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Jüdische Rundschau · 1927-04-22 · Heft 31-32 (22.4.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 31-32 (22.4.1927)
Date
1927-04-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31/32 JUED1SCHE RUNDSCHÄÜ Seite 227 11s Gast :cur derj comitees :r: der des n mich, hreiben. 1er sehr) i tun r“ len Z10a luden daß der ift wird. , wie bekn Proten und :echt als d, sollte amit das| >ße kul ize Welt 1 kul er Betizen be- 1 n a 1 i s - •salismus eigenen Liren die nie dem cultur ist ben muß. •oße Beischen!in Heim :mittelst keit und /01k mit erreichen rergießen I für die en Be-!r ganzen itnie für mus vertion, wie Club“ kt. Sstina;18־ Inter- und ihre um aus 1' Westen ie beiden ultur des aus dem auf die n Schluß zu vero schnell rt und 'estament :Seilschaft 80 Jahren ie Hälfte Legate, h Zionist n Justice 150 000, n und ist h Zionist ilden soll, prache n Zweck s für den hebräisch Teilnahme len Inter- Der Kampf um den Seminarbau Von unserem palästinensischen Korrespondenten. A.G. Jerusalem, 6. April 1927. Die Frage der organisierten Arbeit beim Seminarbau in Jerusalem ist noch immer nicht geklärt. Obwohl, wie wir berichteten, der Vertrag mit dem Unternehmer bereits unterzeichnet ist, ist noch nicht vom Beginn der Arbeit die Rede. Es gibt noch immer die verschiedensten Verbandhingen zwischen der Exekutive, der Baukommission, dem Unternehmer und dem Jerusalemer Arbeiterrat, ohne daß man absehen könnte, wie die Dinge enden sollen. Entsprechend ihrem Beschluß hat sich die Exekutive darum bemüht, aie Verwendung organisierter Arbeit beim Bau noch nachträglich sicherzustellen, ohne daß bisher ein Resultat der Verhandlungen zu verzeichnen wäre. Unterdessen ist die Presse überfüllt mit Erklärungen, Artikeln und Interviews von den verschiedensten Seiten, von dem Vorsitzenden der ßaukommission, über die Exekutive, bis zu den Parteien, dem Unternehmer und den Arbeiterräten. Im Laufe der Zeit sind zu der reichlich verwirrten Tat- Sachen kette noch zwei interessante Glieder dazugekommen. Das eine ist ein Streik der Schüler des Lehrerseminars, ein zweites ist die Stellungnahme der Exekutive der allgemeinen Arbeiterorganisationen. Der Streik der Schüler ist ein Beweis, wie sehr die Angelegenheit des Seminars zur Frage der AUgemeinheit geworden ist. Bei keiner Sache, die die Schüler noch so eng beträfe, hätten sie zu dem sehr fragwürdigen Mittel des Schülerstreiks gegriffen. Aber die Sache des Seminars, die Frage ob organisierte Arbeit oder nicht, die die Schüler des Instituts doch nur sehr mittelbar berührt, wird so sehr zum Zentrum der Diskussion, daß jedes Mittel recht scheint, wenn es geeignet ist, auf die Öffentlichkeit zu wirken und die Wagschale zugunsten der organisierten Arbeit zu senken. Daß dieses ihr Ziel ist, bezeugen die Schüler in ihrer öffentlichen Deklaration. Ein zweites Dokument von hoher Wichtigkeit ist die Reihe der Beschlüsse der allgemeinen A rbeiterorga- 11 i s a t i o n. Die Resolutionen decken die Aktionen des Jerusalemer Arbeiterrats, ohne jene. Ausnahme. Die Leitung der allgemeinen Arbeiterorganisation erklärt sich mit dem jerusalemcr Arbeiterrat in allem und jedem identisch. Jeder, der die Verhältnisse heute und die Arbeiterschaft kennt, muß von diesen Beschlüssen einen ebenso tiefen und schweren Eindruck bekommen wie von den Demonstrationen seihst. Bisher durfte man sich einbilden, die Entwicklung der Dinge in Jerusalem sei das Resultat einer überstarken Nervosität, einer zufälligen Entgleisung, einer Desorientierung Einzelner. Nach den Be- Schlüssen aes obersten Organes der Arbeiterorganisation wird man eines Schlechteren belehrt. Die Leitung der Arbeiter erklärt sich mit der Politik des Jerusalemer Arbeiterrates solidarisch. Entweder weil sie im gegebenen Falle ebenso gehandelt hätte oder weil es im heutigen Zustand nicht angeht, sich gegen die Tat eines Teiles der Arbeiterschaft zu stellen, besonders wenn es sich um das Prinzip der organisierten Arbeit handelt. Beide Gründe bedeuten, unter nationaler Perspektive gesehen, eine gefährliche Einstellung. Es ist wichtig festzustellen, daß der Beschluß der Arbeiter- Organisation mit einer Mehrheit von nur zwei Stimmen gefaßt würde. Die fünf Mitglieder des Hapoel H azair stimmten für eine zweite Resolution, die gegen den Beschluß der Baukommission protestiert und gegen die Vorfälle in Jerusalem scharte Stellung nahm. Damit wird auch nach außen hin eine tiefgehende Meinungsverschiedenheit innerhalb der Arbeiterschaft sichtbar, die - zwischen den beiden größten Parteien immer mehr aufklafft. Die Einschätzung der Jerusalemer Zwischenfälle ist der Prüfstein für die Stellung- «ahme zu den national-sozialen Fragen von heute überhaupt Der Riß wurde zum ersten Male deutlich bei der Beratung der Arbeiterorganisation, die von der Niederlegung der Verantwortung der Arbeiterschaft gegenüber der Exekutive sprach. Die Aktionen in Jerusalem waren bereits nichts anderes als die Ablehnung des Arbeiterrats, weiter die Verantwortung für die Situation zu tragen. Und die Beschlüsse der Arbeiterorganisation erklären deutlich, daß die gesamte Verantwortung für das, was in Jerusalem geschah, auf die nationalen Institutionen zurückfiele. Fm Moment sind diese Resolutionen dazu angetan, die Feindschaft gegen die Linke, die sich heute immer stärker im Jischuw regt, mehr und mehr zu entflammen. Der Streit um das Seminar hängt längst nicht mehr mit der Einzelfrage dieses Baus zusammen, sondern umfaßt das Gesamtproblem der organi- Rierten Arbeit, des Arbeitsamtes und noch manches andere. Dabei ist zu fürchten, daß. alle diese durchaus nicht einfachen Fragen unter dem Drucke des Augenblickes ohne die nötige Ruhe und Sachlichkeit behandelt werden. Das kann weder dem jischuw als Ganzes noch den verschiedenen Lagern förderlieh sein. Jerusalemer Wahlen Von Elijahu Zacutta , Jerusalem. Die Wahlen zum Jerusalemer Stadtrat, die jetzt nach dreitägiger Abstimmung abgeschlossen wurden, waren die ersten Wahlen für eine zivile Körperschaft unter britischem Man* dat. In Jerusalem haben etwa 85 ״/o der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben, ein Zeichen des großen Interesses, das bei luden, Christen und Mohammedanern für die Wahlen vorlranden war. Alle arabischen Kandidaten machten die größten Anstrengungen, um sich die Stimmen der Juden zu sichern. Aus diesem Grunde erschien die gesamte arabische gedruckte Propaganda für die Wahlen, Plakate, Flugblhtter usw. in hebräischer Sprache. Dieselben Leute, die sich stets geweigert hatten, unsere Sprache offiziell anzuerkennen, bedienten sich jetzt des Hebräischen. Nie wieder werden die Araber behaupten können, daß Hebräisch nicht geeignet ist für den täglichen Gebrauch der Juden in Palästina. Als sie die Juden brauchten, bedienten sie sich des Hebräischen für ihre Appelle, und zwar eines sehr guten Hebräisch! Die Husseini-Partei, die sich mit der antizionistischen Politik der ״arabischen Exekutive“ identifiziert, warb um die Unter- Stützung der luden mit der Begründung, daß die Juden mit der herrschenden Naschaschibi-Partei und dem von Sir Ronald Storrs ernannten Bürgermeister Ragheb Naschaschibi unzufrieden waren. Die Juden hatten zwar Beschwerden gegen die egenwärtige Zusammensetzung der Stadtverwaltung, wie aber onnten sie andererseits für die Husseinis stimmen, die ihre erklärten politischen Gegner sind? Noch nachdem der Waad Hair sich zugunsten von sechs der acht Kandidaten der Maschaschibi-Liste erklärt hatte und die restlichen zwei Plätze frei ließ, um sie nach den Wünschen der Araber auszufüllen, führten die arabischen Kandidaten eine heftige Wahlkampagne unter den Juden. Es war interessant, unter der Menge, die vor dem jüdischen Wahllokal versammelt war, den tarbuschbekleideten Sohn des Bürgermeisters Naschaschibi und ein Mitglied der Familie Hussein! zu finden, die in gutem Hebräisch Argumente für und gegen die jüdische Unterstützung austauschten. Automobile waren zur Verfügung gestellt, um tiie Wähler zu den Wahlurnen zu bringen, und während die Wagen des Waad Hair mit Plakaten versehen waren, die die Juden aufforderten, für die Liste des Waad Hair zu stimmen, waren die der Husseini-Partei mit den gleichen Plakaten, die die Namen der Giegnerkandidaten trugen, ausgestattet. Die vom Waad Hair herausgegebenen Stimmzettel, die von den Mitgliedern der sephardischen Jugend- Organisation, Chaluze Hamisrach, verteilt wurden, wurden von den Husseinisten genau nachgeahmt, und ihr Zettel unterschied sich nur in den Namen der Kandidaten, aber weder in der Schrift noch im Text von dem Zettel des Waad Hair. Man imitierte sogar den Stempel des Waad Hair mit dem Davidschild In der Mitte. Für diesen Zweck wurde ein Stempel derselben Größe mit dem Davidschild in der Mitte benutzt, der von einem Missionsinstitut entliehen war. Zur Zeit der Wahl sind alle Mittel erlaubt! Es sei bemerkt, daß der Kampf um die jüdischen Stimmen (es waren besondere Wahllokale für Juden, Christen und Moslem eingerichtet) im großen und ganzen mit gutem Humor geführt wurde, trotz der Tatsache, daß die ״Fraktsia“ (Kommunisten), die stets gegen den vereinten Jischuw arbeitet, sich der Husseini-Partei (den kapitalistischen Effcndisü ~ A. d. R.) gegen den Waad Hair zur Verfügung stellte. Obgleich die Wahl der jüdischen Repräsentanten, wie oben ausgeführt, gesichert war, zeigten die jüdischen Wähler soviel Geschlossenheit und Disziplin, daß sie auf die Parole des Waad Hair zur Wahlurne strömten, um ihre Stimmen für diejenigen arabischen Kandidaten abzugeiben, die nach langen Vorverhandlangen mit allen Beteiligten Vom Waad Hair empfohlen wurden. Es war das erstemal, daß die palästinensischen Bürger für eine konstitutionelle Repräsentanz stimmten. Der Sepharde, der sein Leben lang in Jerusalem gewohnt hat, der europäische Jude, der erst vor ein paar Jahren ein gewandtst war, der orthodoxe Aschkenasi, der Arbeiter und der Amidist, sic alle warfen den Stimmzettel des Waad Hair in die Wahlurne. Das Resultat der Wahlen erbrachte einen vollen Sieg der organisierten jüdischen Gemeinde. Die vom Waad Hair begünstigten Araber erhielten die überwältigende Mehrheit der jüdischen Stimmen. 88 ״b der jüdischen Wählerschaft zusammen mit den Stimmen der Moslem und Christen haben jenen sechs Männern zum Sieg verholten, auf deren Wahl sich die Juden geeinigt hattet!. Die beiden Plätze, die die Juden freigelasscn hatten, erhielten Mitglieder der Husseini- Partei. Demnach hängt die Majorität der Naschaschibi-Partei von der jüdischen Unterstützung im Council ab, da im Falle, daß die Juden ihre Unterstützung der Gegenpartei der Husseini gewähren, man zu einem Stimmenverhältnis von 6: 6 (6 Naschaschibis, 4 Juden, 2 Husseinis) kommen würde. Zum erstenmal haben die Juden entscheidend in die An- Gelegenheiten der Stadtverwaltung eingegriffen. Freilich noch keineswegs in dem ihnen zukommenden Maße; denn obgleich sie nur eine Minorität der unter eigentümlichen Bedingungen zustandegekommenen Wählerliste bilden, so bilden sie doch 1■ Wirklichkeit eine Majorität von drei Fünftel der gesamten BÄvölkerung. Palästina-Fragen im Unterhaus London, 12. April. (J. T. A.) Im Unterhause fragte Colonel W e d g w o o d, ob es in der Konsequenz der Regierung liege, niemals Straßen längs der Eisenbahnlinie anzulegen. Minister Amery erwiderte, vor jeder Straßenanlage in Palästina wird der Wegebau-Ausschuß der Palästina-Regierang zu Rate gezogen. Es mag aus ökonomischen Gründen nicht immer ratsam sein, eilte Straße anzulegen, nur um mit einer bestehenden Eisenbahnlinie 7u konkurrieren, aber System liegt nicht darin. Wedgwood fragte weiter, warum mau britischen Untertauen, die nach Palästina reisen, das Visum und die hohen Kosten für dasselbe nicht eriälit; an wett sind diese Beträge 71t zahlen? Minister A 1v1 e r y erwiderte־. Die britischen Untertanen, die nach Palästina reisen, benötigen kein Visu m , bloß eine Bestäfigung im Reisepaß, daß das Reiseziel Palästina sei. Eine Gebühr wird nicht erhoben, wenn das Reiseziel schon bei der Paßausgabe angegeben ist; sonst wird eine Gebühr von zwei Schilling erhoben. Herr Bc c k c 11 fragte, weshalb den Herren Ariel Kart und Mosche Secker die palästinensische Bürgerschaft verweigert worden ist; weshalb wurde die Registrierung des Arbeiter - kJ u b s ״I cltu d“ von der Palästina-Regierung verboten? Wird die Regierung Veranlassung treffen, daß künftighin den Arbeiterklubs die normalen gesetzlichen Erleichterungen gewährt werden? Amery erwiderte, er besitze weder über den Fall Kart und Secker, noch über den Fall des Arbeiterklubs ״Ichüd“ Informationen; er werde hierüber Erkundigungen einziehen. Wedgwood fragte, ob der Regierung die letzten Ziffern der Kindersterblichkeit bekannt seien, ob die Kinder- Sterblichkeit bei den Arabern eine andere ist als bei den Juden und welche Schritte unternommen worden sind, um die Sterblichkeitsziffer zu verkleinern. Amery erwiderte: Im Jahre 1924 betrug die Kindersterblichkeit in Palästina 18-1,83 pro Tausend; 1925 betrug die Sterblichkeit 188,6 pro Tausend und 1926 schon 163,15 pro Tausend. Uebcr das Verhältnis zwischen Arabern und Juden liegen keine Daten vor. 29 nichtstaatliche Kinderwohlfahrtsstellen bestellen in Palästina, von denen mehrere seitens der Regierung finanzielle Lhiterstützung in betrachtlichem Ausmaße erhalten. Außerdem bestehen zwei Kinderwohlfahrts-Statlonen, an welchen Pflegeschwcstern-Schukn angeschlossen sind. Die Unterweisung geschieht durch erfahrene englische Pflegerinnen. 43 Pflegeschwestem haben bereits die Qualifikationen erlangt. Ruthenberg in Transfordanien Jerusalem, 13. April. (J.T. .4.) Der Ministcrpräsident von Transjordanien teilt offiziell mit, daß die Regierung Transjordaniens eine Fläche von 6000 Dunam auf der transjordanischen Seite des Jordanflusses an die Palestine Electric Corporation zwecks Verwirklichung ihrer Konzession zur Versorgung von Palästina und Transjordanien mit Elektrizität verkauft habe. Der Kaufpreis beträgt 14 000 Pfund. Der Ministerpräsident erklärt, die Regierung habe in den Verkauf cimvilügcn müssen, da sonst gemäß den Bestimmungen der Konzession der Boden enteignet worden wäre. Der Verkauf des Bodens geschah im freundschaftlichen Einvernehmen beider Telle. Hillsaktion in Palästina Jerusalem, 2. April. (J. T. A.) Die vom Waad Leumi (Nationalrat der palästinensischen Juden) eingesetzte Hillskommission veröffentlicht einen vom Präsidenten der Konimission, Dr. J. L. Magnes und dem Schatzmeister Jacobus Kann gezeichneten Aufruf an die palästinensische Judenheit, in der diese aufgefordert wird, angesichts der Wirtschaftskrise allenthalben im Lande Hilfskomitees cmzusetzen, die den Notleidenden eine Stütze sein sollen. Bis jetzt wurde eine solche Hilfsaktion, heißt cs in dem Aufruf, nur in Tel-Awiw, und zwar mit den Geldern der Gemeinde und des Joint Distribution Committee durchgeführt, nunmehr aber müsse das Hilfswerk das ganze Land umfassen. Die Kommission appellierte an den Jischuw, der zu allen Zeiten der Not seine Kräfte zu mobilisieren wußte, auch diesmal die brüderliche Pflicht z.u tun, und den Notleidenden freigebig zu helfen, über die Krise hinauszukommen. ilten und Felix נ Nadels im Titel n wurde, ■ sieht in 3est alten, mt nicht 1r Kunst, schwach. 1 unserer!en, nicht ler Handtlosigkeit Die Form che nicht!um Aus- ^eil aber iferischen Dichtung ie es def 1 in ihrer : So wie n Gehalt?chauung, Imehr ist end Auszu immer tng mög- ' darstellt. Leistung >, als die Sprache, on“ kein on einem Qualität. :1 hinaus 118 eines drastisch trägt die len, «ns am Anfang steht, wird später überwunden. Dazu gehört die Verzweiflung, von der das Werk seinen Anfang nimmt. Da wird die Ahnung Gottes und des Lebens zerquäfi von der Verzweiflung, nichts darum zu wissen. Der Schmerz der Unbeweisbarkeit Gottes ist die stärkste Triebkraft der 800 Seiten starken Dichtung und bricht immer wieder hervor, doch wächst der Autor des ״Tones“ vom Zweifel zu Klarheit, neuer Erkenntnis und selbst zu neuen Begriffen, weiche der Ausdruck der neuen Lebensanschauung fordert. Die eigentliche Lebensfigur des ״Tones“ ist der ״Nahe“. Er hat Gottesnähe; nicht durch Entfernung vom Leben. Das Leben als Ganzes ist Gottnähe, schließt das Ungöttliche aus. Der ״Nahe“' ist ein Mensch, wie alle anderen auch, er hat Freuden, Launen, Schmerz, Ehrgeiz und Lust. Sie alle gehören zum Leben, das aus Wissen, Milde und Schicksal zusammengesetzt und beim ״Nahen“ seine Schöpfung ist. Dessen Sinn_ ist ruhig um Geheimnisse, Auch mit Gott beschäftigt sich das Werk. Ueber dem persönlichen Gott erhebt sich das ״Das“. In diesem Begriffe sammelt sich, was von Gott zu sagen ist, in letzter Steigerung: kein Schöpferwülc mehr, nur noch das Sein, welches sich hoch über das abgründigste Wort erhebt und sich ihm entzieht, wie auch nach dem Gebete, das Sein, welches sich vom ״Können“ (das die eigentliche Sphäre des schaffenden Gottes ist) ganz gelöst hat, das Letzte, zu dem das [lenken noch ahnend vorzudringen vermag■ ״Der Gott in Wahrheit ist’s, nicht mein noch dein Gott“. In Gott ״sinnt“ der ״Nahe“ das ״Das“. ״Das“ ist Objekt der Versenkung über Wort und Sinn. ״Du denkst i 1t Gott, da ist es weit zu Ende‘‘. Der Vortragende, der dann noch kürzer von den anderen Werken Nadels spricht und zwischendurch kleinere und größere Stücke, zuletzt aus einem unveröffentlichten Drama einen ganzen Akt vorliest, spricht da nicht nur als Verleger und Liebhaber des Werkes, sondern geradezu als Bekehrter und Apostel. Vielleicht ist Nadel Unrecht geschehen, indem man an ihn einen gar so anspruchsvollen Maßstab legte. Dem Schreiber dieser Zeilen sei es rber gestattet, sich zu dem Menschen Nadel dankbar zu b! nnen, aus dessen allen Handlungen und Werken die Demut einer reinen Seele, ihre Güte, Milde und Allaufgeschlossenheit spricht, sowie die Kraft, so durch die Werke und Tage zu kommen. M. Spitzer. Die Wiener Waiden Kleine Stimmungsbilder. Chajes und die jüdische Seele. Peßach in der Synagoge. Alles was reich ist und nicht reich ist, was weiblich ist und männlich ist, was einen Bart hat und keinen Bart hat, reicht sich hier die Hand, tritt sielt gezwungen gegenseitig die Füße ab. Eine Viertel jüdische Welt scheint den Worten des Oberrabbiners zu lauschen. Erstens weil heute Peßach ist, und zweitens weil heute Sonntag ist, und drittens weil der Oberrabbiner Chajes heißt. Jemand soll einmal gesagt haben, daß es sehr schön wäre, wenn Gott und Menschen sich fänden. Aber dies sei fast unmenschlich schwer, denn die Menschen wohnen auf der Erde und Gott im Himmel. Von der Erde zum Himmel sei aber ein sehr weiter Weg. Mit dem gleichen Recht kann man behaupten; Beinahe ebenso schön wäre es, wenn Chajes und die Wiener Juden sich fänden. Aber dies ist nicht menschlich leichter als das andere. Denn die große Masse steht an der Tür zusammengedrängt, und Chajes steht hoch oben vor dem Torasch rein. Von den Niederungen der Tür bis zu den Höhen des Tora- Schreins ist aber der Weg nicht viel kürzer als von der Erde zum Himmel. Unerhört verklingen zum Teil seine eindringlichen Mailnungen, weil ungehört. Nur die wenigen wichtigen Worte wie: immerhin... jedoch ... aber... also... wenn... deshalb... stoßen alarmierend bis in die hintersten Reihen vor. Aber plötzlich flutet eine Heiterkeitswelle durch die Halle. ״Ich habe mich oft gefragt“, schmunzelt der Oberrabbiner, ״wer die jüdische Seele besser kennt, Seipel oder ich. Wenn er sie besser kennt, dann werden die Juden ihre Henker wählen, damit der Beutel nicht schmäler wird. Wenn ich sie aber besser kenne, dann werden sie si יי s \ ׳st, d. h. ihre eigenen Vertreter wählen und nicht vermein-iiche materielle wirklichen ideellen Inte-essen opfern...“ ״Chajes spricht sehr schön!“ sagt ein <a.n an der Tür. ״Ja, ja! was sagt er denn?“ fragt sein Vchbar. ״Ich nabe es auch nicht gehört!“ mis“ ' '1!־ ein r Etter ein. ״Hm... aber c-־׳'•*' *־; ־wich ein sei:.־ »v״oner Mann!“ antwartet ein Vierter.,. Seipel und die jüdische Seele, ״Die Juden sind Tiere... Die Juden sind arbeitsscheu und ehrlos... Die Juden — eine Köterrasse... Ekel vor jedem Juden... Die geilen Judenweiber...“ In Tausenden von Flugzetteln fallen diese werbenden Ueberschriften die Juden an, die aus den Synagogen und Gebethäusern strömen. Leopold Stocher, ’großdeutscher Bundesrat, Mitglied der Einheitsliste, hat diese geistreichen Schlagworte erfunden. Etwa im April 1927, zum Einfangen der jüdischen Wähler, vor den Tempeln?? Ach nein, schon einige Monate vorher, als Seipel, um ein Wahlbild in Worte umzusetzen noch nicht allen christlichsozialen, großdeutschen, völkischen Antisemitenunrat zusammengekehrt, und in den Wagen der Einheitsliste verladen hatte, als die jüdisch-demokratischen Pressemagnaten noch nicht vom Einheitsmisttragen hinunter ihre Glaubensgenossen zweimal täglich beschworen, sie doch nicht allein auf dem großen, nicht gerade nach ״Houbigant“ riechenden Haufen zu lassen. Es lag auch nicht besonders in Stöckers Absicht, die verfluchte Köterrase mit diesem Namen zu seiner und seiner Freunde Walt! einzuladen. Und nur die Sozis, die die geilen Judenweiber für sich haben wollen, hinterbrachten cs ihnen, vor den Syltagogen und Tempeln, was die Riehl und Genossen über sie schreiben... Und doch. Kennt Seipel die jüdische Seele? Nicht nur die der Pressemagnaten? 300״ Millionen Schilling hat der Breitner von euch Wiener Geschäftsleuten im letzten Jahr herausgepreßt!“ schreit sein Plakat. Und die Wiener Geschäftsleute sind Juden. Und die Juden werden Stöcker und Riehl wählen, weil sie Angst haben vor Breitner, und Angst haben vor sich selbst, d. h. Angst haben, daß der Stricker ihre Interessen nicht so gut vertreten würde wie Riehl... ״Wähle jüdisch!“ mahnt ein Aufruf vor dem jüdischen Wahlbüro. ״Wird mir entfallen!“ sagt int Vorbeigehen der Konfektionär Ignatz Steinfeld zum Juwelier Adolf Weiß, ״damit der Breitner aus mir 200 Millionen herauspreßt!“..... Breitner und die jüdische Seele. Freikino in der Taborstraße. Im Hause, in dem das jüdische Zentralwahlbüro seinen Sitz hat. Von den 1000 Ren-

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