als ich die jüdischen Siedlungen in Palästina und die gesamte jüdische Arbeit in diesem Lande mit eigenen Augen gesehen hatte, konnte ich mich nicht eines Gefühles des Staunens erwehren, daß es Juden gäbe, die nicht Zionisten sind. Meiner Meinung nach gibt es nichts in der Geschichte, das dem Wiederaufbau Palästinas vergleichbar wäre. Sollte die Judenheit im gegenwärtigen Moment nicht die Großherzigkeit aufbringen, die ihr gebotene Gelegenheit, ihre Ursprungsheimat wieder aufzubauen, zu ergreifen, so würde das künftigen Geschlechtern als eine große Torheit erscheinen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, daß der Zionismus wegen mangelnder Unterstützung seitens der Juden scheitern könnte. 50 Nationen der Welt, die Vereinigten Staaten inbegriffen, hatten die Balfour-Deklaration und das Jüdische Nationalheim gebilligt. Dr. Chaim Weizmann ist einer der großen Männer der Gegenwart. Sir Alfred T. Davies sprach sich in Worten höchster Anerkennung über das E r - ziehungswesen in Palästina und über das von der Hadassah geleitete Gesundheitswesen aus. Diese Werke tragen zur Aussöhnung der Gegensätze zwischen Juden und Arabern bei. Die Wiederbelebung der hebraischen Sprache in Palästina, schloß Sir Alfred, ist ohnegleichen in der Geschichte der Kulturbewegung. New York, 22. April. (J.T.A.) Nathan Strauß ist in diesen Tagen aus Palästina in New York wieder eingetroffen. Dem Vertreter der J.T.A. gegenüber sprach er sich begeistert über seine Erlebnisse in Erez-Israe! aus und sagte: ״leb bin überzeugt, daß Jerusalem in Zukunft das Zentrum der Friedensbestrebungen in der Welt werden wird. Trotz der Krisis sind die palästinensischen Juden in hoffnungsvoller Stimmung. Die Palästina-Regierung ergreift mit Hilfe Englands endlich Maßnahmen zur Lösung des Problems der Arbeitslosigkeit. Die Beziehungen zwischen Juden und Arabern bessern sich von Woche zu Woche. Ein Beweis dafür ist die jüdisch-arabische Einigung bei den Stadtratswählen. Wirtschaftlich können die beiden Elemente ohne gegenseitige Unterstützung nicht auskommen.“ Die Arbeitslosen ־ Fürsorge in Jerusalem Wie der Ziko aus Jerusalem unter dem 25. d. M. telejraphiert wird, hat die zionistische Palästina-Exekutive beschlossen, mit Beginn dieser Woche die Auszahlung der aus len Mitteln des Keren Hajessod gewährten Arbeitsosenunterstützung ln Jerusalem einzustellen, tatt dessen werden mit Hilfe der Keren Hajessod-Kredite ffentiiehe Arbeiten im Ausmaß von 300 Arbeitstagen täglich ur Ausführung gelangen, die 1000 Arbeitslosen je ein, zwei >is drei Tage wöchentlich Beschäftigung geben werden. Voreschen sind Bauarbeiten am Gymnasium und Straßenarbriten m Merkas Mischari (Handelszentrum) und in den jüdischen Stadtvierteln Talptoth und Bajit wegan, ferner Häuserbauten h den Keren Hajessod-Siedlungen in Dilb und Atharot. Die Ausführung aller Arbeiten nimmt der Solei Boneh vor. * Die öffentlichen Arbeiten in Jerusalem, die in Angriff genommen wurden, um die Einstellung der Arbeitslosen-Unter- Stützung durchführen zu können, geben bereits 600 Arbeitern Beschäftigung. Der Gesamtbetrag der Arbeiten macht £E 66000 aus; davon deckt die zionistische Exekutive aus den vom Keren Hajessod zur Verfügung gestellten Mitteln £E 22 000, während die restlichen £E 44000 Arbeiten der Jerusalemer Universität und anderer öffentlicher Institutionen betreffen. Uebe7windet die Isolierung! Von Dr. Hugo Bergmann. Die ausgezeichnete von Adolf Böhm herausgegebene Monatsschrift ״Palästina“ (Wien) enthält außer größeren Artikeln stets eine Reihe von Rubriken mit Berichterstattnng über alle Gebiete des Lebens, Wir entnehmen die nachstehenden Ausführungen, die wir für sehr beachtenswert halten, der Rubrik ״Geistiges Leben“ des letzten Heftes. Red. Eine Berichterstattung über das geistige Leben Palästinas muß notwendigerweise bruchstückartig sein, zersplittert, wie das geistige Leben Palästinas selbst. Schwerlich gibt es noch irgendwo in der Welt ein Land, dessen Bewohner so sehr in Gruppen und Grüppchen geteilt lebten und so wenig voneinander wüßten, wie Palästina. Der Schreiber dieser Zeilen hatte kürzlich Gelegenheit, auf einer Eisenbahnfahrt (das Eisenbahnkupee ist der einzige Ort, wo sich Menschen verschiedener Gruppen treffen) einen deutschen Kleriker zu sprechen, der seit zwei Jahren in Palästina lebt. Er hatte hier, da er in einem großenteils italienischen Orden lebte. Italienisch und etwas Arabisch gelernt. Von unserem Wollen und Tun hatte er keine Ahnung. Das war nicht böser Wille. Er wußte ebensowenig von uns, als wir von den charitativen Werken seines Ordens in Palästina wissen. Wir sind Gruppen und Grüppchen. Fast jedes Haus eine Welt für sich, jedenfalls jede Religion, jede Landsmannschaft. Man spricht bei uns seit Jahren von Annäherung an die Araber. Man vergißt, daß hierzu das Primitivste fehlt: Eine gemeinsame Sprache, ja auch nur die Gelegenheit, einander zu begegnen. ln einem Lande solche! gegenseitiger Abgesperrthelt müßte die Presse eine ungeheure Bedeutung gewinnen. Sie wäre zunächst der einzige Ort, wo man voneinander erfahren, einander kennen lernen könnte. Die in Weltsprachen geschriebenc Presse Palästinas ist aüsschließlich im Besitz von Juden. Arabische Versuche, eine englische Presse zu gründen, schlugen fehl. Aber die englisch-jüdische Presse ist Privatbesitz und sieht die ungeheuren Aufgaben gar nicht, die sie haben könnte. Es gehört zu den Unbegreiflichkeiten unseres Lebens, daß die zionistische Exekutive nicht die Notwendigkeit empfindet, uns vor der Weit durch ein wür- ״thgef; jroir großen Gesichtspunkten diktiertes palästinensisches Blatt in einer europäischen Sprache vertreten zu lassen, ln einer vornehmen Presse könnte sich geistiges Leben der verschiedenen Volks- und Religionssplitter zur Gemeinschaft gestalten. Ich wiederhole: Es fehlt drüben nicht an gutem Willen. Unsere Oper wird von Christen und Moslems besucht, bei Einsteins Vortrag erschienen die Kleriker aus fast allen Klöstern Jerusalems in unserer Universität, in der jüdischen Nationalbibliothek sieht man häufig Franziskaner, Dominikaner, arabische Studenten. Auf jüdischer Seite besteht wohl auch guter Wille. Aber wir sind nach innen hin noch allzu schwach und müssen daher manches nach außen trennende Moment betonen und unterstreichen, um uns nach innen hin zu sichern. Dies gilt vor allem von der hebräischen Sprache, deren Dasein noch lange nicht genügend gesichert ist. Deswegen können wir uns zum Beispiel nicht darauf einlassen, etwa an der Universität auch nur einige Vorlesungen in einer europäischen Sprache zu halten, obzwar das vom Standpunkt des gegenseitigen Verständnisses wünschenswert wäre. Die Außenpolitik muß hier eben inneren Erwägungen weichen. Aber freilich, nicht immer ist unsere Absonderungspolitik durch solche objektive Umstände geboten. Die Tendenz zur Absonderung, die Furcht vor dem Niederbrechen der Mauern, in die wir uns begeben haben, ist Ghettoerbe. Sie zeigt sich auch auf politischem Gebiete (siehe Stellung des Waad Leumi zur Frage der Gemeindewahlen und des Kurien- Systems). Die Folgen einer solchen Tendenz sind vor allem geistiger Natur. Es sei mir sogleich gestattet, dies durch ein Beispiel zu belegen: Im Herbst veranstaltete das Deutsch-Evangelische Archäologische Institut in Jerusalem eint; Anzahl von Vorträgen. Vortragende waren deutsche Gelehrte, zum Teil von internationalem Ruf, wie Sellin u. a. Die Vorträge waren in deutscher, also einer den meisten Juden verständlichen Sprache gehalten und handelten von jüdischer Geschichte. Das archäologische Interesse ist unter den Juden Palästinas sehr stark und die Vorträge wären zweifellos von zahlreichen jüdischen Zuhörern besucht worden. Aber die hebräische Presse nahm keine Notiz. Nicht aus bösem Willen, sondern weil der Reporter einfach nicht erfährt, was jenseits der Mauern vor sich geht. (Dafür wird jede Kleinigkeit von diesseits ausführlich breitgetreten.) Anderes Beispiel: Die Y. M. C. A. in Jerusalem, welche dieses Jahr einen arabischen Vortragszyklus veranstaltet (die Y. M. C. A. scheint eine bewußte Kulturpolitik unter den Arabern machen zu wollen), lud u. a. einen bedeutenden ägyptischen Publizisten ein, der den Zuhörern (auch viele Mohammedaner waren da) von der Kulturkrise in Aegypten, dem Kampf um die Verweltlichung, erzählte, Dinge, die auch für Palästina nicht gleichgültig sein können. Kein Wort stand in den hebräischen Zeitungen. Und so fort. Nicht unerwähnt soll freilich bleiben, daß von jüdischer Seite auch manche gute Versuche zur Schaffung einer Gemeinsamkelt geschehen. Der Besuch der ägyptischen Lehrer in Palästina und der jüdischen Lehrer in Aegypten war zweifellos ein sehr wichtiger Schritt. Kürzlich lud die jüdische Lehrerorganisation Jerusalems den Leiter des staatlichen Er- Ziehungswesens (das bekanntlich bis heute keine jüdischen Schulen einschließt) ein. vor den jüdischen Lehrern über die Richtlinien der staatlichen Schulpolitik in den arabischen Schulen m berichten. In Jerusalem hat die Vereinigung