Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 31-32 (22.4.1927)
- Date
- 1927-04-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 228 JUBOI9CHE RUNDSCHAU Nr. 31/32 Die Aussichten im Pflanzungsbau Rentabilitätsberechnungen des Misrad Kablani. Das Problem der Anlage von Baum Pflanzungen in Palästina war stets durch den Umstand erschwert, daß von dem Zeitpunkt der Anlage der Pflanzung bis zu den ersten Erträgen ein ziemlich langer Zeitraum — bei Orangen sechs Jahre — verstreicht. Wer daher zum Zwecke der Anläge einer Pflanzung ins Land kommt, muß mehrere Jahre dort leben, ohne Einnahmen aus seinem Betrieb zu haben; natürlich hat er auch aus seinem europäischen Geschäft, das er bei seiner Uebersiedlung aufgegeben hat, kein Einkommen. Aus diesem Grunde hat man schon frühzeitig ein System gesucht, das dem Pflanzer ermöglichen würde, sein Geschäft in Europa solange weiterzuführen, bis er in der Lage ist, in Palästina aus seiner Pflanzung seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die bekannteste Form einer solchen Unternehmung, die sogenannte ״Ach ns ah“, vermochte sich jedoch nicht durchzusetzen. In den letzten Jahren hat es sich bitter gerächt, daß in Palästina keine angelegten Pflanzungspa reellen vorhanden waren, die von Reflektanten fertig hätten erworben werden können, so daß die Besitzer gleich ein Einkommen daraus beziehen könnten. Darum ist in letzter Zeit immer wieder der Plan der Gründung einer großen Pflanzungs-Gesellschaft aufgetaucht, die kapitalskräftig genug ist, um ein größeres Terrain mit Fruchtbäumen zu bepflanzen und bis zur Ertragsfähigkeit zu kultivieren, so daß sie dann ertragsfähige Parzellen abgeben können. Gerade in jüngster Zeit haben südafrikanische und kanadische Juden diesen Plan erwogen, auch Persönlichkeiten wie Felix War bürg und Robert Walley -Cohen haben Interesse für eine Pflanzungs-Gesellschaft gezeigt, und in Deutschland hat Dr. Wilhelm Brünn ein Projekt ähnlicher Art propagiert, das sehr erfolgversprechend ist und das Interesse aller an Palästina interessierten Juden verdient. Das Bedürfnis nach Vorbereitung von Pflanzungskutturcn verspricht jetzt in entscheidender Weise gefördert zu werden durch eine Institution der palästinensischen Arbeiter- Organisation. Wie schon früher auf den verschiedensten ׳Gebieten, hat nun auch auf diesem Gebiete die Arbeiterschaft sich als der aktivste und anpassungsfähigste Träger der wirtschaftlichen Initiative im Lande und als der Pionier der Eroberung neuer Wirtschaftsgebiete erwiesen. Die Landarbeiterzentrale der Arbeiterorganisation (Merkas Chaklai), hat — wie wir bereits vor einiger Zeit berichteten — ein Amt für selbständige Uebernahine von Unternehmungen auf dem Gebiete des Pflanzungsbaus gegründet, das Arbeiten in Akkord bei Kolonisten aber auch für auswärtige Auftraggeber ausführt (Misrad Kablani). Die Arbeiterorganisation verspricht sich von dieser neuen Tätigkeit, die sich im Laufe des letzten halben Jahres bereits bewährt hat, gleichzeitig eine Vermiaderung der Arbeitslosigkeit. Ist es ja stets ihr Bestreben gewesen, die vorhandenen und ins Land strömenden Arbeitskräfte den jeweils sich bietenden Arbeitszweigen zuzuführen; sie hat die Arbeiter vor drei Jahren, zurzeit der höchsten Baukonjunktur, für den Häuserbau organisiert, sie schafft nun eine neue viel verheißende Möglichkeit für die Absorption von Arbeitskräften in dem hochrentablen Pflanzungsbau. Der ״Atakas Chaklai ,hat jetzt eine, Reihe, von Berechnungen •für die Anlage solcher Pflanzungen publiziert. Selbstverständlieh variieren die Einzelheiten je nach der Lage der Parzellen, der Wasserversorgung und der Bodenbeschaffenheit. Die Gesellschaft übernimmt jedoch Aufträge zu festem Preis und verwaltet den Boden bis zur vollen Ertragsfähigkeit; sie erbietet sich, eine Garantie der Arbeiterbank für pünktliche und sichere Ausführung der Aufträge beizu* stellen. Durch die Schaffung dieser Körperschaft ist ein großer Schritt vorwärts in der praktischen Arbeit in Palästina getan. Palästinas wichtigste Produktion kann wesentlich gefördert und die Arbeitslosigkeit wirksam bekämpft werden, wenn sich nicht nur die Kolonisten im Lande, sondern auch die Interessenten im Galuth des Misrad Kablani bedienen. Viele Zionisten, die an eine spätere Uebersiedlung nach Palästina denken, haben hier Gelegenheit, zunächst einige Mittel nutzbringend zu investieren, ohne sofort nach Palästina zu übersiedeln, und erhalten die Aussicht, nach mehreren Jahren ein Besitztum im Lande zu haben, das ihnen einen Ertrag abwirft und die Existenz Irp Lande ermöglicht. Wir geben nachstehend in gekürzter Form die Kostenanschläge des Misrad Kablani für drei Typen von Pflanrangen wieder. ־ ־ L Koste■ und Ertrag eines Bananen-Pardess Kosten der Pflanzung eines Bananen-Pardess auf f Dänin. 1. Jahr: Vorbereitung des Bodens: Tiefpflügen mit Traktor, Jäten des Unkrauts. Betonkänäle zur Bewässerung. Umzäunung und Hecken. Pflanzung von Windschutz £E 9,7 Pflanzung: Pflügen. Eggen. Bezeichnung der Pflanzstellen. Graben von Brunnen. Schößlinge und Transport zum Arbeitsplatz. Organ!- scher Dünger. Alle übrigen Pflanzungsarbeiten 12 ״,— Bearbeitung während des I. fahres: Wasser (Petroleum, Oel, Motor). Chemischer Dünger und dessen Verteilung. Pflügen. Jäten. Bewässerungsarbeit. Pflege der Bäume. Leitung und Aufsicht 8,2 ״ 10 0/0 Versicherung, unvorhergesehene Arbeiten. Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen 1,7 ״ 3 0/0 Beitrag zur Krankenkasse der Histadruth 0,55 ״ Summa: £E 32,15 2. Jahr: Bearbeitung: Alle Arbeiten. Mate* rial. Wasser. Leitung und Aufsicht, 10 0/0 für unvorhergesehene Arbeiten. Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen. 3 0/0 Beitrag zur Krankenkasse £E 11,22 £E 43,37 Anmerkung: Alle Preise sind auf Grund jüdischer Arbeit festgesetzt und enthalten: fachmännische Arbeit, Leitung und Aufsicht, Beträge für unvorhergesehene Arbeiten, Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen. Versicherung der Pflanzung und Beiträge zur Krankenkasse. Die Instalfation für Wasser kostet ungefähr £E 7,— bis 10,— pro Dunam in einer Pflanzung von nicht weniger als 100 Dunam bewässerter Pflanzung. Die Bodenpreise hängen von der Lage, der Nähe einer Siedlung und der Bodenbeschaffenheit ab. Durchschnittspreis £E 10,— pro Dunam. Kosten und Ertrag von 1 Dunam Bananen- Pflanzung vom 2. Jahr ab. 2. Jahr: Ausgaben £E 11,22 Einnahmen brutto 18 ״,— Einnahmen netto 6,78 ״ 3. Jahr: Ausgaben £E 12,— Einnahmen brutto 25 ״,— Einnahmen netto 13 ״,— Außerdem gibt es noch zur Deckung der Regierungsabgaben (Oscher) Einnahmen aus den überschüssigen Schößlingen, die die Banane in jedem Jahr neu treibt. Kosten and Ertrag eines Orangen-Pardess Kosten der Pflanzung eines Pardess von 100 Dunam während der ersten 5 Jahre. 2. 3. 4. 5. Jahr: Vorbereitung des Bodens Pflanzung Bearbeitung während des 1. Jahres Jahr: Bearbeitung des Pardess. Verschiedene Materialien. Pfropfung der Bäume usw. ahr: Bearbeitung ahr " ahr £E ״,1080 -,396 -,512 -,716 -,1083 -,1036 -,953 £E 5776,- Ausgaben und Einnahmen des Pardess vom 6. Jahre angefangen. Aorehl Ausgaben der Kisten Brutlo*Elnnabme Reingewinn 6. fahr £E 1800 2600 £E 1950 £E 150 7. Jahr 2350 ״ 3500 2625 ״ ff 275 8. Jahr 2650 ״ 4200 3150 ״ ff 500 9. Jahr 2850 ״ 4600 3450 ״ ff 600 10. Jahr 3600 ״ 6000 «)45 ״ ff 900 III. Kosten und Ertrag eines Wein-Pardess (Taieltranben) Kosten der Pflanzung von 100 Dunam für 3 Jahre. I. Jahr: Vorbereitung des Bodens £E 330,— Pflanzung . » 375,— Bearbeitung während des 1. Jahres: (viermal pflügen, sechsmal eggen, Jäten usw. 340 ״,— 2 J a h r: Bearbeitung 350 ״,— Summa: £E 1395,—— Uebertrag: 3. J a fi r: Bearbeitung 10 % Versicherung, unvorhergesehene Arbeiten. Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen £E 1395,— » 350,—' » ISO,- Siuntna: £E 1895,— Die Trauberierate beginnt vom 3. Jahr ab, die Erträge gestalten. sich ungefähr nach folgendem Ran: Einnahmen im 3. Jahr nach Abzug der Erntekosten £E 1,-, im 4. Jahr £E 2,-, im 5. Jahr £E 4,-, im 6. Jahr £E 6,—, zusammen £E 13,— pro Dunam. — Ausgaben während des 4., 56 ״. Jahres £E 10,—; Reingewinn für das 7. Jahr £E 3,—. Vom 7. Jahr an wird der Reingewinn in jedem Jahr £E 3,— pro Dunam sein. / Me palästinensischen PflanzgngsgeseUselalte■ Dem ״Dawar“ zufolge sind Bemühungen im Gange, einen Zusammenschluß zwischen den in letzter Zeit in Palästina neu gegründeten Pflanzungsgesellschaften herbeizuführen. Der Zusammenschluß, der insbesondere eine Verringerung der Ausgaben bezweckt, soll zunächst bei den bestehenden zwei großen amerikanischen Gesellschaften erfolgen. Dr. Brünns Orangen-Kolonie Wie erinnerlich, hat Dr. W. B r ü n n nach dem letzten Kongreß damit begonnen, eine privatwirtschaftUche landwirtschaftliehe Ansiedlung in Palästina auf Grundlage von Orangenplantagen zu propagieren (s. auch seinen Artikel in Nr. 31 der ״Jüdischen Rundschau“ vorigen Jahres). Wir erfahren nunmehr, daß es Dr. Brünn gelungen ist, den Boden für seine Ge- Seilschaft zu erwerben, und daß bereits in diesem Sommer mit der Arbeit begonnen werden wird. Der Boden liegt zwei Kilometer nordöstlich Bahnstation Chedera, angrenzend an Orangenplantagen, in dem großen Komplex ״Rhabie“, in dem von der Pica zwei neue Kolonien angelegt werden sollen. Die Frage des Zehent London, 11. April. (J.T.A.) Colonel Wedgwood fragte iin Unterhaus den Staatssekretär für die Kolonien, ob in Palästina Orangenplantagen von der Leistung des Zehent ausgenommen sind. Unterstaatssekretär Ormsby Gore erwiederte: Orangenplantagen sind von der Leistung des Zehent nicht ausgenommen. Eine auf der Obsternte der letzten sechs Jahre und den durchschnittlichen Rückkaufspreisen der letzten vier Jahre basierte Aufstellung zeigt, daß die Steuer aut Orangen und Zitronen weniger als 10 0/0 betrug. Colonel Wedgwood fragte weiter, ob die Anregungen der Mehrheit des Palestine Average Tithe Committee akzeptiert wurden und ob die Verbesserung im Jahre 1927/28 platzgreifen wird. Ormsby Gore erwiderte: Der Mehrheits- und der Minderheitsbericht des Komitees wurden Ende Januar in Palästina veröffentlicht, um zunächst den Eindruck in der Oeffentlichkeit abzuwarten. Da definitive Anregungen noch ausstehen, kann über die künftige Entscheidung noch nichts gesagt werden. So wichtig es sei, daß in möglichst kurzer Zeit eine moderne Getreidesteuer eingeführt werde, so unerläßlich ist es auch, d!ß dpr öffentlichen Meinung vor der end-;gültigen ׳Entscheidung Gelegenheit gegeben Wird, zöDihfr Frage Stellung zu nehmen. ״Die Kassen des Joint sind leer“ New York, 2. April. (J.T.A.) Herr David A. Brown, der Leiter der Kampagne des Joint Distribution Committee zur Aufbringung von 25 Millionen Dollar für Hilfe an die Judenschaff der Alten Welt, teilt mit, daß von den 25 Millionen bis heute etwa 20 Millionen Dollar gezeichnet wurden, aber nur etwa 6V» Millionen Dollar bar eingezahlt worden sind. Herr David A. Brown fordert die Zeichner dringend zur sofortigen Barleistung der Beträge auf, da die Kassen des Joint leer sind und das Hilfswerk ohne Barmittel unterbunden werden würde. Ich kann mir, teilt Brown mit, keine größere Tragödie vorstellen, die die Juden Europas treffen könnte, als wenn das Joint Distribution Committee sein Hilfswerk auch nur zum Teil einschränken würde. Wir benötigen sofort mehrere Millionen Dollar, um die Erfordernisse vom 15. März bis 31. Mai zu decken. 14 Millionen von den gezeichliefen Beträgen sind noch nicht eingegangen. Der Kredit des Joint hat bald seine Grenzen erreicht; alle Zeichner werden verpflichtet, sofort die gezeichneten Beträge einzuzahlen. sehen, die sich drängen und stoßen und schieben, sind 1002 Juden. Weil heute Peßach ist, und Sonntag ist, und der Breitner spricht, in Bildern. Und weil die Bilder nichts kosten, und die Musikanten auch nichts kosten. Was Schuster ist und Schneider ist, was Hausierer ist und Reisender ist, was Stenotypistin ist und Köchin ist, klatscht rasend Beifall. Weil die Musikanten so schön und die Bilder so reizend, und die PJätze so köstlich gratis sind ... Und weil... nun ja, und weil der Breitner es versteht, die Seele der Köchin, der Stenotypistin, des Schusters, des Reisenden zu packen. ״Wenn Seipel siegt, werdet ihr auf der Straße liegen, weil euer Einkommen nicht ausreicht, um einen 15 000 fachen Friedensmietzins zu zahlen!“ ״Ja, ja!“... seufzen beklommen die Gewerbetreibenden. ״Wenn der Seipel siegt, wird er die Fleischknochen im Kochtopf und die Brotkrümchen im Backofen versteuern, um die Ahrers und Bösels sanieren zu können!“ ... ״Wie schändlich!“ zischen die Hausfrauen, die an ihren teueren Peßach denken. . ״Jede Frau, ob reich oder arm, ob katholisch oder jüdisch, erhält bei der Geburt X Dutzend Windeln und Kleidchen und Unterlagen.“ Und die Bilder zeigen, wie schön die Windeln sind. ״Oh, bekäme ich doch bald ein Kind!“ macht eine Köchin ihrem Herzen Luft!“... Und werden die Juden trotzalledem, trotz den 200 Millionen Ignatz Steinfelds und den Windeln der Köchin einen aus ihrer Mitte ins Parlament schicken?. Ro. Max Brods Roman ״Reubeni“ wurde vom Verlag Alfred A. Knopf, New York, für die Buchausgabe in England und Amerika erworben. Ferner ist ״Reubeni“ russisch im Moskauer Staatsverlag erschienen. Auch eine jidd 1 s c h e Ausgabe liegt bereits vor. Schnitzlers neue Schrill In einer kleinen interessanten Schrift ״Der Geist im WortundderGeistinderTat“ hat Arthur Schnitzler, der lebensvolle Menschengestalten und subtile Seelenanatytiker, diagrammatisch die geistigen Grundtypen dargestellt*). In die Vielheit und Buntheit, die Widerspruchsfülle des Lebens, die gerade der Dichter der feinsten Nuancen so intensiv erlebt, treibt es ihn hier Ordnung und System zu bringen. Er sucht die Urtypen der ״Geistesverfassungen“, von denen er begrifflich streng die ״Begabungen“ und ״Seelenzustande“ unterscheidet; auch ״Berufsarten“ sind keineswegs gemeint . Das Charakteristischste — und hier prägt sich vielleicht die jüdische Eigenart am deutlichsten aus — ist die Grundidee der Polarität, auf der das ganze Schema beruht. Schnitzler gibt für ״Wort“ und für ״Tat“ die gleiche geometrische Gestalt: zwei mit der Basis gegeneinanderstehende Dreiecke. Das eine Dreieck bezeichnet die positiven, das andere die negativen Erscheinungsformen, ln beiden Zeichnungen sind die Pole durch ״Gott—Teufel“, und als nächstes, menschliches Derivat ״Prophet—Bösewicht“ gegeben. Darunter kommt beim ״Wort“: ״Dichter—Literat“, ״Staatsmann—Politiker“, ״Historiker—Journalist“, ״Priester—Pfaffe“, ״Philosoph- Sophist“. Beim ״Tat“-Diagramm finden wir: ״Held—Schwindler“, ״Feldherr—Diktator“, ״Naturforscher—Quacksalber“, ״Seefahrer—Abenteurer“, ״Brückenbauer—Spekulant“, jeder Typ hat seinen Platz an einem Punkt des Dreieckes, und den positiven Punkten entsprechen symmetrisch die negativen. Wer aber nach dieser kurzen Darstellung annähme, es handle sich um eine Spielerei, würde sehr irregenen. Es ist eine tief durchdachte, aut lebenslanger Beobachtung beruhende Untersuchung. Eine Fülle kluger und tiefer Gedanken erleuchten die in prägnanter Kürze gegebenen Definitionen. Selten ist so scharf der Gegensatz zwischen Idealismus und Materialismus herausgearbeitet worden. Das Buch sollte jeder ernste Mensch lesen. Statt vieler Einzelheiten sei hier nur etwas wiedergegeben, was Schnitzler über den ״Staatsmann“ sagt: ״Dem Staatsmann ist das Wohl seines Staates oberstes Gesetz. Doch als Staatsmann im höchsten Sinne müßte derjenige gelten, dem das Wohl der Menschheit höher stünde als däs seines eigenen Staates. So wird es immer wieder geschehen, daß gerade die echtesten Repräsentanten dieses Typus in ihrem eigenen Land als Hoch- Verräter gelten, so wie die edelsten Priester als Ketzer vertolgt, gekreuzigt und verbrannt wurden.“ — Und vom ״Journalisten“ heißt es: ״Alle Charakteristika des negativen Gebietes sind bei den Repräsentanten dieses Typus am stärksten ausgesprochen... Mit dem ״Politiker“ und dem ״Spekulanten“ zusammen stellt der Typus des ״Journalisten“ das eigentliche satanische Element der Welt dar.“ —o—. Arien- und Liederabend Leo Gollanin Gollanins große Erfolge im jüdischen Kunstgesang begreift man vollauf, wenn man ihn als Interpreten klassischer, weitlieber Lieder kennengelernt; hat. Sein letzter Abend im Saal der hiesigen Singakademie, nach langer Unterbrechung, war für den beliebten Künstler ein Triumph. Man weiß tatsächlich nicht, was man bei Gollanin zuerst loben soll, — seinen reinen Kunstgesang, seine glänzende Vortragskunst, die durch eine feine Mimik unterstützt, immer vornehm bleibt, oder seinen baritonalen vollen Tenor, der genannten Abend, trotz einer kleinen Indisposition am Anfang, sich so frisch und blendend gab wie je. Besondere Kunstleistungen, die man nicht vergessen wird, waren ״Fischerweise“ und ,,Sonntag“. Mit welcher Andacht lauschte man den Stücken ״Vor meiner Wiege“, ״Bitten“ und ״Vom Tode“: wie entzückt umjubelte man alle seine leichten und leichtsinnigen Schelmereien im letzten Teil des Programms, welches sich durch einen schönen Aufbau auszeichnete. Was Wunder, daß uns, wie erwähnt, Gollanin als jüdischer Liedersänger unübertrefflich erscheint! Herrscht nicht in ״Vergebliches Ständchen“ die Stimmung von ״Klipp Klapp“, in ״Mutter, ich will a Ding ho’n“, der Humor von ״Wosche willstu“? Erst wenn man über einer Sache steht, kann man in ihr Bedeutendes wirken. — Coenraad v. Bos bewährte seinen großen Ruf als Begleiter und Felix Robert Mendelssohn verschönte die Darbietung zweier Gesinge von Händel und Papini durch seinen Seelen vollen Celloton. — Hoffentlich folgen diesem Abend weitere und weitere. Arno Nadel Nr.. Die Verspri Es revohiti äußeren in wiew« und ihi haben < nung u! sich au Leiter sinnung nis ent! daß di« nicht n punkto schöne Um zeichne! Willen, national neuen klärung! rungea gesproc! die im kulturell Auf niemand für die im Zus den Ju strative! bekam moralisc keine F duld, E spreche! ganzen Hie Schritt Sprache der jüdi tive Be! auf par tagsruh« eine gei wohl al lieh we aus der erste V« Die! zur Kri entbehrt Die jud der La! der frü eingeste suches gegenwi sprach, Reich Staafsm; mancher geschieh Den seit Jah! Verspra zigen G erfüllt. Willen den Jud am End ihrem e sie gern! den Str W01 voreewc Geduld, Jahr ve Judenpr« in diese Zweifel sie nocl Mar einem < tauen v beider S kennen, subsidiei Vorhand! Der ge; einer C daß die Schuh nehme einbring! Schulen dividuel! Maßgab( Mittel, also an; Größe d des pol! Und kurzem der Jud mühen \ den Jm aber doc scher M! dieser C weigert, minister: sei zwei echten 1 Keir nur Ent ist. Die den letz nicht ai ausdrücl Weiten 5 Ordnung ment. Fall, da einschne *) S, Fischer Verlag, Berlin.