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Jüdische Rundschau · 1927-04-22 · Heft 31-32 (22.4.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 31-32 (22.4.1927)
Date
1927-04-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 226 JUEÖISCHE RUNDSCHAU Nr. 31/32 niemals ganz gerecht werden konnte. Nun hat eine siebenjährige Erfahrung gezeigt, mit welchen Einkünften und Mitteln die zionistische Exekutive rechnen kann und es wäre ein Fehler, wollte man daraus nur die einzige Konsequenz ziehen, alle Posten des gegenwärtigen Budgets zu verkleinern und nicht vielmehr den Versuch machen, ein System zu finden, durch das die zur Verfügung stehenden Mittel am besten zur Förderung des Wachstums und zur Konsolidierung der werdenden nationalen Heimstätte angewandt werden können. In diesem Zusammenhang erwartet man von der Kommission, die durch das Marshall-Weizmann-Abkonimen beschlossen wurde, Rat und Vorschläge. Der Beginn der Arbeiten der Kommission scheint sich verzögert zu haben, um so fraglicher ist es, ob der Kongreß schon ihr Gutachten kennen wird. Mit Rücksicht darauf wurde in einzelnen Kreisen der Gedanke einer Verschiebung des Kongresses erwogen, doch war dies ein Gedanke, der vielleicht viel für sich hat, aber an den Realitäten einer Volksbewegung wie die unsere scheitern muß. Keine Exekutive kann ihrer Opposition eine solche primitive Waffe in die Hand geben. Und daß auch die Opposition den Tatbestand anerkennt, ist nach den letzten Aeußerungen ihrer Führer nicht zu erwarten. Wer geglaubt hat, daß die direkte Fühlungnahme mit den Tatsachen auch den Führern der Opposition Zweifel an der Richtigkeit ihrer Dogmatik aufkommen läßt, der wurde durch das Verhalten des Abgeordneten Grünbaum in Amerika gründlich enttäuscht. Grünbaum hat es nicht verschmäht, als Gast des amerikanisch-jüdischen Kongresses, der über die Lage der Juden in Polen zu berichten hatte, einen heftigen Angriff gegen das Prinzip der Erweiterung der Jewish Agency zu richten, obwohl diese nichtzionistische Versammlung keineswegs ein für die Entscheidung einer solchen Frage vom zionistischen Standpunkt aus zuständiges Forum ist. Bei einer so intransigenten Opposition kann aber die Exekutive einer so außerordentlichen Maßnahme wie der Verschiebung des Kongresses nicht zustimmen. Da also der Kongreß das Material der Kommission noch nicht zur Verfügung haben wird, muß er aus eigener Kraft zu Entscheidungen kommen. Es wäre auch für das Prestige der Zionistischen Organisation viel günstiger, wenn von zionistischer Seite die Anregungen für die notwendigen Reformen und zugleich der Arbeitsplan für die nächsten Jahre im Sinne einer systematischen und planvollen Expansion ausgingen. Vielleicht wäre es am Platze, daß schon das A.-C. für die Vorbereitung des Materials Sorge trägt. Und noch in einem anderen Punkte sollte das A.-C. Vorbereitungen treffen. Wir leiden seit Jahren an der Diskrepanz zwischen unsern Aufgaben und Tätigkeiten einerseits und den aus der Vorkriegszeit ererbten organisatorischen Formen andererseits. Nach jedem Kongreß entspinnt sich eine lebhafte Debatte über die Notwendigkeit einer Kongreß- und Organisations-Reform. Denn in den Tagen des Kongresses selbst wird es am schmerzlichsten fühlbar, wie inadäquat unsere parlamentarischen Einrichtungen den gegebenen Zwecken sind. Aber ist der Kongreß erst vorbei, vergißt man leicht diese Dinge, da Wichtigeres auf der Tagesordnung steht. So kommt es, daß unser wertvollstes Gut, der Zionismus, imjner wieder der satanischen Maschine von Verkehrtheiten und parlamentarischen Ungeschicklichkeiten ausgesetzt wird. Wäre es nicht einmal angezeigt, vorausschauend Wandel zu schaffen, und den Kongreß, der den 30. Jahrestag von Basel zu begehen hat, auch in organisatorischer Beziehung zu einem Markstein der fortschreitenden Bewegung zu machen? Das A.-C. sollte an den Fragen der Organisationsreform nicht vorübergehen und sich nicht auf Paragraphen-Klauberei beschränken, die mit Recht wenig Interesse findet, sondern die Frage unserer heutigen Konstitution und ihrer Zeitgemäßheit von Grund auf aufrollen. R. W. Masaryk in Palästina Jerusalem,!2. April. (J.T.A.) Am 10. April besuchte Präsident Masaryk alle Abteilungen der jüdischen Universitätsbibliothek. Er wurde von Dt. Bergmann, dem Leiter des Instituts, der selbst früher Beamter der Prager Universitätsbibliothek gewesen ist, begleitet Hieraut begab sich der Präsident zur Universität, wo ihn Dr. Magnes und Mitglieder des Professorenkollegiums begrüßten. Mittags besuchte der Präsident in Begleitung des tschechoslowakischen Konsuls, Dr. Fric, den Oberkommissar, welcher gleich daraut den Besuch des Präsidenten im tschechoslowakischen Konsulate erwiderte. Am 11. d. M. besuchte Masaryk die tschechoslowakischjüdische Kolonie im Jerusalemer Stadtviertel Mea Schearim. Aut dem ganzen Wege dorthin war er Gegenstand begeisterter Ovationen seitens der Jerusalemer jüdischen Bevölkerung. Auf dem Gebäude der Kolonie war eine große tschechische und hebräische Aufschrift: ״Es lebe Präsident Masaryk“ angebracht. | Rabbiner Sonnenfeld, der aus der Slowakei stammt, begrüßte den Präsidenten in der mit tschechischen Flaggen geschmückten Räumlichkeit und überreichte ihm namens der orthodoxen Gemeinde eine hebräisch geschriebene Adresse in einem glänzenden Etui aus Filigransilber. Durch ein dichtes Spalier fuhr sodann der Präsident Masaryk in Begleitung des Obersten Kisch und des tschechoslowakisehen Konsuls in die Große Churwa-Synagoge Jerusalems, wo er ebenfalls mit Gesängen und Gebeten begrüßt wurde, ln der Synagoge wurden dem Präsidenten Masaryk der Öberrabbiner Kuk und die führenden zionistischen Persönlichkeiten vorgestellt. Am 12, d. M. war Masaryk in Tel-Awiw. Er besuchte das Stadthaus,' wo er vom Bürgermeister durch eine Ansprache willkommen geheißen wurde. Präsident Masaryk machte eine Rundfahrt durch die Stadt und besuchte die öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen und die größeren Industrieanlagen, Hernach begab er sich zum jüdischen Friedhof und legte auf die Gräber von Max Nordau und Achad Haam Kränze nieder. — Die Bevölkerung von Tel-Awiw brachte Masaryk begeisterte Ovationen dar. Masaryk besuchte am 13. und 14. April die jüdischen Siedhingen im Emek Jesreel. Er weilte längere Zeit in Beth Alpha bei der zum großen Teil aus tschechoslowakischen Chaluzim bestehenden Kwuza ״Chefziba“, wo er sich eingehend nach der wirtschaftlichen Basierung der Siedlung erkundigte und mit den Siedlern über ihre sozialen und politischen Anschauungen sprach. Besonders erfreut war der greise Präsident von dem unbefangenen Benehmen der Kinder und besichtigte mit viel Interesse das Kinderhaus. In Nahalal veranstaltete die zionistische Exekutive ein Abschiedsessen. Ansprachen hielten Leo M o t z k i n, Colonel Kisch, Ussischkin, David Ye 111 n und L. J affe. Zum Schluß ergriff Masaryk das Wort und erklärte: ״Ich habe Ihr Werk gesehen, I:h glaube an Ihr Werk. Arbeit ist eine der Bedingungen des Glücks, ich habe gesehen, daß Sie zu arbeiten verstehen. Von ganzem Herzen hoffe und wünsche Ich, daß die Juden Ihr Ziel In Palästina erreichen. Möge Ihnen Ihre Arbeit Glück und Freiheit bringen.“ Masaryk weilte am 15. April in Haifa. Er verließ von hier mit Schiff Palästina, um sich über Kairo nach Athen zu begeben. Von dort wird er die Rückreise nach der Tschecho- Slowakei antreten. Die Keren Hajessod-Eingänge im MSrt Die Einnahmen des Keren Hajessod im März betrugen £ 70178; dieser Betrag stellt eine Rekordsumme dar, die Einnahmen im März 1026 betrugen nur £ 55000. Der Betrag verteilt sich auf folgende Länder: Amerika £ 32883, Kanada £ 20 536, Rumänien £ 3 590, Südafrika £ 3000, Deutschland £ 1470, Holland £ 1282, Palästina £ 1152, Jugoslawien £ 1001. Die zweite Tapng der Assefath Haniwciiarim Jerusalem, 15. April. (J. T. A.) Die Nationalversammhing der Juden Palästinas (Assefath Haniwcharim) wird am 7. Juni d. J. zu ihrer zweiten Session zusammentreten. Die Assefath wird zunächst den Tätigkeitsbericht ihrer Exekutive, des Waad Leumi, entgegennehmen. Hernach wird Colonel F. H. Kisch Bericht über die Arbeit der Exekutive und die politische Lage erstatten. — Voraussichtlich wird sich die Versammlung auch mit der Frage der jüdischenGemeindeordnung befassen, die nach einer Information des britischen Kolonialamtes an den Waad Leumi demnächst in Kraft treten wird. Sollte, was wahrscheinlich Ist, die Gemeindeordnung noch vor dem Zusammentritt der Assefath in Geltung sein, so wird die National- Versammlung dazu übergehen, die Organisation des Jischuw gemäß dieser Gemeindeordnung vorzunehmen. Thomas Hann Ober den Zlonlsmns Thomas Mann, der vor kurzem in Warschau als Gast des dortigen Pen-Klubs weilte, erklärte dem Redakteur der ״Zionistischen Welt“, dem Organ des Zentralkomitees der Zionistischen Organisation ln Polen, gegenüber: ״Vor einiger Zeit wandten sich einige Mitglieder des Deutschen Pro Palästina-Komitees mit der Bitte an mich, ich möchte den Aufruf dieses Komitees mit unterschreiben. Ich bin dieser Bitte gern nachgekommen, war aber sehr überrascht, bald darauf In der ״F r a n k f u r t e r Zeitung“ und im ״Berliner Tageblatt“ Artikel gegen den Z10nismus zu lesen, die aus den Kreisen der liberalen Juden stammten. Ich habe da zum ersteh Male erfahren, daß der Zionismus so stark durch die Juden selbst bekämpft wird. Es ist für mich ganz unverständlich, wie Juden die jüdisch-nat 10 nalen Ideale bekämpfen können. Ich erblicke im Zionismus einen großen historischen Prozeß der nationalen Wiedergeburt eines der ältesten und kulturellsten Völker der Welt. Palästina, das mit Recht als die Wiege der modernen Menschheit betrachtet wird, sollte in ein jüdisch-nationales Heim verwandelt werden, damit das jüdische Volk frei und ungehindert leben und große kulturelle und menschliche Werte für sich und die ganze Welt schaffen kann. Ich erblicke im Zionismus einen kulturellen Faktor von großer humanitärer Bedeutung. Die ganze Welt wird von zwei Tendenzen beherrscht, dem Universalismus und dem Nationa 1 ism u s. Die Juden haben bis jetzt viel für den Universalismus getan, und es wäre Zeit, daß sie auch ihren eigenen Nationalismus pflegen, denn erst durch diesen, durch die eigenen nationalen Formen, wird das jüdische Genie dem Universalismus am besten dienen können. Die Weltkultur ist ein Mosaik, in dem jedes Volk seine eigene Farbe haben muß. Der Zionismus hat für die Menschheit auch große Bedeutung infolge seiner ausgesprochen pazifistischen Natur. Die Zionisten wollen dem jüdischen Volk ein Heim schaffen nur vermittelst der Kraft ihrer Ideale, vermittelst des großen Glaubens an die allmenschliche Gerechtigkeit und durch ihre eigene, opfervolle Arbeit. Wenn ein Volk mit friedlichen Mitteln das erreicht, was zu erreichen anderen Völkern heute nur durch Gewalt und Blutvergießen gelingt, dann ist es ein schönes, tröstendes Beispiel für die Menschheit. Die Kulturwelt muß die zionistischen Bestrebungen unterstützen. Die Intelligenz der ganzen Welt, Schriftsteller und Dichter, sollten ihre Sympathie für den Zionismus zum Ausdruck bringen. Der Zionismus verdient die Unterstützung durch eine solche Organisation, wie es die internationale Schriftsteller-Vereinigung ״Pen-Klub“ kt. Ich verfolge alles was die Jaden in Palästina schaffen, mit großem Interesse. Besonders interessiert mich die Hebräische Universität und ihre Entwicklung. Leider muß noch viel getan werden, um aus ihr das zu schaffen, was sie für den Osten und den Westen sein soll, nämlich die geistige Atmosphäre, in der die beiden Kulturen verschmelzen sollen, die uralte erneute Kultur des Ostens und die neue Kultur des Westens. Ich interessiere mich jetzt für Palästina auch aus dem Grunde, weil ich ein Werk vorbereite, das sich auf die Legende von Josef und seinen Brüdern stützt. Zum Schluß sei mir noch erlaubt, meinem Wunsche Ausdruck zu verleihen, daß das Land mit so reicher Vergangenheit so schnell wie möglich in ein Land reicher Gegenwart und Zukunft verwandelt werde.“ Eine eigenartige Palästina-Spende ״Jewish Chronicle“ veröffentlicht jetzt das Testament von Herrn Israel Davis, dem Präsidenten der Gesellschaft ״Jewish Chronicle“, der am 21. Januar im Alter von 80 Jahren gestorben ist. Sein Nachlaß beträgt £ 301 798. Die Hälfte seines Vermögens fällt nach Abzug verschiedener Legate, worunter auch ein Legat von £ 1000 für die English Zionist Federation ist, dem Schwiegersohn des Verstorbenen Justice Chotzner zu, die andere Hälfte, also ca. £ 150000, wird dem Erben lediglich zur Nutznießung überlassen und ist nach dem Tode von Justice Chotzner der English Zionist Federation zu überweisen, dfe daraus einen Fonds bilden soll, der die Verbreitung der englischen Sprache unter den Einwohnern Palästina# zum Zweck hat, da, wie der Erblasser bemerkt, er diese Sprache für den Fortschritt des Zivilisation für geeigneter hält als hebräisch oder arabisch. Die jüdische Schulorganisation Polens wurde zur Teilnahme an dem am 22. und 23. April in London stattfindenden internationalen pädagogischen Kongreß eingeladen. Einer von den Stillen in der Kunst Vor mehr als 32 Jahren besuchte ich die Privatmalschule des Malers Conrad Fehr in Berlin, in der man auf die Prüfung ln der dortigen Kunstakademie vorbereitet wurde. Eine bunte Gesellschaft war da zusammen. Im Gedächtnis blieben mir ein ehemaliger Major, ein Sohn eines kurländisehen Pfarrers, und ein junger russischer Jude. Dieser war zweifellos der Begabteste von uns allen, und die Sicherheit, mit der er Köpfe und Figuren zeichnete, erregte unser aller Bewunderung. Während ich mich im Schweiße meines Angesichts bemühte, eine Form mühselig an die andere zu kleben, und mit diesen Versuchen dauernd kläglich Schiffbruch litt, war Schur schon längst mit den großen Pro- Portionen fertig. Wie manches Mal hat er mir mit seinem sicheren Formgefühl geholfen und mich über Schwierigkeiten des Anfängers hinweggebracht! Obgleich es ungewöhnlich erscheinen dürfte, daß ein Male*־ über den anderen schreibt, so sei es mir in diesem Falle verziehen, in der Erinnerung an die dankerfüllte Freundschaft, die mich mit diesem feinen und stillen Menschen schon seit Jahrzehnten verbindet. Schur, der in Berlin und Wien seine Ausbildung genoß, ist kein Glückskind. Mit all seiner echt künstkrischen Veranlagung ist er bisher im Schatten des Lebens geblieben. Seine übergroße Bescheidenheit hinderte ihn, in das volle Licht des Tages hinauszutreten. In hingebungsvollem Dienste an der Kunst unseres Volkes wirkt er seit 14 Jahren als Lehrer an der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem. Niemals hat er irgendeiner der zahlreichen Moden in der Kunst nachgegeben, er ist vielmehr immer seinem schlichten Suchen nach den Geheimnissen der Naturerscheinungen treu gebieben. So ist sein Name denen fremd, die in der Kunstentwicklung stets Auffallendes und ״Neues־'־ erwarten. Seine Bilder entstehen aus dem heißen Verlangen, sich demütig in die Mysterien des Weltalls zu versenken, und sie verlangen von dem Beschauer, daß er sich geduldig und liebevoll in ihre Anspruchslosigkeit vertieft. Im Grunde ist es ja ganz gleich, ob man wie Menzel oder wie Picasso malt, denn es gibt viele Kammern im großen Hause der Kunst, und jeder kann sich darin einrichten, wie es ihm gefällt. Die Hauptsache ist ja nur, daß eine wirkliche künstlerische Persönlichkeit sich offenbart. Jeder soll sein Lied nach seiner Weise singen, ob laut oder leise, aber sein Lied soll es sein. Und manchmal sind die leisen Liedchen die feinsten, freilich nur für den, der Ohren hat, sie zn hören. in den älteren Studien, hauptsächlich von verschiedenen Berliner Typen, die Schur in seiner Ausstellung im Technikum zu Haifa vorführt, zeigt sich die souveräne Formbeherrschung des Künstlers. Die Krone dieser älteren Periode ist das wirklich meisterhafte Bildnis von Dr. Eliaschew (Baal Machschowes). Es Ist breit und mit höchster Einfachheit gemalt und sein seelischer Ausdruck ist tief und ergreifend. Diese Werke erinnern in der Farbe noch an die grauen und dunklen Töne des Galuth. Hier in Erez-Israel gelangte Schur 7.u immer leuchtenderer Helligkeit in der Farbe. In der intimen Ausführung der Einzelheiten geht er vielleicht manchmal etwas zu weit. Aber viele der kleinen Studien zeigen eine außergewöhnliche Natur- Wahrheit in der Beobachtung der Farben unseres Landes, wobei er sich fast ängstlich vor wirkungsvoller Uebertreibung hütet. Ich möchte es mir versagen, auf einzelne von diesen schönen Naturausschnitten hinzuweisen. Man gehe hin und schaue, und jeder wird etwas finden, was ihm besonders zusagt. Bei vielen werden die sehr ähnlichen Bildnisse von Weizmann, Mordechai Ben Hillel Hacohen und Jabotinsky schon der Dargestellten wegen Interesse erwecken. Jeder aber, der ohne Vorurteil in bezug auf Modernismus oder Tradition diese Werke betrachtet, wird von respektvoller Bewunderung vor dem Künstler erfüllt werden, der unbeirrt von Tagesströmungen seine einsame Straße wandert und sein eigenes kleines Liedchen singt. Hermann Struck (Haifa). Die soeben erschienene Aprilnummer der Monatsschrift ״Menorah“ enthält u. a. die Einleitung aus Ludwig Lewisohns Buch ״Israel“, das in Amerika einen großen Erfolg zu verzeichnen hat, ferner ein Essay über E<f»«*n?UFleg von Aurelle Go<t)}eb, einen Bericht über dk Entsumpfung der Joel Engel, und Kunstbeilagen ker, von Josef Floch und Ghana Orlow.' ״., . -h . Arno Nadel Vor einem nicht sehr zahlreichen, aber gewählten und aufmerksamen Publikum sprach am 13. a. M. Felix Stössinger ln der ״Kunstkammer“ über Arno Nadels Werk. Seme Wertung dieses Werkes war schon im Titel des Vortrages ausgesprochen, mit dem versprochen wurde, das Rätsel seiner Größe zu enthüllen. Stössinger sieht in Nadel eine von den ganz großen schöpferischen Gestalten, die im stillen unbeachtet wachsen. Nadel kommt nicht von der Beherrschung der künstlerischen Form zur Kunst. Seine ersten Schöpfungen sind formal geradezu schwach. Darin unterscheidet er sich von der Dichterjugend unserer Zeit, daß seine Gegenwärtigkeit nicht im Motivischen, nicht in der Verherrlichung dieser Zeit und auch nicht in der Handhabung der immer wechselnden, aus innerer Kraftlosigkeit kurzlebigen und manirierten Modeformen wurzelt. Die Form Ist bei ihm auf das Minimum reduziert, die Sprache nicht mehr als das bescheidene Gewand, welches der zum Ausdruck kommende Gehalt notwendig fordert. Weil aber dieser Gehalt die ewigen Probleme, von einem schöpferischen Menschen der Zeit gedacht, sind, deshalb ist Nadels Dichtung in einem tieferen Sinne die Dichtung der Zeit, wie es def Faust und Tristan für die ihre sind, ohne motivisch in ihrer Zeit verankert zu sein. Und noch eins kommt hinzu: So wie Nadel die Sprache nicht fertig hat, sondern vom Gehalt gestalten läßt, so h a t er auch keine fertige Weltanschauung, von der aus er seine Gedichte konstruiert. Vielmehr ist eine Ahnung da, die lebt, wächst und sich gestaltend Ausdruck erhält, im Ausdruck vorwirtsgetrieben wird zu immer größerer Geschlossenheit. Nur so ist die Riesenleistung möguch gewesen, welche Nadels Hauptwerk ״Der To n“ darstelft. 3000 (dreitausend!) Gedichte in 2 Jahren, eine solche Leistung wäre nicht möglich, wäre das werk etwas anderes, als die wahrhafte Niederschrift eines besseren Lebens, seiner Sprache, seiner Melodie, seines Tones. Und so ist ״der Ton“ kein Kunstwerk in dem geläufigen Sinne, weil es aber von einem Künstler stammt, tat m ־künstlerische Form und Qualität. Es gibt darin viele mHäcomtnen« Gedichte, darüber hinaus stellt jedoch das We&äaein Ganzes dar, de« Erguß eines religiös begnadeten Menfchen, der aber keineswegs drastisch ist, sondern reif und durchdrungen. Da• Werk trägt die Spuren seines ferneren wichstmfes. Mancl-י>■ r-m, was

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