Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 31-32 (22.4.1927)
- Date
- 1927-04-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31/32 JUEÖISCH1 RUNDSCHAU Sehe 220 Die innerpoliiische Lage der Juden in Polen Versprechen and Taten der Maireglerang - Stadtrsts• wählen in Warschau --־ Zionistische oder Wirtschaftspolitik? (Von unserem Korrespondenten.) —•g. Warschau, Mitte April. Es jährt sich bald zum erstenmal die polnische Mairevolution. Die Judenheit Polens muß nicht erst auf diesen äußeren Anlaß warten, um sich Rechenschaft abzugeben, inwieweit sich im letzten Jahre ihre Lage geändert hat und ihre Aussichten sich gebessert haben. Wie erinnerlich, haben die Juden Polens das neue Regime mit großer Hoffnung und Zuversicht aufgenommen. Diese Gefühle gründeten sich auf der Ueberzeugung, daß sich die gegenwärtigen Leiter des polnischen Staates durch äußerst humane Gesinnung auszciclinen, der Judenfrage ein gewisses Verstandnis entgegenbringen und — was als das wichtigste schien — daß diese Männer des vielversprechenden ״neuen Kurses“ nicht nur in allgemeinstaatlichen Dingen, sondern auch in punkto Judenfrage genug Macht und Mut haben werden, schöne Gedanken in die Tat umzusetzen. Um nun in kurzen Worten die heutige Lage zu kennzeichnen, kann man sagen: an guter Gesinnung und ernstem Willen, viele jüdische Forderungen nach bürgerlicher und nationaler Gleichberechtigung zu erfüllen, mangelt es den neuen Machthabern Polens nicht, ln vielen offiziellen Erklärungen, im Parlament und in der Presse, in vielen Aeußerungen der verantwortlichen Faktoren ■wurde offen ausgesprochen, daß die volle bürgerliche Gleichberechtigung und die im Einklang mit der Verfassung stehenden nationalkulturellen Postulate der Juden auf Erfüllung rechnen können. Auf Grund dieser mutigen Aeußerungen, an deren Ernst niemand zweifeln konnte, und im Hinblick auf die allgemeine, für die Juden wohlwollende Atmosphäre und nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Konsolidierung des Staates, die den Juden, vornehmlich auf wirtschaftlichem und administrativem Gebiet, schon bis nun viel Nutzen brachte — bekam die Pilsudskische Regierung bei den Juden einen moralischen Kredit, wie ihn seit der Auferstehung Polens keine Regierung genossen hatte. — Man wartete mit Geduld, Einsicht und Zuversicht auf die Realisierung der Versprechen. Diese blieb aber bis nun im großen und ganzen aus. Hier und da ein vielversprechender Anfang, ein kleiner Schritt vorwärts. Redefreiheit in hebräischer und jiddischer Sprache auf Versammlungen, Vorbereitungen zur Regelung der jüdischen Gemeindeverhältiiisse in den Randgebieten, positive Beschlüsse der staatlichen Expertenkommission in bezug auf partielle (wenn auch geringe) Erleichterung der Sonntagsruhe für jüdische Kleinhändler und Gewerbetreibende, eine gerechtere Praxis in der Steueradmiuistration — das wäre wohl alles, was wir an Positivem aufzählen könnten. Herzlieh wenig, wenn wir beachten, daß manche Beschlüsse aus der früheren Aera stammen, manche wieder über das erste Vorbereitungsstadium noch nicht hinausgekommen sind. Dieses winzige Plus gibt nun im jüdischen Lager Anlaß zur Kritik, die zwar nicht des optimistischen Grundtones entbehrt, jedoch die Enttäuschung laut zum Ausdruck bringt. Die jüdische Sejmvertretung ist uneinig in der Beurteilung der Lage: die Rollen haben sogar gewechselt. Während der früher gegenüber jeder polnischen Regierung radikal eingestellte Äbg. Grünbaum zurzeit seines letzten Besuches in Amerika sich im großen und ganzen über die gegenwärtigen polnisch-jüdischen Beziehungen günstig aussprach, fand der Inspirator der ״Ug»da“-P01itik, Abg. Reich, in seinen Enunziationen gegenüber französischen Staatsmännern und Deputierten Worte der Kritik an so manchem, was gegenwärtig in Polen in bezug auf Juden geschieht, — oder genauer, nicht geschieht. Denn darum handelt es sich: die polnische Judenheit wird seit Jahren — und nicht erst seit dem Mai 1926 — mit allerlei Versprechen beglückt, aber bis nun wurde auf keinem einzigen Gebiete wenigstens ein einziges jüdisches Postulat voll erfüllt. Die Vormairegierungen hatten weder genug guten Willen noch Mut gegenüber der polnischen Gesellschaft, den Juden in irgendeiner Richtung entgegenzukommen. Hat am Ende auch die Mairegierung keinen Mut, da doch an ihrem ehrlichen Willen niemand zweifelt? Und warum bringt sie genug Mut auf, in manchen wichtigen Staatsfragen gegen den Ström zu schwimmen, nicht aber in der Judenfrage? Woran liegt es? Jüdischerseits wird oft den Kritikern vorgeworfen, sie seien im Unrecht. Wir Juden hätten keine Geduld, wir wären allzu nervös, vergäßen, daß kaum ein Jahr verstrichen ist — trotzdem möchten wir schon das Judenproblem gelöst sehen. Etwas Wahres steckt schon in diesen Vorwürfen, aber dadurch werden die jüdischen Zweifel gar nicht beseitigt. So manche Vorkommnisse müssen sie noch sogar verstärken. Man erwartete im letzten Jahre, daß wenigstens auf einem Gebiete, dem des jüdischen Schulwesens, das Eis tauen werde und die Regierung das jüdische Schulnetz beider Sprachen, wenigstens auf der untersten Stufe anerkennen, mit Oeffentlichkeitsreciiten ausstatten und ihm Staatssubsidien zuerteilen werde. Anzeichen genug waren dafür vorhanden. Letztens ist auch diese Hoffnung zerronnen. Der gegenwärtige Unterrichtsminister erklärte unumwunden einer Delegation der Elternkonferenz der Tarbuthschulen, daß die Regierung nie und nimmer die jüdischen Schulen in das staatliche Schulnetz aufnehmen, nie ihrerseits ein solches Gesetz im Parlament einbringen werde. Als Privatanstalten können wohl jüdische Schulen Anerkennung und Subsidien erhalten, aber nur individuell, im Einklang mit den lokalen Bedingungen und nach Maßgabe der staatlichen hierfür zur Verfügung stehenden Mittel. Diese sind aber zurzeit sehr spärlich. ״Es wäre also angezeigt, daß die Juden ihr Maul nur nach der Größe des vorhandenen Bissens öffnen . . Ipsissima verba des polnischen Bildungsministers der Mairegierung. Und noch ein zweiter symptomatischer Schritt. Die vor kurzem in Polen gegründete ״Gesellschaft zur Landansiedlung der Juden“, welche in ant r'5ennungswertcr Weise sich bcmühen will, aut die Weise den Produktivierungsprozeß unter den Juden Polens zu fördern, daß die zwar geringen, aber doch vorhandenen Möglichkeiten einer lleberführung jüdischer Menschen zur Landarbeit in Polen ausgenutzt werden — dieser Gesellschaft wurde die Anerkennung der Statuten verweigert. Es geschah auf Einspruch des Landwirtschaftsministers, welcher erklärte, die Tätigkeit dieser Gesellschaft sei zwecklos, da der Boden kaum für die Besiedlung von echten Polen ausreiche. Kein Wunder, daß in der jüdischen Gesellschaft nicht nur Enttäuschung, sondern geradezu Verbitterung zu merken ist. Die Situation wird noch dadurch komplizierter, daß in den letzten Wochen die polnischen Parteien (auch die Linke nicht ausgeschlossen) Gesetzesvorlagen vorbereiten, welche ausdrücklich gegen die Juden und andere nationale Minderheiten gerichtet sind. Es handelt sich um eine neue Wahl- Ordnung für die Selbstverwaltungskörper und das Pariament. Diese projektierten Aenderungen bedeuten für den Fall, daß sie Gesetzeskraft erhalten, eine verfassungswidrige, einschneidende Begrenzung der jüdischen Rechte und eine IStiiiiiiiiÄ Der deutsche Zionismus auf dem XV. Kongreß Die zionistische Exekutive hat mitgeteilt, daß sie den XV. Kongreß für den 2t. August nach Basel einzuberufen beabsichtigt. Zugleich ist der Endtermin für die Ablieferung der Schekelgelder nach London auf den 10. Juni festgesetzt worden. Laut Statut der Zionistischen Organisation ist für die Berechnung der Anzahl der Mandate, die auf jedes Land entfallen, nur die Zahl der bis zum 10. Juni nach London überwiesenen Schekalim maßgebend. In den kommenden sieben Wochen werden also die deutschen Zionisten mit äußerster Intensität die Schekelsammlung betreiben müssen, wenn sic auf dem Kongreß durch eine numerisch nicht belanglose Repräsentanz vertreten sein wollen. Wir appellieren an die Mitglieder des Zentralkomitces und des Landesvorstandes, an die Vorsitzenden und Vorstandsmitglieder aller Ortsgruppen, an die Schekelkommissionen und Schekelkommissare, daß sic sofort an die Arbeit Herangehen und mit größtem Nachdruck die Schekelsatnmlung in ihrem Ort organisieren und durchführen. Wir appellieren insbesondere auch an die zionistische Jugend, an die Mitglieder aller Jugendverbände, daß sie sich für die Schekelsammlung der Ortsgruppen zur Verfügung stellen. Es wird in Deutschland in diesem Jahr einen harten Kampf um die Mandate zum Kongreß geben. Verschiedene Richtungen im deutschen Zionistnus werden um die Kongreß-Mandate miteinander ringen, aber alle Richtungen sind in gleicher Weise daran interessiert und haben es in dem gemeinsamen Schekelaufruf auch zum Ausdruck gebracht, daß die Anzahl der dem deutschen Zionismus zufallendcii Mandate möglichst groß ist. Sorget dafür, daß alle Zionisten für sich und ihre Familienangehörigen den Schekel entrichten, werbet neue Anhänger für die zionistische Idee! Schekel - Ausweis Alle Ortsgruppen und Schekelkommissionen werden hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß der erste diesjährige Schekelausweis am 6. Mai in der ״Jüdischen Rundschau“ zur Veröffentlichung gelangen wird. Nur diejenigen Beträge können berücksichtigt werden, die spätestens bis zum 4. Mai bei uns cingehen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Berlin W 15, Meinekcstraße 10. Postscheckkonto: Berlin 8091. Reduzierung der jüdischen parlamentarischen Vertretung vielleicht um zwei Drittel. Die Regierung hat noch zu diesen Plänen keine Stellung genommen und ihr Wort hat diesbezüglich die größte Bedeutung. Der Sejm wurde inzwischen vertagt und inan hielt es nicht für ausgeschlossen, daß die Regierung auf Grund eines Dekrets des Staatspräsidenten die Wahlordination für den Sejm ändern werde. Die Juden hätten dann auf die Kabinettsbcsehlüsse keinen Einfluß. Aber es kam anders. Die Regierung muß, bevor sie sich zu solchem Schritte entschließen will, sich Klarheit verschaffen über das gegenwattige Kräfteverhältnis der polnischen und nichtpolnischen Parteien im Lande. Niemand weiß momentan etwas Sicheres darüber auszusagen. Da griff die Regierung zum folgenden Mittel: die Warschauer Stadtvertretung wurde aufgelöst und die Neuwahlen sind schon für Ende Mai auf Grund der bisherigen Wahlordination angeordnet. Die Regierung erhofft vom Ausgange der Wanlen in der Hauptstadt ein Bild der gegenwärtigen politischen Stimmungen zu erhalten, das auch für das ganze Land maßgebend sein soll. Nachher soll die Entscheidung über etwa vorzunelnnende Aenderungen in der Wahlordination für den Sejm fallen. Sämtliche politische Parteien betrachten nun mit Recht die Warschauer Stadtratswahl als Auftakt zu den Parlamentswählen und mobilisieren ilire sämtlichen Kräfte. Wahlstimmutig herrscht nun auch im jüdischen Lager und schon die ersten Wahlschwalben bringen Charakteristisches und Symptomalisches für die innerjüdischen und speziell zionistischen Verhältnisse. Schon seit langem konnte man in der jüdischen Gesell- Schaft Polens bemerken, daß wirtschaftliche Organisationen und sozialwirtschaftlichc Losungen die Oberhand gewinnen und politische Richtungen, die bis nun vorherrschend waren, zurückgedrängt werden. Manches hat diesen Zustand herbeigeführt. Wie überall, haben auch hierzulande politische Aspekte ihre erstrangige Bedeutung verloren, wirtschaftliche Interessengemeinschaften haben sich stärker erwiesen als politisch-geistige; die jüdischen bürgerlichen Parteien in Polen haben diesem Umstand in organisatorischer Beziehung keine Rechnung getragen; dazu kommt die mangelhafte pohtische Erziehung der jüdischen Massen in Polen und nicht zuletzt die Lage in Palästina, die von diesen Massen als Mißerfolg des Zionismus gedeutet wird. Der Zionistischen Organisation droht der Verlust ihrer führenden Rolle in der Gegenwartsarbeit. Und da die landespolitische Betätigung ein integraler Bestandteil zionistischer Politik in Polen sein muß — ist dies eine Erscheinung, welche vielfach Besorgnis zu erregen geeignet ist. Ein Präludium hatten wir in dieser Hinsicht, als unlängst bei den Stadtratswahlen in P i n s k. der einstigen Hochburg des Zionismus, die zionistische Wahlliste kein einziges Mandat erreichte, wohl aber die Liste der jüdischen Kaufmannschaft, die vorwiegend sogar zionistische Elemente in sich vereinigte, stehen Mandate (die Hälfte der jüdischen Mandate, die anderen entfielen auf den ״Bund“ linke und rechte ״Poale Zion“) erhielt. Die Zionisten Warschaus bestrebe;! sich nun zu den bevorstehenden Stadtratswahlen einen bürgerlichen jüdischnationalen Block zu schaffen, welcher sowohl sämtliche bürgerliehe politische Parteien (Agudah inbegriffen) wie auch die Organisationen der Kaufleute und Handwerker umfassen soll. Zurzeit da wir diese Zeilen schreiben, sind die Verbandlungen in vollem Gange und das Ergebnis ist noch abzuwarten. Vom zionistischen Standpunkt, der für uns jetzt der maßgebendste ist, ist nun zu befürchten, daß die zionistische Fahne bei dieser eminent politischen Wahlaktion doch mehr oder weniger eingerollt bleiben werde. Dies könnte für die Zukunft des polnischen Zionismus verhängnisvoll werden! Das Abkommen mit der Hadassah Wir haben bereits über die neue Vereinbarung, die zwischen der Zionistischen Palästina-Exekutive und der Hadassah getroffen wurde, gemeldet und geben nachstehend den genauen Wortlaut dieser Vereinbarung wieder; Abkommen vom 5. April 1927 zwischen der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, vertreten durch Co!. Kisch, Prof. Pick und Herrn S. Kaplansky (hierin kurz W. Z.O. genannt) und der Medizinischen Organisation Hadassah, vertreten durch eine autorisierte Kommission, bestehend aus Miß Henrictta S z o I d , Rose G. Jacobs und Norvin R. Lindheim (hierin kurz als H. M.O. bezeichnet); Da es wünschenswert ist, daß die Beziehungen zwischen der H. M. O. und der W. Z. O. festgelegt w erden, und da die Zionistischc Frauenorganisation Amerikas Hadassah sich der Medizinischen und sanitären Tätigkeit in Palästina als ihrem Anteil am Willen des jüdischen Volkes gewidmet hat, Palästina wieder aufzubauen und in Durchführung dieses Zweckes die H. M. O. organisiert hat, und da die H. M. O. bisher die medizinische und sanitäre Arbeit zum Wöhle der palästinensischen Bevölkerung durchgeführt hat und beabsichtigt, dies auch in Zukunft zu tun bis zur Zeit, zu der gemäß dem Wunsch und der Hoffnung der Parteien dieses Abkommens die Verantwortlichkeit für die Vervvaltung und Durchführung dieser Arbeit allmählich von der Bevölkerung Palästinas, besonders von dem organisierten Jischuw des Landes und den Stadtvertretungen selbst übernommen werden kann, und da die Kontrolle der H. M. O. in einem Governing Board in Amerika festgesetzt wurde, bestehend aus zwei Vertretern der Hadassah und je einem der Zionistischen Organisation von Amerika, dem Keren Hajessod und dem Amerikanischjüdischen Aerzte-Komitee und zwei weiteren Mitgliedern, so wird hiermit folgendes vereinbart: 1. Budget. Mit Ausnahme der Eingänge aus Palästina für die H. M. O. soll die Hadassah das ganze Budget für die II. M. O. aufbringen, wie es vom Governing Board festgesetzt ist. Eine Abschrift des vorgeschlagenen Budgets soll, wie bisher, der Zionistischen Palästina-Exekutive zugehen, die dem Governing Board ihre Bemerkungen unterbreiten soll. Dieses Budget soll dem Kongreß oder dem Aktionskomitee der W. Z.O. zur besonderen Ratifikation vorgelegt werden. 2. Kontrolle. Die Kontrolle der H. M. O. soll dem Governing Board, der wie oben angegeben zusammengesetzt ist, obliegen, mit der Ausnahme, daß die Zionistische Palästina-Exckutive nach ihrem Belieben ein weiteres Mitglied ernennen darf. Der Governing Board soll den Direktor der H. M. O. ernennen, der die H. M.O. in Palästina verwalten soll. Der Governing Board und der Direktor werden für die Verwaltung der H. M.O. in Palästina verantwortlich sein. 3. Palästinensisches Komitee. In Palästina wird ein Komitee mit dem Direktor Zusammenarbeiten. Dieses Kornitee wird als palästinensischer Beirat fAdvisory Board) der H. M. ö. bezeichnet und soll aus Personen bestehen, die in Palästina leben. Der Direktor soll Mitglied und Vorsitzender dieses Komitees sein. Der Governing Board ernennt vier Mitglieder; die Zionistische Palästina-Exekutive kann nach ihrem Belieben zwei weitere Mitglieder ernennen. Kein Mitglied dieses Komitees darf Mediziner sein oder mit irgendeiner medizinischen Organisation oder Agentur in Verbindung stehen. Die Mitglieder dieses Komitees dürfen nur in persönlicher Eigensehaft gewählt werden, mit Ausnahme der beiden Mitglieder der Zionistischen Palästina-Exekutive, insoweit sie diese vertreten. Die Frage der Beteiligung des Waad L euini an diesem Komitee wird einer weiteren Erwägung und Entscheidung Vorbehalten. Dieses Komitee soll zu jeder Zeit nach Benachrichtigung durch den Direktor oder auf Verlangen der beiden Mitglieder der Zionistischen Palästina-Exekutive oder von drei beliebigen Mitgliedern des Komitees zusammentreten. Falls eine Majorität des Komitees durch Abstimmung mit dem Direktor nicht übereinstimmt, kann sie sich an den Governing Boaid wenden. So lange dieser nicht anders entscheidet, soll die Ent- Scheidung des Direktors in Kraft bleiben. 4. Zionistisches und medizinisches Programm. Die H.M.O. soll die medizinischen und sanitären Erfordernisse des zionistischen Programms in Erwägung ziehen und sich nach Kräften bemühen, sie gemäß ihren budgetären und anderen Ueberweisungen zur Durchführung zu bringen. Unterhandlungen mit der palästinensischen Regierung sollen zusammen mit der zionistischen Palästina-Exekutive geführt werden. 5. Finanzbericht und Revision. Die H. M. O. soll regelmäßig Finanzberichte an die P. Z. E. oder an irgendeine andere, vom Zionistenkongreß zu bestimmende Körpersehaft erstatten. Die W.Z.O. soll diese Berichte in die Ankündigungen und Finanzberichte der W.Z.O. und des Keren Hajessod mit aufnehtnen. Die Rechnungslegung der H. M. O. soll in regelmäßigen Zeitabständen von solchen Personen revidiert werden, die von der zionistischen Palästina-Exekutive hierfür bezeichnet werden. * 6. Term i n. Dieses Abkommen soll dem nächsten Zionistenkongreß zur Ratifikation unterbreitet werden.“ (Ziko.) C.-V. and Palästina Wie die J.T.A. mitteilt, hat kürzlich der Central• verein zu einer Zusammenkunft im Hotel Adlon eingeladen, auf welcher Dr. Bruno Weil und Staatsrat Cohn, Dessau, über ihre Palästinareise berichtet haben. Nach dem uns vorliegenden Bericht hat Dr. Weil erklärt, man müsse die kulturelien Leistungen der Zionisten in Palästina voller Hochachtung anerkennen, doch rechtfertige dieses Werk keineswegs die Entwurzelung von Millionen Juden. Es sei daher die Aufabe, das begonnene Werk auszubauen, zugleich aber müsse die agc der Juden in ihren Wohnländem verbessert werden. Auch Staatsrat Cohn, der die allgemeine Atmosphäre im Lande als ungünstig schilderte, betonte, man dürfe das begonnene Werk nicht fallen lassen, meinte aber, es sei ein Verbrechen, euro- ־־־ ” ' יי י י ׳ ’ '5 deutung des Palästinaproblems für alle Generationen der Judenheit hervor. Betördenmg von Pro!. Sobcrnheim Der Legationsrat beim Auswärtigen Amt, Professor Dr. M. Sobcrnheim, wurde zum ersten Legatkmsrat ernannt. — Wir freuen uns, Herrn Dr. Sobernheim zu dieser Beförderung, die man wohl als eine Anerkennung seiner Tätig» keit als Dezernent für jüdische Angelegenheiten werten kann, beglückwünschen zu können.