Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 31-32 (22.4.1927)
- Date
- 1927-04-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 230 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 31/3* Zur Mentalität der jüdischen Jugend in Deutschland Von cand. mcd. Bruno M i n ז, Berlin, I. Das Gesetz der Trägheit steht nicht nur im Mittelpunkte des Naturgeschehens. Es zieht seine Kreise im Leben der menschlichen Gemeinschaft und im Dasein des Einzelnen. Auch er bat das Bestreben, in dem Bestand zu verharren, in dem er sich befindet. Er neigt eher dazu, seine augenblickliche Lage mit einer frommen Lüge zu bemänteln, als sich plötzlich aus dem sinnenden Einerlei seiner alltäglichen Gewohnheit emporzuringen. Es könnte vermessen erscheinen, vom Gesetz, der Trägheit ausgehend, die geistigen Daseinsformen der heutigen Jugend zu überschauen. Man muß vielleicht selbst jung sein, um die entsetzliche Leere zu spüren, die uns umgähnt, um wenigstens dem Gedanken an jene mysteriöse Erscheinung Raum zu geben. Man hat sehr viel über die Mentalität dieser Jugend geschrieben, hat Werke analysiert, die aus ihr hervorgingen, hat eine Wandlung zur Technik, zur Wirklichkeit an ihr festzustellen geglaubt. All jene — ungemein gefälirliehen — Deutungsversuche dürften jedoch irur zu der Tat- Sache geführt haben: Hier ist ein Abgrund, über den man nicht mit schön geschwungenen Reden hinwegkommt. An diesem Punkte bricht man gewöhnlich ab. Wir werden uns hüten, diesen vagen Meinungen etwa das Urteil hinzuzufügen, in dieser Jugend habe das Ideal Schiffbruch gelitten. Wir wollen nicht werten, sondern sehen und frei von Leidenschaft, Dingen nachspüren, die wir für symptomatisch halten. Jugend war bisher der Inbegriff des Werdens, Gärens, Vorwärtsstürmens. Sie lehnte sich gegen die Schranken auf, von denen sie sich eingeengt fühlte. Sturm und Drang, Naturalismus, Expressionismus, waren Ausdruck ihres Ringens. Begriffe, um die sie sich scharte. Die heutige Generation hat sie aufsteigen und zerplatzen sehen wie bunte leuchtende Kugeln. Was vermag diese Sprache, könnte sie mit Flaubert sagen. ״Wir wollen Sterne mit ihr bewegen — und sie ist nichts als eine abgedroschene Trommel, mit der wir kaum einen Baren zum Tanzen bringen können.“ Die heutige Jugend verzichtet darauf, geistige Parolen auszugeben, teils bewußt aus Skepsis und Resignation, teils aus Gedankenlosigkeit und Trägheit. Krieg, Revolution und Inflation haben ihre Spuren in ihrem Antlitz hinterlassen, jener tönernen Fassade, in die wir so viel hineingeheimnissen möchten. Der heutigen Jugend fehlt das Tasten, die Sehnsucht nach Gestaltung. Sie tat inmitten einer ungemein bewegten Gegenwart ein eigenartiges Anlehnung«- bedürfnis an einmal geschaffene geistige Formen. Pendelnd von einer Art geistigen Piratentums zu den Niederungen bürgerlicher Anspruchslosigkeit und Behaglichkeit lebt sie dahin, fern jenem ״Stirb und Werde“, ohne daß wir nun einmal frühe Gäste auf Erden sind. Wie gestaltet sich in diesem geistigen Milieu die Physiognomie der jüdischen Jugend? Es ist selbstverständlich, daß die Fäden, die den jugendlichen jüdischen Menschen mit seiner Umgebung verknüpfen, zahlreich sind. Er hat gemeinsam mit seinen andersgläubigen Kameraden jene deutsche AUgemelnbildung in sich aufgenommen, die ihm in seiner Haltung und Einstellung Formen eingibt, von denen er sich nur schwer lösen kann. Er war in der Schule gewöhnlich regsam, wies an deutscher Kunst und Literatur ein Interesse auf, das seinen arischen Mitschülern oft genug überlegen war. Und cs gab gewiß oft genug Augenblicke, wo es ihm lächerlich erscheinen konnte, daß er ein Mensch von anderem Schlage sein sollte als seine Umgebung. Dann kam jener Moment, in dem man ihm das Wort ״Jude“ mit Verachtung ins Gesicht warf, und stimmte ihn nachdenklich. Stammte er aus einem Elternhause, das von bester jüdischer Tradition erfüllt war, so stand er vor einem furchtbaren Dilemma, wenn der Kinderglauben in ihm erstorben war. Ein großer Teil der heutigen jüdischen Jugend jedoch ging aus einem Hause hervor, in dem recht wenig vom Judentum zu spüren war. Man lächelte über gewisse Gebräuche und Gewohnheiten und empfand es als ungenehm, mit ihnen behelligt zu werden. Seltsamerweise wahrte man rein äußerlich einen gewissen jüdischen Anstrich und zahlte trotz reichlichem inneren Widerstreben seine Gemeindesteuern. In einem solchen Milieu kann der jugendliche Mensch in seinem Seelenkampf keinen Halt finden. Er gerät allmählich in die Mentalität eines Menschen hinein, der aus niedriger Herkunft stammt und peinlich davon berührt wird, wenn man Ihn daran erinnert. Und doch hat er diesem Judentume gegenüber meist einen Rest von schlechtem Gewissen, dem er mit einem ״Kampf gegen den Antisemitismus" zu genügen glaubt. Er scheut sich, eine letzte Konsequenz zu ziehen und diese offizielle jüdische Hülle abzustreifen. Dazu ist das Gesetz der Trägheit zu stark in ihm verankert. Oft sucht er über seinen inneren Konflikt hinwegzukommen, indem er sich einer Idee zuwendet, die aus ihm hinauszuführen scheint. Er trachtet danach, die Schranken der Nationalität zu überbrftcken und verfällt einem Dunstkreis vager, oft phrasenhafter Vorstellungen. Er klammert sich an einen Begriff, der völlig wesenlos ist, vergißt, daß die Abstraktion ״Menschheit“ so wenig existenzfähig ist wie die der ״Freiheit“. Er vergißt, daß es nur ״Menschen“ gibt mit Eigenarten, Leidenschaften, Trieben, Gedanken, Problemen. Es wäre müßig und liegt auch außerhalb unserer Betrachfungen, auf diese Dinge näher einzugehen. Es werden immer nur Einzelne sein, die zu diesen Ideen ihre letzte Zuflucht nehmen. Die weitaus größte Zahl der jugendlichen Juden gehört dem Lager der Parteilosen, der Indifferenten an. Hier dämmert bereits die ungeheure Gefahr, die dem geistigen Judentume in dieser Stunde droht. Sie steht im Zeichen des Gesetzes der Trägheit. Wäre unsere Lage nicht so entsetzlich ernst, so könnten wir sie lächelnd auf jene Straße verweisen, die Dante den Parteilosen zugedacht hat Im Vorraum der Hölle rennen sie unaufhörlich um eine Fahne herum, die in ihrer Mitte aufgepflanzt ist. Dieses Bild dürfte in seltsamer Einprägsamkeit das völlig Zwecklose ihres Daseins wiedergeben. All jene Gestatten, die innerlich nicht reich genug sind, um ״ja“ sagen zu können und die es doch nicht wagen, ein klares ״Nein“ zu sprechen, all die, die ihr gegenwärtiger Zustand gedankenloser Behaglichkeit die Abgründe der Entscheidung meiden läßt, stehen In ihrer ganzen Armut vor uns. Gewiß wäre es unbillig, von einem jugendlichen Menschen die Reife einer Weltanschauung zu fordern. Wir beugen uns vor einem Menschen, der ehrlich mit sich ringt, der den Drang in sich fühlt, den Problemen klar ins Auge zu blicken. Aber wir verachten die Legion derer, die bei der Mentalität gewisser Spießbürger gelandet sind, die sich im Vertrauen auf ihre gute Verdauung über das unvermeidliche Ende hinwegzutäuschen glauben. Leider steigert sich die Gefahr dieser Sinnesart dadurch, daß sie auch in die Reihen der Jugend überzugehen droht, die sich in positiv-jüdischem Sinne entschieden hat. Wir Zionisten haben es stets für unsere vornehmste Pflicht erachtet, vor aller Welt die Wahrheit über unsere Bewegung schonungslos bloßzulegen. Wir haben uns gehütet, unsere Erfolge mit verfrühter Begeisterung hinauszuposaunen. Wir haben es aber auch stets verschmäht, unsere Mißerfolge und Nöte zu bemänteln. Der Jude ist ein Eiferer der Kritik. Sie macht nicht Halt vor seinem eigensten Selbst. Der Zionismus erlebt heute eine ernste Krise. Und sorgenvoll halten seine Führer nach neuen Kräften Umschau, die die Bewegung einmal tragen sollen. Bidet die heutige zionistische Jugend eine Gewähr ,für ihren Fortbestand? Als der Zionismus noch ein Traum war, ein Ideal, das in weiter Ferne schwebte, hielt er seinen Einzug in die Herzen der Jugend. Der Jüngling, der in irgendeinem polnischen Städtchen sich in die Gemarali vertiefte, träumte ihn, und seine Äugen wurden weit. Der mit allen Wässerchen der Kultur gewaschene Intellektuelle in Deutschland sah plötzlich einen Weg, der ihn aus einem Widerstreit qualvoller Ideen hinausführen konnte. Der jugendliche Jude jener Zeit fühlte nicht mehr den furchtbaren Abgrund, vor dem die Generation Weiningcrs stand. Auch er hatte vielfach den religiösen Halt verloren und hatte verzweifelt die Säulen in sich zusammenbrechcn sehen, die sein Judentum trugen. Aber ihm erwuchs aus den Trümmern der Religion eine neue Religiosität, die Idee der jüdischen Nation. Und als der Zionismus dann begann, allmählich in die Phase beginnender tastender Verwirklichung zu kommen, wurde die Begeisterung dieser Jugend zur Flamme. Scharen ihrer Wertvollsten, Hoffnungsvollsten gaben ihr alles hin, opferten Zukunft, Beruf, Heimat und zogen als Bauende, Schaffende hinüber, ein unvergängliches Denkmal jüdischen Idealismus׳ zu errichten. Für sie bedeutete die zionistische Idee eine Rückkehr zur Natur, zum Boden, zur Produktivität, eine Befreiung von der Ueberkultur Europas. Wäre jene Bewegung möglich gewesen ohne die Wellen der Begeisterung, die sie trug? Sie ist eine so ungeheure Macht, daß nur der Verbohrteste sie leugnen kann. Sie birgt die Zauberkraft in sich, stärkste Hindernisse spielend zu überwinden. Man raube einer Pflanze die Wurzeln und sie wird verdorren. Man raube einer Jugend ihre Ideale und ihr Antlitz wird das eines Greises, müde und teilnahmslos, alles hinnehmend, nichts liebend und nichts hassend, vielleicht manches verstehend, aber kühl aus weiter Ferne, stets darum bemüht, sein Gleichmaß zu bewahren. Bei allem Verständnis für die nationalen Nöte und Not- Wendigkeiten, die sich die zionistische Bewegung heute gestellt sieht, warnen wir vor einem Abweichen vom zionistischen Ideal. Das Stadium beginnender Erstarrung der Idee im Lager der Jugend ist ein ungemein ernstes Symptom. Jene jungen Menschen, die in einem Milieu müder Resignation groß geworden sind, die eine Fülle atemraubender Ereignisse an sich haben vorüberziehen sehen, werden allmählich ׳ Zionisten aus Gewohnheit, aus Trägheit, gedankenlos in einer Ebene schwingend, in die sie einmal hineingeraten sind. Der Zionisraus kann nur lebensfähig sein, wenn er von einer Jugend getragen wird, die ein gemeinsames Ringen um das Ideal vereint, die einen Glauben in ihrer Mitte aufpflanzt, um den sie sich scharen, an dem sie sich verschwenden kann. Der Kampf gegen das Gesetz der Trägheit ist das Gebot der Stunde. Aus dem Cemeindeleben Aus Recklinghausen wird uns geschrieben: Von dem Leben in den kleineren jüdischen Gemeinden merkt die Oeffentlichkeit wenig. Das dort überall aufrechterhaltene Mehrheits- Wahlrecht nimmt der Minderheit alle Rechte und jeden Einfluß. So herrschen in ganz Westfalen die liberalen Machthaber unumschränkt. Bei der in Recklinghausen, einer der berühmt gewordenen Gemeinde Dorsten benachbarten Gemeinde, vor drei Jahren vollzogenen Wahl strich der Gemeindevorstand alle Ostjuden aus der Wählerliste, weil Ausländer nicht Mitglieder der Gemeinde und also nicht stimmberechtigt seien. Eier Regierungspräsident mußte eingreifen. Bei der jetzigen Gemeindewähl schaltete der Vorstand dieselben Kreise dadurch aus, daß er in langer, emsiger Arbeit die Wählerliste durchsuchte und große Teile der Wählerschaft mit der Begründung aus der Liste strich, sie zahlten keine Steuern oder seien in den letzten drei Jahren einmal mit der Zahlung in Rückstand geraten. Ein 65 jähriger Bergarbeiter, der Altersrente bezieht, ein Greis, der im Hause seines Sohnes sich aufs Altenteil zurückgezogen hat und viele andere arme Leute wurden vom Vorstand ihrer Rechte für verlustig erklärt. Ostjüdische Wähler wurden mit Aus• Weisung bedroht für den Fall, daß die Liberalen nicht wiedergewählt werden sollten. Man proklamierte den Kampf für das Deutschtum, in dessen Namen eine Anzahl Flugblätter ״den Zionisten“ Dr. Epstein aus Dmisburg, ״den Wolf im Schafspelz“, bekämpften, der am Vorabend der Wahl in der Jüdisch-Demokratischen Wählervereinigung sprach. Man muß sich darüber wundern, daß bei solchen Machenschaften die Demokraten überhaupt noch ein Drittel der Stimmen aufbrachten. Verhältnisse wie hier herrschen in fast allen Gemeinden Westfalens. ♦ ln einer gut, auch aus den Nachbargemeinden, besuchten Versammlung in Mülheim- Ruhr sprach Dr. 1 s m a 1 Freund, Berlin, über den Preußischen Landesverband. Er wandte sich scharf gegen den vom Verbandstag beschlossenen Judengesetzentwurf, den er als eine wesentliche Verschlechterung des guten und auch jetzt noch brauchbaren Gesetzes von 1847 bezeichnete. Insbesondere bekämpfte er die Regelung der Austrittsfrage, das Fehlen des Zwangsverbandes und die unterschiedliche Behandlung von Ausländern und Inländern. Nach Auffassung des Redners sollte man lieber das alte Gesetz beibehalten, als den schlechten Entwurf Gesetz werden lassen. Der Entwurf werde aber auch sicherlich nicht Gesetz werden. Wie bei der Frage des Reichsverbandes kirnen die Schwierigkeiten auch hier nicht von der Regierung, sondern von den Juden selbst. Herr Karl Kaufmann, Mitglied der liberalen Fraktion des Landesverbandes, schloß sich ebenso wie die ganze, zumeist von Liberalen besuchte Versammlung der Ansicht Freunds völlig an. Der Verlauf der Versammlung bestätigte die bereits bekannte Tatsache, daß weite Kreise der Liberalen in der Provinz, auch Fraktionsmitglieder, in Gegensatz zur Haltung der liberalen Fraktion des Landesverbandes stehen. ln der philosophischen Fakultät der Universität Gießen ist der Privatdozent für semitische Philologie und Geschichte des Alten Orients Dr. Julius Lewv vom 1. April 1927 ab zum außerplanmäßigen außerordentlichen Professor ernannt worden. Heine Nadiriebien Jerusalem, 11. April. (J. T. A.) Der ägyptische Außenminister Sarwat Pascha, der sich gegenwärtig hier aufhält, empfing die Herren Meyuchas und Kalvariski und sprach ihnen gegenüber seine Bewunderung über die Ent- Wicklung Palästinas durch jüdische Arbeit aus. Er hoffe, sagte er weiter, auf eine gute jüdisch-arabische Freundschaft. London, 12. April. (J. T. A.) Sir Edward John Rüssel, der Direktor der landwirtschaftlichen Versuchs- Station zu Rothamstcad, einer der autoritativsten landwirtschaftlichen Chemiker der Welt, reist in diesen Tagen nach Palästina, um eine Analyse des Bodens in allen Gegenden Palästinas durchzuführen und einen Plan der künstliehen Düngung zwecks Hebung der Fruchtbarkeit des Landes auszuarbeiten. Am 11. April wurde in Tel-Awiw eine Konferenz jü* discher Aerzte eröffnet. Je 10 Mitglieder der Aerzte-Gesellschaft entsandten einen Delegierten. Die Hauptreferate wurden von Prof. D o 1 j a n s k i und den Aerzten S h e r - man, Joffe, Stein und R o s e n t h a i gehalten. Eine Gruppe von Ingenieuren, Aerzten, Advokaten, Schrift- Stellern und anderen berufstätigen Männern und Frauen von Tel-Awiw hat sich in den letzten Wochen vereinigt und ein Komitee zur Stärkung der Touristen- Industrie in Palästina gebildet. Bei seinem kurzen Besuch in Palästina besichtigte Samuel Untermeyer Jerusalem und Tel-Awiw und wurde von Colonel F. H. Kisch, Dr. J. L. M a g n e s und Lord Plumcr empfangen. Wie der ״H a a r c t z“ berichtet, w ird im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Beginn der Elektrizitätsarbeiten im Jordantal Ende Mai die Zentrale der Palestine Electric Company von Tel-Awiw nach Haifa überführt werden, wo zu diesem Zweck bereits ein großes Haus mit 20 Büroräumen im Zentrum der Stadt gemietet worden ist. Die Fabrik für künstliche Zähne von Blum in Tel- Awiw hat, nachdem sie bisher auf Grund der Zusage der Regierung, die gewünschte Ermäßigung des Einfuhrzolles auf Rohprodukte vorzunehmen, mit ungefähr halber Belegschaft wieder gearbeitet hatte, dieser Tage wiederum den vollen Betrieb aufgenommen. Da zahlreiche Bestellungen vorliegen, soll demnächst an die Erweiterung der Produktion geschritten werden. Die Weberei werk statten in Tel-Awiw׳ können in letzter Zeit auf eine schöne Entwicklung hinweisen. So hat die Weberei von Carasso ft Rotlevy die Zahl ihrer Arbeiter in letzter Zeit verdoppelt; sie beträgt jetzt 60 bis 65. Auch die Hemdenwerkstätte von L i p in a n hat ihre Produktionsmöglichkeiten vergrößert. Das Zionistische Zentralkomitee von Litauen hat einen Fonds im Betrage von £ 120 für das Jahr 1927 für die folgenden Stipendien in Palästina bestimmt: zwei Stipendien von je £ 30 für die Hebräische U niversität, zwei von je £ 10 für das Jerusalemer Gymnasium, ein Sti• endium von £ 20 für die Kunstschule Be za lei und ein tipendium von £20 für das Technikum in Haifa. Die ,,C. - V. - Z e i t u 11 g“ veröffentlicht eine Gedenknummer für Paul Nathan, die eine große Zahl von Beiträgen prominenter Führer des C.-V. und auch deutscher Politiker und Journalisten enthält. Die Persönlichkeit und die Arbeit des Verstorbenen findet in dieser ausgezeichnet redigierten Nummer eine eingehende Beleuchtung und Würding. Auch seiner Wirksamkeit für Palästina sind mehrere iträge gewidmet. Am 13, April fand in Hamburg, veranstaltet vom dortigen Lokalkomitee des Hilfsvereines der deutschen Juden, eine Gedenkfeier für Paul Nathan statt. Max War bürg regte in seiner Rede die Einrichtung einer Nathan-Stiftung im Rahmen des russischen Hilfswerks an. Der ökonomische Beirat der zionistischen Exekutive, Dr. A. Kastelliansky, wurde kürzlich von der Londoner Zeitung ״John Bull“ angegriffen, wegen inkorrekter geschäftlicher Vorfälle bei einer Versicherungsgesellschaft, der jedoch Dr. Kastelliansky seit 1921 nicht mehr an gehört. Dr. Kasteiliansky überreichte die Beleidigungsklage, die zu einer uneingeschränkten Zurücknahme der Beleidigung führte. Der Herausgeber der angegriffenen Zeitung mußte als Sühne £ 840 an den Keren Flajessod bezahlen. Die zionistische Studentenvereinigung Englands entsandte nach den Vereinigten Staaten eine Gruppe von Mitgliedern, die Debatten mit der zionistischen Studentenvereinigung ״A w u k a“ abhalten wird. Die Debatte wird in mehreren großen Städten stattfinden. Das Thema lautet: ״ist es richtige Politik, den Zionismus als Lösung der Judenfrage zu bezeichnen?“ Jerusalem 19. April. (J.T. A.) Da der Beginn des diesjährigen Passahfestes auf einen Sonntag fiel, machten die Samaritaner schon am Freitag das Passah-Opfer auf dem Berge perizini dar. Zahlreiche palästinensische und auswärtige Gäste Waren Zeugen der Opferungszeremonie. Das Hauptbüro des Keren Hai essod, Jerusalem, hat soeben eine neue Broschü re in deutscher Sprache herausgegeben: ״Tatsachen und Bilder aus dem neuen jüdischen Lehen in Palästina“. Die Broschüre gibt in anschaulicher Weise Aufschluß über die Leistungen des Keren Hajessod während der sechs Jahre seines Bestehens und über die Methoden der Aufbauarbeit. Zahlreiche gut gelungene Photographien vervollständigen das empfehlenswerte Heft. Halberstädter Band und Judengesetz Halberstadt, 12. April. (J.T. A.) Am Sonntag, den 3. April, fand in Haiberstadt eine Vorstands- und Ausschuß- Sitzung des Preußischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogen-Gemeinden statt. Der Versammlung lag ein Entwurf zur Abänderung des preußischen Judengesetzes von 1847 vor, über den Rechtsanwalt Dr, Birnbaum, Berlin, ausführlich berichtete. Eine lebhafte Aussprache, welche besonders die Austrittsfrage berührte, fand ihr Ende in der Bildung einer Kommission zur Weiterbehandlung des Entwurfes. Der umgearbeitete Entwurf soll bald einer neuen Vorstands- und Ausschuß-Sitzung vorgelegt und dann in einer Verbandsversammlung zur abschließenden Beratung gebracht werden. Dozent Dr. Siegraund KornleM gestorben W i e n, 19. April. (1. T. A.) Der bekannte jüdische Gelehrte Dozent Dr. Siegmund Kornfeld ist am 10. April im Alter von 68 Jahren in Wien verstorben. Er wurde heute auf dem Zentralfriedhof unter starker Beteiligung zu Grabe getragen. Sein Hinscheiden hat unter den Juden Wiens tiefe Trauer nervorgerufen. Dr. Kornfeld entstammte einer hochangesehenen jüdischen Familie in Böhmen. Er gehörte zum engen Freundeskreise Herzls und zu «*• «frigesTVerfechtern der zionistische» Idee. Er war ein intimer rrev/1u «ad Mitarbeiter des bekannten Philosophen Josef Popper-Lj nkeus.