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Jüdische Rundschau · 1927-04-13 · Heft 29-30 (13.4.1927) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 29-30 (13.4.1927)
Date
1927-04-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29/30 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 219 / Blatter des ״Bundes Zionistischer Frauen" Die zionistische Frauenbewegung Von Sid d y Wronsky, Berlin, Vorsitzende des ״Bundes zionistischer Frauen“. Jede Bewegung in der Entwicklung der Menschheit ist bestimmt durch die ewigen Naturgesetze. UeberaH, wo Kräfte in ihrer Entwicklung gebunden sind und ihre Wesenskeirae nicht entfalten können, setzen Bewegungen ein, die Luft und Raum schaffen für die im Keim bestimmte Wesensbildung. Von diesen Gesetzen sind die Bewegungen der Völker, der Stände, der Jugend und auch der Frauen bestimmt Die zionistische Frauenbewegung erhält ihre Entwicklung von zwei Richtungen: einmal von der Entwicklung zum Volks- Judentum und ein anderes Mal von der Entwicklung zum Frauentum in diesem Volk. Das Ziel der zionistischen Frauenbewegung ist daher nicht nur geistig bedingt, sondern es will Frauenbildung unter dem Begriff der Formung der Einheit. Diese Formung muß geleistet werden im Hinblick auf die Aufgaben, die die zionistische Frau im jüdischen Volk zu erfüllen hat und im Hinblick auf die Materie, die als jüdisches Frauentum im Judentum vorhanden ist. Diese Formung ist wohl kaum in einem Volk so schwer zu gestalten, wie beim jüdischen Volk. Bei der ungeheuren Zerstreutheit der Volksteile in der Welt nach jahrhundertelanger Begrenzung und Anpassung gibt es bei um kein Einheitsbild von der jüdischen Frau. Aus den heute vorhandenen Typen der jüdischen Russin, Polin, Deutschen, Französin, Engländerin, Orientalin usw. muß sich allmählich erst die Gestalt der jüdischen Frau herauskristallisieren. Bei dieser Zielsetzung entsteht die Frage, welche Stellung im neuen jüdischen Volk die Frau einnehmen soll und welche Arbeit ihr innerhalb des Volkes erwachsen kann, welche Lebens- und Wirkungsmöglichkeiten ihr in der Einheitsbewegung des jüdischen Volkes werden können. Zweimal in der Geschichte der zionistischen Bewegung ist der jüdischen Frau in ihrem Rahmen ein Ziel gesetzt worden. Herzl und Buber haben die Bedeutung der Mitwirkung der jüdischen Frau innerhalb der Bewegung erkannt und ihre ideelle Mitwirkung in der Hingabe an die Idee und in der Auswirkung ihres Liebesgcfühls gesehen. Für unsere Zeit, die im Aufbau Palästinas die Aufgabe unserer Generation sieht, verlangt die jüdische Frauenbewegung nach festeren Aufgaben und Zielen. Wenn mich, wie in jedem Kolonialland die Zahl der männlichen Pioniere zunächst überwiegt, ist die Bedeutung der schaffenden Frauenkraft von Anfang an entscheidend für das Schicksal des Aufbaus überhaupt. Man kann daher nicht ernsthaft genug die Aus- Wirkungsmöglichkeiten zu erkennen suchen. Was die zionistische Frau an Mutterkraft und an Arbeitskraft dem werdenden jüdischen Volke zu geben hat, muß vom Standpunkt der äußersten Qualitätsleistung angesehen werden, und die Vorbereitungen für Palästina sind bei der jüdischen Frau mit größter Ueberlegenheit und Planmäßigkeit durchzuführen. Gerade weil die Zahl der weiblichen Einwanderer nach Palästina geringer ist 810 die der Männer und weil von •ihrer physischen Gesundheit die Bevölkerungspolitik des jungen jüdischen Palästina entscheidend abhängig ist, Ist ihrer körperliehen Ausbildung wie der Entwicklung ihrer Fähigkeiten für die physische und psychische Erziehung des Nachwuchses größte Sorgfalt zu widmen, so daß Säuglingspflege und Kindererziehung zu den Voraussetzungen für die Einwanderung jeder Jüdin in Palästina erforderlich sind. Daneben sind aber sowohl für den Aufbau des Heims wie für die Mitwirkung an jeder Kulturarbeit überhaupt die Bedürfnisse für Frauenarbeit genau festzustellen und die Erziehung und Ausbildung der jüdischen Zionistin ist nach diesen Forderungen einzustellen. Hier hat die Bewegung bisher versagt. Wir besitzen kein exaktes Material über Erfordernisse und Bedürfnisse, über Notwendigkeiten und Möglichkeiten jüdischer Frauenarbeit in Palästina. Von der Erkenntnis dieser Fragen hängt aber die Erhaltung und Auswirkung jüdischer Frauenwerte für die Regeneration unseres Volkes ab. Es ist daher mit besonderer Freude zu begrüßen, daß auf der Tagung der Wiro, die Int Juni v. J. in Berlin stattfand, auf Orund eingehender Erörterungen der Beschluß gefaßt wurde, mit einer sorgfältigen Materialsammlung über Lebens- und Arbeit«- möglichkeiten der jüdischen Frau in Palästina und Aus- Bildungsmöglichkeiten im Galuth zu beginnen. Man war auf der Wlzo-Konferenz, an der zionistische Frauen aus England, Holland, Deutschland, Oesterreich, der Tschechoslowakei und Bulgarien beteiligt waren und in der die Vertreter vom Nordwesten bis zum Südosten Europas im kleinen Kreis bei engster vertiefter Aussprache zusammen saßen, darüber klar, wieviel zu leisten ist, um den wahren Typus der jüdischen Frau, aus den verschiedenen Bildungen unter den Juden der Länder der Welt, zu erkennen, in seiner Bedeutung für das neue jüdische Volk zu werten und ihm die Entwicklungstnöglichkeiten zum Kultur- und Arbeitsschaffen in Palästina zu geben. Die für den Zweck der Erkenntnis und der Sammlung des erforderlichen Materials begründete Kulturzentrale in Wien wird aber das Ziel, das sie sich gesetzt hat, nur erreichen können, wenn das gesamte jüdische Volk mitarbeitet. Die zionistische Frauenbewegung ist keine Angelegenheit eines kleinen Kreises zionistischer Frauen, sie braucht zu ihrer Entwicklung die Mitarbeit und die Erkenntnis aller Zionisten, da die Formung zionistischen Frauentums von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung und Verwirkllchung der zionistischen Idee überhaupt Ist. Jerusalem, 5. April. (J. T. A.) Frau Garne Chapman Gatt, die Präsidentin des internationalen Bundes für Frauenstimmrecht und bürgerliche Gleichberechtigung der Frau, erließ einen Aufruf an die jüdischen Frauen Palästinas, sich zu organisieren und aktiv an der internationalen Be vregung für Frauenstimmrecht zu beteiligen. Palästina, heißt es in dem Aufruf, war tausende Jahre lang das Zentrum der Zivilisation, es muß diesen Platz wieder einnehmen. Die jüdischen Frauen Palästinas müssen mutig für ihre Gleich- Stellung mit den Männern in allen Hinsichten eintreten. Wlzo (Weltorganisation zionistischer Frauen). Die Organisationssekretärin Frl. Mechner hat eine Vortragstournee durch die Schweiz, Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Oesterreich, Tschechoslowakei, Deutschland und Holland unternommen. Die palästinensischen Aufgaben ausländischer Frauen Von Helene Hanna Thon. In einem früheren Aufsatz war die Rede gewesen von der Aufgabe, welche die palästinensische Frau in der Gemeinschalt zu erfüllen hat. Es ist notwendig, sich auch einmal mit der Frage zu befassen, welches die Aufgaben der Frauen des Auslandes gegenüber dem Aufbau Palästinas sind. Es gab eine Zeit, in der es genügte, daß einzelne Frauen oder Gruppen, zu denen sich Frauen zusammenschlossen, sich irgendein Institut aussuchten, das in Palästina auf ihre Verantwortung hin errichtet werden sollte und für das sie nur Mittel aufbrachten, geeignete Kräfte suchten und gewisse Personen irt Palästina zur Kontrolle veranlaßten. Vor — sagen wir 10 oder 15 Jahren — war eine andere Art des Arbeiten« auch noch gar nicht möglich. Die auS nationalen Motiven nach Palästina gewanderte Bevölkerung war noch klein und hatte noch keine Möglichkeit gehabt, irgendwie zu einer einheitlichen Gesellschaft mit einem System der Kräfte- Verteilung zu verschmelzen. Besonders war damals die Zahl der wirklich verantwortlichen, das gesamte Aufbauwerk überblickenden Frauen in Palästina noch so klein, daß die Frauen Im Auslande froh sein mußten, wenn sie überhaupt eine geeignete ״Vertrauensdame“ in Palästina fanden. Die Vertrauensdame war damals das unentbehrliche Bindeglied zwischen dem geplanten Institut und der Frauengruppe im Auslande, die es zu schaffen gedachte. Auf ihren Rat hin wählte man die Arbeit aus, resp. teilte ihr die im Ausland« getroffene Wahl mit; auf ihren Rat hin unternahm man die notwendigen Schritte zur Ausführung der Arbeit. Eine solche Arbeit, wem durch sie auch gelegentlich wirklich wichtige Institute entstanden, ragte natürlich ln nichts über den Charakter einfacher Wohltätigkeitsarbeit hinaus. Die einzige Organisation, welche diese Praxis verließ, weil sie sofort mit weitem Blick den Gang der Entwicklung voraussah, war die amerikanische ״Hadassah". Bei der Stärke und Wtfcht, mit der sie an die Organisierung der amerikanischen Frauen heranging, konnte sie es sich bald leisten, sich mit der Landesorganlsaiion zu einem gemeinsamen Werk in Palästina zu verbinden, ohne in Gefahr zu stehen, von der Minnerorganisation verschluckt zu werden. Dank ihrer Stärke konnte sie sich auch bald in Palästina eine Aufgabe wählen, die so umfassend war, daß sie mit der Tätigkeit anderer Frauenorganisationen gar nicht verglichen werden kann und sich nach ganz anderen Gesichtspunkten als denen reineT Frauenarbeit vollzieht. Inzwischen haben die Zeiten sich gewandelt, die Gesellschaff in Palästina hat sich zu einer wirklichen Bevölkerung vergrößert, umfaßt Menschen der verschiedensten Gesellschaftsklassen und Bildungsgrade und hat bereits eine Fülle gerade derjenigen Kräfte aufgesogen, die im Auslande jahrelang■ in nationaler Palästinaarbeit tätig waren. Wenn diese Bevölkerung auch noch weit davon entfernt ist, einen wirkliehen Volkscharakter atisgebtidet zu haben, so hat sie doch immerhin schon die Kraft, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen, das Ziel einer Erfüllung dieser Bedürfnisse zu verfolgen und wenigstens den Beginn zu einer eigenen Organisierurtg in der Verfolgung dieses Zieles zu machen. Wenn Menschen des Auslandes unter dem Aufbau Palistinas mehr verstehen als die Anlegung von Siedlungen und die Entwicklung von Städten mit der Hilfe von ausiändischem Kapital, wenn sie darunter verstehen: die Heran- Züchtung einer neuen, autonomen jüdischen Gemeinschaft, — so müssen sie alles tun, um die Anfänge zur Selbstorganisation hier liebevoll zu studieren, zu ermutigen und zu stützen. Man kann sagen, daß diese Achtung vor dem inneren Werden Palästinas in der zionistischen Ocffentlichkeit und ihrem Rahmen, der Zionistischen Organisation, in hohem Maße vorhanden ist. Unmöglich sich einen zionistischen Kongreß vorzustellen, auf dem nicht alle Arbeitspläne aufs geneueste mit den Vertretern der palästinensischen Bevölkerung durchberaten worden wären, unmöglich heutzutage ein Kongreß, auf dem — wie in den ersten Kindertagen des Zionismus - nur Juden aus den verschiedenen anderen Lindern nicht aber aus Palästina über das in Palästina zu Schaffende beraten: Vom ersten Augenblick an, in dem man in der Zionistischen Organisation vom Programm der rein politischen zionistischen Arbeit zu dem der praktischen Palästinaarbeit übergegangen ist, hat man im Auslände nichts zu bestimmen gewagt, was ganz ohne den Willen oder gar gegen den Willen der palästinensischen Gesamtheit gegangen wäre. Nationale Frauenarbeit für Palästina sollte eigentlich jede Entwicklung mitmachen, welche der gesamte Palästinaaufbau durchmacht. Auch nationale Frauenarbeit für Palästina sollte allmählich von der Schaffung im Lande zu einem bestimmten System des Palästinaaufbaus übergehen. Nationale Frauenarbeit in Palästina sollte gleichfalls die Strömungen im Lande, den Grad der Entwicklung und Konsolidierung sorgfältig messen und sich jeweils nach der erreichten Höhe der Selbständigkeit palästinensischer Frauen richten. Was sehen wir statt dessen? Kaum eine einzige Frauengruppe des Auslandes hat bisher ernsthaft den Versuch gemacht, den palästinensischen Willen kennenzulernen und zu befragen. Alte Frauenorganisationen, die im Laufe der Jahre und Jahrzehnte gegründet wurden, haben genau dasselbe getan, was man vor 15 Jahren notgedrungen tun mußte: eine Gruppe von Frauen des Auslandes hat sich aus eigener Machtvollkommenheit zusammengeschlossen, hat sich aus eigener Machtvollkommenheit — bestenfalls nach Beratung mit dieser oder jener Bekannten in Palästina — ihr Programm gewählt und hat dann Irgendeine Frau oder einige Frauen dort zu ihren Vertrauensdamen ernannt. Bei dieser Arbeitsweise, die bei der Aufstellung ihrer Pläne niemals die palästinensischen Frauen nach ihren Wünschen und Meinungen fragt, konnte die groteske Situation entstehen, daß man bei einer zurzeit des Wiener Kongresses stattfindenden und selbst eine Art von Kongreß der Frauen aus allen Ländern bildenden Tagung den anwesenden Vertreterinnen der größten, über 3000 Mitglieder zählenden palästinensischen Frauenorganisation, die volle Redefreiheit verwehrte. Es soll nicht bestritten werden, daß bei diesem System einige ganz wertvolle Institute im Laufe der Jahre geschaffen worden sind, aber es darf nicht übersehen werden, daß auf diese Weise auch heute die nationale Frauenarbeit im Auslande meistens noch auf der Stufe einer unsystematischen, von keiner großen Gesamtidee beseelten Wohltätigkeitsarbeit bleibt. Es darf auch nicht übersehen werden, daß dadurch dem großen Palästinagedankcn, dem Gedanken der Schaffung der neuen Gemeinschaft unendlicher Schaden getan wird. Dieses System der Wohltätigkeit für Palästina ohne Beratung mit Palästina ist heute viel weniger entschuldbar als vor Jahren; denn Palästina ist nicht mehr dasselbe wie einst. Die Frauen Palästinas haben sich inzwischen längst zu Organisationen vereinigt und streben immer mehr zu einer Organisation der Organisationen hin. Dieses Streben müßte eigentlich von den Frauen des Auslandes in jeder Weise gefördert, allenfalls sogar mit Organisationsmittein ausgestattet werden, denn es würde zur Schaffung einer palästinensischen Zentralstelle für nationale Frauenarbeit führen. Von dieser Zentrale aus würden die Frauen des Auslandes ihre Anregungen und Arbeitspläne erhalten, durch sie würde der lebendige Kontakt zwischen den Frauen hier und jenen draußen geschaffen werden. Es ist eine eigentümliche Erscheinung, daß gerade ln der letzten Zeit, in der Zeit, in der die großen nationalen Organisationen Keren Kajemeth und Keren Hajessod den Boden Palästinas als genügend vorbereitet erkannten, um ihre Zentralstellen hierher zu verlegen — daß gerade um diese Zeit die Frauenorganisationen des Auslandes eine ausgesprochene Tendenz zu Dezentralisation aufweisen. Wenn schon die Frauen bis heute nicht dazu gelangt sind, sich in ihren Landesorganisationen und in der zionistischen Gesamt- Organisation Sitz und Stimme zu erringen, wodurch sie dann auf die gesamte Palästinaarbeit auch die zugunsten der Frauen Einfluß nehmen könnten, so ist es wenigstens erfreulich, daß sich in den verschiedenen Ländern die Frauen zu besonderen Organisationen mit besonderen Zielen zu» sammengeschlossen haben. Bedauerlich ist nur die Form, in der sich diese Arbeit vollzieht. Es ist eine mehr alte ab gute Form: Frauenkomitees des Auslandes wählen sich ihr Programm und ihre Vertrauensdamen in Palästina und leisten ganz unabhängig voneinander ihr Stückchen Arbeit. Auf diese Weise ist wie einst jede Möglichkeit zu einem sich Kreuzen der verschiedenen Pläne mit der daraus resultierenden Vergeudung an Mitteln und Kräften gegeben. Auf diese Weise ist eine Erneuerung des Typus der nach Macht und Geltung hungrigen Herrscherin im kleinen Klüngel gegeben. Auf diese Weise sind wir kurz und gut zu dem alten, längst totgeglaubten Kolel- und Chalukahsystem zurückgekehrt Es ist anzunehmen, daß die Frauengruppen des Amlandcs, die letzthin neuerlich begonnen haben, in dieser Weise zu arbeiten, sich über die rückschrittliche, gewisser» maßen sogar destruktive Tepdenz ihrer Arbeit nicht itn klaren sind. Es ist besonders auch anzunehmen, daß sie vos; dem neuen Stadium in Palästina, dem Stadium der selb» ständigen, Tausende von Mitgliedern zählenden Frauenorganisation noch nichts wissen und solange die ersehnte Zu* sammenfassung der verschiedenen palästinensischen Frauen» Organisationen noch nicht erfolgt ist, nicht wissen, auf welche andere Weise sie arbeiten könnten. Ihnen sei ein genaues Studium der palästinensischen Frauenorganisationen empfohlen, wobei sie sicher zu der Ueberzeugung gelangen würden, daß es besser und für die Anbahnung nationaler Selbständigkeit wichtiger ist, wenn sie diese oder jene bereits bestehende Organisation statt dieser oder jener einzelnen Frau zu ihrer ״Verirauensdame“ machen. Ihnen sei ferner die Ueberzeugung der palästinensisclien Frauen nahegelegt, daß trotz der unendlichen Not an Institutionen für soziale Frauenarbeit im Lande doch nichts so nottut, wie die Schaffung der zentralen Organisation in Palästina mit Hilfe der im Auslande arbeitenden Frauenverbände. Zar Frage der fiemeinsdiallserzielitrag Vorschlag sar Errichtung eines Jüdischen Kinderhauses in Berlin Dieses Referat wurde in einer Vorstandssitzung des Bundes zionistischer Frauen in Berlin gehalten. Das Problem der Beschäftigung und Erziehung des heranwachscnden Kindes in einer ihm entsprechenden Art und Umgebung ist in der Großstadt besonders brennend und findet in den seltensten Fällen eine befriedigende Lösung. Das einzelne Kind lebt in einer dem kindlichen Wesen fremden Umwelt; denn diese Ist für die Erwachsenen geschaffen und ihrem Leben angepaßt. Aus dieser Situation entstehen fast in jeder Familie Konflikte: Für die Eltern entsteht die Schwierigkeit, die Erfordernisse ihres eigenen Lebens und Berufs mit der Sorge für die Befriedigung der körperlichen und seelischen Bedürfnisse des Kindes zu vereinen. In den meisten Fällen löst man diese Frage, indem man die Erziehung und Behütung des Kindes bezahlten Kräften überläßt, die oft nur ln sehr geringem Maße für diese Aufgabe qualifiziert sind. Auch dann, wenn die Mutter selbst all ihre Zeit und Kraft dieser Aufgabe widmet, ist das Kind doch stets mit einem erwachsenen Menschen zusammen, der notwendigerweise in einer anderen geistigen Welt lebt, als das Kind. Die Folge ist dann meistens, daß die Nervenkraft der Mutter nach kurzer Zeit versagt, und dann wird entweder das Kind in seinen Regungen unterdrückt und eingeschränkt oder aber die Mutter von dem egoistischen kleinen Wesen tyrannisiert. Es ist ja sehr natürlich, daß alle egoistischen Triebe und Neigungen bei der Einzelerziehung des Kindes in der Familie außerordentlich gestärkt werden. Das Kind sieht eine Person mit ihrer ganzen Kraft in der Sorge und in dem Bemühen für sein Wohl auf gehen, und es fühlt sich deswegen nur allzu häufig als Mittelpunkt allen Geschehens. Selbst wenn es mit (meist nur wenigen) Geschwistern aufwächst, fehlt ein wesentlicher erzieherischer Faktor: Es gewinnt dadurch noch keinerlei Fähigkeit, sich in eine größere' Gemeinschaft gleichartiger Wesen einzu-

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