Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 29-30 (13.4.1927)
- Date
- 1927-04-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sehe 210 nJEDfSCHI tmHDSCHÄO Nr.»/» Für industriellen Frieden Im Arbeiter-Tageblatt ״Da war“ vom 25. März äußert sieh der Chefredakteur Berl Katznelson über die Aufgaben der dritten Hlstadruth-Konferenz (s. auch den Artikel unseres palästinensischen Korrespondenten in der vorigen Nummer der ״J. R.“). Katznelson schreibt, daß die früheren Konferenzen sich vorzugsweise mit Fragen der inneren Organisation der Histadruth, mit den Problemen der Erschließung neuer Berufszweige und kolonisatorischen Fragen beschäftigt hätten. Die Probleme des Industriearbeiters stauden demgegenüber mehr im Hintergründe, aus dem einfachen Grunde, weil die Industrie damals im Lande noch sehr schwach vertreten und die Angst vor dem organisierten Arbeiter sehr groß gewesen sei. Auch die kommende Konferenz werde sich der Verpflichtung nicht entziehen können, sich eingehend mit allen organlsatoriachen und innerwirtschaftlichen Fragen zu beschäftigen; zweifellos müßten die Probleme der Sanierung der Arbeiterwirtschaften, ihrer Revision und Reform auch jetzt noch großen Raum einnehmen. Darüber hinaus werde die Konferenz dieses Mal dem gesamten mit der Entwicklung der Privat* Wirtschaft verknüpften Komplex besonderes Augenmerk zuwenden müssen. Der Verfasser sieht vor allem eine wichtfge Aufgabe der Konferenz darin, daß sie vor sich selbst, vor den Delegierten und Führern der Histadruth und Gewerkschaften und den städtischen Arbeiter-Ausschüssen sowie vor der Oeffentlichkeit ihrer Stellung gegenüber dem produktiven privaten Betrieb, dem Schöpfer wirtschaftlicher Positionen im Lande, klarstelle, und bestimme, welche Wege der organisierte Arbeiter zur Sicherung seiner Rechte und zur Herstellung geordneter Be- Ziehungen zwischen Unternehmer und Arbeiter gehen müsse. Obwohl die gegenwärtige Stimmung und die herrschende Neigung, den Arbeiter als den ״Feind der Industrie“ hinzustellen, nicht geeignet erscheine, eine ernsthafte Klärung herbeizuführen, sei es angebracht, sie nicht weiter zu verschieben. Verschiedene pathologische Erscheinungen begleiten die Entwicklung der privaten industriellen Unternehmungen, und die Arbeiterbewegung müsse sich vor ihnen schützen. Man habe es eben hier vielfach mit dem gleichen Unternehmer zu tun, der nicht so sehr kapitalistisches Können aufweise, wie er kapitalistischen ״Appetit״ besitze und sich den Aufbau einer Wirtschaft nur in den gleichen Formen der Ausbeutung und Unterdrückung vorstellen könne, die in dem Orte seiner Herkunft herrschen; er vergifte durch seinen Haß und seine Angst vw dem Arbeiter die Luft in- und außerhalb des Landes. Auch unter den Arbeitern gäbe es solche, die die ökonomiache Tradition Ihrer Heimat aufrecht erhielten und die Bedeutung einer woMorganisiertea Arbeiterschaft nicht ein• sähen. Während aber diese Arbeiterelemente eine starke organisierte Macht mit klarer wirtschaftlicher und politischer Erkenntnis vorfinden, seien die Arbeitgeber der bezeichneten Art vollkommen frei und könnten nach Belieben tun und lasten, was ihnen behebt, d. h. die Lage verschärfen und die öffentBche Atmosphäre vergiften. Dia Konferenz muß daher, 80 schreibt der Verfasser schließlich, die Erkenntnis ^tärfetn, daß die Entstehung |#Wltt'Wli|t::R1*lvai.wi:»trs־ch;aft-I« Lande■ ׳•inemeit*-die Ejd«f«1z eines Unternehmers voraussetze, der den organisierten Arbeiter anerkennt, und es für richtig findet, die Angelegenheiten auf dem Wege kollektiver Verhandlungen mit der Arbeiterorganisation zu regeln, und andererseits eine starke Arbeiterbewegung, die, in Erkenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge danach strebt, die nationale Wirtschaft zu stärken und die Interessen des Arbeiter« in den Grenzen der objektiven Mög lichkeitcn der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zu sichen. Im Mittelpunkt dieser Probleme müsse daher die Frage des kollektiven ArbeitsVertrages stehen, derart, wie sie in anderen Ländern mit entwickelter Gewerkschafts- Bewegung üblich sind. Der Verfasser macht dann folgenden Vorschlag, den er gleichzeitig als Antrag an die Konferenz formuliert und dessen Wortlaut hier folgt: des Wagens ging ich auf die Stimme zu und sah mich einem alten Juden gegenüber, der seinen Körper hin- und herbewegte, und in Verzückung, die durch mein Nahen nicht gestört wurde, ״geschmack“, d, h. mit inbrünstigem Eifer ״Tillim״ &*gte. Die ״Jarmulka“, das Sammetkäppchen, war bei dieser Tätigkeit ganz nach vorn gerutscht, in der einen Hand hielt der Psalmensager ein altes abgegriffenes Psalmenbuch, die andere Hand war an die Schläfe gedrückt. Auf der Nasenspitze lag eine Drahtbrille, die nur ein Glas hatte, während an Stelle des anderen Glases ein Blechstück eingefaßt war. Der Psalmenbeter trug eine schwarze kreuz und quer gesteppte Watteweste mit langen Aermeln, wie sie im Osten üblich sind, hinter der, rechts und links, Schaufäden herVörhigten. Die Füße staken in Filzstiefeln, deren Schäfte Hs zu den Oberschenkeln reichten. Ueber die Filzstiefel hatte der Alte, dessen Bart lang und schütter hin- und herpendelte, Galoschen, Gummischuhe, gestülpt. Ich betrachtete den Alten, der Sich zunächst durch mich nicht stören ließ, schließlich aber doch meiner Nähe irme wurde. Er hörte mit dem Psalmodieren auf, rückte die Brille zurecht und nahm mich in Augenschein. Ich benutzte die Gelegenheit und bot ihm den traditionellen Gruß: ״Schülern aleichem, a Jid." ״Aleichem Schülern“, tönte es als Antwort und unsere Unterhaltung konnte beginnen. Zunächst das vorsichtige Abtasten. Durch verschiedene Fragen, die nicht nur darum gestellt werden, weil sich vielleicht die Möglichkeit eines Geschäftes ergibt, sondern darum, well man sich vergewissern muß, ob das Gegenüber nicht irgend etwas Böses im Schilde führt. Die obligaten Fragen, ״woher isajid“, ״wohin iuhrt a Jid“, waren bald beiderseltlg zur Zufriedenheit erledigt. Und nun folgte die Frage: ״Was ist ein Jld.“ Und zwar war ich es, der zuerst diese Frage stellte. Der Alte kniff die Augen zusammen, neigte den Kopf zur Seite, blickte mich schnippisch an und sagte: ״Raten Sie einmal“... Und ich begann zu raten: Schadchen, Battlen, Mesusesgucker, Sofer, Makler, Händler, Meschulach, Talles- Weber, Fleischbeschauer, Zizzesmacher, Bäder, Mentker (PotesCh), Mazzetbäcker, Winkelschreiber, Adressenhändler, Chase», Mohel, Schamnies, oder gar ein ״Enkel“, ״Eidam“ oder ״Niflref“ (Abgebrannter) — ich strengte mein Gehirn aufs äußerste an, der Alte schüttelte bei jeder Berufsbezeichnung ״Aus der prinzipiellen Erkenntnis heraus, daß Einwanderung, Kolonisation und jüdische Arbeit gleichermaßen an der Entwicklung aljer wirtschaftlichen Möglichk eiten des Landes und an der Schaffung einer sich selbst erhaltenden Wirtschaft interessiert sind, liegt für uns ein vitales Bedürfnis in dem Abschluß einer Vereinbarung zwischen Arbeiterorganisation und Industrie- Unternehmungen zur Vermeidung wirtschaftlicher Streitigkeiten, die notwendig Vergeudung von Kapital und Arbeit und Verluste für beide Teile im Gefolge haben. Wir schlagen allen industriellen Unternehmern, die die Bedeutung geordneter Beziehungen zwischen beiden Seiten anerkennen, vor, einen Vertrag mit der allgemeinen Arbeiter- Organisation in Palästina zu schließen und in ihm folgende Hauptpunkte der gegenseitigen Beziehungen festzulegen: 1. Die vertragschließenden Arbeitgeber beteiligen sich am Arbeitsbüro (Arbeit®• Vermittlung). Die Arbeiter werden durch das Büro zugewiesen. Das Büro registriert sämtliche Arbeiter ohne Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit zur Histadruth, und ohne Bevorzugungen irgendwelcher Art bei der Arbeits- Verteilung. 2. Für jeden Arbeitszweig wird ein Minimallohn festgesetzt, der sich 1. auf das Lebensniveau eines europäischen Arbeiters und 2. auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des betreffenden Industriezweiges im Lande gründet. 3. Der Arbeitstag beträgt acht Stunden. 4. Der Arbeiter und der Unternehmer ist verpflichtet, rcgelmäßig Beiträge an die Kupat Cholim (Krankenkasse) abzuführen. 5. An jedem Arbeitsplatz wird ein Arbeiterausschuß gewählt, der als Vertretung der Arbeiter gegenüber der Leitung fungiert. 6. Der durch das Arbeitsbüro »gewiesene Arbeiter arbeitet zuerst kurze Zeit versuchsweise und wird, wenn er über die Probezeit hinaus in dem Betrieb verbleibt, als stindiger Arbeiter betrachtet. 7. Ein Ständiger Arbeiter darf aus einem zureichenden Grunde entlassen werden. 8. Es wird eine Skala für Entschädigungen an entlassene ständige Arbeiter festgesetzt, die sich nach der geleisteten Arbeitszeit richtet. 0. Jeder Konflikt zwischen Unternehmern und Arbeitern, die dem Vertrage unterliegen, wird einer Schlich* tungikommission überantwortet. Der Verfasser hofft, daß diese Vorschläge eine geeignete Basis bilden werden, um den vielen Streitigkeiten auf diesem Gebiete endgültig ein Ende zu bereiten, wenn sie auch nicht auf allen Seiten Beifall finden werden. * Im ״Haarez“ vom 28. März nimmt Glücksohn zu den Vorschlägen von Katznelson Stellung und schreibt, daß man seine Vorschläge mit aufrichtiger Freude und Zufriedenheit aufnehmen müsse. Katznelson habe in klaren Worten das Interesse des jüdbehen Arbeiters an der Entwicklung der privaten produktiven Wirtschaft, der Schöpferin wirtschaftlicher Positionen im Lande, und seinen Willen zur Schaffung menschlicher Arbeitsbedingungen und menschlicher Verhältnisse zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber dargelegt. Eine Basis für Verhandlungen und Fest- Setzung von Normen für beide Seiten sei durch KatzneUons neun Punkte auf jeden Fall gegeben. Die zwei grundlegenden Sätze des Vorschlages: Teilnahme der Arbeitgeber an dem Arbeitsvermittlungsbüro und das Prinzip der Schlichtung bei Streitfällen könnten in weitgehendem Maße zur Erleichterung von Verhandlungen beitragen und das Gefühl der wirtschaftlichen Verbundenheit und beiderseitigen Verantwortung, das die ganze Oeffentlichkeit herbeisehnt, erwecken. 1!im111mn1iu1111111;1n111j1nu1111111i11»111111111111111׳n1111M111n1111111111111111n1>11nn1n1t11111ntuln1111n1111111ni11111t11n)t11t1111111 Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau” erscheint wegen der Feiertage als Doppelnummer am Freitag, den 22. April 1923 Die Dienstag -Ausgabe entfällt. HiiiiiiiiiimiiiluiliiHiiiiitiiiiiiHiiiHiiiiiiMiilihiuiliiiiiiiwiiiiiiHiiiiiiiiiinmi'i'iiiiiliiiiiMniiiiiiiiiiniiliiiiiliiniiiiiiiiiiiiiiiiiiii den Kopf. Ich gab also das Raten auf. ״Und wenn Sie die ganze Nacht raten würden, werden Sic auch nicht darauf kommen“, sagte der Alte triumphierend. ״Ich habe eine Kunst, wie kein einziger Jude in ganz Litauen, ich bin der einzige im ganzen Land und habe Gott sei Dank schön Parnosse. ״Sehen Sic“, setzte er fort, ״ich habe im Munde zwei Goldzähne, die haben 10 Dollar gekostet und ich habe dieses viele Geld, Gott sei Lob, zahlen können“. ״Was sind Sie also“ unterbrach ich seine Rede. Da zog er aus einer in die Weste eingenähten Bmsttasche ein in ein rotes Taschentuch eingebundenes Päckchen, entfaltete es umständlich und entnahm dann einem Haufen von schmutzigen Zetteln ein Blatt und überreichte es mir gravitätisch. — Auf dem Blatt aber war in litauischer und in jiddischer Sprache folgendes zu lesen: ״Meldung. Ich fartreih und fartillik Wanzen, Preußen, Meis, Pazukkes (Ratten) usw. Schon verzig Johr wie ich arbeit auf dem Gebiet mit groß Erfolg. Ich hab bekummen Attestaten vun verschiedene Regierungs-Anstalten tin private Personen. Ich bin gekummen do in Städte! nor af einige Tag und nem an Besuche vun 8—10 aseiger frih und vun 3—6 aseiger nachmittag.“ Strahlend folgte der Jude meiner Lektüre. ״Nun was sagen Sie jetzt“, fragte Cr mich rethorisch. .,Wie ein Doktor“, entgegnete ich. ״Sie haben ja Ordinationsstunden.“ ״Ganz recht“, war seine bescheidene Antwort, ״die Menschen kommen zu mir, wie zu einem Doktor, denn mein Rezept ist unerreicht.“ Der Alte gefiel mir. Der Teufel ritt mich und ich versuchte, den Alten aufzuziehen. ״Das alles ist recht schön,“ sagte ich, ״aber wie können Sie sich, ein Geschöpf von Fleisch und Blut, unterstehen, Geschöpfe Gottes — und alles was lebt, ist doch ein Geschöpf Gottes, ~ zu vernichten.“ Der Alte war keineswegs verwirrt. Er rückte an seiner Brille und sagte: ״Wie Sie mich da ansehen, habe ich in meiner Jugend gelernt und gucke noch jetzt in ,die kleinen Buchstaben‘ hinein. Es steht ausdrücklich geschrieben, daß es Geschöpfe gibt, di׳* e;!stieren und nicht existieren sollen.“ ״Wie meinen bi׳/ •׳ fragte ich ihn. Seine Antwort: ״Zum Beispiel die diese sollen vorhanden sein, denn sie machen Lüuier in die Erde und auf diese Weise des Boden fruchtbar. Sie sollen aber nicht in großer Die Berliner Gemelndewahlen Oskar Coba gewählt Das endgültige Ergebnis der Gemelndewahlen wurde am Sonntag, den 10. d. M., im Sinne einer Entscheidung des Polizeipräsidenten von Berlin noefi einmal festgestellt. Die neuerliche Zählung ergab, daß am 16. Mai 1926 insgesamt 50302 gültige und 350 ungültige Stimmen abgegeben wurden. Von den gültigen abgegebenen Stimmen entfielen auf die liberale Partei 23110, auf die Jüdische Volkspartei 16 330, auf die religiöse Mittelpartei 5541, auf die Konservativen 2901 und auf die Poale Zion 2142 Stimmen. (287 Stimmen entfielen auf den Bund der Angestellten.) Auf Grund dieses neuen Ergebnisses erhalten die Liberalen zehn Vollmandate, die Jüdische Volkspartei sieben Vollmandate, die Mittelpartei zwei Vollmandate, die Konservativen ein Vollmandat und die Poale Zion ein Vollmandat. Gegenüber dem am 16. Mai 1926 festgestellten Ergebnis trat auf Grund der neuerlichen Zählung eine Verschiebung insofern ein, als Dr. Oskar Cohn von der Poale Zion- Partei nunmehr Repräsentant wird, während die Jüdische Volkspartei anstatt acht nur sieben Vollmandate in der Reprisentantenversammlung hat. * Das Resultat einer fast ein ganzes Jahr dauernden Protestbewegung mit sich daran schließenden schwierigen Zählungen und Untersuchungen, ist also gleich Null. Auf Grund all der angeblich vorgekommenen Verstöße und Unregelmäßigkeiten sowie der von den Liberalen behaupteten Fälschungen sind insgesamt sage und schreibe 129 Stimmen gegenüber dem Zählergebnis vom Mai 1926 annulliert worden. Was bleibt also von all den Behauptungen übrig, daß tausende nicht Wahlberechtigte hineingeschmuggelt wurden und durch ihre Abstimmung das Wahlresultat verfälscht haben? Die Zahl der liberalen Stimmen ist durch die neue Zählung nicht vermehrt worden. Als einzige Verschiebung ist (Be Zuerkennung des Mandates an Dr. Oskar Cohn zu buchen. Ob das der Zweck der geharnischten Proteste, der verschiedenen briefliehen und persönlichen Interventionen bei allen Regierungsstellen gewesen ist, bleibe dahingestellt. Die Liberalen haben jedenfalls keinen Grund, sich über ihre krampfhaften Proteste, die ein ganzes Jahr lang die Installierung der neuen Reprisentantenversammlung verhindert haben, zu freuen. Zur arabischen Frage ״Haare*״ und ״Dawar“ vom 25. Mir* bringen einen Auszug aus einem Artikel der bekannten arabischen Zeitung ,,Felestin“, dem Organ der arabischen Exekutive, in dem Artikel wird darauf hingewiesen, daß in zionistischen /Kreisen eine große Veränderung vor sich gegangen ist und daß man nicht mehr wie früher an eine Beherrschung der Araber denkt. Es wird dann ausgeführt, ein deutscher Zionist, der sich mit politischen Angelegenheiten befaßt, habe die Redaktion besucht und habe Anträge unterbreitet, die auf eine große Wandlung des Zionismus hindeuten. Die deutschen Zionisten, habe der Gewährsmann gesagt, seien bestrebt, den Streit zwischen Juden und Arabern ein Ende zu machen und sie schlagen vor, da#,.f^haljen,. •bei der Juden und Arabet ihre tfprien Angelegenheiten selbst verwalten und eine oberste Kammer, die von beiden Teilen befchickt wird, die gemeinsamen. Angelegenheiten des Landes, in arabischen Kreisen soll die arabische, in jüdischen Kreisen die hebräische Sprache herrschend sein usw. Das Blatt verhält sieh skeptisch zu diesen Vorschlägen und erwähnt zum Schluß noch einen Artikel von Dr. Robert Welt sch im amerikanischen ״New Palestine“ über die Frage des Juden- Staates, dessen Inhalt das Blatt in der nächsten Nummer wiederzugeben verspricht. Nach unseren Informationen hat die Zionistische Verein!- gung für Deutschland niemanden zu solchen Verhandlungen beauftragt, es kann daher von einem offiziellen Schritt nicht die Rede sein. Es handelt sich um eine Unterredung von Herrn Ernst Davis,• dem Berichterstatter des ״Berliner Tageblatts“, der unseres Wissens der revisionistischen Richtung angehört. Wir werden gelegentlich auf die Angelegenheit zurückkominen. Anzahl sein, denn sonst zerstören ste die für die menschliehe Nahrung bestimmten Vorräte . . . Und das gleiche gilt auch für die Ratten.“ ״Ganz recht," sagte ich ihm, ״das verstehe ich schon. Aller wie ist’s mit den Wanzen?“... Der Alte zog die Stirn kraus, wackelte mit dem Kopfe nach rechts und links und sagte dann mit trauriger Stimme: ״Schon vierzig Jahre betreibe ich mein Geschäft, und mein Haupteinkommen beziehe ich aus der Vertreibung der Wanzen. Und die Wahrheit gesagt, ich weiß nicht, wozu der liebe Herrgott die Wanzen geschaffen hat.“ ״Irgend einen Zweck hat doch die Schöpfung mit den Wanzen verfolgt“, lautete mein Einwand. ״Haben Sie sich niemals die Frage vorgelegt welchen?“ Der Jude dachte nach. ״Vielleicht“ kam es dann kleinlaut aus seinem Munde ״sind die Wanzen dazu da, damit Jidcn Parnosse haben.“ ״Wie?“ fragte ich, ״Jiden Parnosse? Sie sind doch, wie Sie selbst gesagt haben, der Einzige Ihres Berufes in ganz Litauen. Hät also der liebe Herrgott die Wanzen Ihretwegen erschaffen und Sie sind gar am Ende einer jener 36 Gerechten, um derentwillen die Welt besteht?“ Diese Ucberlegung machte den Juden ganz stutzig. ״Ich einer der 36 Gerechten? Kann denn das möglich sein?“ Darauf meine Entgegnung: ״Das ist eben das Kennzeichen des wahren Gerechten, daß er nicht weiß, daß er ein Gerechter ist.“ Nach dieser Gesprächswendung verharrten wir lange im Schweigen. Dann machte ich dem Alten den Vorschlag, mir seine Kunst zu vermitteln und seine Rezepte zu verkaufen. Das Geschäft kam wohl nicht zustande, aber die Beziehungen zum Alten, dessen Namen und Adresse ich schon aus Konkurrenzgründen verschweigen muß, sind nicht abgebrochen. Desgleichen kann ich auch nicht erzählen, wohin mein (höffentlicn 1) zukünftiger Geschäftsfreund sich gerade ia jener Zeit begeben wollte. Auch dahinter Steckt ein Geheimnis, das ich zu wahren versprach. Es sei nur soviel verraten, daß es auf Pessach und Chamez-Ausrlumen Bezug hat. Vielleicht ergibt sich noch einmal die Gelegenheit, wenn der Plan meines alten Freundes Verwirklichung gefunden hat, davon in Freuden für ihn und für das ganze Volk Israel zu erzählen.